Opisthokonta, Schubgeißler
1 Nischen
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Wellengleich schlagend, treibt die Geißel[1] ununterbrochen
Ellipsoide Körper voran.
Ein Modell für Millionen Jahrhunderte später
Den die Erde besiedelnden, hochorganisierten, milliardenfach größeren Tieren[2].
Schlagen eigene Wege allerdings ein.
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Schneller, behender, den Standort zu wechseln
– Dem Licht nicht entgegen, denn Chloroplasten[5] sind ihnen fremd –
Nach organischem Müll auf der Suche:
Gelöste Stoffe zu finden oder,
Zur Amöbe[6] gewandelt, wertvolle Nahrungspartikel.
Dies ist ihr Fortschrittsprinzip!
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Ständiges Jagen nach Nahrung ist nötig,
Denn heterotroph[7] bleibt ihr Leben.
Verwenden für Baustoffe und Energie
Fremder Wesen Einsatz und Wissen.
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Da endlich das Leben, sterben auch Massen, so
Sammeln mancherorts sie sich immer mehr an,
Bedecken den Boden tiefgründig mit Schichten.
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Vorräte in Mengen ersparen ständiges Schwimmen und Suchen.
Sich festzusetzen, zu ruhen, vielleicht mit Geißeln zu wirbeln,
Erbringt genügend der stündlich nötigen Nahrung.
So okkupieren energiesparend sie heftig umworbene Nischen.
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Zwei optimierende Alternativen bieten sich an,
Um alles Brauchbare möglichst vollständig zu nutzen:
Sich sitzend der Nahrung entgegenzustrecken[10],
Oder gezielt sich hinzubewegen darauf[11].
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Fußnoten
[1] Flagellum, Geißel (Eukaryageißel): Charakterisiert durch ihren internen Bau aus 9 peripheren, etwas schräg nach innen gestellten Doppelmikrotubuli (Querschnitt durch die Geißel) und einem zentralen Tubulipaar, das etwas Abstand voneinander hält. Dyneinarme verbinden die Mikrotubuli. Die Geißel ist von der Zellmembran umgeben und gefüllt mit Cytosol. Am Übergang der Geißelbasis in den Zellkörper treten spezielle Verstrebungen, Verstärkungen, auf; eine dünne Querplatte trennt oft den untersten, in die Zelle integrierten Teil, der in seiner Struktur einem Centriol entspricht: Es fehlen die beiden zentralen Mikrotubuli und die peripheren Zwillinge wurden zu Drillingen. Die in der Zelle gelegenen Teile der Geißel sind noch durch verwandtschaftsabhängig gestaltete Haltestrukturen verwurzelt.
[2] Animalia: Echte Tiere (Opisthokonta – Eukarya)
[3] Chitinpilze, Echte Pilze: Fungi (Opisthokonta – Eukarya)
[4] Opisthokont begeißelt: Die Geißel inseriert am hinteren Ende des Flagellaten und schiebt den Körper voran.
[5] Chloroplasten: Durch Endosymbiose entstandene Organelle. Ihre Herkunft von Blaualgen ist durch mehrere Merkmale gesichert. Die innere Membran hat bakteriellen Charakter, die äußere ähnelt Membranen der Eukaryoten; ringförmgie DNA in Chloroplasten, weist ebenfalls auf bakteriellen Ursprung hin, wie auch enthaltene 70S-Ribosomen. Phycobilisomen bei Glaucophyta und Rhodophyta, wie sie bei Cyanobakterien auftreten, sind ebenfalls Hinweis auf der Chloroplasten endosymbiontische Herkunft.
[6] Amöben, Wechseltierchen: Verändern ständig ihre Form, weil zellwandlos; stülpen Fortsätze des Protoplasten aus, umfließen Nahrung, um Nahrungsvakuolen (Endosomen) zu bilden, ihren Fang zu verdauen. Amöben kommen in verschiedenen Organismenreichen vor; repräsentieren also keine Verwandtschaft, sondern nur eine Lebensstrategie; ein Organismenreich (Amoebozoa) umfasst jedoch nur Amöben
[7] Heterotroph: Darunter werden alle Organismen subsumiert, die für ihr Leben auf bereits vorhandene organische Substanzen angewiesen sind
[8] Blaualgen: Cyanobacteria (Bacteria)
[9] Fotosynthetisch (Fotosynthese): Umwandlung von Lichtenergie in Energie organischer Moleküle. Dabei wird letztlich CO2 über komplexe Vorgänge zu energiereicher Glucose aufgebaut. Mit Hilfe von Chlorophyll (Licht!), erzeugtem ATP (zyklischer Elektronentransport) und NADPH2 (azyklischer Elektronentransport) werden von Zellen Zucker synthetisiert
[10] Echte Pilze, Chitinpilze: Fungi (Opisthokonta – Eukarya)
[11] Echte Tiere: Animalia (Opisthokonta – Eukarya)
Eingestellt am 15. März 2025
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Opisthokonta, Schubgeißler
2 Amöboide Reminiszenz (SP,HP)
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Mitten hinein in den muddligen Boden schiebt ihn die Geißel![1]
Ermattet vor Sauerstoffmangel, vermehren, langsam verendend,
Hungrige Wesen die Lager organischer Massen:
Von anaeroben[2] Bakterien schnellstens entsorgt.
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Wiederholte Versuche scheiterten kläglich, bis einer der Bohrer,
An klebriger Stelle des Untergrunds haftend,
Geißelwellen benutzte, Wasserströme heranzubefördern,
Um ohne viel Aufwand flüssigen Nährstoff für sich zu gewinnen.
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Unabhängig zu werden von weich-matschigen Untergründen
Gelingt erst späteren Generationen:
Wirken als widerstandsfähiger Kleister.
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Um resorbierende Flächen[6] zu weiten,
Stülpt – sich des amöboiden[7] Könnens entsinnend –
Feine Füßchen der festgeklebte Biont[8]
Nach allen nur möglichen Richtungen hin.
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Welche Alternativen bieten nun sich dem Leben?!
Eine Milliarde Jahre vor heute denkt noch niemand daran,
Doch der Heterotrophen[9] Leben findet zwei entscheidende Wege:
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Fußnoten
[1] Flagellum, Geißel (Eukaryageißel): Charakterisiert durch ihren internen Bau aus 9 peripheren, etwas schräg nach innen gestellten Doppelmikrotubuli (Querschnitt durch die Geißel) und einem zentralen Tubulipaar, das etwas Abstand voneinander hält. Dyneinarme verbinden die Mikrotubuli. Die Geißel ist von der Zellmembran umgeben und gefüllt mit Cytosol. Am Übergang der Geißelbasis in den Zellkörper treten spezielle Verstrebungen, Verstärkungen, auf; eine dünne Querplatte trennt oft den untersten, in die Zelle integrierten Teil, der in seiner Struktur einem Centriol entspricht: Es fehlen die beiden zentralen Mikrotubuli und die peripheren Zwillinge wurden zu Drillingen. Die in der Zelle gelegenen Teile der Geißel sind noch durch verwandtschaftsabhängig gestaltete Haltestrukturen verwurzelt.
[2] Anaerob: sauerstofffrei; Anaerobier leben nur unter sauerstofffreien Bedingungen
[3] Zucker: Kohlenstoffverbindungen mit einem doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] am Ende der Kette, wenn in offener Form dargestellt, oder als Ringform mit einem einfachgebundenen Sauerstoff im Ring, und einer oder mehreren [–OH]-Gruppen; Summenformel meist [Cn(H2O)n]
[4] Proteine: Aus Aminosäuren aufgebaute, komplexe Moleküle. Die [–NH2]-Gruppe einer Aminosäure wird mit der Hydroxylgruppe [–OH] der Säurefunktion [–COOH] unter Wasserabspaltung verknüpft, dabei entsteht eine charakteristische Abfolge von Atomen: [–C–N–C–C–N–]n, wobei das unmittelbar dem [N] benachbarte [C] einen doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] trägt, das zweite der beiden benachbarten den Aminosäurerest
[5] Glycoproteine: Substanzen aus Zuckern und Proteinen
[6] Resorbieren, Resorption: Flüssige oder gelöste Nährstoffe über äußere oder innere Oberflächen aufnehmen
[7] Amöboid: Wie Amöben, Wechseltierchen, gestaltet, oder sich so beim Bewegen verhaltend
[8] Bionten: Allgemeine Bezeichnung für Lebewesen
[9] Heterotrophe: Darunter werden alle Organismen subsumiert, die für ihr Leben auf bereits vorhandene organische Substanzen angewiesen sind
[10] Fungi, Echte Pilze (Opisthokonta – Eukarya)
[11] Animalia, Echte Tiere (Opisthokonta – Eukarya)
Eingestellt am 15. März 2025
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Fungi, Echte Pilze
1 Zukunftsfest
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Direkten Kontakt zum organischen Abfall sucht Mycon[1] zu finden.
Verlängert substratnah, fädige Füßchen hinein in
Halb schon zersetze Reste von Algen, Cyanobakterien und Zoons[2].
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Limitierte interne Ressourcen lassen ins Wasser gerichtete Füßchen
nach und nach schrumpfen.
Doch Substratfäden, nicht unähnlich dünn gezogenen Wurzeln,
Verzweigen sich, dringen kontinuierlich vor in organische Weiten.
Der Biont[6] verzichtet – fast schon logisch– auf seine nutzlos gewordene Geißel.
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Mycon vergrößert die Zelle zur rundlichen Blase,
Denn schier ungebremst liefern Rhizoide[7] Nachschub weit aus der Ferne.
Entnehmen lebensnotwendigen Grundstoff Bakterienwänden[8],
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Auch ganze Bakterien nehmen sie auf in Verdauungsvesikel[11],
Zerlegen sie, verarbeiten alles zum eignen Gebrauch,
Integrieren Chromosomenregionen sogar,
Besonderes Gene für Chitinasensynthese[12] zu Mycons nötigem Schutz.
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Unmöglich, die Kugel beachtlicher Größe zu spalten,
Um die neu etablierte Potenz kommenden Generationen zu übergeben.
Interne Zerteilung in Hunderte winziger, eigenbeweglicher Sporen
Gibt Mycon die Chance, weithin verstreute, organische Reste zu exploitieren[13].
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Doch, warum nur Abfall besiedeln?
Bilden Bakterien und Algen nicht ausgeweitete Matten,
Zusammengehalten von außerzellulären Substanzen?
Hinein in die Zellwandmaterie mit feinverzweigten Substratrhizoiden[14]!
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Keine Ausbreitungsgrenzen besteh‘n für Mycon jetzt mehr
– allmählich zu Chytros[15] geworden –
Denn die genetische Variabilität ist lang schon erhöht,
Verschmelzen doch manche der streunenden Sporen genau wie Gameten dies tun.
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Fußnoten
[1] Mycon: Name für hypothetischen Vorfahren der Fungi; abgeleitet vom griechischen mýkēs (μύκης) für Pilz
[2] Zoon: Allgemeine Bezeichnung für tierische Lebewesen
[3] Aminosäuren: Organische Säuren mit einer Amino-[–NH2] Seitengruppe. Biologisch bedeutend sind hauptsächlich jene Aminosäuren, die an dem der Säuregruppe benachbarten Kohlenstoffatom diese Gruppe besitzen
[4] Zucker: Kohlenstoffverbindungen mit einem doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] am Ende der Kette, wenn in offener Form dargestellt, oder als Ringform mit einem einfachgebundenen Sauerstoff im Ring, und einer oder mehreren [–OH]-Gruppen; Summenformel meist [Cn(H2O)n]
[5] Nucleotide: Die Nucleotide Desoxyribonucleotid- bzw. Ribonucleosittriphosphate (ATP, TTP, CTP, GTP, UTP) werden als Einzelbausteine unter Abspaltung von zwei Phosphaten zu DNA bzw. zu RNA verknüpft
[6] Bionten: Allgemeine Bezeichnung für Lebewesen
[7] Rhizoide: Fadenartige, wurzelähnliche, trichale oder unseptierte Auswüchse zum Festheften von Thallophyten
[8] Bakterienzellwände
[9] Chitin: Polymer aus N-Acetyl-Glucosamin, entstanden aus 1,4-β-Glucosen, an deren C2 eine [–NHCOCH3]-Gruppe hängt; anders ausgedrückt, an deren C2 eine [–NH2]-Gruppe, eine Aminogruppe, hängt, bei der ein Wasserstoffatom durch ein Acetat [CH3COO–] ersetzt ist. Zellwandpolysaccharid der Fungi (Echte Pilze), einiger Cnidaria (Nesseltiere) und Exoskelett der Arthropoda (Gliederfüßer)
[10] N-Acetyl-Glucosamin: Zucker, entstanden aus 1,4-β-Glucosen, an deren C2 eine [–NHCOCH3]-Gruppe hängt; anders ausgedrückt, an deren C2 eine [–NH2]-Gruppe, eine Aminogruppe, hängt, bei der ein Wasserstoffatom durch ein Acetat [CH3COO–] ersetzt ist.
[11] Verdauungsvakuolen, Verdauungsvesikel: Mikrobenumschließende Vesikel, entstanden aus Zellmembraneinstülpungen
[12] Chitinsynthase: Chitin synthetisierendes Enzm
[13] Exploitieren: Ausbeuten einer Ressource
[14] Substrat: Allgemeine Bezeichnung für feste, unterstützende, tragende oder nährende Substanz
[15] Chytros: Name für hypothetischen Vorfahren der Chytridiomycota
Eingestellt am 15. März 2025
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Chitin, oben (ppt-generiert; Reinhard Agerer),
im Vergleich dazu Cellulose, unten (ppt-generiert; Reinhard Agerer)
Kohlenstoff: grau. – Sauerstoff: rot. – Stickstoff: blau. – Wasserstoff violett. Einfachbindungen: feiner grüner Strich; Doppelbindungen: breiter grüner Strich.
Eingestellt am 15. März 2024
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Fungi, Echte Pilze
1 Spitzenwachstum (SP)
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Tief versenkt mit feinen Fäden in den Wänden zwischen Zellen
Findet Chytros[1] Fastfood ohne Ende, unbegrenzt.
Nimmt proteinverknüpfte Polysaccharide als Substrat;
Von Makronährstoffelementen[2] noch begleitet, lebt er wohlversorgt der nahen Zukunft still entgegen.
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Unverzweigt noch sind die Fäden[3],[4], wachsen an der Spitze nur,
Dringen bohrend in der fremden Zellen Bund.
Verlängern, sich ins Plasmalemma[7] integrierend, ihrer Hyphe dünne Spitzenwand.
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Noch verhindern Algenzellen[8] einen Zutritt in ihr Zentrum:
Nur die Zellwand bleibt besiedelt.
Hyphen drängen zur Verzweigung,
Sollen für ihr Wachstum weite Teile nutzbar sein.
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Vesikelhaufen[9] sammeln neu sich zu Paketen
Fernab der Hyphen Spitze nah der Wand,
Beulen Zug um Zug den vordem glatten Faden,
Treiben Seitenzweige in den nahen Algenzellwandraum.
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Nun kennt die Hyphe keine Grenzen mehr!
Denn sie wächst der Nahrung ohne Halt in allen Richtungen entgegen.
Verzweigt sich wiederholt, erfüllt den ganzen Raum,
Entstanden ist das pilzspezifische Mycel[10].
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Weit entfernt vom Ausgangsort begegnen sich die Hyphen wieder!
Spitzen treffen auf den jungen Seitenzweig,
Verschmelzen miteinander, bilden eine off‘ne Brücke,
Vereinen ihre Protoplasten[11] dann.
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Ein Netzwerk für Transport ist nun entstanden, für ein Hin und Her!
Ist eines Flechtwerkteiles[12] Nahrungsfeld erschöpft,
Drücken saftgefüllte Vakuolen Protoplastenteile einem gutversorgten Part entgegen,
Neuland dort mit Hyphenmacht erfolgreich zu besiedeln.
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Zwei Schlüssel sind den Pilzen[13] auf den damit Weg gegeben:
Gepaart mit Sparsamkeit durch Ferntransport der Protoplasten
Finden und erobern sie jede noch so kleine baustoffvolle Nische.
