Mimiviridae: Täuschviren
1 Riesig und doch nur Viren (AP)
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Zehnmal so groß oft wie die Mehrzahl der Viren
Galten anfangs als kleinste Bakterien sie nur,
Die kaum einen halben Mikrometer[1] als Durchmesser zeigen,
Doch ihr Ikosaederbau[2] zeichnet eindeutig als Viren sie aus.
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Untypisch aber erweist sich der Ikosaeder,
Hebt er doch einen der fünf Dreiecke Treffpunkte hervor,
Lässt von dort aus ein wenig die Nähte sich weiten,
Gestaltet das Zentrum als Ort, an dem DNA[3] aus dem Inneren tritt hervor,
Als Sterntor wird die Stelle gerne bezeichnet.
Wie gut der Ausdruck, lässt sich erkennen, blickt man direkt darauf.
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Doch nicht nur dies! Mimivirus[4] umgibt sich mit kompaktem Saum aus Proteinfilamenten,
Ein Drittel Mimivirus‘ Größe lang, am Ende eine Kappe jeweils daran.
So besteh‘n vielleicht sie eher aus Glycoprotein[7].
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Wohl mit Absicht lassen sie’s Stargate ohne solche Bedeckung.
Werden, von Acanthamöben[8] umzingelt, so wie die Mimiviren nun sind,
Alsbald öffnet sich Mimivirus‘ sternartiges Tor:
Eine Lipiddoppelmembran[11], was Hinweise besagen,
Integriert sich in des Endosoms Membranumhüllung[12],
– Eine dünne Proteinschicht[15] umhüllt das lange Linearchromosom
Zusammen mit mRNA[16] und vorgefertigten Proteinen –
Gelangt nun dorthin, wohin es von Anfang hatte gewollt.
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Alles, was folgt, erledigt Mimivirus im Cytoplasma ihrer Amöbe:
Richtet häuslich sich ein, baut eine Virenfabrik[17]
Ansehnlich groß in einem engbegrenzten Bereich des Wirtscytoplasmas,
Wo vermutlich Mimivirus‘ die mitgebrachte RNA-Polymerase[18] vermehrt,
Sämtliche Komponenten des Virus entstehen und
Nach und nach die Dreihunderterschar aus der Fabrik peripher sich löst.
Am Ende zerplatzen Acanthamöben, neuentstandene Viren
Heften sich anderen[19], falsl vorhanden, verführerisch an.
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Recht eigenartig, aus menschlicher Sicht zumindest,
Ist Mimivirus‘, DNA-Verpackungsstrategie:
Nicht Sterntore werden, Chromosomen aufzunehmen, verwendet,
Nein! Gegenüber bleibt eine Öffnung, die sich nach Einlass verschließt. –
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Ist nun Mimivirus, falls einer Lipidmembran Existenz unterm Capsid[20] sich bestätigt, ein
Typisches Virus oder nur ein arg reduziertes Minibakterium, das Eigenständigkeit weitestgehend verlor?
Das große Genom mit eins Komma eins Megabasenpaaren[21],
Die fast tausend codierende Gene enthalten – wohl begründet geschätzt –
Einundzwanzig Gene darunter wurden entlarvt, verantwortlich, Protein zu codieren,
Einige, die bislang von keinem Virus bekannt,
Vielmehr nur von zellulären Organismen;
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Eigene Ribosomen[25] scheinen zu fehlen,
Berichtet doch niemand einen positiven Befund.
Was sonst sie von Acanthamöben nehmen,
Ist wohl nicht viel mehr als das, was ein pathogenes Bakterium bekommt.
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Die Neuerung schlechthin aber, die Riesenviren wie Mimivirus erfanden,
Ist der regelmäßige, ikosaedrische Grundbau ihres Capsids,
Ein Merkmal, das die Mehrheit der Viren verbindet;
Mimivirus‘ Glycoproteinfilamente erinnern an mancher Bakterien hüllenden Bau.
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Mit fast tausend Genen
Kommt die Doppelhelix jener von Bakterien sehr nah;
Bildet selbst noch Chaperone[26] zum Proteinefalten,
Repariert auch Fehler der eigenen DNA. –
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Wo ist die Grenze nun, überlegt so manch ein Forscher,
Zwischen Viren, die sich ausschließlich vermehren lassen und
Stark reduzierten Bakterien, die auf alles verzichten,
Was sie nicht unbedingt brauchen, weil Notwendiges andere für sie tun.
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Fußnoten
[1] Mikrometer, µm: Tausendstel Millimeter (10-3 mm); Millionstel Meter (10-6 m)
[2] Ikosaeder: Polyeder mit zwanzig kongruenten, gleichseitigen Dreiecken als Flächen, mit dreißig gleichlangen Kanten und zwölf Ecken, in denen jeweils fünf Seitenflächen zusammentreffen
[3] DNA (=DNS): Desoxyribonucleinic Acid, Desoxyribonukleinsäure; mit einer reduzierten Ribose; das [–OH] am C2 der Ribose fehlt; Baustein der Erbinformation
[4] Mimivirus: Täuschvirus, täuschte ein Bakterium vor (Mimiviridae - Herkömmlich transkribierende Doppelstrang-DNA-Viren – Doppelstrang-DNA-Viren – DNA-Viren – Viren – Bacteria)
[5] Proteasen: Proteine oder Peptide abbauende Enzyme, dabei lösen sie durch Hydrolyse die Bindungen zwischen ihren Aminosäuen auf
[6] Gram-Färbung: Eine Methode, Bakterien anzufärben, die der dänische Arzt Hans Christian Gram entwickelt hatte, um Bakterien nach Farbreaktionen einzuteilen; dabei werden die Bakterien zunächst mit Kristallviolett und Jod angefärbt und anschließend mit Ethanol ausgewaschen und nochmals mit Safranin oder Fuchsin gefärbt; gram-positive Bakterien sind danach purpurn gefärbt, Gram-negative pinkfarben.
[7] Glycoproteine: Substanzen aus Zuckern und Proteinen
[8] Acanthamoeba: Stachelamöbe (Acanthamoebidae – Discosea – Amoebozoa)
[9] Verdauungsvakuolen: Mikrobenumschließende Vesikel, entstanden aus Zellmembraneinstülpungen
[10] Endosom: Mikrobenumschließendes Vesikel, entstanden aus einer Zellmembraneinstülpung
[11] Lipiddoppelmembran: Lipide, bestehend aus einem mit drei Hydroxylgruppen [–OH] versehenen Glycerinmolekül, an dem zwei Fettsäuren und ein Cholin unter Wasserabspaltung angeknüpft sind, zeigen einen hydrophilen Kopf (Glycerin und Cholin) und den hydrophoben Fettsäureschwanz; nach dem Motto Gleich zu Gleich gesellt sich gern, ordnen sich die hydrophilen Köpfe zum einen und die hydrophoben Schwänze zum anderen nebeneinander an und bilden eine geschlossene Schicht; eine Doppelmembran entsteht dann, wenn sich zwei solcher Schichten, hydrophobe Schwänze zueinander gereckt, aneinanderlegen
[12] Membranumhüllung: seine Lipiddoppelmembran
[13] Cytoplasma: Flüssiger Zellinhalt mit darin liegendem Cytoskelett
[14] Nucleocapsid: Einheit proteinassoziierter Chromosomen
[15] Proteine: Aus Aminosäuren aufgebaute, komplexe Moleküle. Die [–NH2]-Gruppe einer Aminosäure wird mit der Hydroxylgruppe [–OH] der Säurefunktion [–COOH] unter Wasserabspaltung verknüpft, dabei entsteht eine charakteristische Abfolge von Atomen: [–C–N–C–C–N–]n, wobei das unmittelbar dem [N] benachbarte [C] einen doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] trägt
[16] mRNA, messenger RNA, Boten RNA: Übersetzt den genetischen Code der DNA in für tRNAs ablesbare Matrizen
[17] Virenfabriken: Spezielle, gut abgegrenzte Bereiche in Wirtszellen, in denen der Viren Synthese und Zusammenbau erfolgt
[18] RNA-Polymerasen: Enzyme, welche die Synthese von RNA aus Nucleotidtriphosphaten (Ribose als Zucker und Uridintriphosphat, UTP, anstelle von Thymidintriphosphat, TPP, verwenden) als monomere Vorstufen (Einzelvorstufen) katalysieren
[19] Drei Arten wurden bislang als Wirte nachgewiesen: Acanthamoeba polyphaga, A. castellanii und A. mauritaniensis
[20] Capsid: Komplexe, regelmäßige Struktur von Viren aus Proteinen, die der Verpackung des Virusgenoms dient.
[21] Megabasenpaare, MBp: eine Million Basenpaare = eintausend Kilobasenpaare
[22] Zuckerstoffwechsel: Stoffwechsel, der Synthese, Ab- und Umbau von Zuckern betrifft
[23] Lipidstoffwechsel: Stoffwechsel, der Synthese, Ab- und Umbau von Fetten (Lipiden) betrifft
[24] Aminosäurestoffwechsel: Stoffwechsel, der Synthese, Ab- und Umbau von Aminosäuren betrifft
[25] Ribosom: Organell aus ribosomaler RNA und Proteinen. Es dient zur Translation der mRNA-Informationen in Proteine. Meist sind mehrere Ribosomen über die mRNA kettenartig verbunden, um zugleich mehrere Ablesevorgänge hintereinander ablaufen lassen zu können
[26] Chaperone: Proteine, die neusynthetisierte Proteine bei ihrer Faltung unterstützen
Eingestellt am 6. Juli 2024
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1 Kennzeichen
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(–)-ss-RNA bedeutet, sie kann nicht an Ribosomen[3] des Wirts abgelesen werden;
Denn nur sie wird von Ribosomen als mRNA[6] verwendet.
So wird von Viren eigene RNA-abhängige RNA-Polymerase[7] eingepackt,
Den eingebrachten Faden zu transkribieren[8],
Weil die Wirtszelle den Vorgang nicht kennt, dieses Umschreiben nicht kann.
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Die in (+) umgeschriebene Minusstränge dienen zum einen,
Wieder in Minusstränge transkribiert zu werden,
Damit das Virus wieder (–)-Stränge einschließen kann.
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Als häufiges Phänomen der (–)-ss-RNA-Viren
Liegen segmentierte Genome[12] vor – nicht ein einzelner Strang –
Die individuell in der Zelle agieren, ausgetauscht werden
Zwischen gleichzeitig infizierenden Viren, wobei neue Virustypen entsteh’n.
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Fußnoten
[1] (–)-polare einzelsträngige DNA (Viren): Davon würde beim Transkribieren zwangsläufig eine (+)-orientierte RNA entstehen, die das Ribosom als mRNA erkennen kann, somit kann diese RNA translatiert werden
[2] Einzelsträngige RNA, single stranded, ss: nur ein Nucleotidstrang liegt vor
[3] Ribosom: Organell aus ribosomaler RNA und Proteinen. Es dient zur Translation der mRNA-Informationen in Proteine. Meist sind mehrere Ribosomen über die mRNA kettenartig verbunden, um zugleich mehrere Ablesevorgänge hintereinander ablaufen lassen zu können
[4] (+)-polare einzelsträngige RNA (Viren): Diese einzelsträngige RNA wird vom Wirt als mRNA erkannt, weil am C3 der Ribose, nahe des C5 die nächste freie [–OH]-Gruppe steht; das C5 ist mit einem Phosphat besetzt und kann nicht mit einem Nucleotid in Verbindung treten (daher erfolgt die RNA-Synthese nur und immer in 5‘ à 3‘ Richtung und nicht umgekehrt; nur in dieser positiven Richtung sind die Basentripletts als Codes in der richtigen Folge und geben für Proteinsynthese Sinn). (+)-polare RNA wird deshalb unmittelbar für die Synthese von Proteinen verwendet.
[5] Translation: Synthese von Proteinen in den Zellen lebender Organismen, die nach Vorgabe der Basensequenzen an den Ribosomen abläuft
[6] mRNA, messenger RNA, Boten RNA: Übersetzt den genetischen Code der DNA in für tRNAs ablesbare Matrizen.
[7] RNA abhängige RNA-Polymerasen: RNA-abhängig heißen diese RNA-Polymerasen, weil sie RNA nicht von DNA, sondern von RNA ausgehend, synthetisieren
[8] Transkription: Umschreiben von DNA (oder RNA) in RNA, oder von RNA in DNA (bei manchen Viren)
[9] Hüllproteine: Viruseigene Proteine der Hüllmembran, die Viren, bevor sie aus der Wirtszelle knospen, in sie integriert hatten
[10] Capsidproteine: Das Capsid aufbauende Proteine
[11] Nucleoproteine: Proteine, die das Virenchromosom unmittelbar umgeben
[12] Segmentiertes Genom, segmentierte RNA: Das Chromosom von Prokaryoten kann in mehreren Stücken (Segmenten) vorliegen; braucht nicht immer eine Einheit zu bilden, sondern kann sich verwandtschaftsabhängig auf mehrere Portionen aufteilen.
Eingestellt am 6. Juli 2024
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Myoviridae: Phagen
1 Auf Prokaryoten beschränkt (AP)
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Lassen sich ausschließlich als Phagen[1] vermehren,
Manche steh’n auf Archäen[2], doch viele wählen Bakterien sich.
Kommen mit Capsid[3] als Kopf, einem Kragen darunter, einem
Stiel mit Strukturen am Ende zum Halt.
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Hinterhältig verbirgt sich eine Kanüle[4],
Die, zieht sich deren Umhüllung zusammen, ein Loch in die Arglose sticht,
Dem Chromosom Zugang so in den Wirt vermittelt,
Das sein Unwesen dort, in den Tod oft die Wirtszelle treibt. –
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Der Familie Existenz scheint gefährdet,
Verbürgen sich doch in ihr nicht näher verwandte Sippen ähnlichen Baus.
Wir lassen solche Bedenken bei Seite,
Nehmen nur den Bestbekannten der Gilde[5] heraus.
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Fußnoten
[1] Phagen: Ausschließlich Bakterien (und Archäen) infizierende Viren; sind durch ihre Lebensweise charakterisiert; bilden keine einheitliche Verwandtschaft
[2] Archäen: Bilden zusammen mit Bakterien die sog. Prokaryo(n)ten, die noch keinen echten Zellkern und keine komplex gebauten Chromosomen besitzen. Sie unterscheiden sich grundsätzlich voneinander. Deshalb wurden die Archäen in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts als eigene Organismen-Domäne der Domäne der Bakterien gegenübergestellt
[3] Capsid: Komplexe, regelmäßige Struktur von Viren aus Proteinen, die der Verpackung des Virusgenoms dient.
[4] Kanüle: Hohlnadel
[5] Gilde (biologische): Eine Gruppe von Arten, die auf ähnliche Weise vergleichbare Ressourcen nutzt und zwar ungeachtet ihres Verwandtschaftsgrades
Eingestellt am 6. Juli 2024
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2 Der Durchschaute (AP)
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Sechs kürzere Fasern strahlen vom Kragen nach unten.
Von der Basalplatte des Stiels, der Schwanz auch heißt,
Gehen Insektenbeinen ähnlich geknickte sechs Fäden nach außen,
Falls Moleküle passender Art sie dort finden.
Damit beginnt der Phage[3] sein hinterhältiges Werk.
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Des Phagen Basalplatte tritt mit Colis Membran[4] in Verbindung,
Was strukturell den Schwanz sich verändern lässt:
Proteine der Scheide, steil-schraubig geordnet,
Verflachen die Steigung, verkürzen und weiten den Stiel.
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Wie eine Nadel drückt sie den mittigen Hohlstift nach unten,
Durchsticht des Bakteriums äußere Hülle, die Zellwand dazu,
Der, spitz und verschlossen zunächst noch.
Doch die ihn umgebenden Proteine lösen inmitten der Nadel einen weiten Kanal.
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In die Tiefe der Zelle dringend,
Öffnet die Kanüle sich mit erheblichem Druck,
Spritzt mit fünfzig Bar[5], einem der höchsten Drücke in der Natur,
DNA, vom Capsid, vom Kopf, herkommend, dem Bakterium ein.
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– Ein menschlicher Fuß von zweihundert Quadratzentimetern Fläche,
Würde, damit verglichen, eine Person,
Auf einem Bein lediglich stehend,
Tragen können, die von zehn Tonnen Gewicht. –
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Doch nicht alles übernimmt von Wirten der Phage,
Denn sein Genom codiert tRNAs[10] noch selbst.
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Seine Baupläne für Nucleasen[11] lässt er vom Wirt transkribieren,
Zerstört mit Hilfe der damit erhalt’nen Enzyme[12] des Wirts DNA,
Damit Polymerasen[13] für ihn nur wirken.
Nicht dass der Phage mit sich sie schon so brächte,
Sein eignes Enzym nimmt im Wirt erst diese Änderung vor.
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Viele an DNA-Synthesen beteiligte Schlüsselenzyme des Wirts,
Werden durch des Phagen eigne ersetzt.
Eines davon erhöht ums Zehnfache des
Phagen DNA-Replikation[16].
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Raffiniert beschleunigend wirkt T4s Methode seine DNA zu replizieren:
Zum Ring schließt er zunächst den üblicherweise linearen Strang,
Polymerase beginnt einen Einzelstrang, dort wo er aufgespreizt, zu ergänzen,
Läuft mehrfach der Ring-DNA im Kreis herum[17],
Ergänzt, was einzelsträngig, zur Helixleiter,
Schneidet fürs Verpacken separate Genome heraus.
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Die an der Wirtsmembraninnenseite am Ende sich sammeln, translatiert;
Durch Self-Assembling[20], ohne Einfluss von außen,
Ordnen die Teile zu fertigen Phagen sich an.
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Lockern nach der Reproduktion Ende lysozymatisch[21]
Der Zellwand einstmals feste Struktur,
Lassen den Wirt am Ende noch platzen!
Die Bahn ist nun frei! Docken sofort sich weiteren Colis an. –
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Wer noch zu früheren Zeiten Biologie studierte,
Denkt gewiss an ein Experiment zurück,
Später Phagensuspensionen geeigneter Konzentration brachte darauf
Und nach ein paar Tagen als er die Platte wieder betrachtete
Dort Löcher in Colis Rasen fand, wo T4 offensichtlich sein Unwesen trieb.
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Fußnoten
[1] Escherichia coli: (Enterobacteriaceae – Gamma-Proteobacteria – Gramnegative – Bacteria); gehört zum normalen Mikrobiom des menschlichen Darms; einige Stämme aber können Durchfallkrankheiten verursachen
[2] Äußere Lipiddoppelmembran (Bakterien): eine zusätzlich Lipiddoppelmembran, die gramnegative Bakterien umgibt, die Grampositiven fehlt
[3] T4 Phage: Ein Stamm der Escherichia-coli-Phagen, der heute als der Gattung Tequatovirus zugerechnet wird. Es existieren insgesamt sieben Stämme (T1 bis T7), die sich u. a. etwas im Bau des Capsids unterscheiden
[4] Äußere Lipiddoppelmembran
[5] 1 Bar = 1 kg pro cm2. 50 kg pro cm2: wer mit einem Handteller von 100 cm2 Fläche (10 x 10 cm, mit Fingern gerechnet) einen einarmigen Handstand zeigt, dürfte im Vergleich dazu 5000 kg wiegen, dann würde dies in etwa einem Druck von 50 Bar auf seine Hand entsprechen.
[6] RNA-Polymerasen: Enzyme, welche die Synthese von RNA aus Nucleotidtriphosphaten (Ribose als Zucker und Uridintriphosphat, UTP, anstelle von Thymidintriphosphat, TPP, verwenden) als monomere Vorstufen (Einzelvorstufen) katalysieren
[7] Transkribieren: Umschreiben der DNA in RNA
[8] Ribosom: Organell aus ribosomaler RNA und Proteinen. Es dient zur Translation der mRNA-Informationen in Proteine. Meist sind mehrere Ribosomen über die mRNA kettenartig verbunden, um zugleich mehrere Ablesevorgänge hintereinander ablaufen lassen zu können
[9] Translatieren: Synthetisieren von Proteinen in den Zellen lebender Organismen, die nach Vorgabe der Basensequenzen an den Ribosomen abläuft
[10] tRNAs, Transfer RNAs: Übersetzen die Informationen der mRNA in die verschiedenen Aminosäuren und bauen sie zu Proteinen zusammen
[11] Nucleasen: Nucelinsäuren abbauende Enzyme
[12] Enzym: Protein, das, an spezielle Moleküle angepasst, die Synthese katalysiert. Meistens werden mehrere Enzyme zu einem Komplex verbunden, um eine räumliche Nähe zwischen den einzelnen, aufeinanderfolgenden Syntheseschritten herzustellen
[13] Polymerasen: Gruppe von Enzymen, welche die Synthese von Polynucleotiden aus Nucleotidtriphosphaten als monomere Vorstufen (Einzelvorstufen) katalysieren
[14] Cytosin: eine monozyklische, eine Pyrimidin-Base; abgekürzt C
[15] Methylieren: einem Molekül eine [–CH3]-Seitengruppe anhängen
[16] Replikation: Replikation dient dazu, DNA in einer Zelle zu verdoppeln. Sie wird also dazu benötigt, Erbinformationen an jede neue Zelle weiterzugeben
[17] Rolling-Circle-Mechanismus: Ringförmige, oder sekundär zum Ring geschlossene DNA wird in ununterbrochenem Umlauf von Polymerasen zu einem langen Strang mehrfach wiederholt vorliegender Chromosomen transkribiert; erst nach Abschluss der Transkription werden die einzelnen Chromosomen an den Erkennungssequenzen des langen DNA-Strangs voneinander getrennt. Dieser Vorgang spart erheblich Zeit bei der Transkription von Chromosomen und wird von verschiedensten Viren verwirklicht.
[18] Capsid: Komplexe, regelmäßige Struktur von Viren aus Proteinen, die der Verpackung des Virusgenoms dient.
[19] Schwanz (Viren): Stiel von Phagen
[20] Self-Assembling: Geregelter Zusammenbau aus sich selbst heraus, ohne enzymatische oder zellmechanistische Einwirkung
[21] Lysozymatisch: Wirkung von Lysozymen, speziellen Hydrolasen: Enzyme, die durch Wasseranlagerung etwas auflösen
[22] Coli-Bakterien: Escherichia coli
[23] Nähragar: Aus Agar gewonnene, sich verfestigende Substanz, versetzt mit speziellen, für bestimmte Organismen zum Wachstum nötigen Nährstoffen
Eingestellt am 6. Juli 2024
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T2 Phage mit geschnittenem Capsid
Autor: Leonhard von Welser
Lawrence paladine, CC BY-SA 3.0 <http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/>, via Wikimedia Commons
Eingestellt am 6. Juli 2024
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Orthomyxoviridae, Grippevirusähnliche
1 Kurzdiagnose (AP)
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In Einzelsegmenten[1], in mehreren Abschnitten,
Nicht als Einzelstrang liegt das Genom in Orthomyxoviridae vor,
Gestalten durch Tausch von Segmenten es sehr variabel,
So können pro Krankheitssaison oft veränderte Typen entsteh‘n.
