Glossar:

Unbegeißelte Chitinpilze

1 Geißelverlust (HP)

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Dem Wasser entstiegen,

Mit Hyphen[1] des Ufers Schwemmgut durchziehend,

Liegen freigekommene Schwärmer[2] davon nicht weit entfernt;

Vertrocknen vielleicht schon,

Bevor sie mit Schläuchen[3]

Des Lebens neuen Abschnitt beginnen,

Falls sie nicht lange zuvor schon die Geißeln[4] verloren

Und, den Lebensumständen nach,

Neue Methoden Zellkerne zu einen, erprobten,

Damit den Weg aufs Land, das ohne tropfbares Wasser, schon bahnten.

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Auf ihre Geißel verzichteten sie!

Doch, was mit dem Kinetosom[5]

Und seiner begleitenden Schwester[6] geschah,

Ist einer Betrachtung sicherlich wert.

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Gingen verloren im Laufe der Zeit!

Keiner der heutigen Unbegeißelten Chitinpilze bildet sie noch

Als umfunktionierte Basis der Geißel.

Aber der Chromosomen[7] Verteilung,

Meiotisch[8] oder mitotisch[9],

Erfolgt ebenfalls ohne jeden Verlust.

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Spindelpolkörper[10] unterschiedlicher Form und Struktur

Treten an ihre Stelle,

Übernehmen der Centriolen Funktion als vergrößerte MTOCs[11],

Deren Spuren jedes Centriol immer schon trug.

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Wie lässt sich diese Behauptung begründen,

Wenn ihnen Centriolen heute doch fehlen?

Ein einziger Pilz[12] aus hunderttausend und mehr,

Zeigt noch Reminiszenzen davon.

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Basidiobolus, morphologisch und funktionell eher modern,

Nach DNA-Sequenzen primitiv jedoch,

Begleitet des Kernes Hülle mit Centriol-Äquivalenten gleicher Gestalt,

Zwar ohne Tripletts[13], elf einzelne Tubuli[14] bilden peripher einen Kranz,

Außen begleitet von MTOC-verwandten dunklen Strukturen, doch jede ohne Bestimmung,

Denn Spindelpolkörper übernehmen bereits die Funktion.

Der Centriolen dunklen Begleiter Abkömmlinge scheinen sie deshalb zu sein,

Trotz des Centriols reduzierter Präsenz.

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Fußnoten

[1] Hyphen: Einzellreihige, zellwandumgebene Fäden von Pilzen mit Spitzenwachstum, mit oder ohne Querwände

[2] Flagellat: Begeißelter, einzelliger Organismus; oder als Eigenschaft: mit Geißel versehen

[3] Hyphen

[4] Flagellum, Geißel (Eukaryageißel): Charakterisiert durch ihren internen Bau aus 9 peripheren, etwas schräg nach innen gestellten Doppelmikrotubuli (Querschnitt durch die Geißel) und einem zentralen Tubulipaar, das etwas Abstand voneinander hält. Dyneinarme verbinden die Mikrotubuli. Die Geißel ist von der Zellmembran umgeben und gefüllt mit Cytosol. Am Übergang der Geißelbasis in den Zellkörper treten spezielle Verstrebungen, Verstärkungen, auf; eine dünne Querplatte trennt oft den untersten, in die Zelle integrierten Teil, der in seiner Struktur einem Centriol entspricht: Es fehlen die beiden zentralen Mikrotubuli und die peripheren Zwillinge wurden zu Drillingen. Die in der Zelle gelegenen Teile der Geißel sind noch durch verwandtschaftsabhängig gestaltete Haltestrukturen verwurzelt.