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Fußnoten
[1] Chytros: Name für hypothetischen Vorfahren der Chytridiomycota
[2] Makronährelemente: Ein Begriff aus der Pflanzen- und Bodenkunde; hier für Fungi entlehnt; Nährstoffe, die in größeren Mengen für das Wachstum von Pflanzen notwendig sind; hierzu zählen neben den ohnehin für das Leben notwenigen Elementen C, H und O, besonders Stickstoff, Phosphor, Schwefel, Kalium, Calcium und Magnesium in unterschiedlicher Ionen- oder in gebundener Form.
[3] Hyphen: Einzellreihige Fäden von Pilzen mit Spitzenwachstum mit oder ohne Querwände
[4] Vergleichbar mit Stolonen von Polypen der Cnidaria
[5] Vesikel (Zellvesikel): Kleine, abgegliederte, rundliche, doppelmembranumhüllte Behälter
[6] Enzym: Protein, das, an spezielle Moleküle angepasst, Synthese oder Abbau katalysiert. Meistens werden mehrere Enzyme zu einem Komplex verbunden, um eine räumliche Nähe zwischen den einzelnen, aufeinanderfolgenden Syntheseschritten herzustellen
[7] Plasmalemma: Zellmembran (Lipiddoppelmembran) von Organismen mit starrer Zellwand; wird oft als Gegenstück zum Tonoplasten betrachtet, der im Zellinneren eine größere Saftvakuole umgibt.
[8] Algen: Eine organismenreichübergreifende Bezeichnung für überwiegend im Wasser lebende Thallophyten
[9] Vesikelhaufen: Anhäufung von Vesikeln, z. B. in Hyphenspitzen, um dort ein Spitzenwachstum zu ermöglichen
[10] Mycel: Gesamtheit dicht oft wachender Hyphen
[11] Protoplast: Gesamter Inhalt einer Zelle
[12] Mycel
[13] Pilze, hier allgemein, da nicht nur Fungi Hyphen bilden: Eine organismenreichübergreifende Bezeichnung für heterotrophe, mit Hyphen oder Hefen wachsende Lebewesen
[14] Spitzenwachstum: Eine grundlegende Eigenschaft von Hyphen (auch manch anderer Fäden, z.B. von Wurzelhaaren und Pollenschläuchen), die sich für ihr Wachstum hauptsächlich, oft fast ausschließlich, an ihrer Spitze verlängern
[xv] Anastomosen: Stellen sekundär miteinander verbundener Röhren oder hohler Trichome
Eingestellt am 15. März 2025
Mycel auf natürlichem Boden (Original; Reinhard Agerer)
Weißes Pilzmycel, überzieht in unterschiedlicher Dichte einen Hohlraum des Bodens; spinnwebartig sind manche Bereiche ausgeprägt, andere Teile des Mycels sind dichter zusammengelagert und bilden selbst wieder als Einheit fädige Strukturen.
Hyphenspitzen (Tusche, Kreide; Reinhard Agerer)
Hyphen sind durch Spitzenwachstum charakterisiert, verursacht, durch Tausende Vesikel die mit ihrem Inhalt in das Plasmalemma (blau) in hoher Geschwindigkeit der Spitze integriert werden; dadurch vergrößert sich das Plasmalemma, Zellwandvorstufen (hellbraun) und Enzyme (gelb) werden in den außerhalb des Plasmalemmas liegenden Raum transportiert, wo sie zunächst dünne Zellwände bilden. Die Spitze bleibt immer plastisch, hat also die Möglichkeit, sich in enge Ritzen hineinzuzwängen und erweitert dann den Raum durch Druck und durch enzymatischen Abbau der organischen Umgebung (Exoenzyme!). Subterminal werden die Zellwände immer dicker und weniger plastisch, dafür stabiler, so dass für den Zellinhalt (Protoplasma grau; weitere Zellorganelle nicht eingezeichnet) ein Schutz aufgebaut wird. Noch weiter rückwärts können sich noch neue Schutzlagen bilden, die die Widerstandsfähigkeit noch erhöhen, zum Teil durch Einlagerung von dunklen, pilzmelaninhaltigen Substanzen (dunkelbraun). Saftvakuolen (blau, umgeben mit Tonoplast) sorgen für den nötigen Druck, den Protoplasten nach vorne zu treiben.
Eingestellt am 15. März 2025
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Fungi, Echte Pilze
3 Vormarsch (HP)
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Lagern nah am Wasserrand,
Warten leise wiegend in den Wellen,
Auf des Tages helles Licht.
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Plötzlich schwimmen bleiche Zoosporenschwärme[4]
Auf die grüne Algenwiese zu!
Kleben zwischen dichtverzweigten Fäden
Sich an Algenzellen fest.
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Verzichten nach der Ankunft auf die Geißeln[5],
Treiben feine Hyphen[6] in der Zelle Wand
Und, invasive Schläuche[7] Schritt für Schritt verzweigend,
Nähren sich, Tunnel bohrend, von der Alge Molekülen.
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Wohlgenährt, reservenvoll, entwachsen
Ungezählten Algenfäden Chytros‘[8] Blasen,
Die, im Innern sich zerklüftend[9],
Ungezählten Zoosporen, auch Gameten[10], Freiheit geben.
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Variabel ist ihr Lebenszyklus[11]:
Nach Vermehrung blüht den einen schon der Tod,
Jedoch andere bewahren Protoplastportionen[12] sich geschickt;
Leben, immer wieder neu sich orientierend, kaum begrenzt, davon.
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Ob Zellwand, Schleime, Abfall, Konkurrenten,
Nichts ist sicher vor den Hyphen!
Mannigfaltig zeigen sich die Lebewesen,
Vielgestaltig, wandlungsfähig ihre Sexualität.
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Vorbedingung, obligat und unverzichtbar
Für der Echten Pilze adaptive Radiation[13],
Auch für Merkmalswandel
Zukunftsorientierter Evolution.
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Landnah leben oder sich ins Wasser wenden?
Zwei Strategien, bahnbrechend alle beide,
Nutzten wohl vor sechshundert Millionen Jahren Fungi schon;
Erwirkten seither noch so manchen Wandel.
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Fußnoten
[1] Algen: Eine organismenreichübergreifende Bezeichnung für überwiegend im Wasser lebende Thallophyten
[2] Algenmatten: Meist dicht geschlossene Flächen von Algen
[3] Trichom: Einzellreihiger Faden oder einzellreihiges Haar
[4] Zoospore: Mitotisch entstandene, einzellige, eigenbewegliche Verbreitungseinheit
[5] Flagellum, Geißel (Eukaryageißel): Charakterisiert durch ihren internen Bau aus 9 peripheren, etwas schräg nach innen gestellten Doppelmikrotubuli (Querschnitt durch die Geißel) und einem zentralen Tubulipaar, das etwas Abstand voneinander hält. Dyneinarme verbinden die Mikrotubuli. Die Geißel ist von der Zellmembran umgeben und gefüllt mit Cytosol. Am Übergang der Geißelbasis in den Zellkörper treten spezielle Verstrebungen, Verstärkungen, auf; eine dünne Querplatte trennt oft den untersten, in die Zelle integrierten Teil, der in seiner Struktur einem Centriol entspricht: Es fehlen die beiden zentralen Mikrotubuli und die peripheren Zwillinge wurden zu Drillingen. Die in der Zelle gelegenen Teile der Geißel sind noch durch verwandtschaftsabhängig gestaltete Haltestrukturen verwurzelt.
[6] Hyphen: Einzellreihige Fäden von Pilzen mit Spitzenwachstum mit oder ohne Querwände
[7] Hyphen
[8] Chytros: Name für hypothetischen Vorfahren der Chytridiomycota
[9] Sporenbildung durch Zerklüftung (Fungi): Dabei wird der gesamte protoplasmatische Inhalt des Sporangiums zerklüftet, das heißt mit Hilfe der Cisternen restlos auf die Sporen aufgeteilt; damit dies gelingen kann. gliedern sich die Cisternen in das Plasmalemma des Sporangiums ein und verschmelzen nach und nach miteinander, bis alles auf die Kerne aufgeteilt ist.
[10] Gameten: Für sexuelle Fortpflanzung vorgesehene haploide Zellen
[11] Lebenskreislauf, Lebenszyklus, Entwicklungszyklus, Entwicklungskreislauf: Ein Kreislauf (eigentlich ist es eine Schraube, weil immer Neues entsteht, das zwar dem Anfänglichen gleicht, doch zeitlich später kommt), in dem sexuelle Fortpflanzung erfolgt. Zusätzlich kann noch in regelmäßigem Wechsel eine Phase der asexuellen Vermehrung eingeschlossen sein.
[12] Protoplast: Gesamter Inhalt einer Zelle
[13] Adaptive Radiation (Ausbreitung mit/durch Anpassung): Ein Prozess, bei dem sich Organismen von einer ursprünglichen Art schnell zu einer Vielzahl neuer Formen entwickeln, insbesondere wenn Veränderungen der Umwelt neue Ressourcen verfügbar machen, biotische Interaktionen sich verändern oder sich neue ökologische Nischen öffnen. Ausgehend von einem einzigen Vorfahren führt dieser Prozess zur Artbildung und phänotypischen Anpassung einer Reihe von Arten mit unterschiedlichen morphologischen und physiologischen Merkmalen. Ein bekannteres Beispiel ist die Adaptive Radiation bei Darwinfinken. Die Gattung Argyranthemum auf Teneriffa hat sich, so wird angenommen, stark diversifiziert durch Einnischung in unterschiedlichste klimatische, höhenlagenanhängige Vegetationszonen.
Eingestellt am 15. März 2025
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Ab hier werden die Texte bezüglich Taxanamen (s. Stammbaum und/oder Pfade) alphabetisch geordnet.
Die evolutiven Zusammenhänge lassen sich deshalb aber nur erkennen und verfolgen, wird auch der zugehörende Stammbaum berücksichtigt.
Archaeosporales, Ursprünglichsporer
1 Einer tanzt aus der Reihe
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An Zygogamie[1] sich fest noch erinnernd,
Mit weniggeschichteten Wänden;
Lassen kaum, als ursprüngliches Merkmal wird dies gewertet,
Durch Färben fürs Mikroskopieren, sich seh‘n. –
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Geosiphon[6] ging seine eigenen Wege.
Ließ unbeachtet der Pflanzen zuckerspendierende Quelle,
Zu unsicher war ihm womöglich, was er davon bekommt;
Fing lieber – gab Wasser, Ionen und Hülle –
Nostoc[7], der Blaualgen Kettenfäden, die
Reich an Protein[8], damit er mit Stickstoff den Wirt versorgt.
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Geosiphons Hyphen, im Boden verborgen,
Legten hauchdünne Bläschen, nach oben sie sendend,
Am feucht-schattigen Abhang des Ackers ins Freie,
Fanden von schleimiger Schicht sich umhüllt.
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Geperlte, blaugrüne Fäden[9] kommen
Mit einzelnen Perlen auf ihnen zu liegen.
Umhüllen mit dünner werdender Wand ein paar,
Nehmen sie in die Blase und,
Zu nahe will Geosiphon sie nicht,
Umgibt sie mit Doppelmembran aus Lipid[10].
Lässt ihnen als Gäste,
Obschon mit Hintergedanken, viel Freiheit noch.
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Freiwillig kamen sie nicht,
Aber sie fühlen sich wohl!
Umhüllt von glasklarer Wandung
Bekommen sie ausreichend Licht;
Auch für Wasser und was sonst noch so nötig,
Sorgt schon betulich der Wirt.
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Er verhätschelt sie fast, um das zu bekommen,
Was Nostoc vor urlangen Zeiten gelernt[11],
Er aber, vergeblich bleibt seine Hoffnung, noch immer nicht kann:
Mit Licht aus CO2[12], Nostoc sorgt schon dafür,
Und Wasser, auch dies bringt Geosiphon schnellstens herbei,
Zucker zu zaubern, so kommt es ihm vor
Und hofft, einen Teil abzubekommen
Als fälligen Lohn.
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Ob Geosiphon nun freiwillig gibt, oder Nostoc
Sich einfach an des Pilzes Nährstoffen und Wasser bedient,
Der Wirt seinerseits ohne zu fragen nimmt,
Was sein erzwungener Gast nicht ausreichend schützt,
Ist der beiden Problem wie sie das Hin und Her zu lösen gedenken.
Der Betrachter erkennt ihr Feilschen sicherlich nicht.
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In Saus und Braus lebt wohl keiner von beiden.
Nostoc bekommt, sich immerzu teilend,
Nach und nach benötigten Raum,
Trägt ja selbst dazu bei, dass die Herberge[13] wächst.
Geosiphon aber hat sich bestimmt mehr von dieser Beziehung versprochen.
Er dümpelt so einfach dahin,
Denn nur in Deutschland hat man ihn,
Auch nur durch Zufall, ein paarmal entdeckt.
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Fußnoten
[1] Zygogamie: Gametangiogamie der Zygomycota wird, wegen der Bildung von Zygophoren, auch als Zygogamie bezeichnet
[2] Acaulosporoide Azygosporenbildung: Sie kennzeichnet eine terminale, leere Blase; wogegen die Azygospore in einer seitlichen kugligen Ausstülpung liegt.
[3] Azygospore: Strukturell einer Dauerzygote durch zygotenartige Merkmale ähnlich; Hinweise dazu geben suspensorähnliche Strukturen oder Reste, die als reduzierte Gametangien gedeutet werden können.
[4] Arbuskel: Bäumchen, Haustorium der Arbuskulären Mykorrhiza
[5] Hyphen: Einzellreihige, zellwandumgebene Fäden von Pilzen mit Spitzenwachstum, mit oder ohne Querwände
[6] Geosiphon pyriformis: Birnförmiger Bodenschlauch (Geosiphonaceae; nicht separat behandelt – Archaeosporales – Glomeromycota – Multikarya – Ungegeißele Chitinpilze –…)
[7] Nostoc: Gallertkugel (Cyanobacteria – Bacteria)
[8] Proteine: Aus Aminosäuren aufgebaute, komplexe Moleküle. Die [–NH2]-Gruppe einer Aminosäure wird mit der Hydroxylgruppe [–OH] der Säurefunktion [–COOH] unter Wasserabspaltung verknüpft, dabei entsteht eine charakteristische Abfolge von Atomen: [–C–N–C–C–N–]n, wobei das unmittelbar dem [N] benachbarte [C] einen doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] trägt, das zweite der beiden benachbarten den Aminosäurerest
[9] Nostoc
[10] Lipidmembran (Bacteria, Eukarya): Lipide, bestehend aus einem mit drei Hydroxylgruppen [–OH] versehenen Glycerinmolekül, an dem zwei Fettsäuren und ein Cholin unter Wasserabspaltung angeknüpft sind, zeigen einen hydrophilen Kopf (Glycerin und Cholin) und den hydrophoben Fettsäureschwanz; nach dem Motto Gleich zu Gleich gesellt sich gern, ordnen sich die hydrophilen Köpfe zum einen und die hydrophoben Schwänze zum anderen nebeneinander an und bilden eine geschlossene Schicht; eine Doppelmembran entsteht dann, wenn sich zwei solcher Schichten, hydrophobe Schwänze zueinander gereckt, aneinanderlegen
[11] Luftstickstoff fixieren: Nur Prokaryoten sind in der Lage, aus dem inerten, molekularen Luftstickstoff den von Organismen verwendbaren Ammomiumstickstoff zu gewinnen
[12] CO2: Kohlendioxid
[13] Wirt (Parasiten, Symbionten): Opfer eines Parasiten; Partner eines Symbionten
Eingestellt am 15. März 2025
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Geosiphon pyriformis, Birnförmiger Erdschlauch
Oben: Habitusaufnahme, Franz Oberwinkler
Geosiphon pyriformis, Birnförmiger Erdschlauch
Unten: Schematischer Längsschnitt
he: Heterocyste. – in: Cytoplasmatische Einschlüsse. – mi: Mitochondium. – ms: Nostoc umgebende Zellmemban von Geosiphon. – No: Zellkette von Nostoc. – nu: Einer der Zellkerne von Geosiphon. – pcG: Zellwand von Geosiphon. – pcN: Zellwand von Nostoc. – pm: Plasmalema von Geosiphon. – va: Vakuole. – No: Zellkette von Nostoc.
