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Einige Fähigkeiten der Organismen sind bezüglich ihrer Innovationskraft besonders zukunftsweisend und können gleichsam Schlüsselpositionen der Evolution einnehmen. Ergibt sich doch aus ihnen mitunter eine ganze Schar potenzieller, nicht selten auch herausragender und Zukunft bestimmender Möglichkeiten für neue Differenzierungen und Anpassungen. Vorgegebene Umweltbedingungen abiotischer und biotischer Art wirken mehrfach auf die Organismen ein. Aber der Umwelt Diversität erleichtert die Herausbildung spezieller Eigenheiten als Antwort und können auch von unterschiedlichen Verwandtschaften in ähnlicher, oder gar gleicher Weise beantwortet werden. Knotenpunkte mit Innovationspotential werden als Schlüsselpunkte der Evolution (SP) bezeichnet, im Angelsächsischen als „key innovations“.

Eingestellt am 14. Juni 2025

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[1] Grundlegendes, 4 Purinnucleosidproblem (SP)

Ein Leben ohne Nucleinsäuren ist schlichtweg nicht denkbar und auch nicht möglich, sind doch DNA und RNAs in den verschiedenen Ausprägungen und Aufgaben (mRNA, tRNA, rRNA) in allen lebenden Organismen vorhanden. Sogar in Viren, die nicht mehr eigenständig lebensfähig sind, sind DNA oder RNA enthalten. So sind Überlegungen und Experimente verständlich, die dann aufzeigten, wie urzeitlich Pyrimidinnucleoside (Cytosin, Thymin, Uracil) und Purinnucleoside (Adenosin, Guanosin) zur damaligen Zeit entstehen konnten. Offenbar ist ihre frühe Bildung, auch ihres Zuckers Ribose, ziemlich gesichert. Folglich wird auch RNA als zuerst entstandene Nucleinsäure angenommen.

Wer die heute vorhandene, strukturelle Variationsbreite der Einfachzucker bedenkt, kann einen Übergang von Ribose der RNA zu Desoxyribose der DNA nicht ausschließen, vielmehr für sehr wahrscheinlich halten.

Auch die Verknüpfung von Nucleotiden (Nucleoside mit drei Phosphaten, das äußerste Phosphat an das benachbarte zweite energiereich positioniert), wie sie heute in Zellen praktiziert wird, war zur Urzeit sicherlich eine gute Möglichkeit. Auch andere Nucleotide, die nicht in DNA oder RNA integriert werden, zeigen heute als Dinucleotide, als unverzichtbare Reduktionsäquivalente, eine ähnliche Struktur, zum Beispiel NADH2, NADPH2, FADH2. Damit erweist sich die universelle Bedeutung der Nucleoside und Nucleotide.

Die Entstehung von Pyrimidinnucleosiden (Cytosin, Thymin, Uracil) und Purinnucleosiden (Adenosin, Guanosin) kann damit als entscheidend für die organismische Evolution angesehen werden, als Schlüsselpunkt der Evolution.

Eingestellt am 27. September 2025

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[2] Grundlegendes, 7 Die Zelle lebt (SP)

Voraussetzung für die Biologische Evolution ist Leben. Leben bedeutet unumgänglich aber auch Weitergeben von Leben und dazu gehört die Übertragung der dafür nötigen Informationen. Entscheidend ist die Replikation der DNA: die Entwicklung einer Manschinerie, die von Nucleobasen gespeicherte Informationen möglichst fehlerfrei weitergibt. Dabei spielen nicht nur DNA-Polymerasen, die durch Replikation die DNA verdoppeln, um je einen Doppelstrang den Nachkommen zu geben, eine Rolle. Auch die Transkription der DNA in rRNA durch RNA-Polymerasen und, nicht zu vergessen, die Translation in Proteine, sind für das Weitergeben von Leben nötig. Ohne diese Mechanismen wäre Leben schlechthin nicht möglich. Sie stellen damit Schlüsselpunkte der Evolution dar.

