Glossar

Viri: Viren

1 Entartet (HP)

.

Glückt es, auch durch letzte Grenzen noch zu stoßen,

Lassen, weil doch frei der Zugang zu Ressourcen,

Aggressoren ihre eignen Fähigkeiten außer Acht,

Nutzen Herbergszellen ohne Rücksicht nur für sich.

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Wozu Enzyme[1] selbst noch produzieren,

Wenn des Wirts Fermente[2]

Schnell und reichlich Waren liefern,

So des Fremden Wünsche rasch zu stillen? –

.

Verliert das Pathogen[3] im Laufe der Entwicklung Gen um Gen,

Bleiben Wirtsfunktionen doch für ihn besteh’n;

Dann greift ohne Zögern jeder ungebetene Gast

Ganz ungeniert zurück auf des Opfers Kraft.

.

Ungenutzt und überflüssig stellt so manches Gen die Wirkung ein.

Wirtsenzyme selbst kopieren nun des Frechen DNA[4],

Werden, fremdbestimmt, zu willigen Vasallen;

Fördern dazu gezwungen, ungewollt des Parasiten Potential.

.                                                                                                                                                         

Allmählich geht des Okkupanten Eigenständigkeit verloren,

Denn Lebenswichtiges ging seit Langem schon dahin.

Macht nichts! Läuft der Lebenszyklus so viel schneller doch,

Erlaubt, stark sich zu verkleinern, weil der Wirt für ihn malocht.

.

Nur eines bleibt dem frechen, winzigkleinen Wesen wichtig:

Wie erhalte ich die Basis meines Lebens?

Blieben doch der eignen DNA kaum Gene noch.

Diese schützt er, Hüllen bei der Todgeweihten zu erzwingen, unbeirrt. –

.

Zylindrisch, rund, ikosaedrisch[5] meist,

Mitunter gar geschwänzt, erweist sich

Seine Hülle, das Capsid[6]:

Darüber eine Hüllmembran[7],[8] vielleicht,

Entspringen Viren innerlich verbrauchten Zellen.

Erwarten Winde, Wasser, andere Vektoren[9],

Zellen zu finden, die sie vermehren;

Sie selbst sind nicht mehr fähig dazu.

.

Fußnoten

[1] Enzym: Protein, das, an spezielle Moleküle angepasst, die Synthese katalysiert. Meistens werden mehrere Enzyme zu einem Komplex verbunden, um eine räumliche Nähe zwischen den einzelnen, aufeinanderfolgenden Syntheseschritten herzustellen

[2] Ferment: älteres Wort für Enzym

[3] Pathogen: Krankheit hervorrufender Organismus; Begriff meist verwendet für Viren, Bakterien und Pilze; bei größeren Organismen spricht man eher von Parasiten

[4] DNA (=DNS): Desoxyribonucleinic Acid, Desoxyribonukleinsäure; mit einer reduzierten Ribose; das [–OH] am C2 der Ribose fehlt; Baustein der Erbinformation

[5] Ikosaeder: Polyeder mit zwanzig kongruenten, gleichseitigen Dreiecken als Flächen, mit dreißig gleichlangen Kanten und zwölf Ecken, in denen jeweils fünf Seitenflächen zusammentreffen

[6] Capsid: Komplexe, regelmäßige Struktur von Viren aus Proteinen, die der Verpackung des Virusgenoms dient.

[7] Äußere Lipiddoppelmembran: Viele Viren besitzen, wie gramnegative Bakterien, eine äußere Lipiddoppelmembran; sie leitet sich jedoch von der Zellmembran der Wirtszelle ab, die sie im Zuge ihrer Befreiung umhüllt und somit nicht von den Viren stammt, sie lagern jedoch eigene Moleküle in diese Hülle ein

[8] Viren besitzen keine Zellmembran, also auch keine innere Lipiddoppelmembran, sind sie doch keine Zellen

[9] Vektor: Transporteur, Überträger, Ausbreiter

Eingestellt am 6. Juli 2024

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2 Ordnung im Kleinsten

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Ob aus gleichseitigen Dreiecken oder aus Schrauben gefügt,

Schützen Capside[1] die Information für Struktur

Und Umbau des Wirts Synthesesystem,

Ebnen so für Invasionen den Weg.

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Gene für Kapselgestalt[2] bleiben hochkonserviert,

Setzen sich unabänderlich fest im Genom,

Gleich, wie Nukleinsäureketten[3] konstruiert,

Behalten sie Zentralposition.

.

Sind sonst, was Informationssysteme betrifft,

Hochvariabel, greifen auf DNA[4]- oder RNA[5] zurück.

Jegliche Form ist ihnen willkommen:

Ob Doppel- oder Einzelstrang,

Zirkulär, linear,

Als Einzelfaden oder in Stücken,

Ob minuspolar[6], ob pluspolar[7],

Alles dient dem einzigen Ziel:

.

Zu gestalten der Außenseite Glycoprotein[8]

Für Andockmanöver am Wirt,

Lassen der Zelle ganz ohne Argwohn

Die Kapsel durch Endocytose[9] ins Innerste führ‘n.

.

Im Vesikel[10], durch Säuren aktiviert,

Zerstören des Capsids Glycoproteine

Der Endosomen[11] Membran[12]

Und, wie zu Hause sich fühlend,

Fangen auf Kosten sie, auch mit Hilfe, des arglosen Wirts,

Ihr eigennütziges Bauprojekt an.

.

Sämtliche fremde Ressourcen benutzend,

Ob cytoplasmatisch[13] oder im Kern[14],

Auch jegliche Maschinerie

Verwenden sie gern.

.

Einzelteile, zu Tausenden in gekaperten Zellen gehäuft,

Vereinen sich ohne viel Aufwand,

Nukleinsäurefäden[15] umhüllend,

Zur wohlgeordneten Virenstruktur.

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Bis zum Grunde liegt die Zelle erschöpft,

Die Alles, auch das Letzte noch gab.

Okkupanten, Fremde, füllen sie an,

Zerstören sie oder knospen sich nach und nach ab.

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Alles Verloren!

Keine Abwehr war ihr vergönnt.

Fast nichts blieb von ihr,

Nur für Nachbarn ein kläglicher Rest.

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Raffinierter noch sind andere Viren:

Stülpen, damit sich hüllend,

Masken aus Fremdplasmalemma[16] um ihr Capsid.

Durchstoßen mit Glycoproteinen ihre tarnende Kappe,

Damit den geeigneten Wirt zu erkennen,

Verschärfen ihr Zerstörungswerk so exponentiell[17].          

.

Fußnoten

[1] Capsid: Komplexe, regelmäßige Struktur von Viren aus Proteinen, die der Verpackung des Virusgenoms dient.

[2] Kapsel: Capsid

[3] Als RNA oder DNA, ob einzel- oder doppelsträngig

[4] DNA (=DNS): Desoxyribonucleinic Acid, Desoxyribonukleinsäure; mit einer reduzierten Ribose; das [–OH] am C2 der Ribose fehlt; Baustein der Erbinformation

[5] RNA (=RNS): Ribonucleinic acid, Ribonucleinsäure; Transporteur der Erbinformation in verschiedenen Ausführungen; mRNA, messenger-RNA, übersetzt den genetischen Code der DNA in für tRNAs ablesbare Matrizen; tRNAs übersetzen die Informationen der mRNA in die verschiedenen Aminosäuren; rRNA, ribosomale RNA, verknäuelt sich unter Beteiligung von Proteinen zum Ablesegerät (Ribosomen) der tRNAs, um Aminosäuren zu Proteinen zu verknüpfen

[6] (–)-polare einzelsträngige RNA (Viren): Virale, einzelsträngige RNA wird vom Wirt nicht als mRNA erkannt und muss von viraler RNA-Polymerase zunächst in eine (+)-polare RNA umgeschrieben werden, damit sie als mRNA wirken kann

[7] (+)-polare einzelsträngige RNA (Viren): Virale, einzelsträngige RNA wird vom Wirt als mRNA erkannt, weil am C3 der Ribose, nahe des C5 die nächste freie [–OH]-Gruppe steht; das C5 ist mit einem Phosphat besetzt und kann nicht mit einem Nucleotid in Verbindung treten (daher erfolgt die RNA-Synthese nur und immer in 5‘ à  3‘ Richtung und nicht umgekehrt; nur in dieser positiven Richtung sind die Basentripletts als Codes in der richtigen Folge und geben für Proteinsynthese Sinn). (+)-polare RNA wird deshalb unmittelbar für die Synthese von Proteinen verwendet.

[8] Glycoproteine: Substanzen aus Zuckern und Proteinen

[9] Endocytose: Aufnahme eines Partikels aus der Zellumgebung mit Hilfe eines aus der Zellmembran durch Einstülpung entstandenen Vesikels

[10] Vesikel (Zellvesikel): Kleine, abgegliederte, rundliche, doppelmembranumhüllte Behälter.

[11] Endosom: Mikrobenumschließendes Vesikel, entstanden aus einer Zellmembraneinstülpung

[12] Membran, Lipiddoppelmembran: Lipide, bestehend aus einem mit drei Hydroxylgruppen [–OH] versehenen Glycerinmolekül, an dem zwei Fettsäuren und ein Cholin unter Wasserabspaltung angeknüpft sind, zeigen einen hydrophilen Kopf (Glycerin und Cholin) und den hydrophoben Fettsäureschwanz; nach dem Motto Gleich zu Gleich gesellt sich gern, ordnen sich die hydrophilen Köpfe zum einen und die hydrophoben Schwänze zum anderen nebeneinander an und bilden eine geschlossene Schicht; eine Doppelmembran entsteht dann, wenn sich zwei solcher Schichten, hydrophobe Schwänze zueinander gereckt, aneinanderlegen

[13] Cytoplasma: Flüssiger Zellinhalt mit darin liegendem Cytoskelett

[14] Zellkern: Chromosomen einschließendes, cisternenumgebenes Organell der Eukarya, in dem u. a. im Zuge der Mitose die Verdoppelung der Chromosomen stattfindet

[15] Nucleinsäuren: generelle Bezeichnung für DNA und RNAs

[16] Plasmalemma: Zellmembran (Lipiddoppelmembran) von Organismen mit starrer Zellwand; wird oft als Gegenstück zum Tonoplasten betrachtet, der im Zellinneren eine größere Saftvakuole umgibt; für Bakterien und Animalia kein gebräuchlicher Begriff.

[17] Exponentiell: Prozess, bei dem sich eine Größe jeweils in gleichen Zeitschritten immer um denselben Faktor vervielfacht; ein solcher Verlauf kann bei einer exponentiellen Zunahme durch die Verdopplungszeit angegeben werden. (Beispiel aus der Erzählung, wie jemand Unmögliches verlangte: so viel Weizenkörner zu bekommen, wie nach ständiger Verdopplung in Summe bis zum 32. Schachbrettfeld zusammenkommen: 1 + 2 + 4 + 8 + 16 + 32 + 64 + 128 + …  u.s.w.)

Eingestellt am 6. Juli 2024

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3 Eine Frage (AP)

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Warum, wozu, gibt es Viren,
Diese schönen, auch wieder hässlichen Kreaturen?

Ohne Leben und doch mit zerstörendem Sinn?

Zur Plage der Welt sind sie geworden.

.    

Frag Kreationisten[1], auch Designisten[2],

So wird dir sicher Antwort zuteil!

Sie bleiben nicht stumm,

Doch du weißt genau:

Gott war es nicht, der sie uns schuf,

Denn welche Liebe sendet so eine Qual? –

.   

Ob von ballasterleichterten, verschlankten Bakterienparasiten herkommend,

Oder doch nur von Abfallschnipseln außer Kontrolle geratener bakterieller DNA und RNA,

Oder gar schon zu Beginn der Evolution ins abhängige Leben geraten,

Weiß heute niemand genau.

Verlust und Gewinn von Sequenzen,

Verwischten jegliche Abstammungsspur.

 .   

Fußnoten

[1] Kreationisten: Kreationisten glauben, Gott hätte, wie die Bibel berichtet, die Welt in sechs Tagen so erschaffen, wie heute sie ist und daher könne die Welt nicht älter als fünf- bis sechstausend Jahre sein

[2] Designisten („Intelligent Design“): Designisten glauben, Gott hätte einen Grundbauplan erschaffen, zum Beispiel den Typ Vogel, der sich dann weiterdifferenziert und -entwickelt hätte

Eingestellt am 6. Juli 2024

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Ab hier werden die Texte bezüglich Taxanamen (s. Stammbaum und/oder Pfade) alphabetisch geordnet.

Die evolutiven Zusammenhänge lassen sich deshalb nur erkennen und verfolgen, wird auch der zugehörende Stammbaum berücksichtigt.

Behüllte[1] (+)[2]-ss-RNA[3]-Viren

1 Trojanische Pferde (AP)

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Als Trojanische Pferde ließen sich treffend die Viren benennen,

Nehmen sie doch, verlassen sie Zellen, des Wirts Membran[4],

Sich zu umhüllen, zu tarnen, wollen in neue Zellen des Wirts sie gelangen;

Lassen vom Wirt sich nochmals mit seiner Membran umhüllen, der sie so

In seine Zelle mit entstandenem Endosom[5] transportiert, sie unschädlich zu machen;

Doch die Krieger schleichen sich, bevor der Wirt es noch merkt, aus der Hülle hervor.

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Fußnoten

[1] Behüllt: Viele Viren, auch gramnegative Bakterien, umhüllen sich mit einer Lipiddoppelmembran

[2] (+)-polare einzelsträngige RNA (Viren): Diese einzelsträngige RNA wird vom Wirt als mRNA erkannt, weil am C3 der Ribose, nahe des C5 die nächste freie [–OH]-Gruppe steht; das C5 ist mit einem Phosphat besetzt und kann nicht mit einem Nucleotid in Verbindung treten (daher erfolgt die RNA-Synthese nur und immer in 5‘ à  3‘ Richtung und nicht umgekehrt; nur in dieser positiven Richtung sind die Basentripletts als Codes in der richtigen Folge und geben für Proteinsynthese Sinn). (+)-polare RNA wird deshalb unmittelbar für die Synthese von Proteinen verwendet.  

[3] Einzelsträngige RNA, single stranded, ss: nur ein Nucleotidstrang liegt vor

[4] Plasmamembran, Zellmembran: Lipiddoppelmembran um den Zellinhalt herum

[5] Endosom: Mikrobenumschließendes Vesikel, entstanden aus einer Zellmembraneinstülpung

Eingestellt am 6. Juli 2024

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Caliciviridae, Norovirenartige

1 Weit verbreitet (AP)

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Weit verbreitet zeigt sich diese Familie

Mit ihrer Ikosaederstruktur[1];

In Rindern[2], Schweinen[3], Mäusen[4] und Austern[5] wurden bereits sie gefunden.

Uns Menschen[6] erschreckten solche Viren schon oft.

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Zwei sich unterscheidende Proteine[7] stabilisieren das Virus:

Ein größeres der Außenbegrenzung, ein kleineres lagert von innen sich an;

Geben zusammen die widerstandsfähige Kapsel,

Die in zwei Größenvarietäten, zwanzig und vierzig Nanometer[8], existiert.

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Amorph erscheint trotz Ikosaederbau im Elektronenmikroskop der Viren Fläche,

Denn unregelmäßige Hügel in ungeregelter Ordnung decken Capside ein.

Ein Protein davon erweist sich als hochvariabel, das als

Antigen wirkt: Eine kohlenhydratbindende Stelle gibt Halt auf dem Wirt.

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Ihr Chromosom, das wie bei vielen Viren

Nicht als Ring, sondern linear vorliegt,

Bindet ans 5‘-Ende[9] eine Polyaminosäure[10],

Ihr 3‘-Ende[11] ist polyadenyliert.[12]

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Fußnoten

[1] Ikosaeder: Polyeder mit zwanzig kongruenten, gleichseitigen Dreiecken als Flächen, mit dreißig gleichlangen Kanten und zwölf Ecken, in denen jeweils fünf Seitenflächen zusammentreffen

[2] Hausrind, Milchkühe: Bos taurus (Bovini – Boodontia – Bovidae – Pecora – Ruminatia –…)

[3] Hausschwein: Sus scrofa domesticus (Suidae – Suina – Artiodactyla – Übrige Cetartiodactyla – Ungulata –…)

[4] Mäuse: Mus spp. (Murinae – Muridae – Muroidea – Myomorpha – Rodentia –…)

[5] Austern: Ostreoidea (Bivalva – Mollusca – Schizocoelia – Spiralia – Protostomia –…)

[6] Moderner Mensch: Homo sapiens (Hominini à Homininae à Hominidae à Hominoidea à Catarrhini –…)

[7] Proteine: Aus Aminosäuren aufgebaute, komplexe Moleküle. Die [–NH2]-Gruppe einer Aminosäure wird mit der Hydroxylgruppe [–OH] der Säurefunktion [–COOH] unter Wasserabspaltung verknüpft, dabei entsteht eine charakteristische Abfolge von Atomen: [–C–N–C–C–N–]n, wobei das unmittelbar dem [N] benachbarte [C] einen doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] trägt, das zweite der beiden benachbarten den Aminosäurerest

[8] Nanometer, nm: Millionstel Millimeter (10-6 mm); Tausendstel Mikrometer (10-3 µm); Milliardstel Meter (10-9 m)

[9] 5‘-Ende von Nukleinsäuren: Kohlenstoffatome der beteiligen Fünfer-Zucker (Ribose, bzw. Desoxyribose) werden, wenn sie nicht in Ringform vorliegen, vom C des Aldehyds ausgehend, mit den Ziffern 1 bis 5 belegt, wobei das letzte C (das C der [–CH2OH]-Gruppe) somit C5 darstellt. Folglich ist in Ringform des Zuckers das C unmittelbar am Sauerstoff, das die [–CH2OH]-Gruppe trägt, C4. Benachbart zum C4 liegt somit C3. Das 5‘-Ende des Zuckers ist somit die [–CH2OH]-Gruppe, das übernächste C ist C3 und stellt somit das 3‘-Ende dar.

[10] Polyaminosäuren: entstehen, wenn mehrere identische Aminosäuen miteinander verknüpft sind

[11] 3‘-Ende von Nukleinsäuren: Kohlenstoffatome der beteiligen Fünfer-Zucker (Ribose, bzw. Desoxyribose) werden, wenn sie nicht in Ringform vorliegen, vom C des Aldehyds ausgehend, mit den Ziffern 1 bis 5 belegt, wobei das letzte C (das C der [–CH2OH]-Gruppe) somit C5 darstellt. Folglich ist in Ringform des Zuckers das C unmittelbar am Sauerstoff, das die [–CH2OH]-Gruppe trägt, C4. Benachbart zum C4 liegt somit C3. Das 3‘-Ende des Zuckers ist das nächste C, das nicht die [–CH2OH]-Gruppe trägt.

[12] Polyadenyliert: Einer mRNA sind, bevor sie zum Ablesen der Basentripletts für den Zusammenbau von Proteinen reif ist, mehrere Adenylnucleotide angehängt; oft als Adenylschwanz bezeichnet. Bei Reifung der mRNA werden diese Wiederholungen entfernt.

Eingestellt am 6. Juli 2024

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2 Der Menschen[1] Norovirus[2] (AP)

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Zu achtzehn Prozent etwa seien Noroviren[3] verantwortlich für

Gastroenteritis[4] und Diarrhöe[5];

Ließen symptomatisch von Rotavirusbefällen[6] sich gut unterscheiden,

Wovon spontanes Erbrechen als Primärwirkung gilt.

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Diarrhöe und Magenschmerzen begleiten die Magenentleerung,

Leichtes Fieber und Kopfweh treten bisweilen hinzu.

Übelkeit fühlen die Kranken, klagen gelegentlich über Muskelschmerzen und Schwäche,

Liegt die Infektion acht bis achtundvierzig Stunden zurück.

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Doch ist nicht von langer Dauer die Krankheit;

Nach ein bis drei Tagen ist alles vorbei.

Nur für Elektrolyt[7]- und Flüssigkeitszufuhr ist peinlichst zu sorgen,

Dann ist schnell der Patient rekonvaleszent[8].

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Infektionsgefahr für andere besteht jedoch weiter,

Selbst ein paar Wochen, nachdem der Betroffene wieder gesund.