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Tröpfchenübertragung hauptsächlich ist Ursache für
Infektion übers Respirationssystem[2];
Häufig verlaufen Befälle ohne Symptome, doch brechen oft auch
schwere Erkrankungen aus.
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Kugelförmig bis unregelmäßig geformt sind diese Viren,
Bisweilen kommen auch fädige vor.
Matrixproteine[10], innerhalb der Virushülle gelegen,
Kleiden den Raum zwischen Hülle und nucleocapsidumhüllten Segmenten aus.
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Zwischen sechs und acht variiert die Zahl der Segmente.
Sehr variabel zeigt sich auch der Segmente Nucleotidenzahl:
Zwischen knapp einhundert und zweitausendvierhundert liegen die Werte,
So, wie auch die Gesamtzahl pro Genom zwischen zehn und vierzehn Kilobasen[11] schwankt.
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Wegen Synthesefehlern und Verteilungsunregelmäßigkeiten besitzen
Viren oftmals verkürzte Segmente, häufig keinen kompletten Satz.
Mutationen betreffen des Öfteren Abschnitte zuständig für die korrekte Verpackung, für der Segmente Verteilung,
Mit nichtinfektiösen Viren als logische Konsequenz.
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Hier sollen Influenzaviren[12] uns näher interessieren,
Verantwortlich für Millionen Tote; auch heute erkranken noch jährlich viele daran.
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Fußnoten
[1] Segmentiertes Genom, segmentierte RNA: Das Chromosom von Prokaryoten kann in mehreren Stücken (Segmenten) vorliegen; braucht nicht immer eine Einheit zu bilden, sondern kann sich verwandtschaftsabhängig auf mehrere Portionen aufteilen.
[2] Respiratorisches System: Direkt am Luftaustausch beteiligte Strukturen des Körpers
[3] Säugetiere: Mammalia (Cynodontia – Therodontia – Therapsida – Synapsida – Amniota –…)
[4] Vögel: Aves (Maniraptora – Coelurosauria – Tetanurae – Theropoda – Saurischia – …)
[5] Glykolisieren: Biochemischer Prozess bei dem Kohlenhydrate an Proteine oder Lipide angehängt werden
[6] Proteine: Aus Aminosäuren aufgebaute, komplexe Moleküle. Die [–NH2]-Gruppe einer Aminosäure wird mit der Hydroxylgruppe [–OH] der Säurefunktion [–COOH] unter Wasserabspaltung verknüpft, dabei entsteht eine charakteristische Abfolge von Atomen: [–C–N–C–C–N–]n, wobei das unmittelbar dem [N] benachbarte [C] einen doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] trägt, das zweite der beiden benachbarten den Aminosäurerest
[7] Lipide (Membranlipide): Stoffe mit zwei verschiedenen Enden, ein fettlösliches (wasser-abweisendes) und ein wasserlösliches, oft phosphatverknüpftes Ende; je nach umgebender Flüssigkeit können sich die Moleküle orientieren und flächige Verbände bilden und auch zu Doppellagen assoziieren, deren wasserabstoßende Seiten zueinander weisen
[8] Behüllt: Viele Viren, auch gramnegative Bakterien, umhüllen sich mit einer Lipiddoppelmembran
[9] Spikes: Aus der Virushülle herausragende Glycoproteine
[10] Matrixproteine: Innerhalb der Virushülle gelegene Proteine
[11] kB, Kilobasen: 1000 Basen
[12] Influenzaviren: Gattungen Alphainfluenzavirus, Betainfluenzavirus, Gammainfluenzavirus und Deltainfluenzavirus (Orthomyxoviridae – Einzelsträngige (–)-RNA-Viren – RNA-Viren – Viren – Bacteria)
Eingestellt am 6. Juli 2024
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2 Influenza-A-Struktur[1] (AP)
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Unregelmäßig, nicht symmetrisch, zeigen sich Influenza-Viren,
Wirtsmembran umgibt sie, durchstoßen von Spikeproteinen[4]
Füllen Martixproteine[9] dazwischen den Raum.
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Jedenfalls, ist alles gut gegangen, Influenza-Typ A.
Er ist es, der pandemisch[12] Grippeerkrankung und Todesfällte bewirkte
Und im Zentrum der nächsten Betrachtungen stehen wird.
Alle acht Segmente umgeben sogenannte Nucleocapsidproteine,
Wobei jedes Segment die eigene RNA-abhängige RNA-Polymerase[13] trägt.
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Nur per Zufall werden die acht Segmente
In neu entstandene Viren verpackt,
Wobei nur jedes vierhundertste Virus der Theorie nach
Alle acht Segmente in Einzahl trägt:
Doch zwanzigtausend Influenzaviren, die sich pro infizierte Zelle entwickeln,
Geben theoretisch fünfzig intakte, eine Zahl, die Infektionszyklen ausreichend propagiert[14].
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Atemwege infizieren und verlassen Grippeviren,
Bevorzugen menschliches Flimmerepithel[15];
Werden in Expirationströpfchen[16] nach außen gegeben,
Für Neuinfektion, unter favorisierter Bedingung erfolgreich, inhaliert.
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Fußnoten
[1] Influenza A Virus: Alphainfluenzavirus influenzae (Orthomyxoviridae – Einzelsträngige (–)-RNA-Viren – RNA-Viren – Viren – Bacteria)
[2] Ikosaeder: Polyeder mit zwanzig kongruenten, gleichseitigen Dreiecken als Flächen, mit dreißig gleichlangen Kanten und zwölf Ecken, in denen jeweils fünf Seitenflächen zusammentreffen
[3] Capsid: Komplexe, regelmäßige Struktur von Viren aus Proteinen, die der Verpackung des Virusgenoms dient.
[4] Spikes: Aus der Virushülle herausragende Glycoproteine
[5] Neuroaminidase: Spaltet Sialinsäurereste von Proteinen ab. Dadurch unterstützt die Neuraminidase sowohl die Infektion als auch die Ausschleusung von Viren aus bereits infizierten Zellen.
[6] Hämagglutinin: ein homotrimeres Membranprotein, das eine Anheftung an den Rezeptor Neuraminsäure auf einer Wirtszelle vermittelt und – nach proteolytischer Aktivierung im Endosom – das Innere des Virus‘ (das Ribonukleoprotein) durch die Endosomenmembran ins Cytosol schleust.
[7] Hüllmembran: Lipiddoppelmembran um gramnegative Bakterien und um verschiedene Viren
[8] Nucleocapsid: Einheit proteinassoziierter Chromosomen
[9] Matrixproteine: Innerhalb der Virushülle gelegene Proteine
[10] Segmentiertes Genom, segmentierte RNA: Das Chromosom von Prokaryoten kann in mehreren Stücken (Segmenten) vorliegen; braucht nicht immer eine Einheit zu bilden, sondern kann sich verwandtschaftsabhängig auf mehrere Portionen aufteilen.
[11] Alphainfluenzavirus, Betainfluenzavirus, Gammainfluenzavirus und Deltainfluenzavirus
[12] Pandemisch, Pandemie: Über mehrere Länder, gar global sich ausbreitende Seuchen
[13] RNA abhängige RNA-Polymerasen: RNA-abhängig heißen diese RNA-Polymerasen, weil sie RNA nicht von DNA, sondern von RNA ausgehend, synthetisieren
[14] Propagieren: verbreiten, ausbreiten
[15] Flimmerepithel: Atemwege sind mit dem sogenannten respiratorischen Epithel, auch Flimmerepithel genannt, ausgekleidet. Es ist für Selbstreinigung der Atemwege erforderlich. Das Epithel ist mit Millionen von Härchen, den Flimmerhärchen, bedeckt.
[16] Expirationströpfchen: ausgeatmete Tröpfchen
Eingestellt am 6. Juli 2024
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3 Der Große Sprung (AP)
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Irgendwo im Zentrum der USA,
In Kansas, vielleicht nur in der Näh,
Treffen zwei Viren sich in ein und derselben Person
Durchmischen ihr kompartimentiertes Genom[1].
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Schärfen die Waffen,
Erproben sie rasch in Haskell County
Für ihre Reise rund um die Welt,
Töten Menschen nachdem sie gequält.
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Von heut auf morgen fiebrig ermattet
Liegen Minters Patienten darnieder
Mit heftigen Schmerzen in Kopf und in Gliedern.
Durchschüttelt von Kälte,
Erholen sie langsam sich wieder,
Bekommen dennoch Einzugsbefehl.
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Dicht im Ausbildungslager versammelt,
Überträgt einer der Männer
Den hochaggressiven Virenstamm.
Drei Wochen danach schon zählt
Elfhundert Schwerstkranke das Lager,
Achtunddreißig bezahlen der Army Leichtsinn mit ihrem Tod.
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Rasend schnell überfliegt das Virus
Frühjahr Neunzehnhundertundachtzehn ganz USA,
Überspringt mit amerikanischen Truppen
Flugs den Atlantik und landet – im Kriegseuropa.
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Fußnote
[1] Segmentiertes Genom, segmentierte RNA: Das Chromosom von Prokaryoten kann in mehreren Stücken (Segmenten) vorliegen; braucht nicht immer eine Einheit zu bilden, sondern kann sich verwandtschaftsabhängig auf mehrere Portionen aufteilen.
Eingestellt am 6. Juli 2024
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4 Vormarsch (AP)
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Mit Soldaten kriecht es in Gräben,
Rafft geschwächte Kämpfer dahin,
Überfliegt ohne Mühen Grenzen.
Generäle befehlen zu zieh‘n.
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Keinen Halt gibt es mehr
Für die unsichtbar fliegenden Waffen,
Begleiten unterstützend den blutigen Tod,
Überfallen Lazarett, Nachschub und Städte,
Werfen Massen Menschen aufs Lager,
Zahllose warten, erstarrt schon, auf ein friedliches Grab.
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Frankreich, Deutschland, Belgien, Holland,
Halb Westeuropa greift schon das Ungetüm an,
Im Frühjahr darauf Iberia[1]:
Sein öffentliches Leben steht still – auch Madrids städtische Bahn.
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Planetenumspannend lässt das mordende Monstrum sich nieder,
– Als Spanische Grippe[2] von nun an bekannt –
Nutzt Schiffe und Häfen in alle Kontinente zu dringen:
Australien, Philippinen, Indien, Sierra Leone in Afrika.
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Eine zweite Welle geht schon im Herbst um die Welt,
Viel schlimmer noch als die erste schon war.
Als man später die Toten schätzt – nicht zählt –
Streuen die Zahlen weit:
Fünfundzwanzig Millionen,
Vielleicht auch doppelt oder drei Mal so viel.
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Geschwächt von den Viren, für andere Krankheiten Ziel,
Verloren Inselethnien[3] und andere abgeschiedene Völker
Oft ein Fünftel der Menschen,
Manchmal weit mehr.
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Zwei Jahre nur plagte die Seuche wehrlose Menschen,
Doch für geringen Prozentsatz nur war die Krankheit letal[4].
Besonders Zwanzig- bis Vierzigjährige liefen,
Der Pandemie zu erliegen, große Gefahr.
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Waren die übrigen zuvor schon durch wenig aggressive Stämme
immun?
Oder war es doch Krieg, der viele Menschen zusammenpferchte,
Junge Soldaten erheblich im Voraus schon schwächte,
Der Grippe zur tödlichen Wirkung verhalf?
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Influenza-Viren[5], ständig aktiv
Warten lang schon auf ein verborgenes Treffen –
Zum maskierenden Tausch[10].
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Fußnoten
[1] Iberia: Spanische Halbinsel
[2] Spanische Grippe: Verursacht durch Alphainfluenzavirus influenzae (Orthomyxoviridae – Einzelsträngige (–)-RNA-Viren – RNA-Viren – Viren – Bacteria)
[3] Inselethnien: Menschengruppen (insbesondere Stamm oder Volk) mit einheitlicher Kultur auf Inseln beschränkt
[4] Letal: tödlich
[5] Influenzaviren: Gattungen Alphainfluenzavirus, Betainfluenzavirus, Gammainfluenzavirus und Deltainfluenzavirus (Orthomyxoviridae – Einzelsträngige (–)-RNA-Viren – RNA-Viren – Viren – Bacteria)
[6] Grippe: Akute, fieberhafte Virusinfektion, vorwiegend mit Entzündung der Atemwege, die endemisch, epidemisch oder pandemisch auftritt und durch ein Influenzavirus verursacht wird.
[7] Moderner Mensch: Homo sapiens (Hominini – Homininae – Hominidae – Hominoidea – Catarrhini –…)
[8] Vögel: Aves (Maniraptora – Coelurosauria – Tetanurae – Theropoda – Saurischia – …)
[9] Hausschwein: Sus scrofa domesticus (Suidae – Suina – Artiodactyla – Übrige Cetartiodactyla – Ungulata –…)
[10] Der Genomsegmente
Eingestellt am 6. Juli 2024
.
5 Des Virus‘ komplizierter Weg (AP)
.
Dringen durch Flimmerzellenschleim[1],
Entgeh‘n mit Neuraminidasenhilfe[2] Gefahr
Darin hängen zu bleiben, festzukleben daran,
Denn das Spikeenzym[3] verflüssigt die vermeintlich schützende Schicht.
.
Nachfolgend bindet Hämagglutinin[4] sich an der Zellmembran Rezeptor,
Worauf die Zellmembran sich invaginiert
Der Rezeptor des Opfers entscheidet, ob das Virus Zutritt bekommt:
Ein nicht passendes Hämagglutinin schließt das Schloss der Zelle nicht auf;
Und Anzahl entscheiden, wie auch der Galactoside-Sialinsäure Verknüpfungsposition.
.
Eliminieren will ein Lysosom[12] das Endosom,
Fusioniert mit ihm, der Inhalt säuert sich an
– Des Virus‘ Hülle Protonenkanalprotein[13],
Vom Virus dort integriert, sorgt schon dafür –
Aktiviert, weil sauer geworden, damit der Virusoberfläche Hämagglutinin
Als nötiges Fusionsprotein für des Virus Hüllmembranintegration
In die Hülle des Endosoms,
Schleust so alle Segmente des Virus (–)-ss-RNA[14],
Zusammen mit assoziieren Proteinen ins Cytoplasma[^5]
Und mit RNA-abhängigem RNA-Polymerase[16]-Enzym.
Bleiben im Cytoplasma nicht,
Wandern vielmehr durch Poren[17] hinein in den Kern.
.
Im Zellkern dienen (–)-Strang RNA Segmente als Matrize zur
Synthese von (+)-Strang RNA[18] durch des Virus Polymeraseenzym:
(+)-Strang RNA Moleküle gelangen ins Cytoplasma danach,
(–)-Strang RNA Moleküle verbleiben im Kern.
.
An (+)-Strang RNAs, als mRNAs[19] nun fungierend,
Werden im Cytoplasma alle viralen Proteine synthetisiert.
Hämagglutinine, Neuraminidasen und Protonenkanalproteine, am ER[20] entstanden,
Gelangen von dort in des Golgiapparates[21] Vesikelmembran,
Kommen darin in des Wirtsplasmalemmas Nähe,
Werden dort in die künftige Hüllmembran des Virus integriert.
Der Segmente Verpackungsproteine und
Neugebildete RNA-abhängige RNA-Polymerasen dagegen kehren zurück in den Kern.
.
Im Zellkern verbliebene (–)-Strang RNA Segmente werden gleichfalls
In (+)-Strang RNAs umgesetzt,
Dienen nun als Matrizen für genomische (–)-RNA[22] Stränge, die bald zu verpacken.
Neue nucleocapsidumhüllte[23] (–)-Strang RNAs, zusammen mit RNA-Polymerasen,
Werden schließlich gleichfalls
An des Wirts Membran transportiert,
Um Segmente zusammen mit Matrixproteinen[24] einzuschließen.
Von der Wirtsmembran, mit Spike- und Protonenkanalproteinen bestückt,
Die sich aussackt, umgeben,
Wird mit influenzatypischer Wirtsmembran das Capsid umhüllt.
Nach Abknospen aus infizierten Zellen mit Neuraminidasenhilfe
Steh’n mittelbar sie für Neuinfektionen
.
Fußnoten
[1] Flimmerepithel: Atemwege sind mit dem sogenannten respiratorischen Epithel, auch Flimmerepithel genannt, ausgekleidet. Es ist für Selbstreinigung der Atemwege erforderlich. Das Epithel ist mit Millionen von Härchen, den Flimmerhärchen, bedeckt. (Wikipedia)
[2] Neuraminidase: Spaltet Sialinsäurereste von Proteinen ab. Dadurch unterstützt die Neuraminidase sowohl die Infektion als auch die Ausschleusung von Viren aus bereits infizierten Zellen.
[3] Spikeenzym: Neuraminidase
[4] Hämagglutinin: Ein homotrimeres Membranprotein, das eine Anheftung an den Rezeptor Neuraminsäure auf einer Wirtszelle vermittelt und – nach proteolytischer Aktivierung im Endosom – das Innere des Virus‘ (das Ribonukleoprotein) durch die Endosomenmembran ins Cytosol schleust.
[5] Sialinsäuren: Oberbegriff für die N- und O-substituierten Derivate der Neuraminsäure. Häufig wird die im Menschen vorkommende N-Acetylneuraminsäure als Sialinsäure bezeichnet
[6] Galactosid: mit Galactose verknüpfte Substanz
[7] Endocytose: Aufnahme eines Partikels aus der Zellumgebung mit Hilfe eines aus der Zellmembran durch Einstülpung entstandenen Vesikels
[8] Endosom: Mikrobenumschließendes Vesikel, entstanden aus einer Zellmembraneinstülpung
[9] Zucker: Kohlenstoffverbindungen mit einem doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] am Ende der Kette, wenn in offener Form dargestellt, oder als Ringform mit einem einfachgebundenen Sauerstoff im Ring, und einer oder mehreren [–OH]-Gruppen; Summenformel meist [Cn(H2O)n]
[10] Zuckersäuren: Aus einfachen Zuckern entstandene Säuren, wobei die Aldehydgruppe [–CHO], eine Ketogruppe [–CO–] oder eine endständige Alkoholguppe [–CH2OH] zur Säurefunktion [–COOH] oxidiert wurde
[11] [–OH]-Gruppen: Hydrxylgruppen
[12] Lysosomen: Von einer Membran umschlossene kugelförmige Zellorganellen von Eukaryoten; enthalten hydrolytische Enzyme und Phosphatasen, mit denen sie Fremdstoffe oder körpereigene Stoffe abbauen
[13] Protonenkanäle: In den Lipiddoppelmembranen werden von bestimmten Proteinen feinen Kanäle gebildet, durch die Protonen transportiert werden können
[14] (–)-polare einzelsträngige DNA (Viren): Davon würde beim Transkribieren zwangsläufig eine (+)-orientierte RNA entstehen, die das Ribosom als mRNA erkennen kann, somit kann diese RNA translatiert werden
[15] Cytoplasma: Flüssiger Zellinhalt mit darin liegendem Cytoskelett
[16] RNA abhängige RNA-Polymerasen: RNA-abhängig heißen diese RNA-Polymerasen, weil sie RNA nicht von DNA, sondern von RNA ausgehend, synthetisieren
[17] Kernporen: Der Eukarya Zellkern ist von einer Kernhülle umgeben, die sich aus Cisternen, als Abkömmlinge des Endoplasmatischen Retikulums, zusammensetzt. Dazwischen bleiben nicht wenige Poren mit speziellem Bau aus Proteinen für kontrollierte Ein- und Ausfuhren offen. Sie durchziehen beide Lipiddoppelmembranen der Cisternen.
[18] (+)-polare einzelsträngige RNA (Viren): Diese einzelsträngige RNA wird vom Wirt als mRNA erkannt, weil am C3 der Ribose, nahe des C5 die nächste freie [–OH]-Gruppe steht; das C5 ist mit einem Phosphat besetzt und kann nicht mit einem Nucleotid in Verbindung treten (daher erfolgt die RNA-Synthese nur und immer in 5‘ à 3‘ Richtung und nicht umgekehrt; nur in dieser positiven Richtung sind die Basentripletts als Codes in der richtigen Folge und geben für Proteinsynthese Sinn). (+)-polare RNA wird deshalb unmittelbar für die Synthese von Proteinen verwendet.
[19] mRNA, messenger RNA, Boten RNA: Übersetzt den genetischen Code der DNA (gelegentlich von RNA) in für tRNAs ablesbare Matrizen.
[20] ER (Abkürzung für Endoplasmatisches Retikulum): Intrazelluläres Membransystem aller eukaryotischen Zellen. Es besteht aus lipiddoppelmembranumschlossenen Hohlräumen, die ein zusammenhängendes System bilden und mit der Kernhülle in Verbindung stehen
[21] Golgiapparat: Organellen eukaryotischer Zellen. In ihm werden Proteine, die vom Endoplasmatischen Retikulum hergestellt wurden, modifiziert und sortiert. Außerdem schnürt er kleine Vesikel ab, die Zellprodukte sammeln, die zur Sekretion oder für andere Organellen bestimmt sind. Seine oft tellerförmig anmutenden Cisternen treten gern in gestapelter Weise auf, an deren Ränder diese Vesikel abgeschnürt werden; jedes einzelne Organell der Zelle wird oft als Dictyosom (Netzorganell) bezeichnet.
[22] Genomische RNA: so wird die RNA des Genoms von RNA-Viren bezeichnet
[23] Nucleocapsid: Einheit proteinassoziierter Chromosomen
[24] Matrixproteine: Innerhalb der Virushülle gelegene Proteine
Eingestellt am 6. Juli 2024
N-Acetyl-Neuraminsäure (eine der möglichen Sialinsäuren; hier: N-Acetyl-substituierte Neuraminsäure) (ppt generiert, Reinhard Agerer)
Grau: Kohlenstoff; rot: Sauerstoff; blau: Stickstoff; violett: Wasserstoff; dünne grüne Line: einfache Bindung; dicke grüne Linie: Doppelbindung
Eingestellt am 6. Juli 2024
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6 Zu kompliziert, um evolutiv entstanden zu sein? (AP)
.
Ein Dutzend Schritte wohl sind es, die Influenza-Viren[1] hielten am Leben,
Die zu erfinden es unbedingt galt,
Unbehelligt in menschlichen Zellen sich zu vermehren;
Fehlte einer, wären sie wieder entschwunden der Zeit.
.
Waren Schlüssel für den Erfolg, für der Menschen oft tödliches Leid,
Finden sie doch nur in der Menschen oberen Atemwege einen speziellen Rezeptor[5].
– Das Vogelgrippevirus[6] braucht einen anderen für den Kontakt,
Der nur in Vögeln[7] und tieferen Atemwegen liegt;
So schließt sich derzeit des Virus Übertragung von Vögeln auf Menschen aus. –
.
