Einführung
Wie die Entstehung von organischen Molekülen, die später zu lebenden Zellen führen konnten, sich erklären lässt, wird anhand der sogenannten Millerschen Versuche überblicksartig dargelegt (1 Das Experiment). Mit der Sonde Rosetta und ihrem Landegerät Philae sollte auf dem Kometen 67P Tschurjumow-Gerassimenko (oft kurz Tschuri genannt) untersucht werden, ob dort tatsächlich organische Moleküle vorkommen, wie sie für die Erduratmosphäre vermutet, auf dem Kometen erhalten blieben, und in den Millerschen Versuchen gewonnen wurden. Dazu musste dieser Komet über eine zehn Jahre dauernde Reise von Rosetta angesteuert werden (2 Der Komet).
Ein spezielles Experiment (COSAC: COmetary SAmpling and Composition) fand tatsächlich einige wichtige Verbindungen, die als Ausgangsmoleküle für lebenstypische Verbindungen angesehen werden können (3 Vom Eise befreit); aber – methodisch bedingt – musste, um erwartete, aber nicht nachgewiesene Moleküle, für eine umfassendere Interpretation auch Ergebnisse der Sonde Cassini herangezogen werden, deren Landegerät Huygens den Saturnmond Titan besuchte. Angeregt durch diese Analysen, versuchten Chemiker nun erneut, ein reaktionschemisches Problem zu lösen, nämlich die Entstehung der bizyklischen Stickstoffheterozyklen, der Purinnukleotide, die für die Nukleotide Adenin und Guanin der DNA und RNA von Bedeutung sind. Bisher bekannte Synthesewege lieferten nur ganz geringe Ausbeuten an diesen entscheidenden Molekülen. Die neu gefundene Synthesemöglichkeit (FaPys: FormamidoPyrimidinsynthese-Weg), die, ausgehend von einfachsten Molekülen, wie sie in Erduratmosphären sicherlich vorkamen, mit hohen Ausbeuten für Adenin endete (4 Purinnukleosidproblem), zeigt auch eine hohe Entstehungswahrscheinlichkeit der Purinnukleotide in der damaligen Erduratmosphäre.
Für die natürliche Bildung komplexerer Moleküle, wie die Komponenten der RNA und DNA, werden heute oftmals die sogenannten Schwarzen Raucher in der Tiefsee in die Überlegungen miteinbezogen, die vielfältige Gase, Mineralien, Wärme und großporige Oberflächen aufweisen (5 Unterseeisch). Neuerdings werden auch Oberflächengewässer als mögliche Entstehungsorte für eine ‚RNA-Welt‘ diskutiert. So ließen sich in chemischen Versuchen Szenarien nachstellen, die unter den für damals angenommenen Bedingungen sowohl zu Purin- als auch zu Pyrimidinnukleosiden, bei Zugabe von Ribose sogar zu den -nukleotiden, führten; also mit angehängter Ribose und auch kombiniert mit Phosphat. (6 Doch wie war es damals?)
Mancher mag versucht sein, damit schon das Leben an sich zu begründen. Was jedoch noch alles dazugehört und erst nach und nach eingeführt werden musste, um permanent Leben weitergeben zu können, wird in aller Knappheit zusammengefast (7 Die Zelle lebt). Zwei der wichtigsten Vorgänge – die genetische Information der DNA in weiterverarbeitbare Information umzusetzen (Transkription), um am Ende damit Enzyme zu bilden (Tanslation) – zeigen die Komplexität und die Regelbedürftigkeit (8 Kaskaden). Gerade solche ausgeklügelten Systeme, wie sie offenbar schon zu frühester Zeit vorgelegen haben mussten, um die Evolution voranzutreiben, stimmen nachdenklich (9 Nachdenklich).
Grundbedingung für weitere Fortschritte sind geregelter Zugang, Weitergabe, Speicherung und Verbrauch von Energie und von Energiebedarf herabsetzenden Katalysatoren (Enzyme) (10 Kein Leben ohne Energie).
Für Synthesen organischer Moleküle sind permanente Zugriffsmöglichkeiten auf Energie in Form von ATP (11 Zukunftshoffnung) und auf bereits vorhandene Baustoffe, wie Glucose, entscheidend, die unter Energiegewinn, letztlich ATP, zu einfacheren Molekülen abgebaut werden können (12 Energiespender). ATP als Energieträger, NADH2 und NADPH2 als Überträger von reduzierendem Wasserstoff, (13 Der Clou) übernehmen eine bestimmende Rolle.
Schicksalhafte Herausforderungen für die ersten Bionten waren immer Nahrungs- und Energieverfügbarkeit. Nachdem Chemoautotrophe Kohlendioxid als Kohlenstoffquelle und Energie von Mineralien verwenden – Chemoheterotrophe nehmen für Energiegewinn Mineralien, für Ernährung baustoff- und energieträchtige organische Substanzen – greifen nun Fotoheterotrophe für Energiegewinn auf Licht zurück und sammeln dessen Energie mit Hilfe des Chlorophylls (13 Der Clou). Um mit Licht ATP zu gewinnen, entwickelt sich der zyklische Elektronentransport, bei dem Chlorophyll ein Elektron durch Licht herausgeschlagen und einem sogenannten Reaktiven Zentrum zugeführt wird; nachdem es über verschiedene Enzyme unter Bildung von ATP Energie abgegeben hatte, befüllt es wieder die zuerst entstandene Ladungslücke (13 Der Clou). Um ausreichend Licht für chlorophyllvermittelte ATP-Synthese zu bekommen, müssen sich die Bionten möglichst der Wasseroberfläche nähern. Damit besteht Gefahr, durch UV-Strahlung beschädigt zu werden. Dies zu verhindern und besonders das Chlorophyll vor solchem Einfluss zu schützen, dienen zusätzliche Pigmente, die das Chlorophyll von schädlicher Strahlung abschirmen, zugleich aber Teile der Lichtenergie – Licht zusätzlicher Wellenlängen – dem Chlorophyll zuführen (14 Optimierung). Solche Farbstoffe, wie Carotinoide, werden als akzessorische Pigmente bezeichnet. Im azyklischen Transport kehren die durch Licht angeregten Elektronen nach Abgabe ihrer Energie nicht wieder zu den gleichen Chlorophyllkomplexen zurück (14 Optimierung). Denn für die Photosynthese, also Synthese organischer Moleküle (Zucker) unter Einsatz von Licht, ist nicht nur Energie in Form von ATP erforderlich, sondern auch sog. Reduktionsäquivalente, die Wasserstoffatome auf organische Moleküle übertragen und damit die Substanzen reduzieren und somit energiehaltiger gestalten können. Für Zuckersynthese ist NADPH2 (eigentlich NADPH + H+, oft kurz als NADPH bezeichnet) erforderlich, das alternativ zum ATP beim zyklischen Elektronentransport gebildet werden kann (14 Optimierung). Die Optimierung des Elektronentransportes verteilt die Produktion von ATP und NADPH2 auf zwei Phasen: wie im zyklischen Transport wird zunächst ATP synthetisiert, doch wird auf einem sich unmittelbar anschließenden Weg das Elektron nochmals von Photonen angeregt, um dann seine Energie für die Bildung von NADPH2 verwenden zu können. Für den zweiten Vorgang werden andere Chlorophyllkomplexe und andere reaktive Zentren verwendet. Der Elektronentransport ist somit nicht mehr zyklisch, sondern azyklisch. Folglich fehlt dem ersten Chlorophyllkomplex ein Elektron. Die entstandene Lücke wird durch ein Elektron des wohl reichlich vorhandenen Schwefelwasserstoffs ersetzt und dabei gelber Schwefel gebildet, was auch heute noch bei vielen Bakterien der Fall ist. Der Schwefel kann aber auch von anderen Bakterien verwendet werden, um ihn bei Energieüberschuss wieder zu reduzieren. Somit ist dieser elementare Schwefel zum Energiespeicher geworden, bis er bei Bedarf energieliefernd wieder oxidiert wird (14 Optimierung).
Eine für die Evolution schicksalhafte Veränderung liegt bei der Fotosynthese im Wechsel von H2S zu H2O. Diese Alternative wurde von Blaualgen (Cyanobakterien) gewählt und als Folge wird nun nicht mehr ablagerbarer elementarer Schwefel aus Schwefelwasserstoff gebildet, sondern der sich verflüchtigende molekulare Sauerstoff (O2). Alle bisherigen Lebensvorgänge liefen in fast vollkommen sauerstofffreier Umgebung ab. Deshalb waren bis dahin alle Organismen sogenannte Anaerobier. Da aber der Sauerstoff oxidierend wirkt, besonders wenn er durch energiereiche Strahlung in Ozon (O3), und freie Radikale (O) umgebildet wird, besteht für die Organismen höchste Gefahr, dass lebenswichtige Moleküle oxidiert und damit zerstört werden. Somit wurde Sauerstoff zum gefährlichen Umweltgift, vor dem es sich zu schützen galt. Diese Umstellung ist gravierend für die weitere Evolution. Andere Organismen werden den Sauerstoff aber nutzen und ihn zum lebensnotwendigen Element umfunktionieren, ihn somit „entgiften“.
Für die Fotoautotrophie muss CO2 an Kohlenstoffe angelagert werden, um die Kette der Kohlenstoffe energiehaltig zu verlängern und um letztlich universell verwendbare Zucker zu bilden. Aus energetischen Gründen sind solche Kohlenstoffe am besten geeignet, die selbst schon mehrere, eng benachbarte –COOH-Gruppen (Acyl-Gruppen) aufweisen, oder Serien von Hydroxylgruppen nahe einer Aldehyd- oder Ketogruppe besitzen. Dafür bietet sich eine ganze Palette von Substanzen an (15 Zuckerlabyrinth). Ursprünglich wurden wohl, und werden auch heute noch, von den meisten Bakterien, Malonylsäure, Oxalessigsäure und verschiedene andere Moleküle mit Acyl-Gruppen verwendet. Als besonders erfolgreich CO2 aufnehmend, hat sich in der Evolution offenbar ein Zucker mit fünf C-Atomen, die Ribulose herausgestellt, um neue Zucker zu bilden (15 Zuckerlabyrinth). Dafür war ein äußerst komplexer Vorgang nötig, um aus sechs Ribulose-Molekülen (5-C-Zucker) zusammen mit sechs CO2 die ursprünglich eingesetzten sechs 5-C-Zucker zu regenerieren und zusätzlich ein Molekül Zucker aus sechs Kohlenstoffatomen zu produzieren, letztlich die Glucose (15 Zuckerlabyrinth).
Zucker sind zwar wichtige Energieträger, doch Fette sind ihnen im Energiegehalt, zumindest, wenn dies auf die Anzahl der vorhandenen, gebundenen Kohlenstoffatome bezogen wird, weitaus überlegen. Zunächst aber müssen Fettmoleküle in Glycerin und Fettsäuren zerlegt werden. Diese werden dann Schritt für Schritt im Kohlenstoff-Zweierpack energiebringend abgebaut (16 Energiereserven).
Dichte Lagerungen ursprünglicher Zellen, in Stromatolithen manifestiert, zeugen heute noch von einer ersten, im Verlaufe der Evolution entstandenen Vielfalt (17 Vielfaltswiege). Auf dieser Entwicklungsstufe ist ein zweiter Schlüsselpunkt erreicht (18 Lebensdomänen), mit drei grundsätzlich verschiedenen Wegen der Evolution. Die prokaryotischen Lebewesen, die noch keinen echten Zellkern und recht einfache, meist ringförmig gestaltete Chromosomen besitzen, beschreiten mit Bakterien und Archäen ihre eigenen Wege, geben auch einem dritten besonders zukunftsweisenden Weg, den Eukarya, Ursprung.
Eingestellt am 2.Februar 2024
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1 Das Experiment
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Lange, bis tief in die Nacht sitzt Stanley[1] am Schreibtisch,
Durchblättert Vorlesungsmitschriften, wälzt einige Bücher,
Bemüht, des Dozenten Gedanken zu folgen,
Grübelt über den Anfang des Lebens auf dem Planet.
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Woher kam das Leben,
Das fast nur aus Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff[2] und Stickstoff[3] besteht?
Wie war die Luft der Erde damals beschaffen
Als jeder der Zehntausend Vulkane Gase in Kilometerhöhen noch schoss?
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Wasserdampf waberte sicher genug
Zusammen mit Wasserstoff, Ammoniak[4], Methan[5].
Sauerstoff freilich fehlte zu diesen Zeiten,
Denn fotosynthetisch[6] aktive Pflanzen gab es noch nicht.
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– Ladungsantagonismen[7] uratmosphärischer Wolken
Entluden die Kräfte mit Blitzen gewiss. –
– Energie vereint doch inerte Substanzen
Zu Molekülen komplexer Struktur! –
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Ein Kugelglas[8] für Gas und Entladung,
Beschickt mit Wasserdampf im warm gehaltenen Kolben,
Mit Rückflusskühler[9] zum Kreislauf verbunden,
Zeigt wohl am besten die lang schon verflossene Zeit.
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– Morgen, beim Praktikum, frage ich Urey[10],
Unsern Dozenten, nach solch einem Gerät.
Vielleicht analysiert er, ob und welche Substanzen
Im Kolben nach dem Versuch finden sich dort. –
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Nach einigem Zögern entscheidet sich Harold dann doch für diese Idee. –
Bauen nach Stanleys Entwürfen die Apparatur,
Befüllen den Kolben mit Wasser,
Ihr Gefäß mit Gasen vermuteter damaliger Mischung und Konzentration. –
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Unaufhörlich blitzen elektrische Funken im Glas!
Tagelang läuft der Versuch
Bis Wasser im Kolben leicht sich verfärbt
Und Hoffnung auf synthetisierte Substanzen besteht.
Spannungsgeladen erwarten Stanley und Harold dieses Versuches Resultat.
Nach Wochen erst aber stand außer Zweifel dann fest:
Organische, auch aus dem Leben bekannte Moleküle,
Formten sich in unvermuteter Diversität.
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Aminosäuren[11] in größerer Zahl,
Andere Säuren[12] verschied‘ner Gestalt,
Purine[13] und Pyrimidine[14],
Auch Zucker[15] waren dabei. –
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Genauere Kenntnis über der Erde Uratmosphäre
Brachten Experimente mit weiteren Gasen,
Veränderter Konzentration:
Kohlendioxid[16], Stickstoff und Schwefelwasserstoff[17] kamen hinzu. –
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Schwefelhaltige Aminosäuren entstanden,
Vitamin B6[18], B5[19] und Nicotinamid[20],
Zudem Ribose[21],
Grundmolekül der RNA[22].
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Auch ohne Funkenentladung,
Nach ruhigem Stehen nur,
Formten sich Biomoleküle im Glas.
Was könnten nicht Katalysatoren[23] noch alles bewirken? –
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Und bist du Student,
Wie Stanley Miller damals es war,
Gleich welchen Fachs,
So denk immer daran,
Dass es weder solche Versuche gäbe,
Auch keine Gedanken darum,
– Noch dich –
Ohne den alles entscheidenden Knall!SL
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Fußnoten
[1] Stanley (Stanley Lord Miller): Amerikanischer Biochemiker; 1930 – 2007
[2] Sauerstoff (molekular, O2): Zwei Sauerstoffatome über Doppelbindung verknüpft [O=O].
[3] Stickstoff [N2]: Zwei Stickstoffatome mit Dreifachbindung verknüpft (N≡N)
[4] Ammoniak [NH3]: Stickstoffatom mit drei Wasserstoffatomen in flach trigonal-pyramidaler Form angeordnet
[5] Methan: [CH4]; Kohlenstoffatom mit vier Wasserstoffatomen in Tetraederform, mit Wasserstoff im Zentrum
[6] Fotosynthetisch (Fotosynthese): Umwandlung von Lichtenergie in Energie organischer Moleküle. Dabei wird letztlich CO2 über komplexe Vorgänge zu energiereicher Glucose aufgebaut. Mit Hilfe von Chlorophyll (Licht!), erzeugtem ATP (zyklischer Elektronentransport) und NADPH2 (azyklischer Elektronentransport) werden von Zellen Zucker synthetisiert
[7] Ladungsantagonismen: Gemeint sind entgegengesetzt geladene Bereiche in Wolken, wie sie in Gewittern vor Blitzentladungen vorkommen
[8] Kugelglas (Kugelkolben): Ein kugelförmiges Reaktionsgefäß, wie es für Destillationszwecke im Chemielabor verwendet wird
[9] Rückflusskühler: Ein zylindrisches Glasgefäß, in dem im Innern eine Hohlspirale verläuft. In den Außenraum wird die verdampfende Flüssigkeit geleitet, die mit dem in der Hohlspirale gegenläufigen Wasserstrom gekühlt wird, dadurch kondensiert und wieder in das Verdampfungsgefäß rückgeführt wird oder separat abgefangen werden kann
[10] Urey (Harold Clayton Urey): Amerikanischer Chemiker; 1893-1981
[11] Aminosäuren: Organische Säuren mit einer Amino-[–NH2] Seitengruppe. Biologisch bedeutend sind hauptsächlich jene Aminosäuren, die an dem der Säuregruppe benachbarten Kohlenstoffatom diese Gruppe besitzen
[12] Säuren: Gemeint sind hier organische Säuren mit der Gruppe [–COOH]. Die Säurewirkung beruht auf der Dissoziation (Ablösen) des Protons [H+] von der [–OH]-Gruppe, wofür häufig die Schreibweise [–COO– + H+] verwendet wird.
[13] Purine: Doppelringförmige organische Moleküle aus Stickstoffheterozyklen, die zusammengesetzt einen sechsgliedrigen und einen fünfgliedrigen Stickstoffheterozyklus mit je zwei Stickstoffatomen ergeben und mit Einfach- und Doppelbindungen verknüpft sind
[14] Pyrimidine: Ringförmige organische Moleküle aus vier Kohlenstoff- und zwei Stickstoffatomen (= Stickstoffheterozyklus), die mit Einfach- und Doppelbindungen (= aromatisch) verknüpft sind
[15] Zucker: Kohlenstoffverbindungen mit einem doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] und einer oder mehreren [–OH]-Gruppen; Summenformel meist [Cn(H2O)n]
[16] Kohlendioxid, CO2: gestrecktes Molekül [O=C=O]
[17] Schwefelwasserstoff, H2S: [H-S-H], ein geknicktes Molekül mit mittigem Schwefel
[18] Vitamin B6: Pyridoxin
[19] Vitamin B5: Pantothensäure
[20] Nicotinamid: Stickstoffheterozyklus aus fünf C- und einem N-Atom; ein C-Atom trägt eine Carboxylgruppe [–COOH] deren Hydoxylgruppe [–OH] durch eine Aminogruppe [–NH2] ersetzt ist [–CONH2]
[21] Ribose [CH2OH(CHOH)3CHO]: Ein Zucker mit fünf Kohlenstoffatomen; ein terminales Ende ist mit zwei [H]-Atomen und einer [–OH]-Gruppe versehen, das andere mit einer Aldehydgruppe [–CHO]; kann in offener (kettenförmiger) oder geschlossener (ringförmiger) Konformation vorliegen
[22] RNA (=RNS): Ribonucleinic acid, Ribonucleinsäure; Transporteur der Erbinformation in verschiedenen Ausführungen; mRNA, messenger-RNA, übersetzt den genetischen Code der DNA in für tRNAs ablesbare Matrizen; tRNAs übersetzen die Informationen der mRNA in die verschiedenen Aminosäuren; rRNA, ribosomale RNA, verknäuelt sich unter Beteiligung von Proteinen zum Ablesegerät der tRNAs, um Aminosäuren zu Proteinen zu verknüpfen
[23] Katalysator: Substanz, die einer Reaktion Aktivierungsenergie herabsetzt. Enzyme bewirken beispielsweise, dass eine Reaktion schon bei umweltgegebenen oder bei Körpertemperaturen ablaufen
SL Miller SL (1953) A production of amino acids under possible primitive earth conditions. Science 117: 528-529. – Miller SL (1955) Production of some organic compounds under possible primitive earth condtions. J Am Chem Soc 77(9): 2351-2361. – Parker TE, Cleaves HJ, Callahan MP, Dworkin JP, Glavin DP, Lazcano A, Bada JL (2011) Prebiotic synthesis of methionine and other sulfur-containing organic compounds on the primitive earth: a contemporary reassessment based on an unpublished 1958 Stanley Miller experiment. Orig Life Evol Biosph 41: 201-212. – Parker ET, Cleaves HJ, Dworkin JP, Glavin DP, Callahan M, Aubrey A, Lazcano A, Bada JL (2011) Primordial synthesis of amines and amino acids in a 1958 Miller H2S-rich spark discharge experiment. Proc Nat Acad Sci 108(14): 5526-5531.