Vorsicht ist deshalb weiter geboten,

Reichen oft zwanzig und weniger Virus-Partikel schon aus,

Die Krankheit von Person zu Person zu überbringen, direkt oder mittelbar über

Essgegenstände und Abfallwerkzeuge, auf denen das Virus ein bis zwei Wochen und mehr überlebt.

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Höchstinfektiös wirkt ein Norovirus Erkrankter,

Der in Gesellschaft Nahrung erbricht,

So wie im gut untersuchen, dokumentierten Fall,

Der wie folgt in einem Restaurant verlief:

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Ein Gast erbrach sich auf den Boden

– Was lag, entfernte Personal sofort –

Achtundneunzig Prozent der Tischgesellschaft erkrankten an Noro,

Gäste benachbarter Tische noch zu siebzig Prozent;

An entfernteren Tischen betraf es ein Viertel,

Zum Glück waren nur sechs Tische im Raum;

Doch lässt sich mit einigem Recht extrapolieren,

An einer nächsten Runde von Tischen wär‘ sicher auch noch jemand erkrankt.

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Alkoholische Desinfektionsmittel helfen nicht gegen Noroviren,

Ihre fehlende Wirtsmembranhülle[9] ist wohl der Grund.

Im Dünndarm[10] besiedelt das Virus die Zellen,

Findet Eingang, multipliziert sich im Cytoplasma[11] des Wirts.

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Mehr als sechshundert Millionen Personen

Sollen jährlich von Noroviren befallen sein.

Mehr als zweihunderttausend Todesfälle sind zu beklagen,

Hauptsächlich in Entwicklungsländern, wenn Kinder kaum fünf Jahre sind alt

Und, wenn Elektrolyt- und Wasserverlust nicht behoben werden,

Ansonsten erholen Patienten sich rasch.

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Fußnoten

[1] Moderner Mensch: Homo sapiens (Hominini – Homininae – Hominidae – Hominoidea – Catarrhini –…)

[2] Humanes Norovirus: früher auch Norwalk-Virus genannt

[3] Noroviren: Auslöser von Gasteroenteritis und Diarrhöe (Calicivirdae – Unbehüllte (+)-ss-RNA-Viren –Einzelsträngige (+)-RNA-Viren – RNA-Viren – Viren –…)

[4] Gasteroenteritis: Schleimhautentzündung des Magen-Darm-Traktes

[5] Diarrhoe: Durchfall

[6] Rotaviren: Radviren, Brechdurchfallviren (Rotaviridae – Doppelsträngige RNA-Viren – RNA-Viren – Viren – Bacteria)

[7] Elektrolyte: Wichtige in Flüssigkeit gelöste Mineralien des Körpers; gehen bei Durchfallerkrankungen oft in erheblichem Maße verloren

[8] Rekonvaleszent: Wiederherstellung der Gesundheit nach Erkrankung

[9] Unbehüllt: Viele Viren, auch gramnegative Bakterien, umhüllen sich mit einer Lipiddoppelmembran, doch diese fehlt Unbehüllten

[10] Dünndarm: Darmbereich zwischen Magen und Dickdarm

[11] Cytoplasma: Flüssiger Zellinhalt mit darin liegendem Cytoskelett

Eingestellt am 6. Juli 2024

Humanes Norovirus-Capsid

Röntgenkristallographische Ansicht in Falschfarben: Unterschiedliche Proteine verschiedenartig koloriert; kein Muster zu erkennen

Autoren: Prasad BV, Hardy ME, Dokland T, Bella J, Rossmann MG, Estes MK

Eingestellt am 6. Juli 2024

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Caulimoviridae: Blumenkohlmosaikviren

1 Pflanzenviren (AP)

Verzichten, was Pflanzenviren generell verbindet,

Auf die capsidumgebende[1] Hüllmembran[2];

Würden sie doch mit oder ohne an pflanzlichen Zellwänden[3] scheitern,

Brächten nicht Läuse[4], Schildläuse[5] oder Zikaden[6] sie mit Stich

Durchs Plasmalemma[7] ins Cytoplasma[8] der Zellen,

Warten so nicht lange, um Einlass zu finden, auf der Wirtsmembran[9] Integration.

Nicht durchgängig doppelsträngig[10] erweisen sich Caulimoviridae:

Als geschlossener Ring liegt ein Holm nur vor,

Sein Partner lagert, oft in drei Teilen, dazwischen Lücken lassend,

Sich dem ringförmig verbundenen Einzelstrang an.

Ihre Vermehrung verläuft grundsätzlich, wie für Pararetroviren[11] geschildert,

Auf Befreiung jedoch müssen sie warten bis eine Laus,

In eine virenbelastete Zelle sticht und Viren im Mundraum zwischenlagert.

Die dafür Chance zu erhöhen, sorgen Caulimoviren vor:

Lassen nicht nur Capsidproteine[12] vom Wirt produzieren,

Auch für Motorproteine[13] lagern Baupläne auf ihrem Chromosom;

Nehmen Viren Huckepack, marschieren so beladen,

Auf Mikrotubuli[14] Plasmodesmen[15] entgegen, die,

Pflanzenzellen eng miteinander verbindend,

Caulimoviren Zutrittspforten bieten zuhauf.

Zwei Virengruppen umfasst die Familie;

Unterschieden bezüglich Capsid, obwohl beide ikosaedrisch[16] gebaut:

Kuglig erscheint die eine, wenn oberflächlich betrachtet,

Die andere, Badnavirus, bevorzugt jedoch Stäbchengestalt.

Caulimovirus, die radiärsymmetrische Gattungsgruppe,

Erreicht fünfzig Nanometer[17] gut;

Neunzig zeigen Badnaviren im Durchmesser,

Längen von knapp einem Mikrometer[18] werden ausnahmsweise erreicht.

Unter andern werden verschied’ne Kulturpflanzen von Caulimoviridae befallen:

Kohl[19], Petunien[20], Bananen[21], Kakao[22], Tabak[23] und Reis[24].

Schecken durch die Besiedlung Blätter

Oder hellen der Blattadern[25] Umgebungen auf.

Um fünf bis zehn Millionen Tonnen[26] verringert

Sich durch Tungrovirus[27] der weltweite Reisertrag.

Fußnoten

[1] Capsid: Komplexe, regelmäßige Struktur von Viren aus Proteinen, die der Verpackung des Virusgenoms dient.

[2] Hüllmembran: Lipiddoppelmembran um gramnegative Bakterien und um verschiedene Viren

[3] Zellwand: Eine aus Polymeren aufgebaute Hülle, die die Zellen von Pflanzen, Bakterien, Pilzen, Algen und manchen Archäen umgibt

[4] Pflanzenläuse: Aphidina (Sternorrhyncha – Hemiptera – Acercaria – Neoptera – Pterygota – …)

[5] Schildläuse: Sternorrhyncha (Hemiptera – Acercaria – Neoptera – Pterygota – Dicondylia – …)

[6] Zikaden: Auchenorrhyncha (Hemiptera – Acercaria – Neoptera – Pterygota – Dicondylia – …)

[7] Plasmalemma: Zellmembran (Lipiddoppelmembran) von Organismen mit starrer Zellwand; wird oft als Gegenstück zum Tonoplasten betrachtet, der im Zellinneren eine größere Saftvakuole umgibt; für Bakterien und Animalia kein gebräuchlicher Begriff.

[8] Cytoplasma: Flüssiger Zellinhalt mit darin liegendem Cytoskelett

[9] Membran: Plasmalemma

[10] DNA (=DNS): Desoxyribonucleinic Acid, Desoxyribonukleinsäure; mit einer reduzierten Ribose; das [–OH] am C2 der Ribose fehlt; Baustein der Erbinformation

[11] Pararetroviren: Revers transkribierende Doppelstrang DNA-Viren

[12] Proteine: Aus Aminosäuren aufgebaute, komplexe Moleküle. Die [–NH2]-Gruppe einer Aminosäure wird mit der Hydroxylgruppe [–OH] der Säurefunktion [–COOH] unter Wasserabspaltung verknüpft, dabei entsteht eine charakteristische Abfolge von Atomen: [–C–N–C–C–N–]n, wobei das unmittelbar dem [N] benachbarte [C] einen doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] trägt

[13] Motorproteine: Ausgeprägt gestaltverändernde Proteine, die vornehmlich unter ATP-Verbrauch der Bewegungserzeugung in Zellen dienen; mit diesen Proteinen werden Vesikel, Zellorganelle u. a., entlang Actinfilamenten und Mikrotubuli transportiert; auch Cystoskelettelemente (Actinfilamente, Mikrotubuli) können damit gegeneinander verschoben werden. Ein Transportprotein ähnelt in gewisser Weise einem Männchen, das mit zwei Beinen marschiert und als Rucksack etwas transportiert.

[14] Mikrotubuli: Röhrenförmige Proteinkomplexe innerhalb eukaryotischer Zellen; bilden die Grundlage für das Cytoskelett und spielen eine wichtige Rolle in der Ausbildung der Kernteilungsspindel und im Vesikeltransport

[15] Plasmodesmen: Zell-zu-Zell-Verbindungen der Pflanzen. Dese cytoplasmatischen Kanäle (von 30 – 40 nm Durchmesser) dienen dem Stoff- und Informationsaustausch von Zelle zu Zelle.

[16] Ikosaeder: Polyeder mit zwanzig kongruenten, gleichseitigen Dreiecken als Flächen, mit dreißig gleichlangen Kanten und zwölf Ecken, in denen jeweils fünf Seitenflächen zusammentreffen

[17] Nanometer, nm: Millionstel Millimeter (10-6 mm); Tausendstel Mikrometer (10-3 µm); Milliardstel Meter (10-9 m)

[18] Mikrometer, µm: Tausendstel Millimeter (10-3 mm); Millionstel Meter (10-6 m)

[19] Kohl: Brassica oleracea (Brassicaceae – Brassicales – Malvanae – Rosidae – Superrosidae – …)

[20] Petunien: Petunia (Solanaceae – Solanales – Lamianae – Asteridae – Superasteridae – …)

[21] Bananen: Musaceae (Zingiberales – Commelinanae – Liliidae – Dicotyle – Magnoliatae – …)

[22] Kakaobaum: Theobroma cacao (Byttnerioideae – Malvaceae – Malvales – Malvanae – Rosidae – …)

[23] Tabak: Nicotiana (Solanaceae – Solanales – Lamianae – Asteridae – Superasteridae – …)

[24] Reis: Oryza (Oryzoideae – BOP-Verwandtschaft – Poaceae – Poineae – Poales – Commelinanae – …)

[25] Blattadern: Blattflächen durchziehende Leitbündel der Pflanze, die sich oberseits durch leichte Vertiefungen, unterseits durch Hervortreten zeigen

[26] Tonnen, t (Gewicht): 1 000 kg

[27] Tungrovirus oryzae; Reisstreifenvirus; ein bacilliformes Virus (Caulimoviridae – Revers transkribierende Doppelstrang DNA-Viren – Doppelstrang DNA-Viren – DNA-Viren – Viren – Bacteria)

Eingestellt am 6. Juli 2024

Caulimovirus sp.: Dahlia Mosaik Virus an Dahlia sp.

Eingestellt am 6. Juli 2024

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Circoviridae, Ringviren

1 Mit typischen Ringchromosomen (AP)

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Zwei große Gattungen umfasst die Familie:

Circovirus mit Pathogenen von Fischen[1], Vögeln[2], Fledertieren[3], gelegentlich auch von einem Insekt[4],

Lassen, obwohl sie Gefallen an Fledertieren gefunden,

Soweit erkennbar bislang, Menschen[5] außer Acht;

Cyclovirus konzentriert sich hingegen auf Säugetiere[6],

Nimmt gelegentlich auch Menschen als Wirt,

Begnügt sich aber sonst mit Insekten,

Auch Zecken[7] kommen Cycloviren gelegentlich recht.

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Ein typisches, geschlossenes Ringchromosom kennzeichnet Cycloviridae,

Liegt als (–)-polar[8] oder in ambisense[9]-Ausprägung vor.

(–)-polare DNA[10] könnte sofort in mRNA[11] umgeschrieben werden,

Doch wird, wie es scheint, zunächst ein Doppelstrang synthetisiert.

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Ambisense Chromosomen zeigen, von einer Stelle ausgehend,

Sowohl in (–)-Richtung, als auch in (+)-Richtung orientierte DNA[12];

Der Antisense, der (–)-Sense-DNA-Teil, könnte zur mRNA sofort translatiert werden,

Während das Sense, das (+)-DNA-Stück, zunächst noch sein Gegenstück braucht;

Der (–)-DNA-Strang wird aber gleichfalls doppelsträngig;

Aber nur der jeweilige (–)-DNA-Strang wird in mRNA umgesetzt.

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Des Wirts DNA-Polymerase[13] wird dafür in Pflicht genommen,

Seine RNA-Polymerase[14], wie es scheint, noch dazu.

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Fußnoten

[1] Knochenfische i. e. S.: Teleostei (Actinopterygii – Osteognathostomata – Gnathostomata – Umericingulata – Lacertipinnata –…)

[2] Vögel: Aves (Maniraptora – Coelurosauria – Tetanurae – Theropoda – Saurischia – …)

[3] Fledertiere: Chiroptera (Übrige Laurasiatheria – Laurasiatheria – Boreoeutheria – Placentalia – Theria –…)

[4] Insekten: Hexapoda (Tetraconata – Mandibulata – Arthropoda – Panarthropoda – Ecdysozoa –…)

[5] Mensch: Homo sapiens (Hominini – Homininae – Hominidae – Hominoidea – Catarrhini – ...)

[6] Säugetiere: Mammalia (Cynodontia – Therodontia – Therapsida – Synapsida – Amniota –…)

[7] Zecke, Holzbock: Ixodes ricinus (Actinotricha – Acari – Apulmonata – Lipoctena – Arachnida – …)

[8] (–)-polare einzelsträngige DNA: Davon würde beim Transkribieren zwangsläufig eine (+)-orientierte RNA entstehen, die das Ribosom als mRNA erkennen kann, somit kann diese RNA translatiert werden

[9] (+/–) polare DNA, ambisense DNA, gilt auch für RNA (Viren): dabei sind beide Richtungen (+) und (–) zugleich in einem Einzelstrang-Chromosom vertreten

[10] DNA (=DNS): Desoxyribonucleinic Acid, Desoxyribonukleinsäure; mit einer reduzierten Ribose; das [–OH] am C2 der Ribose fehlt; Baustein der Erbinformation

[11] mRNA, messenger RNA, Boten RNA: Übersetzt den genetischen Code der DNA in für tRNAs ablesbare Matrizen

[12] (+)-polare einzelsträngige DNA: Davon würde beim Transkribieren zwangsläufig eine (–)-orientierte RNA entstehen, die aber das Ribosom nicht als mRNA erkennen kann, somit kann diese RNA nicht translatiert werden

[13] DNA-Polymerasen: Enzyme, welche die Synthese von DNA aus Nucleotidtriphosphaten (Desoxyribose als Zucker in TTP, ATP, GTP und CTP als Nucleotide) als monomere Vorstufen (Einzelvorstufen) katalysieren

[14] RNA-Polymerasen: Enzyme, welche die Synthese von RNA aus Nucleotidtriphosphaten (Ribose als Zucker und Uridintriphosphat, UTP, anstelle von Thymidintriphosphat, mit Desoxyribose als Zucker, TPP, verwenden) als monomere Vorstufen (Einzelvorstufen) katalysieren

Eingestellt am 6. Juli 2024

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2 PBFD[1] (AP)

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Die Feder- und Schnabelkrankheit[2] der Papageien[3],

Die Zucht- wie Wildpapageien und Sittiche[4] trifft,

Gilt als hochansteckende, oft tödliche Krankheit;

Hochgefährlich ist das zwanzig Nanometer[5] nur messende Virus[6], überdauert es doch

Nichtoptimale Bedingungen in Käfig und Faeces[7],

Löst nach Infektion die Krankheit nach Wochen, Monaten und Jahren erst aus.

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Wandern mit Blut, überfluten den Körper,

Setzen im Lymphsystem[8], Federfollikeln[9] und Haut sich fest;

Auch in Speiseröhre und Kropf[10] sind die Viren zu finden.

Wegen Federfollikelschädigung fallen Deck[11]- und Schwungfedern[12] aus,

Brüchig und eingeschnürt erscheinen Federschäfte[13];

Jungfedern bleiben in Scheiden stecken, denn die Hülle öffnet sich nicht.

Federn lassen leicht sich entfernen,

Farbveränderungen kommen mitunter hinzu.

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Von Mauser[14] zu Mauser verstärkt sich der Krankheit Phänotyp[15],

An Krallen und Schnabel wird der Hornbelag[16] weich,

Wachsen zudem oft übermäßig.

Verringerung weißer Blutkörperchen[17] führt zur Immundefizienz

Und, wie häufig in solchen Fällen,

Durch Bakterien und Pilze zur Zweitinfektion.

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Sechs bis vierundzwanzig Wochen nach Ausbruch der Krankheit

Führt Immunschwäche allmählich zum Tod.

Altvögel können symptomlos oft das Virus ertragen,

Doch tragen als Spreader[18] zur Krankheitsverbreitung sie maßgeblich bei.

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Fußnoten

[1] PBFD: Psittacine Beak and Feather Disease

[2] Psittacine Beak and Feather Disease

[3] Papageien: Psittacinae (Psittacidae – Psittaciformes – Australaves – Telluraves – Passerea –…)

[4] Sittiche: Umgangssprachliche Bezeichnung langschwänziger Papageienarten, wie Wellensittiche

[5] Nanometer, nm: Millionstel Millimeter (10-6 mm); Tausendstel Mikrometer (10-3 µm); Milliardstel Meter (10-9 m)

[6] Circovirus parrot: Auslöser der Feder- und Schnabel-Krankheit der Papageien (Circoviridae – Einzelstrang-DNA-Viren – DNA-Viren – Viren – Bacteria)

[7] Faeces: Kot, Kacke

[8] Lymphgefäße: Gefäße mit letztlich dreischichtigem Wandaufbau und passiven Klappen, die ein Rückfließen der Lymphe verhindern; Muskelzellen können die Flüssigkeit vorwärtsdrücken

[9] Federfollikel: Sackförmige Vertiefung, in der Federn Halt finden und mit Nährstoffen versorgt werden

[10] Kropf: Aussackung der Speiseröhre am Hals unmittelbar vor dem Brusteingang als Nahrungsspeicher; dient dem Vorquellen der eingespeichelten Nahrung; Verdauungsvorgänge finden hier nicht statt

[11] Deckfedern: Feste Federn, die nach außen das Gefieder abschließen und in charakteristischen Mustern, den sogenannten Federfluren, stehen

[12] Schwungfedern: Bilden die Tragfläche des Flügels

[13] Federschaft, Federrhachis: Oberer Teil der Feder, der mit seitlichen Strahlen versehen ist und so die Fahne bilden

[14] Mauser: Regelmäßiges Abwerfen und Neuwachstum von Federn

[15] Phänotyp: Erscheinungsbild

[16] Horn: Substanz, die aus abgestorbenen, mit Keratin gefüllten Zellen besteht

[17] Weiße Blutkörperchen: Leucocyten

[18] Spreader, Superspreader (Epidemiologie): Infizierte Tiere, die viele andere Tiere anstecken; Superspreader, die dies in besonders effizienter Weise tun

Eingestellt am 6. Juli 2024

Gelbkamm-Kakadu (Cacatua galerita) mit Papageien-Schnabel-und-Feder-Krankheit

Author: SB, from Sydney, Australia

Licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license

Eingestellt am 6. Juli 2024

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Coronaviridae, Coronavirusartige

1 Kaum verwechselbarer Bau (AP)

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Kugelig erscheinen die Viren,

Umgeben mit sonnenkoronaähnlichen Spikes[1],

Die weit der Hüllmembran[2] entragen;

Nicht zugespitzt in Lateralansicht, nein, keulig,

Eher wie Blütenblätter geformt; brachten der Verwandtschaft

Den Namen Coronaviren ein.