Als Fusionsprotein wirkt Hämagglutinin zum Zweiten,
Er wurde vom Virusgenom codiert und eingeschleust in des Wirtes Membran, nun des Virus Hülle,
Damit des Endosoms Protonen das Virusinnere ansäuern und so Hämagglutinin zum Fusionsprotein mit der Endosomenmembran wird. –
.
Neuraminidase erleichtert, wenn dies sie nicht gar erst ermöglicht, den
Zutritt in schleimumhüllte Zellen, verflüssigt sie doch
Die gegen Viren gerichteten Barrieren,
Damit in die begehrte Zelle der Zuritt gelingt.
Dient auch als letzter Helfer für neuentstandene Viren,
Spaltet sie doch von der Wirtszellmembran die virusgefüllte Hülle ab. –
.
Ein entscheidender Schritt in des Virus‘ Vermehrung
Liegt in der proteinbedeckten Genomsegmente[10] Eintritt durch Poren des Kerns:
Erfolgt dort zum einen doch der Gene Umschreiben in (+)-ss-RNA[11], zur
Doch der Transkription[14] Start erfolgt nur mit Hilfe
Eines kleinen Abschnitts von Wirts-RNA als Primer[15], den gleichsam die Virus RNA sich stiehlt:
Zum andern verwenden verbliebene (+)-ss-RNAs eigene Primer,
– Ein Stück des Nucleocapsids –
Genomische (–)-ss-RNA[16], zu synthetisieren.
– Das Aus bedeutete dies für das Virus,
Gelänge ihm nicht das Kapern dieses Stücks Wirts-RNA! –
.
Translation der (+)-RNA, des Messengers[17],
Zeigt eine neue Gefahr auf des Virus‘ Vermehrungsweg:
Ganz bestimmte Proteine[18] kehren dorthin zurück, woher der Messenger kamen,
Warten als Teil der Chromosomensegmente Verpackungsmaterial in Kernen des Wirts,
Andere Stücke, auch dies bedarf Regelung,
Heften am Endoplasmatischen Netzwerk[19] sich an.
.
Ein Teil davon muss in ER-Cisternen[20] gelangen,
Dort nämlich wird er durch Wirtsenzyme glycolisiert[21],
Gelangt von dort in Cisternen des Golgiapparats[22] und mit Vesikeln zur Wirtsmembran.
– Auch hier ist selektive Lenkung an Actinfilamenten[23] vonnöten,
Sonst erhielte des Virus‘ Hüllmembran nicht, was sie baucht. –
Drei weitere, je spezielle Proteine, sich im Cytoplasma versammelnd,
Wandern dann mit fertigstellten Nucleocapsiden
Durch Zellkernporen hin zur Peripherie.
– Eine Vielzahl von Wegen wird im Verlauf der Virenvermehrung beschritten
Bis die Baumaterialen liegen nahe der Wirtszellmembran. –
.
Falls jemand wirklich der Meinung, diese ausgetüftelten Wege
Seien für Evolutiventstanden zu kompliziert,
Dem bliebe, wie Kreationisten, nichts anderes über, zu glauben,
Des Ganzen Schöpfer sei Gott;
Unterschöbe auf diese Weise,
Gott sei es, der uns Menschen die Quälgeister schuf.
Der bedenkt aber nicht, dass dies, weil Gott doch die Liebe,
Gottes Liebeseigenschaft vollkommen widerspricht.
.
Fußnoten
[1] Influenza A Virus: Alphainfluenzavirus influenzae (Orthomyxoviridae – Einzelsträngige (–)-RNA-Viren – RNA-Viren – Viren – Bacteria)
[2] Spikes: Aus der Virushülle herausragende Glycoproteine
[3] Neuraminidase: Spaltet Sialinsäurereste von Proteinen ab. Dadurch unterstützt die Neuraminidase sowohl die Infektion als auch die Ausschleusung von Viren aus bereits infizierten Zellen.
[4] Hämagglutinin: ein homotrimeres Membranprotein, das eine Anheftung an den Rezeptor Neuraminsäure auf einer Wirtszelle vermittelt und – nach proteolytischer Aktivierung im Endosom – das Innere des Virus‘ (das Ribonukleoprotein) durch die Endosomenmembran ins Cytosol schleust.
[5] Rezeptorbindungsstelle: Eine spezielle Stelle, oft ein Glycoprotein, mit der ein Pathogen an eine Wirtszellmembranposition, ebenfalls oft ein Glycoprotein (Rezeptor), binden kann
[6] Vogelgrippevirus: Spezieller Stamm des Infuenza-A-Virus, gekennzeichnet durch bestimmte Ausprägungen des Hämagglutinins und der Neuraminidase, abgekürzt als H5N1
[7] Vögel: Aves (Maniraptora – Coelurosauria – Tetanurae – Theropoda – Saurischia – …)
[8] Hüllmembran: Lipiddoppelmembran um gramnegative Bakterien und um verschiedene Viren
[9] Protonenkanäle: In den Lipiddoppelmembranen werden von bestimmten Proteinen feinen Kanäle gebildet, durch die Protonen transportiert werden können
[10] Nucleocapsid: Einheit proteinassoziierter Chromosomen
[11] (+)-polare einzelsträngige RNA (Viren): Diese einzelsträngige RNA wird vom Wirt als mRNA erkannt, weil am C3 der Ribose, nahe des C5 die nächste freie [–OH]-Gruppe steht; das C5 ist mit einem Phosphat besetzt und kann nicht mit einem Nucleotid in Verbindung treten (daher erfolgt die RNA-Synthese nur und immer in 5‘ à 3‘ Richtung und nicht umgekehrt; nur in dieser positiven Richtung sind die Basentripletts als Codes in der richtigen Folge und geben für Proteinsynthese Sinn). (+)-polare RNA wird deshalb unmittelbar für die Synthese von Proteinen verwendet.
[12] mRNA, messenger RNA, Boten RNA: Übersetzt den genetischen Code der DNA (gelegentlich von RNA) in für tRNAs ablesbare Matrizen.
[13] Translation: Synthese von Proteinen in den Zellen lebender Organismen, die nach Vorgabe der Basensequenzen an den Ribosomen abläuft
[14] Transkription: Umschreiben von RNA in RNA
[15] Primer: Oligonucleotid, das für DNA- (oder RNA-)replizierende Enzyme (z. B. die DNA-Polymerase) als Startpunkt (oder Endpunkt) dient
[16] Genomische RNA: so wird die RNA des Genoms von RNA-Viren bezeichnet; sie wird ins Capsid eingeschlossen
[17] Messenger RNA, mRNA
[18] Proteine: Aus Aminosäuren aufgebaute, komplexe Moleküle. Die [–NH2]-Gruppe einer Aminosäure wird mit der Hydroxylgruppe [–OH] der Säurefunktion [–COOH] unter Wasserabspaltung verknüpft, dabei entsteht eine charakteristische Abfolge von Atomen: [–C–N–C–C–N–]n, wobei das unmittelbar dem [N] benachbarte [C] einen doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] trägt, das zweite der beiden benachbarten den Aminosäurerest
[19] Endoplasmatisches Retikulum, ER: Intrazelluläres Membransystem aller eukaryotischen Zellen; besteht aus lipiddoppel-membran-umschlossenen Hohlräumen, die ein zusammenhängendes System bilden und mit der Kernhülle in Verbindung steht
[20] Cisternen (Zell-): Abkömmlinge des endoplasmatischen Retikulums in hohler und oft flacher Form; Zellvesikel auch Zellkerne sind damit umgeben, besitzen den gleichen Grundbau wie die Zellmembran.
[21] Glykolisieren: Biochemischer Prozess bei dem Kohlenhydrate an Proteine oder Lipide angehängt werden
[22] Golgiapparat: Organellen eukaryotischer Zellen. In ihm werden Proteine, die vom Endoplasmatischen Retikulum hergestellt wurden, modifiziert und sortiert. Außerdem schnürt er kleine Vesikel ab, die Zellprodukte sammeln, die zur Sekretion oder für andere Organellen bestimmt sind. Seine oft tellerförmig anmutenden Cisternen treten gern in gestapelter Weise auf, an deren Rändern diese Vesikel abgeschnürt werden; jedes einzelne Organell der Zelle wird oft als Dictyosom (Netzorganell) bezeichnet.
[23] Actin, Fädiges Actin: Actin ist ein häufiger Bestandteil des Cytoskeletts und kommt besonders in Muskelzellen vor; zu Fäden polymerisiert (F-Actin), dient es der Stabilisierung der äußeren Zellform sowie der Ausbildung von Zellfortsätzen, intrazellulären Verlagerungen und gerichteten intrazellulären Bewegungen
[24] Segmentiertes Genom, segmentierte RNA: Das Chromosom von Prokaryoten (und Viren) kann in mehreren Stücken (Segmenten) vorliegen; braucht nicht immer eine Einheit zu bilden, sondern kann sich verwandtschaftsabhängig auf mehrere Portionen aufteilen.
[25] RNA abhängige RNA-Polymerasen: RNA-abhängig heißen diese RNA-Polymerasen, weil sie RNA nicht von DNA, sondern von RNA ausgehend, synthetisieren
Eingestellt am 6. Juli 2024
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7 Latente Gefahr (AP)
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Zu Influenza-A-Grippeviren gehören auch Stämme,
Gelegentlich treffen sich Virussippen in ein und demselben Opfer,
Tauschen dabei, falls Gelegenheit, ein paar der Segmente aus.
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Zumindest in sieben, beziehungsweise neun Varianten vorliegend, und zwar in freier Kombination.
Viren präsentieren Wirtszellen beide Spike-Proteine, befallen vielleicht uns Menschen
.
Der Spanischen Grippe[10] mit Millionen Toten ordneten
Molekularbiologen Allele H1 und N1 als ursprüngliche zu, die
Kürzlich in identischer Weise der Influenza-A-Viren Hülle durchragten,
Als Schweine diese Grippe Zweitausendneun verheerend traf.
Auch in der Kühe Euter wurde,
Neuesten Resultaten zu folge, dieser Typus entdeckt.
Menschen blieben lange gottlob, warum auch immer,
Von dieser Schweinegrippevariante[11] verschont,
Milchkuhfarmer jedoch erkrankten, wenn auch nicht heftig;
Ein Mensch-zu-Mensch Übertragungsereignis fand jedoch offensichtlich noch nicht statt.
.
War mit Allelen H3 und N2 bestückt;
Vogelgrippe[14] Erreger trugen H5 und N1 Allele
Mit gehäuftem Übergreifen auf Menschen seit Neunzehnhundertundsiebenundneunzig;
Sie variierte Neunzehnhundertunddreiundachtzig ihre Allele zu H5 und N8 und überfiel
Geflügelfarmen immer wieder einmal seit dieser Zeit,
Variante H7H9 wurde seit Zweitausendunddreizehn gelegentlich nachgewiesen,
Befällt seither auch Menschen[15] das ein oder andere Mal.
.
Der Grippeviren acht Segmente, der Größe nach geordnet,
Zeigen Segmente Vier und Fünf als Hämagglutinin kodierend,
Neuraminidase wird nur von einem,
Segment, Nummer sechs, kodiert.
Diese drei bestimmen über den Zutritt in eine Zelle,
Doch auch andere Faktoren beeinflussen der Krankheit Verlauf.
.
Tausch der Segmente und Mutationen[16] erfolgen beständig:
So werden neue Impfstoffe nötig pro Grippesaison,
Die höchstwahrscheinlich die häufigsten Virentypen eliminieren,
Doch irgendwann, so wird befürchtet, kommt es zum GAU[17]:
Werden Segmente wieder per Zufall versammelt mit
Unerwartet hoher, schnell wirkender Letalität.
.
Fußnoten
[1] Vögel: Aves (Maniraptora – Coelurosauria – Tetanurae – Theropoda – Saurischia – …)
[2] Hausschwein: Sus scrofa domesticus (Suidae – Suina – Artiodactyla – Übrige Cetartiodactyla – Ungulata –…)
[3] Segmentiertes Genom, segmentierte RNA: Das Chromosom von Prokaryoten (und Viren) kann in mehreren Stücken (Segmenten) vorliegen; braucht nicht immer eine Einheit zu bilden, sondern kann sich verwandtschaftsabhängig auf mehrere Portionen aufteilen.
[4] Reassortiment: Neuzusammensetzung, Neusortierung
[5] Hämagglutinin: ein homotrimeres Membranprotein, das eine Anheftung an den Rezeptor Neuraminsäure auf einer Wirtszelle vermittelt und – nach proteolytischer Aktivierung im Endosom – das Innere des Virus‘(das Ribonukleoprotein) durch die Endosomenmembran ins Cytosol schleust.
[6] Neuraminidase: Spaltet Sialinsäurereste von Proteinen ab. Dadurch unterstützt die Neuraminidase sowohl die Infektion als auch die Ausschleusung von Viren aus bereits infizierten Zellen.
[7] Allele: Unterschiedliche Varianten eines Gens an einer bestimmten Stelle (Genort) eines Chromosoms
[8] Epidemie: Auftreten einer ansteckenden Krankheit in einem bestimmten begrenzten Verbreitungsgebiet, wobei eine große Zahl von Menschen gleichzeitig von der Krankheit befallen wird
[9] Pandemie, pandemisch: Über mehrere Länder, gar global sich ausbreitende Seuche
[10] Spanische Grippe: Verursacht durch Alphainfluenzavirus influenzae (Orthomyxoviridae – Einzelsträngige (–)-RNA-Viren – RNA-Viren – Viren – Bacteria), Influenza-A-Virus mit Allelen H1 (Hämagglutinin) und N1 (Neuraminidase)
[11] Schweinegrippe: Verursacht durch Alphainfluenzavirus influenzae (Orthomyxoviridae – Einzelsträngige (–)-RNA-Viren – RNA-Viren – Viren – Bacteria), Influenza-A-Virus mit Allelen H1 (Hämagglutinin) und N1 (Neuraminidase)
[12] Hongkong Grippe: Verursacht durch Alphainfluenzavirus influenzae (Orthomyxoviridae – Einzelsträngige (–)-RNA-Viren – RNA-Viren – Viren – Bacteria), Influenza-A-Virus mit Allelen H3 (Hämagglutinin) und N2 (Neuraminidase)
[13] Weltweit mit einer bis vier Millionen geschätzten Toten
[14] Vogelgrippe: Verursacht durch Alphainfluenzavirus influenzae (Orthomyxoviridae – Einzelsträngige (–)-RNA-Viren – RNA-Viren – Viren – Bacteria), Influenza-A-Virus mit Allelen H5 (Hämagglutinin) und N1 (Neuraminidase)
[15] Moderner Mensch: Homo sapiens (Hominini – Homininae – Hominidae – Hominoidea – Catarrhini –…)
[16] Mutation: Spontan auftretende, dauerhafte Veränderung des Erbguts
[17] GAU: Größter anzunehmender Unfall
Eingestellt am 6. Juli 2024
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Papillomaviridae: Gärmutterwarzenviren
1 Epithelspezialisten (AP)
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Nachdem sie des Wirts Plasmalemma[3] als passend erkannt, in die Wirtszelle ein,
Zerlegen danach sich, ihr Ringchromosom ins Cytoplasma[4] freisetzend;
Es findet, kernporenpassierend[5], ins Bauplanzentrum, damit den entscheidenden Weg,
Lässt sich durch wirtseigne DNA-Polymerasen[6] replizieren,
Spornt, mehr davon zu bilden, den Wirt durch ausgeklügelte Weisen noch an.
.
Woraufhin die Wirtszelle früh schon sein Schicksalsprotein translatiert.
Emotionslos nennen Experten es E7.
Es bindet an ein zelluläres Protein, dies gezielt zu markieren,
Damit zelleignen Proteasen[9] zum Opfer es fällt.
.
So werden zwei Proteine, verantwortlich für ständige Zellteilung,
Immer wieder und immer weiter in den befallenen Zellen synthetisiert;
Damit bleiben permanent sie teilungsaktiv;
Differenzierung und Zelltod treten nicht ein.
.
Folglich stehen auch DNA- und RNA-Polymerasen
Papillomaviren für Vermehrung in großer Menge bereit,
Können in immer jungfräulich bleibenden Zellen sich ständig vermehren.
Aus solchen Zellhäufchen entstehen oft Warzen, was den Wirt zumindest nicht ziert.
.
Noch aber wartet das Virus auf einige Schritte
Bis es vermehrt die Zelle verlässt:
Seine mRNA schlüpfte zwar durch des Zellkerns Poren,
Erhielt im Cytoplasma zur Verfügung E7 gestellt,
Doch harren dort späte Proteine noch auf Synthese,
Damit jedes Ringchromosom in ein Capsid zum Transport sich hüllt.
.
Des Virus Ringe brauchen dazu Ikosaeders[10] Einzelteile.
Diese wandern, Poren nützend, in der Befallenen Zelle Kern,
Bauen zur Hülle dort sich zusammen,
Für jedes Ringchromosom als widerstandsfähigen Schutz.
.
Beengt scheint der Raum in des Chromosoms Kammer,
Verdrillt doch der Ring sich, wickelt Histonen[11] sich auf,
Ähnlich wie der Eukarya[12] DNAfäden Schleifen,
So wie der Echtzellkerner sie kennt. –
.
Schleimschichten, Epithelzellen[13] erneuern sich ständig,
Werden abgestoßen, nachdem die Oberfläche erreicht,
.
Entlassen zuhauf entstandene Viren.
Worauf sie wohl warten? Auf Hautkontakt!
.
Fußnoten
[1] Capsid: Komplexe, regelmäßige Struktur von Viren aus Proteinen, die der Verpackung des Virusgenoms dient.
[2] Proteine: Aus Aminosäuren aufgebaute, komplexe Moleküle. Die [–NH2]-Gruppe einer Aminosäure wird mit der Hydroxylgruppe [–OH] der Säurefunktion [–COOH] unter Wasserabspaltung verknüpft, dabei entsteht eine charakteristische Abfolge von Atomen: [–C–N–C–C–N–]n, wobei das unmittelbar dem [N] benachbarte [C] einen doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] trägt
[3] Plasmalemma: Zellmembran (Lipiddoppelmembran) von Organismen mit starrer Zellwand; wird oft als Gegenstück zum Tonoplasten betrachtet, der im Zellinneren eine größere Saftvakuole umgibt
[4] Cytoplasma: Flüssiger Zellinhalt mit darin liegendem Cytoskelett
[5] Kernporen: Der Eukarya Zellkern ist von einer Kernhülle umgeben, die sich aus Cisternen, als Abkömmlinge des Endoplasmatischen Retikulums, zusammensetzt. Dazwischen bleiben nicht wenige Poren mit speziellem Bau aus Proteinen für kontrollierte Ein- und Ausfuhren offen. Sie durchziehen beide Lipiddoppelmembranen der Cisternen.
[6] DNA -Polymerasen: Enzyme, welche die Synthese von DNA aus Nucleotidtriphosphaten (Desoxyribose als Zucker der TTP, ATP, GTP und CTP Nucleotide) als monomere Vorstufen (Einzelvorstufen) katalysieren
[7] RNA-Polymerasen: Enzyme, welche die Synthese von RNA aus Nucleotidtriphosphaten (Ribose als Zucker und Uridintriphosphat, UTP, anstelle von Thymidintriphosphat, TPP, verwenden) als monomere Vorstufen (Einzelvorstufen) katalysieren
[8] mRNA, messenger RNA, Boten RNA: Übersetzt den genetischen Code der DNA in für tRNAs ablesbare Matrizen.
[9] Proteasen: Proteine oder Peptide abbauende Enzyme, dabei lösen sie durch Hydrolyse die Bindungen zwischen ihren Aminosäuen auf
[10] Ikosaeder: Polyeder mit zwanzig kongruenten, gleichseitigen Dreiecken als Flächen, mit dreißig gleichlangen Kanten und zwölf Ecken, in denen jeweils fünf Seitenflächen zusammentreffen
[11] Histone: Histone sind eine Klasse von basischen Kernproteinen der Eukarya, die die Verpackung der DNA zum Chromatin bilden und aufgrund von posttranslationalen Modifikationen auch regulatorisch in die Genexpression eingreifen. Sie werden in insgesamt 5 Hauptgruppen eingeteilt, nämlich H1, H2A, H2B, H3 und H4. Papillomaviridae besitzen davon H2A, H2B, H3 und H4
[12] Eukarya, Echtzellkerner: Die evolutiv jüngste, fortgeschrittenste der drei bekannten Domänen sind die Eukarya mit echten Zellkernen, mit interner Kompartimentierung aus unterschiedlich gestalteten Zisternen und Vesikeln, sowie hochkomplexen Chromosomen
[13] Epithel: Ein- oder mehrlagige Zellschichten, die alle inneren und äußeren Körperoberflächen von Echten Tieren (Animalia) bedecken
Eingestellt am 6.Juli 2024
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2 Befallsbilder (AP)
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Über achtundneunzig Prozent der Befälle heilen
Ohne Folgen allein wieder aus.
In den übrigen bilden sich Warzen oder Läsionen,
Bei Menschen zumindest an Stellen, die beim Geschlechtsverkehr berührt.
Durch Kontakt erfolgt Übertragung,
Bei Schwulen finden sie oft sich im Arsch.
.
Jahrelang oft verbleiben die Viren, ohne sich groß zu vermehren.
Offenbar spielt eine Rolle dabei des Trägers Immunsystem,
Denn bei Raucherinnen, so heißt es – nur für Frauen bestehen ausreichend Daten –
Träten deswegen Erkrankungen häufiger auf.
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Sicher sind Warzen allein schon irritierend,
Doch mehr noch besteht doch Gefahr,
Bösartig zu werden, Krebs zu bilden,
Das von Frauen gefürchtete Zervixkarzinom[1].
.
Einige Dutzend medizinisch relevanter Typen sind beschrieben,
Nach ihrem Potential Krebs auszulösen, klassifiziert,
Wobei von vierzig nur vier zu Hochrisikoviren gehören:
Zusammengenommen verursachten sie Gebärmutterhalskrebs zu fast hundert Prozent.
Diese breiten sich, was wunder,
Auf Mund, Penis und Anus mitunter aus.
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Recht resistent erweisen Papillomaviren sich gegen
Zur Virusinaktivierung verwendete, fettlösliche Stoffe,
Deaktivieren sie nicht; sind hitzestabil noch bei 50o.
.
Zu den ältesten nachgewiesenen Viren gehören Papillomaviren.
Leben offensichtlich lang an schon Menschen angepasst:
Maria von Aragons[4] Mumie zeigte Anogenitalwarzen.
Bioinformatik und DNA-Phylogenetik[5] legen nahe, dass
Die sie wohl aus Afrika nach Europa gebracht.
Zu diesem Befund passe, so ließe sich schließen,
Dieser Viren höchste Prävalenz[8] in Afrika.