Autor: Falconaumanni
Eingestellt am 15. März 2025
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Basidiobolomycetes, Basidiensporige Jochpilze
1 Ähnlich, aber doch nur weitschichtig verwandt (AP)
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Jeder gestaltet auf eigene Weise das Abschussgescheh‘n.
Überdruck in einer oder zwei benachbarten Zellen
Führt bei allen zum Schleudern von Sporenbehältern oder von Konidien[4].
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Das Rückstoßprinzip mit Düsenantrieb
Wirkt fast schon wie Allgemeingut,
Doch Basidiobolus optimiert durch Elastizität des Motors
Die Starteffizienz noch einmal enorm. –
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Warten auf Licht und Wiederbefeuchtung nach Dürre
Für das Erwachen,
Für nach außen, zur Helligkeit strebende Hyphen[9].
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Ökonomisch gehen mit den Ressourcen Hyphen im Innern zu Werke:
Im Rückfeld leere, tote Bereiche mit Querwänden[12] ab,
Bis ihre Vorhut den Dung überragt.
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Ein aufgeblähter Behälter
Krönt das luftwärts ragende Ende wie eine Kugel auf einem Stab,
Mit kleiner, ins Innere ragender Columella[13],
Für nötigen Halt zum Start und einer Schwachstelle rundum.
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In einigem Abstand zur Kugel,
Liegt, vielleicht ihren Durchmesser weit,
Eine druckbildende, langgezog‘ne Erweiterung
Mit anhängender Hyphe als Stiel für die zwei;
Der untere Teil der entstandenen Blase, wie auch die anschließende Hyphenteil,
Sind mit voluminöser Vakuole[14] für baldigen Abschuss verseh’n.
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Ein Rückstoß entfernt, rund um die Columellaschwachstelle sie lösend, die Ballistokonidie[15].
Der ersten Ausfertigung rundum ähnelnd;
Diese zweite Blase trägt an der Basis die Sollbruchstelle nun, an der später sie reißt,
Weil vakuolärer Druck zu hoch und, wie beim Luftballon, der ausgekommen
Bevor er zugebunden, der protoplasmatische Inhalt, einen Rückstoß bewirkend, nach außen schießt und die Konidie mit sich nimmt.
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Schon wartet die zweite Zündung dieser Rakete:
Der obere Teil des Blasenrests grenzt druckerhöhend sich ab,
Jagt die Sekundärkonidie in gleicher Weise in die Umgebung,
Wie es der Vorgängerkonidie geschah.
Landet, ihr Triebwerk meist von sich stoßend,
In achthundertfacher Entfernung der eigenen Dimension. –
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Ein doppelter Schuss erfolgte, wie es Entomophthora schon zeigte,
Um auf Insekten zu landen, um die Trefferquoten noch zu erhöh’n.
Wir werden mehrmals bei Pilzen diesem Prinzip begegnen,
Falls ihnen gezieltes Ausbreiten nicht gegeben ist.
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Ein zweites Prinzip der Evolution wird von Basidiobolus mit Nachdruck verwirklicht:
Traf der erste Schuss bereits ein lohnendes Ziel, wird,
Ressourcen zu sparen, auf einen zweiten verzichtet, um
Gleich ins Nährstoffvehikel[18] einzudringen, dort zu leben wie im Schlaraffenland. –
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Damit aber der Flexibilitäten kein Ende,
Der primären Konidie Keimung sind weitere Weisen in die Wiege gelegt:
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Bei hohem Nährstoffangebot, der Landeplatz gibt dies vor, keimt die Konidie
Mit Hyphen, formt trichal organisiertes Mycel für Infektion. –
Umgibt die Konidie nur nährstoffarmes Wasser, wiederholt sie, wie schon geschildert,
Was an ihr schon einmal geschah: Sie unternimmt einen zweiten Schussversuch! –
Unter entscheidend trock‘neren Umständen wird ein dünner, unseptierter[19] Keimschlauch ausgetrieben,
Mit einem andersartig gestalteten Typ Konidie[20] daran:
Wie ein schlanker Tropfen, mit zugespitztem Ende[21] frei in die Gegend stehend,
Ragt sie vorbeikommenden Arthropoden[22] entgegen damit,
Drückt bei Kontakt einen klebrigen Tropfen aus dünnem Kanälchen,
Heftet dem Opfer unverrückbar sich an. –
Landen Primärkonidien im Darm, können Endosporen[23] sie bilden,
Gleichen dann Sporangien[24] eher als einer Konidie damit.
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Können Primär-, Sekundär- und Klebekonidien, nachdem sie gewachsen und rund,
Endosporen, wie Sporngien, bilden, die mit Faeces[27]
Ausgeschieden werden, womit erneut der Nebenkreislauf[28] beginnen kann.
Fußnoten
[1] Pilobolus: Pillenwerfer (Pilobolaceae; nicht separat behandelt – Mucoromycetes – Zygomycota – Multikarya – Unbegeißellte Chitinpilze –…)
[2] Entomophthora muscae: Fliegentöter (Entomophthoromycetes – Zygomycota – Multikarya – Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi – …)
[3] Basidiobolus ranarum: Basidiensporiger Jochpilz (Basidiobolomycetes – Zygomycota – Multikarya – Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi –…)
[4] Konidie: Asexuell und nach außen gebildete Verbreitungseinheit
[5] Propagulen: Allgemeine Bezeichnung für Verbreitungseinheiten
[6] Eidechsen: Lacertidae (Scincomorpha – Autarchoglossa – Scleroglossa – Squamata – Lepidosauria –…)
[7] Lurche: Amphibia (Tetrapoda – Rhipidistia – Sarcopterygii – Osteognathostomata – Gnathostomata –…)
[8] Käfer: Coleoptera (Neuropteroidea – Neuromecoptera – Holometabola – Neoptera – Pterygota –…)
[9] Hyphen: Einzellreihige, zellwandumgebene Fäden von Pilzen mit Spitzenwachstum, mit oder ohne Querwände
[10] Protoplast, Protoplasma: Gesamter Inhalt einer Zelle
[11] Saftvakuolen: Hauptsächlich mit Wasser gefüllte, mit verschiedenen Ionen versehene Vakuolen
[12] Septum (Algen, Pilze): Querwand eines einzellreihigen Fadens, eines Trichoms, eines Zellausläufers, einer Hyphe
[13] Columella (Zygomycota): In das Sporangium (die Konidie) hineinragendes, meist rundliches Ende des Sporangienträgers (Konidienträgers)
[14] Saftvakuole
[15] Ballistokonidien: Konidien, die aktiv abgeschossen, weggeschleudert werden
[16] Keimschlauch: Schlauchartige, zunächst querwandlose Struktur, mit der bewegliche oder unbewegliche, oft Überdauerungsstadien, auswachsen, „keimen“
[17] Sekundärkonidie: Konidie, die aus einer Primärkonidie entsteht
[18] Lurch
[19] Siphonal: Schlauchartige, unseptierte Röhre (Hyphe) mit vielen Kernen
[21] Capillokonidien: Spezielle Form von Konidien der Basidiobolomycetes, die an einer schmalen Keimhyphe der Ballistokonidien entstehen und am verschmälerten Ende einen Kleber ausscheiden
[22] Arthropoda: Gliederfüßer (Panarthropoda – Ecdysozoa – Protostomia – Bilateria – Animalia –…)
[23] Endosporen: Sporen, die in einem Behälter gebildet werden
[24] Sporangium: Behälter, in dem Sporen asexuell oder sexuell gebildet werden
[25] Gliederfüßer: Arthropoda (Panarthropoda – Ecdysozoa – Protostomia – Bilateria – Animalia –…)
[26] Frösche: Anura (Batrachia – Lissamphibia – Amphibia – Tetrapoda – Rhipidistia –…)
[27] Faeces: Kot, Kacke
[28] Nebenkreislauf, Nebenfruchtform: Eine asexuelle Vermehrung, die nicht direkt in den Entwicklungkreislauf (Hauptkreislauf, Hauptfruchtform) eingeschaltet ist, sondern für eine seiner Phasen der schnellen, oft explosionsartigen Vermehrung dient
Eingestellt am 15. März 2025
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Basidiobolus ranarum, Primär- und Konidienbildung im Detail (Tusche-, Bleistift- und Kreidezeichnung; Reinhard Agerer)
Links: Primär- und Sekundärkonidienbildung; Konidiophor aus Kultur. Ganz links: Blasenförmig aufgetriebener Konidienträger ragt mit kleiner Columella in die Konidie; unterhalb der Blase liegt rundum (nicht dargestellt) eine Schwächezone der Zellwand. Daneben: Die Primärkondie keimte, um einen Konidienträger und eine Sekundärkonidie zu bilden. Daneben, oben: Abgeschossene Sekundärkonidie mit Rest der einstigen Blase. Darunter: Abgeschossene Sekundärkonidie; separierter Vesikelrest mit Columella, die zuvor in die Sekundärkonidie ragte. Unten: Sekundärkonidie mit auskeimenden Hyphen. Protoplast mit Zellkern, jede Zell enthält nur einen Kern (grau); Saftvakuolen (blau). Nach Webster & Weber (2007), S. 205, Abb. 7.35, a-e.
Rechts: Capillikoniden. Links: Eine Capillikonidie an dünner Hyphe, gebildet an einer Primärkonidie; Primärkonidie und Hyphe entleert, der gesamte Protoplast in die Capillikonidie transferiert; an der Spitze der Konidie befindet sich ein kleiner Kanal aus dem ein klebriger Schleimtropfen aus getreten ist. Rechts: Capillikonidie teilte sich intern, um mehrere Endosporen zu bilden, einige liegen bereits frei, nachdem sich die Wand geöffnet hatte. Protoplast mit Zellkern, jede Zell enthält nur einen Kern (grau); Lipidvakuolen (gelb). Nach Webster & Weber (2007), S. 206, Abb. 7.36, c, e.
Messstrich links = 10 µm; Messstrich rechts =12,5 µm
Eingestellt am 15. März 2025
Basidiobolus ranarum, Endosporenbildung von Primärkonidien Detail (Tusche-, Bleistift- und Kreidezeichnung; Reinhard Agerer)
Links: Oben: Der Protoplast spaltete sich, zwei Zellen u bilden. Mitte: Sporangium mit mehr als einem Dutzend Sporen nach weiderholter Zellteilung. Unten: Sporenbefreiung nach Bruch der der Sporangienwand. Protoplast mit Zellkern, jede Zelle enthält nur einen Kern (grau). Nach Webster & Weber (2007), S. 206, Abb. 7.36, a.
Rechts: Von oben nach unten: Primärkonidie auf nährstoffreichem Medium mit sukzessiver Tochterzellbildung. Protoplast mit Zellkern, jede Zell enthält nur einen Kern (grau). Nach Webster & Weber (2007), S. 206, Abb. 7.36, b.
Messstrich = 20 µm
Eingestellt am 15. März 2015
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Basidiobolomycetes, Basidiensporige Jochpilze
2 Den Dreh heraus (AP)
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Wer anpassungsfähig und flexibel das Leben begeht,
Verlängert sein eignes und das seines Geschlechts[1]!
Denn dreierlei Weisen nennt er sein Eigen:
Sich am Landeplatz gleich zu vergnügen[4],
Oder, wenn ihm der Ort nicht genehm,
Neuland mit Hilfe diverser Vektoren[5] zu finden,
Oder geduldig zu warten, bis günstige Lebenslagen entsteh‘n.
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Klebknopfgekrönt,
Feinem Kanal der Wandung entquoll der Kleister,
Recken sich Haftkonidien[6] dicht im Verbund,
Tastend schreitende Milben[7] erhoffend, steil in die Höh.
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Schwer beladen mit Fremder Klebknöpfe Last,
Entkommen mühsam winzige Achtbeiner[8] minenbestücktem Feld;
Doch, von Mandibeln[9] kräftig gepackt,
Landen zerstückelt sie mitsamt ihrer Fracht
In eines Ungeheuers[10] mächtigem Schlund.
Verdauungsenzyme[11] malträtieren den Fang,
Capillikonidien ist es egal:
Sie bleiben intakt.
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Wandert, welch eine Milde,
Unzerstückelt in eines Lurches[14] hungrigem Magen,
Zappelt vielleicht noch ein wenig – schon ist es vorbei.
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Basidiobolus‘ Klebkonidien[15], kommen, wohin sie von Anfang an wollten,
Fühlen sich wohl im Verdauungskanal,
Blähen sich auf zur geräumigen Kugel,
Mit wechselnder Anzahl von Sporen[18],
Geben wandernden Abfallprodukten[19] sie zur Ablage mit.
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Irgendwo in der Kacke
Geben zwei benachbarte Hyphenzellen[20] sich sexuell:
Wenn jede, unmittelbar am gemeinsamen Septum
Zum suchenden Stummel sich beult,
Jeweils die Kerne mitotisch verdoppelt,
Einen Kern davon spitzenwärts schickt,
Ein Septum[21] im Stummel je ein kleingeratenes Zellchen dann bildet,
Einen der Kerne schicksalhaft einschießt dort,
Dann ist alles bereitet,
Damit zur Zygote es kommt.
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Zu klein sind die Spitzchen mit ihren Kernen,
Eine Zygote zu bilden, die nahrungsvoll;
So werden, evolutiv verständlich, Ressourcen zu sparen,
Nutzlose Chromosomenpakete[22] aufgelöst.
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Doch die Kerne wollen zusammenkommen!
So wandert einer der beiden verbliebenen – nachdem eine Öffnung in jenes Septum gelöst[23],
Das die beiden stummelformenden Zellen gemeinsam besitzen,
In die voluminöser gewordene Partnerin ein;
Seine Zelle blieb, wie zuvor sie sich zeigte,
So lässt sich verstehen, warum in den prallvollen, größeren Raum er gewollt.
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Beide lassen nicht lange sich bitten, verschmelzen zur Einheit[24],
Vergrößern die Bleibe weiter noch,
Bilden sich eine dicke Wand um ihre Zygote[25],
Damit ungestört sie ruhen kann[26].
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Erwacht sie nach einer längeren Pause,
Drei der entstandenen vier müssen das Zeitliche segnen,
Einer nur setzt den Kreislauf des Lebens[29] fort.
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Drei Möglichkeiten hält die Zygote zum Keimen sich offen:
Mit Keimschlauch, der zum trichalen[30] Mycel heranwächst,
Eine Primärkonidie oder eine Capillikonidie daran.
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Capillikonidien kleben sich gerne an Milben,
Worin eine zweite Nebenfruchtform[33] sie vermehrt.
Primärkonidien werden die Alternativen bewerten:
Sekundär- oder Capillikonidien zu bilden oder zu keimen mit einem Schlauch[34].
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Am Ende besiedeln diverse asexuell gebildete Verbreitungseinheiten
Frösche, die wahllos Käfer zu sich genommen; sie merken es nicht, dass Konidien
Unverdaut bleiben und sich in Sporangien als Endosporen vermehren,
Den Körper mit dem verlassen, was der Frosch nicht mehr braucht.