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Trimere[3] Proteine[4] sind es, die des Virus Hülle durchstoßen:

Ein den Zellkörper des Wirts bindendes Protein allen voran,

Zwei, gestapelt drunter, exponieren die Rezeptorbindungsstelle[5],

Eines trägt sie, das andere sorgt für Fusion mit der Wirtszellmembran.

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Ein ikosaedrischer[6] Bau liegt dem Capsid[7] vermutlich zu Grunde,

Umfasst einen spiralig gewundenen Protein-RNA[8]-Komplex,

Wovon bestimmte Aminosäurereste[9], das Capsid durchgreifend,

Mit Hüllmembranproteinen interagieren, eine feste Verbindung damit erbau‘n.

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Das größte Genom aller RNA-Viren

Hebt Coronaviridae, kurz Coronaviren genannt, hervor,

Mit dreißigtausend Nucleotiden etwa, übertrumpfen sie andere,

Die kaum mehr als zwölftausend besitzen, ein erhebliches Stück.

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Gegenwärtig werden Coronaviren in

Fünf bis sechs Gattungen eingeteilt,

Wobei das Genus Betacoronavirus[10]

Für uns Menschen außergewöhnlich bedeutend war.

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Schwere Atemwegsinfektionen suchten uns in

Dreierlei Weisen, zu unterschiedlichen Zeiten, heim:

SARS-CoV-1[11], Severe Acute Respiration Syndrome Corona Virus,

In einer ersten Epidemie in den Jahren zweitausendzwei bis zweitausenddrei.

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MERS-CoV[12], Middle East Respiratory Syndrome Corona Virus,

Mit Krankheitsausbruch zweitausendundzwölf;

Weit übertroffen von der vorläufig letzten Krankheitswelle,

Genannt SARS-CoV-2[13], die Zweitausendneunzehn ausbrach,

Danach nur noch als COVID-19[14] bezeichnet:

Corona Virus Disease-19; Krankheit, die pandemisch die Weltbevölkerung traf.

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Fußnoten

[1] Spikes (Viren): Aus der Virushülle herausragende Glycoproteine

[2] Hüllmembran: Lipiddoppelmembran um gramnegative Bakterien und um verschiedene Viren

[3] Trimer: zu dritt

[4] Proteine: Aus Aminosäuren aufgebaute, komplexe Moleküle. Die [–NH2]-Gruppe einer Aminosäure wird mit der Hydroxylgruppe [–OH] der Säurefunktion [–COOH] unter Wasserabspaltung verknüpft, dabei entsteht eine charakteristische Abfolge von Atomen: [–C–N–C–C–N–]n, wobei das unmittelbar dem [N] benachbarte [C] einen doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] trägt, das zweite der beiden benachbarten den Aminosäurerest

[5] Rezeptorbindungsstelle: Eine spezielle Stelle, oft ein Glycoprotein, mit der ein Pathogen an eine Wirtszellmembranposition, ebenfalls oft ein Glycoprotein (Rezeptor), binden kann

[6] Ikosaeder: Polyeder mit zwanzig kongruenten, gleichseitigen Dreiecken als Flächen, mit dreißig gleichlangen Kanten und zwölf Ecken, in denen jeweils fünf Seitenflächen zusammentreffen

[7] Capsid: Komplexe, regelmäßige Struktur von Viren aus Proteinen, die der Verpackung des Virusgenoms dient.

[8] RNA (=RNS): Ribonucleinic acid, Ribonucleinsäure; Transporteur der Erbinformation in verschiedenen Ausführungen

[9] Aminosäurereste werden Molekülteile der Aminosäuen bezeichnet, deren Säurefunktionen an andere Moleküle gebunden sind

[10] Betacoronavirus: Gattung der Coronaviridae, zu der der Menschheit ärgste Pathogene gehören (Behüllte ss (+)-RNA-Viren – ss (+)-RNA-Viren – RNA-Viren – Viren – Bacteria)

[11] SARS-CoV-1: Severe Acute Respiration Syndrome Corona Virus 1

[12] MERS-CoV: Middle East Respiratory Syndrome Corona Virus

[13] SARS-CoV-2: Severe Acute Respiration Syndrome Corona Virus 2

[14] COVID-19: Corona Virus Disease-(20)19

Eingestellt am 6. Juli 2024

Wissenschaftlich genaues Atommodell der äußeren Struktur des SARS Coronavirus 2 (SARS-CoV-2),

einem Stamm (genetische Variante) des Coronavirus, der die Coronavirus-Krankheit (COVID-19) verursachte und erstmals im Dezember 2019 in WuhanChina, identifiziert wurde. Jeder einzelne Ort (amorpher Fleck) ist ein Atom von:   kobalt: Virushülle   purpurrot: Hüllproteine   grün: Matrixproteine orange: Glucose (Glycane)   türkis: Spike-Proteine

Autoren: Alexey Solodovnikov (Idea, Producer, CG, Editor), Valeria Arkhipova (Scientific Сonsultant)

Eingestellt am 6. Juli 2024

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2 COVID-19-Virus (AP)

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Rätselhaft erscheint noch immer des Virus‘ Entstehungsgeschichte,

Doch traten in Wuhan[1] Dezember Neunzehn[2] schwere Lungenentzündungen auf,

Deren Erreger später als SARS-CoV-2[3] bezeichnet.

Tragischerweise starb einer der ersten warnenden Ärzte bald daran.

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Zwei Drittel der im Dezember Infizierten besuchten den

Fleisch- und Lebendtiermarkt in Wuhan.

So lag der Verdacht begründet nahe,

Sie hätten sich an feilgebotenen Tieren als Virusreservoir infiziert;

RNA[4]-Sequenzvergleiche konnten dies allerdings nicht bestätigen, so

Schlossen Wissenschaftler auf ein Superspreadingereignis[5] dort,

Bei dem in einer dichten Menschenversammlung von

Wenigen Infizierten eine große Chinesenmenge das Virus bekam.

– Der Verdacht, Virusforschern am dortigen Forschungszentrum

Wär es unbeabsichtigt entkommen, bestätigte sich allem Anschein nicht. –

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Weitere Forschungen legten nahe:

Einige Wochen zuvor schon wurde das Virus in Menschen aktiv.

Große Ähnlichkeiten von SARS-CoV-2 bei ersten Infizierten

Wiesen auf einen möglicherweise einmaligen Übersprungsvorgang hin.

Fledertieren[6] wurde der mögliche Ursprung zugewiesen,

– Obwohl Sequenzübereinstimmungen nicht überzeugend hoch –

Wurde doch schon für SARS-CoV-1 eine Rolle von Fledermäusen, von Hufeisennasen[7], aufgezeigt,

Mit dem Larvenroller[8] als möglichen Zwischenwirt[9].

Aus zwei verschied‘nen Viruslinien in ein und demselben Wildtier,

Könnte, so wird vermutet, SARS-CoV-2 als Gentauschprodukt entstanden sein.

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Das COVID-19[10]-Virus erwies sich als hochvariabel

Aufgrund seiner großen Bereitschaft zur Mutation[11].

Gerade in Spike-Proteinen[12] zeigten sich signifikante Veränderungen,

Nach denen auch SARS-CoV-2 Varianten wurden klassifiziert.

Aus dem sogenannten Wildtyp von Zweitausendzwanzig

Entstanden Varianten, die nach dem griechischen Alphabet benannt:

Alpha, Beta, Gamma, Delta, Eta, Iota, Kappa,

Zuletzt, soweit noch klassifiziert, Variante Omikron.

Wildtyp, Alpha und Delta wirkten sich

Verheerend, pandemisch[13], für die Menschheit aus.

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Bis Mitte Zweitausenddreiundzwanzig starben in Deutschland

Knapp einhundertundfünfundsiebzigtausend mit COVID-19, oder direkt daran;

Extrapoliert aus Obduktionen, mit COVID-19 als Verdacht Verstorbener,

Liege die Todesrate, unmittelbar vom Virus verursacht, bei fünfundachtzig Prozent.

Der sogenannte Wildtyp, der Zweitausendundzwanzig grassierte,

Hatte die hohen Todesfallzahlen gebracht.

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Im Frühjahr Einundzwanzig[14] brachte die Alpha-Variante

Vierundneunzig Prozent der Erkrankten den Tod.

Herbst Einundzwanzig sanken mit der dann herrschenden Variante

Delta, die Todesfallzahlen auf zweiundachtzig Prozent.

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Im Vergleich zu Wildtyp und Alpha-Variante verkürzte

COVID-19 Delta von sechs auf vier Tage die Nachweisbarkeit der Infektion,

Bis zu eintausendzweihundert Mal war dabei die Viruslast höher,

Doppelt so hoch das Risiko einer Hospitalisation[15].

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Omikron, im Frühjahr Zweiundzwanzig[16] weltweit zu neunzig Prozent grassierend,

Blieb vergleichsweise harmlos, brachte Befallenen den Exitus zu sechsundvierzig Prozent.

Gegen Ende Zweiundzwanzig verringerten sich die Coronazahlen:

Die Pandemie war zu Ende, die Menschheit atmete auf.

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Bis Mitte Oktober Zweiundzwanzig wurden weltweit etwa

Sechshundertundzweiundzwanzig Millionen COVID-19 Infizierte registriert.

Allein in Deutschland waren es Anfang Juni Dreiundzwanzig[17] bereits

Achtunddreißigeinhalb Millionen bestätigte Fälle durch Laborbefund.

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Zwischen Anfang Zwanzigzwanzig[18] und Ende Zwanzigeinundzwanzig

Gab es mit fast fünfzehn Millionen Toten weltweit eine extreme Übersterblichkeit,

Also um diese Zahl erhöhte Todesfallzahlen,

Verglichen mit Verstorbenen vor der Covid-19 Pandemie.

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Fußnoten

[1] Wuhan: Hauptstadt der Provinz Hubei, gelegen im mittleren Südosten der Volksrepublik China

[2] 2019

[3] SARS-CoV-2: Severe Acute Respiration Syndrome Corona Virus 2

[4] RNA: gemomische RNA-Sequenzen

[5] Superspreadingereignis: Ereignis mit dem gewaltige Mengen Pathogene in die Umwelt gesetzt wurden, womit eine erhebliche Zahl von Menschen in kürzester Zeit infiziert wurde

[6] Fledertiere: Chiroptera (Übrige Laurasiatheria – Laurasiatheria – Boreoeutheria – Placentalia – Theria –…)

[7] Hufeisennasen: Rhinolophidae (Rhinolophoidea – Yinpterochiroptera – Chiroptera – Übrige Laurasiatheria à Laurasiatheria –…)

[8] Larvenroller: Paguma larvata (Viverridae – Viverroidea – Feliformia – Carnivora s. s. – Carnivora s. l. –…)

[9] Zwischenwirt: Wirt, der der Ausbreitung dient und keine wesentlichen Schäden davonträgt

[10] COVID-19: Corona Virus Disease-(20)19

[11] Mutation: Spontan auftretende, dauerhafte Veränderung des Erbguts

[12] Spikes: Aus der Virushülle herausragende Glycoproteine

[13] Pandemisch, Pandemie: Über mehrere Länder, gar global sich ausbreitende Seuchen

[14] 2021

[15] Hospitalisation: Einweisung in Krankenhäuser

[16] 2022

[17] 2023

[18] 2020

Eingestellt am 6. Juli 2024

Große Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum)

Autor: Prof. emeritus Hans Schneider (Geyersberg)

Licensed under the Creative Commons Attribution 3.0 Unported license.  GNU Free Documentation License, Version 1.2 

Eingestellt am 6. Juli 2024

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Larvenroller (Paguma larvata)

Autor: Denise Chan from Hong Kong, China

licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic license.

Eingestellt am 6. Juli 2024

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3 COVID-19[1]-Erkrankung (AP)

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Zumeist durch Tröpfcheninfektion erfolgt eine Ansteckung;

Besonders in geschlossenen Räumen ist die Aerosollast[2] hoch.

Sommersonnentage reduzieren jedoch im Freien binnen acht Minuten

Um neunzig Prozent der Viren Zahl.

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Im Nasen-Rachenraum beginnt des Körpers Besiedlung.

Noch symptomlos erfolgt anfangs die Infektion,

Die bald von Schnupfen, Husten, Halsschmerzen und Fieber aber begleitet sein kann;

Zwanzig Prozent etwa klagen über Geschmacks- oder Geruchsverlust.

.

Achtzig Prozent zeigen nur leichte Symptome,

Bei fünfzehn verläuft COVID-19 jedoch schwer;

Um die fünf Prozent werden in Intensivstationen untergebracht und mit

Sauerstoffzufuhr behandelt: Beatmung rettet viele vorm sicheren Tod. –

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Ein spezielles Membranenzym[3] der menschlichen Zelle,

Ist, um einzudringen, des Virus‘ Spikeproteine[4] Ziel;

Eine gleichfalls membranständige Serinprotease[5] hilft,

Spikeproteine fusionsbereit zu stellen, damit in die Zelle der Einritt gelingt.

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Der Zellen Großteil, der mit diesen Membranproteinen versehen,

Wird in der Lunge, verstärkt in höherem Alter, bereitgestellt:

In größeren Mengen jedoch auf Wandzellen von Butkapillaren,

In Herzmuskelzellen und im Darmepithel[6].

Demnach verwundert nicht des Virus‘ verstärkt zerstörende Wirkung in

Lunge, Herz- und Blutkapillaren, aber auch in Leber und zentralem Nervensystem.

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Fußnoten

[1] COVID-19: Corona Virus Disease-(20)19

[2] Aerosole: Feinstverteilte, schwebende, feste oder flüssige Stoffe in Gasen, besonders in der Luft

[3] Der Zellmembran, genannt ACE2 („angiotensin-converting enzyme 2“)

[4] Spikes: Aus der Virushülle herausragende Glycoproteine

[5] Serinproteasen: Enzyme, die in ihrem aktiven Zentrum die namensgebende Aminosäure Serin besitzen. Sie verwenden die Hydroxygruppe eines Serinrestes für die Spaltung einer Peptidbindung.

[6] Epithel: Ein- oder mehrlagige Zellschichten, die alle inneren und äußeren Körperoberflächen von Echten Tieren (Animalia) bedecken

Eingestellt am 6. Juli 2024

Häufigkeit der gemeldeten Corona-Infektionen / pro 1000 Einwohner (bis 20. November 2022)

Autor: Raphaël DunantGajmar 

Licensed under the Creative Commons Attribution 4.0 International license

Eingestellt am 6. Juli 2024

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4 COVID-19-Gegenmaßnahmen (AP)

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Die rasante weltweite Ausbreitung überforderte alle Institutionen,

Kannte doch niemand von früher her ein so aggressives Virus, auch keine gegenwartsnahe Pandemie;

Hilflos waren Immunologen, Virologen und Ärzte.

So mussten Politiker handeln. Sie waren gefragt!

Vielerlei Maßnahmen wurden ergriffen, besseren Schutz den Menschen zu geben,

Die möglicherweise halfen, doch sicher war, fehlender Vorkenntnisse wegen, nichts.

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Allgemeingültige Hygieneregeln wurden betont, allerorten hervorgehoben:

Husten und Nießen nur in Ellenbeuge, Abstand halten, wann und wo immer dies geht,

Hände ausführlich, zwanzig Sekunden zumindest, gründlich waschen und trocknen,

Mundschutz tragen; weil davon Mangelware, wurde zu Hause fleißig genäht.

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Doch dies war Einflussreichen noch zu wenig, denn die Befallszahlen stiegen!

Auch Lungenversagen und Todesfälle brachten Bevölkerung und Politiker auf:

Mund-Nasenschutz wurde verpflichtend, OP-Masken[2], zumindest, sollte man tragen,

Bald mussten es beste FFP2-Masken[3] – gleichfalls bald Mangelware – sein.

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Bald wurde ein Lockdown[4] ausgerufen:

– Zuwiderhandlungen mit schwersten Geldstrafen belegt –

Versammlungsverbote, nur Personen des gleichen Haushalts durften sich treffen,

Schulen und Kindergärten wurden geschlossen, nicht lebensnotwendige Läden dazu.

Lehrer verteilten kontaktlos Lern- und Übungsaufgaben,

An Internetunterricht nahmen Schüler, wer konnte, teil;

Gasthäuser, Hotels, Fitnessstudios und ähnliches blieben geschlossen,

Ins Homeoffice wurden, wo möglich, die Leute geschickt,

Kirchenbesuch verboten, Life-Stream-Messen aus leeren Kirchen gesendet,

Ausgangssperre von zweiundzwanzig Uhr bis Sechs in früh.

Öffentliche Verkehrsmittel durfte nur nutzen,

Wenn ein Arbeitgeber dies als unumgänglich schrieb.

Alten- und Pflegeheim-, Krankenbesuche waren verboten,

Gar mancher starb völlig allein, Beerdigungen durften in allerengstem Kreise nur sein;

Tote entfernte, wer mit Schutzanzügen bekleidet,

Irgendwo, hieß es, stapelte man sie gar.

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Bald waren Krankenhauspersonal, Ärzte, Schwestern und Pfleger überfordert,

Auch ihr Bestand dünnte, nicht zuletzt wegen COVID-19-Ekrankungen, aus;

Über Triage[5] dachte man nach, in manchen Ländern vollzogen:

Behandelt sollte nur werden, wo Aussicht auf Erfolg, wen die Gesellschaft unbedingt braucht.

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Impfstoffe waren endlich gefunden!

Deren sonst notwendige Prüfung, weil Standards herabgesetzt, zu wünschen ließ.

Impfzentren mit elektronischer Anmeldung planten Gemeinden,

Öffneten beinahe rund um die Uhr.

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mRNA-Impfstoffe[6] gewannen allmählich den Vorrang,

Der Spikeproteine[7] durch Ribosomen[8] ablesen ließ,

Wogegen Antikörper[9] des Menschen Immunsystem bildete.

So lange sei zu impfen, bis Herdenimmunität[10] erreicht.

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Testcenter auf SARS-CoV-2[11]-Befall wurden errichtet:

PCR-Tests[12] waren das Mittel der Wahl,

Um Antigene[13] aus dem Nasen-Rachenraum eventuell nachzuweisen. –

Plötzlich war positiv, falls man negativ und negativ, falls man positiv (getestet) war.

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Zweitimpfung, eine dritte, die Booster-Impfung[14] war nötig.

Nur wer sich als genesen auswies oder geimpft,

Konnte, zwei Wochen danach erst natürlich,

In Restaurants wieder sich wagen, zu besteigen S-, U-, Straßenbahn und Zug.

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Irgendwie konkurrierten die Virusstämme in unserem Körper,

Bis endlich, Vorherrschaft zu gewinnen, der Variante Omikron gelang:

Impf- und Testcenter geschlossen wurden und

Bald darauf die Maskenpflicht fiel. –

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Was blieb nach dem Ende der COVID-19-Krise?

Long-Covid-Syndrome[15], worüber Forschungsbedarf noch dringend besteht.

Jugendliche, von Kontaktbeschränkungen besonders betroffen,

Brauchen Betreuung von Psychologen wie nie zuvor.

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Fußnoten

[1] COVID-19: Corona Virus Disease-(20)19

[2] OP-Masken: Genormtes Medizinprodukt mit dem Zweck, Übertragung von Krankheitserregern durch Tröpfcheninfektion während der Operation zu reduzieren.

[3] FFP2-Masken (Filtering Face Piece): Partikelfilternde Halbmaske, die Mund und Nase umschließt, ihre Dichtlinie verläuft über die Nasenpartie, da sie einen formbaren Nasenbügel besitzt, der eine Anpassung an das Gesicht optimiert. FFP2-Masken fangen mindestens 94 % der in der Luft befindlichen Partikel bis zu einer Größe von 0,6 μm auf.

[4] Lockdown: Status oder Periode, in der Bewegungsfreiheit oder Zugang zu bestimmten Bereichen aus gesundheitlichen oder Sicherheitsgründen beschränkt oder fast gänzlich verwehrt ist

[5] Triage: Bezeichnet die Methodik, den Schweregrad der Erkrankung bzw. der Verletzung innerhalb kurzer Zeit zu erkennen und mittels Kategorisierung eine Einstufung der Behandlungsdringlichkeit vorzunehmen; mit erheblichen Konsequenzen, sind Behandlungsmöglichkeiten voll ausgelastet oder gar überlastet

[6] mRNA-Impfstoff: mRNA, deren Basensequenzen auf spezielle Oberflächenproteine der Viren abgestellt sind; damit werden über Ribosomen der Zellen die als Antigen wirkenden Oberflächenproteine produziert, worauf das Immunsystem mit Antikörperbildung antwortet und so gewappnet ist, falls eine Infektion erfolgt.