[5] Kinetosom: Basaler Teil der Geißel mit dem centriolentypischen Bau aus 9 × 3 kurzen Mikrotubuli

[6] Freies Centriol: Zylinderförmige Struktur mit internem Bau aus 9 x 3 Mikrotubuli, sind an der Bildung des Mikrotubuliorganisationszentrums beteiligt, das die Mikrotubulispindel für die Chromosomen-, bzw. Kernteilung bildet

[7] Chromosom: Genetische Informationseinheit aus unterschiedlichen Mengen DNA (oder selten RNA bei Viren) diverser Basensequenzen

[8] Meiose, meiotisch: Meiose dient der Reduktion eines diploiden Chromosomensatzes zu haploiden Sätzen. Dabei werden einander entsprechende Chromosomen, im Kern sich dann mittig in einer Ebene gegenüberstehend, gepaart und anschließend in entgegengesetzter Richtung („polwärts“) separiert. Dieser Vorgang wird auch als Reduktionsteilung (oft abgekürzt als R! und zugleich stellvertretend für die ganze Meiose verwendet) bezeichnet. Da die voneinander getrennten haploiden Chromosomen (zu Chromatiden) schon verdoppelt sind, schließt sich an die Reduktionsteilung noch eine mitotische Teilung an, so dass vier haploide Kerne in letztlich vier Zellen liegen.

[9] Mitose, mitotisch: Im Kern mittig in einer Ebene versammelte Chromosomen bildeten je zwei identische Chromatiden, die bei der Mitose durch Mikrotubuli separiert werden und, von einer Zellwand getrennt, als identische Chromosomensätze der entstandenen Zellen wirken

[10] Spindelpolkörper als Mikrotubuliorganisationszentrum: Elektronendichte Körper besonderen Baus, dienen bei Rhodophyta und Unbegeißelten Chitinpilzen der Kernteilung; an ihnen setzt die Kernteilungsspindel an, um Chromosomen in die Tochterkerne zu ziehen

[11] MTOC, Mikrotubuliorganisationscentrum: Zellorganell, das die Bildung der Mikrotubuli organisiert

[12] Basidiobolus ranarum: Basidiensporiger Jochpilz (Basidiobolomycetes – Zygomycota – Multikarya – Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi –…)

[13] Mikrotubuli-Tripletts: Kurze Mikrotubuli in Dreierreihen des zylinderförmigen Centriols

[14] Mikrotubuli: Röhrenförmige Proteinkomplexe innerhalb eukaryotischer Zellen und in Geißeln; Hohlröhren aufgebaut aus den Dimeren α- und β-Tubulinen; funktionieren bei vielen wesentlichen zellulären Prozessen, einschließlich Mitose und Meiose. Mikrotubuli sind gerichtete Strukturen, deren Enden wegen ihrer Polymerisationsrichtung mit plus und minus bezeichnet werden; das α-Tubulin-Ende wird minus-Ende genannt, das β-Tubulin plus-Ende; bilden die Grundlage für das Cytoskelett und spielen eine wichtige Rolle in der Ausbildung der Kernteilungsspindel und im Vesikeltransport.

Eingestellt am 15. März 2025

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Unbegeißelte Chitinpilze

2 Kerntransfer

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Früher warteten Gameten[1] auf Kerndonatoren[2] oder suchten aktiv sie

Schwimmend, nach Düften[3] sich wendend.

Nun bequemen sich Hyphen[4] – was bleibt denn als Wahl? –

Den richtigen Partner zu finden.

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Auch sie treffen per Zufall, doch oftmals gelockt,

Sich irgendwo tief versteckt im Substrat,

Vereinen sich ohne großes Tamtam,

Oder wählen vielleicht ein spezielles Organ.

Viele verzichten auf sexuelle Betätigung[5] wieder,

Bleiben auch so genetisch divers.

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Leben siphonal[6], mit vielen Kernen in ungegliederten Schläuchen,

Zum Teil auch mit Wänden kompartimentiert[7],

Andere halten auf Ordnung mit einzigem Kern pro Zelle[8] nur,

Manche nehmen für jede von ihnen kompatible[9] zwei[10].

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Mit lockeren Fäden[11] leben die einen,

Dichtes Mycel[12] bevorzugt der Rest;

Andere leben mit Hefen[13],

Nennen sich folglich coccal[14];

Formschöne Körper mit prächtigen Farben[15] setzen

Dikarya das i-Tüpfel auf.

