Der Evolution in die Werkstatt geschaut
Unter dieser Rubrik werden Beispiele angeführt, wie die Evolution in kürzeren Zeitrahmen wirkt und damit Ausgangspunkte für mögliche größere Veränderungen schafft. Die zunächst kaum merklichen Neuerungen, können später zu unterschiedlichen Arten, und in längeren Zeiträumen gedacht, auch zu neuen Gattungen und Familien und größeren Verwandtschaften führen.
Wer will, kann die klein anmutenden, unter dieser Rubrik geschilderten Veränderungen als „nur“ Mikroevolution bezeichnen. Doch solche Mikroschritte sind Grundlage für später augenscheinliche Veränderungen, sind gleichsam Keimzellen der Evolution, die sich dann in Makroschritten (zumeist wohl aus vielen Mikroschritten sich zusammensetzend) möglicherweise manifestieren.
Solche Keimzellen der Evolution lassen sich mit Werkstätten vergleichen, so wie sie in unterschiedlicher Weise auch im Handwerk oder in Fabriken vertreten sind. Es stehen Werkstätten verschiedenster Art zur Verfügung, die in ihrer Weise Gegebenes bearbeiten und, falls ein komplexeres Gebilde in Planung ist, einige Gewerke zusammenwirken werden. So lassen sich auch verschiedene Keimzellen (Werkstätten, Gewerke) der Evolution erkennen, die Verändertes, neuen Lebensbedingungen entsprechend, weiterbearbeiten. Nicht absichtlich, doch als Folge entsteht angepasstes, genetisch definiert Neues.
Mit die wichtigsten und meist wohl die ersten Schritte sind Abwehrbemühungen gegen Konkurrenten und Schmarotzer, Ausloten möglichen Zusammenarbeitens (nicht als Absicht, doch im Ergebnis oft ein beiderseitiges Nehmen, das keiner von beiden verhindern wird, um nicht Vorteile wieder zu verlieren), Anpassung an sich verändernde Lebensumstände abiotischer Art an Ort und Stelle oder, wenn neue Regionen abweichenden Klimas oder abweichender Ernährungsumstände besiedelt werden. Voraussetzung dafür ist die Plastizität des Genoms – (a) durch Mutationen und (b) durch Heranziehen und Verändern zunächst nicht verwendeter, „schlafender“ DNA-Sequenzen und nicht selten (c) durch Duplikation des gesamten Genoms – die den Organismen neue Eigenschaften fürs Überleben bringen kann.
So führt zum Beispiel die Adaptive Radiation, ausgehend von wenigen oder gar nur einem einzigen Vorfahren, zur Artbildung und zur phänotypischen Anpassung einer Reihe von Arten, die unterschiedliche morphologische und physiologische Merkmale aufweisen. Bekanntere Beispiele sind die Adaptive Radiation bei Darwinfinken und den Kanarenchrysanthemen auf Teneriffa. Bei Darwinfinken waren, vereinfacht ausgedrückt, unterschiedliche Lebensräume mit abweichenden Ernährungsbedingungen die treibende Kraft für ihre Artendiversifizierung; für Kanarenchrysanthemen, so wird angenommen, die unterschiedlichen klimatischen Bedingungen der höhenlagenabhängigen Vegetationszonen, in denen die entstandenen Arten heute leben.
Bei alledem ist zu berücksichtigen, dass immer wieder solche Weiterentwicklungen stattfinden und nur die wirklich Erfolgreichen Basis sind für weitere Neuerungen. Vieles davon wird sich nicht über längere Zeiträume bewähren, oder bewährt haben, wird vielleicht sogar unerkannt wieder verschwinden oder verschwunden sein, so wie auch viele der pflanzlichen, tierischen und pilzlichen Vorfahren schon vor Äonen in der Geschichte verschwanden. Falls doch noch für wenige manches günstig verlief zu überleben, sind sie als Relikte in geographisch, ökologisch oder klimatisch eng begrenzten Gebieten erhalten. Manche liegen irgendwo als Fossilien konserviert im Gestein; doch auch dazu braucht es förderliche Voraussetzungen.
Vielfach wird, zumindest von Kreationisten, eine Makroevolution angezweifelt, bisweilen mit dem Argument, „Die Evolution ist genauso unwahrscheinlich, wie, würde man einen Affen vor eine Schreibmaschine setzen, ein sinnvoller Text herauskäme“. Dabei wird vergessen, dass hier mit dem Endzustand (mit einem fertigen, ausgefeilten Text) argumentiert wird und die Möglichkeit des allmählichen Lernens – auch des Menschen – unberücksichtigt bleibt. Kein Mensch kommt auf die Idee, zu behaupten, ein Flugzeug müsste so wie es heute ist, geschaffen worden sein, weil kein Affe in der Lage sei (wohlgemerkt, auch kein Menschenkind), aus diesen vielen Einzelteilen es zusammenzusetzen. Er kommt deshalb nicht auf diesen Gedanken, weil er weiß, dass auch die Menschheit erst schrittweise lernen musste, ausgehend von einem erfundenen Rad zu nach und nach weiterentwickelten Gefährten, bis zur Eisenbahn, zum einfachen Auto, zu primitiven Fluggeräten, zur Propellermaschine, Düsenflugzeug, ja zur Rakete zu kommen.
Die Prinzipen von Evolution und Technischer Entwicklung sind identisch: Es wird immer mit Einfachem begonnen, darauf unwillentlich oder willentlich aufgebaut, um den Umweltverhältnissen Angepasstes, Weiterentwickeltes (ob höherentwickelt, bleibt immer die Frage) zu erhalten.
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Anschließend werden, gemäß der Reihenfolge wie sie ins Internet eingestellt werden, die Beiträge „Der Evolution in die Werkstatt geschaut“ zusammengestellt. Die Hauptakteure sind rot gekennzeichnet.
[1] Septoria, Fungizide: In Capnodiales, Rußtaupilze, 3 Der Evolution in die Werkstatt geschaut Teil 1: (Dothidiomycetes – Bitunicate Ascomycota – Inoperculate Ascomycota – Pezizomycotina – 5.1 Ascomycota –…)
[2] Septoria, Fungizide: In Capnodiales, Rußtaupilze, 4 Der Evolution in die Werkstatt geschaut Teil 2: (Dothidiomycetes – Bitunicate Ascomycota – Inoperculate Ascomycota – Pezizomycotina – 5.1 Ascomycota –…)
[3] Bakterien, Antibiotica: In Penicillium, Pinselschimmel, 3 Der Evolution in die Werkstatt geschaut: (Aspergillaceae – Eurotiales – Eurotiomycetidae – Eurotiomycetes – Bitunicate Ascomycota – Inoperculate Ascomycota – Pezizomycotina – 5.1 Ascomycota –…)
Eingestellt am 15. März 2025