Erst eine lebende Zelle kann und muss auf die belebte und unbelebte Umwelt reagieren, im Extremfall mit Absterben, falls sie das Benötigte nicht vorfindet. Ihr Tod aber erhält organische Baustoffe und Energie, von denen davon Abhängige profitieren können.

Unbewegliche, ihren Aufenthaltsort nicht aktiv ändernde Zellen, sind oft von Nährstoffmangel dramatisch betroffen. Umweltfaktoren, wie Wasserströmungen, großflächiges Umwälzen der Meere durch Stürme, können noch nicht eigenbewegliche Organismen aber in besser geeignete, aber auch schlechtere Zonen bringen. Auf die ersten lebenden Zellen ohne Eigenbeweglichkeit traf dies sicherlich zwangsläufig zu.

Ständiges Ändern der Umweltbedingungen, Verfrachten in neue ungewohnte Gefilde, konnten Auslöser von Auslesen sein: Nur wer einigermaßen gut zurechtkommt mit neuen Gegebenheiten, wird dort sich halten können. Konkurrenz war dabei möglicherweise noch kein mitentscheidender Faktor.

Zu Anfang waren es wohl nur wenige Bedürfnisse, die es fürs Überleben zu bedienen galt: Frei werdende energiereiche und als Baustoff nützliche Substanzen absterbender oder bereits abgestorbener Zellen, die ohne größere Behinderungen Außengrenzen Lebender durchdringen konnten.

Ein Leben in Gemeinschaft, in Biofilmen, konnte sicherlich solche förderlichen Voraussetzungen schaffen, weil neu Gewonnenes in ihrem Verbund verblieb, der es nutzen und bewahren konnte. Stromatolithen sind dafür ein beredtes Zeugnis.

Doch was Leben schlechthin bewirkte, ist unbekannt.

Eingestellt am 14. Juni 2025

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[3] Grundlegendes, 8 Kaskaden (SP)

Replikation der DNA und Transkription der DNA in rRNA und tRNA und Translation mit Hilfe von tRNAs sind die grundlegenden Voraussetzungen für die Synthese von Proteinen. Erst mit Enzymen als Katalysatoren biosynthetischer Prozesse und mit Proteinen anderer Aufgaben konnte das Leben am Laufen gehalten werden.

Ribosomen sind, kombiniert aus rRNA und geeigneten Proteinen, entstanden. Damit wurde es möglich, anhand des Triplettcodes immer wieder identische Proteine zu synthetisieren. Von Zelle zu Tochterzelle und von Generation zu Generation konnten damit diese Fähigkeiten weitergegeben werden. Ohne diese Mechanismen wäre die Weitergabe des Lebens nicht möglich. Sie stellen somit zusammengenommen einen Schlüsselpunkt der Evolution dar.

Eingestellt am 14. Juni 2025

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[4] Grundlegendes, 10 Kein Leben ohne Energie (SP)

Drei entscheidende Entwicklungen, ohne die eine evolutive Weiterentwicklung nicht vorstellbar wäre, sind hier hervorzuheben:

Zum einen die Entstehung von ATP mit seinem äußersten, seinem dritten Phosphat, das eine besonders energiereiche Bindung zum zweiten Phosphat besitzt, die unter Abspaltung von Phosphat als chemische Energie auf andere Moleküle übertragen werden kann. ATP ist eine universale Größe, die als Träger der biologischen Energieeinheit in allen lebenden Organismen vorkommt.

Zum Zweiten bedurfte es der Entwicklung von Katalysatoren, von Enzymen, die die Aktivierungsenergie zweier Moleküle herabsetzt, so dass es zu einer Reaktion unter möglichst wenig Energieaufwand oder überhaupt erst zu einer chemischen Reaktion kommen kann.