[7] Spikes: Aus der Virushülle herausragende Glycoproteine

[8] Ribosom: Organell aus ribosomaler RNA und Proteinen. Es dient zur Translation der mRNA-Informationen in Proteine. Meist sind mehrere Ribosomen über die mRNA kettenartig verbunden, um zugleich mehrere Ablesevorgänge hintereinander ablaufen lassen zu können

[9] Antikörper: Proteine, die vom Immunsystem der Wirbeltiere als Reaktionsprodukte auf Antigene gebildet werden

[10] Herdenimmunität: Kollektive Immunität gegen einen Krankheitserreger in einer Population, die sich durch eine Impfung ausgebildet hat oder durch Infektionen erworben worden ist. Hierbei wird die Infektionskette durch eine entsprechend hohe Durchimpfungsrate unterbrochen oder verlangsamt und somit eine epidemische Ausbreitung gestoppt. Die notwendige Rate der zu impfenden Personen in einer Population hängt unter anderem von der Reproduktionsrate des Erregers ab.

[11] SARS-CoV-2: Severe Acute Respiration Syndrome Corona Virus 2

[12] PCR-Methode, Polymerase Chain Reaction: die durch Taq-Polymerase vollzogene Vermehrung von Nucleinsäureabschnitten

[13] Antigene: Oberflächen (Glyco)Proteine, generell molekulare Strukturen von Pathogenen, die von Immunzellen Befallener als fremd erkannt werden und daraufhin Antikörper dagegen entwickeln

[14] Booster-Impfung: Auffrischungsimpfung

[15] Long-COVID-Syndrome: Noch unerforschte, gesundheitliche Beschwerden, die jenseits der akuten Krankheitsphase einer SARS-Co-V-2-Infektion nach vier Wochen fortbestehen oder neu auftreten.

Eingestellt am 6. Juli 2024

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DNA-Viren

1 Konservativ

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Bau und Interaktion von Viren mit Wirten

Werden, wie allgemein üblich, von Nucleotidsequenzen[1] bestimmt.

Von allen echten Lebewesen, die selbst sich vermehren,

Sich nicht replizieren[2] lassen mit ihrer Wirte molekularem Besteck,

Wird nur DNA[3] als Informationsträger verwendet,

Worauf diese Verwandtschaft hier gleichfalls vertraut.

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Auf RNA[4]- und DNA-Polymerasen[5] setzen sie, wie jeder lebende Organismus,

Verwenden wirtseigene oder bringen selbst sie mit.

Einzel[6]- und doppelsträngige[7] DNA-Viren

Unterscheiden sich ein weinig darin.

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Fußnoten

[1] Nucleotidsequenzen: Basensequenzen der DNA

[2] Replizieren, Replikation: Replikation dient dazu, DNA in einer Zelle zu verdoppeln. Sie wird also dazu benötigt, Erbinformationen an jede neue Zelle weiterzugeben.

[3] DNA (=DNS): Desoxyribonucleinic Acid, Desoxyribonukleinsäure; mit einer reduzierten Ribose; das [–OH] am C2 der Ribose fehlt; Baustein der Erbinformation

[4] RNA-Polymerasen: Enzyme, welche die Synthese von RNA aus Nucleotidtriphosphaten (Ribose als Zucker und Uridintriphosphat, UTP, anstelle von Thymidintriphosphat, TPP, verwenden) als monomere Vorstufen (Einzelvorstufen) katalysieren

[5] DNA -Polymerasen: Enzyme, welche die Synthese von DNA aus Nucleotidtriphosphaten (Desoxyribose als Zucker und TTP, ATP, GTP und CTP als Nucleotide) als monomere Vorstufen (Einzelvorstufen) katalysieren

[6] Einzelsträngige DNA: Nur ein DNA-Strang liegt vor, ist als nicht mit einem Gegenstück gepaart

[7] Doppelsträngige DNA: Zwei DNA-Stränge paarten sich zur doppelsträngigen (Normalfall) DNA

Eingestellt am 6. Juli 2024

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DNA- und RNA-Nucleotide im Vergleich (ppt generiert, Reinhard Agerer)

Adenin-Desoxyribonucleotid (oben), Adenin-Ribonucleotid: der Desoxyribose fehlt eine [–OH]-Gruppe am Kohlenstoff C2

Nummerierung bezieht sich auf die Kohlenstoffatome in der (Desoxy-)Ribose. – grau: Kohlenstoff; rot: Sauerstoff; blau: Stickstoff; violett: Wasserstoff; dünne grüne Linie: Einfachbindung; dicke grüne Linie: Doppelbindung

Eingestellt am 6. Juli 2024

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Doppelstrang DNA-Viren

1 Alternativen

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Zwei Möglichkeiten noch halten die Viren sich offen:

Nutzen des Wirts beiderlei Polymerasen[1],

Doch bringen sie alternativ die eigene Bauanleitung für

RNA-Polymerasen[2], mRNAs[3] zu bilden, mit.

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Fußnoten

[1] DNA- und RNA-Polymerasen

[2] RNA-Polymerasen: Enzyme, welche die Synthese von RNA aus Nucleotidtriphosphaten (Ribose als Zucker und Uridintriphosphat, UTP, anstelle von Thymidintriphosphat, TPP, verwenden) als monomere Vorstufen (Einzelvorstufen) katalysieren

[3] mRNA, messenger RNA, Boten RNA: Übersetzt den genetischen Code der DNA in für tRNAs ablesbare Matrizen

Eingestellt am 6. Juli 2024

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Doppelstrang RNA-Viren

1 Grundlegendes (AP)

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RNA-abhängige RNA Polymerase [1] benötigen diese Viren

Zum einen, mRNA[2] zu bilden am negativ polaren Strang[3];

Der andere dient als Matrize[4], den Doppelstrang zu komplementieren;

Verwenden den Doppelstrang als solchen auch,

Wiederholt das komplette Genom zu reduplizieren,

Bevor ihre Nachkommenschaft, es verpackend, den Wirt in Mengen verlässt.

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Wirtszellen besitzen keine dieser RNA-Polymerasen.

So werden, bevor neue Viren der toten Zelle entschlüpfen, virale verpackt,

Damit der Erreger das erste und wichtigstes Werkzeug

Nach Infektion, die RNA-Synthese, sicherstellt.

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Bakteriophagen[5] gehören zu dieser Gruppe von Viren.

Auch Tiere, Pflanzen und Pilze sind für sie Wirt.

Reoviridae[6] bilden die wichtigste Sippe dieser Verwandtschaft,

Tangieren doch sie Menschen[7] auf zweifache Art:

Zum einen vernichten Oryzaviren[8] weltweit Reisernten durch Zwergenwuchs

Und die Menschheit leidet oft durch Rotaviren[9] an heftiger Diarrhöe[10].

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Unbehüllt[11] sind Reoviridae,

Keine Wirtsmembran legt somit sich ihnen auf;

Segmentiert erweisen sich Chromosomen[12],

Liegen nicht einzeln vor, sondern in größerer Zahl:

Um ein Dutzend Segmente umhüllen die Viren,

Wovon jedes ein spezielles Protein codiert.

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Einen einzigartigen, charakteristischen Bau zeigen Reoviridae

Mit doppelten Kapseln, wobei die äußere eine innere konzentrisch umgibt;

Beide durchbrechen Dutzende hohler Kanälchen,

Die nach außen zu ragen ein bezeichnendes Stück,

Beide Hüllen durchdringend, verbindend, erreichen sie

Gleichsam der Viren Herz, lassen ins Zentrum Ionendiffusionen[13] zu.

.

RNA Segmente umgeben sich zudem mit Proteinstrukturen[14],

Ohne Muster, nicht ikosaedrisch[15] geordnet, nicht wie die Hüllen ihres Capsids[16].

Die äußere Wand des Capsids, kaum gebraucht für der Segmente regelgerechte Verpackung,

Variiert mitunter, was Reoviridae neue Subtypen bringt.

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Fußnoten

[1] RNA abhängige RNA-Polymerasen: RNA-abhängig heißen diese RNA-Polymerasen, weil sie RNA nicht von DNA, sondern von RNA ausgehend, synthetisieren

[2] mRNA, messenger RNA, Boten RNA: Übersetzt den genetischen Code in für tRNAs ablesbare Matrizen.

[3] (–)-polare RNA (Viren): Diese virale RNA wird vom Wirt nicht als mRNA erkannt und muss von viraler RNA-Polymerase zunächst in eine (+)-polare RNA umgeschrieben werden, damit sie als mRNA wirken kann

[4] Matrize: Vorlage, Template

[5] Phagen: Ausschließlich Bakterien (und Archäen) infizierende Viren; sind durch ihre Lebensweise charakterisiert; bilden keine einheitliche Verwandtschaft

[6] Reoviridae: respiratory enteric orphan Virus (Doppelsträngige RNA-Viren – RNA-Viren – Viren – Bacteria)

[7] Moderner Mensch: Homo sapiens (Homininae – Hominidae – Hominoidea – Catarrhini – Anthropoidea – …)

[8] Oryzaviren: Reisviren (Reoviridae – Doppelsträngige RNA-Viren – RNA-Viren – Viren – Bacteria)

[9] Rotaviren: Brechdurchfallvien (Sedoreoviridae – Doppelsträngige RNA-Viren – RNA-Viren – Viren – Bacteria)

[10] Diarrhoe: Durchfall

[11] Unbehüllt: Viele Viren, auch gramnegative Bakterien, umhüllen sich mit einer Lipiddoppelmembran, doch diese fehlt Unbehüllten

[12] Segmentierte RNA: Das Chromosom von Prokaryoten kann in mehreren Stücken (Segmenten) vorliegen; braucht nicht immer eine Einheit zu bilden, sondern kann sich verwandtschaftsabhängig auf mehrere Portionen aufteilen.

[13] Diffusion: Physikalischer Prozess der zum Ausgleich unterschiedlicher Konzentrationen von Stoffen in Gasen und Flüssigkeiten führt

[14] Proteine: Aus Aminosäuren aufgebaute, komplexe Moleküle. Die [–NH2]-Gruppe einer Aminosäure wird mit der Hydroxylgruppe [–OH] der Säurefunktion [–COOH] unter Wasserabspaltung verknüpft, dabei entsteht eine charakteristische Abfolge von Atomen: [–C–N–C–C–N–]n, wobei das unmittelbar dem [N] benachbarte [C] einen doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] trägt, das zweite der beiden benachbarten den Aminosäurerest

[15] Ikosaeder: Polyeder mit zwanzig kongruenten, gleichseitigen Dreiecken als Flächen, mit dreißig gleichlangen Kanten und zwölf Ecken, in denen jeweils fünf Seitenflächen zusammentreffen

[16] Capsid: Komplexe, regelmäßige Struktur von Viren aus Proteinen, die der Verpackung des Virusgenoms dient.

Eingestellt am 6. Juli 2024

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2 Rotaviren[1] (AP)

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Dickwandig erscheint wegen doppelter Hülle das Virus im

Elektronenmikroskop mit einhundertundzweiunddreißig Speichen durchzogen, so wie ein Rad;

Davon rührt auch der Name, weil der Lateiner Rota für Rad verwendet;

Mit acht Hundertstel eines Mikrometers[2] ist es Miniatur.

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Aus elf Segmenten von null Komma drei bis drei Komma sechs

Kilobasenpaaren[3] besteht ihr Genom.

Neun Arten werden derzeit unterschieden,

Meist aber wird eine Art nur für Menschen[4] ein Problem.

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Fünfunddreißig bis zu fünfzig Prozent etwa tragen

Rotaviren zu klinisch relevanten Durchfallerkrankungen bei;

Weltweit sind etwa hundertundvierzig Millionen davon betroffen;

Besonders schwerwiegend leiden Kleinkinder durch Austrocknung und Elektrolytverlust,

Wegen häufigen und explosionsartigen Erbrechens und Durchfalls;

Begleitende Bauchschmerzen und Fieber treten recht selten nur auf.

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In Dünndarmzotten[5], den apikalen Enterocyten[6], erfolgt des Erregers Vermehrung.

Zehn Partikel, oral aufgenommen, reichen Rotaviren bereits

Im Darm sich erfolgreich zu etablieren.

Oft kommt es zu symptomloser Infektion,

So haben etwa neunzig Prozent der Dreijährigen

Eine unerkannte Rotavirus Besiedlung schon hinter sich.

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Schwer Erkrankte können bis zu drei Wochen Rotaviren von sich geben mit

1011,[7] Viruspartikeln pro Milliliter Stuhl,

Die fäkal-oral übertragen werden;

Überleben auf Oberflächen über Tage hinweg,

Auf Händen in winzigen Furchen,

Bleiben in Wasser bis gar drei Wochen lang infektiös.

Allgemeine Hygienestandards helfen, die Krankheit einzudämmen;

Eine Impfung ist möglich, wer sich absichern will.

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Der Rotaviren Inkubationszeit[8] beträgt ein bis drei Tage

Bis die Krankheit, wenn überhaupt, sich mit schlimmen Durchfällen zeigt.

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Fußnoten

[1] Rotaviren: Radviren, Brechdurchfallviren (Sedoreoviridae – Doppelsträngige RNA-Viren – RNA-Viren – Viren – Bacteria)

[2] Mikrometer, µm: Tausendstel Millimeter (10-3 mm); Millionstel Meter (10-6 m)

[3] Kilobasenpaare, KBp: eintausend Basenpaare

[4] Moderner Mensch: Homo sapiens (Hominini – Homininae – Hominidae – Hominoidea – Catarrhini – …)

[5] Dünndarmzotten: Kleinste finger- bis blattförmige Ausstülpungen der Darmschleimhaut; stellen Fortsätze der Lamina propria dar, die von einer dünnen Schleimhautschicht bedeckt sind und ins Darmlumen ragen

[6] Enterocyten: Hochaufragende Zellen des Epithels, das des Dünndarms und des Dickdarms Lumen auskleidet

[7] Sprich zehn hoch elf:  100 000 000 000, Hundert Milliarden

[8] Inkubationszeit: Zeit, die zwischen Infektion und Ausbruch der Krankheit vergeht

Eingestellt am 6. Juli 2024

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Einzelstrang DNA-Viren

1 Doch nicht so einfach

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Umschlössen Capside[1] (–)-polare Einzelstrang-DNA[2],

Wäre mRNA[3]-Synthese nicht kompliziert;

RNA-Polymerasen[4] ergäben sofort mRNA[5],

Die von Wirtsribosomen[6] erkannt und translatiert[7] davon wird.

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Wenn aber (+)-polar[8] sie vorliegt, müssen Wirts-DNA-Polymerasen[9] die

(+)-polare DNA zum Doppelstrang komplettieren zunächst,

Dessen neusynthetisierte (–)-polare Ergänzung für

RNA-Polymerasen erst das richtige Template[10] für mRNA ergibt.

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Erleichternd aber kommt den Viren zugute,

Können sie doch den (+)-Strang der Leiter verwenden so wie er ist,

Gilt es, Capside damit zu bestücken,

Für ihren gewohnten (+)-DNA-Bestand. –

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Obwohl früher alle Vertreter der Einzelstrang-DNA-Viren

Galten als (+)-orientiert,

Wurden zwei der Familien, die hier behandelt, später als

(–)-orientiert oder als ambisense[11]-Vertreter erkannt. –

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Alle Einzelstrang-DNA-Viren bauchen keine Hüllen fallen zu lassen,

Besitzen sie doch keine Außenmembran[12]. –

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Neben Tierviren umschließt die Verwandtschaft

Auf Vektoren[13] wartende Pflanzenviren, die erst dann

Einzudringen vermögen, saugt ein Rüssler[14] sie aus Zellen und

Bringt dann sie mit Stich anderswo ein;

Am leichtesten scheinen es Phagen[15] zu haben,

Setzen doch sie einfach sich obenauf.

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Fußnoten

[1] Capsid: Komplexe, regelmäßige Struktur von Viren aus Proteinen, die der Verpackung des Virusgenoms dient.

[2] (–)-polare einzelsträngige DNA (Viren): Davon würde beim Transkribieren zwangsläufig eine (+)-orientierte RNA entstehen, die das Ribosom  als mRNA erkennen kann, somit kann diese RNA translatiert werden

[3] mRNA, messenger RNA, Boten RNA: Übersetzt den genetischen Code der DNA in für tRNAs ablesbare Matrizen.

[4] RNA-Polymerasen: Enzyme, welche die Synthese von RNA aus Nucleotidtriphosphaten (Ribose als Zucker und Uridintriphosphat, UTP, anstelle von Thymidintriphosphat, mit Desoxyribose als Zucker, TPP, verwenden) als monomere Vorstufen (Einzelvorstufen) katalysieren

[5] mRNA ist immer (+)-orientiert

[6] Ribosom: Organell aus ribosomaler RNA und Proteinen. Es dient zur Translation der mRNA-Informationen in Proteine. Meist sind mehrere Ribosomen über die mRNA kettenartig verbunden, um zugleich mehrere Ablesevorgänge hintereinander ablaufen lassen zu können

[7] Translation: Synthese von Proteinen in den Zellen lebender Organismen, die nach Vorgabe der Basensequenzen an den Ribosomen abläuft

[8] (+)-polare einzelsträngige DNA (Viren): Davon würde beim Transkribieren zwangsläufig eine (–)-orientierte RNA entstehen, die aber das Ribosom nicht als mRNA erkennen kann, somit kann diese RNA nicht translatiert werden

[9] DNA-Polymerasen: Enzyme, welche die Synthese von DNA aus Nucleotidtriphosphaten (Desoxyribose als Zucker in TTP, ATP, GTP und CTP als Nucleotide) als monomere Vorstufen (Einzelvorstufen) katalysieren

[10] Template: Matrize, Vorlage

[11] (+/–) polare DNA, ambisense DNA, gilt auch für RNA: dabei sind beide Richtungen (+) und (–) zugleich in einem Einzelstrang-Chromosom vertreten

[12] Hüllmembran: Lipiddoppelmembran um gramnegative Bakterien und um verschiedene Viren

[13] Vektor (Organismen): Transporteur, Überträger, Ausbreiter

[14] Rüssler: Gemeint ist ein Insekt, das mit stechendem Saugrüssel ausgestattet ist

[15] Phagen: Ausschließlich Bakterien (und Archäen) infizierende Viren; sind durch ihre Lebensweise charakterisiert; bilden keine einheitliche Verwandtschaft

Eingestellt am 6. Juli 2024

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Filoviridae, Ebolavirusähnliche

1 Brennpunkt (AP)

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Womit hat es das Flüsschen verdient,

Berühmt-berüchtigt zu werden?

Weitab gelegen, mit kleinen Dörfern geschmückt,

Entwässert es in die Dua[1],

Die dem Kongo über den Zufluss Mongalla

Wasser aus dem Tropenwald bringt.

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Trauergeschrei erfasst das Dorf des Schamanen[2]!

Bestürzt die Menge den Toten umringt!

Vor wenig mehr als drei Tagen sang er noch fröhlich,

War das sprühende Leben!

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Fahl geworden unter der vormals tiefdunklen Haut,

Sickert ihm Blut aus Nase und Mund,

Weit aufgerissen vor fiebriger Qual,

Lechzend nach kühlendem Trunk.

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Wie Traditionen des Stammes es wollten,

Waschen sie sorgsam den Körper des Armen,

Nehmen Abschied, umarmen seine Verwandten,

Betten ihn in kühlender Grube zur Ruh.

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Nicht lange danach erfasst das Schicksal

Noch andere Dorfbewohner!

Um Hilfe zu holen, eilen Gesunde

In den nächstgrößeren Ort

Und bringen – nichtsahnend –

Auch dorthin den fiebrig-blutigen Tod.

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Ebola heißt das winzige Flüsschen.

Sein Name geht heute rund um die Welt:

Als neuen Brennpunkt wählte das gleichnamige Virus

Im westlichen Afrika Liberia.