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Fußnoten
[1] Im Sinn von Sippe gebraucht
[2] Basidiobolus ranarum: Basidiensporiger Jochpilz (Basidiobolomycetes – Zygomycota – Multikarya – Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi –…)
[3] Primärkonidie: Eine als erste gebildete Konidie, aus der eine zweite entsteht
[4] Hyphen zu bilden
[5] Vektor: Transporteur, Überträger, Ausbreiter
[6] Capillikonidien (Basidiobolomycetes): Spezielle Form von Konidien der Basidiobolomycetes, die an einer schmalen Keimhyphe der Ballistokonidien oder Zygoten entstehen und am verschmälerten Ende einen Kleber ausscheiden
[7] Milben: Acari (Apulmonata – Lipoctena – Arachnida – Euchelicerata – Chelicerata –…)
[8] Milben
[9] Mandibeln: Am Oberkiefer von Gliederfüßern das erste Paar der Mundgliedmaßen
[10] Käfer: Coleoptera (Neuropteroidea – Neuromecoptera – Holometabola – Neoptera – Pterygota –…)
[11] Enzym: Protein, das, an spezielle Moleküle angepasst, Synthese oder Abbau katalysiert. Meistens werden
mehrere Enzyme zu einem Komplex verbunden, um eine räumliche Nähe zwischen den einzelnen,
aufeinanderfolgenden Syntheseschritten herzustellen
[12] Milbe
[13] Käfer
[14] Lurche: Amphibia (Tetrapoda – Rhipidistia – Sarcopterygii – Osteognathostomata – Gnathostomata –…)
[15] Capillikonidien
[16] Zellkern: Chromosomen einschließendes, cisternenumgebenes Organell der Eukarya, in dem u. a. im Zuge der Mitose, auch der Meiose, die Verdopplung der Chromosomen stattfindet
[17] Mitose, mitotisch: Im Kern mittig in einer Ebene versammelte Chromosomen bildeten je zwei identische Chromatiden, die bei der Mitose durch Mikrotubuli separiert werden und, von einer Zellwand getrennt, als identische Chromosomensätze der entstanden Zellen wirken
[18] Endosporen (allgemein): Sporen, die in einem Behälter gebildet werden
[19] Kacke
[20] Hyphen: Einzellreihige, zellwandumgebene Fäden von Pilzen mit Spitzenwachstum, mit oder ohne Querwände
[21] Septum (Algen, Pilze): Querwand eines einzellreihigen Fadens, eines Trichoms, eines Zellausläufers, einer Hyphe
[22] Zellkern
[23] Plasmogamie: Verschmelzung der Protoplasten zweier Zellen im Zuge sexueller Fortpflanzung; abgekürzt P!
[24] Karyogamie: Verschmelzung zweier haploider Zellkerne; abgekürzt K!
[25] Zygote: Diploide Zelle, die nach der Verschmelzung zweier haploider Kerne im Zuge der sexuellen Fortpflanzung entstand
[26] Dauerzygote: Zygote, die der Überdauerung dient, meist gekennzeichnet durch dicke, widerstandsfähige, oft auch dunkle Wand, gelegentlich mit Oberflächenstrukturen
[27] Diploid: Zellkerne mit doppeltem Satz zusammenpassender, homologer, Chromosomen; ausgedrückt mit 2n
[28] Meiose, meiotisch: Meiose dient der Reduktion eines diploiden Chromosomensatzes zu haploiden Sätzen. Dabei werden einander entsprechende Chromosomen, im Kern sich dann mittig in einer Ebene gegenüberstehend, gepaart und anschließend in entgegengesetzter Richtung („polwärts“) separiert. Dieser Vorgang wird auch als Reduktionsteilung (oft abgekürzt als R! und zugleich stellvertretend für die ganze Meiose verwendet) bezeichnet. Da die voneinander getrennten haploiden Chromosomen schon verdoppelt sind, schließt sich an die Reduktionsteilung noch eine mitotische Teilung an, so dass vier haploide Kerne in letztlich vier Zellen liegen.
[29] Lebenskreislauf, Lebenszyklus, Entwicklungszyklus, Entwicklungskreislauf: Ein Kreislauf (eigentlich ist es eine Schraube, weil immer Neues entsteht, das zwar dem Anfänglichen gleicht, doch zeitlich später kommt), in dem sexuelle Fortpflanzung erfolgt. Zusätzlich kann noch in regelmäßigem Wechsel eine Phase der asexuellen Vermehrung eingeschlossen sein.
[30] Trichal (Algen, Pilze, u.a.): Gebaut aus einzellreihigem Faden, wobei jede Zelle funktionell nur einen Zellkern besitzt, n, 2n (oder n+n, Dikaryon, bei Pezizomycotina und Agaricomycotina)
[31] Konidiophor, Konidienträger: Als Träger von Konidien besonders gestaltete Hyphen
[32] Konidie: Asexuell und nach außen gebildete Verbreitungseinheit
[33] Nebenkreislauf, Nebenfruchtform: Eine asexuelle Vermehrung, die nicht direkt in den Entwicklungskreislauf (Hauptkreislauf, Hauptfruchtform) eingeschaltet ist, sondern für eine seiner Phasen der schnellen, oft explosionsartigen Vermehrung dient
[34] Hyphe
Eingestellt am 15. März 2025
„Zygogamie“ von Basidiobolus ranarum zwischen Hyphen (oben) und innerhalb einer Primär- oder Sekundärkonidie (Tusche- und Kreide; Reinhard Agerer)
Oben, von links oben nach rechts unten: Zwei einkernige aneinanderschließende Hyphenzellen. Darunter: Zwei benachbarte Ausstülpungen („Zygophoren“) unmittelbar an dem die Zellen trennenden Septum; Zellkerne eingewandert. –Darunter: Die Kerne teilten sich mitotisch (M!), zwei Kerne wanderten in die sie betreffende Ausstülpung; zwei „Gametangien“ werden durch ein Septum abtrennt, die beiden anderen Kerne verbleiben in den Zellen. – Darunter: Die Zellkerne in den abgeteilten Ausstülpungen wurden aufgelöst. – Rechts oben: Eine der beiden Zellen vergrößerte sich. – Darunter: Durch Teilauflösung der die beiden Zellen trennenden Zellwand (P!) wandert ein Kern („männlicher“ Kern) zum anderen („weiblicher“ Kern). – Darunter: Es erfolgt die Karyogamie (K!; größerer Kern, 2n). – Darunter: Um den diploiden Kern herum bildet sich in der Zelle die Dauerzygote. Nach Webster & Weber (2007), S. 209, Abb. 7.38 und Gäumann (1926), S. 122, Abb. 76.
Unten, von links nach rechts: Links: Eine Primär- oder Sekundärkonidie. – Daneben: Diese bildet nach Mitose zwei aneinanderliegende Zellen mit je einer Ausstülpung; in diese wandern die Zellkerne. – Daneben: Die beiden Zellkerne vollziehen wieder eine Mitose, so dass vier Kerne entstehen, wobei je ein Kern im „Gametangium“ bleibt, die beiden anderen in ihren großen Zellen. Die Zellkerne in den abgeteilten Ausstülpungen wurden aufgelöst. – Daneben: Durch Teilauflösung der die beiden Zellen trennenden Zellwand (P!) wandert ein Kern („männlicher“ Kern) zum anderen („weiblicher“ Kern). – Daneben: Es erfolgt die Karyogamie (K!; größerer Kern, 2n) und eine Dauerzygote entsteht. Nach Gäumann (1926), S. 123, Abb. 77.
Hier liegt keine Zygogamie im eigentlichen Sinne vor, denn die Ausstülpungen, die als Gametangien gedeutet werden können, erfüllen nicht deren Funktion, vollziehen weder Plasmogamie noch Karyogamie; vielmehr werden deren Kerne aufgelöst. Stattdessen kommen die beiden restlichen Kerne der Hyphenzellen zur Karyogamie zusammen.
Eingestellt am 15. März 2025
Entwicklungszyklus der Basidiobolomycetes, am Beispiel von Basidiobolus ranarum (Tusche und Kreide, ppt-generiert; Reinhard Agerer)
Wenn ein Frosch defäziert, können sich Konidien von Basidiobolus ranarum im Dung des Lurchs befinden, die mit Hyphen auswachsen, die daran Konidienträger mit Primärkonidien bilden (oben rechts und Mitte unten, rechts), deren Konidien können Sekundärkonidien entstehen lassen (unten Mitte: Primärkonidienträger mit Primärkonidie und Bildung einer Sekundarkonidie aus einer Primärkonidie, daneben separate Sekundärkonidie).
Die entstandenen Hyphen können mit benachbarten Zellen die Plasmogamie (P!) vollziehen, indem zwei benachbarte Hyphenzellen eine Öffnung in die sie trennende Querwand lösen, so dass ein Kern zum andern hinüberwandern kann. (Davor wurden noch zwei einander zugewandte Auswüchse gebildet, in denen zwei kernhaltige Spitzenzellen abgetrennt und deren Kerne aufgelöst wurden). Nach der Plasmogamie erfolgt sofort die Karyogamie (K!), wonach eine diploide Dauerzygote entsteht. In dieser Dauerzygote erfolgt die Meiose (R!), wonach drei der vier entstandenen haploiden Kerne aufgelöst werden und nur ein einziger haploider Kern überbleibt. Nach mehreren Mitosen erfolgt die Keimung mit Konidienträgern auf denen die Primärkonidien entstehen.
Eine zweite Möglichkeit der Zygotenkeimung besteht darin, Capillikonidien zu bilden, die auf dem Ende dünner Träger (capilllus, Haar) sitzen und an ihrer mit feinem Kanal versehenen Spitze eine wasserunlösliche, klebrige Substanz ausscheiden.
Diese Capillikonidien können sich an die Oberfläche von Milben anheften, oder an andere Bodentierchen, bleiben dann an Anhängen kleben; damit beladen wandern die Milben umher.
Für Laufkäfer, auch für andere bodenbewohnende kleinste Tiere, sind Milben eine willkommene Nahrung und nehmen Capillikonidien in ihr Verdauungssystem auf.
Doch nicht nur Capillikonidien, auch Ballistokonidien (primäre und sekundäre), gelangen so in den Käfer.
Diese konidienbeladenen Käfer können nach Auskeimen der Konidien zu Hyphen in den Käfern aus je einer Hyphenzelle eine Einzelzelle bilden und auf diese Weise viele neue Propagulen („Hyphenkörper“) bilden. Solche Käfer können von den Fröschen als Nahrung aufgenommen werden, wodurch Basidiobolus ranarum in Lurche gelangt.
Im Frosch können sich Sekundärkonidien (auch Primärkonidien, falls in den Käfern), auch Capillikonidien zu Sporangien wandeln, womit viele Einzelzellen in des Frosches Hinterlassenschaften den Darm verlassen. Damit haben sich beide Kreisläufe (HFF braun; NFF violett) geschlossen.
Als Kreisschema dargestellt, zeigt sich ein Haplont (n), dessen Zygote ausschließlich diploid (2n) ist, denn auf die Plasmogamie (P!) folgt sofort die Karyogamie (K!); die Meiose (R!) allerdings erfolgt erst vor der Keimung der Dauerzygote. Alle anderen Entwicklungsstadien erweisen sich als haploid. – Drei Besonderheiten weist der Entwicklungszyklus auf: Es liegen zwei unterschiedlich geartete Nebenfruchtformen (Ballistokonidien und Capillikonidien) vor; er verwirklicht saprotrophes
Wachstum (in Faeces) und verwendet drei verschiedene Wirte (Milben, etc.; Käfer, etc.; Lurche); inwieweit die Tiere darunter leiden, bleibt eine offene Frage; zumindest Frösche scheinen nicht sehr negativ davon beeinflusst zu sein.
Nach Wester & Weber (2007), S. 208, Abb. 7.37.
In den nachfolgenden neun Abbildungen ist der Entwicklungszyklus einer Powerpoint-Präsentation ähnlich aufgebaut
Eingestellt am 15. März 2025
Wenn ein Frosch defäziert, können sich Konidien von Basidiobolus ranarum im Dung des Lurchs befinden, die mit Hyphen auswachsen, die daran Konidienträger mit Primärkonidien bilden (oben rechts und Mitte unten, rechts), deren Konidien können Sekundärkonidien entstehen lassen (unten Mitte: Primärkonidienträger mit Primärkonidie und Bildung einer Sekundarkonidie aus einer Primärkonidie, daneben separate Sekundärkonidie).
Die entstandenen Hyphen können mit benachbarten Zellen die Plasmogamie (P!) vollziehen, indem zwei benachbarte Hyphenzellen eine Öffnung in die sie trennende Querwand lösen, so dass ein Kern zum andern hinüberwandern kann. (Davor wurden noch zwei einander zugewandte Auswüchse gebildet, in denen zwei kernhaltige Spitzenzellen abgetrennt und deren Kerne aufgelöst wurden). Nach der Plasmogamie erfolgt sofort die Karyogamie (K!), wonach eine diploide Dauerzygote entsteht. In dieser Dauerzygote erfolgt die Meiose (R!), wonach drei der vier entstandenen haploiden Kerne aufgelöst werden und nur ein einziger haploider Kern überbleibt. Nach mehreren Mitosen erfolgt die Keimung mit Konidienträgern auf denen die Primärkonidien entstehen.
Eine zweite Möglichkeit der Zygotenkeimung besteht darin, Capillikonidien zu bilden, die auf dem Ende dünner Träger (capilllus, Haar) sitzen und an ihrer mit feinem Kanal versehenen Spitze eine wasserunlösliche, klebrige Substanz ausscheiden.
Diese Capillikonidien können sich an die Oberfläche von Milben anheften, oder an andere Bodentierchen, bleiben dann an Anhängen kleben; damit beladen wandern die Milben umher.
Für Laufkäfer, auch für andere bodenbewohnende kleinste Tiere, sind Milben eine willkommene Nahrung und nehmen Capillikonidien in ihr Verdauungssystem auf.
Doch nicht nur Capillikonidien, auch Ballistokonidien (primäre und sekundäre), gelangen so in den Käfer.
Diese konidienbeladenen Käfer können nach Auskeimen der Konidien zu Hyphen in den Käfern aus je einer Hyphenzelle eine Einzelzelle bilden und auf diese Weise viele neue Propagulen („Hyphenkörper“) bilden. Solche Käfer können von den Fröschen als Nahrung aufgenommen werden, wodurch Basidiobolus ranarum in Lurche gelangt.
Im Frosch können sich Sekundärkonidien (auch Primärkonidien, falls in den Käfern), auch Capillikonidien zu Sporangien wandeln, womit viele Einzelzellen in des Frosches Hinterlassenschaften den Darm verlassen. Damit haben sich beide Kreisläufe (HFF braun; NFF violett) geschlossen.
Als Kreisschema dargestellt, zeigt sich ein Haplont (n), dessen Zygote ausschließlich diploid (2n) ist, denn auf die Plasmogamie (P!) folgt sofort die Karyogamie (K!); die Meiose (R!) allerdings erfolgt erst vor der Keimung der Dauerzygote. Alle anderen Entwicklungsstadien erweisen sich als haploid. – Drei Besonderheiten weist der Entwicklungszyklus auf: Es liegen zwei unterschiedlich geartete Nebenfruchtformen (Ballistokonidien und Capillikonidien) vor; er verwirklicht saprotrophes Wachstum (in Faeces) und verwendet drei verschiedene Wirte (Milben, etc.; Käfer, etc.; Lurche); inwieweit die Tiere darunter leiden, bleibt eine offene Frage; zumindest Frösche scheinen nicht sehr negativ davon beeinflusst zu sein.
Nach Wester & Weber (2007), S. 208, Abb. 7.37
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Basidiobolomycetes, Basidiensporige Jochpilze
3 Opfer (AP)
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Leiden unter des Pilzes seltsamem Wirken,
Denn in der Kaltblüter[4] Darm bleibt er meist domestiziert,
Manche Warmblüter[5] aber ächzen unter seiner Präsenz.
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Dem afrikanischen Zwergkrallenfrosch[6]
Frisst er Läsionen[7] in seine Haut,
Auch manchen Po unterentwickelter Völker[10]
Bevorzugt Basidiobolus, wenn zum Wischen des Hinterteils
Blättern zum Einsatz kommen, weil Papier den Notdürftigen fehlt.
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Fußnoten
[1] Milben: Acari (Apulmonata – Lipoctena – Arachnida – Euchelicerata – Chelicerata –…)
[2] Käfer: Coleoptera (Neuropteroidea – Neuromecoptera – Holometabola – Neoptera – Pterygota –…)
[3] Frösche: Anura (Batrachia – Lissamphibia – Amphibia – Tetrapoda – Rhipidistia –…)
[4] Kaltblüter: Wechselwarme Tiere, deren Körpertemperatur entsprechend der Temperatur der Umgebung wechselt
[5] Warmblüter: Tiere, deren Körpertemperatur weitgehend konstant bleibt
[6] Afrikanischer Zwergkrallenfrosch: Hymenochirus boettgeri (Pipidae; nicht separat behandelt – Archaeobatrachia – Anura – Batrachia – Lissamphibia –…)
[7] Läsionen: Gewebeschädigungen durch Absterben oder Verletzung von Gewebe; bei Blättern oft mit Durchbruch verbunden
[8] Hauspferd: Equus caballus (Equidae; nicht separat behandelt – Hippomorpha – Mesaxonia – Ungulata – Übrige Laurasiatheria –…)
[9] Nüstern: Nasenlöcher größerer Tiere, besonders beim Pferd
[10] Moderner Mensch: Homo sapiens (Hominini – Homininae – Hominidae – Hominoidea – Catarrhini –…)
Eingestellt am 15. März 2025
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Basidiobolomycetes, Basidiensporige Jochpilze
4 Kreation versus Evolution
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Ein Organismus, wie geschaffen für der Kreationisten[1] Idee,
Alles sei, der Bibel gemäß, nur in sechs Tagen
So erschaffen, wie heute es ist:
Mit allen Arten und Eigenschaften, mit all ihren Weisen zu leben. –
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„Wo ist der Vorfahre geblieben, wenn wahr ist die Evolution?