Eingestellt am 2.Februar 2024
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Urmoleküle (Kreidezeichnung, Reinhard Agerer)
Im Zuge des ersten Millerschen Versuchs entstandene organische Moleküle. Von links oben nach rechts unten: Erste Reihe: [H3C–C(CH3)(NH2)–COOH]; [H2N–CH2–CH2–COOH]; [HOOC–CH2–CH2–COOH]; [H3C–CH(OH)–COOH] (Milchsäure). - Zweite Reihe: [H3C–CH(NH–CH3)–COOH]; [H3C–CH2–CH(OH)–COOH]; [HOOC–CH2–NH–CH2–CH2–COOH]; [H3C–CH2–CH(NH2)–COOH]. - Dritte Reihe: [H2N–CH2–COOH]; [H–COOH (Ameisensäure); [HOOC–CH2–CH(NH2)–COOH] (Asparaginsäure); [H3C–NH–CH2–COOH]; [H3C–CH(NH2)–COOH] (Alanin). - Vierte Reihe: [HOOC–CH2–CH2–CH(NH2)–COOH] (Glutaminsäure); [H3C–COOH] (Essigsäure); [H2N–CO–NH–CH3]. - Fünfte Reihe: [H3C–CH2–COOH] (Propionsäure); [H2N–CO–NH2] (Harnstoff); [HOOC–CH2–NH–CH2–COOH]; [HO–CH2–COOH] (Glycolsäure). – Kohlenstoff: schwarz. – Sauerstoff: rot. – Stickstoff: blau. – Wasserstoff violett. Bindungen: dunkelgrün; Einfachbindungen: feiner Strich; Doppelbindungen: breiter Strich. – [Nach Wikipedia; Sadava D, Hillis DM, Heller HC, Berenbaum MR (2011) Purves Biologie, Seiten 88f].
Im peripheren Bildbereich sind die vorgegebenen Moleküle [H2, CH4, H2O, NH3] dargestellt inmitten des gelb gehaltenen experimentellen Energieschauers (Lichtblitze); im Zentrum die geformten Moleküle.
Ringschlüsse (Kreidezeichnung,Reinhard Agerer)
Die Modifizierung der Gasatmosphäre in den Millerschen Versuchen erbrachte weitere organische Moleküle. Im Uhrzeigrsinn von oben links: Nicotinamid; Homocystein; Pyridoxin (Vitamin B6); Threonin; Methionin; Valin; Serin; Pantothensäure (Vitamin B5). – Kohlenstoff: schwarz. – Sauerstoff: rot. – Schwefel: gelb. – Stickstoff: blau. – Wasserstoff violett. Bindungen: dunkelgrün; Einfachbindungen: feiner Strich; Doppelbindungen: breiter Strich; Dreifach-bindungen: sehr breiter Strich. – [Nach Wikipedia; Sadava D, Hillis DM, Heller HC, Berenbaum MR (2011) Purves Biologie, Seiten 88f].
Im peripheren oberen Bildbereich sind die vorgegebenen Moleküle [H2, CH4, H2O, N2, H2S, CO2, NH3] dargestellt inmitten des gelb gehaltenen experimentellen Energieschauers (Lichtblitze), im unteren Teil gelöst in Wasser; im Zentrum die geformten Moleküle.
Eingestellt am 2.Februar 2024
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2 Der Komet
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Zehn lange, reich an Umwegen versehene Jahre
Reiste Rosetta[1], sich von der Erde entfernend,
In weitem Kreise zu ihr wieder kommend,
Am Mars dann vorüber und wieder zurück,
Beschleunigt, dem Asteroiden[2] sich nähernd,
Nochmals zur Erde hin, letzten Schwung sich zu holen,
Endgültig Abschied zu nehmen,
Dem vierhundertundfünfzig Millionen Kilometer
Entfernten Kometen[5] entgegen.
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Allein reiste sie nicht!
Trug Philae[6] auf ihrem Rücken:
Kundschafter sollte sie sein
Auf dem staubig-eisigen Brocken. –
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Rosetta schickte sie los,
Zu landen auf flachem Terrain,
Sich zu verschrauben in schmutzigem Eis,
Mit der gezückten Harpune[7] sich zu verkrallen.
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Niedergekommen an bevorzugter Stelle
Versagten alle ausgeklügelten Anker!
Zu leicht für des Kometen Gravitation,
Prallte sie tausend Meter zurück in das All,
Sank, langsamer nun, wieder herab,
Hüpfte noch einmal turmhoch empor,
Hielt sich, auf zwei der drei Beine nur stehend,
An einen Felsen gelehnt, endgültig still. –
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Wichtige Meldungen aber für des Lebens mögliches Werden
Sandte sie auf dreißigminütigem Weg
An der Astronomen Station[8]:
Organomoleküle beherbergt, konserviert der Komet!
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Fußnoten
[1] Rosetta: Raumsonde der ESA (European Space Agency), die mit Philae bepackt, über mehrere Swingbys an Erde und Mars, um sich Geschwindigkeit zu holen, auch an den Asteroiden Šteins und Lutetia vorbeiflog, um letztlich um den Kometen Tschurjumow-Gerassimenko in eine Umlaufbahn zu schwenken, den Kometen zu fotographieren, damit die geeignete Landeposition ermittelt werden konnte. Rosetta nahm auch die Funksignale von Philae entgegen, um sie zur Erde zu senden. Am 2. März 2004 erfolgte der Start, am 10. Oktober 2014 ging sie auf Umlaufbahn um den Kometen
[2] Asteroid: gemeint ist (2867)Šteins
[3] Lutetia: gemeint ist Astereoid (21)Lutetia
[4] Möchtegernstern (Asteroid = Planetoid = Kleinplanet): Eigentlich „Möchtegernplanet“; kleine Himmelskörper, die hauptsächlich zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter die Sonne umkreisen; die meisten Asteroiden, liegen im Größenbereich von 40-80 km Durchmesser: Steins (ca. 6,5 x 4,5 km) und Lutetia (ca. 120 x 75 km)
[5] Der Komet: 67P/Tschurjumow-Gerassimenko; Durchmesser knapp 4 km
[6] Philae: Landegerät von Rosetta
[7] Harpune (Anker) von Philae: Das Landegestell auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko hatte drei Beine mit je einem Fußpaar und je eine Eisschraube (Anker); zentral zwei Harpunen, die zum ersten Halt in den Untergrund geschossen hätten werden sollen
[8] Astronomen Station: Kontrollzentrum der ESA-Mission in Darmstadt
Eingestellt am 2.Februar 2024
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Swingby (Kreidezeichnung, Reinhard Agerer)
Philae auf Sendung (Kreidezeichnung, Reinhard Agerer)
Eingestellt am 2.Februar 2024
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3 Vom Eise befreit
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Aus vier Elementen gebaut, H, C, N und O
Erschnüffelte COSACs[1] Experiment
In Formen, wie sie auf Erden wir kennen,
Doch keine Verbindung mit Schwefel deckte es auf.
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Der kluge Chemiker findet, ohne zu zögern,
Wege und Ausgangsprodukte
Für Synthese jedes früh schon im Sonnensystem geformte,
Über Jahrmilliarden bewahrte Organomolekül.
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Wurden von COSAC gefunden.
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Ammoniak[11] als Träger des Stickstoffs,
Ein unverzichtbarer Teil der Urmoleküle Synthese,
Enthüllten Philaes[12] Geräte nicht.
Bei Titan, des Saturnmonds Hülle durchfliegend,
NH3[15] als den Chemikern fehlendes, urzeitliches Gas.
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Wohl methodenbedingt, blieben COSAC Aminosäuren[16],
Auch freie andere Säuren[17] verborgen.
Amide[18], der Säuren Verschmelzungsprodukt,
Weisen dagegen auf ihre Anwesenheit hin.
In Tschuris[19] Staubatmosphäre jedoch
Fanden Forscher nicht wenig Glycin[20].
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Durch Philaes Analysen ermutigt,
Widmen Uratmosphärenchemiker heute sich
Neu der Entstehung des Lebens,
Forschen nach einfachen Wegen für der Moleküle Existenz.SL
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Fußnoten
[1] COSAC: Cometary SAmpling and Composition experiment; Philae entnahm damit dem Kometen 67P Tschurjumow-Gerassimenko Bodenproben, erfasste flüchtige Komponenten und analysierte sie
[2] Alkohole: Verbindungen, die eine oder mehrere (-O-H) besitzen. Die Hydroxylgruppe muss an ein C-Atom mit 4 Einfachbindungen binden (nach www.chemie.de)
[3] Amin: Derivat (= Abkömmling) des Ammoniaks [NH3], wobei ein, zwei oder drei Wasserstoffatome durch eine Kohlenstoffverbindung ersetzt sind, z. B [H3C-NH2]
[4] Nitrile: Kohlenstoff-Stickstoffverbindungen, mit dreifacher Bindung zwischen [C] und [N], z. B. [H3–C≡N]
[5] Cabonyle: Kohlenstoff-Sauerstoff-Wasserstoff-Verbindungen, die zumindest an einer Stelle eine Carbonylgruppe [–C=O] tragen
[6] Amide (gemeint sind Säureamide): Abkömmlinge des Ammoniaks, bei denen ein, zwei oder drei Wasserstoffatome durch Acetyl-Reste (Säurereste) ersetzt sind, z. B. [H2N–COOH]
[7] Isocyanate: Verbindungen der Struktur [–HC–N=C=O].
[8] Kohlenmonoxid, CO: [-C≡N+]
[9] Wasser (chemisch), H2O: [H-O-H], ein geknicktes Molekül
[10] Methan: [CH4]; Kohlenstoffatom mit vier Wasserstoffatomen in Tetraederform, mit Wasserstoff im Zentrum
[11] Ammoniak [NH3]: Stickstoffatom mit drei Wasserstoffatomen in flach trigonal-pyramidaler Form angeordnet
[12] Philae: Landegerät von Rosetta
[13] Huygens: Landegerät, transportiert von Cassini, um den Saturn-Mond Titan mit Hilfe seines Chromatographen-Massenspektrometers zu untersuchen
[14] Cassini: Raumsonde der NASA als Orbiter um den Planeten Saturn
[15] NH3: Ammoniak
[16] Aminosäuren: Organische Säuren mit einer Amino-[–NH2] Seitengruppe. Biologisch bedeutend sind hauptsächlich jene Aminosäuren, die an dem der Säuregruppe benachbarten Kohlenstoffatom diese Gruppe besitzen
[17] Säuren: Gemeint sind hier organische Säuren mit der Gruppe [–COOH]. Die Säurewirkung beruht auf der Dissoziation (Ablösen) des Protons [H+] von der [–OH]-Gruppe, wofür häufig die Schreibweise [–COO– + H+] verwendet wird.
[18] Amide (gemeint sind Säureamide): Abkömmlinge des Ammoniaks, bei denen ein, zwei oder drei Wasserstoffatome durch Acetyl-Reste (Säurereste) ersetzt sind, z. B. [H2N–COOH]
[19] Komet 67P/Tschurjumow-Gerassimenko
[20] Glycin: Aminosäure
SL Dambeck T (2017) Schlussakkord für Rosetta. Bild der Wissenschaft, Heft 5 - Goesmann F, Rosenbauer H, Bredehöft JH, Cabane M, Ehrenfreund P, Gautier T, Giri C, Krüger H, Le Roy L, MacDermott AJ, McKenna-Lawlor S, Meierhenrich UJ, Muñoz Caro GM, Raulin F, Roll R, Steele A, Steininger H, Sternberg R, Szopa C, Thiemann W, Ulamec S (2015) Organic compounds on comet 67P/Churyumov-Gerasimenko revealed by COSAC mass spectrometry. Science 349: aab0689-1 - aab0689-3
Eingestellt am 2.Februar 2024
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Geburt der Pyrimidine (Kreidezeichnung, Reinhard Agerer)
Aus Daten, die Philaes Experiment COSAC an die Erde funkte, mit Ergebnissen verknüpft, die das Landegerät Huygens auf dem Saturn-Mond Titan ermittelte, ließen sich extraterrestrische Substanzen als Urmoleküle identifizieren, die dazu dienten, Entstehung präbiotischer Moleküle zu verstehen. In den vier Ecken des Bildes sind diese Urmoleküle dargestellt: [H2O, NH3, CO2, H2S, NH4+CN-, und HCN]. In der rechten Kolumne finden sich von oben nach unten die Bildungsmöglichkeiten etwas komplexerer Moleküle: Formol und Wasser (rechts oben) mit Aminomalononitril (darunter) ergeben zusammen Aminocyanoacetamid (links); [H2S] (rechts oben) und Cyanamid (rechts unten) bilden zusammen Thioharnstoff (links); 3 Mal [HCN] (rechts) bilden Aminomalononitiril (links). In der mittleren Reihe ganz oben kombinieren sich [H2O] mit [CO2] zu Formol; ganz unten [NH4+CN-] mit [NH3] zu Guanidin. Die linke Reihe zeigt von oben nach unten Moleküle, die in der rechten Reihe bzw. in der mittleren Reihe ganz oben und ganz dargestellt sind, und die, entsprechend kombiniert, die drei zentralen Ringmoleküle aufbauen können: Malononitril (links) und Thioharnstoff (rechts) werden zu Triaminopyrimidin; Aminomalononitril (links) und Guanidin (rechts) werden zu Tetraaminopyrimidin; Aminocyanoacetamid (links) und Guanidin (rechts) liefern Triaminopyrimidon. Triaminopyrimidin (im Zentrum des Bildes) zeigt die nötigen Aminogruppen, die geeignet sind, über den FaPy-Weg Adenosin in hohen Ausbeuten entstehen zu lassen. – Kohlenstoff: schwarz. – Sauerstoff: rot. – Schwefel: gelb. – Stickstoff: blau. – Wasserstoff: violett. Bindungen: dunkelgrün; Einfachbindungen: feiner Strich; Doppelbindungen: breiter Strich; Dreifachbindungen: sehr breiter Strich. Das Plus-Zeichen am [NH4+] und das Minus-Zeichen am [–CN-] zeigen Ladungen dieser Moleküle an, die sich intern ausgleichen. – [Nach Becker et al. (2016); nach Goesman et al. (2015)]
Eingestellt am 2.Februar 2024
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4 Purinnukleosidproblem
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Bauen der Nucleoside[5] Struktur.
Stickstoff des Heterozyklus an Ribozucker[8] geknüpft,
Um damit eng im Verbund, ohne Lücken, doch ohne zu stören,
Nachbarmolekülen sich anzudienen.
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Der Pyrimidin-Nucleoside[9] Synthese
Gelingt unkompliziert recht gut im Labor
Mit überzeugend hohen Ausbeuteraten
Und mit Ribose[10] am richtigen Ort.
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Wegen der einfachen, nicht doppelt heterozyklischen, Ringsysteme
Gelten Pyrimidin-Nucleoside, wohl auch wegen vermuteter hoher Konzentration
In der Erde Uratmosphäre, als
Damals ausreichend vorhandene Grundlagen entstehenden Lebens.
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Purin-Nucleoside aber, diese präbiotischen, mit
Zwei Stickstoff-Heterozyklen verseh‘nen Moleküle,
Bestimmt in der Ursuppe weit weniger häufig,
Brachten Uratmosphärenchemikern Kopfzerbrechen für lange Zeit.
.
Bis, auch reaktionsmechanistisch perfekt,
Chemiker den Formamidopyrimidin-Weg gefunden, der,
Mit Einfachmolekülen beginnend, über Pyrimidin,
Ribose zuerst dem entscheidenden Stickstoff verband,
Am Ende den Fünferring-Heterozyklus zum Adenosin[11],
Mit zwanzigprozentiger Ausbeute schloss:
.
Wohl allgegenwärtig zu unserer Erde Uranfangszeit,
Selbstzufrieden, sich selber genügend,
Treibt mit sich selbst ein mehrfaches Spiel:
Werden seitlich mit Sauerstoff zu Aminocyanoacetamidín[17] kombiniert.
.
Zum Ringelreihen mit ihren Armen verbunden, wollen sie voneinander nicht lassen,
Lassen benachbart zwei nach außen stehende Ammoniumgruppen[20]
Andern Molekülen zum Andocken frei.
.
Nimmt gerne das Angebot wahr,
Formyliert, wählerisch wie es ist,
Das vom Ringstickstoff weitest entfernte –NH2,
Wartet so als Aldehyd[23],
Was in Bälde mit ihm noch geschieht.
.
Fotoreduktorisch[26] zusammengeführt,
Greift sich, was bleibt ihr schon anderes über,
Das nicht formylierte, noch partnerlos liegende –NH2.
.
Formyl und lineare Ribose, einander Freund,
Helfen dem Stickstoff zum Fünferring sich schließen,
Geben Wasser dabei von sich.
Zum Ring Ribose sich freiwillig wandelnd,
Finiert nun Adenosin,
Falls des Sechserrings Seitenfunktionen
Diesem Nucleosid tatsächlich entsprechen,
Zur frühen Umwelt Schlüsselsubstanz.
.
– Wer Ribose wohl erbrütet, wer es geformt?
Formol addierte, mit HCNs Hilfe und Lichtreduktion,
An Glycolaldehyd neu CO2,
Das so, Formol sich vermählend, ein Glycerinaldehyd dann gebar;
Beide, im Licht sich begegnend,
Schlossen, ihr Singelleben quittierend, zur Ribose den Bund. –
.