Dazu ist, zum Dritten, eine ausreichende Nähe der Reaktanden nötig, damit es zu einer Verbindung der beiden kommen kann. Die Enzyme müssen deswegen molekülspezifische Positionen aufweisen, in die sich die zu verbindenden Moleküle begeben und für eine Reaktion andocken können. Hierfür ist oft noch ein weiteres Molekül oder Ion als sog. prosthetische Gruppe nötig.

Dieses ATP-Enzym-Reaktionssystem kann deshalb als entscheidend für die Evolution angesehen werden und entspricht damit einem Schlüsselpunkt der Evolution.

Eingestellt am 27. September 2025

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[5] Grundlegendes, 11 Zukunftshoffnung (SP)

Da es generell nicht möglich ist, Energie zu erzeugen, oder zu vernichten, müssen Organismen auf bestehende Energiequellen zurückgreifen. (Daher ist der Begriff „Erneuerbare Energie“ eigentlich ein Unding). Dabei stehen den Organismen unterschiedliche Vorgehensweisen zur Verfügung, wobei zunächst einmal bestehende Energie eingefangen werden muss, bevor sie weitergegeben werden kann.

Der erste diesbezügliche Schritt war die Chemolithotrophie, bei der Mineralien oder anorganischen Molekülen Elektronen entzogen und diese dadurch oxidiert werden. Dabei nehmen, durch aufgenommene Elektronen sich reduzierende Moleküle Energie auf, die sie dann verwenden, sie intrazellulär weiterzugeben und um, z. B. ATP aus ADP und Phosphat zu biosynthetisieren. Sie können damit auch über CO2 organische Substanzen autotroph gewinnen (Chemoautotrophie).

Erst wenn diese Energie organisch gebunden ist, kann sie der Organismus, der sie gewonnen hat, weiterverwenden. Heterotrophe Organismen, die also nicht in der Lage sind, aus Gestein oder Licht chemisch gebundene Energie zu gewinnen, eignen sich nach der autotrophen Tod saprotroph, oder solange diese noch leben, parasitisch, energiehaltige Substanzen an.

Die zweite, für die Evolution jedoch entscheidendere, energieaufnehmende und -speichernde Weise, ist die Fotoautotrophie. Licht wird bei ihr – und nicht anorganische Substanz – zum Gewinn von Energie und deren Festlegung in biosynthetisierten, energiereichen, organischen Molekülen verwendet.

Energiegewinnen aus chemisch gebundener oder aus Lichtenergie, um ständig darauf zurückgreifen zu können, waren entscheidende Punkte der Evolution und können somit als „Key Innovations der Evolution“ betrachtet werden.

Eingestellt am 27. September 2025

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[6] Grundlegendes, 13 Der Clou, im Verbund mit, 14 Optimierung (SP)

Nachdem aller Wahrscheinlichkeit nach bereits in der Uratmosphäre Prolin vorhanden war, dürfte der Weg nicht weit gewesen sein, Proline zu einem Viererpaket, zum Purin-Ringsystem, zusammenzuknüpfen. Es bot Gelegenheit, in seinem Zentrum Metallionen einzubinden. Im Chlorophyll der Pflanzen geschieht dies mit Magnesium, mit Eisen im Häm des tierischen Hämoglobins bzw. des Leghämoglobins in den Rhizobiaceae-Knöllchen der Fabaceae. Das Purin-Ringsystem besitzt damit generelle Bedeutung für fotosynthetisch aktive Pflanzen und für Tiere mit rotem Blutfarbstoff. Dies zeigt allein schon die evolutiv schlüsselartig bedeutende Rolle des Porphyrin-Ringsystems.

Einem Sine-qua-non für die Evolution kommt die Bildung von Chlorophyll gleich. Denn erst mit ihm wird es möglich, dass Sauerstoff, heterotrophen Organismen unbedingt nötig, sich in der Atmosphäre ansammelt.