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Fußnoten

[1] Gameten: Für sexuelle Fortpflanzung vorgesehene haploide Zellen

[2] Kerndonator: Männlicher Gamet, der seinen Kern in die weibliche Zelle gibt

[3] Pheromone: Von Organismen produzierter und abgesonderter (Duft)stoff, der Stoffwechsel und Verhalten anderer Individuen der gleichen Art beeinflusst

[4] Hyphen: Einzellreihige, zellwandumgebene Fäden von Pilzen mit Spitzenwachstum, mit oder ohne Querwände

[5] Sexuelle Fortpflanzung: Dafür sind drei Vorgänge miteinander gekoppelt, Meiose (abgekürzt mit R!), Plasmogamie (Zellen vereinen sich, abgekürzt mit P!) und Karyogamie (Kerne verschmelzen, abgekürzt mit K!) verbunden, wobei P! und K!, mit Ausnahme bei Dikaryota, unmittelbar aufeinander folgen. Bei Dikaryota (Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi – Opisthokonta – Eukarya) sind beide Vorgänge unterschiedlich lang (weit) voneinander getrennt. Da bei Animalia und Plantae P! und K! unmittelbar aufeinander folgen, werden beide Vorgänge häufig zu Befruchtung (B!) zusammengefasst.

[6] Siphonal: Schlauchartige, unseptierte Röhre (Hyphe) mit vielen Kernen

[7] Siphonocladal (Algen, Pilze): Schlauchartige, mit einzelnen Septen versehene Röhre (Hyphe), deren Abschnitte vielkernig sind

[8] Trichal (Algen, Pilze, u.a.): (Algen, Pilze, u.a.): Gebaut aus einzellreihigem Faden, wobei jede Zelle funktionell nur einen Zellkern besitzt, n, 2n (oder n+n, Dikaryon, bei Pezizomycotina und Agaricomycotina)

[9] Kompatible, konträrgeschlechtliche Kerne: Für Karyogamie sind zwei sexuell unterschiedliche, konträrgeschlechtliche, damit kompatible Kerne (männlicher und weiblicher Kern oder plus (+)- und minus (–)-Kern oder α- und β-Kern) nötig

[10] Dikaryon, dikaryotisch: Zwei konträrgeschlechtliche haploide (n) Kerne [werden als (+)- und (–)-Kerne oder als α- und β-Kerne bezeichnet; unterscheiden sich ihre Behälter in Größe oder die Dikaryen bildenden Kerne in der Wanderungsrichtung, kann auch von männlichen (wandern zu ihren Partnern, die stationär bleiben) und weiblichen Kernen gesprochen werden], bilden funktionell eine Einheit (n+n), ohne miteinander zum diploiden Kern (2n) verschmolzen (K!) zu sein; sie teilen sich mitotisch synchron, um damit zwei Dikaryen zu bilden, sich zu verdoppeln. Im Entwicklungskreislauf erfolgt zwar zunächst die Plasmogamie (P!), doch die Karyogamie (K!) zum diploiden (2n) Kern wird erst kurz vor der Meiose (R!) vollzogen. Man spricht hier auch von verzögerter Karyogamie. Dikaryen treten bei Taphrinomycotina, Pezizomycotina, Pucciniomycotina, Ustilaginomycotina und Agaricomycotina auf.

[11] Hyphen

[12] Mycel: Gesamtheit dicht oft wachender Hyphen

[13] Hefen: Coccale Zellen, die gleichgeformte Zellen sprossend hervorbringen

[14] Coccal: Bezeichnung für unbewegliche, runde oder ellipsoide, einzellige Organismen

[15] Fruchtkörper (Pilze): Komplexe Hyphengeflechte, die Überdauerungsorgane oder Sporangien enthalten oder diese oberflächlich tragen

Eingestellt am 15. März 2025

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Zygomycota, Jochpilze

1 Unter Druck (HP)

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Felsengestein unter Wasser am Rande des Meeres,

Bedeckt von Gewächsen verschiedenster Art,

Wird von Wellen heftig gepeinigt.