Fußnoten
[1] ATP: Adenosin-tri-phosphat; bestehend aus Ribose und Adenin; Ribose trägt an seiner nicht in den Zuckerring einbezogenen Kohlenstoffgruppe drei hintereinander liegende Phosphatgruppen. Diese lineare Anordnung der Phosphate hat zur Folge, dass das dritte, äußerste Phosphat, mit seiner ihm dadurch innewohnenden Energie, diese leicht unter Abspaltung auf andere Moleküle übertragen kann
[2] GTP, Guanosíntríphosphát: bestehend aus Ribose und Guanin; Ribose trägt an seiner nicht in den Zuckerring einbezogenen Kohlenstoffgruppe drei hintereinander liegende Phosphatgruppen
[3] DNA (=DNS): Desoxyribonucleinic Acid, Desoxyribonukleinsäure; Baustein der Erb-information
[4] RNA (=RNS): Ribonucleinic acid, Ribonucleinsäure; Transporteur der Erbinformation in verschiedenen Ausführungen; mRNA, messenger-RNA, übersetzt den genetischen Code der DNA in für tRNAs ablesbare Matrizen; tRNAs übersetzen die Informationen der mRNA in die verschiedenen Aminosäuren; rRNA, ribosomale RNA, verknäuelt sich unter Beteiligung von Proteinen zum Ablesegerät der tRNAs, um Aminosäuren zu Proteinen zu verknüpfen
[5] Nucleoside: Aus Nucleinsäurebasen (z. B. Adenin) und Zucker (z.B. Ribose) zusammengesetzte Bausteine (z. B. Ribose-Adenin)
[6] Purine: Doppelringförmige organische Moleküle aus Stickstoffheterozyklen, die zusammengesetzt einen sechsgliedrigen und einen fünfgliedrigen Stickstoffheterozyklus mit je zwei Stickstoffatomen ergeben und mit Einfach- und Doppelbindungen verknüpft sind
[7] Pyrimidine: Ringförmige organische Moleküle aus vier Kohlenstoff- und zwei Stickstoffatomen (= Stickstoffheterozyklus), die mit Einfach- und Doppelbindungen (= aromatisch) verknüpft sind
[8] Ribozucker: Ribose
[9] Pyrimidin-Nucleoside: Cytosin und Thymin; Nucleobasen mit je einem aromatischen Sechserring, an denen bereits eine Ribose oder Desoxyribose hängt, jedoch noch keine Phosphate, wie dies für Pyrimidin-Nucleotide gilt
[10] Ribose [CH2OH(CHOH)3CHO]: Ein Zucker mit fünf Kohlenstoffatomen; ein terminales Ende ist mit zwei [H]-Atomen und einer [–OH]-Gruppe versehen, das andere mit einer Aldehydgruppe [–CHO]; kann in offener (kettenförmiger) oder geschlossener (ringförmiger) Konformation vorliegen
[11] Ádenosín: Ein Purínnucleosid mit aromatischen Sechserring, an dem eine Ribose hängt
[12] Ammóniumcyaníd: [H3N–C≡N], eigentlich: [NH4+ + C≡N-]
[13] Ammoniak [NH3]: Stickstoffatom mit drei Wasserstoffatomen in flach trigonal-pyramidaler Form angeordnet
[14] Blausäure, HCN: [H–C≡N]
[15] Amínomalónonitríl: [N≡C–CH(NH2)–C≡N]
[16] Guanidín: [H2N–C(=NH)–NH2]:
[17] Amínocyánoacétamidín: H2NC(C=ONH2)C≡N
[18] Aromatisch (Molekülbau): Ringförmige Moleküle mit abwechselnden einfachen- und Doppelbindungen
[19] Stickstoffheterozyklus: Ringförmiges Molekül aus Kohlenstoff mit zumindest einem eingeschlossenen N
[20] Ammoniumgruppe: –NH2
[21] Formól: [H2C=O]
[22] Kohlendioxid, CO2: gestrecktes Molekül [O=C=O]
[23] Aldehyd: Molekül mit Aldehydgruppe: [–CHO]
[24] Glycerínaldehýd: [CH2OHCHOHCHO]
[25] Glycólaldehýd: [CH2OHCHO]
[26] Fotoreduktorisch, Lichtreduktion (= Fotoreduktion): Reduktion einer Substanz durch Zufuhr von Lichtenergie
Eingestellt am 2.Februar 2024
Vermählung (Kreidezeichnung, Reinhard Agerer)
Zwei Wege treffen sich hier, die letztlich in Adenosin resultieren: ein „roter Weg“ (sauerstoffreich, fehlender Stickstoff) und ein „blauer Weg“ (stickstoffreich, fehlender Sauersoff). Im blauen Weg wird Triaminopyrimidin (s. Bild B4a) mit Formol kombiniert, um eine Aminogruppe mit einer Aldehydgruppe [–CHO] zu versehen; diese Position ist wichtig, um zu einer zum Ring geschlossenen Ribose und zu einem Fünfer-Stickstoff-Heterozyklus zu gelangen. Der rote Weg, ausgehend von [CO2] und [H2O] liefert zunächst Glycolaldehyd, der, mit Formol kombiniert, zu Glycerinaldhyd wird; beide Aldehyde zusammen (Glycolaldehyd, Glycerinaldhyd) schließen sich zur gestreckten Ribose zusammen, die sich anschließend an die benachbarte Aminogruppe (benachbart zu jener, die bereits die [–CHO]-Gruppe trägt) anlagert; damit treffen sich der „blaue“ und der „rote Weg“. Die Aldedhydgruppe kombiniert sich mit der benachbarten, ribosetragenden Aminogruppe und schließt sich zum Fünfer-Stickstoff-Heterozyklus, gleichzeitig kommen sich die Sauerstoffatome der [–CHO]-Gruppe und die nahestehend [–OH]-Gruppe der Ribose so nahe, dass sie sich ohne größeren Aufwand zum Ribosering schließen können. Damit ist über den neu entdeckten FaPy-Weg Adensoin entstanden. Dieser Weg ist energetisch sehr günstig, so dass Adenosin in recht hoher Ausbeute (20%) gebildet werden kann. – Kohlenstoff: schwarz. – Sauerstoff: rot. – Schwefel: gelb. – Stickstoff: blau. – Wasserstoff: violett. Bindungen: dunkelgrün; Einfachbindungen: feiner Strich; Doppelbindungen: breiter Strich; Dreifachbindungen: sehr breiter Strich. – [Nach Becker et al. 2016]
Eingestellt am 2.Februar 2024
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5 Unterseeisch (HP)
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Schwarzer Rauch steigt aus den Schlunden tief versenkt am Meeresgrund.
Kochen brodelnd in der Tiefe:
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Wasser, HCN[10] und auch Methan verknüpfen sich zum Sechserring.
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Ribozucker[17] bilden Ketten,
Das Phosphat[18] fest zwischen sich.
Schlagen sich in dunklen Felsenporen nieder,
Eng beisammen, unzertrennbar fest verbunden.
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Adenin sowie Thymin, Guanin und Cytosin,
Dazu auch noch Uracil[19], verbinden sich in unbestimmter Folge.
Ein paar der Schritte noch und das Erste ist geschafft:
Ribonucleine, uns als RNA[20] bekannt!
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Bauplanpausen sind sie – Katalysatoren[21] nun zugleich.
Gestalten durch Zusammenfalten und Verknäueln
Grundverschiedene Gefüge, heften sich an andere Substanzen,
Werden selektiert in der evolutionären Bahn.
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Lipide[22] noch entstehen mit konträren Seiten:
Eine zeigt sich hydrophil[23] – die zweite jedoch wasserscheu.
Ummanteln gasdurchperlt in wässriger Umgebung einen winzigkleinen Tropfen
Und – wenn es ihnen glückt – auch manches Knäuel RNA.
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Kurze Eiweißketten[24] werden noch geformt
In der Näh’ der schwarzen Raucher[25].
Manche Ribonucleine tauschen Uracil und Ribozucker
Für Thymín und reduzierten Ribozucker ein:
Helical und doppelsträngig[26]
Werden sie zur DNA[27].
Fest verdrillt schützt sie den Code[28],
Sichert so des Probionten[29] unermessliche Vision.
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Fußnoten
[1] Schwefel: Schwefel [S2]: Elementarer Schwefel, der als Molekül aus zwei Atomen Schwefel besteht
[2] Wasserstoff: H2: [H–H] ein Molekül aus zwei Atomen Wasserstoff, über eine Einfachbindung verknüpft
[3] Methan: [CH4]: Kohlenstoffatom mit vier Wasserstoffatomen in Tetraederform, mit Wasserstoff im Zentrum
[4] Stickstoff [N2]: Zwei Stickstoffatome mit Dreifachbindung verknüpft [N≡N]
[5] Kohlendioxid, CO2: gestrecktes Molekül [O=C=O]
[6] Katzengold: Pyrit [FeS2
[7] Aminosäuren: Organische Säuren mit einer Amino-[–NH2] Seitengruppe. Biologisch bedeutend sind hauptsächlich jene Aminosäuren, die an dem der Säuregruppe benachbarten Kohlenstoffatom diese Gruppe besitzen
[8] Acetyle: Säuren mit dem Essigsäurerest [–CHCOOH]
[9] Bittermandelstoff: [HCN], Blausäure
[10] HCN, Blausäure: Gestrecktes Molekül [H–C≡N]
[11] Methyl (eigentlich Methylrest): [–CH3]
[12] –NH2: Ammoniumgruppe
[13] Cytosin: eine monozyklische, eine Pyrimidin-Base; abgekürzt C
[14] Thymin: eine monozyklische, eine Pyrimidin-Base; abgekürzt T
[15] Guanin: eine bizyklische, eine Purin-Base; abgekürzt G
[16] Adenin: eine bizyklische, eine Purin-Base; abgekürzt A
[17] Ribozucker (eigentlich Ribose)
[18] Phosphat: Phosphat: An andere Atome oder Moleküle gebundene Phosphorsäure [H3PO4 entspricht O=P(–OH)3]
[19] Uracil: Eine monozyklische, eine Pyrimidin-Base; fünfte Base (abgekürzt U) der Nucleinsäuren kommt nur in m- und tRNAs anstelle von Thymin vor. Sie kann sich nur mit Adenin paaren
[20] RNA (=RNS): Ribonucleinic acid, Ribonucleinsäure; Transporteur der Erbinformation in verschiedenen Ausführungen; mRNA, messenger-RNA, übersetzt den genetischen Code der DNA in für tRNAs ablesbare Matrizen; tRNAs übersetzen die Informationen der mRNA in die verschiedenen Aminosäuren; rRNA, ribosomale RNA, verknäuelt sich unter Beteiligung von Proteinen zum Ablesegerät der tRNAs, um Aminosäuren zu Proteinen zu verknüpfen
[21] Katalysator: Substanz, die einer Reaktion Aktivierungsenergie herabsetzt. Enzyme bewirken beispielsweise, dass eine Reaktion schon bei umweltgegebenen oder bei Körpertemperaturen ablaufen
[22] Lipide: Stoffe mit zwei verschiedenen Enden, ein fettlösliches (wasser-abweisendes) und ein wasserlösliches, oft phosphatverknüpftes Ende; je nach umgebender Flüssigkeit können sich die Moleküle orientieren und flächige Verbände bilden und auch zu Doppellagen assoziieren, deren wasserabstoßende Seiten zueinander weisen
[23] Hydrophil (Gegensatz: hydrophob): wasserfreundlich
[24] Eiweißketten (=Proteine): Aus Aminosäuren aufgebaute, komplexe Moleküle. Die [–NH2]-Gruppe einer Aminosäure wird mit der Hydroxylgruppe [–OH] der Säurefunktion [–COOH] unter Wasserabspaltung verknüpft, dabei entsteht eine charakteristische Abfolge von Atomen: [–C–N–C–C–N–]n, wobei das unmittelbar dem [N] benachbarte [C] einen doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] trägt
[25] Schwarze Raucher: Unterseeische Vulkane mit mineralhaltigem Wasserauswurf; bei Abkühlung der bis zu 400 oC heißen Wässer fallen Mineralien aus, die bei hohem Eisensulfidgehalt eine schwarze Wolke aus dem Vulkanschlot ergeben
[26] Helical und doppelsträngig: Die DNA ist aus zwei komplementären, leiterförmig angeordneten Strängen aufgebaut, deren Sprossen durch die gegenüberliegenden Basen A und T, bzw. G und C gebildet werden; diese Stränge sind selbst wiederum verdrillt
[27] DNA (=DNS): Desoxyribonucleinic Acid, Desoxyribonukleinsäure, eine reduzierte Ribose; Baustein der Erbinformation
[28] Code: Code der Nucleinsäuren; die Basen A, C, G, T (bw. U) codieren jeweils in unterschiedlichen Kombinationen zu Dritt eine bestimmte Aminosäure
[29] Probiont: Ein hypothetischer, selbst noch nicht lebender Vorläufer ursprünglicher, einzelliger Lebewesen; eigentlich Protobiont; oft nur ‚Probiont’
Eingestellt am 2.Februar 2024
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Nucleinsäuren (Kreidezeichnung; Reinhard Agerer)
Die Nucleinbasen Adenin (A), Thymin (T), Guanin (G), Cystosin (C) und Uracil (U) sind atomar gezeichnet und mit ihren Abkürzungen hinterlegt. An der Desoxyribosekette (DNA, links) und der Ribosekette (RNA, rechts) zeigen stellvertretend die kennzeichnenden Buchstaben mögliche Positionen der Basen. Ribosen bzw. Desoxyribosen sind jeweils mit Phosphat verknüpft. Ihre mögliche ursprüngliche Entstehung an Schwarzen Rauchern deutet der Hintergrund an. – Kohlenstoff: schwarz. – Phosphor: orange. – Sauerstoff: rot. – Stickstoff: blau. – Wasserstoff violett. – Bindungen: dunkelgrün; Einfachbindungen: feiner Strich; Doppel-bindungen: breiter Strich. – [Nachempfunden Russell, Wolfe, Hertz, Starr & McMillan (2008) Biology, Seite 65]
Lipide (Kreidezeichnung, Reinhard Agerer)
Lipide, bipolare Substanzen (hier Cholin-Phospho-di-Fettsäure in zwei Exemplaren atomar dargestellt) mit einem hydrophilen und einem hydrophoben Ende, können sich in wässriger Lösung zu Vesikeln aus einer Doppellage entgegengesetzt orientierter Moleküle anordnen (hydrophobe Schwänze, Fettsäuren; gelb) zeigen zueinander, hydrophile Köpfe (Phospho-Cholin; ocker) weisen in Richtung wässriger Umgebung). Lineare oder ringförmige DNA oder RNA (Doppelhelices als violette Ketten) können in diesen Vesikeln eingeschlossen sein. Ihre mögliche ursprüngliche Entstehung an Schwarzen Rauchern deutet der Hintergrund an. – Kohlenstoff: schwarz. – Phosphor: orange. – Sauerstoff: rot. – Stickstoff: blau. – Wasserstoff violett. – Das Plus-Zeichen am Stickstoff des Cholins und das Minus-Zeichen an einem Sauerstoff des Phosphats zeigen Ladungen dieser Atome an, die sich im Molekül intern ausgleichen. – Bindungen: dunkelgrün; Einfachbindungen: feiner Strich; Doppelbindungen: breiter Strich. – [Nachempfunden Lüttge, Kluge & Thiel (2010) Botanik, Seiten 5, 8]
Eingestellt am 2.Februar 2024
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6 Doch wie war es damals?
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Nicht Schwarze Raucher[1] stehen nun im Fokus,
Vielmehr kleine, wärmer Gewässer, die oberflächennah
Zeitweise nur sich füllen, dann verdunsten bis sie, nahe des Randes zumindest,
Vollkommen trocken, oder gänzlich durch Sonne und Winde geleert.
Tag-und-Nacht-Wechsel waren auch damals bestimmt geeignet, zu wärmen, zu kühlen,
Was den nötigen Nass-Trocken-Wechsel wohl schuf.
.
Ein zweites Szenario, das aus der Luft nicht gegriffen,
Verlangt Gewässer, die unterschiedlich sich geben im Wert des pHs[2]:
Leicht saure[3] Löcher, vielleicht nur flachere Lachen,
Zum Dritten zeitweise Verbindung der beiden Systeme durch,
Was leicht möglich, eintretenden Regen,
Der von einem zum anderen Tümpel einiges schwemmt,
Für Austausch von separat zunächst entstandenen Zwischenprodukten[8],
Wozu eines Wasserlaufs es sicher bedarf.
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Warm sollte das Wasser zumindest sich geben,
Nicht unbedingt heiß, wie‘s so gerne der Chemiker will,
Reaktionen signifikant zu beschleunigen;
Denn Temperaturen spielten auch zur Erdenurzeit bestimmt einen wichtigen Part. –
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Cyanoacetylen[9], in wässrigen Medien wohl nicht selten vorhanden,
Entsteht es doch in Stickstoff-Methan-Atmosphäre durch Blitzentladung recht gut,
Wurde zudem schon in interstellaren Wolken gefunden,
Auch in Titans Atmosphäre, des Saturns großem Mond.
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Tritt es mit Ammoniak[14] aber zusammen,
.
Als entscheidende Moleküle wirken auch Nitritionen[17], Malononitril zu nitrifizieren;
Zum andern ermöglicht es Synthesen von Hydroxylamin dann,
Wenn Schwefelsäure[18] in gleichen wässrigen Medien vorhanden,
Gebildet aus SO2, der Vulkane Produkt.
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Unsicher ist, ob NO2--Ionen lange ich halten.
Doch in schwefelsaurem Wasser dürften sie ausreichend lange besteh’n;
Regen habe womöglich sie zusammen mit Schwefelsäure und
Harnstoff in den vermuteten Teichen deponiert.
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Metallionen wie von Zink, Kupfer und Eisen,
Beschleunigen manche Reaktion recht signifikant
Als Katalysatoren[19], deren Präsenz in der Urerde Kruste
Kaum jemand bezweifelt.
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Als Endprodukte, so der Syntheseversuche Ergebnis,
Entstanden Pyrimidine und Purine in ein und demselben Pot;
So gaben die Forscher Ribose zu den Versuchsprodukten,
Die sich Purinen und Pyrimidinen an den richtigen Stellen lagerte an.
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Einen Schritt weiter noch gingen die Forscher,
Gaben Phosphatmineralien ihren Reaktionsgefäßen noch zu:
Erhielten mono- und diphosphorylierte[24] Ribose;
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Nach diesen Studien bleiben Schwarze Raucher nur eine der Möglichkeiten,
Wie präbiotisch RNA[27] anfangs entstand,
Von einer RNA-Welt wird gar gesprochen, in der
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Fußnoten
[1] Schwarze Raucher: Unterseeische Vulkane mit mineralhaltigem Wasserauswurf; bei Abkühlung der bis zu 400 oC heißen Wässer fallen Mineralien aus, die bei hohem Eisensulfidgehalt eine schwarze Wolke aus dem Vulkanschlot ergeben.