Zunächst etablierte sich wohl der zyklische Elektronentransport, bei dem mit Licht ATP entstehen konnte und dabei dem Schwefelwasserstoff ein Elektron entwendet wurde. Damit war die Fotoheterotrophie evolviert, bei der zwar Licht als Energielieferant (in Form gewonnenen ATPs) verwendet werden, doch aus CO2 und Wasser noch kein Zucker synthetisiert werden konnte. Erst der azyklische Elektronentransport führte zur Fotoautotrophie, bei der neben ATP noch Reduktionsäquivalente, wie NADPH + H+ (kurz: NADPH2), entstehen konnte, um damit gezielt und reichlich Glucose zu biosynthetisieren. NADPH2 kann auch verwendet werden, zusätzliches ATP zu bilden. Letztlich wird beim zyklischen Elektronentransport dem Wasser ein Elektron entnommen, wodurch molekularer Sauerstoff gebildet wird: die Voraussetzung für kohlenstoffheterotrophes (kurz: heterotrophes) Leben, benötigt es doch Sauerstoff, um energiehaltige Biomoleküle um- und energieliefernd abzubauen!

Der azyklische Elektronentransport resultierte dann auch in einem weiteren Vorteil: Denn das Fotosystem I (Gewinn von NADPH2, das zu NADH2 gewandelt werden kann) absorbiert bevorzugt Licht einer anderen Wellenlänge als Fotosystem II (Elektronenentzug aus dem Wasser und folglich Sauerstoffproduktion), womit mehr Energiegewinn möglich wurde. Dazu ist Fotosystem II reicher an Chlorophyll a als Fotosystem I und enthält als Antennenpigmente bevorzugt Xanthophylle und nicht Carotinoide, wie dies bei Fotosystem I der Fall ist.

Die Fotosynthese ist damit für Grüne Plantae optimiert und liefert damit Kohlenhydrate und andere energiereiche, sowie baustoffrelevante und ökologisch bedeutsame Substanzen, ohne die eine Evolution der Organismen (Pflanzen, Tiere, Pilze, zum großen Teil auch Prokaryoten) nicht möglich gewesen wäre.

Damit ist die Entstehung von Chlorophyllen, und damit der Fotosynthese, einer der bedeutsamsten Schlüsselpunkte der Evolution.

Eingestellt am 27. September 2025

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[7] Grundlegendes, 15 Zuckerlabyrinth (SP)

Bei der Fotosynthese gilt es, zunächst den universal verwendbaren Allerweltszucker Glucose (Summenformel: C6H12O6) herzustellen.

Weil aus sechs CO2 (Summe: 6 C plus 12 O) und sechs H2O (Summe: 12 H und 6 O) aus energetischen Gründen und der Notwendigkeit reduzierende Schritte einzuführen (um Energie in Glucose zu speichern) nicht so einfach zu Glucose zusammengebaut werden können, bedarf es dazu eines komplizierten Weges. Mehrere einzelne Schritte sind deswegen dazu erforderlich.

Der durch zwei Phosphate energiegeladene Fünfer-Zucker Ribulose-bis-Phosphat bot sich gleichsam dazu an, mit CO2 beladen zu werden. Denkbar wäre des entstandenen Produktes Umbau zu Glucose, aber mit dem erheblichen Nachteil, Ribulose-bis-Phosphat müsste vollkommen neu aus CO2 und H2O synthetisiert werden. Mit dem eingeschlagenen Weg des reduktiven Pentosephosphatzyklusses wird dieses Problem elegant umgangen, denn unter Einsatz von 6 Fünferzuckern Ribulose-bis-Phosphat (30 C) und 6 CO2 (6 C) werden wieder 6 Fünferzucker Ribulose-bis-Phosphat (30 C) gewonnen und dazu ein Sechserzucker Glucose (6 C).

Erst mit diesem Zyklus kann, solange genügend ATP und NADPH2 zur Verfügung stehen, kontinuierlich Glucose als Grundlage für Energiespeicherung und als Grundbaustein für weitere Bau-, Reserve-, andere Energiespeicherstoffe und ökologisch relevante Substanzen erzeugt werden. Hiermit zeigt sich die Fotosynthese des Zuckers Glucose als wesentlich, als schlüsselartig für die Evolution.