Vergeblich sucht manches Leben nach Halt.

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Zerrissen, zerfetzt, liegen Algen[1] zuhauf

In der Nähe des Ufers, noch halb in der Mulde, mit Wasser bedeckt.

Nach des Unwetters Ende bleichen sie, trocknen fast aus;

Schonungslos stürzen Bakterien[2] den halbtoten Massen zu.

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Chytros‘[3] bewegliche Sporen[4] ergreifen gleichfalls die Chance,

Kolonisieren noch wasserbedeckte Partien.

Doch ihnen bleiben trocknende Reste mit kaum einer Feuchte verwehrt.

So besetzen vife[5] Verwandte jedes gestrandete tote Fragment.

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Denn weise verzichteten sie auf begeißelte Sporen,

Sparten den Aufwand aktiver Bewegung,

Verwandten Reserven für schützende Wände der Sporen.

Die Cytenbegrenzung[6] zerreißend, zerstäuben sie hundert und mehr noch davon.

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Nicht Wasser und Wellen verbreiten die Sporen,

Der Wind übernimmt Vektorenfunktion[7]!

Zerstreut sie in weite Fernen; zwar geht ein Großteil verloren,

Dennoch wächst mit zunehmender Menge von Sporen der Treffer Zahl.

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Der Wind trug sie heran, sie sanken hernieder,

Begegneten manchem gestrandeten Gut.

Zerfallende Zellen verlocken mit Zuckern[8], Sporen mit Hyphen[9] zu keimen,

Quittieren mit üppigem Wachstum die Fülle des Angebots.

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Mitotisch[10] entstanden die Sporen,

Haploid[11] ihr Chromosomenbesatz,

Nur clonal[12] die Vermehrung,

Bewahrt nur wird der Gene[13] Bestand.

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Doch ihre Gameten[14] brauchen noch Wasser,

Einander zu finden, diploide[15] Zygoten[16] zu bilden.

In Vielzahl entschlüpfen Gameten den Cyten:

Suchen und paaren, vereinigen sich.

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Meiotisch[17] geteilt, entlässt die Zygote ein Zoosporenquartett[18].

Doch mit Chytros im Wasser zu konkurrieren, ist ihre Anzahl viel zu gering.

So gelingt wenigen nur kurz nach einer Rast,

Sich mit Hyphen zu bohren in abgestorbener Wesen verbleibendes Gut.

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Aus der Luft und vom Wasser erfolgte Okkupation von ans Ufer Geschwemmtem.

Heerscharen windtransportierter Sporen besetzen mit Macht Ressourcen;

Begeißelte Stadien hingegen ergreifen im Wasser die Initiative.

Miteinander erst übertrumpfen sie Chytros‘ Bemühen, für sich allein zu erschließen, was in Bergen dort liegt. –

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Ganz unabhängig vom offenen Wasser zu werden,

Hieße, den Wettbewerbsdruck erheblich zu mindern,

Doch müssten Gameten auf Geißeln[19] verzichten und

Neue Methoden sichern der Kerne Wandel von haploid zu diploid.

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Recht zufällig treffen gebogene, kürzere Seitenhyphen einander und platten sich ab,

Lösen die trennenden Wände, vereinen Protoplasten[20], mischen die Kerne.

Noch sind einander sie fremd, so trennen beide den Zudringling durch eine Wand von ihrer eigenen Hyphe ab.

Kerne aber finden einander, verschmelzen, vollziehen die Karyogamie[21]:

Diploid sind sie, gemeinsam in der verschmolzenen Zelle.

Zygote ist sie, nichts anderes, denn diploide Kerne siedeln darin.

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Nun sind Meiosen[22] gefragt, den doppelten Satz Chromosomen wieder zu trennen.

Haploid geworden, verteilen die Kerne den Protoplasten[23] auf sich,

Werden zu unbegeißelten Sporen[24].

Die Wandung zerreißend, präsentiert die Zygote den Inhalt Wasser und Wind.

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Der Zufall wurde Methode.