.
Vor knapp fünfhunderttausend Jahren, so detaillierte Studien,
Waren Papillomaviren bei frühen Homininen[9] schon manifest.
Vielleicht brachte sie Homo sapiens[10] vor gut einhunderttausend Jahren nach Norden,
Oder Homo heidelbergensis[11], vor sechshunderttausend Jahren aus Afrika mit,
.
Der zum Neandertaler wohl sich später entwickelte
Und sie womöglich bei Kreuzungen auf Homo sapiens übertrug.
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Doch nicht nur der Mensch wird von Papillomaviren befallen:
Verschiedene Wirbeltierarten[12] leiden durch Hautwucherungen daran;
Wurden zuerst nachgewiesen an erkranken Kaninchen[13].
– Für den Nachweis, Papillomaviren verursachten Zervixkarzinom
Erhielt der Virologe und Mediziner Harald zur Hausen[14]
Zweitausendundacht den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.SL
.
Fußnoten
[1] Zervixkarzinom: Bösartige Tumore des Gebärmutterhalses; entwickeln sich zumeist aus der Plattenepithelhaut im Bereich des äußeren Muttermunds
[2] Detergenzien: Stoffe, die einen Reinigungsprozess erleichtern
[3] Saurer pH: pH niedriger als 7 (meist deutlich niedriger)
[4] Maria von Aragón (1482-1517): Infantin von Aragón und Kastilien und als zweite Ehefrau Emanuel des Glücklichen von 1500 bis zu ihrem Tod Titularkönigin von Portugal.
[5] Phylogenetik: Fachrichtung der Genetik und Bioinformatik, die sich mit der Erforschung von Abstammungen beschäftigt
[6] Neandertaler Mensch: Homo neandertalensis (Hominini – Homininae – Hominidae – Hominoidea – Catarrhini –...)
[7] Denisova-Menschen: Population der Gattung Homo, die eng verwandt ist mit Neandertalern und wie diese den anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens) nahesteht, jedoch genetisch von beiden Arten unterschieden werden kann
[8] Prävalenz: vorherrschen; Rate der zu einem bestimmten Zeitpunkt oder in einem bestimmten Zeitabschnitt an einer bestimmten Krankheit Erkrankten
[9] Hominini: Menschen i. w. S (Homininae – Hominidae – Hominoidea – Catarrhini – Anthropoidea – …)
[10] Homo sapiens: Hominini (Homininae – Hominidae – Hominoidea – Catarrhini – Anthropoidea – …)
[11] Homo heidelbergensis: Heidelberger Mensch (Hominini – Homininae – Hominidae – Hominoidea – Catarrhini – …)
[12] Wirbeltiere: Craniota (Nothochordata – Chordata – Deuterostomia – Bilateria – Animalia - …)
[13] Hauskaninchen, Karnickel: Oryctolagus cuniculus forma domestica (Leporidae – Lagomorpha – Glires – Euarchontoglires – Boreoeutheria –…)
[14] zur Hausen, Harald (1936-2023): Mediziner und Virologe; Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 2008
SL Chen Z, Ho WCS, Boon SS, Law PTY, Chan MCW, DeSalle R, Burk RD, Chan PKS (2017) Ancient evolution and dispersion of Human Papillomavirus 58 Variants. J Virology 91(21): e01285-17
Eingestellt am 6. Juli 2024
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Picornaviridae, Hepatitis-A-Virenartige
1 Gemeinsames (AP)
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Gehören mit zwanzig bis dreißig Nanometer[3] zur Minivirenwelt.
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Eine Besonderheit der Picornaviridae
Liegt in der Proteingene Anordnung auf der RNA[4]:
Strukturelle Proteine liegen nahe des 5‘-RNA-Endes[5],
Funktionelle Gene nahe des 3‘-Endenbreichs[6].
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Vier Capsidproteine[7] unterschiedlicher Art besitzen Picornaviridae.
Drei außenliegende werden von Antikörpern[8] erkannt,
Das vierte, innenliegend, verbindet die äußern
Nach innen hin zum Genom.
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Fußnoten
[1] Unbehüllt: Viele Viren, auch gramnegative Bakterien, umhüllen sich mit einer Lipiddoppelmembran, doch diese fehlt Unbehüllten
[2] Ikosaeder: Polyeder mit zwanzig kongruenten, gleichseitigen Dreiecken als Flächen, mit dreißig gleichlangen Kanten und zwölf Ecken, in denen jeweils fünf Seitenflächen zusammentreffen
[3] Nanometer, nm: Millionstel Millimeter (10-6 mm); Tausendstel Mikrometer (10-3 µm); Milliardstel Meter (10-9 m)
[4] Genomische RNA: so wird die RNA des Genoms von RNA-Viren bezeichnet
[5] 5‘-Ende von Nukleinsäuren: Kohlenstoffatome der beteiligen Fünfer-Zucker (Ribose, bzw. Desoxyribose) werden, wenn sie nicht in Ringform vorliegen, vom C des Aldehyds ausgehend, mit den Ziffern 1 bis 5 belegt, wobei das letzte C (das C der [–CH2OH]-Gruppe) somit C5 darstellt. Folglich ist in Ringform des Zuckers das C unmittelbar am Sauerstoff, das die [–CH2OH]-Gruppe trägt, C4. Benachbart zum C4 liegt somit C3. Das 5‘-Ende des Zuckers ist somit die [–CH2OH]-Gruppe, das übernächste C ist C3 und stellt somit das 3‘-Ende dar.
[6] 3‘-Ende von Nukleinsäuren: Kohlenstoffatome der beteiligen Fünfer-Zucker (Ribose, bzw. Desoxyribose) werden, wenn sie nicht in Ringform vorliegen, vom C des Aldehyds ausgehend, mit den Ziffern 1 bis 5 belegt, wobei das letzte C (das C der [–CH2OH]-Gruppe) somit C5 darstellt. Folglich ist in Ringform des Zuckers das C unmittelbar am Sauerstoff, das die [–CH2OH]-Gruppe trägt, C4. Benachbart zum C4 liegt somit C3. Das 3‘-Ende des Zuckers ist das nächste C, das nicht die [–CH2OH]-Gruppe trägt.
[7] Capsid: Komplexe, regelmäßige Struktur von Viren aus Proteinen, die der Verpackung des Virusgenoms dient.
[8] Antikörper: Proteine, die vom Immunsystem der Wirbeltiere als Reaktionsprodukte auf Antigene gebildet werden
Eingestellt am 6. Juli 2024
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2 Rhinoviren[1] (AP)
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Jeder kennt die laufende Nase, den Schnupfen im Winter,
Haben spezielle Enteroviren[2] sich in der Nase festgesetzt,
Nachdem sie dort die Lieblingstemperatur von drei bis dreiunddreißig Grad gefunden,
Weil, des nasskalten Wetters wegen, sich die Nase hatte fortlaufend unterkühlt;
Weil sich Blutkapillaren im ständig Kälte erfahrenden Körper verengten,
Fand das Nasenvirus optimales Quartier.
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Zwei Oberflächenproteine, mittig in der Vertiefung von Proteindreiecken gelegen,
Binden sich an der Schleimhaut Membran,
Des Pathogens RNA-abhängige RNA-Polymerase[10] schließt,
Durch das Virus veranlasst,
Sich in Vesikeln des Endoplasmatischen Retikulums[11] ein:
So repliziert, abgeschottet vom Cytoplasma, dort die Viruspolymerase die (+)-RNA.
Des Capsids Proteine umhüllen schließlich des Enterovirus‘ Genom.
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Lytisch zerstören Rhinoviren Zellen der Nasenschleimhaut,
Worauf der Körper mit Entzündung reagiert:
Durchlässiger werden der Nasenschleimhaut Gefäße,
Flüssigkeit tritt hervor, die Nase läuft;
Der Schleimhäute späteres, oft erhebliches Schwellen
Lässt kaum mehr Atemluft durch.
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Nießen, Schnäuzen und Husten bringen Viren in die Umgebung.
Zumeist erfolgt über Hände jedoch eine Kontamination,
Denn trockene Luft inaktiviert Enteroviren bereits nach Minuten;
In feuchtwarmer Luft und an Händen überleben sie längere Zeit.
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Vergeblich wehrten befallene Zellen
Blutkapillaren zum Schwemmen reizend,
Gegen die nacktikosaedrische[14] Form.
Lästig ist zwar die laufende Nase,
Doch Schnäuzen jagt den Großteil davon.
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Antikörper[15] bringen für kürzere Zeit nur Schutz dem Körper,
Denn Armaden[16] des angriffslustigen Typs
Geben sich Abwehrsystemen kaum zu erkennen,
Spielen permanent einen Streich.
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Fußnoten
[1] Keine Gattungsbezeichnung; Ortsbezeichnung ihres Vorkommens
[2] Enteroviren: Enterovirus spp. (Picornaviridae – Unbehüllte (+)-ss-RNA-Viren – Einzelsträngige (+)-RNA-Viren – RNA-Viren – Viren –…)
[3] (+)-polare einzelsträngige DNA: Davon würde beim Transkribieren zwangsläufig eine (–)-orientierte RNA entstehen, die aber das Ribosom nicht als mRNA erkennen kann, somit kann diese RNA nicht translatiert werden
[4] Cytoplasma: Flüssiger Zellinhalt mit darin liegendem Cytoskelett
[5] Ribosomen kapernd: ein generelles Verhalten von Viren
[6] Ribosom: Organell aus ribosomaler RNA und Proteinen. Es dient zur Translation der mRNA-Informationen in Proteine. Meist sind mehrere Ribosomen über die mRNA kettenartig verbunden, um zugleich mehrere Ablesevorgänge hintereinander ablaufen lassen zu können
[7] Proteasen: Proteine oder Peptide abbauende Enzyme, dabei lösen sie durch Hydrolyse die Bindungen zwischen ihren Aminosäuen auf
[8] Proteine: Aus Aminosäuren aufgebaute, komplexe Moleküle. Die [–NH2]-Gruppe einer Aminosäure wird mit der Hydroxylgruppe [–OH] der Säurefunktion [–COOH] unter Wasserabspaltung verknüpft, dabei entsteht eine charakteristische Abfolge von Atomen: [–C–N–C–C–N–]n, wobei das unmittelbar dem [N] benachbarte [C] einen doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] trägt, das zweite der beiden benachbarten den Aminosäurerest
[9] Capsid: Komplexe, regelmäßige Struktur von Viren aus Proteinen, die der Verpackung des Virusgenoms dient.
[10] RNA abhängige RNA-Polymerasen: RNA-abhängig heißen diese RNA-Polymerasen, weil sie RNA nicht von DNA, sondern von RNA ausgehend, synthetisieren
[11] Endoplasmatisches Retikulum, ER: Intrazelluläres Membransystem aller eukaryotischen Zellen; besteht aus lipiddoppelmembranumschlossenen Hohlräumen, die ein zusammenhängendes System bilden, das mit der Kernhülle in Verbindung steht
[12] Histamin: Biogenes Amin, wird durch Abspaltung von CO2 aus Histidin gebildet
[13] Bradykinin: Oligopeptid aus 9 Aminosäuren
[14] Unbehüllt: Viele Viren, auch gramnegative Bakterien, umhüllen sich mit einer Lipiddoppelmembran, doch diese fehlt Unbehüllten
[15] Antikörper: Proteine, die vom Immunsystem der Wirbeltiere als Reaktionsprodukte auf Antigene gebildet werden
[16] Armada (im übertragenen Sinn): große Anzahl
Eingestellt am 6. Juli 2024
Enterobvirus sp.: Humanes Rhinovirus 14
Isosurface of the capsid of human rhinovirus 14, one of the viruses which cause the common cold. Protein spikes are colored white for visual clarity. Note the icosahedral symmetry. Based on Protein Data Bank entry 4RHV. Rendered in Maxon Cinema 4D
Autor Thomas Splettstoesser
Aus Wikipedia: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rhinovirus_isosurface.png
Eingestellt am 6. Juli 2024
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3 Poliomyelitisviren[1] (AP)
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Viel dramatischer als die harmlosen Nasenviren[2]
In den Fünfzigern des letzten Jahrhunderts noch
Waren in beinahe allen Schulen Kinder zu sehen, die daran erkrankt,
Ein Bein nachzogen, hinkten, denen kein Sport möglich,
Obwohl sie, wie die Schulkameraden, hätten so gerne geturnt.
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Dabei traf sie das Schicksal viel schwerer als andere,
Die mit Polio-Viren[5], einem Enterovirus, sich infiziert,
Aufgenommen durch kontaminierte Lebensmittel, mit verunreinigtem Wasser
– Geh’n mit Fäkalien ihren verheerenden Weg. –
Die meisten Betroff‘nen zeigten keine Symptome jedoch, vielleicht nur leichteres Fieber.
Nur ein Prozent befiel Lähmungen, fünfzehn davon erlitten den Tod.
.
In den Darm gelangt, landen Poliomyelitisviren auf Epithelzellen[6],
Docken an Adhäsionsfaktoren an;
Von Belang nur für die Zellen, um aneinanderzubleiben,
Doch Polio-Viren nutzen sie für sich.
.
Nur mit wenigen Stellen kann ihr Ikosaeder[7] sich halten,
Dort, wo fünf Dreiecksflächen zur Spitze vereint.
Keineswegs aber ist ihnen dies zum Nachteil,
Flottieren diese Faktoren doch frei in der Wirtszelle Membran
Und, hinterhältig ließe sich‘s nennen,
Ziehen viele Konsorten noch an.
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Eine Tasche bildet des Wirts Plasmalemma[8]
Um das Capsid[9], was für den Plan ihm vollkommen reicht.
Fünf bestimmte Moleküle, jeweils eines der fünf zusammenstoßenden Flächen,
Bilden, Zellmembran durchstoßend, darin ein Loch;
Dort hindurch injiziert das Poliovirus mit eigenen Mitteln sein
Chromosom, während sein Capsid außerhalb der Wirtszelle bleibt.
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Eingespritzte RNA übernimmt sodann zweierlei Funktionen:
Zum einen wird sie zum Vorläuferprotein translatiert
Und, nachdem dies in drei Teile zerfallen,
Wird jedes nochmals gespalten in eigenständige drei.
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Ein Teil der insgesamt elf Proteine
Hilft bei Wechselwirkung zwischen Wirtsmembran und RNA,
Ein anderer wird zum Primer[10] für RNA-Synthese,
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Die restlichen Abschnitte, aus dem Vorläuferprotein entstanden,
Dienen als Bausteine für das Capsid.
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Injizierte RNA wird zum Zweiten auch zur Replikation verwendet.
Zwischen den beiden Aufgaben entsteht – so scheint es – ein unlösbarer Konflikt,
Während Replikation durch Polymerase am 3‘-Ende[15] beginnt.
Kein Zusammenstoß aber ist in der Mitte möglich,
Werden beide Vorgänge doch sauber getrennt:
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Erfolgt die Proteinsynthese im Wirtscytoplasma,
So werden ER[16]-Vesikel von Virusproteinen dazu gebracht,
Virus-RNA und Polymerase[17] in sich einzuschleusen:
Liegen damit von Ribosomen völlig getrennt.
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Die (+)-Strang RNA[18] dient nur als Matrize
Für den komplementären[19], der final repliziert dann wird;
(+)-Strang-RNAs verlassen, zu zig Tausenden nun vorhanden,
ER-Vesikel, werden im Cytoplasma in je ein Capsid verpackt.
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Rasch werden die Viren, sie zerstörend, die Zellen verlassen,
Entzündungsreaktionen schädigen andere rundum.
Erheblich vermehrt, werden neue Zellen befallen;
Viele verlassen den Darm, bringen Gefahr für Kontamination.
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Meist zeigt der Träger keine Reaktionen,
Bemerkt keinerlei Wirkung des möglicherweise tödlichen Virus, obwohl er es streut.
Es wandert in wenigen Fällen in Lymphgewebe[20],
Das den Darm dicht umgibt.
Lässt, davon ausgehend, sich weit im Strom der Lymphe verbreiten,
Befällt Organe, die damit assoziiert.
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Auch ins Blutsystem wird eine große Anzahl entlassen,
Nerven von dort aus zu befallen, besteht nun größte Gefahr.
Werden Neuronen[21] zerstört – sie können sich nicht regenerieren –
Treten verschiedentlich Lähmungserscheinungen auf:
Werden Blut-Hirn-Schranken überwunden,
Kommt es nicht selten zum Tod.
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Was auf genetische Ähnlichkeiten der beiden Homininen verweist. –
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Fußnoten
[1] Keine Gattungsbezeichnung; Krankheitsbezeichnung
[2] Nasenviren: Rhinoviren, Enterovirus sp. (Picornaviridae – Unbehüllte (+)-ss-RNA-Viren – Einzelsträngige (+)-RNA-Viren – RNA-Viren – Viren –…)
[3] Moderner Mensch: Homo sapiens (Hominini – Homininae – Hominidae – Hominoidea – Catarrhini –…)
[4] Enterovirus sp.: Kinderlähmungsvirus, Poliomyelitisvirus. (Picornaviridae – Unbehüllte (+)-ss-RNA-Viren – Einzelsträngige (+)-RNA-Viren – RNA-Viren – Viren –…)
[5] Keine Gattungsbezeichnung; Krankheitsbezeichnung
[6] Epithel: Ein- oder mehrlagige Zellschichten, die alle inneren und äußeren Körperoberflächen von Echten Tieren (Animalia) bedecken, so auch des Darms
[7] Ikosaeder: Polyeder mit zwanzig kongruenten, gleichseitigen Dreiecken als Flächen, mit dreißig gleichlangen Kanten und zwölf Ecken, in denen jeweils fünf Seitenflächen zusammentreffen
[8] Plasmalemma: Zellmembran (Lipiddoppelmembran) von Organismen mit starrer Zellwand; wird oft als Gegenstück zum Tonoplasten betrachtet, der im Zellinneren eine größere Saftvakuole umgibt; für Bakterien und Animalia kein gebräuchlicher Begriff.
[9] Capsid: Komplexe, regelmäßige Struktur von Viren aus Proteinen, die der Verpackung des Virusgenoms dient.
[10] Primer: Oligonucleotid, das für DNA-replizierende Enzyme (wie die DNA-Polymerase) als Startpunkt (oder Endpunkt) dient
[11] RNA abhängige RNA-Polymerasen: RNA-abhängig heißen diese RNA-Polymerasen, weil sie RNA nicht von DNA, sondern von RNA ausgehend, synthetisieren
[12] Replizieren, Replikation: Replikation dient dazu, DNA (bei manchen Viren genomische RNA) in einer Zelle zu verdoppeln. Sie wird also dazu benötigt, Erbinformationen an jede neue Zelle (gegebenenfalls an jedes neue Virus) weiterzugeben.
[13] Ribosom: Organell aus ribosomaler RNA und Proteinen. Es dient zur Translation der mRNA-Informationen in Proteine. Meist sind mehrere Ribosomen über die mRNA kettenartig verbunden, um zugleich mehrere Ablesevorgänge hintereinander ablaufen lassen zu können
[14] 5‘-Ende von Nukleinsäuren: Kohlenstoffatome der beteiligen Fünfer-Zucker (Ribose, bzw. Desoxyribose) werden, wenn sie nicht in Ringform vorliegen, vom C des Aldehyds ausgehend, mit den Ziffern 1 bis 5 belegt, wobei das letzte C (das C der [–CH2OH]-Gruppe) somit C5 darstellt. Folglich ist in Ringform des Zuckers das C unmittelbar am Sauerstoff, das die [–CH2OH]-Gruppe trägt, C4. Benachbart zum C4 liegt somit C3. Das 5‘-Ende des Zuckers ist somit die [–CH2OH]-Gruppe, das übernächste C ist C3 und stellt somit das 3‘-Ende dar.
[15] 3‘-Ende von Nukleinsäuren: Kohlenstoffatome der beteiligen Fünfer-Zucker (Ribose, bzw. Desoxyribose) werden, wenn sie nicht in Ringform vorliegen, vom C des Aldehyds ausgehend, mit den Ziffern 1 bis 5 belegt, wobei das letzte C (das C der [–CH2OH]-Gruppe) somit C5 darstellt. Folglich ist in Ringform des Zuckers das C unmittelbar am Sauerstoff, das die [–CH2OH]-Gruppe trägt, C4. Benachbart zum C4 liegt somit C3. Das 3‘-Ende des Zuckers ist das nächste C, das nicht die [–CH2OH]-Gruppe trägt.
[16] ER (Abkürzung für Endoplasmatisches Retikulum): Intrazelluläres Membransystem aller eukaryotischen Zellen. Es besteht aus lipiddoppelmembranumschlossenen Hohlräumen, die ein zusammenhängendes System bilden und mit der Kernhülle in Verbindung stehen
[17] Polymerasen: Gruppe von Enzymen, welche die Synthese von Polynucleotiden aus Nucleotidtriphosphaten als monomere Vorstufen (Einzelvorstufen) katalysieren
[18] (+)-polare einzelsträngige RNA (Viren): Diese einzelsträngige RNA wird vom Wirt als mRNA erkannt, weil am C3 der Ribose, nahe des C5 die nächste freie [–OH]-Gruppe steht; das C5 ist mit einem Phosphat besetzt und kann nicht mit einem Nucleotid in Verbindung treten (daher erfolgt die RNA-Synthese nur und immer in 5‘ à 3‘ Richtung und nicht umgekehrt; nur in dieser positiven Richtung sind die Basentripletts als Codes in der richtigen Folge und geben für Proteinsynthese Sinn). (+)-polare RNA wird deshalb unmittelbar für die Synthese von Proteinen verwendet.
[19] (–)-polare einzelsträngige RNA (Viren): Virale, einzelsträngige RNA wird vom Wirt nicht als mRNA erkannt und muss von viraler RNA-Polymerase zunächst in eine (+)-polare RNA umgeschrieben werden, damit sie als mRNA wirken kann
[20] Lymphgefäße: Gefäße im Gewebe mit letztlich dreischichtigem Wandaufbau und passiven Klappen, die ein Rückfließen der Lymphe verhindern; Muskelzellen können die Flüssigkeit vorwärtsdrücken
[21] Neurone: Nervenzellen
[22] Schimpansen: Pongo spp. (Ponginae – Hominidae – Hominoidea – Catarrhini – Anthropoidea –…)
[23] Poliovirus: Enterovirus sp. (Picornaviridae – Unbehüllte (+)-ss-RNA-Viren – Einzelsträngige (+)-RNA-Viren – RNA-Viren – Viren –…)
Eingestellt am 6. Juli 2024
Kinderlähmungsopfer
World Polio Day: What Nigeria needs to do to eradicate scourge - WHO
By Nike Adebowale-Tambe, October 24, 2018. Aus Premium Times
Eingestellt am 6. Juli 2024
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4 Hepatitis-A-Viren[1] (AP)
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Hepatitis-A-Viren[2], die noch harmlosesten unter allen leberbefallenden Viren,
Schädigen nicht nachhaltig, erfolgt doch keine Reinfektion;
In den Gallengang[3] gelangen neugebildete Viren,
Durch Schmierübertragung, werden Hände nicht sauber gewaschen,
Auch mit Wasser, durch Fäkaliendüngung[7] verunreinigt, erfolgt Neuinfektion.