Wo die Art, die uns zeigte,
Wie die Abwandlung ging?
Keine Versteinerung könnt ihr uns zeigen,
Gesetzt, eure Zeitangaben seien real.
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Um einer Schritt für Schritt Entwicklung zu folgen,
Verbreitungs- und Schleudervorgänge
Bedürfen der feinsten Justierung für die Funktion.“ –
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„Zunächst aber sollt ihr bedenken,
Auch wenn Leviticus im fünften Buch Mose[6],
Von Aussatz an Mauer und Kleidern erzählt.
Schimmel[7] mag sich darunter verbergen, so eine Deutung,
Der zu bekämpfen sei, tritt er in Mengen hervor.
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Hat der Berichterstatter sie vielleicht nur vergessen,
Weil niemand zur damaligen Zeit an sie dachte,
Wie auch Bakterien[8] er unerwähnt ließ?
Doch wenn ihr wörtlich nehmt seine Schrift,
Als Beweis für Gottes einmalige Tat,
Sollte nicht dann auch von diesen Lebewesen geschrieben steh’n?“ –
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„Bakterien und Pilze gehören zu Tieren[9]“
– Unerschütterlich zeigt sich ihr Glaube –
„Also sind sie erwähnt!“ –
„Doch wer der Wissenschaft Tatsachen folgt,
Weiß, dass diese Annahme jeder Basis entbehrt und
Nicht realem Wissen entspricht.
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Basidiobolus zeigt vielmehr ein von ihm früh schon realisiertes Prinzip
Der Druckentlastung zum Schleudern,
Auch wenn dies kaum mit Absicht geschah,
So wird es heute von Pflanzen[10], Pilzen und Tieren verwandt.
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Der Mensch[11] nutzt ebenfalls vielfach
Eine Entlastung aufgestauten, lebhaften Drucks
Nicht nur zum Antrieb,
Auch hält Wasser er damit in Fluss.
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Auch wenn nur kurz die Erhöhung der Konzentration,
Weit verbreitet in der Natur;
So wie auch verdunstendes Wasser generell eine Rolle spielt,
Wie uns Pflanzen es zeigen,
Wirkt dort nämlich als Antrieb für einen Schuss.
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Basidiobolus‘ Ähnlichkeit mit all anderen Jochpilzen liegt klar auf der Hand:
Zu Anfang des Zyklus[14] verschossene Sporen
Kommen Sporangien[15] gleich,
Denn, eine einzige Spore, so wird bisweilen behauptet, hält sich versteckt.
Gelingt dem Projektil, in den Darm eines Froschs[16] zu gelangen,
Entsteh‘n in ihm, erheblich vergrößert in diesem Prozess,
Mehrere Sporen fürs Leben im Dung,
Zum Sporangium ist es geworden, typisch für einen Mucoromycet[17].
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Brachte Basidiobolus viele Ellen voran.
Falls ihre Spitzen kein feiner Kanal durchzöge,
Bliebe der Zufall nur für einen Versand.
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Förderlich zeigte sich freilich diese Struktur,
Doch fehlte sie, wäre nicht viel verloren,
Denn der Befallenen Kot[20] liegt oftmals hochkonzentriert
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Der Schleuderkonidien[23] Anzahl und Treffer
Reichte wohl gut für der Art Existenz,
Doch ihr Erfolg wär‘ sicher beschränkt;
Geringer Anspruch an die Quelle des Dungs[24],
Nur von Insektenfressern musste er sein,
Brachte Basidiobolus über die Zeit.
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Eine Dauerzygote[27] zugute,
Charakteristisch für seiner Verwandtschaft Natur,
Doch Bewahren des einmal als hilfreich Erkannten,
Steht bevorzugt auf dem Tableau.“ –
.
„Klingt alles recht schön, doch,
Wenn vor sechstausend Jahren alles von Gott
In dieser Weise wurde erschaffen,
Braucht es die Abwandlung nicht und alles blieb wie zuvor.“ –
.
„Dann erkläre mir, warum Er ein Organell habe erschaffen,
Dort, wo Basidiobolus‘ geißelgewohnten[33] Verwandten
In voller Funktion es zur Kernteilung war.
.
Ein deutlicher Hinweis auf
Basidiobolus‘ und der Chytridiomycoten[34] Verwandten
Vor sicherlich mehr als sechshundert Millionen Jahren,
Als alle mit Geißeln sich fröhlich bewegten.
.
Und, vergleichst du die konservativsten Gene
Aller heute lebenden, potenziellen Verwandten,
– Ein Entgegenkommen für eure Stabilitätstheorie –
So zeigt sich Basidiobolus‘ basale Stellung im Stamm der Zygomycoten[35],
Den geißeltragenden Schwestern recht nah.
Gemeinsam entsprangen sie Ahnen,
Bevor sie eigene Wege dann gingen
Im langen Lauf der Evolution.“ –
.
„Wo bleibt in eurer Theorie dann Raum noch für Gott,
Wenn alles ihr ohne sein Zutun erklärt?“ –
.
„Gott begleitet die einmal von Ihm veranlasste Evolution,
Stellt zu manchen Zeiten vielleicht,
Wenn Er für nötig dies hält,
Ein paar der Weichen auf Grün,
Um Sein fernes Ziel zu erreichen: Den Menschen,
Als Seiner Schöpfung endgültiges Ziel[36].“
.
Fußnoten
[1] Kreationisten: Kreationisten glauben, Gott hätte, wie die Bibel berichtet, die Welt in sechs Tagen so erschaffen, wie heute sie ist und daher könne die Welt nicht älter als fünf- bis sechstausend Jahre sein
[2] Basidiobolus ranarum: Basidiensporiger Jochpilz (Basidiobolomycetes – Zygomycota – Multikarya – Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi –…)
[3] Ontogenese (oft Ontogenie): Vorgang der Entwicklung des Individuums von der Zygote ab
[4] Pilze: Eine organismenreichübergreifende Bezeichnung für heterotrophe, mit Hyphen oder Hefen wachsende Lebewesen
[5] Schöpfungsbericht: Bibel, 1 Mose (Genesis) 1-2
[6] Bibel, Einheitsübersetzung, Herder
[7] Schimmel: Nebenfruchtformen von Pilzen, ein weißlicher, grauer, grünlicher, bräunlicher oder schwärzlicher Belag, der auf feuchten Substraten entsteht
[8] Bakterien: Bilden zusammen mit Archäen die sog. Prokaryo(n)ten, die noch keinen echten Zellkern und keine komplex gebauten Chromosomen besitzen. Sie unterscheiden sich grundsätzlich voneinander. Deshalb wurden die Archäen in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts als eigene Organismen-Domäne der Domäne der Bakterien gegenübergestellt
[9] Echte Tiere: Animalia (Opisthokonta – Eukarya)
[10] Echte Pflanzen: Plantae (Eukarya)
[11] Moderner Mensch: Homo sapiens (Homo spp. – Hominini – Homininae – Hominidae – Hominoidea –…)
[12] Zucker: Kohlenstoffverbindungen mit einem doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] am Ende der Kette, wenn in offener Form dargestellt, oder als Ringform mit einem einfachgebundenen Sauerstoff im Ring, und einer oder mehreren [–OH]-Gruppen; Summenformel meist [Cn(H2O)n]
[13] Osmose ist die Diffusion eines Lösungsmittels (z. B. Wasser) durch eine für eine bestimmte Substanz nur in einer Richtung durchlässige Membran. Ziel der Diffusion des Wassers ist es, einen Konzentrationsausgleich zwischen den beiden durch die Membran getrennte Räume zu erreichen. Ist z. B. die Salzkonzentration oder Zucker-Konzentration innerhalb einer Zelle höher als außen, so wird so lange Wasser in die Zelle aufgenommen, bis es zu einem Konzentrationsausgleich kommt. Ist die Konzentration innerhalb der Zelle niedriger, so wird Wasser nach außen entweichen. Als Folge würde sich im ersten Fall die Zelle ständig vergrößern, bis sie unter Umständen sogar platzt, im zweiten Fall würde sie kollabieren. Zumindest das Zerplatzen infolge Osmosestresses kann durch eine widerstanderzeugende Zellwand verhindert werden.
[14] Lebenskreislauf, Lebenszyklus, Entwicklungszyklus, Entwicklungskreislauf: Ein Kreislauf (eigentlich ist es eine Schraube, weil immer Neues entsteht, das zwar dem Anfänglichen gleicht, doch zeitlich später kommt), in dem sexuelle Fortpflanzung erfolgt. Zusätzlich kann noch in regelmäßigem Wechsel eine Phase der asexuellen Vermehrung eingeschlossen sein.
[15] Sporangium: Behälter, in dem Sporen asexuell oder sexuell gebildet werden
[16] Frösche: Anura (Batrachia – Lissamphibia – Amphibia – Tetrapoda – Rhipidistia –…)
[17] Mucoromycetes: Jochpilze i.e.S. (Zygomycota – Multikarya – Geißellose Chitinpilze – Fungi – Opisthokonta –…)
[18] Sporen (generell): Sexuell oder asexuell in einem Behälter gebildete Verbreitungseinheiten
[19] Zoochorie: Ausbreitung durch Tiere
[20] Kot: Kacke
[21] Lurche: Amphibia (Tetrapoda – Rhipidistia – Sarcopterygii – Osteognathostomata – Gnathostomata –…)
[22] Revier: Begrenzter Bereich, Platz (in der freien Natur), den ein Tier oder Pilz als sein Territorium betrachtet
[23] Schleuderkonidien, Ballistokonidien: Konidien, die aktiv abgeschossen, weggeschleudert, werden
[24] Dung: Bezeichnung für die Ausscheidungsprodukte (Kot, Harn) der Tiere
[25] Gametangiogamie: Für sexuelle Fortpflanzung verschmelzende Gametangien
[26] Auch wenn hier keine echte Gametangiogamie vorliegt, werden doch Auswüchse an benachbarten Zellen gebildet, deren anfängliche Entstehung jener von Gametangien entspricht
[27] Dauerzygote: Zygote, die der Überdauerung dient, meist gekennzeichnet durch dicke, widerstandsfähige, oft auch dunkle Wand, gelegentlich mit Oberflächenstrukturen
[28] Homothallisch, monözisch: Hyphen ein und desselben Mycels sind in der Lage, sich sexuell fortzupflanzen
[29] Gen: Erbanlage, Erbfaktor; Einheit der genetischen Information; Abschnitt auf der DNA der bestimmte Proteinbausteine codiert oder eine bestimmte regulatorische Funktion hat
[30] Desorganisiert: Zerstörter, aufgelöster Zustand von etwas Organisiertem
[31] Centriol: Zylinderförmige Struktur im Doppelpack nahe der Kernhülle, die sich in vielen lebenden Zellen befindet. Centriolen haben eine Größe von etwa 170 × 500 Nanometern; sind an der Bildung des Mikrotubuliorganisationszentrums beteiligt, das die Mikrotubulispindel für die Chromosomen-, bzw. Kernteilung bildet. Centriolen kommen in den meisten tierischen Zellen vor, sowie in Pflanzen, nicht jedoch bei Rhodophyta, Rotalgen und Magnoliatae, Bedecktsamer; auch nicht bei Unbegeißelten Chitinpilzen. Charakteristisch ist ihr spezieller Bau aus 9 x 3 Mikrotubuli.
[32] Zellkern: Chromosomen einschließendes, cisternenumgebenes Organell der Eukarya, in dem u. a. im Zuge der Mitose, auch der Meiose, die Verdopplung der Chromosomen stattfindet
[33] Flagellum, Geißel (Eukaryageißel): Charakterisiert durch ihren internen Bau aus 9 peripheren, etwas schräg nach innen gestellten Doppelmikrotubuli (Querschnitt durch die Geißel) und einem zentralen Tubulipaar, das etwas Abstand voneinander hält. Dyneinarme verbinden die Mikrotubuli. Die Geißel ist von der Zellmembran umgeben und gefüllt mit Cytosol. Am Übergang der Geißelbasis in den Zellkörper treten spezielle Verstrebungen, Verstärkungen, auf; eine dünne Querplatte trennt oft den untersten, in die Zelle integrierten Teil, der in seiner Struktur einem Centriol entspricht: Es fehlen die beiden zentralen Mikrotubuli und die peripheren Zwillinge wurden zu Drillingen. Die in der Zelle gelegenen Teile der Geißel sind noch durch verwandtschaftsabhängig gestaltete Haltestrukturen verwurzelt.
[34] Chytridiomycota: Begeißelte Chitinpilze (Fungi – Opisthokonta – Eukarya)
[35] Zygomycota: Jochpilze (Multikarya – Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi – Opisthokonta – Eukarya)
[36] Eine Gottoffene Evolutionstheorie
Eingestellt am 15. März 2025
.
Blastocladiomycotina, Blasenzweigler
1 Auf ihre Weise einzigartig
.
Erinnern Blastocladia[4] an ihr gemeinsames Werden
Mit mancher Chytridiomycoten[5] Ahnen
Und an den baldigen, eigenen Weg.
.
Ein Rumposom[6] war ihnen nicht nötig,
An seiner Stelle legten sie ein spezielles Organ sich zurecht:
Zwei Doppelmembranen, streng aneinandergelagert,
Verbunden mit gleichmäßig dicker, homogen erscheinender Schicht.
.
Dicht dem umfassenden Ringmitochondrium angelegt,
Nah eines lipidtropfenumgebenden Sacks,
So begleiten drei Organelle diesen Komplex:
Quergebänderte Körper strahlen hinein in den Raum.
.
Drängen durch des Mitochondriums Ring,
Spreizen zum kernumgebenden Trichter sich weit,
Formen, ihn drückend, zum Konus damit.
.
Membranumhüllte Reserven in Bechergestalt,
Vielleicht Glycogen[9], dies wird sich zeigen,
Liegen im Scheitel der Schwärmer[10]:
Alles einzigartig in der Chytridiomycoten-Verwandtschaft.
.
Fußnoten
[1] Ribosom: Organell aus ribosomaler RNA und Proteinen. Es dient zur Translation der mRNA-Informationen in Proteine. Meist sind mehrere Ribosomen über die mRNA kettenartig verbunden, um zugleich mehrere Ablesevorgänge hintereinander ablaufen lassen zu können
[2] Zellkern: Chromosomen einschließendes, cisternenumgebenes Organell der Eukarya, in dem u. a. im Zuge der Mitose, auch der Meiose, die Verdopplung der Chromosomen stattfindet
[3] Kernkappenorganell: Die gesamten Ribosomen eines Flagellaten sind von Cisternen umhüllt und so gegen das Cytoplasma abgegrenzt, zugleich aber an den Zellkern gebunden.
[4] Blastocladia: Blasenzweigler (Blastocladiomycotina – Chytridiomycota – Begeißelte Chitinpilze – Fungi – Opisthokonta –…)
[5] Chytridiomycota: Begeißelte Chitinpilze (Fungi – Opisthokonta – Eukarya)
[6] Rumposom: Bildung einer ER-Cisterne an der Peripherie eines Flagellaten; die zur Oberfläche des Flagellaten hinorientierte Lipidoppelmembran der Cisterne, stülpte sich dicht fingerartig aus, wodurch sich in Aufsicht im Wesentlichen nur die Fingerenden erkennen lassen. Über die Bedeutung dieses Organells wird noch gerätselt.