Eingestellt am 27. September 2025

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[8] Grundlegendes, 18 Lebensdomänen (SP)

Was heute als klar abgegrenzte Domäne erscheint (Bacteria, Archaea und Eukarya), waren zu Beginn der organismischen Evolution sicher nicht so festumrissene Blöcke; wovon Bacteria womöglich eine Ausnahme sind. Archäen aber zeigen einige Merkmale (siehe Archaea 4), die jenen der Eukarya mehr ähneln als jenen der Bacteria, wobei sie jedoch auch viele Eigenheiten von Bacteria trennen (siehe Archaea 2 und 4).

Dennoch liegen gute Hinweise vor, die allerdings nur auf aus der Tiefsee isolierten Umwelt-DNA (eDNA) einiger weniger Archäen beruhen, dass Eukarya und die meisten Archaea auf gemeinsame Vorfahren zurückgehen. Vielmehr schließt die Wissenschaft heute begründet, Eukarya hätten ihren Ursprung in solchen frühen Archäen, deren genetische Konstitution komplexer war, als dies von den meisten Archäen bislang bekannt ist. Und deren Gene, so ließ sich an einer neu entdeckten Verwandtschaft zeigen, beinhalten ausschlaggebende Informationen bezüglich Membranumbau- und -transportvorgängen, so wie sie für Vesikel der Eukarya bekannt sind. Außerdem offenbart die gefundene eDNA, die in diesem Zusammenhang neu beschriebene Verwandtschaft (Lokiarchaeota) habe die bislang eukaryaähnlichsten Ribosomen aller Archäen.

Aus den neuen Befunden ließe sich, so die Autoren, schließen, die interne Komplexierung der Zelle (Membran- und Vesikelbildung und Transport entlang Actinfilamenten) wäre bereits in frühen Archäen, den Vorfahren der Eukarya, vorhanden gewesen, noch bevor die erste Endosymbiose von α-Proteobakterien, die zu Mitochondrien führten, stattgefunden habe. Diese Endosymbiose sei womöglich schon früh durch Endocytose wegen der bereits möglichen Vesikelbildung erfolgt. (Spang et al. 2015).

Das Problem des stark abweichenden Lipidmembranaufbaus der Archäen von jenem der Bacteria und Eukarya, ist aber mit den neuen Ergebnissen noch nicht gelöst.

Demnach ist hier in der internen Differenzierung und Komplexierung von Archäen, die zur eukaryotischen Zelle führten, ein Schlüsselpunkt der Evolution anzunehmen

Eingestellt am 27. September 2025

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[9] Die Anfänge, 7 Kosmische Lebensbasis (SP)

Als kosmische Lebensbasis lässt sich, was heute für extraterrestrische, möglicherweise Leben erlaubende Planeten als habitabel gilt, verstehen: Umlauf von Planeten in einer Zone, die dauerhaft vorhandenes, flüssiges Wasser erlaubt und deshalb darin Leben entstehen kann.

Für die frühe Erde bedeutet dies: eine eher kreisförmige als langegezogen elliptische Umlaufbahn, damit die Jahresextreme nicht zu groß werden; aus gleichem Grund darf die Rotationsachse nicht zu schräg zur Sonne geneigt, muss stabil, nicht stark kreiselnd sein; geeigneter Abstand der Erde von der Sonne und günstige Temperatur und Leuchtkraft der Sonne, damit permanent flüssiges Wasser möglich ist; Umlaufzeit und -geschwindigkeit tolerabler Größen; Besitz einer Atmosphäre (die zwangsläufig zunächst noch ohne Sauerstoff war, doch zumindest unter anderem H2O, SO2, NH3 und CO2 enthielt), um eintreffende UV-Strahlung zu minimieren, Voraussetzung dafür ist eine entsprechende Größe des Planeten; ausreichendes Magnetfeld um Teilchenstrahlung der Sonne abzulenken; auch unterseeischer Vulkanismus spielte eine Rolle.