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Im Vorderen Orient[8], Mittelmeerraum, Afrika, Mittel- und Südamerika, schnappen
Touristen gelegentlich Hepatitis-A-Viren auf.
Selten denkt jemand mehr, spürt er Symptome, an die mangelhafte Hygiene,
Beträgt doch zwei bis vier Wochen die Zeit der Inkubation[9].
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Oft verläuft fast symptomlos diese Krankheit,
Meist heilt sie recht schnell wieder aus;
Erbrechen, Übelkeit, Bauchschmerzen, Fieber und Durchfall sind möglich,
Selten kommt es zur Gilbung der Haut.
In des Erkrankten Umgebung aber lebt sich‘s gefährlich,
Denn ein bis zwei Wochen vor Ausbruch schon, wirkt der Befall‘ne infektiös.
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Laugen und Säuren in Mund, Magen und Därmen,
Im Darmepithel[12] repliziert sich das Virus,
Breitet mit Blut in die Leber sich aus.
Nach Vermehrung in Hepatocyten[13]
Gelangen mit Gallenflüssigkeit sie in den Darm;
Verbleiben, nachdem sie die Leber für immer verlassen,
Noch einige Zeit in Gedärmen, nicht aber im Blut.
So erfolgt Selbstheilung in der Mehrzahl von Fällen.
Mehr Vorsicht walten lassen im Urlaubsland, ist die Lehre daraus.
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Fußnoten
[1] Keine Gattungsbezeichnung; Krankheitsbezeichnung
[2] Hapatovirus A: Hepatitis-A-Virus (Picornaviridae – Unbehüllte (+)-ss-RNA-Viren – Einzelsträngige (+)-RNA-Viren – RNA-Viren – Viren –…)
[3] Gallengang: Galle transportierende Wege; Lebergallengänge und der Gallengang zum Dünndarm werden unterschieden
[4] Dünndarm: Darmbereich zwischen Magen und Dickdarm
[5] Dickdarm: Darmabschnitt zwischen Dünndarm und Rektum
[6] Stuhl (Medizin): Ausscheidung des Darms, Faeces, Kot
[8] Vorderer Orient: Erstreckt sich in etwa von der Türkei in den Iran, von Kaukasien bis zur Arabischen Halbinsel; mitunter wird auch Ägypten dazugezählt; die Bezeichnungen Vorderasien, Südwestasien und Naher Osten decken im Großen und Ganzen dasselbe Gebiet.
[9] Inkubationszeit: Zeit, die zwischen Infektion und Ausbruch der Krankheit vergeht
[10] Unbehüllt: Viele Viren, auch gramnegative Bakterien, umhüllen sich mit einer Lipiddoppelmembran, doch diese fehlt Unbehüllten
[11] Ikosaeder: Polyeder mit zwanzig kongruenten, gleichseitigen Dreiecken als Flächen, mit dreißig gleichlangen Kanten und zwölf Ecken, in denen jeweils fünf Seitenflächen zusammentreffen
[12] Epithel: Ein- oder mehrlagige Zellschichten, die alle inneren und äußeren Körperoberflächen von Echten Tieren (Animalia) bedecken; so auch den Darm
[13] Hepatocyten: Leberzellen
Eingestellt am 6. Juli 2024
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5 Maul- und Klauenseuche (AP)
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Weltweit verbreitet war diese Seuche,
Nur Neuseeland blieb immer verschont;
Viele Länder, die einstmals recht heftig betroffen,
Gelten radikaler Maßnahmen wegen als mittlerweile MKS[1]-frei.
Vernichtung befallener Rinderherden[2], auch kleiner Bestände, verhalfen,
Aphthovirus[3] einzudämmen, doch besteht immer Gefahr,
Es aus Afrika, Asien und Teilen Südamerikas einzuschleppen.
Dort bricht nämlich immer wieder wegen fehlender Überwachung die Seuche aus.
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Nicht nur Rinder, generell Paarhufer[4] gelten als Opfer,
MKS wirkt sich wesentlich aber nur bei landwirtschaftlichen Tierarten aus;
Sie alle pflegen recht engen Körperkontakt,
Wodurch Übertragung und Ausbreitung leichter wird möglich,
Erfolgt sie doch über Speichel- und anderen Schmierkontakt.
Am heftigsten trifft es allerdings Rinder;
Farmer und Landwirte erfahren die größten Verluste damit.
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Bilden flüssigkeitsvolle Blasen, die Aphthen[10] dort, die,
Aerogen[11] verursacht, der Beobachtung zwangsläufig entgehen.
Aphthoviren gelangen von dort in Lymph[12]- und Blutgefäße,
Erreichen Leber und Milz;
Vermehren dort sich erheblich,
Besiedeln in virämischer Phase[13] jeglichen Ort:
Muskulatur, Haut und Schleimhaut,
Kommen zuweilen im Zentralnervensystem ebenfalls an.
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Keratocyten[16] werden zerstört, Hohlräume entstehen, die, gefüllt mit Flüssigkeit,
Danach zu großen Blasen fließen zusammen;
Am Flotzmaul[17], in gesamter Mundschleimhaut,
Auch an der Zunge wird MKS sichtbar mit erbsen- bis taubeneigroßen Blasen,
An Klauen, Euterhaut, an Zitzen, werden die Aphten sehr evident.
Der Kühe Verhalten meldet ihr Leiden:
Lassen geschlossen das Maul, schmatzen vielleicht ein wenig noch;
Zwei Wochen dauert der Schleimhaut Heilung,
Klauenaphthen klingen nach einem Monat erst ab.
Doch dort verzögern bakterielle Sekundärinfektionen
Rekonvaleszenz oft enorm.
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Milde Symptomatik hätte zwei- bis fünfprozentige Letalität zur Folge,
Doch werden befall‘ner Tiere Bestände frühstes möglich gekeult[18].
Aggressive Stämme, oft an Kälbern zu sehen,
Brächten bis zu achtzig Prozent leidvollen Tod.
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Fußnoten
[1] MKS: Maul- und Klauenseuche
[2] Hausrind, Milchkühe: Bos taurus (Bovini – Boodontia – Bovidae – Pecora – Ruminatia –…)
[3] Aphthovirus: Pathogen der Maul- und Klauenseuche (Picornaviridae – Unbehüllte (+)-ss-RNA-Viren – Einzelsträngige (+)-RNA-Viren – RNA-Viren – Viren –…)
[4] Paarhufer: Cetarctiodactyla (Ungulata – Übrige Laurasiatheria – Laurasiatheria – Boreoeutheria – Placentalia –…)
[5] Hausschaf: Ovis gmelini aries (Antilopini – Aegodontia – Bovidae – Pecora - Ruminantia –…)
[6] Hausschwein: Sus scrofa domesticus (Suidae – Suina – Artiodactyla – Übrige Cetartiodactyla – Ungulata –…)
[7] Hausziege: Capra aegagrus hircus (Antilopini – Aegodontia – Bovidae – Pecora – Ruminantia –…)
[8] Pharynx: Rachen; erstreckt sich von der Schädelbasis bis hin zur Speise- und Luftröhre
[9] Bronchiolen: Kleinste Äste des Bronchialsystems, der Lungenäste als Teil der unteren Atemwege; weisen keine Knorpel und keine schleimartigen Drüsen mehr auf
[10] Aphten: Flüssigkeitsgefüllte, milchig-gelbliche, schmerzhafte Bläschen und Blasen
[11] Aerogen: Durch die Luft verbreitet, transportiert
[12] Lymphgefäße: Gefäße mit letztlich dreischichtigem Wandaufbau und passiven Klappen, die ein Rückfließen der Lymphe verhindern; Muskelzellen können die Flüssigkeit vorwärtsdrücken
[13] Virämische Phase: Wenn infektiöse Partikel das Blut bevölkern
[14] Epidermis (Haut): Oberhaut bei Wirbeltieren als äußerste Schicht der Haut, die eigentliche Schutzhülle gegenüber der Umwelt
[15] Stratum spinosum, Stachelschicht: Schicht der Epidermis, die sich über der Basalschicht und unterhalb der Körnerschicht befindet.
[16] Keratocyten: Keratin bildende Zellen
[17] Flotzmaul: Verschmelzung von Naseneingang und Oberlippe ein Rindern
[18] Keulen: massenhaftes Töten von Nutztieren
Eingestellt am 6. Juli 2024
Maul- und Klauenseuche, geplatzte Aphthe (Rind)
USDA online photography center. Image Number :01cs0006
Eingestellt am 6. Juli 2024
Maul- und Klauenseuche, Klauenerosionen bei einem Schwein
http://www.usda.gov/oc/photo/01cs0008.htm]. Image Number:01cs0008
Eingestellt am 6. Juli 2024
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6 Nicht verwechseln (AP)
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Obwohl Befall mit Enterovirus Coxsackie-A[1] von Menschen,
Besonders von Kindern unter zehn Jahren, symptomatisch MKS[2] ziemlich gleicht,
Wird die Hand-Fuß-Mund-Krankheit[3] von einer ganz anderen Gattung hervorgerufen.
Auch sie beeinträchtigt Erkrankte oft sehr.
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Drei bis sieben Tage nach Inkubation zeigen sich erste Symptome wie
Fieber, Halsschmerzen, Appetitlosigkeit, bevor
Schmerzhafte, kurzlebige Bläschen kurze Zeit später im Mundraum entstehen,
Was besonders Zunge, harte Gaumen, Zahnfleisch und Wangenschleimhaut betrifft.
Gleichzeitig, vielleicht kurze Zeit später, erblüht ein symmetrischer
Ausschlag mit Bläschen an Handinnenflächen, Fußsohlen und am Gesäß.
Schmerzen und Juckreiz begleiten die Aphthen[4],
Heilen nach acht bis zwölf Tagen ohne Krustenbildungen ab.
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Zu Infektionen kommt es direkt von Mund zu Mund mit
Körperflüssigkeiten, wie Speichel, mit Tröpfchen der Bläschen, auch fäkal-oral[5],
Über Aerosole[6] beim Husten erkrankter Personen,
Auch über Gegenstände, wenn sie gemeinsam benutzt.
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Dringen über die Mundschleimhaut oder den Dünndarm[7] in Körper,
Gelangen an Lymphknoten[8] ins Blut,
Über Adern in periphere Partien des Körpers,
Wonach bläschenförmiger Ausschlag erblüht.
Überwiegend symptomatisch[9] wir die Hand-Fuß-Mund-Krankheit behandelt;
Schmerzmedikamente und Kühlung sind Mittel der Wahl.
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Fußnoten
[1] Enterovirus Coxsackie-A: Erreger der Hand-Fuß-Mund-Krankheit bei Menschen (Picornaviridae – Unbehüllte (+)-ss-RNA-Viren – Einzelsträngige (+)-RNA-Viren – RNA-Viren – Viren –…)
[2] MKS: Maul- und Klauenseuche, verursacht von Aphthovirus (Picornaviridae – Unbehüllte (+)-ss-RNA-Viren – Einzelsträngige (+)-RNA-Viren – RNA-Viren – Viren –…)
[3] Picornaviridae – Unbehüllte (+)-ss-RNA-Viren – Einzelsträngige (+)-RNA-Viren – RNA-Viren – Viren –…)
[4] Aphten: Flüssigkeitsgefüllte, milchig-gelbliche, schmerzhafte Bläschen und Blasen
[5] Fäkal-oral: Beschreibt einen möglichen Infektionsweg der Mikroben von Fäkalien direkt oder indirekt zum Mund
[6] Aerosole: Feinstverteilte, schwebende, feste oder flüssige Stoffe in Gasen, besonders in der Luft
[7] Dünndarm: Darmbereich zwischen Magen und Dickdarm
[8] Lymphknoten: Erbsengroße Sammelpunkte der Lymphe; filtern Pathogene und Zellen heraus
[9] Symptomatische Behandlung: Nur Symptome werden behandelt, nicht die Ursache
Eingestellt am 6. Juli 2024
Hand-Fuß-Mund-Krankheit: Aphthen and Händen und Füßen
Autor: KlatschmohnAcker
Eingestellt am 6. Juli 2024
Hand-Fuß-Mund-Krankheit; Aphten am Mund
Autor: MidgleyDJ
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Eingestellt am 6. Juli 2024
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Als (+)-polarisierte Einzelstrang RNA, charakteristisch für diese Sippe,
Wird sie vom Wirt als mRNA[3] erkannt,
Translatiert[4] zum Hüllprotein des Schamrotzers,
Auch zur Polymerase der Viren, für den (–)-Strang Bau,
Den sie als Gegenstück brauchen
Für der Nachkommen positiv-strängige[5] Chromosomen-RNA. –
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Lediglich ein Chromosom umhüllen die Viren,
Ein segmentiertes Genom[6] hat Seltenheitswert.
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Verwirklichen zwei Strategien, damit in den Wirt zu gelangen:
Die einen vertrauen auf des Capsids[7] Protein,
Umhüllen zum andern, dies zu kaschieren,
Sich mit des Wirts, als sie die Zelle verließen, Hüllmembran[8].
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Von Bakterien lassen sich Phagen[9] vermehren;
Pflanzen und Tiere sind anderer Viren Ziel.
Zweierlei Viren nehmen heimtückisch uns Menschen in Zange:
Befallen wird, was uns ernährt und wir erfahren dadurch viel Leid.
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Fußnoten
[1] (+)-polare einzelsträngige RNA (Viren): Virale, einzelsträngige RNA wird vom Wirt als mRNA erkannt, weil am C3 der Ribose, nahe des C5 die nächste freie [–OH]-Gruppe steht; das C5 ist mit einem Phosphat besetzt und kann nicht mit einem Nucleotid in Verbindung treten (daher erfolgt die RNA-Synthese nur und immer in 5‘ à 3‘ Richtung und nicht umgekehrt; nur in dieser positiven Richtung sind die Basentripletts als Codes in der richtigen Folge und geben für Proteinsynthese Sinn). (+)-polare RNA wird deshalb unmittelbar für die Synthese von Proteinen verwendet.
[2] Einzelsträngige RNA, single stranded, ss: nur ein Nucleotidstrang liegt vor
[3] mRNA, messenger RNA, Boten RNA: Übersetzt den genetischen Code der DNA (gelegentlich von RNA) in für tRNAs ablesbare Matrizen.
[4] Translation: Synthese von Proteinen in den Zellen lebender Organismen, die nach Vorgabe der Basensequenzen an den Ribosomen abläuft
[5] (+)-polare einzelsträngige DNA (Viren): Davon würde beim Transkribieren zwangsläufig eine (–)-orientierte RNA entstehen, die aber das Ribosom nicht als mRNA erkennen kann, somit kann diese RNA nicht translatiert werden
[6] Segmentierte RNA, segmentiertes Genom: Das Chromosom von Prokaryoten kann in mehreren Stücken (Segmenten) vorliegen; braucht nicht immer eine Einheit zu bilden, sondern kann sich verwandtschaftsabhängig auf mehrere Portionen aufteilen.
[7] Capsid: Komplexe, regelmäßige Struktur von Viren aus Proteinen, die der Verpackung des Virusgenoms dient.
[8] Hüllmembran: Lipiddoppelmembran um gramnegative Bakterien und um verschiedene Viren
[9] Phagen: Ausschließlich Bakterien (und Archäen) infizierende Viren; sind durch ihre Lebensweise charakterisiert; bilden keine einheitliche Verwandtschaft
Eingestellt am 6. Juli 2024
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Poxviridae: Pockenviren
1 Viren mit Geschichte (AP)
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Vermutlich seit Jahrtausenden trieben Pockenviren ihr Unwesen
Bis eine weltweite Impfkampagne in die Geschichte sie trieb,
Ausgestorben sind Pocken weltweit nun!
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Doch woher kam das oft tödlich wirkende Virus, das
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Vor zwölftausend Jahren, so wird vermutet,
Traten Pockenviren erstmals in Siedlungen Nordafrikas auf.
Von dort brachten ägyptische Händler sie womöglich nach Indien,
Ließen in der Levante[5] Spuren davon:
Worüber im Alten Testament[6] mehrfach als schechin, wird berichtet,
Als Pustel, als Geschwür,
Seien nach Medizinhistorikern wahrscheinlich Pockenpusteln[7] gewesen.
Auch mancher Ägypter Mumien zeigten Narben als Pockenspur.
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Nach Europa kamen im zweiten Jahrhundert nach Christi Geburt diese Viren,
Eingeschleppt wohl aus, was heute Irak,
Kreuzritter[10] des elften bis dreizehnten Jahrhunderts trugen zur Pockenverbreitung ebenfalls bei.
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Nach Amerika brachten Eroberer und Siedler die tödliche Seuche,
Löste ab Fünfzehnhundertundachtzehn verheerende Epidemien[11] dort aus:
Forderte Millionen Tote unter Indigenen[12], unter Indianern,
Ein Viertel bis zur Hälfte, möglicherweise noch mehr
Ureinwohner fielen der Seuche zum Opfer;
Wurde ihr Immunsystem doch nie zuvor mit Pockenvieren konfrontiert.
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So konnte sich ungehindert die Seuche verbreiten.
– Ein Beispiel wie negativ ein Ereignis, wie des Neovirions[13] Einbruch, wirken kann,
Wenn es nichtangepasste Populationen dramatisch ausdünnt, reduziert,
Fremden Populationen Besiedlung neuer Gebiete damit erlaubt
Und durch Vernichtung Einheimischer mehr Ressourcen dadurch den Neuen entsteh‘n:
Ein Vorgehen, was die Evolution seit Millionen Jahrhunderten, vielleicht mit Viren sogar, bereits kennt:
Standen neue Lücken, ökologische Nischen[14], bereit zu besiedeln,
War womöglich Startschuss dies für die ein oder andere neue Art. –
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Auch Europa selbst traf es dramatisch!
Pocken lösten die Pest ab dem achtzehnten Jahrhundert als Tödliche Seuche ab:
Jedes Jahr starben, so Schätzungen, vierhunderttausend Menschen,
Auch berühmte Persönlichkeiten blieben nicht von der Krankheit verschont:
In Deutschland traten die letzten Pockenepidemien
Zwischen achtzehnhundertundsiebzig und achtzehnhundertundvierundsiebzig mit etwa einhundertundeinundachtzigtausend Toten auf.
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In Bayern wurde, weltweit als erstem Land, Impfpflicht
August achtzehnhundertundsieben durch König Maximilian dem I[20]. eingeführt;
Diesem Beispiel folgten mehrere deutsche Länder,
Danach auch Schweden, England und achtzehnhundertundvierundsiebzig das gesamte Deutsche Reich.
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Gegen Pocken zu impfen, wurde punktuell schon
Seit dem sechzehnten Jahrhundert praktiziert:
Zerriebene Pusteln wurden in China und Indien
Geschnupft, gar in die Haut geritzt;
In geringsten Mengen natürlich – durch Versuch und Irrtum ermittelt? –
Konfrontierten erfolgreich damit der Probanden Immunsystem.
In Deutschland, England und Österreich erzielten
Ärzte in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts damit nicht wenig Erfolg.
Die verflossene Zeit zwischen Entnahme der Viren und Übertragung
Schwächte die Pockenviren, nahm ihnen entscheidend die Kraft.
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An der Wende zum neunzehnten Jahrhundert
Erwies sich, weniger gefährlich, Impfung mit Kuhpocken[21] als Mittel der Wahl
Für Immunität gegen Menschenpocken[22]
– Der Name Vakzine rührt von Vacca[23] her –.
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So konnte in Schulen durch konsequente Impfung
– Noch heute sehe ich mich, wie ein Arzt mit Lanzette zweimal in meinen Oberarm ritzt –
Pocken immer mehr zurückgedrängt werden, bis neunzehnhundertundzweiundsiebzig
In Deutschland der letzte Pockenfall wurde bekannt.
Weltweit wurden neunzehnhundertundachtzig,
Wie schon geschrieben, Pocken als ausgerottet erklärt.
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Nur noch zwei Labore beherbergen Pockenviren:
In USA und Russland, soweit bekannt.
Eine potenzielle biologische Waffe
Gibt man offensichtlich nicht so leicht aus der Hand.
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Fußnoten
[1] WHO, World Health Organisation: Steuerungs- und Koordinationsorgan für den Gesundheitsbereich der UNO (United Nations Organisation)
[2] Am 8. Mai 1980
[3] Orthopoxvirus variolae: Menschenpocken (Poxviridae – Herkömmlich transkribierende Doppelstrang-DNA-Viren – Doppelstrang-DNA-Viren – DNA-Viren – Viren – Bacteria)
[4] Variola vera oder Variola virus: Menschenpocken: Orthopoxvirus variolae
[5] Levante: überstreicht das Gebiet von Jordanien, Libanon, Israel und Syrien
[6] Lev 12, 18-23, Altes Testament der Bibel, EÜ
[7] Pockenpusteln: Mit Sekret oder Eiter gefüllte Hautbläschen
[8] Römische Legionäre: Soldaten des Römerreichs
[9] Rhenus (lat.): Rhein
[10] Kreuzritter: Allgemein, wer sich auf Kreuzzüge begab
[11] Epidemie, epidemisch: Auftreten einer ansteckenden Krankheit in einem bestimmten begrenzten Verbreitungsgebiet, wobei eine große Zahl von Menschen gleichzeitig von der Krankheit befallen wird
[12] Indigene, Indigene Bevölkerung: Menschen, die von jeher in einem Gebiet leben
[13] Neovirion: Analoger Ausdruck zu Neozoon und Neophyt
[14] Ökologische Nischen: Meist kleine Gebiete, Habitate, mit relativ einheitlichen Lebensbedingungen
[15] Mozart, Wolfgang Amadeus (1756 - 1791): Musiker und Komponist. Sein umfangreiches Werk genießt weltweite Popularität und gehört zum Bedeutendsten im Repertoire klassischer Musik
[16] Haydn, Joseph (1732 - 1809): Sein enormes Arbeitspensum umfasste Komposition, Orchesterleitung, Spielen von Kammermusik und das Arrangieren von Opern.
[17] Beethoven, Ludwig van (1770 – 1827): Komponist und Pianist; wird zu den überragenden Komponisten der Musikgeschichte gezählt.