[7] Kinetosom: Basaler Teil der Geißel mit dem centriolentypischen Bau aus 9 × 3 kurzen Mikrotubuli
[8] Mikrotubuli: Röhrenförmige Proteinkomplexe innerhalb eukaryotischer Zellen und in Geißeln; Hohlröhren aufgebaut aus den Dimeren α- und β-Tubulinen; funktionieren bei vielen wesentlichen zellulären Prozessen, einschließlich Mitose und Meiose. Mikrotubuli sind gerichtete Strukturen, deren Enden wegen ihrer Polymerisationsrichtung mit plus und minus bezeichnet werden; das α-Tubulin-Ende wird minus-Ende genannt, das β-Tubulin plus-Ende; bilden die Grundlage für das Cytoskelett und spielen eine wichtige Rolle in der Ausbildung der Kernteilungsspindel und im Vesikeltransport.
[9] Glycogen: Ein hochverzweigtes Polysaccharid aus meist α-1,4 verknüpfter Glucose (mitunter α-1,6 am freien [–CH2OH] des Glucoserings); Speicherprodukt von Tieren, Pilzen und Bakterien
[10] Flagellat: Begeißelter, einzelliger Organismus; oder als Eigenschaft: mit Geißel versehen
Eingestellt am 15. März 2025
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Blastocladiomycotina-Flagellat; schematische Darstellung (Fine-Liner-, Kreide-, Filzstift- und ppt-generiert; Reinhard Agerer)
Plasmalemma und Vesikelmembranen (rote Linien); - Zellkern mit Kernhülle aus Einzelvesikel dargestellt (blau); Zellkern und Ribosomen umgeben von durchgehend vesikulärer Kappe (blau); - runde Vesikel mit tassenförmigem Inhalt, womöglich aus Glycogen (schwarz); als γ(gamma)-Partikel bezeichnet; - Vesikel mit mehreren Topfen Lipid (gelb); - ringförmiges Mitochondrium (rötlich eingefärbt), separat in Aufsicht dargestellt; - Mikrotubuli (grün); Kinetosom mit 9 x 3 Tubuli im Zentrum des ringförmigen Mitochondriums, verbunden mit drei gebänderten, in Buchten des Mitochondriums hineinziehenden Geißelwurzeln. Organisation des Flagellaten von Bastocladiella emersonii.
Flagellaten von Allomyces macrogynus ähneln jenen von Blasctocladiella emersonii: Sie besitzen ebenfalls ein basales großes Mitochondrium, doch kleinere Mitochondrien können das Kernkappenorganell begleiten. Tassenförmige Vesikeleinschlüsse sind ebenfalls vorhanden, wie auch die gebänderten Geißelwurzeln und Lipidtropen. Doch ein zusätzliches ausgefallen organisiertes Organell zeichnet Allomyces aus: zwei eng aneinandergelegte Lipiddoppelmembranen sind mit gleichmäßig dicker, homogen erscheinender Schicht verbunden.
Eine gewisse Variabilität im Bau der Flagellaten scheint bei dieser Unterklasse also vorzuliegen, die womöglich in Zukunft dazu führen wird, separate Ordnungen zu definieren, sobald mehr Arten diesbezüglich analysiert worden sind.
Nach Webster & Weber (2007), Seite 154, Fig. 6.19
Eingestellt am 15. März 2025
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Blastocladiomycotina, Blasenzweigler
2 Mutig voran
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Warum führt auch ihr Weg über die Blase,
Verankert von kernlosen Wurzeln[1],
Zum vielkernig dickeren Schlauch
Mit Seitenzweigen daran?
.
Einmal zum Schlauch sich erhoben,
Nutzen sie mehrfach den Raum,
Behälter für Fortpflanzung[2],
Auch für Vermehrung[3], zu bilden.
.
Zu der Nachkommen Vorteil
Bleibt wohl für immer,
Alles möglichst dicht zu besiedeln
Des Lebens unbezwingbarer Traum.
.
Ihr Weg scheint geebnet
Auch ihrer breiten Nahrungwahl wegen:
Anfangs Abgestorb‘nes zu nehmen[4],
Um später Parasiten[5] zu werden.
.
Warum Saprotrophe sich am höchsten differenzieren,
Liegt sicherlich nicht an der Rücksicht aufs Leben;
Schmarotzer reagieren vielmehr mit wenig differenzierter Architektur
Auf der Opfer Benehmen.
.
Fußnoten
[1] Rhizoide: Fadenartige, wurzelähnliche, trichale oder unseptierte Auswüchse zum Festheften von Thallophyten
[2] Sexuelle Fortpflanzung: Dafür sind drei Vorgänge miteinander gekoppelt, Meiose (abgekürzt mit R!), Plasmogamie (Zellen vereinen sich, abgekürzt mit P!) und Karyogamie (Kerne verschmelzen, abgekürzt mit K!) verbunden, wobei P! und K!, mit Ausnahme bei Dikaryota, unmittelbar aufeinander folgen. Bei Dikaryota (Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi – Opisthokonta – Eukarya) sind beide Vorgänge unterschiedlich lang (weit) voneinander getrennt. Da bei Animalia und Plantae P! und K! unmittelbar aufeinander folgen, werden beide Vorgänge häufig zu Befruchtung (B!) zusammengefasst.
[3] Asexuelle Vermehrung: Nur aufgrund von Mitosen gebildet
[4] Saprotroph: Nur von toter organischer Masse lebend
[5] Parasit, Schmarotzer: Ein Organismus lebt auf Kosten eines anderen
Eingestellt am 15. März 2015
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Blastocladiomycotina, Blasenzweigler
3 Generationswechsel
.
Die letzten Reserven sind fast schon verbraucht
Als er endlich den faulenden Zweig unter Wasser berührt!
Mit letzter Kraft zwischen Borkenschuppen[1] sich zwängend,
Holt er als Notreserve die Geißel schnell ein und
Setzt sich erschöpft, eine dünne Schutzschicht noch bildend,
Schwer atmend zur Ruh.
.
Langsam treibt er, vorsichtig tastend,
Erste lösliche Stoffe verwendend,
.
Den Rhizoiden gegenüber erscheint eine Beule,
Verlängert sich weiter zum Schlauch,
Treibt auch Zweige ins Wasser
– Schon erkennt man,
Wer hat es gesehen? –
Zelle an Zelle, doppelt gepackt.
.
Gleichförmig fast, nur unterschiedlich in Farbe,
Schmücken sie, kostbaren Inhalts, Enden der Zweige:
Leicht gelblich und zierlich warten
Sauber getrennt in Behältern[10].
Zu Anfang der evolutiven Entwicklung,
Waren sie sicherlich gleich,
Vielleicht nicht in eignen Behältern getrennt.
.
Mikrogamenten[11], den weiblichen etwas voraus,
Entschwimmen ihrer Behausung,
Folgen, vom Sirenin[12] der Weibchen gezogen,
Den kräftigen Düften des Lockpheromons[13];
Sie selbst bezaubern Makrogameten[14]
Mit ihrem eignen Parfüm, dem Parisin[15]. –
.
Ein Sesquiterpen[16], zu Doppelringen verknüpft,
Nahm wertvollen Kohlenstoff aus den Reserven dafür,
Entkam, weil zu dünn des Makrogameten äußere Haut.
Allona[17] fühlte sich machtlos bei diesem Verlust.
.
Zu ihrem Erstaunen, sie weiß nicht, warum dies geschah,
Umgeben sie männliche Schwärmer[18] bald schon zuhauf,
Schwimmen, nicht mehr einsam auf Suche nach Partnern.
Sie gibt sich einem von ihnen absichtsvoll hin[19]. –
Von zwei Flagellen[20] getrieben,
Schwimmen, zur Zygote[21] vereint, die beiden davon;
Finden zum Glück bald Zweige im Wasser,
Klemmen sich fest,
Verwerten die Geißeln,
Hüllen zur Cyste[22] sich ein.
.
Die Zygote treibt, wie der Gametothallus[23] zuvor,
Zum Ernähren und Halten Rhizoide flach ins Substrat,
Wächst als Schlauch in die Höh‘,
Imitiert bis aufs Kleinste die haploide[24] Generation.
.
Wie der Gametothallus, entwickelt auch er[25] zwei verschied’ne Behälter,
Nicht im Tandem, auch nicht von gleicher Statur:
Der gemächliche Typ konstruiert eine dicke, bräunliche Wand[26],
Der schnelle bereitet, kaum von finaler Gestalt, schon Sporulation[27].
.
Rastlos, ohne Zeit für Meiosen[28],
Drängeln großkernige Schwärmer[29] vor der verschlossenen Tür,
Stoßen sie auf, verlassen ihr flink errichtetes Haus,
.
Vermehren, das ist ihr Ziel,
Den Urheber ihres hektischen Lebens
Nicht nur für Ihresgleichen Gewinn,
.
Längst haben Gametothalli und Sporothalli ihr Leben beendet,
Wenn in dickwandigen, bräunlichen Kugeln[34],
Von Sporothallizweigen gefallen,
Frühlingserwachen beginnt.
.
Kerne kommandieren die Chromosomen zur Mitte[35],
Versammeln sie pärchenweise genau vis-a-vis[36],
Vereinzeln die Tandems durch Tubuli[37] wieder:
.
Aus identischen Schwestern besteht
Jedes der Chromosomen schon bald,
Werden wieder vereinzelt[40], mitotisch geteilt
Bis eine Vierzahl von Kernen den Dauerbehälter[41] befüllt.
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In verwandtschaftstypischer Anzahl und Form
Umgeben sich Kerne mit Organellen und mit
ER-Cisternen als großmaschiges Netz;
Nun jede Einheit rundend und trennend,
Eine Geißel für sich muss jede Portion nur noch bilden,
Schon schwimmen, anfangs vergeblich, Zoosporen gegen die Wand –
Ein Riss in der Mauer, ein Quellen der inneren Schicht,
Bringt ihnen Freiheit,
Freiheit, die neue Gametothalli erbringt.
.
Fußnoten
[1] Borke: Äußerste, tertiär entstandene Abschlussschicht an Bäumen; Korkschichten trennen, um entstandene Risse zum lebenden Gewebe hin wieder abzudichten, Teile des Bastes ab, die danach absterben und artabhängig in unterschiedlichen Formen abblättern; sekundäres Abschlussgewebe ist Rinde; primäres die Epidermis.
[2] Rhizoide: Fadenartige, wurzelähnliche, trichale oder unseptierte Auswüchse zum Festheften von Thallophyten
[3] Cellulose: Unverzweigte Ketten aus Glucose in β-1,4-Verknüpfung; wobei der 6C-Zucker Glucose in Ring-Form geschrieben, das C1 der Aldehydgruppe ist [CH2OHCHOHCHOHCHOHCHOHCHO], davon aus gerechnet ist der vierte Kohlenstoff das C4 ist. In Ringform geschrieben weist die OH-Gruppe des C1 nach oben, wie auch die frei gebliebene CH2OH-Gruppe. Die OH-Gruppen wechseln von 1 bis 4 die Stellung: C1 nach oben, C2 nach unten, C3 noch oben, C4 nach unten, an C5 hängt die nach oben stehende CH2OH-Gruppe.
[4] Phosphat, [PO43−]: Als Ion vorliegend, oder als an andere Atome oder Moleküle gebunden
[5] Proteine: Aus Aminosäuren aufgebaute, komplexe Moleküle. Die [–NH2]-Gruppe einer Aminosäure wird mit der Hydroxylgruppe [–OH] der Säurefunktion [–COOH] unter Wasserabspaltung verknüpft, dabei entsteht eine charakteristische Abfolge von Atomen: [–C–N–C–C–N–]n, wobei das unmittelbar dem [N] benachbarte [C] einen doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] trägt, das zweite der beiden benachbarten den Aminosäurerest
[6] Glycogen: Ein hochverzweigtes Polysaccharid aus meist α-1,4 verknüpfter Glucose (mitunter α-1,6 am freien [–CH2OH] des Glucoserings); Speicherprodukt von Tieren, Pilzen und Bakterien
[7] Männliche Gameten
[8] Weibliche Gameten
[9] Anisogamie: Plasmo- und Karyogamie unterschiedlich gestalteter Gameten
[10] Gametangien: Behälter für Gameten
[11] Mikrogameten: Männliche Gameten; die kleineren bei Anisogamie
[12] Sirenin: Weibliches Pheromon der Blastocladiomycotina; ein Sesquiterpen
[13] Pheromone: Von Organismen produzierter und abgesonderter (Duft)stoff, der Stoffwechsel und Verhalten anderer Individuen der gleichen Art beeinflusst
[14] Makrogameten: Weibliche Gameten; die größeren bei Anisogamie
[15] Parisin: Männliches Pheromon der Blastocladiomycotina
[16] Sesquiterpene: Und ihre Abkömmlinge bestehen aus drei Isopreneinheiten mit alipatischen mono-, di- oder trizyklischen Terpenen
[17] Bezeichnung für hypothetischen Vorfahren der Blastocladiomycotina
[18] Gameten
[19] Zur Plasmogamie: Verschmelzung der Protoplasten zweier Zellen im Zuge sexueller Fortpflanzung; abgekürzt P!
[20] Flagellum, Geißel (Eukaryageißel): Charakterisiert durch ihren internen Bau aus 9 peripheren, etwas schräg nach innen gestellten Doppelmikrotubuli (Querschnitt durch die Geißel) und einem zentralen Tubulipaar, das etwas Abstand voneinander hält. Dyneinarme verbinden die Mikrotubuli. Die Geißel ist von der Zellmembran umgeben und gefüllt mit Cytosol. Am Übergang der Geißelbasis in den Zellkörper treten spezielle Verstrebungen, Verstärkungen, auf; eine dünne Querplatte trennt oft den untersten, in die Zelle integrierten Teil, der in seiner Struktur einem Centriol entspricht: Es fehlen die beiden zentralen Mikrotubuli und die peripheren Zwillinge wurden zu Drillingen. Die in der Zelle gelegenen Teile der Geißel sind noch durch verwandtschaftsabhängig gestaltete Haltestrukturen verwurzelt.
[21] Zygote: Diploide Zelle, die nach der Verschmelzung zweier haploider Kerne im Zuge der sexuellen Fortpflanzung entstand
[22] Cyste: Mit widerstandsfähiger Wand umgebene Überdauerungsform von Zellen, mehrzelliger Gebilde, gar winziger Organismen
[23] Gametothallus: Gameten bildender Thallus; Gametophyt, haploid, n
[24] Haploid: Zellkerne mit einfachem Chromosomensatz; ausgedrückt als n
[25] Sporothallus: Sporen bildender Thallus; Sporophyt, 2n
[26] Dauersporangium: Späteres Sporangium, das ohne Zoosporen noch als Dauerspore vorliegt, diploid, 2n
[27] Für asexuelle Vermehrung: Nur aufgrund von Mitosen
[28] Meiose: Dient der Reduktion eines diploiden Chromosomensatzes zu haploiden Sätzen. Dabei werden einander entsprechende Chromosomen, im Kern sich dann mittig in einer Ebene gegenüberstehend, gepaart und anschließend in entgegengesetzter Richtung („polwärts“) separiert.
Dieser Vorgang wird auch als Reduktionsteilung (oft abgekürzt als R! und zugleich stellvertretend für
die ganze Meiose verwendet) bezeichnet. Da die voneinander getrennten haploiden Chromosomen schon verdoppelt sind, schließt sich an die Reduktionsteilung noch eine mitotische Teilung an, so dass vier haploide Kerne in letztlich vier Zellen liegen.
[29] Diploid: Zellkerne mit doppeltem Satz zusammenpassender, homologer Chromosomen; ausgedrückt mit 2n
[30] Sporothalli
[31] Asexuelle Vermehrung der Sporothalli: Nur aufgrund von Mitosen
[32] Dauersporangium
[33] Erhält doch mit diesen nichtruhenden diploiden Zoosporangien, der Sporothallus, der Sporophyt, die Chance sich asexuell unmittelbar und rasch zu vermehren, während die Dauersporangien dazu dienen, nach Meiose haploide Zoosporen zu bilden für neue Gametothalli, für neue Gametophyten.