Darüber hinaus war sicherlich der Erde Relief von Bedeutung; auch kleinteilige seichte, wärmere, sowie tiefere und zusammenhängende Wassermassen und ausgedehnte Landmassen, damit sich stabileres Klima entwickeln konnte; wässrige Niederschläge und Erosionen, um Gesteinsmassen in gelöste Ionen überzuführen.

All diese Faktoren zusammengenommen waren die Voraussetzung und damit entscheidend, dass Leben auf der Erde überhaupt entstehen und sich weiterentwickeln konnte. Diese Lebensbasis kommt einem Schlüsselpunkt der Evolution gleich, wurde doch damit erst der Beginn der biologischen Evolution ermöglicht. 

Eingestellt am 27. September 2025

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[10] Bacteria, 5 Mit aller Kraft voraus: Pumpen, Kanäle und Transporter in der Lipidmembran

Ihres hydrophoben Kerns wegen wäre eine reine Lipiddoppelmembran für viele von der Zelle benötigen Ionen, auch für ungeladene Moleküle, beinahe oder völlig undurchlässig. Deshalb war einer der wichtigen Anfangsschritte der Evolution, diese Doppelmembranen zumindest zeitweise und möglichst selektiv durchlässig zu gestalten. Dies galt sicherlich schon für frühe Prokarya und später in ganz besonderer Weise für Eukarya, deren Zellen durch lipiddoppelmembranumgebene Organelle und Vakuolen kompartimentiert sind. In sie hinein und aus ihnen heraus, müssen nämlich verschiedene Ionen und Moleküle transportiert werden.

Um dies zu erreichen, wurden Proteine mit ihren unterschiedlichen hydrophilen und hydrophoben Stellen ins Plasmalemma und, wo vorhanden, in den Tonoplasten eingebaut, wobei transmembrane Proteine, also Proteine, die von einer Seite der Lipiddoppelmembran bis zur anderen Seite reichen, die entscheidende Rolle einnehmen.

Treibende Kraft für den transmembranen Transport ist der elektrochemische Gradient, der zwischen Außen- und Innenseite der Membran besteht, überwiegend hervorgerufen durch die ATP-abhängige Protonenpumpe, angetrieben von der ATPase. Protonen werden damit aus dem Innenraum in den Außenraum befördert und durch die im Innenraum fehlenden, aber an der Außenseite der Lipiddoppelmembran im Überschuss angereicherten Protonen, wird der Außenraum positiv geladen. Damit wird ein elektrochemischer Gradient etabliert. Auch Pyrophosphatasen sind dazu in der Lage, die unter Wasseraufnahme Pyrophosphat in zwei Einzelphosphate spalten und dadurch weiterverwendbare Energie entstehen lassen.

Damit erweisen sich Protonenpumpen als treibende Kraft der Evolution. Ca2+-Pumpen spielen mitunter gleichfalls eine erhebliche Rolle, besonders, soll Ca2+ beschafft oder in anderen Fällen aus der Zelle hinausgeschafft werden.

Zum Import und auch zum Export werden sogenannte Kanäle benötigt, die immer nur eine Art von Ionen transportieren (Uniport), entweder einwärts- (in die Zelle: Einwärtskanäle) oder auswärtsgerichtet (Auswärtskanäle). Auch hier ist Spannungsabhängigkeit gegeben. Bei Auswärtstransport eines K+ zum Beispiel, wird allerdings zugleich im Gegenzug im gleichen Kanal ein H+ in die Zelle aufgenommen (wird als Antiport bezeichnet), was besonders beim Öffnen der pflanzlichen Schließzellen der Spaltöffnungen der Fall ist. Wenn Kanäle für Kalium als Einwärtskanäle wirken, wird durch Protonenimport die Membranspannung depolarisiert.