[2] pH-Wert: Abkürzung für Potential des Wasserstoffs, ist ein Maß für den sauren oder basischen Charakter einer wässrigen Lösung. Je höher die Konzentration der Wasserstoffionen (H+) in der Lösung ist, desto niedriger ist der pH-Wert, desto saurer ist die Lösung, je höher, desto basischer; er schwankt zwischen 0 und 14. Reines Wasser hat einen pH von 7
[3] Leicht sauer: ungefähr pH 3
[4] SO2: Schwefeldioxid
[5] NO3-: Nitrat
[6] Leicht basisch: ungefähr pH 10
[7] Carbonatisch: kalkhaltig
[8] Intermediate (Chemie): Zwischenprodukte auf Synthesewegen
[9] Cyanoacetylen: [C≡C–C≡N]
[10] Hydroxylamin: NH2OH
[11] Harnstoff: [H2N–(C=O)–NH2]
[12] 3-Amino-Isoxazol: ein Stickstoff-Sauerstoff-Pentazyklus mit einer dem Stickstoff benachbarten Ammoniumgruppe
[13] Pyrimidine: Ringförmige organische Moleküle aus vier Kohlenstoff- und zwei Stickstoffatomen (= Stickstoffheterozyklus), die mit Einfach- und Doppelbindungen (= aromatisch) verknüpft sind
[14] Ammoniak [NH3]: Stickstoffatom mit drei Wasserstoffatomen in flach trigonal-pyramidaler Form angeordnet
[15] Malononitril: [N≡C–C–C≡N]
[16] Purine: Doppelringförmige organische Moleküle aus Stickstoffheterozyklen, die zusammengesetzt einen sechsgliedrigen und einen fünfgliedrigen Stickstoffheterozyklus mit je zwei Stickstoffatomen ergeben und mit Einfach- und Doppelbindungen verknüpft sind
[17] Nitritionen: NO2-
[18] Schwefelsäure: H2SO4
[19] Katalysator: Substanz, die einer Reaktion Aktivierungsenergie herabsetzt. Enzyme bewirken beispielsweise, dass eine Reaktion schon bei umweltgegebenen oder bei Körpertemperaturen ablaufen
[20] Stickstoffheterozyklus: Ringförmiges Molekül aus Kohlenstoff mit zumindest einem eingeschlossenen N
[21] Ribose: [CH2OH(CHOH)3CHO]: Ein Zucker mit fünf Kohlenstoffatomen; ein terminales Ende ist mit zwei [H]-Atomen und einer [–OH]-Gruppe versehen, das andere mit einer Aldehydgruppe [–CHO]; kann in offener (kettenförmiger) oder geschlossener (ringförmiger) Konformation vorliegen
[22] Miller Stanley Lord, 1930 – 2007: Amerikanischer Biochemiker
[23] Millers Experimente: Miller SL (1953) A production of amino acids under possible primitive earth conditions. Science 117: 528-529. – Miller SL (1955) Production of some organic compounds under possible primitive earth conditions. J Am Chem Soc 77(9): 2351-2361
[24] mono- und diphosphoryliert: z. B. Ribose, die mit einem oder zwei Phosphatgruppen (PO43-) verknüpft ist
[25] Pyrimidinnucleotide: Cytosin und Thymin; Nucleobasen mit je einem aromatischen Sechserring, an denen bereits eine Ribose oder Desoxyribose hängt, jedoch noch keine Phosphate, wie dies für Pyrimidin-Nucleotide gilt
[26] Purinnucleotide: Adenosin und Guanosin; Nucleobasen (Adenin, Guanosin) aus einem sechsgliedrigen und einem fünfgliedrigen Stickstoffheterozyklus mit je zwei Stickstoffatomen, mit Einfach- und Doppelbindungen verknüpft, an dem bereits eine Ribose oder Desoxyribose hängt, die mit Phosphaten verknüpft ist
[27] RNA: Ribonucleinic acid, Ribonucleinsäure; Transporteur der Erbinformation in verschiedenen Ausführungen; mRNA, messenger-RNA, übersetzt den genetischen Code der DNA in für tRNAs ablesbare Matrizen; tRNAs übersetzen die Informationen der mRNA in die verschiedenen Aminosäuren; rRNA, ribosomale RNA, verknäuelt sich unter Beteiligung von Proteinen zum Ablesegerät der tRNAs, um Aminosäuren zu Proteinen zu verknüpfen
[28] Ribonucleinsäuren: RNA
SL Becker S, Feldmann J, Wiedemann S, Okamura H, Schneider C, Iwan K, Crisp A, Rossa M, Amatov T, Carell T (2019) Unified prebiotically plausible synthesis of pyrimidine and purine RNA ribonucleotides. Science 366: 76-82
Eingestellt am 2.Februar 2024
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7 Die Zelle lebt (HP, SP, pJP)
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Der Probiont[1] zerfällt und spaltet sich per Zufall irgendwann,
Ob die Hälfte nur oder sich ein Bruchteil trennt, ähnelt einem Würfelspiel.
Bleibt nur mit Glück den Tochtersphären zugegeben.
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Lipide[4] paaren sich zur doppelten Membran.
Stabiler nun, gewähren sie der linearen DNA
Genügend Schutz und Zeit, zu replizieren[5] und
Zu festem Ringe sich zu schließen.
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Entstanden ist ein primitives Chromosom[6],
Fest umschlossen, abgeschirmt im Ruheraume.
Dies allein erklärt noch lange nicht das Leben.
Noch ungezählte Schritte führen erst zum zukunftsfesten Lebenscode.
Doch der Code[7] allein ist nicht entscheidend,
Geregelt muss die Weitergabe sein:
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Bausteine gesucht, Energie gefunden,
Möglichst wirkungsvoll gebunden,
Konzentrationen eingestellt und optimiert,
Zeiten abgestimmt und modifiziert,
Flussdiagramme[8] konstruiert und ausprobiert,
Richtung, Mengen, Intervalle vorgegeben,
Drei verschied‘ne RNAs[12] gebaut und differenziert,
Zu individuellen Faltenbündeln kombiniert,
Räumlich aufeinander abgestimmt.
Enzyme an die Arbeit dann getrieben,
Aminosäuren passgenau verbunden,
Zum Raummodell gewunden,
Noch Ionenpumpen[15] eingebaut
Und nicht zuletzt:
Den Hebel umgelegt und – rätselhaft –
Das Leben auch in Gang gesetzt.
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O Gott, hast du die Wege hier geordnet,
Den Part des Komponisten gar gespielt?
Dir Ordnung dort geschaffen, wo nur Chaos drohte,
Dein Werk zu stören, wo es erst begann?
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Eintausend Millionen Jahre gabst du deinen Probionten Zeit,
Sich zu finden und zu ordnen,
Bereit zu sein für zelluläres Leben,
Bis dreitausendzweihundert Millionen Jahre vor der Gegenwart.
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Winzig sind sie, eine Nadelspitze bietet Tausenden gut Platz.
Im Innern ein noch unzerteilter Raum – aber doch funktionsbezog‘ne Einheit –
Unglaublich abgestimmt, wohlorganisiert.
Bei Licht ist Kohlendioxid[16] schon bald die Basis ihres Lebens.
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Fußnoten
[1] Probiont: Ein hypothetischer, selbst noch nicht lebender Vorläufer ursprünglicher, einzelliger Lebewesen; eigentlich Protobiont; oft nur Probiont
[2] Proteine: Aus Aminosäuren aufgebaute, komplexe Moleküle. Die [–NH2]-Gruppe einer Aminosäure wird mit der Hydroxylgruppe [–OH] der Säurefunktion [–COOH] unter Wasserabspaltung verknüpft, dabei entsteht eine charakteristische Abfolge von Atomen: [–C–N–C–C–N–]n, wobei das unmittelbar dem [N] benachbarte [C] einen doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] trägt
[3] DNA (=DNS): Desoxyribonucleinic Acid, Desoxyribonukleinsäure, eine reduzierte Ribose; Baustein der Erbinformation
[4] Lipide: Stoffe mit zwei verschiedenen Enden, ein fettlösliches (wasser-abweisendes) und ein wasserlösliches, oft phosphatverknüpftes Ende; je nach umgebender Flüssigkeit können sich die Moleküle orientieren und flächige Verbände bilden und auch zu Doppellagen assoziieren, deren wasserabstoßende Seiten zueinander weisen
[5] Replizieren, Replikation: Replikation dient dazu, DNA in einer Zelle zu verdoppeln. Sie wird also dazu benötigt, Erbinformationen an jede neue Zelle weiterzugeben.
[6] Chromosom: Genetische Informationseinheit aus unterschiedlichen Mengen DNA diverser Basensequenzen
[7] Code: Code der Nucleinsäuren; die Basen A, C, G, T (bw. U) codieren jeweils in unterschiedlichen Kombinationen zu Dritt eine bestimmte Aminosäure
[8] Flussdiagramm: Graphische Darstellung von Arbeitsabläufen, die das Durchlaufen von zu bearbeitenden Objekten durch verschiedene Bearbeitungsstadien zeigt und die Reihenfolge von Operationen wiedergibt
[9] Kalibrieren: Ausrichten, auf ein genaues Maß bringen
[10] Katalysieren: Substanzen bewirken, dass Reaktionen schon bei umweltgegebenen oder bei Körpertemperaturen ablaufen
[11] Tunen: Abstimmen, einstellen, justieren
[12] RNA (=RNS): Ribonucleinic acid, Ribonucleinsäure; Transporteur der Erbinformation in verschiedenen Ausführungen; mRNA, messenger-RNA, übersetzt den genetischen Code der DNA in für tRNAs ablesbare Matrizen; tRNAs übersetzen die Informationen der mRNA in die verschiedenen Aminosäuren; rRNA, ribosomale RNA, verknäuelt sich unter Beteiligung von Proteinen zum Ablesegerät der tRNAs, um Aminosäuren zu Proteinen zu verknüpfen
[13] Buchstabentrios: Den 21 Aminosäuren entsprechen spezielle Dreibuchstaben-Codes, die auf der DNA und folglich auf der mRNA festgelegt sind, z. B. CAA und CAG für Glutamin oder GGA und GGU für Glycin
[14] Aminosäuren: Organische Säuren mit einer Amino-[–NH2] Seitengruppe. Biologisch bedeutend sind hauptsächlich jene Aminosäuren, die an dem der Säuregruppe benachbarten Kohlenstoffatom diese Gruppe besitzen
[15] Ionenpumpen: Um Ionen in die Zelle aufnehmen zu können und wieder zu entfernen, müssen in den Zellmembranen geeignete, komplexe, aus diversen Proteinen zusammengesetzte energieverbrauchende Pumpen vorhanden sein, z. B. die mit ATPase getriebene Protonenpumpe
[16] Kohlendioxid, CO2: gestrecktes Molekül [O=C=O]
Eingestellt am 2.Februar 2024
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Transkription (Kreidezeichnung, Reinhard Agerer)
RNA-Polymerase mit DNA-Helix. In der Kavität der Polymerase ist die DNA (braun: Desoxyribose-Phosphat-Strang) entspiralisiert, um die Messenger(m-)RNA (violett: Ribose-Phosphat-Strang) aus den Basen A (Adenin, gelb), C (Cytosin, grün), G (Guanin, blau), U (Uracil, hellrot) synthetisieren zu können. An Stelle des T (Thymin, dunkelrot) der DNA, wird in die RNA Uracil eingebaut. Vor und nach der Polymerase liegt die DNA wieder in spiralisierter Form vor (nur schematisch wiedergegeben). Die m-RNA verlässt die Polymerase und gelangt zur Synthese von Protein zu den Ribosomen. – [Nach Sadava D, Hillis DM, Heller HC, Berenbaum MR (2011) Purves Biologie, Seite 385]
Eingestellt am 2.Februar 2024
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8 Kaskaden
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Da liegt er nun des Fadens Doppelstrang[1] – verdrillt, der Länge nach verkürzt –
Behütet dauerhaft der Zelle Masterplan
Für Bau, Funktion, nicht nur zum eigenen Bedarf,
Auch schon für die nächste Generation!
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Ein Enzym[2] verankert sich mit seiner Falte,
Entdrillt die DNA für eine kurze Weile,
Öffnet mittig Paar um Paar der Basen,
Um nur einem Strang Nukleotide[3] kompatibel anzupassen.
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Nicht Thymín[4] verwendet ihr Kopierenzym,
Uracil[5] nur baut es in den Faden ein.
Öffnet Schritt für Schritt der Helix Leiter,
Schließt die Holme wieder nach getaner Arbeit eng zusammen.
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Wenn des Genes Ende dann erreicht,
Verlässt uracilbeladen dann der Faden sein Enzym,
Wirkt sofort als Bauplanbote, liefert Konstruktionsbefehle für gewolltes Protein,
Bringt die Botschaft zellenweit von Ribosom zu Ribosom
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DNAs oft repliziert, von Generation zu Generation immerzu vermehrt,
Sammeln manchen Unrat zwischen ihren Genen.
Recyclen ihn, verbinden, nun verkürzt, die RNA.
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Was wäre denn ein Boten-RNA-Ribosomen-Wirkkomplex
Ohne seine Transfer-RNAs[12]?
An andern Helixorten transkriptiv gewonnen,
Bringen plangemäß Aminosäurespezies heran.
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Fünf Dutzend recht diverser Typen,
Bizarr und mehrfach schlaufenförmig angelegt,
Tragen ihre Kennung vorne mit drei Basen
Für distal an sie gebund‘ne Last.
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Dreiercode[13] an Dreiercode reihen Transfer-RNAs
Sich an Boten-Ribosom-Komplexen an;
Fügen Schritt für Schritt Aminosäuren[14] aneinander,
Immer weiterwachsend, zum finalen Protein.
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Lösen dann sich wieder von der Kette,
Um, gemäß der Vorschrift ihres eigenen Tripletts,
Erneut Aminosäuren auf den Rücken sich zu laden:
UGU und UGC für ein Cystein[15],
ACA und ACG stehen für ein Threonin[16];
UCU, UCC und UCA zeichnen für Serin[17],
Das phenylierte Alanin[18] liebt es dumpf mit UUU und UUG,
Hell Lysin[19] mit AAA und AAG;
Tryptophan[22] allein, verlässt sich nur auf UGG.
Methionin[23] mit AUG startet die Synthese,
UAG, UAA und UGA markieren der Synthese Ziel.
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Welche Folge gut durchdachter Schritte!
Eine Ordnung, wie sie anfangs schon bestand?
Welche Fehlversuche hemmten wohl ihr Wirken,
Bis am Ende das Enzym optimale Form dann fand? –
Eingestellt am ##. ###### 2024
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Fußnoten
[1] DNA (=DNS): Desoxyribonucleinic Acid, Desoxyribonukleinsäure, eine reduzierte Ribose; Baustein der Erbinformation
[2] Enzym: Protein, das, an spezielle Moleküle angepasst, die Synthese katalysiert. Meistens werden mehrere Enzyme zu einem Komplex verbunden, um eine räumliche Nähe zwischen den einzelnen, aufeinanderfolgenden Syntheseschritten herzustellen
[3] Nucleotide: Die Nucleotide Desoxyribonucleosid- bzw. Ribonucleosidtriphosphate (ATP, TTP, CTP, GTP, UTP) werden als Einzelbausteine unter Abspaltung von zwei Phosphaten zu DNA bzw. zu RNA verknüpft
[4] Thymin: eine monozyklische, eine Pyrimidin-Base, abgekürzt T
[5] Uracil: Eine monozyklische, eine Pyrimidin-Base; fünfte Base (abgekürzt U) der Nucleinsäuren kommt nur in m- und tRNAs anstelle von Thymin vor. Sie kann sich nur mit Adenin paaren
[6] Ribosom: Organell aus ribosomaler RNA und Proteinen. Es dient zur Translation der mRNA-Informationen in Proteine. Meist sind mehrere Ribosomen über die mRNA kettenartig verbunden, um zugleich mehrere Ablesevorgänge hintereinander ablaufen lassen zu können
[7] ER (Abkürzung für Endoplasmatisches Retikulum): Intra-zelluläres Membransystem aller eukaryontischen Zellen. Es besteht aus lipiddoppel-membran-umschlossenen Hohlräumen, die ein zusammenhängendes System bilden und mit der Kernhülle in Verbindung stehen
[8] Proteine: Aus Aminosäuren aufgebaute, komplexe Moleküle. Die [–NH2]-Gruppe einer Aminosäure wird mit der Hydroxylgruppe [–OH] der Säurefunktion [–COOH] unter Wasserabspaltung verknüpft, dabei entsteht eine charakteristische Abfolge von Atomen: [–C–N–C–C–N–]n, wobei das unmittelbar dem [N] benachbarte [C] einen doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] trägt
[9] RNA: RNA (=RNS): Ribonucleinic acid, Ribonucleinsäure; Transporteur der Erbinformation in verschiedenen Ausführungen; mRNA, messenger-RNA, übersetzt den genetischen Code der DNA in für tRNAs ablesbare Matrizen; tRNAs übersetzen die Informationen der mRNA in die verschiedenen Aminosäuren; rRNA, ribosomale RNA, verknäuelt sich unter Beteiligung von Proteinen zum Ablesegerät der tRNAs, um Aminosäuren zu Proteinen zu verknüpfen
[10] Spleißosom: Ribonucleinkomplexe, die jene mRNA-Sequenzen herausschneiden, die zwar aus der DNA transkribiert worden sind, doch keine Information für Proteinsynthese, etc. tragen. Diese sog. Introns werden herausgeschnitten und die informativen Bereiche (sog. Exons) wieder zu einer zusammenhängenden Einheit verbunden
[11] Transkriptom: Gesamtheit aller in einer Zelle hergestellten RNA-Moleküle
[12] tRNAs, Transfer RNAs: Übersetzen die Informationen der mRNA in die verschiedenen Aminosäuren
[13] Dreiercode, Buchstabentrios: Den 21 Aminosäuren entsprechen spezielle Dreibuchstaben-Codes, die auf der DNA und folglich auf der mRNA festgelegt sind, z. B. CAA und CAG für Glutamin oder GGA und GGU für Glycin
[14] Aminosäuren: Organische Säuren mit einer Amino-[–NH2] Seitengruppe. Biologisch bedeutend sind hauptsächlich jene Aminosäuren, die an dem der Säuregruppe benachbarten Kohlenstoffatom diese Gruppe besitzen
[15] Cystein: Schwefelhaltige Aminosäure
[16] Threonin: Aminosäure
[17] Serin: Aminosäure
[18] Phenylalanin: Aminosäure mit aromatischem (= mit konjugierten Doppelbindungen) Kohlenstoffring
[19] Lysin: Aminosäure
[20] Arginin: Aminosäure
[21] Leucin: Aminosäure
[22] Tryptophan: Aminosäure mit aromatischen (= mit konjugierten Doppelbindungen) Kohlenstoff(hetero)zyklus
[23] Methionin: Schwefelhaltige Aminosäure
Eingestellt am 2.Februar 2024
Translation (Kreidezeichnung, Reinhard Agerer)
m-RNA an Ribosom. In der Kavität des Ribosoms gleitet die m-RNA und exponiert ihre Basentripletts als Matrize für die t-RNAs, die, mit komplementären Tripletts versehen, die entsprechenden Aminosäuren herantransportieren (als Enzym, s. Symbol). Eine t-RNA (grüne, geschwänzte birnartige Form) sitzt mit ihrem Basentriplett ACG an der mit UGC komplementären Stelle der m-RNA. Sie bringt die Aminosäure Threonin mit, die an die Aminosäure Cystein (t-RNA mit Basentriplett UGA, links unten bereits abgegangen) schon verknüpft ist. Für diesen Vorgang ist Energie nötig, die in Form von GTP (Guanosintriphosphat; gelbes G-Sternsymbol mit drei P) geliefert wird; GTP wird dabei zu GMP (Guanosinmonophosphat; weißes G-Sternsymbol mit einem P). GTP trägt ein Guanin anstelle des Adenin im ATP. Links oben die Aminosäure Alanin. Rechts oben die t-RNA mit dem Triplett UGG, die noch mit Hilfe von ATP (gelbes A-Sternsymbol) mit Tryptophan beladen werden muss. Rechts unten transportiert eine t-RNA mit dem Triplett AAA die Aminosäure Lysin heran. A (Adenin, gelb), C (Cytosin, grün), G (Guanin, blau), U (Uracil, hellrot). – [Nach Sadava D, Hillis DM, Heller HC, Berenbaum MR (2011) Purves Biologie, Seiten 393, 397]
Eingestellt am 2.Februar 2024
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9 Nachdenklich
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So wohlorganisiert, perfekt bereits zu frühster Zeit!
Wie viele Generationen wandelten deine Ideen in irdische Wirklichkeit?
Passgenau Moleküle aneinanderzubinden,
Optimale Strukturen bestmöglicher Wirkung zu finden?
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So vielfältig und doch nur ein Teil der möglichen Zahl!
Wieviel Zeit gabst du den Generationen für selektierende Wahl?
Mit energiebestückten Bindungen Atome klug zu montieren,
Um damit Synthesewege dauerhaft, ohne Fehler zu realisieren?
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So zielgerichtet und doch übersät mit zahllosen, vergeblichen Wegen!
Wie viele Zellen ließen ihr Leben,
Ohne die Zukunft groß zu bedenken
Ohne mit ihrem Erfahrungsschatz Nachkommen noch zu beschenken?
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So unerklärlich die einzelnen Schritte, ergeben sie doch ein funktionelles System!
Die Weisheit nur erklärt die Entfaltung,
Gibt Sinn erst dem Lebensgescheh‘n.
Wie willkommen wäre dein göttliches Wissen, um unsere Welt zu versteh‘n!
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Eingestellt am 2.Februar 2024
Zusammenkunft (Kreidezeichnung, Reinhard Agerer)
Eingestellt am 2.Februar 2024
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10 Kein Leben ohne Energie
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Kaum zwei Tausendstel des Millimeters messend,
Wirken Zellen wie Chemiefabriken.
Wareneingang, Produktion und Warenausgang
Brauchen unumgänglich große Mengen Energie.