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Fußnoten

[1] Ebola (Flüsschen): bringt ihr Wasser zur Dua, fließt weiter zum Mongalla, der es dem Kongo (Demokratische Republik Kongo) übergibt

[2] Schamane: Spiritueller Spezialist, der bei vollem Bewusstsein eine rituelle Ekstase herbeiführen kann und dabei den Eindruck hat, seine Seele würde den Körper verlassen und ins Jenseits reisen 

Eingestellt am 6. Juli 2024

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2 Perfektes Waffenarsenal (AP)

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Mikrometerlang[1] und stäbchenförmig, biegsam, gewunden, manchmal verdrillt,

Durch direkten Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen,

Durchdringt es Wunden, Schleimhäute, Darmepithel[2],

Dockt seine enganliegende Hülle

Über Membranglycoproteine[3]

Dem Plasmalemma[4] der Wirtszelle an.

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Aufgenommen in Endosomen[5],

Vereint sich Virions[6] Hülle mit dessen Membran.

Gemeinsam mit Aggressionsproteinen,

Polt Virions RNA[7]

Der Zelle Programme

Nach eigenen Maßstäben um:

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Interferoninhibierend[8], legt ein erstes Protein jede Immunantwort lahm.

Ein zweites, sich direkt zur Wirts-DNA wendend,

Verhindert ein Transkribieren[9] des verantwortlichen Gens.

So liefern beide die Zelle schutzlos dem Angreifer aus.

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Cytokin[10]-Stimulationen erhöhen Entzündungsreaktionen im Körper,

Aktivieren Leucocyten[11], zerstören Gefäße,

Hemmen T-Zell[12]-Reifung für baldige Wehr,

Beseitigen Schranken, bereiten unbehindertes Ausbreiten vor.

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Ein letztes Mittel setzt Ebola ein:

Theterin[13], ein Zellprotein, um Viren am Knospen zu hindern,

Fehlt jetzt das Interferon, um wirksam zu sein.

Alle Bastionen sind nun geschleift,

Massen an Viren überfallen das Opfer,

Lassen verwüstete Zonen zurück.

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Ermattet, erschöpft liegt fiebrig der Mensch,

Blutet aus allen Pforten des Köpers,

Dicht mit Ebola-Viren versetzt.

Blut und Schleime kontaminieren jede ungeschützte Person!

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Fußnoten

[1] Mikrometer, µm: Tausendstel Millimeter (10-3 mm); Millionstel Meter (10-6 m)

[2] Epithel: Ein- oder mehrlagige Zellschichten, die alle inneren und äußeren Körperoberflächen von Echten Tieren (Animalia) bedecken; eben auch den Darm

[3] Spikes: Aus der Virushülle herausragende Glycoproteine

[4] Plasmamembran, Zellmembran: Lipiddoppelmembran um den Zellinhalt herum

[5] Endosom: Mikrobenumschließendes Vesikel, entstanden aus einer Zellmembraneinstülpung

[6] Virion: Virus, oft Virion genannt

[7] Genomische RNA: so wird die RNA des Genoms von RNA-Viren bezeichnet; sie wird ins Capsid eingeschlossen

[8] Interferone: Proteine und Glycoproteine mit mehr als 100 Aminosäuren, werden als körpereigene Gewebshormone in menschlichen und tierischen Zellen gebildet, vor allem in Leucocyten und zählen zur ersten Abwehrlinie des Körpers; verhindern Vermehrung und Ausbreitung von Viren im Körper und alarmieren das Immunsystem.

[9] Transkription: Umschreiben von RNA in RNA

[10] Cytokin(in)e: Weisen multiple Wirkung auf Wachstum und Entwicklung von Pflanzen auf, finden sich aber auch in Tieren

[11] Leucocyten: Weiße Blutkörperchen

[12] T-Zellen: Wichtiger Typ der Leucocyten des Immunsystems, spielen eine bedeutende Rolle im adaptiven Immunsystem; lassen sich durch einen spezifischen Oberflächenrezeptor erkennen. Sie entstehen im Knochenmark, wandern in den Thymus (daher die Bezeichnung T-Zellen) und reifen dort, wobei nur ein geringer Teil selektiv dabei überbleibt. Cytotoxisch gewordene werden als Killer T-Zellen bezeichnet, Helfer T-Zellen aktivieren Killer T-Zellen und bestimmte Leucocyten, sog. Memory Cells, die aus Vorprägung bestimmter Antigene Kennung tragen.

[13] Theterin: Zellprotein, das Viren am Knospen hindert

Eingestellt am 6. Juli 2024

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3 Tödliche Aussichten (AP)

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Ausgangssperre im ganzen Land!

Von Haus zu Haus,

Von Hütte zu Hütte

Warnen Einwohner sie, klären sie auf.

Doch Unverständnis trifft die Berater,

Manche bringen sie um.

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Wollen traditionell Verwandte versorgen,

Waschen, für die Ewigkeit betten.

Fürchten Plastiksäcke, Desinfektion,

Benutzung der Toten für Forschung daran.

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Auf Nachbarländer breitet die Seuche sich aus!

Keinen Halt scheint es jetzt mehr zu geben.

Dreitausend Tote, Infizierte ein Mehrfaches schon,

Erschüttern die Welt, versetzt sie in Angst.

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Kein Impfstoff existiert lange gegen dieses viröse Gespenst;

Nur an ausgewählten Patienten erlauben Behörden erste Versuche.

Kein Durchbruch ist dem Medikament noch beschert;

Schon springt das Virus auf neue Länder der tropischen[1] Welt.

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Alle zwei bis drei Wochen verdoppelt sich

Im Auge der Katastrophe der Kontaminierten Zahl!

Lässt Schlimmstes befürchten bei

Bei fünfzig- bis neunzig Prozent Letalität.

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Fußnote

[1] Tropen, tropisch: Klimazone zwischen Äquator und Wendekreisen

Eingestellt am 6. Juli 2024

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4 Ebola-Virus‘[1] Weg (AP)

Durch Schleimhäute, Verletzungen, treten sie ein,

Keine Rolle spielt dabei Atemluft.

Gehustete Spritzer, Ausscheidung Infizierter,

Bringen Ebola-Viren in menschliche Körper in ausreichend hoher Konzentration;

Schon ein bis zehn infektiöse Partikel genügen,

Blühendem Leben schwerste Krankheit zu bringen, zumeist den Tod.

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Der Spikes[2] trimeres[3] Oberflächenglycoprotein[4] ermöglicht Ebolas

Andocken über einen von keinen anderen Viren verwendeten Faktor der Zellmembran,

Gelangt über Endocytose[5] und Endosomen[6] in menschliche Zellen;

Dort spaltet des Wirts Enzym das Spikeprotein,

Folglich wird des Virus Hülle in die Membran des Endosoms integriert und

Proteinbedeckte RNA, das Nucleocapsid[7], ins Cytoplasma[8] geschleust.

Dort finden Transkription[9] der (–)-ss-RNA[10] und Translation[11]

Für Nucleocapsid-Komponenten und RNA-Polymerasen[12] statt.

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Ebola-Viren befallen im Frühstadium hauptsächlich Makrophagen[13] und Dendriten[14],

Zellen der Milz, Leber, des Lymphsystems[15];

Im Spätstadium jedoch viele verschiedenste andere Zellen,

Durchlöchern Blutgefäße, Organe, bis Blut aus allen Öffnungen rinnt.

Denn wie Savannenfeuer verbreiten sich Ebola-Viren

Bis diverse Organe des Körpers zerstört.

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Ungehemmt entsteh‘n sie aus virenbefallenen Zellen,

Nachdem schraubige RNA, von Capsidproteinen bedeckt,

Matrixproteine[16] sie zum biegsamen Schlauch umgeben,

Wirtsmembran sie umhüllt

Und sich Viren zum Knäuel außerhalb Zellen verheddern:

Je fünfzig Nanometer[17] dick, einen Mikrometer[18] gar lang. –

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Der Viren trierisches Reservoir war lange ein Rätsel,

Doch Hinweise verdichten sich, Flughunde[19] wären der Wirt, der selbst nicht erkrankt,

Affen[xx] fräßen womöglich kontaminierte, zu Boden gefallene Reste von Früchten,

So würden im Bushmeat[20] Menschen vom Virus erreicht.

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Zweitausendundfünfzehn wurde ein Impfstoff molekularer Antikörper[21] zugelassen;

Viertausend Guineer damit versehen: hundertprozentig war der Erfolg. –

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Noch wenig adaptiert auf Menschen scheint Ebola,

In gleicher Weise gilt dies natürlich auch umgekehrt:

Tötet das Virus vorzeitig das lebensnotwendige Opfer,

Sägt es für seine Ausbreitung selbst sich den Ast damit ab.

Wohl weniger aggressiv dürfte Ebola in einigen Jahren deswegen werden,

Den Wirt möglichst lang am Leben zu halten,

Dass möglichst viele Nachkommen von Menschen werden gestreut.

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Fußnoten

[1] Ebola-Virus: Ebola sp. (Filoviridae – Einzelsträngige (–)-RNA-Viren – RNA-Viren – Viren – Bacteria)

[2] Spikes: Aus der Virushülle herausragende Glycoproteine

[3] Trimer: zu dritt

[4] Glycoproteine: Substanzen aus Zuckern und Proteinen

[5] Endocytose: Aufnahme eines Partikels aus der Zellumgebung mit Hilfe eines aus der Zellmembran durch Einstülpung entstandenen Vesikels

[6] Endosom: Mikrobenumschließendes Vesikel, entstanden aus einer Zellmembraneinstülpung

[7] Nucleocapsid: Einheit proteinassoziierter Chromosomen

[8] Cytoplasma: Flüssiger Zellinhalt mit darin liegendem Cytoskelett

[9] Transkription: Umschreiben von DNA (oder RNA) in RNA, oder von RNA in DNA (bei manchen Viren)

[10] (–)-polare einzelsträngige RNA (Viren): Virale, einzelsträngige RNA wird vom Wirt nicht als mRNA erkannt und muss von viraler RNA-Polymerase zunächst in eine (+)-polare RNA umgeschrieben werden, damit sie als mRNA wirken kann

[11] Translation: Synthese von Proteinen in den Zellen lebender Organismen, die nach Vorgabe der Basensequenzen an den Ribosomen abläuft

[12] RNA abhängige RNA-Polymerasen: RNA-abhängig heißen diese RNA-Polymerasen, weil sie RNA nicht von DNA, sondern von RNA ausgehend, synthetisieren

[13] Makrophagen: Fresszellen; weiße Blutkörperchen, Zellen des Immunsystems; dienen der Beseitigung von Mikroorganismen durch Phagocytose; bildeten sich aus Monocyten

[14] Dendrite: Zellen mit astartigen Cytoplasmafortsätzen; bei Nervenzellen dienen sie der Aufnahme elektrischer Reize und ihrer Weiterleitung ins Innere der Zelle

[15] Lymphgefäße: Gefäße mit letztlich dreischichtigem Wandaufbau und passiven Klappen, die ein Rückfließen der Lymphe verhindern; Muskelzellen können die Flüssigkeit vorwärtsdrücken

[16] Matrixproteine: Innerhalb der Virushülle gelegene Proteine

[17] Nanometer, nm: Millionstel Millimeter (10-6 mm); Tausendstel Mikrometer (10-3 µm); Milliardstel Meter (10-9 m)

[18] Mikrometer, µm: Tausendstel Millimeter (10-3 mm); Millionstel Meter (10-6 m)

[19] Flughunde: Pteropodidae (Pteropodoidea – Yinpterochiroptera – Chiroptera – Übrige Laurasiatheria – Laurasiatheria –…)

[20] Affen: im weitesten Sinne menschenähnlich erscheinende Tiere, die unterschiedlichsten Verwandtschaften zugehören

[21] Bushmeat: Fleisch von wilden Tieren, die im Regenwald oder in Savannen von Afrika und Südamerika gejagt werden.

[22] Monoklonale, molekulare, Antikörper: Monoklonale Antikörper sind Antikörper, die von einer bestimmten Zelllinie gebildet werden und sich gegen eine Stelle des Antigens richten; sie werden meist gentechnisch gewonnen. Natürlich vorkommende Antikörper sind meist polyklonal, d. h. gegen mehrere Stellen des Antigens gerichtet.

Eingestellt am 6. Juli 2024

Ebola-Virus

An electron micrograph of an Ebola viral particle showing the characteristic filamentous structure of a Filoviridae. The viral filaments can appear in images in various shapes including a 'u', '6', a coil, or branched resulting in pleomorphic particles. The filaments are reported to be between 60-80 nm in diameter, the length of a filament associated with an individual viral partial is extremely variable with Ebola particles of up to 14,000 nm in length being reported. An average length, which may represent the most infectious particles is in the region of 1000 nm.

Eingestellt am 6. Juli 2024

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Flaviviridae, Gelbfiebervirusartige

1 Gelbfiebervirus (AP)

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Zu Flavivirus[1] gehört das Gelbfiebervirus;

Ist als einzige Art nicht augenfällig ikosaedrisch[2], rund vielmehr.

Trotz Sphärenform wird Ikosaedergestalt fürs Capsid vermutet,

Das sich in des Virus‘ Hülle[3] verbirgt.

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Seine Umhüllung wird nicht in des Wirts Membran[4] aufgenommen.

Verdacht auf Fremdes, das eindringen will,

Melden zwei Proteine.

– Primaten[5] gelten als Ziel, besonders der Mensch.[6]

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Ein Endosom[7] wird ums Virus gebildet

Und in die Zelle zum Vernichten geführt.

Dessen sauren pH nutzt das Virus:

Integriert damit seine Hülle in die Endosomenmembran[8],

Gelangt so ins Cytoplasma[9] der Zelle,

Setzt RNA[10] daraufhin frei.

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Weil positiv-strängig, wird sie ribosomal ohne Umschweife abgelesen.

Eine virale RNA-Polymerase[11], transkribiert[12] vom eingedrungenen Strang,

Übernimmt auch Translation[13], das Umschreiben in minus-Matrize[14],

Die des Virusgenoms Vermehrung nun dient;

Zuvor verwenden sie aber den (+)-RNA-Strang, noch mehr der Translationsprodukte zu bilden,

Der Capside Bausteine zu formen und Proteine der künftigen Hüllmembran.

Vesikel des rauhen ER[15] werden dazu verwendet,

Doch in Golgicisternen[16] erfolgt ihr Zusammenbau.

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In die Wirtsmembran gelangen des Virus‘ Hüllproteine.

Bevor aus der Zelle die Viren knospen, werden sie mit modifizierter Membran umhüllt,

Um neu den Wirt damit zu besiedeln, ins Endosom zu gelangen,

Weil der Wirt sie, hüllproteinvermittelt, als Fremdpartikel erkennt.

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Nach Verlassen der Zelle werden sofort neue befallen,

Gelangen in Lymphgefäße[17], Lymphknoten[18] und Blut,

Werden über den Körper verbreitet,

Schädigen Epithel[19]- und Muskelzellen in Leber und Herz.

Dichter Befall führt zu Gelbsucht, verbunden mit Fieber,

Wonach das Virus den Namen bekam;

Starke Besiedlung von Herzmuskelzellen, Störung der Blutgerinnung,

Führen nicht selten zum Tod.

Infektionen verlaufen oft nicht schwerwiegend,

Klingen vielfach nach Fieber, Schmerzen und Übelkeit ab.

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Wenn auch ohne schwerwiegende Krankheitssymptome,

Sind Befallene hochinfektiös.

Werden sie weiblicher Aedes-aegypti[20]-Steckmücken Opfer

– Männliche saugen kein Blut – übernehmen sie die Viren als Zwischenwirt[21].

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In der Mücke Magen gelangende Viren

Befallen Epithelzellendort; bei hoher Virenlast

Besiedeln alsdann sie Hämolymphe[22],

Sammeln in Speicheldrüsen am Ende sich an;

Dringen mit Stich in uns Menschen, in der Viren Endwirt[23] ein.

Der Kreislauf schließt sich, setzt sogleich aber sich fort,

Es sei denn, niemand vertilgt diese Mücken, werden sie fern des Endwirts gehalten,

Oder gefährdete Menschen geimpft. –

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In Afrika wird der Krankheit Ursprung vermutet,

Kam mit Sklavenhandel nach Süd- und Nordamerika wohl.                                                      

Mehrere Gelbfieberausbrüche seit dem siebzehnten Jahrhundert, auch in Europa, sind zu beklagen.

Gelbfieber galt lange Zeit als gefährlichste Krankheit der Welt.

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Hauptsächlich tropisch[24]-subtropisch[25] ist Gelbfieber verbreitet.

Obwohl Aedes in Asien, pazifischem Raum und Mittlerem Osten tritt ebenfalls auf,

Wurde Gelbfieber dort bislang nicht nachgewiesen.

Unbekannt ist dafür der Grund.

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Auch heute ist Gelbfieber in Afrika und Südamerika verbreitet;

Kommt bevorzugt in urbanen Gebieten[26] vor,

Zwar dort wo sich Mücken bestens vermehren.

Zweihunderttausend Befallene, dreißigtausend Tote jährlich, werden geschätzt.

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Fußnoten

[1] Flavivirus sp.: Gelbfiebervirus (Flaviviridae – Behüllte (+)-ss-RNA-Viren – Einzelsträngige (+)-RNA-Viren – RNA-Viren – Viren –…)

[2] Ikosaeder: Polyeder mit zwanzig kongruenten, gleichseitigen Dreiecken als Flächen, mit dreißig gleichlangen Kanten und zwölf Ecken, in denen jeweils fünf Seitenflächen zusammentreffen

[3] Behüllt: Viele Viren, auch gramnegative Bakterien, umhüllen sich mit einer Lipiddoppelmembran

[4] Zellmembran (Lipiddoppelmembran): umgibt das Zellinnere

[5] Primates: Herrentiere (Euarchonta – Euarchontoglires – Boreoeutheria – Placentalia – Theria –…)

[6] Moderner Mensch: Homo sapiens (Hominini – Homininae – Hominidae – Hominoidea – Catarrhini –…)

[7] Endosom: Mikrobenumschließendes Vesikel, entstanden aus einer Zellmembraneinstülpung

[8] Endosomenmembran: Lipiddoppelmembran

[9] Cytoplasma: Flüssiger Zellinhalt mit darin liegendem Cytoskelett

[10] (+)-polare einzelsträngige RNA (Viren): Diese einzelsträngige RNA wird vom Wirt als mRNA erkannt, weil am C3 der Ribose, nahe des C5 die nächste freie [–OH]-Gruppe steht; das C5 ist mit einem Phosphat besetzt und kann nicht mit einem Nucleotid in Verbindung treten (daher erfolgt die RNA-Synthese nur und immer in 5‘ à  3‘ Richtung und nicht umgekehrt; nur in dieser positiven Richtung sind die Basentripletts als Codes in der richtigen Folge und geben für Proteinsynthese Sinn). (+)-polare RNA wird deshalb unmittelbar für die Synthese von Proteinen verwendet.