Auch für Anionen (NO3-, PO43-, SO42-, Cl- und Malat) lassen sich entsprechende Kanäle nachweisen, wobei der Export dieser Ionen zwangsläufig zu einer Depolarisierung der Membran führt. Eine Membranspannung muss dann durch Protonenpumpen erneut aufgebaut werden. Der Anionen Import aber hat gegen die Membranspannung oder nach Depolarisation zu erfolgen.

So, wie die bereits für den K+-Export erwähnt, müssen viele Moleküle (zum Beispiel Spurenelemente, Aminosäuren oder Zucker) gegen ihren elektrochemischen Gradienten in die Zelle transportiert werden. Dafür kann nicht nur der Antiport, sondern auch ein Symport zum Wirken kommen, wenn zwei unterschiedliche Moleküle (und davon zumindest ein Ion) gleichzeitig in eine Richtung transportiert werden, wobei für den Transport jene Energie bereitgestellt wird, die durch den passiven Transport des zweiten Moleküls entlang seines elektrochemischen Gradienten bereitgestellt wird.

Wasseraufnehmende Kanäle, ausgestattet mit Aquaporinen, sind schwerpunktmäßig für Landpflanzen von Bedeutung. Organellenspezifische Porine, deren Poren sehr weit und viel schlichter konstruiert sind, erleichtern die passive Diffusion niedermolekularer Substanzen.

Signalmoleküle, wie Hormone oder Elicitoren (von Pathogenen abgegebene Stoffe) können an der Membranaußenseite an Rezeptorproteine andocken, die dann eine Konformationsänderung auf der anderen Seite des Proteins erfahren und so eine Signalkaskade in der Zelle auslösen können.

Dieser kurze Abriss (Lüttge et al. 2010 entnommen) zeigt die Bedeutung auf, die transmembrane Proteine in den Lipiddoppelmembranen von Organismen spielen, was für den Kaliumtransport einmal eindrücklich so geschildert wurde: „So würde es ca. 1016 Jahre dauern, bis ein K+-Ion durch die reine Membran diffundiert ist … Mit Hilfe dieser Proteine schafft es das … K+-Ion, die Membran in weniger als 10-6 s zu durchqueren“.

Einige Transportmechanismen und -spezifitäten sind in Prokaryoten und Eukaryoten universell vorhanden, wie Protonenpumpen, Kaliumkanäle und Aquaporine, andere kommen organismenreichspezifisch vor, wie die Pyrophosphatase als Transportprotein bei Pflanzen. Dies sind deutliche Hinweise, dass diese Transportsysteme über die Lipiddoppelmembran hinweg nicht schon alle zu Anfang, auf Prokaryotenebene, vorhanden waren, sondern zumindest mehrere sich erst im Laufe der Zeit evolutiv entwickelt haben müssen.

Es lässt sich also schlussfolgern: Um eine Weiterentwicklung, die Evolution, einmal entstandener, mit Lipiddoppelmembran umgebener, oder dadurch im Inneren kompartimentierter Zellen zu ermöglichen, nehmen transmembrane Proteine eine Schlüsselrolle ein; können somit, wie auch die Protonenpumpen, als Schlüsselpunkt der Evolution betrachtet werden.

Eingestellt am 21. Februar 2026

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[11] Cyanobacteria, 1 Blaugrüne Differenzierung

Cyanobacteria unterscheiden sich von anderen fotosynthetisch aktiven Bacteria in ihrem Chlorophyllbestand. Während Cyanobacteria Chlorophyll a wie alle Echten Pflanzen (Plantae) besitzen, liegt bei den übrigen fotosynthetisch aktiven Bakterien Chlorophyll in einer Bakterienversion als Bakterienchlorophyll vor.