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Synthesestraßen laufen kreuz und quer
Strukturiert in abgestimmten Bahnen.
Viele Einzelschritte kombinieren Reaktanden[1]
Maßgetreu zu Zwischen- und zu Endprodukten.
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Moleküle – frei und unabhängig –
Sollen feste Einheit miteinander finden.
Doch ist hoch ihr Widerstand
An das Gegenüber sich zu binden.
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Ohne Energie, antriebslos, erwarten sie als Animator
Ein passgenau gestaltetes Enzym[2].
Katalysierend[3] animiert es die Substanzen,
Schnell zusammen sich zu finden und zur Einheit sich zu knüpfen.
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Nur den Widerstand der beiden mindert das Enzym!
Übermengen Energie jedoch sind nötig,
Ihre Seiten aufzubrechen,
Damit zu neuen Bindungen sie führ‘n.
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Eingebettet sind die beiden in die Tasche des Enzyms.
Auch ein kraftbelad‘nes ATP[4] sucht sich in der Nähe eine Stelle,
Denn, an Ribozucker fest gebunden,
Bringt mit drei Phosphaten Adenin die Bindungsenergie.
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Heftet nun sein äußerstes Phosphat einem Molekül fest an.
Dieses, angeregt durch die Beladung, vereint sich mit dem Partner.
So verlässt das neu geformte Molekül, größer nun, den Platz
Und macht ihn frei für neue wartende Substanzen.
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Enzyme bilden räumliche Komplexe,
Um Synthesewege zu verkürzen.
Ihre Taschen, wohlgeformt,
Sind auf Molekülgestalt genormt.
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Viele tausend Wechsel pro Minute
Mehren Umsatz und Gewinn,
Denn verschied‘ne Reaktand-Enzymkomplexe sind zur gleichen Zeit aktiv;
Doch Ausschussware bleibt – erstaunlich – sehr gering.
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Das ATP hat Energie, zudem eines der Phosphate, nun verloren,
Ändert seinen Namen nun zum matten ADP[5].
Ist selbst auf schnelle Hilfe angewiesen,
Doch wo findet es die eingebüßte Energie?
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Fußnoten
[1] Reaktanden: Zwei oder mehrere Moleküle, die zu einem größeren Molekül zusammengesetzt werden sollen
[2] Enzym: Protein, das, an spezielle Moleküle angepasst, die Synthese katalysiert. Meistens werden mehrere Enzyme zu einem Komplex verbunden, um eine räumliche Nähe zwischen den einzelnen, aufeinanderfolgenden Syntheseschritten herzustellen
[3] Katalysieren: Substanzen bewirken, dass Reaktionen schon bei umweltgegebenen oder bei Körpertemperaturen ablaufen
[4] ATP: Adenosin-tri-phosphat; bestehend aus Ribose und Adenin; Ribose trägt an seiner nicht in den Zuckerring einbezogenen Kohlenstoffgruppe drei hintereinander liegende Phosphatgruppen. Diese lineare Anordnung der Phosphate hat zur Folge, dass das dritte, äußerste Phosphat, mit seiner ihm dadurch innewohnenden Energie, diese leicht unter Abspaltung auf andere Moleküle übertragen kann
[5] ADP, Adenosin-di-phosphat: nach Abgabe des zuäußerst gelegenen Phosphats des ATPs bleibt das energieärmere ADP über, das aber wieder zum ATP regeneriert werden kann
Eingestellt am 2.Februar 2024
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Enzyme (Kreidezeichnung, Reinhard Agerer)
Zentral (mit Enzymsymbol) ist ein Enzym in seiner Wirkung dargestellt. Zwei unterschiedliche Moleküle (hellblau, dunkelblau) fügen sich in eine taschenartige, passgenaue Vertiefung des Enzyms ein. Mit Hilfe des ATP (Adenosintriphosphat; gelber Stern mit A und drei P) werden sie verbunden und verlassen dann, zu einem neuen Molekül vereinigt, das Enzym, um den nächsten noch getrennten Molekülen Platz zu machen. Das ATP verliert dabei unter Abgabe von Energie ein P und wird zum ADP (Adenosindiphosphat; weißer Stern mit A (und zwei P)). Das ADP wird enzymatisch wieder mit Phosphat beladen und somit zu ATP aufgebaut (am Enzym rechts unten; hier ohne P für Phosphat dargestellt). Ein kurzes Peptid aus sechs Aminosäuren (von links nach rechts: Phenylalanin, Cystein, Asparagin, Histidin, Glutamin, Leucin; jeweils mit dem Symbol für Aminosäure versehen) zeigt die Grundbausteine der Enzyme. Unterschiedliche Enzyme verbinden jeweils spezifische Molekülgestalten (zueinander passende Formen von Pärchen unterschiedlicher Grün- und Rottöne, oben und links unten) in auf sie abgestimmten Taschenformen. Sieben Enzyme (braun) sind in ihrer spezifischen Struktur gezeigt (dünne und breite Linien verdeutlichen lineare bzw. Faltblattanordnung der Aminosäuren; zentrales und Enzym rechts unten in Kompaktform dargestellt). Lipiddoppelmembranen verweisen auf einen Innenraum (Vesikel). – Kohlenstoff: schwarz. – Stickstoff: blau. – Sauerstoff: rot. – Phosphor: orange. – Wasserstoff violett. – Schwefel: gelb. – Bindungen: dunkelgrün; Einfachbindungen: feiner Strich; Doppelbindungen: breiter Strich. – [Diversen Quellen nachgestaltet. Peptid und Aminosäuren: Lüttge, Kluge & Thiel (2010) Botanik, Seiten 7, und 310. – Enzym im Zentrum: Lysozym aus Campbell & Reece (2003) Biologie, Seite 88. - Enzyme von rechts oben nach links unten: Lysozym aus Campbell & Reece (2003) Biologie, Seite 91; Campbell & Reece (2003) Biologie, Seite 88; Sadava, Hillis, Heller, Berenbaum (2011) Purves Biologie, Seite 59; Transthyretin aus Campbell & Reece (2003) Biologie, Seite 93; Lysozym aus Sadava, Hillis, Heller, Berenbaum MR (2011) Purves Biologie, Seite 61; rechts unten: Modell.]
Eingestellt am 2.Februar 2024
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11 Zukunftshoffnung (SP)
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Wollen Bionten[1] sich vermehren,
Nicht nur leben kurze Zeit,
Brauchen sie auch Baustoffquellen,
Phosphattankstellen für das ADP[2].
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Kohlenstoff war schnell entdeckt, zwar oxidiert, mit Sauerstoff verknüpft,
Dazu Phosphat[3], gelöst, ganz nah der Wand umgebenden Gesteins;
ADP und sein Enzym oxidieren Mineralien, Elektronen[4] zu entwenden,
Um Phosphotetroxid[5] ans ADP zu binden.
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Dies ist die erste Lebensstrategie, bekannt als Chemoautotrophie[6],
Rasch an Energie mit Hilfe des Gesteins zu kommen,
Um Kohlenstoffkomplexe auf- und um- und neuzubauen,
Zugleich Energie zu speichern in organischen Substanzen.
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Der Tod, des Lebens folgenschwerer Partner,
Brachte tote Massen voll gebund‘ner Energie.
Recycling dieser Baustofflager
Sparte Zeit, schonte Umwelt und Budget.
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Bakterien waren bald zur Hand,
Dieses abgestorb‘ne Leben gut als
Energie- und Baustoffspeicher zu verwenden.
Das Ziel war klar: Chemoheterotrophie[7]!
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Fußnoten
[1] Bionten: Allgemeine Bezeichnung für Lebewesen
[2] ADP, Adenosin-di-phosphat: nach Abgabe des zuäußerst gelegenen Phosphats des ATPs bleibt das energieärmere ADP über, das aber wieder zum ATP regeneriert werden kann
[3] Phosphat: An andere Atome oder Moleküle gebundene Phosphorsäure [H3PO4 entspricht O=P(–OH)3]
[4] Elektronen: Negativ geladene Bestandteile von Atomen, die den positiv geladenen Atomkern umgeben. Sie sind an den Atomkern gebunden und bilden die sogenannte Elektronenhülle des Atoms
[5] Phosphotetroxid: Verliert Phosphorsäure seine drei Protonen (positiv geladene Wasserstoffionen), bleibt der vierfach oxidierte Phosphor, als negativ geladenes Phosphotetroxid zurück
[6] Chemoautotrophie: Zur Kohlenstoffernährung wird Kohlendioxid verwendet, die nötige Energie stammt aus Mineralien von Gesteinen; oftmals auch als Lithoautotrophie bezeichnet
[7] Chemoautotrophie: Zur Kohlenstoffernährung wird Kohlendioxid verwendet, die nötige Energie stammt aus Mineralien von Gesteinen; oftmals auch als Lithoautotrophie bezeichnet
Eingestellt am 2.Februar 2024
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Energietanken (Kreidezeichnung, Reinhard Agerer)
ADP (links unten) wird mit Hilfe eines Enzyms (rechts unten an der Lipidmembran) und [FeS2] (Eisendisulfid) mit dem dritten Phosphat beladen und wird damit zum ATP (rechts oberhalb des Enzyms), dessen drittes Phosphat jetzt energiereich mit dem zweiten Phosphat verbunden ist (gelbe Sterne). [FeS2] wird zum [FeS] (Eisensulfid). Am Schwarzen Raucher (links) liegen Phosphationen und FeS2-Moleküle. Mehrere gelöste Moleküle im Vesikel (durch Lipid-doppelmembran angedeutet) bzw. in der Umwelt sind eingezeichnet: [H2O, CO2, CH4, H2, CO, NH3]. – Eisen: dunkelbraun. – Kohlenstoff: schwarz. – Phosphor: orange. – Sauerstoff: rot. – Schwefel: gelb – Stickstoff: blau. – Wasserstoff: violett. – Bindungen: dunkelgrün; Einfach-bindungen: feiner Strich; Doppelbindungen: breiter Strich; Dreifachbindungen sehr dicker Strich.
Eingestellt am 2.Februar 2024
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12 Energiespender (SP)
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Sparsamkeit und Neuverwendung knapper Stoffe
– Ständiges Ziel der Organismen Fortentwicklung –
Früh als wirkungsvoll erkannt und konsequent verfolgt,
Schonen seltene Ressourcen, ganz besonders Energie.
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Sind zu kostbar, zu verlieren an des Meeres Sediment!
Lassen sich zu neuen Molekülen kombinieren,
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Wär optimal genutzte, schon gebund‘ner Energie,
Doch es fehlt die Menge freien Sauerstoffs,
Damit, was überschüssig, auch zu oxidieren.
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Doch etwas Energie ist mehr als Nichts!
Nehmen schnell Glucose[10] sich zum Ziel,
Zum Fünferring Fructose-bis-Phosphat[13].
Zweimal ATP zum Einsatz, vier das Resultat.
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Dazu noch gibt der Abbauweg zweimal NADH2[16].
Diese beiden tragen energiebestückten Wasserstoff fürs Reduzieren von Substanzen.
Doch für weiteren Gewinn,
Konvertier’n Enzyme beide je zu zweimal ATP.
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Allein den Zucker zu zerlegen,
Bringt offenkundig kaum Gewinn:
Pyruvat enthält jedoch noch Mengen Energie
Zur Produktion von neuerlichem ATP.
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Pyruvat wird schnell mit Coenzym des Typus A[17] verbunden,
Spaltet ab dabei das Formiat[18], das
Leicht in CO2 und Wasserstoff zerfällt;
Acetyl[19], der Rest, wird ans Coenzym geknüpft.
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Mit Energie ist nun das Coenzym beladen,
Nutzt im nächsten Schritt sie, ein Phosphat ans ADP zu binden.
Gewonnen ist ein neues ATP –
Außerdem noch Essigsäure[20], ebenfalls noch voller Energie.
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Glucose, wohl zerlegt, bringt wirkungsvolle Energie:
Aus einem Molekül entstehen – erneuerbar und umweltschonend –
Acht der Energiesubstanzen ATP,
Basis aller Organismen Lebenskraft.
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Fußnoten
[1] Mehrfachzucker: Wenn mehrere Zuckermoleküle aneinandergeknüpft sind; dies können gleiche oder unterschiedliche Zuckermoleküle sein
[2] Proteine: Aus Aminosäuren aufgebaute, komplexe Moleküle. Die [–NH2]-Gruppe einer Aminosäure wird mit der Hydroxylgruppe [–OH] der Säurefunktion [–COOH] unter Wasserabspaltung verknüpft, dabei entsteht eine charakteristische Abfolge von Atomen: [–C–N–C–C–N–]n, wobei das unmittelbar dem [N] benachbarte [C] einen doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] trägt
[3] Lipide: Stoffe mit zwei verschiedenen Enden, ein fettlösliches (wasser-abweisendes) und ein wasserlösliches, oft phosphatverknüpftes Ende; je nach umgebender Flüssigkeit können sich die Moleküle orientieren und flächige Verbände bilden und auch zu Doppellagen assoziieren, deren wasserabstoßende Seiten zueinander weisen
[4] DNA (=DNS): Desoxyribonucleinic Acid, Desoxyribonukleinsäure, eine reduzierte Ribose; Baustein der Erbinformation
[5] RNA (=RNS): Ribonucleinic acid, Ribonucleinsäure; Transporteur der Erbinformation in verschiedenen Ausführungen; mRNA, messenger-RNA, übersetzt den genetischen Code der DNA in für tRNAs ablesbare Matrizen; tRNAs übersetzen die Informationen der mRNA in die verschiedenen Aminosäuren; rRNA, ribosomale RNA, verknäuelt sich unter Beteiligung von Proteinen zum Ablesegerät der tRNAs, um Aminosäuren zu Proteinen zu verknüpfen
[6] Phosphat: An andere Atome oder Moleküle gebundene Phosphorsäure [H3PO4 entspricht O=P(–OH)3]
[7] ADP, Adenosin-di-phosphat: nach Abgabe des zuäußerst gelegenen Phosphats des ATPs bleibt das energieärmere ADP über, das aber wieder zum ATP regeneriert werden kann
[8] Kohlendioxid, CO2: gestrecktes Molekül [O=C=O]
[9] Ammonium (eigentlich Ammoniumion) [NH4+]: Ammoniak [NH3] mit drei Wasserstoffatomen, wird mit einem weiteren Wasserstoffatom versehen und bekommt dadurch eine positive Ladung
[10] Glucose: Ringförmiger Zucker mit sechs [C]-Atomen [C6H12O6]; der Ring besteht aus fünf [C]-Atomen und einem Sauerstoffatom; das restliche [C]-Atom hängt als [–CH2OH]-Gruppe an einem dem Sauerstoff benachbarten [C]-Atom; vier [–OH]-Gruppen stehen an [C]-Atomen des Rings
[11] ATP: Adenosin-tri-phosphat; bestehend aus Ribose und Adenin; Ribose trägt an seiner nicht in den Zuckerring einbezogenen Kohlenstoffgruppe drei hintereinander liegende Phosphatgruppen. Diese lineare Anordnung der Phosphate hat zur Folge, dass das dritte, äußerste Phosphat, mit seiner ihm dadurch innewohnenden Energie, diese leicht unter Abspaltung auf andere Moleküle übertragen kann
[12] Enzym: Protein, das, an spezielle Moleküle angepasst, die Synthese katalysiert. Meistens werden mehrere Enzyme zu einem Komplex verbunden, um eine räumliche Nähe zwischen den einzelnen, aufeinanderfolgenden Syntheseschritten herzustellen; hier ATPase
[13] Fructose-bis-phosphat: Die [–OH]-Gruppen der [–CH2OH]-Seitenketten der ringförmig geschlossenen Fructose sind mit Phosphat verknüpft
[14] Glycolytisch, Glycolyse: Schrittweiser Abbau von Einfachzuckern (z. B. Glucose)
[15] Pyruvat (= Brenztraubensäure): Ein Molekül mit drei [C]-Atomen, durch sog. Glycolyse aus Glucose gewonnen, verliert unter ATP-Gewinn ein CO2, übrig bleibt ein Acetyl (=Essigsäurerest) mit zwei Kohlenstoffatomen und Formiat, das anschließend ohne Energiegewinn in CO2 und H2 zerfällt. Das Acetyl könnte aber auch von anderen Organismen alternativ unter weiterem Energiegewinn zu Wasser und CO2 abgebaut werden
[16] NADH2 (=NADH + H+): Nicotinamid-Di-Nucleotid mit zusätzlichem Wasserstoff und einem damit gekoppelten Proton (H+). Anstelle eines dritten Phosphats wie am ATP wird hier das zweite Phosphat mit einer Ribose verknüpft, die als Seitenkette ein Nikotinamid trägt. Dieses NADH + H+ kann zum einen verwendet werden, den Wasserstoff auf andere Moleküle zu übertragen, um sie zu reduzieren; damit werden diese energiereicher. Zum anderen kann es aber auch dazu dienen, zwei bis meist drei ATPs aufzubauen (ein drittes Phosphat wird dabei an ADP angehängt); es selbst ändert sich zum NAD, das wiederum beim Abbau von Zucker zum NADH + H+ regeneriert werden kann
[17] Co-Enzym: Ein Molekül, das für die Funktion eines Enzyms unbedingt nötig ist. Dies ist oft das sog. Co-Enzym A. In anderen Fällen kann ein Co-Enzym ein Metall-Ion aber auch ein Vitamin sein
[18] Formiat: Ameisensäure [H–COOH] in seiner Ionische Form [H–COO- + H+]
[19] Acetylrest: [–CHCOOH]
[20] Essigsäure: CH3COOH; sie ist häufig in Lösung dissoziiert; d. h. sie liegt in Ionenform vor [H+ + CH3COO–]
Eingestellt am 2.Februar 2024
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Glycolyse (Kreidezeichnung, Reinhard Agerer)
Glucose als Ausgangsmolekül (rechts oben, atomar dargestellt) wird über mehrere Schritte unter Einsatz von zwei ATP (nicht gezeigt) in Fructose-bis-Phosphat (links daneben; atomar wiedergegeben) überführt; zwei ADP (weiße Sterne mit A am Enzym) entstehen dabei. Beide Zuckermoleküle stecken in abstrahierter Form in Enzymtaschen (rechts; sechs Kohlenstoffsymbole in Schwarz; die rote Farbe deutet die Gesamtheit der Sauerstoffatome, die violette Linie die Gesamtheit der Wasserstoffatome im Zuckermolekül an). Fructose-bis-phosphat wird unter Gewinn von vier ATP (gelbe Sterne mit A am verdoppelt dargestellten Enzym; Zentrum des Bildes) und zwei NADH2 (Symbole) in zwei Dreierzucker (s. Kohlenstoffsymbole), in das Pyruvat, zerlegt (verdoppelt dargestelltes Enzym im Zentrum). Jedes NADH kann zu je zwei ATP (zugeordnete Symbole) umgewandelt werden. Das Pyruvat wird enzymatisch unter Bildung eines ATP (gelbes Sternsymbol) in Essigsäure (unten, links und rechts außen; atomar dargestellt) und Formiat (Ameisensäure) zerlegt. Essigsäure in den Enzymtaschen mit zwei Kohlenstoffatomen. Die Ameisensäure zerfällt letztlich ohne Energiegewinn in [H2] und [CO2] (Zentrum des Bildes unten; atomar dargestellt). Angedeutete Lipiddoppelmembranen verweisen auf einen Innenraum (Vesikel). Mehrere gelöste Moleküle im Vesikel bzw. in der Umwelt sind eingezeichnet: [H2O, CO2, H2]. – Kohlenstoff: schwarz. – Sauerstoff: rot. – Phosphor: orange. – Wasserstoff: violett. – Bindungen: dunkelgrün; Einfach-bindungen: feiner Strich; Doppelbindungen: breiter Strich. – [Angelehnt an Munk (2008) Mikrobiologie, Seiten 351, 380]
Energieträger (Kreidezeichnung, Reinhard Agerer)
ATP (links unten und rechts oben; atomar dargestellt, sowie symbolisch als gelber Stern mit A und drei P) ist die Energiewährung der Organismen. Die energiereiche Bindung liegt zwischen dem zweiten und dem dritten Phosphat (Sternsymbole). NADH+H+ (= NADH2, Nicotinamid-di-Nucleotid in reduzierter Form, bestehend aus Adenosin und Nicotinamid über zwei Phosphate miteinander verbunden; Symbol; links oben). Es kann in ATP umgesetzt werden. NADPH+H+ (= NADPH2, Nicotinamid-di-Nucleotid-Phosphat in reduzierter Form; Symbol; rechts unten) wird hauptsächlich dazu verwendet, Wasserstoff zur Reduktion von Molekülen zu übertragen, ihnen damit Energie zuzuführen. Ihre mögliche ursprüngliche Entstehung an Schwarzen Rauchern deutet der Hintergrund an. – Das Plus-Zeichen an einem Wasserstoff im NADPH+H+-Molekül, deutet das ungebundene, positiv geladene Proton an. – Kohlenstoff: schwarz. – Phosphor: orange. – Sauerstoff: rot. – Stickstoff: blau. – Wasserstoff violett. – Bindungen: dunkelgrün; Einfachbindungen: feiner Strich; Doppelbindungen: breiter Strich. – [Angelehnt an Sitte, Weiler, Kadereit, Bresinsky, Körner (2002) Lehrbuch der Botanik, Seiten 18, 279]
Eingestellt am 2.Februar 2024
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13 Der Clou (SP)
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Zu weit entfernt von Fels und toter Masse,
Schnell an Nahrungsnachschubmangel,
Bleiben dicht an dicht jedoch im Platzgerangel.