[18] Ludwig XV., von Frankreich (1710 – 1774): 1715 – 1774 König von Frankreich
[19] Kurfürst Max I. Josef von Bayern (1756 – 1825): 1799 – 1806 Kurfürst von Bayern
[20] König Maximilian I. von Bayern (1756 – 1825): 1806 – 1825 König von Bayern
[21] Kuhpocken: Orthopoxvirus vaccinia, früher Variola bovinus genannt (Poxviridae – Herkömmlich transkribierende Doppelstrang-DNA-Viren – Doppelstrang-DNA-Viren – DNA-Viren – Viren – Bacteria)
[22] Menschenpocken: Orthopoxviurs variolae. Früher Variola virus genannt (Poxviridae – Herkömmlich transkribierende Doppelstrang-DNA-Viren – Doppelstrang-DNA-Viren – DNA-Viren – Viren – Bacteria)
[23] Vacca (lat.): Kuh
Eingestellt am 6. Juli 2024
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2 Durch Tröpfchen und Staub (AP)
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„Wenn du dich weigerst, sie ziehen zu lassen,
Wird die Hand Gottes dein Vieh auf den Weiden,
Mit heimtückischer Seuche erschlagen“[7]
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Vor mehr als dreitausendfünfhundert Jahren schon
Wird diese unheimliche Krankheit bezeugt.
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Leviticus kennt sie genauer[8]:
„Auf der Haut ein Furunkel[9] mit weißlicher Schwellung,
Auch hellrote Flecke, künden vom furchterregenden Aussatz.“
Ein Urteil zu Einsamkeit und kaum mehr vermeidbaren Tod. –
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Dem Nahen Osten und später wohl China scheint die Plage entsprungen.
Sie breitet sich weit über Europa hin aus,
Überzieht Kontinente und Länder,
Geht mordend von Haus zu Haus.
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Ein Virus ruft dieses schier unausrottbare Übel hervor[10]:
Vom Plasmalemma[11] des jüngst befallenen Opfers umhüllt,
Durchzogen mit Erkennungskomplexen,
Fällt ihm nach Staub- und Tröpfchentransport der Zutritt in neue Wirte nicht schwer.
Vermehrt sich auf Kosten der Zelle,
Nimmt ihre Vermehrungsmaschinen[12] dafür noch her.
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Replizierend[13], zellenzerberstend, ergießen sich, massengetrieben,
Zellhungrige Viren in langsam flutende Lymphe[14].
Ununterbrochen mit Nachschub versorgt,
Besiedeln sie Leber, Lunge und Milz.
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Verströmt mit dem Blut
In des Körpers Peripherie,
Gelangen sie endlich zur letzten Vermehrung
In Schleimhaut und Haut.
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Verpacken DNA[15], wie schon gewohnt,
In Lipidmembranhülle,
Umgeben mit mancherlei Proteinen sich,
Knospen, der fremden Zelle Membranen[16] missbrauchend,
Zu Milliarden aus ihrer komfortablen Umgebung;
Brechen dicht weißhöckrig an Füßen, Beinen und Armen,
an Kopf und Händen hervor,
Meiden etwas den Rumpf,
Kehlen der Knie und Höhlen der Achseln lassen sie frei.
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Zwei Wochen nur brauchen die Viren
Vom ersten Befall bis zur letzten Aktion,
Wenn Fieberschübe, Schmerzen des Rückens und Rachenkatarrh[17]
Die Blüte der Krankheit verkünden,
Bis schließlich der Körper erglüht
Und übler Geruch erbarmenswürdige Menschen umhüllt.
Tödlich verlief in vielen Fällen die Krankheit.
Glücklichen blieben rundliche Flecken nur,
Pockennarben, wie man sie nennt.
Ältere Leute tragen noch heute davon zwei nahe der Schulter am Arm
Als Zeugen der Impfung gegen die Seuche.
Eingeritzte Kuhpocken[18] machten gegen die echten, grausamen Pocken immun.
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Heute gelten die menschenmordenden Pocken
Als ausgestorben, seit Jahren besiegt.
Doch zwei Labore horten
Die schrecklichen Geister tiefgefroren im Schlaf.
Ein Glück für die Menschheit,
Dass niemand zurück sie ins Leben noch rief!
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Fußnoten
[1] Hauspferd: Equus caballus (Hippomorpha – Mesaxonia – Ungulata – Übrige Laurasiatheria – Laurasiatheria – …)
[2] Esel: Equus asinus asinus (Hippomorpha – Mesaxonia – Ungulata – Übrige Laurasiatheria – Laurasiatheria – …)
[3] Kamel, Trampeltier, Dromedar: Camelus dromedarius (Tolypoda – Cetartiodactyla – Ungulata – Übrige Laurasiatheria – Laurasiatheria – …)
[4] Hausrind, Milchkühe: Bos taurus (Bovini – Boodontia – Bovidae – Pecora – Ruminatia – …)
[5] Hausschaf: Ovis gmelini aries (Antilopini – Aegodontia – Bovidae – Pecora - Ruminantia – …)
[6] Hausziege: Capra aegagrus hircus (Antilopini – Aegodontia – Bovidae – Pecora - Ruminantia – …)
[7] Ex 9, 2-4, Altes Testament, Bibel, Einheitsübersetzung
[8] Lev 13, 1-17, Altes Testament, Bibel, Einheitsübersetzung
[9] Furunkel: Eitrige Hautentzündung, tiefer liegender Natur
[10] Orthopoxvirus variolae: Menschenpocken (Poxviridae – Herkömmlich transkribierende Doppelstrang-DNA-Viren – Doppelstrang-DNA-Viren – DNA-Viren – Viren – Bacteria)
[11] Plasmalemma: Zellmembran (Lipiddoppelmembran) von Organismen mit starrer Zellwand; wird oft als Gegenstück zum Tonoplasten betrachtet, der im Zellinneren eine größere Saftvakuole umgibt; für Animalia kein gängiger Begriff
[12] Ribosom: Organell aus ribosomaler RNA und Proteinen. Es dient zur Translation der mRNA-Informationen in Proteine. Meist sind mehrere Ribosomen über die mRNA kettenartig verbunden, um zugleich mehrere Ablesevorgänge hintereinander ablaufen lassen zu können
[13] Replizieren, Replikation: Replikation dient dazu, DNA in einer Zelle zu verdoppeln. Sie wird also dazu benötigt, Erbinformationen an jede neue Zelle weiterzugeben.
[14] Lymphe: In Lymphgefäßen fließende wässrige, hellgelbe Flüssigkeit als Zwischenglied zwischen Gewebsflüssigkeit und Blutplasma; das Lymphsystem mit Lymphgefäßen als Leitungsbahnen ist neben dem Blutkreislauf das wichtigste Transportsystem im Körper; es ist auf den Transport von Nähr- und Abfallstoffen spezialisiert und entsorgt in den Lymphknoten auch Krankheitserreger wie Bakterien und Fremdkörper
[15] DNA (=DNS): Desoxyribonucleinic Acid, Desoxyribonukleinsäure; mit einer reduzierten Ribose; das [–OH] am C2 der Ribose fehlt; Baustein der Erbinformation
[16] Zellmembran: Lipiddoppelmembran, die das Zellinnere umgibt
[17] Katarrh: (Mit Absonderung von Schleim verbundene) Entzündung der Schleimhaut, besonders der Atmungsorgane
[18] Kuhpocken: Orthopoxvirus vaccinia, früher Variola bovinus genannt (Poxviridae – Herkömmlich transkribierende Doppelstrang-DNA-Viren – Doppelstrang-DNA-Viren – DNA-Viren – Viren – Bacteria)
Eingestellt am 6. Juli 2024
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3 Der Erreger (AP)
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Eine Lipiddoppelmembran[1] umhüllt Poxviridae,
Wie von gramnegativen Bakterien[2] bekannt,
Die sie beim Austritt aus Wirtszellen erhielten;
Erleichtert, weil nicht vollkommen fremd dem Wirt, der Zelle Inokulation.
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Willig nimmt des Wirts Plasmalemma[3]
In seine Hülle es, wie Orthopoxvirus[4] dies hatte gewollt,
Erreicht ungehindert des Wirts Cytoplasma[5],
Nur ist nun das Capsid[6] vollkommen nackt.
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Zerlegt, die nichtikosaedrische[7] Wand freizugeben, was als interne
Hantelförmige Kapsel, aus Proteinen[8] bestehend, zuvor von ihr noch geschützt:
Die als Helfer für des Virus‘ Vermehrung bereit.
Neunzig konservierte Gene[11] arrangiert das Chromosom in der Mitte,
Seitlich variieren die Enden, definieren damit die Art.
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Mitgebrachte RNA-Polymerase[12] liest im Cytoplasma
Zunächst aber nur wichtige Proteine für die Vermehrung,
Später erst Hüllproteine für des Virus‘ geschachtelten Bau.
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Weil DNA-Polymerasen[16] als Fracht sie ebenfalls bringen,
Verläuft die Vermehrung ausschließlich im cytoplasmatischen Raum,
Können so Virusfabriken[17] etablieren,
Bauen Viruspartikel zusammen, bevor zur Peripherie ihre Reise geht;
Legen sich dicht ans Wirtsplasmalemma.
Nach zwölf Stunden schon knospen membranumgeben Nachkommen ab.
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In Mengen füllen sie Pockenbläschen,
Die nach und nach abtrocknend, vernarben die Haut.
Warum sie mehr im Gesicht und in der Nähe sich bilden,
Auch dichter an Beinen, ist der Lymphe Transport[18] wohl der Grund.
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Fußnoten
[1] Lipidmembran: Lipide, bestehend aus einem mit drei Hydroxylgruppen [–OH] versehenen Glycerinmolekül, an dem zwei Fettsäuren und ein Cholin unter Wasserabspaltung angeknüpft sind, zeigen einen hydrophilen Kopf (Glycerin und Cholin) und den hydrophoben Fettsäureschwanz; nach dem Motto Gleich zu Gleich gesellt sich gern, ordnen sich die hydrophilen Köpfe zum einen und die hydrophoben Schwänze zum anderen nebeneinander an und bilden eine geschlossene Schicht; eine Doppelmembran entsteht dann, wenn sich zwei solcher Schichten, hydrophobe Schwänze zueinander gereckt, aneinanderlegen
[2] Gram-Färbung: Eine Methode, Bakterien anzufärben, die der dänische Arzt Hans Christian Gram entwickelt hatte, um Bakterien nach Farbreaktionen einzuteilen; dabei werden die Bakterien zunächst mit Kristallviolett und Jod angefärbt und anschließend mit Ethanol ausgewaschen und nochmals mit Safranin oder Fuchsin gefärbt; gram-positive Bakterien sind danach purpurn gefärbt, Gram-negative pinkfarben
[3] Plasmalemma: Zellmembran (Lipiddoppelmembran) von Organismen mit starrer Zellwand; wird oft als Gegenstück zum Tonoplasten betrachtet, der im Zellinneren eine größere Saftvakuole umgibt; für Bakterien und Animalia kein gebräuchlicher Begriff.
[4] Orthopox variolae: Menschenpocken (Poxviridae – Herkömmlich transkribierende Doppelstrang-DNA-Viren – Doppelstrang-DNA-Viren – DNA-Viren – Viren – Bacteria)
[5] Cytoplasma: Flüssiger Zellinhalt mit darin liegendem Cytoskelett
[6] Capsid: Komplexe, regelmäßige Struktur von Viren aus Proteinen, die der Verpackung des Virusgenoms dient.
[7] Ikosaeder: Polyeder mit zwanzig kongruenten, gleichseitigen Dreiecken als Flächen, mit dreißig gleichlangen Kanten und zwölf Ecken, in denen jeweils fünf Seitenflächen zusammentreffen
[8] Proteine: Aus Aminosäuren aufgebaute, komplexe Moleküle. Die [–NH2]-Gruppe einer Aminosäure wird mit der Hydroxylgruppe [–OH] der Säurefunktion [–COOH] unter Wasserabspaltung verknüpft, dabei entsteht eine charakteristische Abfolge von Atomen: [–C–N–C–C–N–]n, wobei das unmittelbar dem [N] benachbarte [C] einen doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] trägt
[9] Chromosom: Genetische Informationseinheit aus unterschiedlichen Mengen DNA diverser Basensequenzen
[10] Proteine: Aus Aminosäuren aufgebaute, komplexe Moleküle. Die [–NH2]-Gruppe einer Aminosäure wird mit der Hydroxylgruppe [–OH] der Säurefunktion [–COOH] unter Wasserabspaltung verknüpft, dabei entsteht eine charakteristische Abfolge von Atomen: [–C–N–C–C–N–]n, wobei das unmittelbar dem [N] benachbarte [C] einen doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] trägt
[11] Konservierte Gene: Gene die kaum mutative Veränderungen erfahren
[12] RNA-Polymerasen: Enzyme, welche die Synthese von RNA aus Nucleotidtriphosphaten (Ribose als Zucker und Uridintriphosphat, UTP, anstelle von Thymidintriphosphat, TPP, verwenden) als monomere Vorstufen (Einzelvorstufen) katalysieren
[13] mRNA, messenger RNA, Boten RNA: Übersetzt den genetischen Code der DNA in für tRNAs ablesbare Matrizen.
[14] Ribosom: Organell aus ribosomaler RNA und Proteinen. Es dient zur Translation der mRNA-Informationen in Proteine. Meist sind mehrere Ribosomen über die mRNA kettenartig verbunden, um zugleich mehrere Ablesevorgänge hintereinander ablaufen lassen zu können
[15] Translation: Synthese von Proteinen in den Zellen lebender Organismen, die nach Vorgabe der Basensequenzen an den Ribosomen abläuft
[16] DNA-Polymerasen: Enzyme, welche die Synthese von DNA aus Nucleotidtriphosphaten (Desoxyribose als Zucker und TTP, ATP, GTP und CTP als Nucleotide) als monomere Vorstufen (Einzelvorstufen) katalysieren
[17] Virenfabriken: Spezielle, gut abgegrenzte Bereiche in Wirtszellen, in denen der Viren Synthese und Zusammenbau erfolgt
[18] Lymphe: In Lymphgefäßen fließende wässrige, hellgelbe Flüssigkeit als Zwischenglied zwischen Gewebsflüssigkeit und Blutplasma; das Lymphsystem mit Lymphgefäßen als Leitungsbahnen ist neben dem Blutkreislauf das wichtigste Transportsystem im Körper; es ist auf den Transport von Nähr- und Abfallstoffen spezialisiert und entsorgt in den Lymphknoten auch Krankheitserreger wie Bakterien und Fremdkörper (Wikipedia)
Eingestellt am 6. Juli 2024
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Echte Pocken bei einem Mädchen in Bangladesh 1973
Public Health Image Library (PHIL), Identifikationsnummer #3265 der Centers for Disease Control and Prevention. This image is in the public domain and thus free of any copyright restrictions.
Eingestellt am 6. Juli 2024
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Retroviridae, RNA revers transkribierende Viren
1 Der Retroviren Eigenheiten
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(+)-ss-RNA[1] bildet dieser Viren Markenzeichen:
Wird nicht als mRNA[2] verwendet, auch nicht
Nein, sie verwenden mitgebrachte, reverse Transkriptase[5], die,
Zuerst einen DNA-Doppelstrang bildend,
Ihn ins Wirtsgenom einbaut, von dort aus, was nötig, organisiert. –
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Als dieser Viren einflussreichsten Vertreter, weithin Schrecken verbreitend,
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Fußnoten
[1] (+)-polare einzelsträngige RNA (Viren): Diese einzelsträngige RNA wird vom Wirt als mRNA erkannt, weil am C3 der Ribose, nahe des C5 die nächste freie [–OH]-Gruppe steht; das C5 ist mit einem Phosphat besetzt und kann nicht mit einem Nucleotid in Verbindung treten (daher erfolgt die RNA-Synthese nur und immer in 5‘ à 3‘ Richtung und nicht umgekehrt; nur in dieser positiven Richtung sind die Basentripletts als Codes in der richtigen Folge und geben für Proteinsynthese Sinn). (+)-polare RNA wird deshalb unmittelbar für die Synthese von Proteinen verwendet.
[2] mRNA, messenger RNA, Boten RNA: Übersetzt den genetischen Code der DNA (gelegentlich von RNA) in für tRNAs ablesbare Matrizen.
[3] Transkription: Umschreiben von DNA (oder RNA) in RNA, oder von RNA in DNA (bei manchen Viren)
[5] Reverse Transkriptase: RNA-abhängige DNA-Polymerase; Enzym, das RNA in DNA umschreibt
[6] HIV: Human Immunodeficiency Virus, Lentivirus (Retroviridae – RNA-Viren – Viren – Bacteria)
[7] AIDS: Acquired Immunodeficiency Syndrome; Erworbenes Immunschwächesyndrom
Eingestellt am 6. Juli 2024
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2 Einsam
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„Ich kann diese Ausgrenzung nicht mehr ertragen!
Jeder meidet mich, scheut meinen Blick,
Als sähen sie Aussatz an mir,
Leide doch innerlich nur.“
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„Mir geht es kaum anders!
Komm, lass uns weg von hier zieh‘n.
Fort vom hektischen Treiben
Zu einer einsam gelegenen Hütte im Wald“ –
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Lebensmittel- und campingkocherbepackt,
Erreichen sie, erschöpft und ermattet,
Den Freiheit verheißenden Ort
Inmitten Gottes fast unberührter Natur. –
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Mit Freude finden sie nahe der Hütte im Wald eine Lichtung
Mit Schopftintlingsgruppen[1] und -reihen im Gras.
Gerade zur rechten Zeit,
Als ihre Nahrungsmittelreserven dem Ende zugeh‘n.
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Die geschlossenen, hellen, suchen sie aus,
Nehmen je eine Handvoll behutsam empor,
Bringen den unerwarteten Fund in die Hütte,
Schneiden die Köpfe sorgsam in Scheiben,
Testen noch schnell des Pilzes rohen Geschmack,
Kochen sich froh eine Suppe davon.
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Wenige Tage noch reichen ihre Reserven
Als einer von beiden
Schwerfälliger Zunge wegen
Zum Arzt sich begibt. –
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Weiße Linien kratzte der Arzt aus Fissuren[2],
Beimpfte Nährböden sorgfältig damit,
Stellte sie zum Bebrüten
Für wenige Tage auf ein Regal.
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Kaum zwei Tage danach entnimmt er schon Proben.
Untersucht sie im Lichtmikroskop,
Wie charakteristisch sie für Tintlinge sind. –
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Wie für Totes verwertende[5] Pilze gut möglich,
Erscheint in der Schale ein winziges Pilzchen
Mit Stielchen und festgeschlossenem Hütchen,
Einem Trommelschlegel gleich, Schopftintlings Miniatur. –
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Bald stirbt der Patient von der Hütte im Wald
Nach immer dicker gewordener Zunge. –
Begraben wird er mit einem Tintling,
Gewachsen aus seinem Mund. –
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Keine Abwehrkraft zeigte sein Körper mehr!
Sein Immunsystem sank schon lange rapid.
Ein essbarer Pilz war
Für sein Sterben der Grund.
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Er nutzte opportunistisch[6] nur seine Chance,
Die das Virus ihm gab!
HIV, das Immunschwächepartikel,
Bereitete alles für den harmlosen Tintling nur vor.
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Fußnoten
[1] Schopftinting: Coprinus comatus (Agaricoideae – Agaricaceae – Agaricineae – Agaricales – Agaricanae –…)
[2] Fissuren: Vertiefte Linien in einer sonst glatten Oberfläche; Linien auf der Zunge; oft auch als Risse in einer sonst intakten Schleimhaut definiert; Restauratoren bezeichnen damit Risse in einem Gemälde
[3] Schnallen: Formen sich bei vielen Agaricomycotina im Zuge der Zellteilung einer Hyphe. Seitlich wächst ein etwas einwärts gekrümmter Auswuchs nach hinten, findet Kontakt zu einer darunterliegenden Stelle der Hyphe; gleichzeitig teilen sich zwei Kerne (ein Dikaryon), charakteristisch für diese Verwandtschaft, gleichzeitig mitotisch, wobei sich die Tochterkerne eines der beiden Kerne in der ursprünglichen Hyphe nach unten und oben separieren. Eine Tochter des zweiten Kerns begibt sich in den gekrümmten Auswuchs, der andere wandert in der Hyphe nach oben und bildet mit dem zweiten wieder ein Dikaryon. Zwei Querwände werden nun eingezogen: Eine Querwand trennt den Auswuchs von seinem Ursprung, die zweite bildet sich nahe des Auswuchses quer in der Hyphe. Diese zweite trennt das Dikaryon im oberen Teil der Hyphe von der Partie darunter, die momentan nur einen Kern besitzt. Um wieder ein Dikaryon bilden zu können, verschmilzt der Auswuchs mit seiner Berührungsstelle an der Hyphe, lässt seinen Kern zum wartenden wandern, womit auch hier wieder ein Dikaryon etabliert ist. An der Stelle des Auswuchses entsteht eine Verdickung, die als Schnalle bezeichnet wird, geht sie doch auf den rückwärts gerichteten Auswuchs zurück, der wie der Dorn einer Gürtelschnalle aussieht.
[4] Hyphen: Einzellreihige Fäden von Pilzen mit oder ohne Querwände
[5] Saprotroph: Von totem organischem Material lebend
[6] Opportunistisches Pathogen, opportunistischer Parasit: Normalerweise nichtpathogene, nichtparasitische Organismen nutzen nur geschwächte Organismen (z. B. immunsupprimierte Personen) für dann parasitisches Wachstum
Eingestellt am 6. Juli 2024
Schopftintling (Coprinus comatus)
Autor: Reinhard Agerer
Eingestellt am 6. Juli 2024
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3 Rolle rückwärts (AP)
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Viren setzen der Immunabwehr Helferzellen[1] außer Gefecht,
Belegen der winzigsten Lymphzellen[2] Greifproteine,
Ihnen gleichsam die Arme bindend,
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Doch war der Tintling nur einer von vielen,
Die jahrelang schon,
Der blockierten Abwehr geschuldet,
Den Körper durchseuchten und schwächten. –
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Docken passgenau an,
Entlassen, eingeschlossen zunächst in ein Dreiecksplattencapsid[7],
Eine Handvoll verschied‘ner Proteine,
Zusammen mit zwei identischen Strängen
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Nach des Capsids Verschwinden durch lösenden Abbau
Modulieren die eingeschleusten Proteine
Der Wirtszellen Aktivität,
Leiten zugleich des Virus Reproduktion[10].
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Schnell entfernen Proteine den schützenden Panzer,
Geben die plus-Strang ss-RNA zur reversen Transkription frei.
DNA ist das Ziel der Synthese
An virusspezifischer Transkriptase[11].
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Als Doppelstrang dringt sie durch Poren des Kerns[12],
Den Chromosomen sich nähernd.
Integrase[13] packt sie, lang schon dorthin geeilt,
Setzt HIVs DNA ins fremde Genom.
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Wohlverpackt warten? Oder aktiv Virionen[14] nun bilden?
Diese Frage bestimmt das Schicksal von T-Lymphocyten und deren Besitzer.
Meist kommt gemütlichem Langlauf die Antwort recht nah;
Wählt Opfer als Vektor[15] zur nächsten Person.