[11] RNA abhängige RNA-Polymerasen: RNA-abhängig heißen diese RNA-Polymerasen, weil sie RNA nicht von DNA, sondern von RNA ausgehend, synthetisieren

[12] Transkription: Umschreiben von genomischer RNA (oder gewöhnlich DNA) in RNA

[13] Translation: Synthese von Proteinen in den Zellen lebender Organismen, die nach Vorgabe der Basensequenzen an den Ribosomen abläuft

[14] Matrize: Vorlage, Template

[15] Rauhes ER, rauhes Endoplasmatisches Retikulum: ER-Cisternen sind außen dicht mit Ribosomen belegt

[16] Golgivesikel, Golgicisternen: Vesikel des Golgiapparates, eines Zellorganells, bestehend aus ausgedehnten, meist gestapelten Cisternen, in denen vom ER hergestellte Proteine sortiert und modifiziert werden; schnürt kleine Vesikel ab, die Zellprodukte sammeln, die für andere Zellorganellen bestimmt sind

[17] Lymphgefäße: Gefäße mit letztlich dreischichtigem Wandaufbau und passiven Klappen, die ein Rückfließen der Lymphe verhindern; Muskelzellen können die Flüssigkeit vorwärtsdrücken

[18] Lymphknoten: Erbsengroße Sammelpunkte der Lymphe; filtern Pathogene und Zellen heraus

[19] Epithel: Ein- oder mehrlagige Zellschichten, die alle inneren und äußeren Körperoberflächen von Echten Tieren (Animalia) bedecken

[20] Aedes aegypti: Gelbfiebermücke (Culicidae – Nematocera – Diptera – Antliophora – Mecopteroida –…)

[21] Zwischenwirt (Viren, Bakterien): Wirt, der der Ausbreitung dient und keine wesentlichen Schäden davonträgt

[22] Hämolymphe: Bei Arthropoden sind Blut und Lymphe noch nicht in separaten Gefäßen getrennt; beides flottiert somit durchmischt

[23] Endwirt (Viren, Bakterien): Hauptwirt, der pathogenverursachte Schäden trägt

[24] Tropen, tropisch: Klimazone zwischen Äquator und Wendekreisen

[25] Subtropen, subtropisch: Klimazone zwischen Wendekreisen und gemäßigtem Klima

[26] Urban: städtisch

Eingestellt am 6. Juli 2024

Gelbfieberverbreitung und Impfempfehlungen: Afrika

https://www.cdc.gov/yellowfever/maps/africa.html

Eingestellt am 6. Juli 2024

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Gelbfieberverbreitung und Impfempfehlungen: Südamerika

https://tropeninstitut.de/impfungen-a-z/alle-impfungen/gelbfieber

Eingestellt am 6. Juli 2024

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2 West-Nil-Virus (AP)

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Ob Klimaerwärmung, die höheren Temperaturen, dafür verantwortlich,

Wie mancherorts behauptet, wird kontrovers diskutiert.

Doch in einem amerikanischen West-Nil-Virus-Ereignis zumindest

Schien ein Zusammenhang mit ungewöhnlich warmen Wetterlagen gegeben gewesen zu sein.

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Das West-Nil-Virus, erstmals entdeckt in Uganda westlich des Flusses,

Der Gattung Flavivirus[1] Art,

Von milde Winter gewohnten Mücken zumeist übertragen

– Wie Tigermücken[2] und einige Arten der Gattung Culex[3]

Auf Säugetiere[4], auf Menschen,[5] auf Vögel[6],

Breitet zunehmend sich nach Nordamerika und Mitteleuropa aus.

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Ein milder Winter in USA ließ weit mehr solcher Mücken überleben

– In Abwasserrohren, in feuchten Kellern – als sonst gewohnt,

So wuchsen ungewöhnlich stark im Frühling die Populationen.

Durch Wärmelagen begünstigt, schrumpften, so wird argumentiert,

Der Mückenlarven mögliche Habitate. Damit verbunden verbesserte sich aber der

Larven Ernährungslage, wurde doch Nahrung, das Plankton[7], konzentriert;

Umso mehr sammelten Vögel, weil Wasser

Nunmehr im Mangel, an den wenigen Stellen sich an.

Zugleich aber wurden der Mücken Prädatoren[8], wie

Frösche[9], Wasserkäfer[10] und Netzflügler[11], durch Regenmangel dezimiert.

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So konnten auch Virus-infizierte Mückenweibchen sich zügig vermehren.

Ihre Opfer, Vögel, waren gleich bei der Hand;

So holten sich aus Vögeln nicht-infizierte Mücken das West-Nil-Virus

Und ein Circulus vitiosus[12] begann.

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Erkrankte Vögel starben am Virus. Weil nicht wählerisch in Blutnot,

Waren den Mücken für Mahlzeiten Menschen ebenso recht.

Sie übertrugen zwar Viren,

Doch Infizierte erkrankten zu lediglich zwanzig Prozent.

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Grippeähnliche, fieberhafte Symptomatik entwickeln wir Menschen;

Drei bis sechs Tage halten, nach abruptem Anfang, Beschwerden dann an.

Zumeist sind Ältere und vorerkrankte Personen davon betroffen; in seltenen Fällen

Kommt es zur Meningitis[13], noch seltener zu Enzephalitis[14], Herzmuskelentzündung und Tod.

Wie heute es scheint, wird der Menschen Anfälligkeit für das Virus

Durch eine bestimmte Genmutation, mit Verlust von zweiunddreißig Basenpaaren, drastisch erhöht.

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Erscheint das West-Nil-Virus zumindest heute noch wenig gefährlich,

So zeigt es doch vielleicht der Klimaerwärmung Konsequenz:

Besiedeln Virusvektoren, wie Mücken, klimatisch begünstigte

Neue Gebiete, nehmen zwangsläufig sie auch die Viruslast mit.

Doch nur, wenn sie uns Menschen bevorz

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Fußnoten

[1] Flavivirus sp.: West-Nil-Virus (Flaviviridae – Behüllte (+)-ss-RNA-Viren – Einzelsträngige (+)-RNA-Viren – RNA-Viren – Viren –…)

[2] Tigermücken: Aedes albopictus (Culicidae – Nematocera – Diptera – Antliophora – Mecopteroida –…)

[3] Culex spp.: Stechmücken i. e. S.: (Culicidae – Nematocera – Diptera – Antliophora – Mecopteroida –…)

[4] Säugetiere: Mammalia (Cynodontia – Therodontia – Therapsida – Synapsida – Amniota –…)

[5] Moderner Mensch: Homo sapiens (Hominini – Homininae – Hominidae – Hominoidea – Catarrhini –…)

[6] Vögel: Aves (Maniraptora – Coelurosauria – Tetanurae – Theropoda – Saurischia – …)

[7] Plankton: Gesamtheit der im Wasser freischwebenden oder mit geringer Eigenbeweglichkeit schwimmende, kleinere Organismen, deren Ortswechsel hauptsächlich durch Wasserströmungen vermittelt wird

[8] Prädatoren: Organismen, die andere zum Zweck der Nahrungsaufnahme nutzen und dabei meist töten. Das Opfer eines Prädators ist dessen Beute. 

[9] Frösche: Anura (Batrachia – Lissamphibia – Amphibia – Tetrapoda – Rhipidista –…)

[10] Käfer: Coleoptera (Neuropteroidea – Neuromecoptera – Holometabola – Neoptera – Pterygota –…)

[11] Netzflügler: Neuroptera (Neuropteroidea – Neuromecoptera – Holometabola – Neoptera – Pterygota –…)

[12] Circulus vitiosus: Teufelskreis

[13] Meningitis: Hirnhautentzündung

[14] Enzphalitis: Entzündung des gesamten Hirngewebes oder Teilen davon

Eingestellt am 6. Juli 2024

Eine blutsaugende Gelbfiebermücke (Aedes aegypti)

Originalauthor: US Department of Agriculture

Eingestellt am 6. Juli 2024

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Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) beim Blutsaugen

Autor: James Gathany, CDC

Gemeinfrei

Eingestellt am 6. Juli 2024

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3 Hepatitis C (AP)

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Eine Lebertransplantation hätte womöglich ihm noch geholfen,

Doch vergeblich wartete er über Jahre auf einen Hirntoten, dessen Organ zu ihm passt;

Auch alle virushemmenden Mittel, einschließlich Interferone[1], waren vergeblich,

So fand er letztlich als gläubiger Mensch[2] mit seinem Schicksal sich ab.

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Hepaticiviren[3] gelangten vor Jahren in seinen Körper mit

Bluttransfusion als ein Test darauf nicht möglich noch war,

Gehörte zu zwanzig Prozent, deren Infektion nicht symptomlos,

Sondern chronisch wurde mit Leberzirrhose[4] als Folge, dem schwersten Fall.

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Erhielt eine hohe Viruslast wohl mit Blutübertragung,

Der sein Körper wurde nicht Herr

Und Hepaticivirus der T-Zellen[5] Vermehrung wahrscheinlich behinderte,

So das Pathogen[6] mit Blut den Weg in die Leber, dort Hepatocyten zerstörend, fand.

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Nein! Drogenkonsument war er keiner,

Schon gleich nicht einer, der womöglich mit Nadeln sich Viren injiziert;

Denn wer öfter Nadeln gemeinsam mit andern verwendet,

Dessen Spritzen sind zu sechzig bis neunzig Prozent mit Hepaticiviren kontaminiert,

Auch Tätowierung und Piercing mit verunreinigten Nadeln

Bringen mitunter Infektionsgefahr.

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Vielleicht zeigte er gar ein Krankheitsbild, das einer Grippe recht ähnlich.

Doch niemand vermutete Hepatitis C, klangen doch bald die Symptome ab.

An die Bluttransfusion dachte niemand, wie auch, kannte damals doch

Kaum jemand die große Gefahr, die damit womöglich zusammenhing;

Zudem vergingen schon Wochen seit der Behandlung.

Zwei Wochen bis zum halben Jahr dauert die Zeit der Inkubation[7].

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Auch heute noch steht kein Impfstoff gegen Hepatitis C zur Verfügung,

Was womöglich an der Genotypen Variationsfähigkeit liegt.

Medikamentöse Behandlung zum Eliminieren der Viren scheinen heute zwar möglich,

Doch dreißigtausend Euro kostet eine Behandlung zurzeit.

Eine Lebertransplantation mit Vor- und Nachbehandlung

Wird mit dreimal höheren Kosten angesetzt.

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Fußnoten

[1] Interferone: Proteine und Glycoproteine mit mehr als 100 Aminosäuren; werden als körpereigene Gewebshormone in menschlichen und tierischen Zellen gebildet, vor allem in Leucocyten und zählen zur ersten Abwehrlinie des Körpers; verhindern Vermehrung und Ausbreitung von Viren im Körper und alarmieren das Immunsystem.

[2] Moderner Mensch: Homo sapiens (Hominini – Homininae – Hominidae – Hominoidea – Catarrhini –…)

[3] Hepaticivirus sp.: Hepatitis C verursachende Viren (Flaviviridae – Behüllte (+)-ss-RNA-Viren – Einzelsträngige (+)-RNA-Viren – RNA-Viren – Viren –…)

[4] Leberzirrhose: Chronische Erkrankung der Leber, bei der das Lebergewebe zerstört wird und das Organ seine Funktion einbüßt

[5] T-Zellen: Wichtiger Typ der Leucocyten des Immunsystems, spielen eine bedeutende Rolle im adaptiven Immunsystem; lassen sich durch einen spezifischen Oberflächenrezeptor erkennen. Sie entstehen im Knochenmark, wandern in den Thymus (daher die Bezeichnung T-Zellen) und reifen dort, wobei nur ein geringer Teil selektiv dabei überbleibt. Cytotoxisch gewordene werden als Killer T-Zellen bezeichnet, Helfer T-Zellen aktivieren Killer T-Zellen und bestimmte Leucocyten, sog. Memory Cells, die aus Vorprägung bestimmter Antigene Kennung tragen.

[6] Pathogen: Krankheit hervorrufender Organismus; Begriff meist verwendet für Viren, Bakterien und Pilze; bei größeren Organismen spricht man eher von Parasiten

[7] Inkubationszeit: Zeit, die zwischen Infektion und Ausbruch der Krankheit vergeht

Eingestellt am 6. Juli 2024

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Geminiviridae, Zwillingsviren

1 Absonderlich (AP)

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Der Name wär nicht besser zu wählen,

Sind doch zwei Capside[1] symmetrisch zum Siamesischen Zwilling[2] vereint,

Eine Fünferfläche der zwölf ist beiden gemeinsam,

Schnüren dort zum engen Kanal sich ein.

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Zum Ring ist das Einzelstrang-Chromosom geschlossen,

Doch eine kurze Haarnadel, gleichsam ein Griff am Ring, hebt es hervor,

Hat doch ein kurzes Stück in Nachbarn Partner gefunden,

Dort hängen Nucleobasen[3] über Wasserstoffbrücken einander sich an.

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Das Chromosom gehört wohl beiden Capsiden in gleicher Weise.

– Ob es mittig sich aufhält, ist nicht bekannt,

Weil über den Inhalt verbunden,

Ist eines dem andern, sollte es leer ausgehen, sicher nicht gram. –

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In den Zellkern[4] schleusen sie nach Eintritt das

Einzelsträngige Ring-Chromosom;

Dort initiiert ein Protein, das zuvor vom Virus gebildet,

Durch Wirts-DNA-Polymerase[5] seines Chromosoms Replikation[6].

Transkribiert[7] durch RNA-Polymerase[8], wandert

mRNA[9] ins Cytosol[10].

In Ambisense[11] liegen die Gene,

Gehen, wie schon geschildert, geschickt damit um.

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Virale Proteine[12] entstehen mit Hilfe von Wirtsribosomen[13],

Die, in den Zellkern gewandert, sich das Capsid zusammenbau’n,

Natürlich ihr Chromosom dabei nicht vergessen;

Durch Plasmodesmen[14] in benachbarte Zellen dann wandern,

Auf Rüssel[15] hoffend, die sie

Unbeabsichtigt entnehmen mit saugendem Stich.

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Ein Teil der Begomovirusarten

Formt aber zwei Ringe mit unterschiedlichen Genen darauf,

Die in anderen Arten ungeteilt zusammen verweilen,

Doch so hat jeder Zwilling das eigne Portefeuille.

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Als Pflanzenviren leben alle Geminiviridae

Zum Unglück der Menschheit auf vielen Arten, die kultiviert;

Nicht verwunderlich für Pathogene zellwandversiegelter Wesen,

Spannt die Familie Vektoren[16], Insekten[17], als unwissende Helfer ein.

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Fußnoten

[1] Capsid: Komplexe, regelmäßige Struktur von Viren aus Proteinen, die der Verpackung des Virusgenoms dient.

[2] Siamesische Zwillinge: Zusammengewachsene eineiige Zwillinge mit gemeinsam genutzten, nur einfach vorhandenen Teilen, gar Organen

[3] Nucleobasen: A, T, C, G (U in RNA)

[4] Zellkern: Chromosomen einschließendes, cisternenumgebenes Organell der Eukarya, in dem u. a. im Zuge der Mitose die Verdoppelung der Chromosomen stattfindet

[5] DNA-Polymerasen: Enzyme, welche die Synthese von DNA aus Nucleotidtriphosphaten (Desoxyribose als Zucker in TTP, ATP, GTP und CTP als Nucleotide) als monomere Vorstufen (Einzelvorstufen) katalysieren

[6] Replizieren, Replikation: Replikation dient dazu, DNA in einer Zelle zu verdoppeln. Sie wird also dazu benötigt, Erbinformationen an jede neue Zelle weiterzugeben.

[7] Transkribieren: Umschreiben der DNA in RNA

[8] RNA-Polymerasen: Enzyme, welche die Synthese von RNA aus Nucleotidtriphosphaten (Ribose als Zucker und Uridintriphosphat, UTP, anstelle von Thymidintriphosphat, mit Desoxyribose als Zucker, TPP, verwenden) als monomere Vorstufen (Einzelvorstufen) katalysieren

[9] mRNA, messenger RNA, Boten RNA: Übersetzt den genetischen Code der DNA in für tRNAs ablesbare Matrizen.

[10] Cytosol: Zellflüssigkeit

[11] (+/–) polare DNA, ambisense DNA, gilt auch für RNA (Viren): dabei sind beide Richtungen (+) und (–) zugleich in einem Einzelstrang-Chromosom vertreten

[12] Proteine: Aus Aminosäuren aufgebaute, komplexe Moleküle. Die [–NH2]-Gruppe einer Aminosäure wird mit der Hydroxylgruppe [–OH] der Säurefunktion [–COOH] unter Wasserabspaltung verknüpft, dabei entsteht eine charakteristische Abfolge von Atomen: [–C–N–C–C–N–]n, wobei das unmittelbar dem [N] benachbarte [C] einen doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] trägt

[13] Ribosom: Organell aus ribosomaler RNA und Proteinen. Es dient zur Translation der mRNA-Informationen in Proteine. Meist sind mehrere Ribosomen über die mRNA kettenartig verbunden, um zugleich mehrere Ablesevorgänge hintereinander ablaufen lassen zu können

[14] Plasmodesmen: Zell-zu-Zell-Verbindungen der Pflanzen. Dese cytoplasmatischen Kanäle (von 30 – 40 nm Durchmesser) dienen dem Stoff- und Informationsaustausch von Zelle zu Zelle.

[15] Rüssel: Gemeint sind Rüssel mit stechend saugendem Bau

[16] Vektor (Organismen): Transporteur, Überträger, Ausbreiter

[17] Insekten: Hexapoda (Tetraconata – Mandibulata – Arthropoda – Panarthropoda – Ecdysozoa –…)

Eingestellt am 6. Juli 2024

Paprikablatts Gelbes Kräuselvirus, PYLCV (Pepper Yellow Leaf Curl Virus), (Begomovirus sp.)

Author: Kembangraps

Licensed under the Creative Commons CC BY-SA 3.0

Eingestellt am 6. Juli 2024

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Hepadnaviridae: Hepatitis B Viren

1 Auch ihnen hat’s die Leber angetan (AP)

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Als Schlaraffenland gilt unter Viren die Leber,

Wird sie doch ständig erneuert, schafft ramponierten Zellen Ersatz,

Bleibt immer jung, denn mehr als drei Jahre erreicht keine Zelle.

Wo Zellteilungsaktivitäten und Reserven sich häufen, dort zieht Viren es hin.

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Als behülltes[1], ikosaedrisches[2] Virus[3] sucht es Kontakt zur Plasmamembran[4] der Zelle,

Stülpt, sich in die Membran des Endosoms[5] integrierend, sich ins Cytoplasma[6] hinein,

Entlässt das Chromosom[7], das nur teilweise doppelsträngig,

Zwar gebogen zum Ring,

Doch unverbunden blieben die Enden.

Der zweite Holm, zwei Drittel etwa, wie der erste, nur lang,

Überbrückt die Lücke, bindet das ganze Ensemble

Zum pseudodoppelsträngigen Ring.

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Lässt sich kurz nach der Infektion im Kerninnern[8] nieder.

Des Virus DNA-Polymerase[9] bindet zum festen Ring den längen Strang,

Verlängert den kürzeren, koppelt ihn mit dem Partner.

Komplett doppelsträngig liegt nun das Ringchromosom.

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Nur des Chromosoms ergänzter Strang hat für das Virus Bedeutung,

Dann nur davon transkribiert[10] Wirts-RNA-Polymerase[11] mRNA[12],

Um an Wirtsribosomen[13] Capsidproteine[14],[15] translatieren[16] zulassen

Und, für Replikation[17] entscheidend, mit reverser Transkriptase[18] die mRNA umzuschreiben in DNA[19].

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mRNAs, die prägenomisch[20] nun wirken,

Werden dann in Capside integriert

Zusammen mit viraler DNA-Polymerase und reverser Transkriptase.

Erst dort wird RNA zu DNA transkribiert,

Anschließend die Matrix-RNA[21] durch reverse Transkriptase zerstückelt;

DNA-Polymerase ergänzt den offenbleibenden Ring zum partiellen Doppelstrang.

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Bevor Viren, sich umhüllend aus der Zelle knospen,

Wird des Wirts Membran mit dreierlei Proteinen durchsetzt;

Sie dienen, den Wirt zu erkennen, aus Endosomen sich zu befreien

Und als Antigene[22], sie auszumerzen, dem Wirtsimmunsystem.

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Ein kurzes Stück RNA bleibt am kürzeren Strang noch erhalten,

Das entfernt wird, nachdem DNA aus seinem Capsid befreit.

Hepadnaviren erweisen sich damit als einzigartig,

Weil kein Virus sonst beide Nucleinsäuretypen[23] enthält. –

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Leberzellen gehen nicht zugrunde nach Vermehrung der Viren.

Stehen für neue Virusgenerationen, wohl aber höchstens drei Jahre, immer bereit;

Nicht alle Viren knospen aus der befallenen Zelle,

Können sofort sich wieder zerlegen, beginnen alles von vorn.

Die Immunreaktion ist es, die Hepatocyten[24] nach und nach schädigt;

Fulminate Hepatitis[25] folgt, wenn die Reaktion zu stark.

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In chronischem Fall der Erkrankung,

– Wenn Immunreaktionen zu schwach –

Können Leberfibrose[26] und Leberzirrhose[27] folgen;

Zirrhose endet nicht selten mit Krebs.