[34] Dauersporangien
[35] Es folgt die Meiose
[36] Metaphasenplatte, Äquatorialebene (Kernteilung): Wenn Chromosomen in der Mitte zwischen den Polen in einer Ebene angeordnet sind
[37] Mikrotubuli, polare: gehen von den MTOCs Richtung Chromosomen
[38] Zellkern: Chromosomen einschließendes, cisternenumgebenes Organell der Eukarya, in dem u. a. im Zuge der Mitose, auch der Meiose, die Verdopplung der Chromosomen stattfindet
[39] Erste meiotische Teilung: Reduktionsteilung
[40] Zweite meiotische Teilung: Mitotische Teilung
[41] Dauersporangium
[42] Protoplast, Protoplasma: Gesamter Inhalt einer Zelle
[43] Zellkerne
Eingestellt am 15. März 2015
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Sirenin, Weibliches Pheromon (ppt-generiert; Reinhard Agerer)
Kohlenstoff: grau. – Sauerstoff: rot. – Wasserstoff violett. Einfachbindungen: feiner grüner Strich; Doppelbindungen: breiter grüner Strich.
Eingestellt am 15. März 2025
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Allomyces arbuscula, Entwicklungszyklus (ppt-generiert; Reinhard Agerer)
Eine haploide Zoospore mit resorbierter Geißel keimt bipolar aus, verankert den entstehenden mehrkernigen haploiden (kleine rote Punkte stellen haploide Kerne dar) Thallus (Gametothallus, Gametophyt) mit Rhizoiden im Substrat, die ihn gleichzeitig ernähren.
In ausgewachsenem Zustand besitzt der Gametophyt seitlich und terminal übereinanderliegende weibliche und männliche Gametangien.
Weibliche und männliche Anisogameten werden frei, treffen sich, vollziehen die Plasmogamie (P!), anschließend die Karyogamie (K!), wobei ein zweigeißliger Flagellat als Zygote entsteht, die, trifft sie auf Substrat, die Geißeln einzieht und sich enzystiert.
Die Zygote keimt bipolar aus und verankert den entstehenden mehrkernigen diploiden (große rote Punkte stellen diploide Kerne dar) Thallus (Sporothallus, Sporophyt) mit Rhizoiden im Substrat, die ihn auch ernähren.
Der ausgewachsene Sporophyt bildet zweierlei Sporangien, dünnwandige, diploide Zoosporen entlassende, nicht ruhende Sporangien und dickwandige Dauersporangien, die erst kurz vor der Keimung haploide Zoosporen bilden.
Die diploiden Zoosporen dienen der permanenten Vermehrung des Sporophyten; sind damit Teil eines asexuellen Nebenkreislaufes, der die Population des diploiden Sporophyten ständig vergrößert.
Nach einer Ruhepause entwickeln die Dauersporangien unter Meiose (R!) und anschließenden Mitosen haploide (kleine rote Punkte) Zoosporen, die das Dauersporangium verlassen, Geißel einziehen, wenn sie auf Substrat landen, und wieder zum haploiden Gametophyten bipolar austreiben.
In Kreisen dargestellt, zeigt sich im sexuellen Kreislauf (HFF; Hauptfruchtform, brauner Kreis) ein haplo-diploider Organismus, dessen Gametophyt haploid ist, wie auch die mitotisch entstandenen Gameten und die meiotisch entwickelten Zoosporen; Zygote, Sporophyt und Dauersporangien aber sind diploid. Es liegt also ein haplo-diplontischer Entwicklungskreislauf, ein haplo-diplontischer (auch diplo-haplontisch genannt) Generationswechsel vor; da beide Generationen gleichgestaltet sind, wird der Generationswechsel als isomorph bezeichnet. Hier dient der Nebenkreislauf (NFF, Nebenfruchtform, violetter Kreis) nur der asexuellen Vermehrung des Sporophyten.
Eigenem Vorlesungsmanuskript entnommen.
In den nachfolgenden acht Abbildungen ist der Entwicklungszyklus einer Powerpoint-Präsentation ähnlich aufgebaut
Eingestellt am 15 März 2025
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Eine haploide Zoospore mit resorbierter Geißel keimt bipolar aus, verankert den entstehenden mehrkernigen haploiden (kleine rote Punkte stellen haploide Kerne dar) Thallus (Gametothallus, Gametophyt) mit Rhizoiden im Substrat, die ihn gleichzeitig ernähren.
In ausgewachsenem Zustand besitzt der Gametophyt seitlich und terminal übereinanderliegende weibliche und männliche Gametangien.
Weibliche und männliche Anisogameten werden frei, treffen sich, vollziehen die Plasmogamie (P!), anschließend die Karyogamie (K!), wobei ein zweigeißliger Flagellat als Zygote entsteht, die, trifft sie auf Substrat, die Geißeln einzieht und sich enzystiert.
Die Zygote keimt bipolar aus und verankert den entstehenden mehrkernigen diploiden (große rote Punkte stellen diploide Kerne dar) Thallus (Sporothallus, Sporophyt) mit Rhizoiden im Substrat, die ihn auch ernähren.
Der ausgewachsene Sporophyt bildet zweierlei Sporangien, dünnwandige, diploide Zoosporen entlassende, nicht ruhende Sporangien und dickwandige Dauersporangien, die erst kurz vor der Keimung haploide Zoosporen bilden.
Die diploiden Zoosporen dienen der permanenten Vermehrung des Sporophyten; sind damit Teil eines asexuellen Nebenkreislaufes, der die Population des diploiden Sporophyten ständig vergrößert.
Nach einer Ruhepause entwickeln die Dauersporangien unter Meiose (R!) und anschließenden Mitosen haploide (kleine rote Punkte) Zoosporen, die das Dauersporangium verlassen, Geißel einziehen, wenn sie auf Substrat landen, und wieder zum haploiden Gametophyten bipolar austreiben.
In Kreisen dargestellt, zeigt sich im sexuellen Kreislauf (HFF; Hauptfruchtform, brauner Kreis) ein haplo-diploider Organismus, dessen Gametophyt haploid ist, wie auch die mitotisch entstandenen Gameten und die meiotisch entwickelten Zoosporen; Zygote, Sporophyt und Dauersporangien aber sind diploid. Es liegt also ein haplo-diplontischer Entwicklungskreislauf, ein haplo-diplontischer (auch diplo-haplontisch genannt) Generationswechsel vor; da beide Generationen gleichgestaltet sind, wird der Generationswechsel als isomorph bezeichnet. Hier dient der Nebenkreislauf (NFF, Nebenfruchtform, violetter Kreis) nur der asexuellen Vermehrung des Sporophyten.
Eigenem Vorlesungsmanuskript entnommen
Eingestellt am 15 März 2025
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Allomyces arbuscula, Thallus mit Zoosporangien und Dauersporangien
Autor: TelosCricket
Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license; unverändert
Eingestellt am 15. März 2025
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Blastocladiomycotina, Blasenzweigler
4 Reduziert
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In der Blastocladiomycotinen vielfältige Welt
Von eigenständiger, identisch gestalteter Form[5].
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Allonas Schwester fragt sich
Wofür ist ein Gametothallus denn überhaupt gut?
Überflüssig erscheint er mir und anfällig bis auf den Grund.
Wird er von außen zum Nachteil genetisch mutiert[6],
Oder stirbt er durch unglückliche Umstände ab,
Werden keine Gameten[7] das Gute vererben.
Warum nicht gleich das Dauersporangium[8] zur Gametogenese verwenden?
Sprach’s und verzichtete auf den Gametothallus:
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Geschützt durch das dicke Gehäuse erfolgt,
Wie Allona es immer schon tat,
Meiotische Teilung[9].
Doch zwei Kerne – ob unterschiedlicher Herkunft? –
Binden sich mit Kernkappenorganell aneinander[10],
Verlassen, als Zelle zur Einheit gebracht,
Den bergenden Raum.
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Kaum enzystiert[13], erfolgt schon wieder Meiose:
Vier Isogameten[14] begeben sich bald auf Suche nach Partnern.
Gegönnt sei ihnen das Glück als biflagellate Zygote,
Den Lebenskreislauf neu zu beginnen.[15]
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Fußnoten
[1] Allona: Bezeichnung für einen hypothetischen Vorfahren von Allomyces
[2] Generationswechsel: Zwei Generationen (ungleich oder gleich gestaltet, im zweiten Fall dann aber mit Kernphasenwechsel, lösen in Folge sich ab)
[3] Gametothallus: Gameten bildender Thallus; Gametophyt, haploid, n
[4] Sporothallus: Sporen bildender Thallus; Sporophyt, 2n
[5] Isomorpher Generationswechsel: Haploide Generation (Gametophyt) und diploide Generation (Sporophyt) sind gleich gestaltet
[6] Mutation: Spontan auftretende, dauerhafte Veränderung des Erbguts
[7] Gameten: Für sexuelle Fortpflanzung vorgesehene haploide Zellen
[8] Dauersporangium: Späteres Sporangium, das zunächst noch ohne Zoosporen als Dauerspore vorliegt, diploid, 2n
[9] Meiose, meiotisch: Meiose dient der Reduktion eines diploiden Chromosomensatzes zu haploiden Sätzen. Dabei werden einander entsprechende Chromosomen, im Kern sich dann mittig in einer Ebene gegenüberstehend, gepaart und anschließend in entgegengesetzter Richtung („polwärts“) separiert. Dieser
Vorgang wird auch als Reduktionsteilung (oft abgekürzt als R! und zugleich stellvertretend für die ganze Meiose verwendet) bezeichnet. Da die voneinander getrennten haploiden Chromosomen schon verdoppelt sind, schließt sich an die Reduktionsteilung noch eine mitotische Teilung an, so dass vier haploide Kerne in letztlich vier Zellen liegen.
[10] Zygote: Diploide Zelle, die nach der Verschmelzung zweier haploider Kerne im Zuge der sexuellen Fortpflanzung entstand
[11] Amöboid: Wie Amöben, Wechseltierchen, gestaltet, oder sich so beim Bewegen verhaltend
[12] Flagellat: Begeißelter, einzelliger Organismus; oder als Eigenschaft: mit Geißel versehen
[13] Enzystieren: Sich mit dauerhafter Wand umgeben; zur Cyste werden
[14] Isogameten: Gleichgestaltete weibliche und männliche Gameten
[15] Somit blieb nur der diploide Sporophyt, der ein zunächst diploides Dauersporangium bildete, in dem Meiose stattfand und, so lässt sich dies interpretieren, im Dauersporangium nach der Meiose entstandene Zoosporen als Gameten sofort Karyogamie vollzogen. Nun wäre eigentlich die Möglichkeit gewesen, sofort wieder zum diploiden Sporophyten auszuwachsen. Dennoch schob sich nochmals eine Meiose mit anschließender Karyogamie dazwischen. Erst dann kommt es zum diploiden Sporophyten. Ein Zwischenschritt, so mag es einem vorkommen, der den haploiden Gametophyten noch nicht vergessen lassen will.
Eingestellt am 15. März 2025
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Blastocladiomycorina, Blasenzweigler
5 Sichtweisen
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Als Haplonten[5] firmierten gewiss die ersten Vertreter, wie viele Cytridiomycota noch heut:
Daraus entstanden als Startgut für Gametangienträger der neuen Generation.
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Zygoten, sesshaft geworden,
Ruhten sich bis zur Meiose[12] aus,
Schickten vier Zoosporen auf Suche nach Bleibe für Gametothalli
Ins oft lebensfeindliche Wasser hinaus.
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Schwierigkeiten, rechtzeitig auf, was geeignet, zu landen
Und die Gefahr der Degeneration ließen kaum Hoffnung,
Immer wieder flexible Antwort auf des
Umfelds wiederholte Herausforderungen zu finden. –
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Der Degeneration beugten Nachfahren geschickt
Zwangen Gameten[15], auch in der Ferne Partner zu suchen,
Sich nicht zu begnügen, nicht nur zu nehmen, was so nah bereits.
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Den Engpass zu geringer Haplozoosporenzahl zu bekämpfen,
Brachte Meioseverzögerung in der Zygote,
Ein Auskeimen mit Schlauch,
Der sich, polyenergid[16] nun, am Apex
Zum Meiosporangium[17] blähte
Und eine Vielzahl haploider Zoosporen entließ.
Kein Mangel an Gametothalli und Gametangien
Begrenzte von nun an Allonas Population,
Denn ihre Gameten fanden ohne viel Aufwand
Partner zur Kopulation.
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Verzweigungen, wie es der Pilze schon Art,
Erhöhten der Gametangien und Zoosporangien Zahl,
Gaben Allona noch einen weiteren Schub,
Zurecht sich zu finden in der Süßwasserwelt.
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Noch eines bringt Allona voran:
Die Behälter am Sporothallus[18] zu differenzieren,
Für Zoosporen, die ständig ihren Diplonten[19] vermehren und zudem
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Lässt sich Illonas Lebenssituation nun damit erklären?
Als Überbleibsel ursprünglicher Organisation,
Oder doch als Allonas Schwester
Mit beinahe totalem Verlust eines Teils davon?
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Eine Antwort fällt sicher nicht schwer,
Folgt man der Evolution Tendenz,
Unvorteilhaftes zu eliminieren!
Hast du die Lösung bereits?
Allonas Schwester setzt auf Fortschritt,
Reduziert den Gametothallus[22], weil anfällig für Mutation!
Lebt fast nur der diploiden Generation,
Nur in der Cyste, im Dauersporangium, findet Haploides bei ihr sich noch. –
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Fußnoten
[1] Nennen wir sie einmal einfach so
[2] Allona: Bezeichnung für einen hypothetischen Vorfahren von Allomyces
[3] Dauersporangium: Späteres Sporangium, das zunächst noch ohne Zoosporen als Dauerspore vorliegt, diploid, 2n
[4] Gametothallus: Gameten bildender Thallus; Gametophyt, haploid, n
[5] Haplont: Organismus, dessen Zygote ausschließlich diploid ist, alles andere ist haploid
[6] Gametangien: Behälter für Gameten
[7] Isogameten: Gleichgestaltete „weibliche“ und „männliche“ Gameten; man spricht stattdessen besser von (+)- und (–)-Gameten oder von α- und β-Gameten
[8] Biflagellat: Mit zwei Flagellen
[9] Zygote: Diploide Zelle, die nach der Verschmelzung zweier haploider Kerne im Zuge der sexuellen Fortpflanzung entstand
[10] Zoospore: Mitotisch entstandene, einzellige, eigenbewegliche Verbreitungseinheit
[11] Haploid: Zellkerne mit einfachem Chromosomensatz; ausgedrückt als n
[12] Meiose, meiotisch: Meiose dient der Reduktion eines diploiden Chromosomensatzes zu haploiden Sätzen. Dabei werden einander entsprechende Chromosomen, im Kern sich dann mittig in einer Ebene gegenüberstehend, gepaart und anschließend in entgegengesetzter Richtung („polwärts“) separiert. Dieser Vorgang wird auch als Reduktionsteilung (oft abgekürzt als R! und zugleich stellvertretend für die ganze Meiose verwendet) bezeichnet. Da die voneinander getrennten haploiden Chromosomen schon verdoppelt sind, schließt sich an die Reduktionsteilung noch eine mitotische Teilung an, so dass vier haploide Kerne in letztlich vier Zellen liegen.
[13] Anisogameten: Männliche und weibliche begeißelte Gameten von unterschiedlicher Gestalt; der etwas größere Gamet wird häufig als weiblicher Gamet bezeichnet
[14] Gametangien
[15] Gameten: Für sexuelle Fortpflanzung vorgesehene haploide Zellen
[16] Polyenergid: Vielkernig
[17] Meiosporangium: Sporangium, in dem sich infolge Meiose Sporen (Meisporen) bilden
[18] Sporothallus: Sporen bildender Thallus; Sporophyt, 2n
[19] Diplont: Organismus, bei dem ausschließlich die Gameten haploid sind, alles andere ist diploid
[20] Dauersporangien
[21] Haploide Zoosporen
[22] Reduktive Evolution: Evolutive Weiterentwicklung durch Verlust verschiedener Merkmale
Eingestellt am 15. März 2025
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Verschiedene Typen von Entwicklungszyklen, Kreisschemata (ppt-generiert; Reinhard Agerer)
Diplont (oben rechts): Im Hauptkreislauf (braun) erfolgt an einer diploiden (2n) Generation durch Meiose (R!) die Bildung von haploiden Gameten (n), die anschließend Plasmogamie (P!) und unmittelbar folgende Karyogamie (K!) zur diploiden (2n) Zygote vornehmen, die wieder zum diploiden (2n) Organismus auswächst. Der diploide Organismus kann sich in einer Nebenfruchtform (NFF, 2n) asexuell (rein mitotisch) vermehren, was in diploider (2n) Form geschieht (oben links).