In Zukunft zieh‘n Hyphen einander mit Lockstoffen[25] an,

Bilden im Vorgriff trennende Wände,

Formen je ein Gametangium[26] dort, wo ihr Treffen begann.                      

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Jochförmige Bögen[27] verbinden sexuell sich gebende Hyphen,

Ganz so, wie der ziehenden Ochsen[28] Holzteil am Kopf.

So nennen fortan wir, ganz griechisch, Zygos[29] die betreffenden Pilze

Und warten geduldig weitere evolutive Schritte ab.

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Fußnoten

[1] Algen: Eine organismenreichübergreifende Bezeichnung für überwiegend im Wasser lebende Thallophyten

[2] Bakterien: Bilden zusammen mit Archäen die sog. Prokaryo(n)ten, die noch keinen echten Zellkern und keine komplex gebauten Chromosomen besitzen. Sie unterscheiden sich grundsätzlich voneinander. Deshalb wurden die Archäen in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts als eigene Organismen-Domäne der Domäne der Bakterien gegenübergestellt

[3] Chytros: Bezeichnung für einen hypothetischen Vorfahren der Chytridiomycota

[4] Zoospore: Mitotisch entstandene, einzellige, eigenbewegliche Verbreitungseinheit

[5] Vif: lebhaft, agil, voller Tatendrang

[6] Zellwand: Eine aus Polymeren aufgebaute Hülle, die Zellen von Pflanzen, Bakterien, Pilzen, Algen und Archäen umgibt

[7] Vektor: Transporteur, Überträger, Ausbreiter

[8] Zucker: Kohlenstoffverbindungen mit einem doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] am Ende der Kette, wenn in offener Form dargestellt, oder als Ringform mit einem einfachgebundenen Sauerstoff im Ring, und einer oder mehreren [–OH]-Gruppen; Summenformel meist [Cn(H2O)n]

[9] Hyphen: Einzellreihige, zellwandumgebene Fäden von Pilzen mit Spitzenwachstum, mit oder ohne Querwände

[10] Mitose, mitotisch: Im Kern mittig in einer Ebene versammelte Chromosomen bildeten je zwei identische Chromatiden, die bei der Mitose durch Mikrotubuli separiert werden und, von einer Zellwand getrennt, als identische Chromosomensätze der entstandenen Zellen wirken

[11] Haploid: Zellkerne mit einfachem Chromosomensatz; ausgedrückt als n

[12] Clonale Vermehrung: Asexuelle Vermehrung (rein mitotisch bedingte Vermehrung, daher Individuen genetisch identisch)

[13] Gen: Erbanlage, Erbfaktor; Einheit der genetischen Information; Abschnitt auf der DNA der bestimmte Proteinbausteine codiert oder eine bestimmte regulatorische Funktion hat

[14] Gameten: Für sexuelle Fortpflanzung vorgesehene haploide Zellen

[15] Diploid: Zellkerne mit doppeltem Satz zusammenpassender, homologer Chromosomen; ausgedrückt mit 2n

[16] Zygote: Diploide Zelle, die nach der Verschmelzung zweier haploider Kerne im Zuge der sexuellen Fortpflanzung entstand

[17] Meiose, meiotisch: Meiose dient der Reduktion eines diploiden Chromosomensatzes zu haploiden Sätzen. Dabei werden einander entsprechende Chromosomen, im Kern sich dann mittig in einer Ebene gegenüberstehend, gepaart und anschließend in entgegengesetzter Richtung („polwärts“) separiert. Dieser Vorgang wird auch als Reduktionsteilung (oft abgekürzt als R! und zugleich stellvertretend für die ganze Meiose verwendet) bezeichnet. Da die voneinander getrennten haploiden Chromosomen (zu Chromatiden) schon verdoppelt sind, schließt sich an die Reduktionsteilung noch eine mitotische Teilung an, so dass vier haploide Kerne in letztlich vier Zellen liegen

[18] Zoospore: Mitotisch entstandene, einzellige, eigenbewegliche Verbreitungseinheit