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Mit Blut und mit andern im Körper verwahrter Flüssigkeit[16],
Transportiert in Zellen schlafende Viren ungewollt der Mensch,
Die, nach und nach mit T-Lymphocyten verteilt,
Der Opfer Körper überfluten final. –
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Mehr als eine von hundert Personen
Trägt weltweit das Virus in sich.
Im südlichen Afrika erkrankten an
AIDS[17] fast zwanzig Prozent.
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Noch gibt es keine Impfung dagegen,
Denn wiederholte Fehler bei reverser Transkription[18]
Lassen noch immer neue Stämme entstehen;
Medikamente sind teuer, kurieren nur am Symptom.
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Zwei Millionen Tote pro Jahr
Schätzt man der Opfer Zahl!
Eine Pandemie[19] von ungeheurem Ausmaß
Fordert die Menschheit heraus. –
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Woher der Täter wohl kam?
Von Affen[20] stammte er her.
Wandelte sich, fand bessere, dichter siedelnde Opfer:
Kein Halten gibt es nun mehr. –
.
Und die Moral von der Geschicht‘?
Wechsle den Partner nicht.
Bleib brav und gleichzeitig schlau,
Gib keine Chance HIV.
.
Fußnoten
[1] T-Zellen: Wichtiger Typ der Leucocyten des Immunsystems, spielen eine bedeutende Rolle im adaptiven Immunsystem; lassen sich durch einen spezifischen Oberflächenrezeptor erkennen. Sie entstehen im Knochenmark, wandern in den Thymus (daher die Bezeichnung T-Zellen) und reifen dort, wobei nur ein geringer Teil selektiv dabei überbleibt. Cytotoxisch gewordene werden als Killer T-Zellen bezeichnet, Helfer T-Zellen aktivieren Killer T-Zellen und bestimmte Leucocyten, sog. Memory Cells, die aus Vorprägung bestimmter Antigene Kennung tragen.
[2] Lymphzellen: Lymphocyten, der Lymphe Abwehrzellen
[3] Schopftinting: Coprinus comatus (Agaricoideae – Agaricaceae – Agaricineae – Agaricales – Agaricanae –…)
[4] Antigene: Oberflächen (Glyco)Proteine; generell molekulare Strukturen von Pathogenen, die von Immunzellen Befallener als fremd erkannt werden und daraufhin Antikörper dagegen entwickeln
[5] HIV: Human Immunodeficiency Virus, Lentivirus (Retroviridae – RNA-Viren – Viren – Bacteria)
[6] T-Lymphocyten: T-Zellen
[7] Capsid: Komplexe, regelmäßige Struktur von Viren aus Proteinen, die der Verpackung des Virusgenoms dient.
[8] Nucleocapsid: Einheit proteinassoziierter Chromosomen
[9] (+)-polare einzelsträngige RNA (Viren): Diese einzelsträngige RNA wird vom Wirt als mRNA erkannt, weil am C3 der Ribose, nahe des C5 die nächste freie [–OH]-Gruppe steht; das C5 ist mit einem Phosphat besetzt und kann nicht mit einem Nucleotid in Verbindung treten (daher erfolgt die RNA-Synthese nur und immer in 5‘ à 3‘ Richtung und nicht umgekehrt; nur in dieser positiven Richtung sind die Basentripletts als Codes in der richtigen Folge und geben für Proteinsynthese Sinn). (+)-polare RNA wird deshalb unmittelbar für die Synthese von Proteinen verwendet.
[10] Reproduktion: Fortpflanzung, Erzeugung von Nachkommen
[11] Transkriptasen: Gruppe von Enzymen, welche die Synthese von RNA aus Nucleotidtriphosphaten als monomere Vorstufen (Einzelvorstufen) katalysieren
[12] Kernporen: Der Eukarya Zellkern ist von einer Kernhülle umgeben, die sich aus Cisternen, als Abkömmlinge des Endoplasmatischen Retikulums, zusammensetzt. Dazwischen bleiben nicht wenige Poren mit speziellem Bau aus Proteinen für kontrollierte Ein- und Ausfuhren offen. Sie durchziehen beide Lipiddoppelmembranen der Cisternen.
[13] Integrase: Ein Enzym, zuständig für den Einbau viraler DNA-Stränge in Chromosomen der Wirtszelle
[14] Virion: Eine andere Bezeichnung für Virus
[15] Vektor (Organismen): Transporteur, Überträger, Ausbreiter
[16] Samenflüssigkeiten
[17] AIDS: Acquired Immunodeficiency Syndrome; Erworbenes Immunschwächesyndrom, verursacht von Human Immunodeficiency Virus, Lentivirus (Retroviridae – RNA-Viren – Viren – Bacteria)
[18] Reverse Transkription: Umschreiben von RNA in DNA
[19] Pandemie, pandemisch: Über mehrere Länder, gar global sich ausbreitende Seuche
[20] Affen: im weitesten Sinne menschenähnlich erscheinende Tiere, die unterschiedlichsten Verwandtschaften zugehören
Eingestellt am 6. Juli 2024
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4 Des Virus‘ Weg (AP)
Spikeproteine[1] sind es, wie immer, die Wirtszellkontakte vermitteln.
Die von anderer Viren Empfängern aber deutlich sich trennen;
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Des Virus Matrix[6], in Proteine zerfallend,
Ein spezielles Chaperon[14], bei zehn Prozent aber der Viren nur, ist gleichfalls enthalten:
Fehlt es, wird das Capsid zwar eingeschleust, doch zerfällt es nicht.
.
Des Capsids Inhalt wandert ins Cytoplasma[15].
RNA-Stränge werden von Proteinen, mit Ausnahme einer t-RNA[16], befreit:
Sie stammt von der Vorgängerzelle, in der HIVs RNAs entstanden,
.
– Von Pech könnten Viren gut reden,
Träfen auf Wirte sie mit bestimmtem, mutiertem Gen,
Die deswegen nicht die gewünschten Rezeptoren bilden, die HIV unbedingt braucht,
Denn dann bleibt das Virus außen vor.
Zehn Prozent etwa europäischer und amerikanischer Bürger sind
So vor HIV geschützt, falls ihre Allele homozygot[19];
Trägt nur eines der beiden Chromosomen diese Veränderung,
Tritt die Krankheit später, womöglich nicht so dramatisch auf. –
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Des Capsids akzessorische Proteine[20] reduzieren nur Abwehrreaktionen,
Verlangsamen AIDS‘[21] Voranschreiten damit,
Wurden von Virus-mRNA mit Hilfe des Wirts translatiert[22],
Die an HIVs integrierter DNA entstand.
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– T-Lymphocyten[23] mit Oberflächenproteinen bereit,
Antigene[24] im Körper zu binden, um danach
Hindern gebundene Virushüllen daran.
Dadurch wird des Opfers Immunantwort behindert und
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Des Virus‘ mRNAs synthetisieren an Wirtsribosomen[29]
Capsid- und Matrixproteine, zusammen mit beiden Nukleocapsids,
Setzen sich zum kugligen Viruspartikel zusammen,
Der beim Abknospen die virusspezifische Hülle erhält.
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Am Leben bleibt die Zelle.
Gut für den Körper, doch auch Viren zehren womöglich davon. –
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Schwer nur, lassen gegen HIV sich Impfstoffe finden.
Variieren die Viren im Körper, womöglich von einer Infektion zwar nur stammend, doch sehr,
Erweist sich nämlich oft fehlerhalt wirkend des Virus reverse Transkriptase.
So durchwandern den Köper vielerlei Varianten, nicht nur ein einziger Stamm,
Die zudem noch unterschiedliche Ziele befallen;
Differenzen können gleichfalls bezüglich Entwicklungsphasen der Viren besteh’n.
.
Fußnoten
[1] Spikes: Aus der Virushülle herausragende Glycoproteine
[2] Rezeptoren: Spezielle Stellen, oft ein Glycoprotein, mit dem sich ein Pathogen an eine Wirtszellmembranposition, ebenfalls oft ein Glycoprotein (Rezeptor), binden kann
[3] Zellmembran: Lipiddoppelmembran, die das Zellinnere umgibt
[4] HIV: Human Immunodeficiency Virus, Lentivirus (Retroviridae – RNA-Viren – Viren – Bacteria)
[5] Behüllt: Viele Viren, auch gramnegative Bakterien, umhüllen sich mit einer Lipiddoppelmembran
[6] Matrixproteine: Innerhalb der Virushülle gelegene Proteine
[7] Capsid: Komplexe, regelmäßige Struktur von Viren aus Proteinen, die der Verpackung des Virusgenoms dient.
[8] Ikosaeder: Polyeder mit zwanzig kongruenten, gleichseitigen Dreiecken als Flächen, mit dreißig gleichlangen Kanten und zwölf Ecken, in denen jeweils fünf Seitenflächen zusammentreffen
[9] Nucleocapsid: Einheit proteinassoziierter Chromosomen
[10] Reverse Transkriptase: RNA-abhängige DNA-Polymerase; Enzym, das RNA in DNA umschreibt
[11] Proteasen: Proteine oder Peptide abbauende Enzyme, dabei lösen sie durch Hydrolyse die Bindungen zwischen ihren Aminosäuren auf
[12] Integrase: Ein Enzym, zuständig für den Einbau viraler DNA-Stränge in Chromosomen der Wirtszelle
[13] DNA (=DNS): Desoxyribonucleinic Acid, Desoxyribonukleinsäure; mit einer reduzierten Ribose, das [–OH] am C2 der Ribose fehlt; Baustein der Erbinformation
[14] Chaperone: Proteine, die neusynthetisierte Proteine bei ihrer Faltung unterstützen
[15] Cytoplasma: Flüssiger Zellinhalt mit darin liegendem Cytoskelett
[16] tRNAs, Transfer RNAs: Übersetzen die Informationen der mRNA in die verschiedenen Aminosäuren
[17] Primer: Oligonucleotid, das für DNA-replizierende Enzyme (wie die DNA-Polymerase) als Startpunkt (oder Endpunkt) dient
[18] Reskription: Zurückschreiben in DNA
[19] Homozygot: Die beiden Allele zusammengehöriger Chromosomen eines diploiden Zellkerns sind in ihrer Ausprägung identisch
[20] Akzessorische Proteine: Proteine, die das Capsid im Inneren mitbringt
[21] AIDS: Acquired Immunodeficiency Syndrome; Erworbenes Immunschwächesyndrom, verursacht von Human Immunodeficiency Virus, Lentivirus (Retroviridae – RNA-Viren – Viren – Bacteria)
[22] Translation: Synthese von Proteinen in den Zellen lebender Organismen, die nach Vorgabe der Basensequenzen an den Ribosomen abläuft
[23] T-Zellen: Wichtiger Typ der Leucocyten des Immunsystems, spielen eine bedeutende Rolle im adaptiven Immunsystem; lassen sich durch einen spezifischen Oberflächenrezeptor erkennen. Sie entstehen im Knochenmark, wandern in den Thymus (daher die Bezeichnung T-Zellen) und reifen dort, wobei nur ein geringer Teil selektiv dabei überbleibt. Cytotoxisch gewordene werden als Killer T-Zellen bezeichnet, Helfer T-Zellen aktivieren Killer T-Zellen und bestimmte Leucocyten, sog. Memory Cells, die aus Vorprägung bestimmter Antigene Kennung tragen.
[24] Antigene: Oberflächen (Glyco)Proteine; generell molekulare Strukturen von Pathogenen, die von Immunzellen Befallener als fremd erkannt werden und daraufhin Antikörper dagegen entwickeln
[25] B-Zellen, B-Lymphocyten: Gehören zu den weißen Blutkörperchen und sind die einzigen Zellen des Immunsystems, die Antikörper herstellen können
[26] Antikörper: Proteine, die vom Immunsystem der Wirbeltiere als Reaktionsprodukte auf Antigene gebildet werden
[27] Opportunistisches Pathogen, opportunistischer Parasit: Normalerweise nichtpathogene, nichtparasitische Organismen nutzen nur geschwächte Organismen (z. B. immunsupprimierte Personen) für dann parasitisches Wachstum
[28] Mikroorganismen: Mikroskopisch kleine Organismen, die als Einzelwesen nicht mit bloßem Auge zu erkennen sind; dazu rechnen Bakterien und viele Pilze, auch einzellige Algen
[29] Ribosom: Organell aus ribosomaler RNA und Proteinen. Es dient zur Translation der mRNA-Informationen in Proteine. Meist sind mehrere Ribosomen über die mRNA kettenartig verbunden, um zugleich mehrere Ablesevorgänge hintereinander ablaufen lassen zu können
[30] Hüllproteine: Viruseigene Proteine der Hüllmembran, die Viren, bevor sie aus der Wirtszelle knospen, in sie integriert hatten
[31] Rauhes ER, rauhes Endoplasmatisches Retikulum: ER-Cisternen sind außen dicht mit Ribosomen belegt
[32] Zellmembran
[33] Dictyosom: Einzelnes Organell einer Zelle, die in ihrer Gesamtheit als Golgiapparat der Zelle bezeichnet werden
Eingestellt am 6. Juli 2024
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Revers transkribierende Doppelstrang DNA-Viren, Pararetroviren
1 Warum so umständlich? (AP)
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Endlich gelangt doppelsträngige DNA in eine Herbergszelle,
Bewältigt sogar in den Zellkern[1] den Weg;
Lässt sich von dortigen RNA-Polymerasen[2] transkribieren:
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Was geschieht sonst mit des Pathogens[5] DNA, die forsch in den Zellkern gekommen?
Wartet auf Replikation[6], doch niemand nimmt sie für voll,
Ist nicht begehrt, bleibt immerzu einsam.
Auch ihr Behälter[7], aus dem sie gekommen, vergaß
Doch woher sie nehmen, wenn verloren dafür das Rezept?
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Verloren wär‘ das Möchtegernlebewesen[10] gewesen,
Wär‘ ihm nicht gekommen die rettende Idee,
Als Matrize mRNA zu verwenden, die vom Zellkern nach außen gewandert:
Tatsächlich nun mRNA verwendet als Vorlage für DNA.
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Fußnoten
[1] Zellkern: Chromosomen einschließendes, cisternenumgebenes Organell der Eukarya, in dem u. a. im Zuge der Mitose die Verdoppelung der Chromosomen stattfindet
[2] RNA-Polymerasen: Enzyme, welche die Synthese von RNA aus Nucleotidtriphosphaten (Ribose als Zucker und Uridintriphosphat, UTP, anstelle von Thymidintriphosphat, TPP, verwenden) als monomere Vorstufen (Einzelvorstufen) katalysieren
[3] mRNA, messenger RNA, Boten RNA: Übersetzt den genetischen Code der DNA in für tRNAs ablesbare Matrizen.
[4] Cytoplasma: Flüssiger Zellinhalt mit darin liegendem Cytoskelett
[5] Pathogen: Krankheit hervorrufender Organismus; Begriff meist verwendet für Viren, Bakterien und Pilze; bei größeren Organismen spricht man eher von Parasiten
[6] Replizieren, Replikation: Replikation dient dazu, DNA in einer Zelle zu verdoppeln. Sie wird also dazu benötigt, Erbinformationen an jede neue Zelle weiterzugeben.
[7] Capsid: Komplexe, regelmäßige Struktur von Viren aus Proteinen, die der Verpackung des Virusgenoms dient.
[8] DNA-Polymerasen: Enzyme, welche die Synthese von DNA aus Nucleotidtriphosphaten (Desoxyribose als Zucker in TTP, ATP, GTP und CTP als Nucleotide) als monomere Vorstufen (Einzelvorstufen) katalysieren
[9] Chromosom: Genetische Informationseinheit aus unterschiedlichen Mengen DNA diverser Basensequenzen
[10] Möchtegernlebenwesen: Viren; sie verloren wichtige Organelle und sind für Vermehrung auf Fremdorgansimen angewiesen
[11] Reverse Transkriptase: RNA-abhängige DNA-Polymerase; Enzym, das RNA in DNA umschreibt
[12] Desoxyribonucleotide: Nucleotidtriphosphate mit Desoxyribose als Zucker
[13] Uridinnucleotid: Nucleotidtriphosphat aus Ribose und Uridin
[14] Thymidinnucleoid: Nucleotidtriphosphat aus Desoxyribose und Thymin
Eingestellt am 6. Juli 2024
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Rhabdoviridae, Tollwutviren
1 Erfolgreiche Bekämpfung (AP)
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Fand Zutritt zum Arm, als ein tollwütiger Hund[3] ihn biss;
Blieb eine Weile fürs Fortkommen dort, sich zu vermehren.
Abkömmlinge suchen sich Wege der Nerven entlang,
Wandern Axonen[4] beständig bergauf, hin zu Nervenzentralen,
Verwischen gänzlich die Spuren, zieh’n von dort sich, wo einstens sie weilten, zurück:
Zum Rückenmark, wer dort nicht bleibt, will
Weiter noch, hin zum Gehirn.
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Gelangen zunächst ins Cytoplasma[5], wie alle Viren,
Vermehren sich an einigen Stellen gehäuft, sammeln dort sich einstweilen an,
Formen, was einem Zellorganell recht ähnelt,
Das nach seinem Entdecker Negrischer[6] Einschlusskörper benannt.
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Verlassen endlich der Ganglienzellen[7] Internes,
Breiten weiter sich aus in Rückenmark und Gehirn,
Verändern bisweilen die Psyche, Lähmungen treten ab und an auf. –
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An Hunden und Füchsen[10] ließen Reaktionen sich vielfach studieren:
Bisswütig, aggressiv und Schaum vor dem Maul
Führten zu Tollwut als Krankheitsbezeichnung;
Geht ihnen jede Umweltveränderung doch, die sonst sie gewohnt,
Wie Licht, Regen, Wind und fließendes Wasser auf Nerven.
Schluckbeschwerden, verbunden mit übermäßigem Speichelfluss,
Geben tollwütigen Tieren ein bezeichnendes Aussehen;
Hunde zieh’n ein gelähmtes Bein gelegentlich nach.
Ungewohnt freundliches Auftreten zeigen Wildtiere bisweilen:
Nähern sich Menschen voll Zutrauen, ohne jegliche Scheu.
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So oder so besteht für andere Tiere Gefahr, auch für Menschen.
Nähert ein solches Tier sich, beißt oder verschmiert den Speichelschleim,
Ist äußerste Vorsicht geboten.
Erfolgt trotzdem Kontamination wird prophylaktisch geimpft,
Denn etwa vierundzwanzig Stunden bleiben Lyssaviren in Wunden;
Nur dann werden sie noch durch Antikörper eliminiert. –
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Große Gefahr brachte Tollwut in Mitteleuropa noch vor wenigen Dutzenden Jahren,
Unbegrenzt heute noch in manchen Ländern der Dritten Welt.
Fünfzig- bis sechzigtausend Menschen sterben noch weltweit,
Sechzig Prozent davon in Indien, gut ein Drittel in Afrika, sonstwo der Rest.
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Deutschland und einige andere Länder
Gelten seit vielen Jahren als tollwutfrei
– Es sei denn, unerkannt tollwutinfizierte Hunde werden eingeschmuggelt,
Oder, was äußerst selten vorkommen mag, jemand erhält einer Fledermaus[11] Biss. –
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Gezielt reduziert wurden früher Bestände der Füchse,
Erschossen oder Baue begast;
Bald warfen Flugzeuge präparierte Köder für Schluckimpfung
Oder es wurden einzelne in Fuchsbaunähe gelegt:
Mit deutlichen Zeichen für Eindämmung der Tollwut,
Nahmen Erkrankungszahlen pro Jahr ständig doch ab, bis auf null. –
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Der Seuche rasche Bekämpfung war lediglich möglich,
Weil keine Übertragung der Lyssaviren von Mensch zu Mensch erfolgt,
Es sei denn, unerkannten Virusträgern
Werden Organe entnommen für Transplantation,
So wie einmal in USA mit Hirntotem geschehen, der von einer Fledermaus gebissen,
Und zwei Organempfänger nahm mit in den Tod;
Oder auch in Deutschland, als entnommene Organe einer Hirntoten,
Zuvor in Indien von tollwütigem Hund angegriffen, drei Empfänger brachten ins Grab.
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Fußnoten
[1] Nanometer, nm: Millionstel Millimeter (10-6 mm); Tausendstel Mikrometer (10-3 µm); Milliardstel Meter (10-9 m)
[2] Lyssavirus sp.: Erreger der Tollwut (Rhabdoviridae – Einzelsträngige (–)-RNA-Viren – RNA-Viren – Viren – Bacteria)
[3] Haushund: Canis lupus familiaris (Cynoidea – Caniformia – Carnivora s.s. – Carnivora s.l. – Euarchonta –…)
[4] Axon: Langgezogener, ungegliederter, schlauchartiger, gelegentlich seitlich verzweigter Fortsatz einer Nervenzelle, der elektrische Impulse vom Zellkörper (z. B. Dendrit) wegleitet; auch gegen Ende kann das Axon verzweigt sein. Das Axon, gegebenenfalls seine Seitenzweige, blähen sich am Ende zum präsynaptischen Teil auf, der im anschließenden Axon ein becherförmiges postsynaptisches Gegenstück findet; beide zusammen gelten als Synapse. Axone erreichen Längen von wenigen Millimetern bis zu Metern
[5] Cytoplasma: Flüssiger Zellinhalt mit darin liegendem Cytoskelett
[6] Negri, Adelchi (1876 – 1912): Italienischer Pathologe, Namensgeber und Entdecker der Negri-Körperchen bei Tollwut
[7] Ganglion: Ansammlung von Nervenzellkörpern (Perikarya), aus der eine Verdickung des Nervenstrangs resultiert
[8] Enzephalitis: Entzündung des gesamten Hirngewebes oder Teilen davon
[9] Myelitis: Rückenmarkentzündung
[10] Rotfuchs: Vulpes vulpes (Vulpini – Canidae – Cynoidea – Caniformia s.s. – Carnivora s.l. –…)
[11] Fledermaustiere: Yangochiroptera (Chiroptera – Übrige Laurasiatheria – Laurasiatheria – Boreoeutheria – Placentalia –…)
Eingestellt am 6. Juli 2024
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RNA-Viren
1 Grundlegendes
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Ein Rückgriff auf DNA Transkriptionsvorgänge[1] ist dringend geboten,
Der RNA-Viren Vermehrungs- und Arbeitsweise gut zu versteh’n:
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Wovon immer nur ein Strang, ein bestimmter, als Matrize für mRNA[4]-Synthese dient.
Nur er, wenn abgelesen vom 5‘ zum 3‘ Ende, kodiert
Wofür DNA hatte codiert.
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Der übriggebliebene Strang aber, ergänzend zum abgelesenen,
Zeigte, sollte er theoretisch gleichfalls von 5‘ nach 3‘ abgelesen werden, jedoch
Andere Basentripletts in der Ablesefolge,
Die nicht den geforderten Aminosäuren[9] entsprechen, wenn überhaupt einer davon.