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Fußnoten

[1] Behüllt: Viele Viren, auch gramnegative Bakterien, umhüllen sich mit einer Lipiddoppelmembran

[2] Ikosaeder: Polyeder mit zwanzig kongruenten, gleichseitigen Dreiecken als Flächen, mit dreißig gleichlangen Kanten und zwölf Ecken, in denen jeweils fünf Seitenflächen zusammentreffen

[3] Orthohepadnavirus: Hepatitis B Virus, HBV (Hepadnaviridae – Revers transkribierende Doppelstrang DNA-Viren – Doppelstrang DNA-Viren – RNA-Viren – Viren – Bacteria)

[4] Plasmamembran, Zellmembran: Lipiddoppelmembran um den Zellinhalt herum

[5] Endosom: Mikrobenumschließendes Vesikel, entstanden aus einer Zellmembraneinstülpung

[6] Cytoplasma: Flüssiger Zellinhalt mit darin liegendem Cytoskelett

[7] Chromosom: Genetische Informationseinheit aus unterschiedlichen Mengen DNA (oder selten RNA bei Viren) diverser Basensequenzen

[8] Zellkern: Chromosomen einschließendes, cisternenumgebenes Organell der Eukarya, in dem u. a. im Zuge der Mitose die Verdoppelung der Chromosomen stattfindet

[9] DNA-Polymerasen: Enzyme, welche die Synthese von DNA aus Nucleotidtriphosphaten (Desoxyribose als Zucker in TTP, ATP, GTP und CTP als Nucleotide) als monomere Vorstufen (Einzelvorstufen) katalysieren

[10] Transkription: Umschreiben der DNA in RNA

[11] RNA-Polymerasen: Enzyme, welche die Synthese von RNA aus Nucleotidtriphosphaten (Ribose als Zucker und Uridintriphosphat, UTP, anstelle von Thymidintriphosphat, TPP, verwenden) als monomere Vorstufen (Einzelvorstufen) katalysieren

[12] mRNA, messenger RNA, Boten RNA: Übersetzt den genetischen Code der DNA in für tRNAs ablesbare Matrizen.

[13] Ribosom: Organell aus ribosomaler RNA und Proteinen. Es dient zur Translation der mRNA-Informationen in Proteine. Meist sind mehrere Ribosomen über die mRNA kettenartig verbunden, um zugleich mehrere Ablesevorgänge hintereinander ablaufen lassen zu können

[14] Capsid: Komplexe, regelmäßige Struktur von Viren aus Proteinen, die der Verpackung des Virusgenoms dient.

[15] Proteine: Aus Aminosäuren aufgebaute, komplexe Moleküle. Die [–NH2]-Gruppe einer Aminosäure wird mit der Hydroxylgruppe [–OH] der Säurefunktion [–COOH] unter Wasserabspaltung verknüpft, dabei entsteht eine charakteristische Abfolge von Atomen: [–C–N–C–C–N–]n, wobei das unmittelbar dem [N] benachbarte [C] einen doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] trägt

[16] Translation: Synthese von Proteinen in den Zellen lebender Organismen, die nach Vorgabe der Basensequenzen an den Ribosomen abläuft

[17] Replizieren, Replikation: Replikation dient dazu, DNA (bei manchen Viren genomische RNA) in einer Zelle zu verdoppeln. Sie wird also dazu benötigt, Erbinformationen an jede neue Zelle (gegebenenfalls an jedes neue Virus) weiterzugeben.

[18] Reverse Transkriptase: RNA-abhängige DNA-Polymerase; Enzym, das RNA in DNA umschreibt

[19] DNA (=DNS): Desoxyribonucleinic Acid, Desoxyribonukleinsäure; mit einer reduzierten Ribose; das [–OH] am C2 der Ribose fehlt; Baustein der Erbinformation

[20] Prägenomisch: Vor dem Genom (vor dem DNA-Chromosom) gebildet

[21] Matrix-RNA: RNA, die als Vorlage dient, genomische DNA zu bilden

[22] Antigene: Oberflächen (Glyco)Proteine; generell molekulare Strukturen von Pathogenen, die von Immunzellen Befallener als fremd erkannt werden und daraufhin Antikörper dagegen entwickeln

[23] Nucleinsäuren: generelle Bezeichnung für DNA und RNAs

[24] Hepatocyten: Leberzellen

[25] Hepatitis: Leberentzündung

[26] Leberfibrose: Überschießende Wundheilung, bei der sich verstärkt Bindegewebe in der Leber bildet

[27] Leberzirrhose: Chronische Erkrankung der Leber, bei der das Lebergewebe zerstört wird und das Organ seine Funktion einbüßt

Eingestellt am 6. Juli 2024

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2 Der Hepadnaviren mögliches Alter (AP)

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Zwei größere Gruppen lassen sich in Hepadnaviren trennen:

Säugetierpathogene, Orthohepadnaviren[1], genannt

Und jene von Vögeln[2], die als Avihepadnaviren[3] bekannt;

Sieben Gattungen gibt es nun darüber hinaus.

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Bei Fischen[4], Fröschen[5], Schildkröten[6], Schlangen[7]

Treten, so neue Befunde, Hepadnaviren ebenfalls auf.

Funde, die Phylogenetiker[8] dazu ermunterten,

Hepadnarviren-DNA-Sequenzvariationen einem Vergleich

Mit der Wirte möglichem Stammesalter zu unterziehen,

Kamen so zum hypothetischen Schluss:

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Hepadnaviren hätten sich zusammen mit Wirbeltieren[9] entwickelt,

Denn in Fischen und Fröschen treten sie auf;

Vor zweihundert Millionen Jahren seien sie übergegangen auf Schildkröten, Schlangen und Frösche,

Sprangen über auf Vögel alsdann;

Vor mehr als zweiundachtzig Millionen Jahren,

Hätten sie, so ihre These, das letztes Ziel, Säugetiere[10] und so auch uns Menschen[11], erreicht.

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Fußnoten

[1] Orthohepadnaviren: Säugetierhepadnaviren (Hepadnaviridae – Revers transkribierende Doppelstrang DNA-Viren – Doppelstrang DNA-Viren – RNA-Viren – Viren – Bacteria)

[2] Vögel: Aves (Maniraptora – Coelurosauria – Tetanurae – Theropoda – Saurischia – …)

[3] Avihepadnaviren: Vogelhepadnaviren (Hepadnaviridae – Revers transkribierende Doppelstrang DNA-Viren – Doppelstrang DNA-Viren – RNA-Viren – Viren – Bacteria)

[4] Knochenfische i. e. S.: Teleostei (Actinopterygii – Osteognathostomata – Gnathostomata – Umericingulata – Lacertipinnata –…)

[5] Frösche: Anura (Batrachia – Lissamphibia – Amphibia – Tetrapoda – Rhipidista –…)

[6] Schildkröten: Testudines (Anapsida – Sauropsida – Amniota – Bisacromorpha – Pleurocentralia –…)

[7] Schlangen: Serpentes (Scleroglossa – Squamata – Lepidosauria – Diapsida – Sauropsida – …)

[8] Phylogenetiker: Forscher der Fachrichtungen Genetik und Bioinformatik, die sich mit der Abstammung der Organismen beschäftigen

[9] Wirbeltiere: Craniota (Nothochordata – Chordata – Deuterostomia – Bilateria – Animalia –…)

[10] Säugetiere: Mammalia (Cynodontia – Therodontia – Therapsida – Synapsida – Amniota –…)

[11] Menschen: Homo (Hominini – Homininae – Hominidae – Hominoidea – Catarrhini –…)

Eingestellt am 6. Juli 2024

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Herkömmlich transkribierende Doppelstrang DNA-Viren

1 Risikostreuend (AP)

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Risikostreuend wirkt diese Gruppe

Verlässt sich für beide Polymerasetypen[1] nicht allein auf den Wirt.

Fußnote

[1] DNA-Polymerasen und RNA-Polymerasen

Eingestellt am 6. Juli 2024

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Herpesviridae: Herpesviren

1 Die Rache des Teide (AP)

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Diesige Morgenkühle umfängt erwartungsvolle Studenten.

Wiederholt die Ausrüstung prüfend,

Hören zugleich sie des Studienleiters Tagesplan,

Besteigen wohlinformiert dann den gecharterten Bus.

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Serpentine um Serpentine zwängt sich das etwas zu lange Gefährt

Durch den nebligen, loorbeerblättrigen[1] Wald dem Steilhang empor.

Appolonias[2], Persea[3] und Laurus[4] tropfen auf Fenster und Dach.

Kein Sonnenlicht stiehlt sich durch undurchdringliche Wolken des feuchten

Nord-Ost-Passats[5].

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Kehre um Kehre schüttelt der Fahrtwind sprühende Nässe

Von wedelnden Zweigen mit Büscheln Dreierpacknadeln[6] besetzt.

Schon lichtet es auf! –

Plötzlich endet die dicht den Hang belagernde Wolke,

Sonne überstrahlt das weithinaus lagernde Dach

Des nebelerfüllten Passats.

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Zwischen kantigen Felsen ducken sich weißblühende Polster von Argyranthemum[7].

Stauden der Senecionen[8] wechseln sich ab

Mit schopfblättrigen Zweigen der Gänsedistel[9],

Überragt von schattiger, mit dickblättrigen Aeonien[10]-Tellern bestandener Wand.

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Einen Kraterrand durchtrennt der geweitete,

Zur steinig-sandigen, tief liegenden Ebene führende Weg.

Verliert sich fast in der beinahe vegetationslosen Wüste

Und doch übersteigt ein hochaufragender, schneebedeckter Gipfel die trocken-heiße Caldera[11].

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Den steilen Abhang hinauf gilt es,

Das seltene, endemische[12] Veilchen[13] zu finden.

Ganz oben vielleicht, zwischen ausgeaperten Steinen,

Oder in schneelosen Nischen, befreit durch des müden Vulkans wärmenden Hauch.

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Prall blickt die Sonne der mühsam steigenden Gruppe entgegen,

Erhöht die blendene Weise am makellos leuchtenden Schnee.

Zwingt zuletzt auch Uneinsichtigste

Zu Sonnenbrille und schützender Creme.

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Endlich bis dreitausendundsiebenhundert Meter gekommen!

Fast alles geschafft. –

Kein Veilchen jedoch ließ sich erblicken,

Es gönnt sich unterm Schnee noch die Ruh.

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Eines gibt der Teide[14] dafür

Den Frevlern mit auf den Weg:

Spannende Lippen und

Bläschen bald noch dazu.

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Gefährdet wär‘ es gewesen,

Hätt jemand es blühend entdeckt.

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Fußnoten

[1] Lorbeerblättrig: Ledrige, meist glänzende Blätter mit oft ausgezogener, sog. Träufelspitze.

[2] Appolonias barbujana (Lauraceae – Laurales – Magnoliidae – Praedicotyle – Magnoliatae –…)

[3] Persea indica: Indische Avocado (Lauraceae – Laurales – Magnoliidae – Praedicotyle – Magnoliatae –…)

[4] Laurus azorica: Azorischer Lorbeerbaum (Lauraceae – Laurales – Magnoliidae – Praedicotyle – Magnoliatae –…)

[5] Nord-Ost-Passat: Ständige Winde unterschiedlicher Stärke, die von Nordosten nach Südwesten als Druckausgleich zu den am Äquator noch oben gerichteten Luftmassenbewegungen strömen; sie sind eigentlich von Norden nach Süden gerichtet, werden aber durch die Erdrotation (Reibung am Boden hält sie fest) abgelenkt, so dass sie von Nordosten her kommen; diese Winde starten so um den 28. Grad nördl. Breite.

[6] Pinus canariensis: Kanarische Kiefer, eine Kiefer mit drei Nadeln pro Büschel (Pinineae – Pinales – Conifera – Coniferopsida – Spermatophytina –…)  

[7] Argyranthemum: Astereae (Asteroideae – Asteraceae – Asterales – Campanulanae – Asteridae –…)

[8] Senecio cruentus: Karminrotes Greiskraut; vielfältige Zuchtformen als Cinerarien, auch Aschenblumen genannt (Astereae – Asteroideae – Asteraceae – Asterales – Campanulanae –…)

[9] Sonchus congestus, Vielköpfige Gänsedistel (Cichorioideae – Asteraceae – Asterales – Campanulanae – Asteridae –…)

[10] Aeonium tabulaeforme: Tellerförmiges Äonium (Crassulaceae – Saxifragales – Superrosidae – Eudicotyle – Dicotyle –…)

[11] Caldera: Kesselförmige Vertiefung vulkanischen Ursprungs; auf Teneriffa ragt der Teide als ursprünglicher Vulkan daraus hervor

[12] Endemisch: Nur in geographisch engbegrenzten Bereichen vorkommende Arten

[13] Viola cheiranthifolia, Teide-Veilchen: Violaceae (Malpighiales – MaCelOx-Verwandtschaft – Rosanae – Rosidae – Superrosidae– …) Kommt nur auf dem Teide zwischen 2100 und 2800 m Höhe vor; „jeder Berg“ so sagte einmal ein bekannter Botaniker „der auf sich etwas hält, besitzt sein eigenes Veilchen“.

[14] Teide: Höchste Erhebung auf der kanarischen Insel Teneriffa mit 3715 m NN; mit 7500 m über dem Meeresboden der dritthöchste Vulkan der Erde

Eingestellt am 6. Juli 2024

Viola cheiranthifolia, Teide-Veilchen

Autor Sebastian Fischer.

Eingestellt am 6. Juli 2024

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2 Aus dem Versteck (AP)

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Von Sonnenstrahlen und UV-Licht gelockt, verlassen,

In Nervenknoten für lange Zeiten versteckt,

Umhüllte[1] Ikosaeder[2] das Trigeminus-Ganglion[3],

Wandern entlang der Dendriten[4] zur Schleimhaut am Mund.

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Stressgeschädigte Zellen bevorzugt besiedelnd,

Finden sie Zutritt,

Keine Abwehr befürchtend,

In Heeren von Zellen des Schleimepithels[5].

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Mit variablen Erkennungsfaktoren versehen,

Verfängt sich das Virus zunächst extrazellulär in der Matrix,

Fusioniert seine Hülle mit der Zellen Membran[6] und

Stülpt ins Cytoplasma[7] sein Ikosaedercapsid.

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Ergießt Enzyme[8] und Steuerfaktoren[9],

Eingeschlossen anfangs zwischen Capsid[10] und schützender Hülle,

Hinein in die hilflose Zelle

Und gibt Befehl zum Zerlegen wirtszelleigener mRNA[11].

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Bald vollendet die Zelle den Ziehweg,

Wie das Capsid ihn befahl:

Auf Bündeln von Tubuli[12],

Die Peripherie mit dem Zellkern verbindend,

Wandert es, wohl von fremden Motoren[13] gezogen,

Zum Kernmembranporenkomplex[14],[15].

.

Injiziert mit hohem Druck

Gezielt DNA durch die Pore, schließt sie zum Ring,

Lässt sie zur mRNA transkribieren,

Schickt zur Translation[16] sie ins Cytoplasma durch die Poren hinaus.

.

Seine Ring-DNA repliziert das Virus mit eigener Polymerase[17],

Verlässt sich nicht auf den Wirt,

Fürchtet entscheidende Fehler,

Die nur es selbst erkennt und gleich repariert.

.

mRNAs werden an ihr transkribiert,

Lassen zweierlei Proteinkategorien synthetisieren:

Capsidproteine, sie kehren zurück in den Kern

Und Erkennungsproteine für Modifizierung der Hüllmembran[18];

Setzen zunächst sich fest

In Cisternenwänden[19] von Kern und ER[20].

.

Gelangen zurück in den Kern,

Erwarten der Kapseln[21] Bau

Fürs Verpacken mit dem

Linearen Chromosom[22].

.

Modifizierte Membranen umhüllen DNA-befüllte Capside

Zusammen mit beigefügten Proteinen,

Schleusen sie, in ER-Cisternen zwischengelagert,

In Golgivesikeln[23] zur Peripherie,

Dort mit des Wirtsplasmalemma[24] sich vereinend,

Geben sie neuentstandene Viren frei.

.

In Massen entlassen Horden von Zellen

Herpes-simplex-Viren[25], die zu Bläschen vereint,

Hoffen auf küssende Lippen, Löffel, Gabel und Gläser

Für den Transport zum nächsten willkommenen Mund. –

.

Labiosan[26] war damals das Mittel der Wahl;

Phenol[27] sollte die lästigen Viren bekämpfen.

Doch wer will Viren gegen Karzinome[28] vertauschen?

Acylovir[29] stoppt heut‘ die Gelegenheitsbiester.

Doch Heilung bringt es Befallenen nicht,

Denn Herpes-Partikel zieh‘n sich in Nerven wieder zurück.

.

Fußnoten

[1] Mit Lipiddoppelmembran: Lipide, bestehend aus einem mit drei Hydroxylgruppen [–OH] versehenen Glycerinmolekül, an dem zwei Fettsäuren und ein Cholin unter Wasserabspaltung angeknüpft sind, zeigen einen hydrophilen Kopf (Glycerin und Cholin) und den hydrophoben Fettsäureschwanz; nach dem Motto Gleich zu Gleich gesellt sich gern, ordnen sich die hydrophilen Köpfe zum einen und die hydrophoben Schwänze zum anderen nebeneinander an und bilden eine geschlossene Schicht; eine Doppelmembran entsteht dann, wenn sich zwei solcher Schichten, hydrophobe Schwänze zueinander gereckt, aneinanderlegen

[2] Ikosaeder: Polyeder mit zwanzig kongruenten, gleichseitigen Dreiecken als Flächen, mit dreißig gleichlangen Kanten und zwölf Ecken, in denen jeweils fünf Seitenflächen zusammentreffen

[3] Trigeminus-Ganglion: Ein innerhalb der Schädelhöhle gelegenes, sensibles Ganglion, das die Teilungsstelle des Trigeminus Nervs darstellt

[4] Dendrite: Zellen mit astartigen Cytoplasmafortsätzen; bei Nervenzellen dienen sie der Aufnahme elektrischer Reize und ihrer Weiterleitung ins Innere der Zelle

[5] Epithel: Ein- oder mehrlagige Zellschichten, die alle inneren und äußeren Körperoberflächen von Echten Tieren (Animalia) bedecken

[6] Plasmamembran, Zellmembran: Lipiddoppelmembran um den Zellinhalt herum

[7] Cytoplasma: Flüssiger Zellinhalt mit darin liegendem Cytoskelett

[8] Enzym: Protein, das, an spezielle Moleküle angepasst, die Synthese katalysiert. Meistens werden mehrere Enzyme zu einem Komplex verbunden, um eine räumliche Nähe zwischen den einzelnen, aufeinanderfolgenden Syntheseschritten herzustellen

[9] Steuerfaktoren: Kleinere Proteine, die Vorgänge in den Zellen, wie Transkription der DNA, Translation der mRNA, etc. räumlich und/oder zeitlich steuern

[10] Capsid: Komplexe, regelmäßige Struktur von Viren aus Proteinen, die der Verpackung des Virusgenoms dient.

[11] mRNA, messenger RNA, Boten RNA: Übersetzt den genetischen Code der DNA in für tRNAs  ablesbare Matrizen

[12] Mikrotubuli: Röhrenförmige Proteinkomplexe innerhalb eukaryotischer Zellen; bilden die Grundlage für das Cytoskelett und spielen eine wichtige Rolle in der Ausbilden der Kernteilungsspindel und im Vesikeltransport

[13] Motorproteine: Ausgeprägte gestaltverändernde Proteine, die vornehmlich unter ATP-Verbrauch der Bewegungserzeugung in Zellen dienen; mit diesen Proteinen werden Vesikel, Zellorganelle u. a., entlang Actinfilamenten und Mikrotubuli transportiert; auch Cystoskelettelemente (Actinfilamente, Mikrotubuli) können damit gegeneinander verschoben werden. Ein Transportprotein ähnelt in gewisser Weise einem Männchen, das mit zwei Beinen marschiert und als Rucksack etwas transportiert.