[19] Flagellum, Geißel (Eukaryageißel): Charakterisiert durch ihren internen Bau aus 9 peripheren, etwas schräg nach innen gestellten Doppelmikrotubuli (Querschnitt durch die Geißel) und einem zentralen Tubulipaar, das etwas Abstand voneinander hält. Dyneinarme verbinden die Mikrotubuli. Die Geißel ist von der Zellmembran umgeben und gefüllt mit Cytosol. Am Übergang der Geißelbasis in den Zellkörper treten spezielle Verstrebungen, Verstärkungen, auf; eine dünne Querplatte trennt oft den untersten, in die Zelle integrierten Teil, der in seiner Struktur einem Centriol entspricht: Es fehlen die beiden zentralen Mikrotubuli und die peripheren Zwillinge wurden zu Drillingen. Die in der Zelle gelegenen Teile der Geißel sind noch durch verwandtschaftsabhängig gestaltete Haltestrukturen verwurzelt.

[20] Plasmogamie: Verschmelzung der Protoplasten zweier Zellen im Zuge sexuellere Fortpflanzung; abgekürzt P!

[21] Karyogamie: Verschmelzung zweier haploider Zellkerne; abgekürzt K!

[22] Meiose

[23] Protoplast, Protoplasma: Gesamter Inhalt einer Zelle

[24] Aplanosporen: Nichteigenbewegliche, geißellose Sporen

[25] Pheromone: Von Organismen produzierter und abgesonderter (Duft)stoff, der Stoffwechsel und Verhalten anderer Individuen der gleichen Art beeinflusst

[26] Gametangien: Behälter für Gameten; oder für Zellkerne, die ohne Gameten zu bilden, dazu bestimmt sind, über Karyogamie der sexuellen Fortpflanzung zu dienen

[27] Joch: Auf der Stirn bzw. dem Nacken aufliegender Teil des Riemenzeugs, mit dem Zugtiere vor den Wagen gespannt werden

[28] Ochse, Kastrierter Stier: Bos taurus (Bovini – Boodontia – Bovidae – Pecora – Ruminatia –…)

[29] Zygos (gr.): Joch, Waage

Eingestellt am 15. März 2025

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Zygomycota, Jochpilze

2 Joche

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Zygos, griechisch das Joch,

Gab ihnen den passenden Namen,

Ein Bogen, Ergebnis zweier sich treffender, kürzerer Äste:

Ähnelt dem Joch[1] der karrenziehenden Kuh[2].

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Sexuell stimulierte Suchseitenhyphen,

Sonst querwandlos wachsender Fäden[3],

Treffen sich, Gametangien[4], oft kuglige Zellen,

Mit Hilfe von Septen[5] abzugrenzen und zu verschmelzen[6]:

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Im typischen Fall als Endprodukt[7] Dauerzygoten[8] liefernd,

Mit dicker, dunkel pigmentierter Wand,

Geeignet, wachstumsbegrenzende Phasen zu meistern,

Um nach Erwachen den Kern auf Meiosemodus[9] zu bringen,

Mitosen anzuschließen, mehr Sporen zu bilden,

Damit die Zukunft gelingt.

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Zucker[10]- und stärkehaltige[11], leicht verwertbare Stoffe

Besiedeln sie mit großer Begier,

Fürchten gleiches Begehren nah oft explorierender[12] Pilze;

Finden freilich geeignete Antwort dafür.

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Nur immer sexuell[13] sich gerieren

Bringt zwar Wandel und Flexibilität,

Doch zu lange dauert dieser Diversität bringende Vorgang;

Zu wenige Sporen[14] verschenken Besiedlungspotenz.

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Rasche Vermehrung erfolgt asexuell[15]!

Sporen[16], in Massen an zahllose Stellen verstreut,

Verderben, weil alles besetzt sie schon finden,

Anderen Pilzen Lebensqualität und Appetit.

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Nimmt es Wunder,

Dass viele sich nicht mehr bescheiden

Mit dem, was offen verfügbar,

Mit nicht mehr Gebrauchtem?