Damit ist jener nur, der für Transkription ausgewählte, wirklich der
Richtige mRNA-Strang, der geeignete für die Translation[10].
Nur die dort entstandene mRNA wird deshalb als sinnvoll betrachtet,
Als positive, als (+)-mRNA[11] bezeichnet, ergibt doch sie nur das angestrebte Protein.
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Damit RNA-Polymerase[12] an den richtigen Holm sich bindet,
Geben Erkennungssequenzen[13] Signal dafür.
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Fußnoten
[1] Transkription: Umschreiben der DNA in RNA
[2] DNA (=DNS): Desoxyribonucleinic Acid, Desoxyribonukleinsäure; mit einer reduzierten Ribose; das [–OH] am C2 der Ribose fehlt; Baustein der Erbinformation
[3] Komplementäre Nucleotide: Deren Nucleobasen, sich über Wasserstoffbrückenbindungen ergänzen: A mit T (U), C mit G
[4] mRNA, messenger RNA, Boten RNA: Übersetzt den genetischen Code der DNA in für tRNAs ablesbare Matrizen
[5] Desoxyribose: Eine Ribose, deren C2 eine [–OH]-Gruppe fehlt
[6] Basentripletts: Immer drei Nucleobasen in Folge bestimmen die Aminosäure, die zum Protein verknüpft werden sollen
[7] Ribosom: Organell aus ribosomaler RNA und Proteinen. Es dient zur Translation der mRNA-Informationen in Proteine. Meist sind mehrere Ribosomen über die mRNA kettenartig verbunden, um zugleich mehrere Ablesevorgänge hintereinander ablaufen lassen zu können
[8] Proteine: Aus Aminosäuren aufgebaute, komplexe Moleküle. Die [–NH2]-Gruppe einer Aminosäure wird mit der Hydroxylgruppe [–OH] der Säurefunktion [–COOH] unter Wasserabspaltung verknüpft, dabei entsteht eine charakteristische Abfolge von Atomen: [–C–N–C–C–N–]n, wobei das unmittelbar dem [N] benachbarte [C] einen doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] trägt, das zweite der beiden benachbarten den Aminosäurerest
[9] Aminosäuren: Organische Säuren mit einer Amino-[–NH2] Seitengruppe. Biologisch bedeutend sind hauptsächlich jene Aminosäuren, die an dem der Säuregruppe benachbarten Kohlenstoffatom diese Gruppe besitzen
[11] (+)-mRNA: mRNA, deren Basentripletts in richtiger Reihenfolge stehen, um mit ihrem Code eine bestimmte Aminosäure anzuzeigen; daher werden mRNAs immer als (+)-mRNA angesehen, obwohl die Polarität nicht angegeben wird
[12] RNA-Polymerasen: Enzyme, welche die Synthese von RNA aus Nucleotidtriphosphaten (Ribose als Zucker in Uridintriphosphat, UTP, anstelle von Thymidintriphosphat, mit Desoxyribose als Zucker, TPP, verwenden) als monomere Vorstufen (Einzelvorstufen) katalysieren
[13] Erkennungssequenzen: Bestimmte, fünf bis sechsgliedrige Basenfolgen der DNA, die von Enzymen spezifisch erkannt werden, um dort anzudocken; organismen-, positions- und enzymabhängig können die Basenfolgen variieren
Eingestellt am 6. Juli 2024
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Umhüllen Viren doppelsträngige RNA[1]
Der andere dient als (–)-Einzelstrang-RNA[4] zur raschen,
(–)- und (+)-RNA-Stränge werden durch RNA-abhängige RNA-Polymerasen
Zu RNA-Doppelsträngen[8] für die nächste Generation vermehrt und zusammengesetzt. –
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Einzelstrang RNA-Viren können auf zweierlei Weisen bestehen:
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Virale (+)-ssRNA ist sofort als (+)-mRNA für Proteinsynthese befähigt.
Vorübergehend wird aber komplementär eine (–)-ssRNA entstehen
Als Matrize für weitere (+)-mRNA und für noch zu synthetisierende (+)-ssRNA
Für die Vermehrung zur nächsten Generation.
Dazu brauchen sie virale RNA-abhängige RNA-Polymerase,
Weil kein Wirt solche Polymerasen besitzt. –
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Virale (–)-ssRNA braucht zunächst Komplementierung mit
(+)-ssRNA, mit der als (+)-mRNA erst Proteinsynthese ermöglicht wird.
Um für Nachkommen (–)-ssRNA zu vermehren, wird auch
Hier eine RNA-abhängige RNA-Polymerase vom Virus gestellt. –
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Retroviren besitzen ebenfalls eine (+)-ssRNA.
Ihr (–)-DNA-Strang dient als Matrize, (+)-mRNA zu bilden
Und (+)-ssRNA für die nächste Generation. –
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RNA-Viren stellen die häufigsten Viren.
Oft sind (+)-ssRNA-Viren segmentiert[13],
Enthalten mehrere Einzelstränge,
Was mitunter zu hyperaggressiven Stämmen führt. –
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Über der RNA-Viren Gesamtheit betrachtet,
Werden von Bacteria und Eukarya sie vermehrt,
Besonders Eukarya sind stark betroffen.
Offensichtlich befallen dsDNA-Viren Archaea nur.
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Pflanzen, Pilze und Tiere fallen ihnen zum Opfer,
Nicht ausgenommen davon der Mensch.
Gerade humanpathogenen Viren wollen wir unser Augenmerk schenken,
Leiden doch Menschen besonders darunter aufgrund unserer dichten Population.
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Fußnoten
[1] Doppelstrang-RNA: dsRNA (double stranded RNA): Wie DNA, kann sich auch RNA über Wasserstoffbrücken zu Doppelsträngen zusammenlagern
[2] Ribosom: Organell aus ribosomaler RNA und Proteinen. Es dient zur Translation der mRNA-Informationen in Proteine. Meist sind mehrere Ribosomen über die mRNA kettenartig verbunden, um zugleich mehrere Ablesevorgänge hintereinander ablaufen lassen zu können
[3] (+)-ssRNA, single stranded RNA, einzelsträngige RNA: Diese einzelsträngige RNA wird vom Wirt als mRNA erkannt, weil am C3 der Ribose, nahe des C5 die nächste freie [–OH]-Gruppe steht; das C5 ist mit einem Phosphat besetzt und kann nicht mit einem Nucleotid in Verbindung treten (daher erfolgt die RNA-Synthese nur und immer in 5‘ à 3‘ Richtung und nicht umgekehrt; nur in dieser positiven Richtung sind die Basentripletts als Codes in der richtigen Folge und geben für Proteinsynthese Sinn). (+)-polare RNA wird deshalb unmittelbar für die Synthese von Proteinen verwendet.
[4] (–)-ssRNA, single stranded RNA, einzelsträngige RNA: Davon würde beim Transkribieren zwangsläufig eine (+)-orientierte RNA entstehen, die das Ribosom als mRNA erkennen kann, somit kann diese RNA translatiert werden
[5] RNA abhängige RNA-Polymerasen: RNA-abhängig heißen diese RNA-Polymerasen, weil sie RNA nicht von DNA, sondern von RNA ausgehend, synthetisieren
[7] (+)-mRNA: mRNA, deren Basentripletts in richtiger Reihenfolge stehen, um mit ihrem Code eine bestimmte Aminosäure anzuzeigen; daher werden mRNAs immer als (+)-mRNA angesehen, obwohl die Polarität nicht angegeben wird
[8] dsRNA: Doppelstrang-RNA (double stranded RNA): Wie DNA, kann sich auch RNA über Wasserstoffbrücken zu Doppelsträngen zusammenlagern
[9]Abgekürzt: (+)-ssRNA, single stranded RNA, einzelsträngige RNA
[10] Abgekürzt: (–)-ssRNA, single stranded RNA, einzelsträngige RNA
[11] Reverse Transkriptase: RNA-abhängige DNA-Polymerase; Enzym, das RNA in DNA umschreibt
[12] Doppelsträngige DNA, dsDNA: Zwei DNA-Stränge paarten sich zur doppelsträngigen (Normalfall) DNA
[13] Segmentierte RNA: Das Chromosom von Prokaryoten kann in mehreren Stücken (Segmenten) vorliegen; braucht nicht immer eine Einheit zu bilden, sondern kann sich verwandtschaftsabhängig auf mehrere Portionen aufteilen.
Eingestellt am 6. Juli 2024
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Tobamoviridae, Tabakmosaikviren
1 Tabakmosaikvirus (AP)
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Das TMV[1] ist eine der wenigen Virenarten, die
Stäbchenförmig, nicht ikosaedrisch[2] gebaut.
Helikal laufen identische Hüllproteine als
Wand einer Röhre entlang,
Gestalten flexibel, biegsam, schlauchförmig die Hülle,
Bis zu zwanzigmal länger als breit.
Dreihundert Nanometer[3] lang kann es werden,
Achtzehn Nanometer nur dick.
Schraubig windet RNA sich im Innern,
Etwa sechstausendvierhundert Basen nur lang.
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Ausschließlich Pflanzenviren umfasst die Familie.
Meist werden Nachtschattengewächse[4] parasitiert,
Helle Mosaike entstehen durch der Interkostalfelder[8] Befall
Als typische Zeichen für die Präsenz von Tabakmosaikviren.
Nekrotisch[9] wird das Gewebe,
Größere Läsionen[10] oft Folge davon.
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Vier Untergruppen lassen sich trennen:
Eine befällt Solanaceen nur,
Auch Malvaceen[13] verschonen sie nicht.
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An einer Verletzung der Pflanze finden sie Pforten,
Oft genügt des pflanzensaugenden Tieres Stich,
Das zuvor infizierte Zellen bebohrte und
So das Virus in neue Zellen verschleppt.
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Cytoplasmatisch[14] erfolgt der Viren Vermehrung;
Anfangs erfolgt die Synthese eines Bewegungsproteins,
Womit TMV durch Plasmodesmen[15] von Zelle zu Zelle wandert,
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An Tabakpflanzen verursacht das Virus bisweilen bedeutende Schäden.
Davon wurde es das erste Mal isoliert,
Des Hüllproteins Aminosäuresequenzen[18] entschlüsselt
Und pH- und salzkonzentrationsabhängige Selbstassemblierung[19] der Proteine gezeigt.
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Fußnoten
[1] TMV: Tabakmosaikvirus (Tobamoviridae – Unbehüllte (+)-ss-RNA-Viren – Einzelsträngige (+)-RNA-Viren – RNA-Viren – Viren –…)
[2] Ikosaeder: Polyeder mit zwanzig kongruenten, gleichseitigen Dreiecken als Flächen, mit dreißig gleichlangen Kanten und zwölf Ecken, in denen jeweils fünf Seitenflächen zusammentreffen
[3] Nanometer, nm: Millionstel Millimeter (10-6 mm); Tausendstel Mikrometer (10-3 µm); Milliardstel Meter (10-9 m)
[4] Nachtschattengewächse: Solanaceae (Solanales – Lamianae – Asteridae – Superasteridae – Eudicotyle –…)
[5] Kartoffel: Solanum tuberosum (Solanaceae – Solanales – Lamianae – Asteridae – Superasteridae – …)
[6] Tabak: Nicotiana (Solanaceae – Solanales – Lamianae – Asteridae – Superasteridae –…)
[7] Tomaten: Solanum lycopersicum (Solanaceae – Solanales – Lamianae – Asteridae – Superasteridae – …)
[8] Interkostalfelder: Fläche zwischen begrenzenden Blattadern
[9] Nekrosen: Absterben mehrerer Zellen in begrenztem Gebiet
[10] Läsionen: Gewebeschädigungen durch Absterben oder Verletzung von Gewebe; bei Blättern oft mit Durchbruch verbunden
[11] Brassicaceae: Kohlgewächse (Brassicales – Malvanae – Rosidae – Superrosidae – Eudicotyle –…)
[12] Cucurbitaceae: Kürbisgewächse (Cucurbitales – ZyFaRoFaCu-Verwandtschaft – Rosanae – Rosidae – Superrosidae –…)
[13] Malvaceae: Malvengewächse (Malvales – Malvanae – Rosidae – Superrosidae – Eudicotyle –…)
[14] Cytoplasma: Flüssiger Zellinhalt mit darin liegendem Cytoskelett
[15] Plasmodesmen: Zell-zu-Zell-Verbindungen der Pflanzen. Dese cytoplasmatischen Kanäle (von 30 – 40 nm Durchmesser) dienen dem Stoff- und Informationsaustausch zwischen Zellen.
[16] Tracheen: Abgestorbene Wasserleitelemente von Eudicotylen, deren Längszellen trennende Querwände vollkommen oder zum Teil aufgelöst sind
[17] Systemische Infektion: Infektion durch Pathogene, die zwar nur lokal erfolgt, danach aber die ganze Pflanze betrifft
[18] Aminosäuren: Organische Säuren mit einer Amino-[–NH2] Seitengruppe. Biologisch bedeutend sind hauptsächlich jene Aminosäuren, die an dem der Säuregruppe benachbarten Kohlenstoffatom diese Gruppe besitzen
[19] Self-Assembling, Selbst-Assemblierung: Geregelter Zusammenbau aus sich selbst heraus, ohne enzymatische oder zellmechanistische Einwirkung
Eingestellt am 6. Juli 2024
Euphorbia viguieri (Wolfsmilch) mit Tabakmosaikvirus
Autor: Frank Vincentz
http https://commons.wikimedia.org/wiki/File:TMV_Euphorbia_viguieri_01_ies.jpg
Eingestellt am 6. Juli 2024
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Togaviridae, Rötelvirusartige
1 Röteln[1] (AP)
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Eine Dreifachimpfung[2] wird für Kleinkinder dringend empfohlen.
Gegen Röteln, wirkt davon der dritte Teil,
Gegen Rubivirus rubellae.
Monotypisch[3] scheint des Virus‘ Familie zu sein;
Womöglich aber besteh‘n noch weitere vier Arten,
Deren Infektion ausschließlich Tiere betrifft.
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Impfung gegen Röteln mit späterer Auffrischung
Machen den Körper lebenslang gegen Rötelviren immun;
Was ausgesprochen bedeutsam für geschlechtsreife Mädchen, auch für Frauen,
Schädigt doch Rubivirus rubellae in ersten Schwangerschaftswochen das Kind.
Durchtritt, falls die Mutter noch ohne Impfschutz,
Ihre Plazenta[4], infiziert den sich entwickelnden Spross.
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Ein ganzes Bündel an Embryoschäden[5] ist möglich, als
Bekommen sie Röteln in den ersten acht Schwangerschaftswochen,
Besteht die größte Gefahr – zu neunzig Prozent – fürs Kind:
Im mittleren Drittel der Schwangerschaft sinkt die Wahrscheinlichkeit
Auf immer noch hohe dreißig bis fünfundzwanzig Prozent.
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Der Schädigung Vollbild mit möglichen Herzfehlern,
Der Augenlinsen Trübung, Innenohrschwerhörigkeit oder Spontanabort[8],
Entsteht bei Rötelinfektionen in der vierten Schwangerschaftswoche;
Oft totale Erblindung, womöglich nur Taubheit, werden bis zur zwanzigsten Woche gezählt.
Weltweit werden, so eine Schätzung,
Hunderttausend Kinder geboren mit Rötelnfetoembryopathie.
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Der Mutter Impfschutz verleiht auch dem Nachwuchs
Bis zum Alter von drei bis sechs Monaten nach der Geburt den nötigen Schutz.
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Bevorzugt durch Tröpfcheninfektionen aus naso-pharyngealen[9] Sekreten
Erfolgt mit zwei bis drei Wochen Inkubationszeit[10] Infektion.
Viren dringen in Körper über obere Schleimhäute,
Werden in Lymphsystemen[11] bevorzugt vermehrt;
Ausgeschüttet in die Blutbahn, dringen sie unbemerkt vor.
Nichtimmunisierte Personen bekommen, wenn typisch,
Verbunden mit Fieber zunächst im Gesicht geröteten Hautausschlag;
Leicht erhabene Flecken können sich an Extremitäten und Rumpf verbreiten.
In der Hälfte der Infektionen jedoch treten keine Symptome auf,
Aber verkappte Virusträger sind hochinfektiös. –
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Ikosaedrisch[12] gebaut ist Rubivirus,
Doch erscheint es vollkommen rund;
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Wobei eines der beiden, immer das gleiche, das darunterliegende deckt.
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Im sauren Milieu des Endosoms[15] entfernt sich das äußere Protein,
Legt damit das untere frei, wonach die Endosomenmembran mit der Hülle des Virus verschmilzt,
Die, anschließend in den Golgiapparat[18] transportiert,
Nach Zusammenbau mit Capsidproteinen[19] daraus als Viren knospen
Und nach Befreiung aus der Zelle bereitstehen für Neuinfektion.
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Fußnoten
[1] Rötelvirus: Rubivirus rubellae (Togaviridae – Behüllte (+)-ss-RNA-Viren – Einzelsträngige (+)-RNA-Viren – RNA-Viren – Viren –…)
[2] MMR-Impfung: Masern (Measles morbillivirus, Paramyxoviridae, nicht behandelt), Mumps (Orthorubulavirus parotitidis, Paramyxoviridae, nicht behandelt), Röteln (Rubivirus rubellae)
[3] Monotypisch: Nur eine Art im Taxon (hier Familie)
[4] Plazenta): Sich während der Schwangerschaft entwickelndes Gewebe an der Gebärmutterwand, das zum embryonalen Organismus gehört, von diesem gebildet wird und von Blutgefäßen der Mutter und des Embryos durchzogen ist, darüber steht der Embryo, bzw. Fötus, mittelbar mit dem Blutkreislauf der Mutter in Verbindung, erhält Nährstoffe und Sauerstoff und gibt Abfallprodukte ab. (Wikipedia)
[5] Embryo (Mensch): Kind in den ersten eineinhalb Schwangerschaftsmonaten
[6] Fetoembryopathie: Sammelbegriff für angeborene Erkrankungen und Fehlbildungen, die durch unterschiedliche Störungen in der Entwicklung der frühen Leibesfrucht (als Embryo oder als Fötus) verursacht werden
[7] Fötus (Mensch): Sich entwickelndes Kind ab der neunten Schwangerschaftswoche; davor spricht man von Embryo
[8] Abort (Mensch): Sponte Geburt eines noch nicht lebensfähigen Kindes
[9] Nasopharyngeal: Nasen-Rachenraum bezogen
[10] Inkubationszeit: Zeit, die zwischen Infektion und Ausbruch der Krankheit vergeht
[11] Lymphgefäße: Gefäße mit letztlich dreischichtigem Wandaufbau und passiven Klappen, die ein Rückfließen der Lymphe verhindern; Muskelzellen können die Flüssigkeit vorwärtsdrücken
[12] Ikosaeder: Polyeder mit zwanzig kongruenten, gleichseitigen Dreiecken als Flächen, mit dreißig gleichlangen Kanten und zwölf Ecken, in denen jeweils fünf Seitenflächen zusammentreffen
[13] Spikes: Aus der Virushülle herausragende Glycoproteine
[14] Trimer: zu dritt
[15] Endosom: Mikrobenumschließendes Vesikel, entstanden aus einer Zellmembraneinstülpung
[16] (+)-polare einzelsträngige RNA (Viren): Diese einzelsträngige RNA wird vom Wirt als mRNA erkannt, weil am C3 der Ribose, nahe des C5 die nächste freie [–OH]-Gruppe steht; das C5 ist mit einem Phosphat besetzt und kann nicht mit einem Nucleotid in Verbindung treten (daher erfolgt die RNA-Synthese nur und immer in 5‘ à 3‘ Richtung und nicht umgekehrt; nur in dieser positiven Richtung sind die Basentripletts als Codes in der richtigen Folge und geben für Proteinsynthese Sinn). (+)-polare RNA wird deshalb unmittelbar für die Synthese von Proteinen verwendet.
[17] Endoplasmatisches Retikulum, abgekürzt ER: Intrazelluläres Membransystem aller eukaryotischen Zellen. Es besteht aus lipiddoppelmembranumschlossenen Hohlräumen, die ein zusammenhängendes System bilden und mit der Kernhülle in Verbindung stehen
[18] Golgiapparat: Organellen eukaryotischer Zellen. In ihm werden Proteine, die vom endoplasmatischen Retikulum hergestellt wurden, modifiziert und sortiert. Außerdem schnürt er kleine Vesikel ab, die Zellprodukte sammeln, die zur Sekretion oder für andere Organellen bestimmt sind. Seine oft tellerförmig anmutenden Cisternen treten gern in gestapelter Weise auf, an deren Rändern diese Vesikel abgeschnürt werden; jedes einzelne Organell der Zelle wird oft als Dictyosom (Netzorganell) bezeichnet.
[19] Capsid: Komplexe, regelmäßige Struktur von Viren aus Proteinen, die der Verpackung des Virusgenoms dient.
Eingestellt am 6. Juli 2024
Hautausschlag bei Röteln
Autor: CDC
Gemeinfrei
Eingestellt am 6. Juli 2024
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Angeborene Trübung der Augenlinsen bei Rötelnembryofetopathie
Eingestellt am 6. Juli 2024
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1 Aufs Capsid gesetzt (AP)
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Capsid[4]-Proteine interagieren mit des Wirts
Tier- und Pflanzenviren arbeiten so,
Pflanzenparasiten brauchen tierische Helfer dafür.
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Fußnoten
[1] Unbehüllt: Viele Viren, auch gramnegative Bakterien, umhüllen sich mit einer Lipiddoppelmembran, doch diese fehlt Unbehüllten
[2] (+)-polare einzelsträngige RNA (Viren): Virale, einzelsträngige RNA wird vom Wirt als mRNA erkannt, weil am C3 der Ribose, nahe des C5 die nächste freie [–OH]-Gruppe steht; das C5 ist mit einem Phosphat besetzt und kann nicht mit einem Nucleotid in Verbindung treten (daher erfolgt die RNA-Synthese nur und immer in 5‘ à 3‘ Richtung und nicht umgekehrt; nur in dieser positiven Richtung sind die Basentripletts als Codes in der richtigen Folge und geben für Proteinsynthese Sinn). (+)-polare RNA wird deshalb unmittelbar für die Synthese von Proteinen verwendet.
[3] Einzelsträngige RNA, single stranded, ss: nur ein Nucleotidstrang liegt vor
[4] Capsid: Komplexe, regelmäßige Struktur von Viren aus Proteinen, die der Verpackung des Virusgenoms dient.
[5] Plasmamembran, Zellmembran: Lipiddoppelmembran um den Zellinhalt herum
[6] Kanäle, Membrankanäle: in den Lipiddoppelmembranen werden von bestimmten Proteinen feine Kanäle gebildet, durch die verschiedene Substanzen transportiert werden können
Eingestellt am 6. Juli 2024
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