Haplont (Mitte rechts): Im Hauptkreislauf (braun) erfolgt an einer haploiden (n) Generation durch Bildung und Plasmogamie (P!) von Gameten und unmittelbar folgende Karyogamie (K!) die Bildung einer diploiden Zygote (2n), die unmittelbar anschließend Meiose (R!) vollzieht und wieder in unterschiedlicher Weise zu meist vier haploiden (n) Organismen auswächst. Der haploide Organismus kann sich in einer Nebenfruchtform (NFF, n) asexuell (rein mitotisch) vermehren, was in haploider (n) Form geschieht (Mitte links).
Haplo-Diplont (unten): Im Hauptkreislauf (braun) erfolgt an einer diploiden (2n) Generation (Sporophyt, Sporothallus) durch Meiose (R!) die Bildung von haploiden Sporen (n), die unmittelbar zur haploiden (n) Generation (Gametophyt, Gametothallus) auswachsen und am Ende mitotisch haploide (n) Gameten bilden, die Plasmogamie (P!) und unmittelbar folgend Karyogamie (K!) vollziehen und damit die diploide (2n) Zygote bilden, die zur diploiden (2n) Generation (Sporophyt, Sporothallus) auswächst. Sowohl Gametophyt als auch Sporophyt können sich in einer Nebenfruchtform (NFF, 2n oder n) asexuell (rein mitotisch) vermehren, was über diploide (2n) Sporen beim Sporophyt und über haploide (n) beim Gametophyt erfolgt. Es folgen zwei Generationen geregelt aufeinander, der haploide Gametophyt und der diploide Sporophyt, deshalb spricht man von einem Generationswechsel. Die Generationen können gleich oder unterschiedlich gestaltet sein, dementsprechend werden die Generationswechsel als isomorph oder heteromorph bezeichnet.
Eingestellt am 15. März 2015
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Blastocladiomycotina, Blasenzweigler
6 Braunfleckenkrankheit (AP)
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Wind wirbelt vertrocknende Blätter
Inmitten des grünenden Maisfelds[1] umher,
Treibt mit unvergrabenen Resten sein hastiges Spiel,
Bricht verrottende Zellen entzwei,
Befreit aus der Enge den ruhenden Ball[2],
Wirft ihn, ohne ein eigenes Ziel,
In die Achsel der wippenden Blätter,
Bringt noch manche der Bälle
Stäubend auf zartfrisches Grün.
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Ruhend bleibt die verdächtige Kugel irgendwann liegen,
Doch im Innern bricht sich Unruhe Bahn,
Befreit, suchen sie Partner fürs weitere Streben.
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Vereint bleiben sie, festgeklebt auf der Blattfläche liegen,
Bereiten sich vor für anstrengendes Bohren
Mit Exoenzymen[5] und drückender Kraft
In des Blattes verborgenes, zellwandumgebenes Leben.
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Den dünnen Kanal nach innen durchgleitend,
Erweitern, mit schmächtiger Wand schon ummantelt,
Protoplasten[6] sich zur polykernigen Hyphe,
Durchwachsen Zelle um Zelle, für der Sporangien[7] künftige Brut.
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Als Wiederholungstäter entlarvt,
Infizieren repetierend Zoosporen[8] Umfeldgewebe,
Bräunen durch Töten benachbarter Zellen
Rundfleckig der Blätter strahlendes Grün.
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Erst zu Ende, wenn der Mais dann zum Ernten fast reif,
Bereitet Physoderma[9], Dauersporangien bildend,
Sich auf die Zeit nach des Wirtes Absterben vor,
Hofft auf unvollständige Arbeit des Pflugs.
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Fußnoten
[1] Mais: Zea mays (Panicoideae – BOP-Verwandtschaft – Poaceae – Poineae – Poales – …)
[2] Dauersporangium: Späteres Sporangium, das zunächst noch ohne Zoosporen als Dauerspore vorliegt, diploid, 2n
[3] Flagellat: Begeißelter, einzelliger Organismus; oder als Eigenschaft: mit Geißel versehen
[4] Meiose, meiotisch: Meiose dient der Reduktion eines diploiden Chromosomensatzes zu haploiden Sätzen. Dabei werden einander entsprechende Chromosomen, im Kern sich dann mittig in einer Ebene gegenüberstehend, gepaart und anschließend in entgegengesetzter Richtung („polwärts“) separiert. Dieser Vorgang wird auch als Reduktionsteilung (oft abgekürzt als R! und zugleich stellvertretend für die ganze Meiose verwendet) bezeichnet. Da die voneinander getrennten haploiden Chromosomen schon verdoppelt sind, schließt sich an die Reduktionsteilung noch eine mitotische Teilung an, so dass vier haploide Kerne in letztlich vier Zellen liegen
[5] Exoenzyme: Von Pilzen durch die Zellwand ausgeschiedene Enzyme, die extrahyphal Substanzen in „mundgerechte“ Portionen, kleinere Moleküle, zerlegen, die dann durch die Zellwand aufgenommen werden.
[6] Protoplast, Protoplasma: Gesamter Inhalt einer Zelle
[7] Dauersporangien
[8] Zoospore: Mitotisch entstandene, einzellige, eigenbewegliche Verbreitungseinheit
[9] Physoderma maydis: Braunfleckenkrankheit des Mais‘ (Blastocladiomycotina – Chytridiomycota – Begeißelte Chitinpilze – Fungi – Opisthokonta –…)
Eingestellt am 15. März 2025
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Blastocladiomycotina, Blasenzweigler
7 Doppelt aggressiv (AP)
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Einen letzten Zug frischen Atems holt sich die Larve
An des Wassers ruhiger, luftbegrenzender Fläche!
Dann stirbt sie, ohne Bewegung fast schon zuvor,
Auf einer Pflanze schwimmendem Blatt.
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Sie kannte den Grund nicht für ihr beschwertes Leben,
Legte sich endlich zur Ruh!
Merkt nichts mehr von der Bakterien[1] gefräßigen Lust,
Auch ihr Innerstes, soweit noch vorhanden, für sich zu begehren.
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Wenig nur blieb ihnen,
Bald ist alles restlos verzehrt,
Stoßen an dichte Nester undurchdringlicher Kugeln[2],
Begleiten eine Weile sie noch bis ihr vergebliches Mühen
Sie zu neuen, schwächelnden Larven[3] drängt.
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Nicht mehr der Imagines[6] luftige Welt,
Nur der Larven Kugelballast reichert
in Tümpeln und Pfützen wärmerer Gegend sich an. –
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Längst schon entschlüpften älteren dickwandigen Sphären[7]
Durchziehen, durchmustern, wählerisch sind sie geworden,
Lieblingsnahrung eilfertig suchend, die wässrige Welt.
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Zu Ruderfußkrebsen[10] drängen sie hin,
Hängen sich der Cuticula[11] an,
Bohren Kanäle,
Schleusen ihr Inneres hin zum Haemocoel[12],
Verzichten auf schützende Wände,
Denn Angriffe fürchten sie nicht.
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Steht Coelomomyces‘[15] im Sinn;
Findet im Krebschen den richtigen Partner,
Gibt nicht auf, winkt nicht das Glück.
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Gameten, befreit, suchen nach ihrem Rendezvous als
Dringen nach kürzerer Pause über ihr Anheftungsorgan
Mit aller protoplasmatischen[18] Habe
In die Körper der Beute ein.
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Wachsen zur Fülle,
Vervielfachen sich als rundliche Körper[19],
Füllen, der Larven Innenleben zerstörend,
Mit den widerstandsfähigen Sphären bis zum Platzen den Raum.
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Nicht alle Larven sterben der Überfüllung mit Rastsporangien[20] wegen;
In Ovarien[21] weiblicher Wirte siedeln manche der Sphären voll Hoffnung,
Erwarten dort der Imagines Aktivität,
Deponieren sich, anstelle der Eier als Legepaket.
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Fußnoten
[1] Bakterien: Bilden zusammen mit Archäen die sog. Prokaryo(n)ten, die noch keinen echten Zellkern und keine komplex gebauten Chromosomen besitzen. Sie unterscheiden sich grundsätzlich voneinander. Deshalb wurden die Archäen in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts als eigene Organismen-Domäne der Domäne der Bakterien gegenübergestellt
[2] Sporothallus: Sporen bildender Thallus; Sporophyt, 2n
[3] Larven: Jugendstadien von Tieren, die sich grundsätzlich vom Erscheinungsbild Erwachsener unterscheiden und erst nach einer Metamorphose Adultgestalt annehmen
[4] Aedes aegypti: Gelbfiebermücke (Culicidae – Nematocera – Diptera – Antliophora – Mecopteroida –…)
[5] Anopheles: Malariamücken (Culicidae – Nematocera – Diptera – Antliophora – Mecopteroida –…)
[6] Imago: Adulttier eines holometabolen Insekts
[7] Dauersporangium: Späteres Sporangium, das zunächst noch ohne Zoosporen als Dauerspore vorliegt, diploid, 2n
[8] Zoospore: Mitotisch entstandene, einzellige, eigenbewegliche Verbreitungseinheit
[9] Nach Meiose: Meiose dient der Reduktion eines diploiden Chromosomensatzes zu haploiden Sätzen. Dabei werden einander entsprechende Chromosomen, im Kern sich dann mittig in einer Ebene gegenüberstehend, gepaart und anschließend in entgegengesetzter Richtung („polwärts“) separiert. Dieser Vorgang wird auch als Reduktionsteilung (oft abgekürzt als R! und zugleich stellvertretend für die ganze Meiose verwendet) bezeichnet. Da die voneinander getrennten haploiden Chromosomen schon verdoppelt sind, schließt sich an die Reduktionsteilung noch eine mitotische Teilung an, so dass vier haploide Kerne in letztlich vier Zellen liegen.
[10] Ruderfußkrebse: Copepoda (Copepoda – Maxillopoda – Crustacea – Tetraconata – Mandibulata – …)
[11] Cuticula (Arthropoden): Funktional als Außenskelett wirkende, von der Epidermis nach außen abgeschiedene Hülle eines Hochleistungsverbundstoffs aus Chitin und Strukturproteinen, die eine besondere Stelle, sich an Chitin zu binden, besitzen. Je nach Art und Struktur der Proteinkomponenten kann die Cuticula hart oder biegsam sein.
[12] Haemocoel: Leibeshöhle der Arthropoden
[13] Gametothallus: Gameten bildender Thallus; Gametophyt, haploid, n
[14] Gameten: Für sexuelle Fortpflanzung vorgesehene haploide Zellen
[15] Coelomomyces: Leibeshöhlenpilze (Coelomomycetaceae; nicht behandelt – Blastocladiomycotina – Chytridiomycota – Begeißelte Chitinpilze – Fungi –…)
[16] Biflagellat: Mit zwei Flagellen
[17] Zygote: Diploide Zelle, die nach der Verschmelzung zweier haploider Kerne im Zuge der sexuellen Fortpflanzung entstand
[18] Protoplast, Protoplasma: Gesamter Inhalt einer Zelle
[19] Dauersporangien
[20] Dauersporangien
[21] Ovarien, Ovariolen: Weibliches Geschlechtsorgan, Produktionsort der Eizellen
Eingestellt am 15. März 2025
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Blastocladiomycotina, Blasenzweigler
8 Zerstörte Hoffnung
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Leiden durch des Schmarotzers[5] Tücke,
Unter der Larven[6] siechendem Tod:
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Krankheitserreger mit natürlichen Feinden zu dezimieren,
Gilt, wenn in der Umwelt vollzogen,
Als elegante, ökologisch vertretbare Weise,
Ein lang etabliertes Gleichgewicht zum Vorteil des Menschen zu kippen.
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Scheint seines Verlangens nach gänzlich verschiedenen Wirten[9] wegen,
Jedes Bemühen zunichtezumachen, mit versprühten Rastsporangien[10]
Zunächst Copepoden[11] als Wirte zu Tode zu bringen,
Um damit malaria- und gelbfiebertragende Mücken
Gezielt zu bekriegen:
Fallen, als Infektionsreservoir benötigt, für Mückenlarvenattacken deshalb
fast vollständig aus.
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So bleiben nur als Methoden der Wahl:
Gegen Gelbfieberviren zu impfen,
Malaria-Erreger prophylaktisch medikamentös im
Körper am Leben zu hindern.
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Fußnoten
[1] Aedes aegypti: Gelbfiebermücke (Culicidae – Nematocera – Diptera – Antliophora – Mecopteroida –…);
[2] Anopheles: Malariamücken (Culicidae – Nematocera – Diptera – Antliophora – Mecopteroida –…)
[3] Malaria-Erreger: Plasmodium falciparum (Haemosporidia – Aconodasida – Apicomplexa – „Wimpeola“ – Chromalveolata –…)
[4] Gelbfieber-Virus: Flavivirus sp. (Flaviviridae – Behüllte (+)-ss-RNA-Viren – Einzelsträngige (+)-RNA-Viren – RNA-Viren – Viren –…)
[5] Schmarotzer, Parasit: Ein Organismus lebt auf Kosten eines anderen
[6] Larven: Jugendstadien von Tieren, die sich grundsätzlich vom Erscheinungsbild Erwachsener unterscheiden und erst nach einer Metamorphose Adultgestalt annehmen
[7] Coelomomyces: Leibeshöhlenpilze (Coelomomycetaceae; nicht separat behandelt – Blastocladiomycotina – Chytridiomycota – Begeißelte Chitinpilze – Fungi –…)
[8] Heterözisch: Im Lebenszyklus werden zwei verschiedenartige Wirte benötigt
[9] Wirt: Opfer eines Parasiten
[10] Dauersporangium: Späteres Sporangium, das zunächst noch ohne Zoosporen als Dauerspore vorliegt, diploid, 2n
[11] Copepoda: Copepoden, Ruderfußkrebse (Copepoda – Maxillopoda – Crustacea – Tetraconata – Mandibulata – …)
[12] Gameten: Für sexuelle Fortpflanzung vorgesehene haploide Zellen
[13] Aedes bzw. Anopheles
Eingestellt am 15. März 2025
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Chytridiomycota, Begeißelte Chitinpilze
1 Subzentren
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Ob im Wasser noch schwimmend,
Schon am Rande versunken,
Hin zur Küste, aufs Ufer geschwemmt,
Sterbende, tote, lebende Wesen liegen zuhauf.
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Hyphen[3], widerstandsfähig mit Zellwand umhüllt,
Bohren, umgebende Nährstoffe lösend,
Sich mehrfach verzweigend, hinein in den wertvollen Stoff.
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An jeden Wachstum begehrenden Ort,
Lassen am Rand nur dünne Beläge
Für netzwerkverbreitete Information.
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Zwischen Vakuolen bilden sich Zentren,
Mit eignem Regulierungsbedarf.
Zum Glück wurde ein Kern[6] mit ihnen verschoben,
Übernimmt das Kommando für den eignen Bereich.
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So gerüstet, ob nun vielfach verästelte Hyphen gewählt,
Oder wiederholt zur Blase geformt,
Helfen dezentrale, hierarchisch gegliederte Zentren
Dem Netzwerk zum unausgesproch‘nen Erfolg!
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Fußnoten
[1] Rhizoide: Fadenartige, wurzelähnliche, trichale oder unseptierte Auswüchse zum Festheften von Thallophyten
[2] Mit unbedeutender Zellwand
[3] Hyphen: Einzellreihige zellwandumgebene Fäden von Pilzen mit Spitzenwachstum, mit oder ohne Querwände
[4] Saftvakuolen: Hauptsächlich mit Wasser gefüllte, mit verschiedenen Ionen versehene Vakuolen
[5] Protoplast, Protoplasma: Gesamter Inhalt einer Zelle
[6] Zellkern: Chromosomen einschließendes, cisternenumgebenes Organell der Eukarya, in dem u. a. im Zuge der Mitose, auch der Meiose, die Verdopplung der Chromosomen stattfindet
Eingestellt am 15. März 2025
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