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Frischeste Ware, am besten noch lebend,

Bevorzugen viele des üppigen Angebots wegen,

Nehmen jede Belastung auf sich,

Auf Kosten unschuldiger Wesen zu leben[17].

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Erfinderisch mussten sie Abwehr und Widerstände durchbrechen,

Bewegliche Opfer einfallsreich treffen,

Unbemerkt im Innern ihr Unwesen treiben,

Um, nachdem sie die Quelle bis zur bitteren Neige genutzt,

Ihre Sporen dem Wind übergebend,

Den Tod zu verkünden dem Wirt.

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Fußnoten

[1] Joch (Landwirtschaft): Auf der Stirn bzw. dem Nacken aufliegender Teil des Riemenzeugs, mit dem Zugtiere vor den Wagen gespannt werden

[2] Kuh, Hausrind: Bos taurus (Bovini – Boodontia – Bovidae – Pecora – Ruminatia –…)

[3] Siphonal (Algen, Pilze): Schlauchartige, unseptierte Röhre (Hyphe) mit vielen Kernen

[4] Gametangien: Behälter für Gameten; oder für Zellkerne, die, ohne Gameten zu bilden, dazu bestimmt sind, über Karyogamie der sexuellen Fortpflanzung zu dienen

[5] Septum (Algen, Pilze): Querwand eines einzellreihigen Fadens, eines Trichoms, eines Zellausläufers, einer Hyphe

[6] Plasmogamie: Verschmelzung der Protoplasten zweier Zellen im Zuge sexueller Fortpflanzung; abgekürzt P!

[7] Nach Plasmogamie und Karyogamie

[8] Dauerzygote: Zygote, die der Überdauerung dient, meist gekennzeichnet durch dicke, widerstandsfähige, oft auch dunkle Wand

[9] Meiose, meiotisch: Meiose dient der Reduktion eines diploiden Chromosomensatzes zu haploiden Sätzen. Dabei werden einander entsprechende Chromosomen, im Kern sich dann mittig in einer Ebene gegenüberstehend, gepaart und anschließend in entgegengesetzter Richtung („polwärts“) separiert. Dieser Vorgang wird auch als Reduktionsteilung (oft abgekürzt als R! und zugleich stellvertretend für die ganze Meiose verwendet) bezeichnet. Da die voneinander getrennten haploiden Chromosomen (zu Chromatiden) schon verdoppelt sind, schließt sich an die Reduktionsteilung noch eine mitotische Teilung an, so dass vier haploide Kerne in letztlich vier Zellen liegen.

[10] Zucker: Kohlenstoffverbindungen mit einem doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] am Ende der Kette, wenn in offener Form dargestellt, oder als Ringform mit einem einfachgebundenen Sauerstoff im Ring, und einer oder mehreren [–OH]-Gruppen; Summenformel meist [Cn(H2O)n]

[11] Stärke: Gemisch aus Amylose und Amylopectin; Speicherpolysaccharid der Pflanzen

[12] Exploration: Erkundung der Umgebung, um geeignete Stellen für Besiedlung und Gewinnung von Nahrung zu finden

[13] Sexuelle Fortpflanzung: Dafür sind drei Vorgänge miteinander gekoppelt, Meiose (abgekürzt mit R!), Plasmogamie (Zellen vereinen sich, abgekürzt mit P!) und Karyogamie (Kerne verschmelzen, abgekürzt mit K!) verbunden, wobei P! und K!, mit Ausnahme bei Dikarya, unmittelbar aufeinander folgen. Bei Dikarya (Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi – Opisthokonta – Eukarya) sind beide Vorgänge unterschiedlich lang (weit) voneinander getrennt. Da bei Animalia und Plantae P! und K! unmittelbar aufeinander folgen, werden beide Vorgänge häufig zu Befruchtung (B!) zusammengefasst.

[14] Aplanosporen: Nichteigenbewegliche, geißellose Sporen

[15] Asexuell (Vermehrung): Nur aufgrund von Mitosen gebildet

[16] Aplanosporen

[17] Als Parasit, als Schmarotzer: Ein Organismus lebt auf Kosten eines anderen.