[14] Kernmembran, Kernhülle: Der Eukarya Zellkern ist von einer Kernhülle umgeben, die sich aus Cisternen, als Abkömmlinge des Endoplasmatischen Retikulums, zusammensetzt. Dazwischen bleiben nicht wenige Poren mit speziellem Bau

[15] Kernporen: Der Eukarya Zellkern ist von einer Kernhülle umgeben, die sich aus Cisternen, als Abkömmlinge des Endoplasmatischen Retikulums, zusammensetzt. Dazwischen bleiben nicht wenige Poren mit speziellem Bau aus Proteinen für kontrollierte Ein- und Ausfuhren offen. Sie durchziehen beide Lipiddoppelmembranen der Cisternen

[16] Translation: Synthese von Proteinen in den Zellen lebender Organismen, die nach Vorgabe der Basensequenzen an den Ribosomen abläuft

[17] DNA-Polymerasen: Enzyme, welche die Synthese von DNA aus Nucleotidtriphosphaten (Desoxyribose als Zucker und TTP, ATP, GTP und CTP als Nucleotide) als monomere Vorstufen (Einzelvorstufen) katalysieren

[18] Hüllmembran: Lipiddoppelmembran um gramnegative Bakterien und um verschiedene Viren

[19] Cisternen (Zell-): Abkömmlinge des endoplasmatischen Retikulums in hohler und oft flacher Form; Zellvesikel auch Zellkerne sind damit umgeben, besitzen den gleichen Grundbau wie die Zellmembran

[20] ER (Abkürzung für Endoplasmatisches Retikulum): Intrazelluläres Membransystem aller eukaryotischen Zellen. Es besteht aus lipiddoppelmembran-umschlossenen Hohlräumen, die ein zusammenhängendes System bilden und mit der Kernhülle in Verbindung stehen

[21] Capsid: Komplexe, regelmäßige Struktur von Viren aus Proteinen, die der Verpackung des Virusgenoms dient.

[22] Chromosom: Genetische Informationseinheit aus unterschiedlichen Mengen DNA diverser Basensequenzen

[23] Golgivesikel: Vesikel des Golgiapparates, eines Zellorganells, bestehend aus ausgedehnten, meist gestapelten Cisternen, in denen vom ER hergestellte Proteine sortiert und modifiziert werden; schnürt kleine Vesikel ab, die Zellprodukte sammeln, die für andere Zellorganellen bestimmt sind

[24] Plasmalemma: Zellmembran (Lipiddoppelmembran) von Organismen mit starrer Zellwand; wird oft als Gegenstück zum Tonoplasten betrachtet, der im Zellinneren eine größere Saftvakuole umgibt; für Bakterien und Animalia kein gebräuchlicher Begriff.

[25] Herpes simplex: Lippenbläschen verursachendes virus (Herpesviridae – Herkömmlich transkribierende Doppelstrang-DNA-Viren – Doppelstrang-DNA-Viren – DNA-Viren – Viren – Bacteria)

[26] Labiosan: Ehemals verwendete, phenolhaltige Lippencreme

[27] Phenol: Aromatischer, mit drei konjugierten Doppelbindungen versehener, Kohlenstoff-Sechserring mit einer [–OH]-Gruppe als Seitenfunktion; gilt als kanzerogen

[28] Karzinom: Krebsgeschwulst

[29] Acyclovir: Substanz zur Behandlung von Herpes simplex

Eingestellt am 6. Juli 2024

Aciclovir (links) und Phenol (rechts) (ppt generiert, Reinhard Agerer)

Grau: Kohlenstoff; blau: Stockstoff; rot: Sauerstoff; violett: Wasserstoff; dünne grüne Linie: Einfachbindung; dicke grüne Linie: Doppelbindung

Eingestellt am 6. Juli 2024

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3 Latente Bedrohung (AP)

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Angekommen in Ganglienzellen[1],

Aktiviert Herpes simplex[2] seine Geheimstrategie:

Repliziert[3] DNA[4] wie gewohnt,

Befielt aber Polymerasen[5],

Nur spezielle Bereiche in mRNAs[6] auszulesen:

Als Latenz-RNA[7], wie der Virologe[8] sie nennt.

.

Weite Regionen der DNA vor Transkriptionen[9] bewahrend,

Verhindert sie so die Bildung viralen Proteins[10]

Für Erkennungsstrukturen seiner Capside[11]

Für Lyseprozesse[12] der sie bergenden Zelle,

Bis des Wirts stresshafte Schwächung sie der Ruhe beraubt

Und der Ring-DNA entscheidende Stellen frei zum Ablesen gibt.

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Intensivbestrahlung durch Sonnenlicht,

Belastung durch Menstruation,

Schwächung des Immunsystems,

Locken Herpes-simplex-Viren aus dem Versteck.

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Lästig zwar, doch meist nicht gefährlich,

Wandern doch oft sie nicht in dieAugen, nicht ins Gehirn.

Pandemisch[13] verbreitet,

Durchseuchen sie Menschen zu sechzig Prozent.

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Fußnoten

[1] Ganglion: Ansammlung von Nervenzellkörpern (Perikarya), aus der eine Verdickung des Nervenstrangs resultiert

[2] Herpes simplex: Lippenbläschen verursachendes Virus (Herpesviridae – Herkömmlich transkribierende Doppelstrang-DNA-Viren – Doppelstrang-DNA-Viren – DNA-Viren – Viren – Bacteria)

[3] Replizieren, Replikation: Replikation dient dazu, DNA in einer Zelle zu verdoppeln. Sie wird also dazu benötigt, Erbinformationen an jede neue Zelle weiterzugeben.

[4] DNA (=DNS): Desoxyribonucleinic Acid, Desoxyribonukleinsäure

[5] DNA-Polymerasen: Enzyme, welche die Synthese von DNA aus Nucleotidtriphosphaten (Desoxyribose als Zucker und TTP, ATP, GTP und CTP als Nucleotide) als monomere Vorstufen (Einzelvorstufen) katalysieren

[6] mRNA, messenger RNA, Boten RNA: Übersetzt den genetischen Code der DNA in für tRNAs ablesbare Matrizen.

[7] Latenz-RNA: Während der Latenzphase sind in den Zellkernen infizierter Nervenzellen drei nicht kodierende RNA-Transkripte nachweisbar. Sie scheinen die Latenz aufrechtzuerhalten und die Apotose der Neurone zu hemmen (flexicon.doccheck.com/de)

[8] Virologe: Erforscher von Viren

[9] Transkription: Umschreiben der DNA in RNA

[10] Proteine: Aus Aminosäuren aufgebaute, komplexe Moleküle. Die [–NH2]-Gruppe einer Aminosäure wird mit der Hydroxylgruppe [–OH] der Säurefunktion [–COOH] unter Wasserabspaltung verknüpft, dabei entsteht eine charakteristische Abfolge von Atomen: [–C–N–C–C–N–]n, wobei das unmittelbar dem [N] benachbarte [C] einen doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] trägt

[11] Capsid: Komplexe, regelmäßige Struktur von Viren aus Proteinen, die der Verpackung des Virusgenoms dient.

[12] Lyse: Auflösung

[13] Pandemisch, Pandemie: Über mehrere Länder, gar global sich ausbreitende Seuchen

Eingestellt am 6. Juli 2024

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4 Saubere Verwandtschaft (AP)

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Nur wenig unterscheiden sich

Genitalien besiedelnde Herpex-simplex-Viren

Von ihren Geschwistern am Mund:

Nur die ökologische Nische hat sie selektiert. –

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Varicella-Zoster[1]-Viren der Herpes-Verwandtschaft

Plagen meist nur Kinder mit Pusteln, die

Mann Windpocken[2] nennt.

Heilen zwar bald wieder ab,

Doch entkriechen sie spät oft dem Nervenversteck,

Erblühen zur schmerzhaften Rose[3], ihr einziger Zweck. –

.

Das Epstein-Barr-Virus[4]

Gehört hier dazu:

Setzt mit Fieber, nach Pfeiffer[5] benannt,

Den Kranken mehrwöchig außer Gefecht. –

.

Fußnoten

[1] Varicella zoster Virus: Varicellovirus humanalpha 3 (Herpesviridae – Herkömmlich transkribierende Doppelstrang-DNA-Viren – Doppelstrang-DNA-Viren – DNA-Viren – Viren – Bacteria)

[2] Windpocken: Erkrankung ausgelöst durch Varicella zoster; ein mit Fieber verbundener juckender Hautausschlag mit wasserklaren Bläschen; wird wie mit dem Wind auch über einige Meter hinweg übertragen, daher der Name Windpocken. Windpockenbefall zeigt sich eher konzentriert in der Mitte des Köpers, unterscheidet sich damit von den echten Pocken (Orthopoxvirus variolae) die eher kopf- und brustnah und in Beinbereichen vorkommen.

[3] Gürtel-, Gesichtsrose: Nach dem Abheilen von Windpocken bleiben die Varicella zoster Viren schlummernd in Nervenzellen des Gehirns und Rückenmarks erhalten. Sie können nach vielen Jahren wieder aktiv werden und sich vermehren, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Dann verursachen sie eine Gürtel-, Gesichtsrose. Bei einer Erkrankung treten meist starke Schmerzen und ein Hautauschlag mit Bläschen auf – typischerweise nur auf einer Körperseite. In vielen Fällen heilt die Krankheit ohne Problem aus. Impfungen stehen zur Verfügung. (gesundheit,gv.at)

[4] Epstein-Barr-Virus: Human gammaherpesvirus 4; Verursacher des Peifferschen Drüsenfiebers (Herpesviridae – Herkömmlich transkribierende Doppelstrang-DNA-Viren – Doppelstrang-DNA-Viren – DNA-Viren – Viren – Bacteria)

[5] Pfeiffersches Drüsenfieber: Häufige, durch das Epstein-Barr-Virus hervorgerufene Erkrankung, verbunden mit Fieber, Lymphknotenschwellung und Entzündung der Mandeln.

Eingestellt am 6. Juli 2024

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Inoviridae, Fadenphagen

1 Zum Faden geworden (AP)

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Fadenförmig, sechs Millionstel Millimeter nur dick,

Zum Teil etwas mehr,

Jedoch viele Hunderte Nanometer[1] lang,

Fallen sie, mit kurzen Fasern geschwänzt,

Über hundert Mal dickere und

Zehn Mal längere Bakterien her.

.

Namenlos, kurz nur M13 früher genannt,

Setzt sich Colis[2] Sexpilus[3] an,

Schleust, die Arglose unliebsam täuschend,

Seine Einzelstrang-DNA

Mit Hilfe des Opfers

Durch den engen Kanal.

.

Zu spät kommt jegliches Wehren.

Schon agieren Polymerasen[4] und Transkriptasen[5];

mRNAs[6] belegen der Beute Ribosomen[7], befehlen der Aufgebrachten

Proteine[8] zu synthetisieren mit ihren tRNAs[9].

.

Tausende Fäden verlassen die Hülle,                                            

Lassen vom Medium langsam sich treiben.

Schon sitzen die nächsten am Sexpilus fest,

Wiederholen das traurige Spiel. –

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M13s nahe Verwandte lieben Käse,

Produziert in der Schweiz[10].

Doch nicht ihm gilt die unbezwingbare Lust,

Rücken Propionibakterien[11] auf den Leib.

.                             

Fußnoten

[1] Nanometer, nm: Millionstel Millimeter (10-6 mm); Tausendstel Mikrometer (10-3 µm); Milliardstel Meter (10-9 m)

[2] Escherichia coli: (Enterobacteriaceae – Gamma-Proteobacteria – Gramnegative – Bacteria); gehört zum normalen Mikrobiom des menschlichen Darms; einige Stämme aber können Durchfallkrankheiten verursachen

[3] Sexpilus, F-Pilus: Kurzer Faden von 2-8 nm Dicke und 1-4 µm Länge, der von Chromosomenempfängern ausgebildet wird; typisch für gramnegative Bakterien

[4] Polymerasen: Gruppe von Enzymen, welche die Synthese von Polynucleotiden aus Nucleotidtriphosphaten als monomere Vorstufen (Einzelvorstufen) katalysieren

[5] Transkriptasen: Gruppe von Enzymen, welche die Synthese von RNA aus Nucleotidtriphosphaten als monomere Vorstufen (Einzelvorstufen) katalysieren

[6] mRNA, messenger RNA, Boten RNA: Übersetzt den genetischen Code der DNA in für tRNAs ablesbare Matrizen

[7] Ribosom: Organell aus ribosomaler RNA und Proteinen. Es dient zur Translation der mRNA-Informationen in Proteine. Meist sind mehrere Ribosomen über die mRNA kettenartig verbunden, um zugleich mehrere Ablesevorgänge hintereinander ablaufen lassen zu können

[8] Proteine: Aus Aminosäuren aufgebaute, komplexe Moleküle. Die [–NH2]-Gruppe einer Aminosäure wird mit der Hydroxylgruppe [–OH] der Säurefunktion [–COOH] unter Wasserabspaltung verknüpft, dabei entsteht eine charakteristische Abfolge von Atomen: [–C–N–C–C–N–]n, wobei das unmittelbar dem [N] benachbarte [C] einen doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] trägt

[9] tRNAs, Transfer RNAs: Übersetzen die Informationen der mRNA in die verschiedenen Aminosäuren

[10] Emmentaler Käse: Einer der wenigen (der erste) Käse, die mit zwei Bakteriensippen hergestellt werden, die in Gemeinschaft fermentieren, nämlich Propionsäurebakterien (Propionibacteria – Actinobacteria – Grampositive – Bacteria) und Lactobacillus (Lactobacillaceae – Lactobacillales – Firmicutes – Grampositive – Bacteria)

[11] Propionibacterium (Propionibacteriaceae – Propionibacteria – Actinobacteria – Grampositive – Bacteria)

Eingestellt am 6. Juli 2024

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2 M13 (AP)

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Inovirus heißt heute der Coli[1]-Phage[2] M13,

Ist wegen Verwendung in molekularbiologischer Forschung hochgeschätzt.

Eine beinahe ein Mikrometer lange, flexible Proteinröhre

Schützt die (+)-polare[3] Ring-DNA.

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Sich schindelförmig überlappende Proteinuntereinheiten[4] aus fünfzig Aminosäuren[5]

Bauen, weil etwas verschiebbar, das flexible Capsid[6]:

Jeweils fünf Kopien vier kleiner Proteine

Bilden beiden Enden der Röhre einen Verschluss.

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An Colis Sexpilus‘[7] äußere Spitze setzt sich Inovirus,

Worauf das Stück in die Zelle zurück sich zieht.

M13 interagiert, nähert es sich der Zelle,

Mit speziellem Wandprotein,

Gelangt so in den Raum zwischen Zellmembran[8] und Mureinsacculus[9],

Die DNA[10] ins Cytoplasma[11] nicht lange danach.

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Zum Doppelstrang wird der (+)-polare Einzelstrang vervollständigt,

Initiiert durch Wirts-RNA-Polymerase[12], die einen Primer[13] synthetisiert.

Wirts-DNA-Polymerase[14] ergänzt den fehlenden (–)-polarisierten[15] Holm,

Der, mRNA[16] durch den Wirt synthetisieren zu lassen, das Template[17] spielt,

Freilich auch als Vorlage gilt,

Einzelstrang-(+)-DNA zu bilden für des Virus‘ genomische DNA.

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Zusammengebaut werden Fadenphagen zur biegsamen, überlang scheinenden Röhre,

Verlassen sie allmählich Escherichia colis Zellmembran;

Capsidproteine heften Schritt für Schritt sich passgenau aneinander

Bis, vervollständigt, Inovirus das noch lebende Coli-Bakterium verlässt. –

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Keine Plaques[18] entstehen in Coli-Rasen.

Tötet doch Inovirus Colibakterien nicht.

So integrierten Molekularbiologen[19] Kanamycin[20]-Resistenz in M13s Ring-DNA,

Etablierten damit auch Colis Resistenz.

Nur jene mit modifiziertem Inovirus

Bleiben am Leben, alle anderen Zellen liegen irgendwo tot,

Können sich nicht mehr vermehren:

So bleiben Coli-Rasen ohne Inoviren dort aus und das Medium bleibt klar.

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Fußnoten

[1] Escherichia coli: (Enterobacteriaceae – Gamma-Proteobacteria – Gramnegative – Bacteria); gehört zum normalen Mikrobiom des menschlichen Darms; einige Stämme aber können Durchfallkrankheiten verursachen

[2] Phagen: Ausschließlich Bakterien (und Archäen) infizierende Viren; sind durch ihre Lebensweise charakterisiert; bilden keine einheitliche Verwandtschaft

[3] (+)-polare einzelsträngige DNA (Viren): Davon würde beim Transkribieren zwangsläufig eine (–)-orientierte RNA entstehen, die aber das Ribosom nicht als mRNA erkennen kann, somit kann diese RNA nicht translatiert werden

[4] Proteine: Aus Aminosäuren aufgebaute, komplexe Moleküle. Die [–NH2]-Gruppe einer Aminosäure wird mit der Hydroxylgruppe [–OH] der Säurefunktion [–COOH] unter Wasserabspaltung verknüpft, dabei entsteht eine charakteristische Abfolge von Atomen: [–C–N–C–C–N–]n, wobei das unmittelbar dem [N] benachbarte [C] einen doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] trägt

[5] Aminosäuren: Organische Säuren mit einer Amino-[–NH2] Seitengruppe. Biologisch bedeutend sind hauptsächlich jene Aminosäuren, die an dem der Säuregruppe benachbarten Kohlenstoffatom diese Gruppe besitzen

[6] Capsid: Komplexe, regelmäßige Struktur von Viren aus Proteinen, die der Verpackung des Virusgenoms dient.

[7] Sexpilus, F-Pilus: Kurzer Faden von 2-8 nm Dicke und 1-4 µm Länge, der von Chromosomenempfängern ausgebildet wird; typisch für gramnegative Bakterien

[8] Zellmembran: Lipiddoppelmembran, die das Zellinnere umgibt

[9] Mureinsacculus: Der Bakterien Murein umgibt die Zelle sackähnlich wegen der Zellwand widerstandsfähigen, massiven Konstruktion

[10] DNA (=DNS): Desoxyribonucleinic Acid, Desoxyribonukleinsäure; mit einer reduzierten Ribose; das [–OH] am C2 der Ribose fehlt; Baustein der Erbinformation

[11] Cytoplasma: Flüssiger Zellinhalt mit darin liegendem Cytoskelett

[12] RNA-Polymerasen: Enzyme, welche die Synthese von RNA aus Nucleotidtriphosphaten (Ribose als Zucker und Uridintriphosphat, UTP, anstelle von Thymidintriphosphat, mit Desoxyribose als Zucker, TPP, verwenden) als monomere Vorstufen (Einzelvorstufen) katalysieren

[13] Primer: Oligonucleotid, das für DNA-replizierende Enzyme (wie die DNA-Polymerase) als Startpunkt (oder Endpunkt) dient

[14] DNA-Polymerasen: Enzyme, welche die Synthese von DNA aus Nucleotidtriphosphaten (Desoxyribose als Zucker in TTP, ATP, GTP und CTP als Nucleotide) als monomere Vorstufen (Einzelvorstufen) katalysieren

[15] (–)-polare einzelsträngige DNA (Viren): Davon würde beim Transkribieren zwangsläufig eine (+)-orientierte RNA entstehen, die das Ribosom als mRNA erkennen kann, somit kann diese RNA translatiert werden

[16] mRNA, messenger RNA, Boten RNA: Übersetzt den genetischen Code der DNA in für tRNAs ablesbare Matrizen.

[17] Template: Matrize, Vorlage

[18] Plaque (Mikrobiologie): Freibleibende Stelle in Bakterienrasen

[19] Molekularbiologen: Beschäftigen sich hauptsächlich mit verschiedensten organischen Molekülen, um Organismen zu erforschen

[20] Kanamycin: Aminoglycosid-Antibioticum aus Streptomyces kanamyceticus (Streptomycetes – Actinobacteria – Grampositive – Bacteria)

Eingestellt am 6. Juli 2024

Kanamycin A

Kanamycin ist ein Aminoglykosid-Antibiotikum aus der Streptomyceten-Gattung Streptomyces kanamyceticus, aus der es erstmals 1957 isoliert wurde.

Eingestellt am 6. Juli 2024

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