Der Vergleich der Absorptionsspektren beider Chlorophylle zeigt wesentliche Unterschiede: Bakterienchlorophyll a (der in Bakterien weitest verbreitete und für die Fotosynthese wichtigste Typ) absorbiert etwas Strahlung im blauen und hauptsächlich im nahen infraroten Lichtbereich (ca. 660-925 nm), Chlorophyll a weist jedoch zwei Absorptionsmaxima auf, ein deutliches im blauen Bereich (ca. 430 nm) und ein zweites im roten Bereich (ca. 660-680 nm). Da kürzerwelliges, damit blaues Licht in tiefere Wasserschichten als rotes vordringt, ist die Energieausbeute der Cyanobacteria grundsätzlich höher als jene der übrigen fotosynthetisch aktiven Bakterien, was sich auch in ihrem Vorkommen widerspiegelt: Bakterien mit Bakterienchlorophyll a sind oft in schattigen Bereichen verbreitet, während Cyanobacteria auf lichtintensivere Gegenden spezialisiert sind.

Vor allem durch Cyanobacteria wurde somit anfangs der für Heteroptrophe und damit der besonders für Tiere nötige Sauerstoff in der Atmosphäre angereichert.

Blaugrünen Algen (Glaucophyta) und Rotalgen (Rhodophyta), die wohl als erste Eukaryotische Organismen endosymbiontisch Blaualgen aufgenommen haben, wurde dies zum großen Vorteil, konnten sie doch mit Chlorophyll a in lichtintensiveren und auch in tieferen Lagen bedeutend mehr Energie gewinnen, um Fotosynthese vorzunehmen. Mit diesem Chlorophyll a, das offenbar über Endosymbiose mit Blaualgen übernommen wurde, arbeiten alle Plantae, die unsere Lebenswelt ausmachen; weit überwiegend aber von ihnen noch durch Chlorophyll b ergänzt wurde.

Damit erweisen sich die Entstehung der Cyanobacteria, dann als Endosymbionten, als treibende Kräfte der Evolution. Die Entwicklung der Cyanobacteria kann demnach mit Fug und Recht als Schlüsselpunkt der Evolution betrachtet werden.

Eingestellt am 21. Februar 2026

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[12] Rhizobiaceae; 3-6 Knöllchen- und Agrobakterien; Mitochondrien

Alpha-Proteobacteria gelten als häufigste und weitest verbreitete Klasse der Bakterien auf der Erde; sind in fast allen terrestrischen und aquatischen Lebensräumen zu finden und spielen darin eine entscheidende Rolle.

Als Gram-negative Bakterien sind sie möglicherweise besonders gut geeignet, oder dazu erst in der Lage, mit anderen Organismen in Kontakt zu treten, besitzen sie doch nur einen dünnen Mureinsacculus, dafür aber eine zweite Lipiddoppelmembran außen herum. Dies zeigen zum einen die Agrobakterien, die in verschiedene Pflanzen eindringen können und Tumore verursachen; zum andern Rhizobien und Bradyrhizobien (Knöllchenbakterien) mit ihren Fähigkeiten, in Wurzelzellen von Hülsenfrüchtlern (Fabaceae) einzudringen, um mit ihnen eine Symbiose, von außen als Knöllchen sichtbar, einzugehen.

Aus all diesen Gründen ist es kaum mehr verwunderlich, dass Alpha-Proteobakterien jene Bakteriensippe sind, aus deren Mitte die zweite entscheidende Endosymbiose, die Bildung von Mitochondrien, entsprang.

Obwohl der Nachweis gelang, dass Mitochondrien in dieser Bakterienverwandtschaft ihren Ursprung nahmen, bleibt es unsicher, obwohl nicht unwahrscheinlich, dass die unterschiedlichen Mitochondrien-Typen (Cristae-Mitochondrien, Tubuli-Mitochondrien und Scheiben-Mitochondrien) von unterschiedlichen Alpha-Proteobakterien herstammen.

Wie auch immer, die Existenz der Alpha-Proteobacteria ist eine Voraussetzung gewesen, dass die sogenannten Kraftwerke der Zelle als Produkt einer Endosymbiose entstanden.

Somit kann die Evolution von Alpha-Proteobacteria (und die erfolgte Endosymbiose) als ein Schlüsselpunkt der Evolution betrachtet werden.

Eingestellt am 21. Februar 2026

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