Eingestellt am 15. März 2025

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Zygomycota, Jochpilze

3 Hyphen

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Austrocknend wirken im Strandgut Sonne und Wind!

Weit auseinander spreizen Risse, was zusammenliegt,

Bringen Unruhe in der Pilze Substrat[1],

Unterbrechen ohne Absicht der Fäden[2] Verlauf.

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Die Zellwand[3], obschon nicht wenig verstärkt,

Hält dem Ziehen und Dehnen notdürftig noch stand,

Bis sie überfordert dem Zerren erliegt

Und, was schutzbedürftig, sich in die Umwelt ergießt.

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Folgenschwer erweist sich der kaum zu heilende Bruch,

Denn nicht nur der Inhalt geht Hyphen verloren,

Eine Pforte für Mikroben[4] öffnet sich:

Dringen ein und drängen zerstörerisch vor.

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Querwände[5], auch wenn ungleichmäßig und selten,

Wirken begrenzend, verhindern Verlust ohne Halt,

Erlauben gesunden Partien hinter dem Schott[6]

Neustart mit sprießendem Zweig.

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Zu dichte Schotten, falls für immer geschlossen,

Behindern zum Nachteil des ganzen Systems

Austausch und Kommunikation

Zwischen Spitzen und rückwärtigem, fernliegendem Raum.

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Poren in Mehr- oder Einzahl,

Durchlöchern querliegende Septen,

Nicht ohne Vorkehr, sie im Bedarfsfall für immer,

Oft auch zeitlich beschränkt nur, rasch zu verschließen.

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Erfinderisch zeigen sich Zygomycota bezüglich der Hyphen innerem Bau:

Von siphonal[7], als ununterbrochener Schlauch,

Bis siphonocladal[8], selten septiert,

Bis hin zu trichal[9], als regelmäßig gekammerter Faden und

Poren[10] – oft mit Verschluss – sind Konsequnenz der Evolution,

Womöglich aufgrund bewegten Substrats.

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Fußnoten

[1] Substrat: Allgemeine Bezeichnung für feste, unterstützende, tragende oder nährende Substanz

[2] Hyphen: Einzellreihige, zellwandumgebene Fäden von Pilzen mit Spitzenwachstum, mit oder ohne Querwände

[3] Zellwand: Eine aus Polymeren aufgebaute Hülle, die Zellen von Pflanzen, Bakterien, Pilzen, Algen und Archäen umgibt

[4] Mikroben: Mikroskopisch kleine Lebewesen, die einzeln nicht mit bloßem Auge erkennbar sind, zum Beispiel Bakterien und Archäen. Die meisten dieser Mikroorganismen sind Einzeller, zu ihnen zählen jedoch auch wenigzellige Lebewesen (einige Pilze und Algen, viele Amoebozoa, Chromalveolata, Rhizaria und Excavata) entsprechender Größe

[5] Septum (Algen, Pilze): Querwand eines einzellreihigen Fadens, eines Trichoms, eines Zellausläufers, einer Hyphe

[6] Schott: Eine geschlossene Trennwand 

[7] Siphonal (Algen, Pilze): Schlauchartige, unseptierte Röhre (Hyphe) mit vielen Kernen

[8] Siphonocladal (Algen, Pilze): Schlauchartige, mit einzelnen Septen versehene Röhre (Hyphe), deren Abschnitte vielkernig sind

[9] Trichal (Algen, Pilze, u.a.): Gebaut aus einzellreihigem Faden, wobei jede Zelle funktionell nur einen Zellkern besitzt, n, 2n (oder n+n, Dikaryon, bei Pezizomycotina und Agaricomycotina)

[10] Querwandporen. Septenporen: Septen, Querwände, von Hyphen (auch Trichome von Rotalgen) sind meist mit einem Porus versehen, der benachbarte Zellen miteinander verbindet. Meist aber sind diese Öffnungen sekundär wieder verschlossen. Diese Verschlüsse sind geeignet, Verwandtschaften zu erkennen.

Eingestellt am 15. März 2025

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