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Kohlendioxide[3] fänden zwar sie viel
In Nah- und Fernbereichen,
Doch Energie ist schnell begrenzt!
Könnten Bionten[4] nicht mit Lichtes Hilfe einiges erreichen?
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Nur müsste noch gelingen, es aufzunehmen und auf neuer Bahn zu halten,
Seine Energie geregelt zu verwenden,
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Vier Fünferringe – je aus einem Stickstoff, vier Atomen Kohlenstoff –
Recht ähnlich dem Prolin[10],
Schließen sich mit Seitenketten eng im Kreise fest zusammen,
Halten mittig – mit vereinten Kräften – ein Magnesium[11] gefangen.
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Bieten Licht Gelegenheit, Elektronen energetisch aufzuladen.
Gelingt es dann, gefang‘ne Energie auch andern Molekülen zuzuführen,
Wird die Kraft für Biomolekülsynthesen angehäuft.
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Porphyrine werden noch mit
Massenweise Chlorophylle[16] in
Doppelten Lipidmembranen[17] zu verankern.
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Das Licht durchdringt der Moleküle Bau.
Ein Teil davon wird absorbiert,
Vom Rotbereich und auch vom Blau,
Doch Grün durchstrahlt sie ungeniert.
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Leiten Schritt für Schritt den Chlorophyllen sie zurück,
Nutzen so des Lichtes Energie,
Produzieren dabei ATP[20].
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Dieser zyklische Transport von Elektronen[21]
Erneuert Chlorophylle lebenslang.
Nur Licht ist dazu nötig,
Die Sonne liefert es im Überschwang!
Energieprobleme scheinen nun gelöst!
Nicht unabhängig noch von Baustoffmolekülen,
Sucht zur Kohlenstoffernährung der Biont
Immer noch nach Toten seiner Konkurrenz.
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Diese Fotoheterotrophie[22] ist die dritte Lebensstrategie
Nach Chemoauto- sowie Chemoheterotrophie.
Bald wird der nächste Schritt zur Unabhängigkeit getan:
Nur Kohlendioxid und Licht benötigt Fotoautotrophie[23].
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Das Grün des Chlorophylls im Innern der Bionten
Verleiht dem Leben hoffnungsvolle Farbe.
Ein Anfang ist’s, nichts ausgefeilt.
Manches wartet schon, noch optimiert zu werden.
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Fußnoten
[1] Chemoautotrophie: Zur Kohlenstoffernährung wird Kohlendioxid verwendet, die nötige Energie stammt aus Mineralien von Gesteinen; oftmals auch als Lithoautotrophie bezeichnet
[2] Chemoheterotrophie: Kohlenstoff und Energie werden beide aus toten, schon energiehaltigen und baustoffbestückten organischen Substanzen gewonnen
[3] Kohlendioxid, CO2: gestrecktes Molekül [O=C=O]
[4] Bionten: Allgemeine Bezeichnung für Lebewesen
[5] Quanten (h × ν): Lichtquant, Photon; eine unteilbare Einheit; Vermittler der elektromagnetischen Wechselwirkung. h ist das Plancksche Wirkungsquantum, ν die Frequenz des Lichtes
[6] Elektronen: Negativ geladene Bestandteile von Atomen, die den positiv geladenen Atomkern umgeben. Sie sind an den Atomkern gebunden und bilden die sogenannte Elektronenhülle des Atoms
[7] Elektronen auf eine höhere Bahn: Elektronen befinden sich um den Atomkern nur auf bestimmten Energieniveaus (Bahnen, Schalen). Sie können sich von einem Niveau auf das nächsthöhere nur begeben, wenn sie eine Mindestenergie aufnehmen, die dem Energieunterschied zum höheren Niveau entspricht. Dies wird durch Lichtquanten bewerkstelligt. Beim „Zurückspringen“ auf die nächstniedrigere Energieebene wird die zuvor aufgenommene Energie gezielt wieder abgegeben
[8] Phosphat: An andere Atome oder Moleküle gebundene Phosphorsäure [H3PO4 entspricht O=P(–OH)3]
[9] ADP, Adenosin-di-phosphat: nach Abgabe des zuäußerst gelegenen Phosphats des ATPs bleibt das energieärmere ADP über, das aber wieder zum ATP regeneriert werden kann
[10] Prolin: Aminosäure mit Fünferring, neben vier Kohlenstoffatomen im Ring ist noch ein Stickstoffatom eingebunden
[11] Magnesium, Mg: Als Ion doppelt positiv geladen, das im Zentrum des Chlorophylls von Stickstoff des Purinringsystems festgehalten wird; es ist für Fotosynthese und Kohlenstofffixierung von entscheidender Bedeutung
[12] Konjugierte Doppelbindungen: Entstehen, wenn aneinandergereihte Atome in regelmäßigem Wechsel mit einfachen und Doppelbindungen verknüpft sind
[13] Porphyrin: Ringförmige Struktur des Chlorophylls aus charakteristischen vier Fünferringen
[14] Hydrophob (Gegensatz: hydrophil): wasserabstoßend
[15] Kohlenwasserstoffe: Moleküle, die nur aus Kohlenstoff [C] und Wasserstoff [H] bestehen
[16] Chlorophyll: Besteht aus Porphyrinringsystem mit angehängter Kohlenstoffkette. Es lassen sich Untertypen unterscheiden, je nachdem welche Seitenmoleküle am Porphyrinringsystem hängen
[17] Lipidmembran: Lipide, bestehend aus einem mit drei Hydroxylgruppen [–OH] versehenen Glycerinmolekül, an dem zwei Fettsäuren und ein Cholin unter Wasserabspaltung angeknüpft sind, zeigen einen hydrophilen Kopf (Glycerin und Cholin) und den hydrophoben Fettsäureschwanz. Nach dem Motto Gleich zu Gleich gesellt sich gern, ordnen sich die hydrophilen Köpfe zum einen und die hydrophoben Schwänze zum anderen nebeneinander an und bilden eine geschlossene Schicht. Eine Doppelmembran entsteht dann, wenn sich zwei solcher Schichten, hydrophobe Schwänze zueinander gereckt, aneinanderlegen
[18] Enzymkomplexe: Meistens werden mehrere Enzyme zu einem Komplex verbunden, um eine räumliche Nähe zwischen den einzelnen, aufeinanderfolgenden Syntheseschritten herzustellen
[19] Angeregte Elektronen: Elektronen befinden sich immer auf bestimmten Bahnen (Energieniveaus) der Atome; werden Elektronen angeregt, werden sie mit der eingebrachten Energie auf eine höhere der möglichen Bahnen gehoben.
[20] ATP: Adenosin-tri-phosphat; bestehend aus Ribose und Adenin; Ribose trägt an seiner nicht in den Zuckerring einbezogenen Kohlenstoffgruppe drei hintereinander liegende Phosphatgruppen. Diese lineare Anordnung der Phosphate hat zur Folge, dass das dritte, äußerste Phosphat, mit seiner ihm dadurch innewohnenden Energie, diese leicht unter Abspaltung auf andere Moleküle übertragen kann
[21] Zyklischer Transport von Elektronen: Beim zyklischen Transport von Elektronen wird ein Elektron von einem Chlorophyllmolekül entfernt und von einem besonderen Elektronenfänger (reaktives Zentrum) eingefangen. Es wurde dabei angeregt (auf eine höhere Bahn gebracht). Nach schrittweiser Abgabe der Energie auf Enzyme, die damit Syntheseenergie als ATP gewinnen, gelangt es wieder zum Ursprungsort zurück; daher zyklisch
[22] Fotoheterotrophie: Energie wird von Licht mit Hilfe des Chlorophylls gewonnen; Baustoffe aus organischen Substanzen
[23] Fotoautotrophie: Energie und Baustoffe werden mit Hilfe des Lichts gewonnen; Energie aus Licht und damit Baustoffe aus CO2 und H2O
Eingestellt am 2.Februar 2024
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Bakterienchlorophyll (Kreidezeichnung, Reinhard Agerer)
Charakteristisch für die Bakterienchlorophylle ist die [–COCH3] Seitenkette links oben im Porphyrinringsystem. Bakterinchlorophyll b unterscheidet sich von Bakerienchlorophyll a im Ersetzen der [–CH2CH3] Seitenkette (rechts oben) durch die Funktion [=CHCH3]. – Kohlenstoff: schwarz. – Magnesium: ocker. – Sauerstoff: rot. – Stickstoff: blau. – Wasserstoff violett. – Bindungen: dunkelgrün; Einfachbindungen: feiner Strich; Doppelbindungen: breiter Strich. – [Nach Munk K, ed. (2008) Mikrobiologie, Seite 337; Russell PJ, Wolfe SL, Hertz PE, Starr C, McMillan B (2008) Biology, the Dynamic Science, Seite 183; Bresinsky A, Körner C, Kadereit JW, Neuhaus G, Sonnewald U (2000) Strasburger. Lehrbuch der Botanik, Seite 277]. Das Chlorophyllmolekül wird von stilisierten Molekülen (grün: Porphyrinringsystem; gelb: Phytol-schwanz) umgeben.
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Zyklischer Elektronentransport (Kreidezeichnung, Reinhard Agerer)
Im Uhrzeigersinn von links unten (im Zentrum nochmals Bakterienchlorophyll a), ist in vier aufeinanderfolgenden Schritten das Prinzip des zyklischen Elektronentransports dargestellt. Ein Lichtquant (h×ν) trifft auf ein Chlorophyllmolekül innerhalb eines Chlorophyllmolekülkomplexes (erstes Bild). Das Elektron wird einem reaktiven Zentrum, einem bestimmten Paar von Chlorophyll a und einem sog. Primären Elektronenakzeptor (nicht gezeigt) zugeleitet (zweites Bild; Symbol), von dort wird es über mehrere Enzyme (drittes Bild; Enzymkomplex als Hauptenzym größer dargestellt) unter ATP-Bildung (viertes Bild; ATP-Symbol), einem Chlorophyllmoleklül mit Ladungslücke im selben Chlorophyllmolekülkomplex wieder zugeführt. Damit ist der Transportkreislauf des Elektrons wieder geschlossen und seine ursprüngliche von Licht stammende Energie in chemisch gebundene Energie (ATP) überführt. – Magnesium: ocker. – Sauerstoff: rot. – Stickstoff: blau. – Wasserstoff violett. – Bindungen: dunkelgrün; Einfachbindungen: feiner Strich; Doppelbindungen: breiter Strich. – [Nach Campbell NA, Reece JB (2003) Biologie, Seite 221].
Eingestellt am 2.Februar 2024
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14 Optimierung
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Energiebelad‘ne Moleküle sind zur frühen Zeit noch rar,
Doch Mengen Energie erfordern Molekülsynthesen.
Sich bescheiden zu ernähren, auf Abfall[1] nur zu hoffen,
Ist folglich keine zukunftsorientierte Strategie!
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Nur eines könnte helfen, Bionten[2] über weite Strecken zu bewegen,
Gründete Ernährung nicht allein auf abgestorbenen Produkten.
Wären Selbstversorger die Bionten, unabhängig dann von fremder Wesen Energie.
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So gilt die Zukunft autonomer Zuckerproduktion!
Zur lichtgetriebenen Synthese kalorienreicher Zucker
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Lichtsynthese[10] ist das Zauberwort!
Chlorophyll[11] allein nutzt nur des Spektrums kleinsten Teil,
Der akzessorischen Pigmente[12] Vielfalt aber
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Helfen nicht nur Licht zu sammeln,
Schützen auch das Chlorophyll
Vor schädlich harter Strahlung:
Entsorgen ultraviolettes Licht[15] im Handumdrehn!
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Chlorophylle, dicht an dicht und im Verbunde,
Geben Mengen der Photonen[18] erst die Chance
Massenweise Elektronen anzuregen, damit sie energiebeladen reagieren.
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Am Rande des Verbunds schießt Licht
Dem Chlorophyll ein Elektron heraus,
Das hochgeschwind von Chlorophyll zu Chlorophyllen springt,
Bis ein reaktives Zentrum[19] zu erreichen ihm gelingt.
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Schritt für Schritt wird‘s dort Enzymkomplexen[20] übergeben;
Doch anders als im zyklischen Transport,
Nicht um ATP zu generieren:
Es fällt nicht mehr zurück an seinen Ursprungsort,
Gelangt zu einem nächsten Chlorophyllverbund,
Verjagt von dort – an seine Stelle schnell sich setzend – selbst ein Elektron.
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Auch dieses wandert rastlos nun von Chlorophyll zu Chlorophyll
Zu einem zweiten reaktiven Zentrum,
Das es – wieder energiebeladen – auch Enzymen weitergibt
Und das damit NADPH+H+ zum Reduzieren produziert.
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Das Chlorophyll im ersten Chlorophyllkomplex sucht
Händeringend gleich Ersatz fürs vermisste Elektron;
Entzieht dem Schwefelwasserstoff[21] es kurzerhand,
Oxidiert es so zu schwefelgelbem Molekül[22].
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Der Elektronen zyklischer Transport wandelte so zu Wellen sich!
Bald jedoch dient nur Wasser, Elektronen nachzuliefern, nicht mehr Schwefelwasserstoff.
Befreit die modischen Bionten so von jeder Ortsgebundenheit,
Denn Licht und Wasser gibt es doch fast überall.
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Zum Patent erhoben wird der stark verlängerte Transport
– Sowie die neue Elektronenquelle – von einer Biontengruppe nur.
Blaugrün sind die Arten: sie tauschten das geerbte Chlorophyll
Zu Chlorophyll des Typus a[23].
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Revolutionierend wird der Elektronenlieferantenwechsel
Von Schwefelwasserstoff zu Wasser sich erweisen:
Nicht Schwefel mehr wird ausgeschieden, danach abgelagert,
Der Sauerstoff des Wassers verflüchtigt sich vielmehr als Umweltgift!
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Denn Sauerstoff, zunächst als Radikal[24] geformt,
Kann oxidierend manches Molekül zerstören.
Drei verschied‘ne Wege öffnen sich den Lebewesen nun:
Den Sauerstoff zu flieh‘n, sich vor ihm zu schützen, ihn noch sinnvoll nutzen.
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Fußnoten
[1] Tote organische Materie
[2] Bionten: Allgemeine Bezeichnung für Lebewesen
[3] Kohlendioxid, CO2: gestrecktes Molekül [O=C=O]
[4] Wasser (chemisch), H2O: [H-O-H], ein geknicktes Molekül
[5] Zucker: Kohlenstoffverbindungen mit einem doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] und einer oder mehreren [–OH]-Gruppen; Summenformel meist [Cn(H2O)n]
[6] Elektronen: Negativ geladene Bestandteile von Atomen, die den positiv geladenen Atomkern umgeben. Sie sind an den Atomkern gebunden und bilden die sogenannte Elektronenhülle des Atoms
[7] Zyklischer Elektronentransport: Beim zyklischen Transport von Elektronen wird ein Elektron von einem Chlorophyllmolekül entfernt und von einem besonderen Elektronenfänger (reaktives Zentrum) eingefangen. Es wurde dabei angeregt (auf eine höhere Bahn gebracht). Nach schrittweiser Abgabe der Energie auf Enzyme, die damit Syntheseenergie als ATP gewinnen, gelangt es wieder zum Ursprungsort zurück; daher zyklisch
[8] ATP: Adenosin-tri-phosphat; bestehend aus Ribose und Adenin; Ribose trägt an seiner nicht in den Zuckerring einbezogenen Kohlenstoffgruppe drei hintereinander liegende Phosphatgruppen. Diese lineare Anordnung der Phosphate hat zur Folge, dass das dritte, äußerste Phosphat, mit seiner ihm dadurch innewohnenden Energie, diese leicht unter Abspaltung auf andere Moleküle übertragen kann
[9] NADPH+H+, NADPH2: Nicotinamid-Di-Nucleotid-Phosphat mit zusätzlichem Wasserstoff und einem damit gekoppelten Proton [H+]. Genereller Bau wie NADH + H+, doch trägt die Ribose, an das ein Molekül Adenin gebunden ist, anstelle einer Hydroxylgruppe [–OH] ein Phosphat [–PH2O4]
[10] Fotosynthese: Umwandlung von Lichtenergie in Energie organischer Moleküle. Dabei wird letztlich CO2 über komplexe Vorgänge zu energiereicher Glucose aufgebaut. Mit Hilfe von Chlorophyll (Licht!), erzeugtem ATP (zyklischer Elektronentransport) und NADPH2 (azyklischer Elektronentransport) werden von Zellen Zucker synthetisiert
[11] Chlorophyll: Besteht aus Porphyrinringsystem mit angehängter Kohlenstoffkette. Es lassen sich Untertypen unterscheiden, je nachdem welche Seitenmoleküle am Porphyrinringsystem hängen
[12] Akzessorische Pigmente: Zusätzliche Pigmente, die einen Chlorophyllkomplex umgeben. Sie können Licht anderer Wellenlängen aufnehmen und diese Energie dem Chlorophyllkomplex zuleiten, sind aber auch in der Lage, den schädigenden Einfluss hochenergetischer Strahlung (UV-Licht) auf das Chlorophyll abzufangen. Als akzessorische Pigmente kommt eine größere Anzahl von Farbstoffen in Frage. Oft sind es Carotinoide unterschiedlicher Ausprägung. Blaualgen und Rotalgen nehmen noch das rote Phycoerythrin und das blaue Phycocyanin hinzu
[13] Carotinoide: Carotinoide sind lineare Kohlenwasserstoffe mit vielen konjugierten Doppelbindungen (= benachbarte Kohlenstoffatome sind in wechselnder Abfolge mit einer einfachen und einer Doppel-bindung miteinander verknüpft), an deren beiden Enden jeweils ein Kohlenstoffring aus sechs Atomen hängt. Je nach Lage einer Doppelbindung in diesen Sechserringen und ob eine Hydroxylgruppe [–OH] oder andere zusätzliche Gruppen an Sechserringen hängen, werden verschiedene Typen an Carotinoiden unterschieden, die auch in ihrer Färbung voneinander abweichen und somit Licht anderer Wellenlängen aufnehmen können
[14] Phycoerythrin und Phycocyanin: In offener Kette vorliegende, über konjugierte Doppelbindungen verknüpfte, Stickstoffheterozyklen, die ihr Lichtabsorptionsmaximum bei 615-640 nm, bzw. 490-580 nm aufweisen und Licht absorbieren können, das von Chlorophyllen sonst nicht erfasst wird. Damit sind die Organismen in der Lage, auch in tieferen Schichten oder im lichteren Schatten Licht zu sammeln. Deshalb gehört Phycocyanin (zusammen mit Phycoerythrin) zu den lichtsammelnden Komplexen der Photosynthese. Phycocyanin und Phycoerythrin sind mit Proteinen zu sog. Phycobiliproteinen verbunden und kommen in unterschiedlichen Anteilen meist gemeinsam vor. Phycocyanin erscheint blau, Phycoereythrin rot. In offener Kette vorliegende, über konjugierte Doppelbindungen verknüpfte, Stickstoffheterozyklen, die ihr Lichtabsorptionsmaximum bei 615-640 nm, bzw. 490-580 nm aufweisen und Licht absorbieren können, das von Chlorophyllen sonst nicht erfasst wird. Damit sind die Organismen in der Lage, auch in tieferen Schichten oder im lichteren Schatten Licht zu sammeln. Deshalb gehört Phycocyanin (zusammen mit Phycoerythrin) zu den lichtsammelnden Komplexen der Photosynthese. Phycocyanin und Phycoerythrin sind mit Proteinen zu sog. Phycobiliproteinen verbunden und kommen in unterschiedlichen Anteilen meist gemeinsam vor. Phycocyanin erscheint blau, Phycoereythrin rot
[15] Hartes ultraviolettes Licht: Ultraviolette Strahlung (UV-A-Strahlung) zwischen 380 und 315 Nanometer Wellenlänge
[16] Hydrophob (Gegensatz: hydrophil): wasserabstoßend
[17] Lipidmembran: Lipide, bestehend aus einem mit drei Hydroxylgruppen [–OH] versehenen Glycerinmolekül, an dem zwei Fettsäuren und ein Cholin unter Wasserabspaltung angeknüpft sind, zeigen einen hydrophilen Kopf (Glycerin und Cholin) und den hydrophoben Fettsäureschwanz. Nach dem Motto Gleich zu Gleich gesellt sich gern, ordnen sich die hydrophilen Köpfe zum einen und die hydrophoben Schwänze zum anderen nebeneinander an und bilden eine geschlossene Schicht. Eine Doppelmembran entsteht dann, wenn sich zwei solcher Schichten, hydrophobe Schwänze zueinander gereckt, aneinanderlegen
[18] Photonen: Lichtquanten, oder Lichtteilchen, aus denen Lichtstrahlung besteht
[19] Reaktives Zentrum: Wenn Licht geeigneter Wellenlänge auf Chlorophyll fällt, wird ein Elektron aus einem der Moleküle herausgetrieben, das dann von Chlorophyllmolekül zu Chlorophyllmolekül springt, bis es zu einem sog. reaktiven Zentrum gelangt, aus dem es nicht mehr unmittelbar zum ursprünglichen Chlorophyll zurückkann. Dies ist entweder ein ausgewähltes, besonderes Paar von Chlorophyll aber auch ein anderes Molekül kann es sein; von dort wird es weitergeleitet, um über Enzymkomplexe Schritt für Schritt Energie an ATP oder Reduktionsäquivalente (NADPH2) abzugeben
[20] Enzymkomplexe: Meistens werden mehrere Enzyme zu einem Komplex verbunden, um eine räumliche Nähe zwischen den einzelnen, aufeinanderfolgenden Syntheseschritten herzustellen
[21] Schwefelwasserstoff, H2S: [H-S-H], ein geknicktes Molekül mit mittigem Schwefel
[22] Schwefel [S2]: Elementarer Schwefel, der als Molekül aus zwei Atomen Schwefel besteht
[23] Chlorophyll a: „Blattgrün“, bestehend aus Porphyrinringsystem mit angehängter Kohlenstoffkette. Es unterscheidet sich vom „Bakteriengrün“ durch bestimmte Seitenmoleküle am Porphyrinringsystem. Innerhalb der Bacteria besitzen nur die Cyanobacteria (Blaualgen) diesen Chlorophylltyp
[24] Sauerstoffradikal [O]: aus Ozon [O3] kann z. B. ein Sauerstoffmolekül [O2] entstehen und ein sogenanntes freies Radikal ([O] mit einem ungepaarten Elektron) abgeben, das besonders reaktiv ist und auf verschiedene Moleküle recht aggressiv wirkt, indem es z. B. Doppelbindungen aufbricht und damit das Molekül zerstörend verändert
Eingestellt am 2.Februar 2024
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Azyklischer Elektronentransport und akzessorische Pigmente (Kreidezeichnung, Reinhard Agerer)
Im zyklischen Elektronentransport, der hauptsächlich zur Gewinnung von Reduktionsäquivalenten (NADPH2) betrieben wird, stehen zwei verschiedene Chlorophyllkomplexe in Aktion. Dem sog. Photosystem II (links) wird durch ein Lichtquant einem Chlorophyllmolekül ein Elektron herausgeschossen, das an ein reaktives Zentrum, ein bestimmtes Paar von Bakterienchlorophyll-Molekülen, weitergeleitet wird. Von dort wird es einem primären Elektronenakzeptor (von anderer Struktur als beim zyklischen Elektronentransport) übergeben. Über verschiedene Enzyme wird dieses dann einem zweiten Chlorophyll-Molekül-Komplex, dem sog. Photosystem I (Photosystem I, rechts, wurde früher entdeckt als Photosystem II, daher die Bezeichnung I) übergeben. Ein erneutes Lichtquant hebt das Elektron ebenfalls in ein Reaktionszentrum mit einem Bakterienchlorophyll Paar als primären Elektronenakzeptor. Über eine Enzymkaskade werden zwei Elektronen verwendet, um NADP mit Wasserstoff zu NADPH2 zu beladen. Die Elektronen gehen daher dem ersten Chlorophyllsystem verloren, woraus sich die Bezeichnung nichtzyklischer Elektronentransport erklärt. Die fehlenden Elektronen im ersten Chlorophyllkomplex werden durch zwei Elektronen aufgefüllt, die durch Schwefelwasserstoffspaltung verfügbar wurden. Da letztlich molekularer Schwefel entsteht (S2), werden dafür zwei [H2S] Moleküle benötigt. Ein doppelter Durchgang von zwei Elektronen liefert damit ein S2-Mosleklül und 2 NADPH2. Für den nichtzyklischen Elektronentransport kann für den Elektronennachschub auch Wasser zur Spaltung verwendet werden. Dies wird allerdings nur von jenen Organismen vollzogen, die an Stelle von Bakterienchlorophyll Chlorophyll a besitzen (Blaualgen und grüne Eukaryonten). Dabei entsteht nicht molekularer Schwefel [S2] sondern molekularer Sauerstoff [O2]. Um effektiver Licht sammeln zu können, bzw. zu energiereiche Ultraviolettstrahlung unschädlich zu machen, werden akzessorische (= zusätzliche) Pigmente eingesetzt. Drei davon sind gezeigt: Phycoerythrin (links oben), Phycocyanin (rechts unten – Suchbild: wodurch unterscheiden sich die beiden?), β-Carotin (oben und unten). – Magnesium: ocker. – Sauerstoff: rot. – Stickstoff: blau. – Wasserstoff violett. – Bindungen: dunkelgrün; Einfachbindungen: feiner Strich; Doppel-bindungen: breiter Strich. – [Nach Campbell NA, Reece JB (2003) Biologie, Seite 218ff. - Lüttge U, Kluge M (2012) Botanik. Die einführende Biologie der Pflanzen, Seite 115. - Lim D (1998) Microbiology. Boston et al., Seite 181].
Chlorophyll a (Kreidezeichnung, Reinhard Agerer)
Vier Chlorophyll a Moleküle ornamental zusammengestellt. Anstelle der [–COCH3]-Gruppe im Bakterienchlorophyll a steht hier eine [–CHCH2]-Gruppe. (Suchbild: wodurch unterscheiden sich die beiden noch?). – Kohlenstoff: schwarz. – Sauerstoff: rot. – Stickstoff: blau. – Wasserstoff violett. – Bindungen: dunkelgrün; Einfachbindungen: feiner Strich; Doppelbindungen: breiter Strich. – [Nach Campbell NA, Reece JB (2003) Biologie, Seite 218ff. - Lüttge U, Kluge M (2012) Botanik. Die einführende Biologie der Pflanzen, Seite 115].
Eingestellt am 2.Februar 2024
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15 Zuckerlabyrinth
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Bieten unverzweigte Kohlenstoffgerüste, mehrfach Sauerstoff- und Acetyl-verknüpft[3],
Gelegenheit, Kohlendioxide[4] molekülvergrößernd anzubinden,
Um letztlich Pyruvat[5] als Vielzwecksäure zu gewinnen.
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Nehmen alle gerne CO2 zu sich,
Um mit vielen Zwischenschritten Traubenzucker[12] anzubieten:
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Ribulose-5-Phosphat[13]
Gilt als aussichtsreichster Kandidat,
Ist es doch der grünen Zunft
Verheißungsvollste Kunst:
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Drei der Moleküle Fünf-C-Zucker[14] Ribulose,
Angeknüpft an ein Phosphat[15],
Locken je ein ATP zu sich und
Werden Ribulosebisphosphat[16].
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Diese nehmen je ein CO2 zu sich,
Spalten auf in Dreierzucker[17].
Resultat:
Sechs Mal Phospho-Glycerat[18].
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Holen neuerlich Phosphat vom ATP,
Tanken Energie auf diese Weise,
Reduzieren sich – Phosphat dabei verlierend –
Mit NADPH2 zum Phosphoaldehyd des Glycerats[19].
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Konsequent mit zwei Phosphaten an den Enden.
Dieses Molekül verliert alsdann, ohne Energieverschwendung, eines wieder von den beiden
Und wird Fructose-6-Phosphat[22].
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Einem nächsten Sechser-Zucker wird die Bildung rasch verwehrt,
Denn zwei des halben Dutzend Dreierzucker schlagen gänzlich neue Wege ein.
Auch ein dritter wäre gerne noch aus Phosphoglycerat entstanden,
Doch kommt der sechste Dreierzucker ihm zuvor noch schnell abhanden:
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Fructose-ein-Phosphat verbandelt sich mit einem Dreierzucker,
Und den Xylulose-Phosphat[25]-Fünfer-Zucker.
Der Fünfer-Partner lagert sich zum Ausgangszucker Phospho-Ribulose[26] um.
Der Erythrose-Vierer-Zucker packt sich schnell
Ein viertes Dreierstück
Und wird zum Zucker nun mit sieben Kohlenstoffatomen,
Zum zungenbrecherischen Seduheptulosebisphosphat[27].
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Ein Phosphat, gleich abgegeben, ist es nun bereit,
Ein fünftes Dreierteil zu greifen,
Wird dabei Ribose- und zu Xylulose-5-Phosphat:
Beide lagern nun auch sich zum Ausgangszucker Phospho-Ribulose um.
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Übrig bleibt als Spaltprodukt
Ein Aldehydphosphat des Glyerins[28],
Eine Hälfte nur
Des dritten CO2-beladnen Ribulosebisphosphats.
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Dieses wartet nun auf Seinesgleichen,
Um vereint, als Sechser-Zucker Zugewinn,
Sich anderen Substanzen
Als Baustoffzucker anzudienen. –
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Raffiniert ist wahrhaft diese Zuckerab- und -umbaufolge,
Denn nur so entsteh‘n aus sechs der Fünfer-Zucker,
Zusammen mit dem halben Dutzend CO2, dieselben Mengen Startsubstanzen,
Mit einem Sechser-Zucker Zugewinn.
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Gehörig Energie benötigt diese Produktion:
Zweiundvierzig energiegeladene Photonen[29]!
Denn Synthesen eines Sechser-Zuckers kosten
Zwölf der Moleküle NADPH + H+ und achtzehn ATP.
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Zyklisch transportiert, mussten 18 Elektronen[30] für das ATP den Platz verlassen,
Azyklisch vierundzwanzig noch dazu, für den NADPH+H+ Gewinn.
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Fußnoten
[1] ATP: Adenosin-tri-phosphat; bestehend aus Ribose und Adenin; Ribose trägt an seiner nicht in den Zuckerring einbezogenen Kohlenstoffgruppe drei hintereinander liegende Phosphatgruppen. Diese lineare Anordnung der Phosphate hat zur Folge, dass das dritte, äußerste Phosphat, mit seiner ihm dadurch innewohnenden Energie, diese leicht unter Abspaltung auf andere Moleküle übertragen kann
[2] NADPH + H+, NADPH2: Nicotinamid-Di-Nucleotid-Phosphat mit zusätzlichem Wasserstoff und einem damit gekoppelten Proton (H+). Anstelle eines dritten Phosphats wie am ATP wird hier das zweite Phosphat mit einer Ribose verknüpft, die als Seitenkette ein Nikotinamid trägt. Dieses NADPH + H+ kann verwendet werden, den Wasserstoff auf andere Moleküle zu übertragen, um sie zu reduzieren; damit werden diese energiereicher
[3] Acylgruppe: [–(C=O)–]
[4] Kohlendioxid, CO2: gestrecktes Molekül [O=C=O]
[5] Pyruvat (= Brenztraubensäure): Ein Molekül mit drei [C]-Atomen, durch sog. Glycolyse aus Glucose gewonnen, verliert unter ATP-Gewinn ein CO2, übrig bleibt ein Acetyl (=Essigsäurerest) mit zwei Kohlenstoffatomen und Formiat, das anschließend ohne Energiegewinn in CO2 und H2 zerfällt. Das Acetyl könnte aber auch von anderen Organismen alternativ unter weiterem Energiegewinn zu Wasser und CO2 abgebaut werden
[6] Propionyl (eigentlich enzymgebundene Propionsäure; [CH3CH2COOH]): Eine Säure aus drei Kohlenstoffatomen ohne zusätzliche Keto-Gruppe, die CO2 unter Mitwirkung von ATP aufnehmen kann
[7] Acetyle: Säuren mit dem Essigsäurerest [–CHCOOH]
[8] Succinat (Bernsteinsäure, [CH2COOHCH2COOH]): Eine Säure aus drei miteinander verbundenen Kohlenstoffatomen, die beiden äußeren tragen je eine Acylgruppe (= Säuregruppe; [–COOH]); die Bernsteinsäure ist in der Lage, unter anderem mit NADH2-Aufwand CO2 aufzunehmen
[9] α-Ketoglutarat (= 2-oxy-Glutarat; [CH2COOHCH2COCOOH]): Eine Säure aus drei linear miteinander verbundenen Kohlenstoffatomen, wobei ein terminales Kohlenstoffatom ein doppelbindiges Sauerstoffatom und eine Acylgruppe trägt; auch sie ist in der Lage, unter anderem mit NADH2-Aufwand CO2 aufzunehmen
[10] Ribulose [CH2OHCO(CHOH)2CH2OH]: Ein offenkettiger Zucker (nicht zum Ring geschlossen) aus fünf Kohlenstoffatomen; beide terminalen Enden der Kohlenstoffkette tragen neben zwei H-Atomen jeweils eine Hydroxyl-Gruppe, [–OH]; eines der subterminalen Kohlenstoffatome ist mit einem doppelbindigen Sauerstoffatom (= Ketogruppe; [–C=O]) versehen, die übrigen besitzen neben einem H-Atom eine Hydroxyl-Gruppe
[11] Ribulose mit Phosphat verknüpft (= Ribulose-5-phosphat): Wie Ribulose-bis-Phosphat, doch nur eine [CH2OH]-Gruppe mit einem Phosphat verknüpft, und zwar jene, die von der [–C=O]-Gruppe am weitesten entfernt liegt
[12] Traubenzucker, Glucose: Glucose: Ringförmiger Zucker mit sechs [C]-Atomen [C6H12O6]; der Ring besteht aus fünf [C]-Atomen und einem Sauerstoffatom; das restliche [C]-Atom hängt als [–CH2OH]-Gruppe an einem dem Sauerstoff benachbarten [C]-Atom; vier [–OH]-Gruppen stehen an [C]-Atomen des Rings
[13] Ribulose-5-Phosphat: Wie Ribulose-bis-Phosphat, doch ist nur eine [CH2OH]-Gruppe mit einem Phosphat verknüpft, und zwar jene, die von der [–C=O]-Gruppe am weitesten entfernt liegt, die Nummer 5 (C Nummer 1 ist das C der Aldehydgruppe)
[14] Fünf-C-Zucker: Ein Zucker aus 5 C-Atomen
[15] Phosphat: An andere Atome oder Moleküle gebundene Phosphorsäure [H3PO4 entspricht O=P(–OH)3]
[16] Ribulose-bis-phosphat: Bei diesem Molekül sind die beiden terminalen –OH-Gruppen durch einen Phosphatrest [–PH2O4] ersetzt
[17] Dreierzucker, ein Zucker mit drei C-Atomen: Fructose-bis-phosphat zerfällt in zwei verschiedene lineare Zucker aus drei Atomen (Glycerinaldehyd und Dihydroxyaceton), die jeweils mit Phosphat verknüpft sind; beide Zucker können im weiteren Verlauf für die Zuckersynthese verwendet werden
[18] Phosphoglycerat (= Pospho-Glycerinsäure): Die Glycerinsäure [CH2OHCHOHCOOH] besteht aus drei Kohlenstoffatomen, wobei zwei benachbarte mit je einer [–OH]-Gruppe versehen sind, das terminale trägt neben einer [–OH]- auch eine Carbonlygruppe [–C=O], was zusammen eine Säuregruppe [–COOH] ergibt. Beim Phosphoglycerat ist die terminale [–OH]-Gruppe durch einen Phosphatrest [–PH2O4] ersetzt
[19] Phosphoaldehyd des Glycerats (eigentlich Glyerinaldehydphosphat): Im Gegensatz zur Glycerinsäure trägt dieses Molekül anstelle der Acylgruppe [–COOH] eine Aldehydgruppe [–CHO]
[20] Fructose: Meist ringförmiger Zucker mit sechs [C]-Atomen [C6H12O6]; der Ring besteht aus vier [C]-Atomen und einem mittigen Sauerstoffatom; die restlichen [C]-Atome hängen als [–CH2OH]-Gruppen an den Sauerstoff benachbarten [C]-Atomen; drei [–OH]-Gruppen binden an [C]-Atomen des Rings
[21] Sechserzucker: Zucker aus sechs C-Atomen
[22] Fructose-6-phosphat: Nur eine der [–OH]-Gruppen der terminalen [–CH2OH]-Seitenketten der Fructose sind mit Phosphat verknüpft und zwar jene, die der Keto-Gruppe [–C=O] am entferntesten liegt. In Ringform ist diese Position nur an der benachbarten [–OH]-Gruppe zu erkennen
[23] Erythrose-phosphat: Erythrose [CH2OH(CHOH)2CHO] ist ein linearer Zucker mit vier Kohlenstoffatomen; ein terminales Ende ist mit zwei [H]-Atomen und einer [–OH]-Gruppe versehen, das andere mit einer Aldehydgruppe [–CHO]; beim Phosphat der Erythrose ist die [–OH]-Gruppe des terminalen [–CH2OH] durch einen Phosphatrest [–PH2O4] ersetzt
[24] Viererzucker: Ein Zucker aus vier C-Atomen
[25] Xylulosephosphat: Xylulose [CH2OH(CHOH)2COCH2OH] ist ein linearer oder auch ringförmig geschlossener Zucker mit fünf Kohlenstoffatomen; ein terminales Ende ist mit zwei [H)-Atomen und einer [–OH]-Gruppe versehen, am anderen Ende ist am subterminalen [C] eine Ketogruppe [–C=O] vorhanden; beim Phosphat der Xylulose ist eine der terminalen [–OH]-Gruppen, des von der Ketogruppe weiter entfernten Endes, durch einen Phosphatrest ersetzt [–PH2O4]
[26] Phospho-Ribulose (= Ribulose-5-Phosphat)
[27] Seduheptulose-bis-phosphat (Seduheptulose: [CH2OH(CHOH)4COCH2OH)]: Seduheptulose ist ein linearer Zucker mit sieben Kohlenstoffatomen; ein terminales Ende ist mit zwei [H]-Atomen und einer [–OH]-Gruppe versehen, am anderen Ende ist am subterminalen [C] eine Ketogruppe [–C=O] vorhanden; an beiden Enden des Zuckers ersetzt Phosphat [–PH2O4] die [–OH]-Gruppen
[28] Glycerinaldehydphosphat: Dreifachalkohol, [CH2OHCHOHCH2OH], eine der terminalen [–OH]-Gruppen, ist durch einen Phosphatrest ersetzt [–PH2O4]
[29] Photonen: Lichtquanten, oder Lichtteilchen, aus denen Lichtstrahlung besteht
[30] Elektronen: Negativ geladene Bestandteile von Atomen, die den positiv geladenen Atomkern umgeben. Sie sind an den Atomkern gebunden und bilden die sogenannte Elektronenhülle des Atoms
Eingestellt am 2.Februar 2024
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Zucker-Synthese (Calvin-Zyklus, Reduktiver Pentosephosphat-Weg) (Kreidezeichnung, Reinhard Agerer)
Der Reduktive Pentosephosphatweg dient dem Aufbau von Zuckern. Mit Hilfe von ATP und NADPH2 (Reduktionsäquivalent durch nichtzyklischen Elektronentransport der Photosynthese gewonnen) wird [CO2] an Ribulosebisphosphat gebunden. Zunächst aber wird unter ATP-Verbrauch (Sternsymbol) Ribulose-5-Phosphat (= Ribulosemonophosphat; vorletzte Kolumne, rechts) Ribulosebisphosphat hergestellt (letzte Kolumne, rechts). An dieses bindet sich [CO2] (linke Kolumne) mit Hilfe von ATP und NADPH2 über zwei Zwischenschritte (nicht dargestellt) unter Phosphatverlust (freie Phosphatkugeln mit durchbrochener Umrisslinie) sechs Zucker mit je drei Kohlenstoffatomen und je einem Phosphat (= Phosphoaldehyd des Glycerats = Glycerinaldehyd-3-Phosphat) zweite Kolumne von links). Drei Moleküle sind atomar dargestellt: Glycerin-Aldehyd-3-Phosphat (zwei Mal unten), Glucose (oben, in Ringform), Fructose-bis-Phosphat (Mitte, in Ringform). – Kohlenstoff: schwarz. – Phosphor: orange. – Phosphat (gebunden): Phosphor mit roter Linie umgeben. – Phosphat (frei): Phosphor mit durchbrochener roter Linie umgeben. – Sauerstoff: rot. – Wasserstoff violett. – Zucker: Schläuche mit unter-schiedlicher Zahl von Kohlenstoffatomen (3er-, 4er-, 5er- und 7er-Zucker); rote Füllung symbolisiert Sauerstoff, umgebende violette Linie Wasserstoff; vorgezogene Spitze symbolisiert die Kohlenstoff-Sauerstoff-Doppelbindung; für Keton neben dem zweiten Kohlenstoffatom, für Aldehyd an der Spitze: Einbuchtung zeigt die Stelle der [CO2]-Anlagerung. – Bindungen: dunkelgrün; Einfachbindungen: feiner Strich; Doppelbindungen: breiter Strich. – Braune Pfeile: dünn (Spaltungen oder zuckerinterne Umlagerungen, z.B. von Aldehyd zu Keton oder Verknüpfung mit Phosphat): braune dicke Pfeile mit Verknüpfungspunkten (Verbindung zweier Zuckermoleküle, zwei andere entstehen daraus). – [Nach Lüttge U, Kluge M (2012) Botanik. Die umfassende Biologie der Pflanzen, Seite 228ff].
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Am Calvin-Zyklus beteiligte Zucker atomar und schematisch dargestellt (Kreidezeichnung, Reinhard Agerer)
Darstellung der Zuckersymbole in atomarer Weise. Im
Uhrzeigersinn von links oben: Ribulose-bis-Phosphat,
Glcerinaldehyd-3-Phosphat, Xylulose-5-Phosphat,
Seduheptulose-1,7-bisphosphat, Ribose-5-Phosphat,
Erythrose-4-Phosphat, Seduheptulose-7-Phosphat,
Fructose-6-Phosphat (offene Form); zentral:
Fructose-1,6-bisphosphat (offene Form). – Kohlenstoff:
schwarz. – Phosphor: orange. – Phosphat orange. –
Sauerstoff: rot. – Wasserstoff violett. – Zucker: Schläuche mit
unterschiedlicher Zahl von Kohlenstoffatomen (3er-, 4er-, 5er-
und 7er-Zucker); rote Füllung symbolisiert Sauerstoff,
umgebende violette Linie Wasserstoff; vorgezogene Spitze
symbolisiert die Kohlenstoff-Sauerstoff-Doppelbindung; für
Keton neben dem zweiten Kohlenstoffatom, für Aldehyd an der
Spitze: Einbuchtung zeigt die Stelle der
[CO2]-Anlagerung. – Bindungen: dunkelgrün;
Einfachbindungen: feiner Strich; Doppelbindungen: breiter
Strich. – [Nach Lüttge U, Kluge M (2012) Botanik. Die
umfassende Biologie der Pflanzen, Seite 230].
Eingestellt am 2.Februar 2024
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16 Energiereserven
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– Der Zellmembranen Moleküle –
Ergänzen sich durch andere Lipide, doch ohne jegliches Cholin,
Werden Bionten dann zum fetten Öl[5], zum Allerweltsreservestoff.
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Am Glycerin, dem Dreifachalkohol[6], binden drei und nicht nur zwei
Der langgeschwänzten, unverzweigten Fettsäurereste
Und jeder vor Kohlenstoffbindungen nur so strotzend
Mit lebenserhaltender, chemisch gebundener Kraft.
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Mit Wasser und bilden so freie Teilmoleküle:
Drei Fettsäuren neben Glycerin.
Glycerin wird Pyruvat[9] und folgend gewinnbringend abgebaut.
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Fettsäuren binden ans Co-Enzym A[10]
Zwischen zweitem und drittem C nach dem –COOH;
FAD[11] nimmt benachbarten Kohlenwasserstoff-Gruppen je eines der H,
Bindet so beide doppelt, energiereich und stark.
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FAD, reduziert mit zwei Wasserstoff[12],
Leitet ihn molekularem Sauerstoff zu,
In Wasser und Sauerstoff wieder zerfällt.
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Verschleudert wird hier des FADH2[15] Energie!
Wo doch ATP[16] so nötig wär!
Doch gut nur bedacht!:
Denn Fettsäuren horten noch große Mengen gebundener Energie.
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An die doppelte Bindung benachbarter Cs[17] lagert Wasser sich an,
Gibt Nicotinamid-di-Nucleotid[18] seine Chance,
Voll mit Wasserstoff sich zu beladen,
In weiteren Schritten zum ATP-Gewinn.
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Das belad‘ne Enzym verlässt seinen Platz für schon wartendes Co-Enzym A,
Den Prozess zu wiederholen, bis auch das letzte C-Atompaar
Die langen organischen Stränge verließ.
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Welch überzeugende Rechnung!
Verkürzung der Fettsäureketten um je zwei Atome C
Erbringt für NADH2[21] je drei ATP;
Acetyl, zu Kohlenstoffdioxid abgebaut, noch einmal 14 davon.
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Ein Triglycerid[22] mit drei Fettsäureketten, jeweils bestehend aus 16 C,
Liefert Vierhundertundsechsundzwanzig ATP.
Glucosemoleküle mit gleicher Kohlenstoffzahl
Steuerten 300 nur bei.
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Fußnoten
[1] Lipide (Fette): Ein Triglycerid aus Glycerin (mit drei [–OH]-Gruppen) und drei Fettsäuren, die als Fettsäurereste unter Wasserabspaltung ans Glycerin gebunden und eine Bindungsgruppe –C–O–(C=O)– ergeben
[2] Fettsäurereste: Sind die langkettigen Kohlenstoff-Wasserstoffverbindungen (Fettsäuren), die ihre [–OH]-Gruppe der [–COOH]-Funktion durch Verbinden mit einem anderen Molekül ersetzt haben. Als Teilmoleküle eines komplexen Moleküls werden sie als Reste, eben als Fettsäurereste bezeichnet.
[3] Cholin [(CH3)3N+CH2CH2OH]: ist ein Amin und bildet zusammen mit dem daran gebundenen Phosphat die hydrophile Gruppe des Phospholipids, der Hauptkomponente der Lipidmembranen
[4] Glycerin: Dreifachalkohol, [CH2OHCHOHCH2OH], der zwischen Phosphat und den beiden Fettsäuremolekülen des Phospholipids vermittelt; Glycerin gehört noch zum hydrophilen Teil, während die beiden Fettsäureketten hydrophob sind
[5] Fettes Öl: Ein Triglycerid aus Glycerin (mit drei [–OH]-Gruppen) und drei Fettsäuren, die als Fettsäurereste unter Wasserabspaltung ans Glycerin gebunden und eine Bindungsgruppe –C–O–(C=O)– ergeben
[6] Dreifachalkohol: Ein Alkohol mit drei [–OH]-Gruppen
[7] Lipasen: Fett abbauende Enzyme
[8] Hydrolisierung: Spaltung eines Moleküls durch Einwirkung von Wasser in zwei selbständige
[9] Pyruvat (= Brenztraubensäure): Ein Molekül mit drei [C]-Atomen, durch sog. Glycolyse aus Glucose gewonnen
[10] Co-Enzym A: Ein Molekül, das für die Funktion eines Enzyms unbedingt nötig ist. Dies ist oft das sog. Co-Enzym A.
[11] FAD: Flavin-Adenin-Dinucleotid; an Stelle des Nicotinamids im NAD, ist in diesem Energieträger Flavin als zweites Nucleotid gesetzt
[12] FADH2: Wie auch NAD+ mit zwei Wasserstoffatomen zum NADH2 reduziert werden kann und damit zum Wasserstoffüberträger wird, so kann auch das FAD+ mit Wasserstoff zu FADH2 reduziert werden
[13] Wasserstoffperoxid [H2O2]: ein stark oxidierendes Molekül, das sehr leicht ein Sauerstoffradikal ([O] mit einem ungepaarten Elektron) abspalten kann. Dieser Sauerstoff lagert sich an viele Moleküle, besonders an deren Doppelbindungen und verändert die Eigenschaften des betroffenen Moleküls
[14] Enzym: Protein, das, an spezielle Moleküle angepasst, die Synthese katalysiert. Meistens werden mehrere Enzyme zu einem Komplex verbunden, um eine räumliche Nähe zwischen den einzelnen, aufeinanderfolgenden Syntheseschritten herzustellen
[15] FADH2: Wie auch NAD+ mit zwei Wasserstoffatomen zum NADH2 reduziert werden kann und damit zum Wasserstoffüberträger wird, so kann auch das FAD+ mit Wasserstoff zu FADH2 reduziert werden
[16] ATP: Adenosin-tri-phosphat; bestehend aus Ribose und Adenin; Ribose trägt an seiner nicht in den Zuckerring einbezogenen Kohlenstoffgruppe drei hintereinander liegende Phosphatgruppen. Diese lineare Anordnung der Phosphate hat zur Folge, dass das dritte, äußerste Phosphat, mit seiner ihm dadurch innewohnenden Energie, diese leicht unter Abspaltung auf andere Moleküle übertragen kann
[17] Cs, sprich Ces (Genetiv von C, Abkürzung für Kohlenstoff)
[18] NAD: Nicotinamid-di-Nucleotid. Anstelle eines dritten Phosphats wie am ATP wird hier das zweite Phosphat mit einer Ribose verknüpft, die als Seitenkette ein Nicotinamid trägt. Dieses NAD kann mit Wasserstoff beladen werden und wird dann zum NADH + H+
[19] Acetyle: Säuren mit dem Essigsäurerest [–CHCOOH]
[20] CO2, Kohlendioxid: ein gestrecktes Molekül [O=C=O]
[21] NADH2 (=NADH + H+): Nicotinamid-di-Nucleotid mit zusätzlichem Wasserstoff und einem damit gekoppelten Proton (H+). Anstelle eines dritten Phosphats wie am ATP wird hier das zweite Phosphat mit einer Ribose verknüpft, die als Seitenkette ein Nikotinamid trägt. Dieses NADH + H+ kann zum einen verwendet werden, den Wasserstoff auf andere Moleküle zu übertragen, um sie zu reduzieren; damit werden diese energiereicher. Zum anderen kann es aber auch dazu dienen, meist drei ATPs aufzubauen (ein drittes Phosphat wird dabei an ADP angehängt); es selbst ändert sich zum NAD, das wiederum zum NADH + H+ regeneriert werden kann
[22] Triglycerid: Glycerin [CH2OHCHOHCH2OH] kann an jedem Kohlenstoffatom mit einer Fettsäure verestert sein (unter Wasserabspaltung werden die –OH-Gruppen des Glycerins mit den [–OH]-Gruppen der Säure [–COOH] verbunden). Da dies bei allen drei [–OH]-Gruppen des Glycerins der Fall ist, wird die Substanz als Triglycerid bezeichnet. Das Lipid der Zellmembranen ist hingegen nur ein Diglycerid. Glyceride können aber auch mit anderen organischen oder anorganischen Säuren unter Wasserabspaltung verbunden sein
Eingestellt am 2.Februar 2024
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Fettsäureabbau (Kreidezeichnung, Reinhard Agerer)
Der Abbau der Fettsäuren zum Energiegewinn erfolgt immer schrittweise um je zwei Kohlenstoffatome, um Acetyl-Coenzym A zu gewinnen (hier mit Enzymsymbol dargestellt, es ist nur ein sog. Cofaktor, der dem Enzym beim Abbau hilft). Zwei Abbauvorgänge werden hier dargestellt, wobei zwei Moleküle Acetyl-Coenzym A abgespalten werden. Beginnend mit einer Fettsäure von 18 Kohlenstoffatomen (oben, Mitte, senkrecht orientiert) gegen den Urzeigersinn: Mit FAD (Flavin-Adenin-Dinucleotid; Flavin anstelle des Nicotinamids im NAD) werden zwischen dem zweiten und dem dritten Kohlenstoffatom zwei Wasserstoffatome entfernt, wodurch eine Doppelbindung und FADH2 entstehen. Im nächsten Schritt (schräg links darunter) wird an die Doppelbindung Wasser angelagert, wobei am dritten Kohlenstoffatom eine Hydroxylgruppe [–OH] entsteht (schräg darunter). NAD spaltet dann zwei Wasserstoffatome ab; daneben entstehen eine Ketogruppe [–C=O] am dritten Kohlenstoffatom und gleichzeitig NADH2. Ein Coenzym A ist bereits in Warteposition, um sich zwischen zweitem und drittem Kohlenstoffatom einzuklinken, dabei wird ein Acetyl-Coenzym A frei (schräg darüber), was gleichzeitig eine Verkürzung der restlichen Fettsäure (unten, Mitte, senkrecht orientiert) um zwei Kohlenstoffatome bedeutet. Auf der rechten Seite des Bildes (von unten nach oben) ist der gleiche Vorgang wiederholt; ein zweites Acetyl-Coenzym A wird frei (rechts oben). Links oben ist ein Molekül Glycerin dargestellt. Es entstand durch Hydrolyse (Abspaltung nach Wasseranlagerung) der drei Fettsäuren des ursprünglichen Fettmoleküls, wovon eine im Bild dem Abbau zugeführt wurde. – Coenzym A (Enzymsymbol). – FAD, FADH2: Symbole. – NAD/NADH2: Symbole. – Kohlenstoff: schwarz. – Sauerstoff: rot. – Wasserstoff violett. – [Nach Lexikon der Biologie. - Lüttge U, Kluge M (2012) Botanik. Die umfassende Biologie der Pflanzen, Seite 230].
Eingestellt am 2.Februar 2024
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17 Vielfaltswiege
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Feine Streifen im Gestein
Bringen uns die ferne Kunde:
Biofilme aus denersten Zellenzeiten
Lagen hier in flachen, dünnen Zonen.
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Sand bedeckte sie von Zeit zu Zeit.
Festgeklebt, zur Schicht erstarrt,
Bot sie schleimumhüllten, nächsten Pionieren
Platz zum Leben, Sterben, Evolutionieren.
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Spät entdeckt, zu Anfang unverstanden, heftig gar umstritten:
In Westaustralien, in Bolivien ebenfalls gefunden,
Sind die Schichtgesteine erste Lebensspuren.
Gepaart sind sie mit Zonen ausgefällten Kalks.
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Dicht an dicht gedrängt standen Zellen hart in Konkurrenz um Nahrung, Platz und Wärme.
Viele lagen aber, sich ergänzend, Seit an Seit[1].
Manche liebten ausgesprochen heiße Quellen;
Ahnen sind sie den zum Äußersten entschlossenen Archäen.
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Die andern weilen noch
Und passen sich der Umwelt an.
Die Vielfalt der Bionten
Bricht sich flugs in vielen Biotopen Bahn.
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Fußnote
[1] Biofilme: Dünne, meist geschlossene Schichten aus verschiedenen Mikroorganismen
Eingestellt am 2.Februar 2024
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Stromatolithen (Kreidezeichnung, Reinhard Agerer)
Ufernah in seichten, oft auch heißen Gewässern wachsen periodisch Blaualgenmatten zu Hügeln heran. Die innere Schichtung brachte ihnen den Namen Stromatolithen ein. Fossile Reste verweisen auf ihre Entstehung. – [Nachempfunden Campbell & Reece (2003) Biologie, Seite 607]
Eingestellt am 2.Februar 2024
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18 Lebensdomänen (SP, pJP)
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Ein Schlüsselpunkt ist jetzt erreicht.
Bakterien wie Archäen gehen beide nun getrennte Wege.
Viele Hoffnungsvolle tummeln sich im Irgendwo,
Eine nur jedoch wird Ahnin von uns allen.
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Sie ahnt noch nicht das große, letzte Werden!
Noch stehen große Änderungen an
Bis im Innern Arbeitswelten, Kerne und Module
Legen Fundamente den Eukarya.
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Öfter werden sie einander noch begegnen
Und auch Bündnisse zu beider Wohle schließen.
Ist es Zufall oder wohlgelenkt? –
Wir werden’s nicht ergründen.
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Dein Geist durchzog das Wasser deiner Erde!
Wohlgefallen lag auf dem, was du schon sahst.
Den Einen mag es Zufall sein, den Andern Zwang der günstigen Gelegenheit.
Doch uns, o Herr, ist’s Wirken deines Geistes.
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Die Erde – wüst noch ehedem und leer –
Hegt Leben in den kleinsten Dimensionen.
Freiheit ist der Schöpfung großes Ziel
Und du willst in und mit ihr wohnen.
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Eingestellt am 2.Februar 2024
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Unterwasser-Trilogie: Lebensdomänen (Kreidezeichnung, Reinhard Agerer)
In drei Domänen können die Organismen, die schon früh in der Evolution in wässrigem Milieu an Schwarzen Rauchern aus hypothetischen Vorläufern (weißliches Gelb) entstanden sind, eingeteilt werden. Bakterien (hellgelb), Archäen (dunkelgelb), Eukarya (orange).
Eingestellt am 2.Februar 2024