zum Glossar mit Abbildungsverweisen über:

Bryophyta, Laubmoose i.w.S.

1 Platt und versteckt (HP)

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Tief in silurischen[1] Schichten liegen vielleicht,

Kein Paläontologe[2] hat je sie geseh’n,


Der Marchantiophyten[3] uralte Schwestern,

Der Bryophyten noch unbeblätterter Ahn. –

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Zwei Töchter für immer entzweit,

Gingen eigene Wege, um weit voneinander zu siedeln an Land.

Bedachten nicht die Folgen der Trennung!

Erkannten sich später nicht mehr!

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Brya[4] umhüllte nicht, wie Thalla[5] dies tat,

Terpenoide Öle[6] mit runden Behältern[7],[8]:

Verteilte gleichmäßig über Zellen und Körper den

Nicht mehr als Zierde empfundenen Schmuck.

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Erinnerte sich der Verwandtschaft mit Algen,

Wie sie trichal[9] sich verzweigten,

Wagte mit Faden sich, ergrünt und septiert[10], aus der Spore,

Bevor sie den Weg zur Fläche beschritt.

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Die dreiseitig sich teilende Zelle der Spitze[11]

Behielt sie als wohlbewährte Wachstumsweise,

Dachte nicht, wie Nachkommen ihrer Schwester[12],

An den Einfluss auf des Körpers Gestalt[13].

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Auf Ordnung war sie besonders erpicht

Beim Bau von Antheridium[14] und Archegon[15]:

Scheitelzellen[16] übernehmen die Neukonstruktion,

Bewahren, was sich methodisch bewährt.

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Auf Elateren[17] verzichtet sie gern,

Nimmt geschickt den gewonnenen Platz jedoch

Zur Vermehrung der Sporen[18],

Plant dafür streuende Schlitze und Poren ein.

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Sporen aus der Tiefe des Raums zu bringen,

Löst sie mit bestauenswerter Konsequenz!

Besetzt der Kapsel[19] problembringendes Zentrum mit einem Pfropf[20],

Damit er die Sporen geschickt präsentiert.

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Ob Brya am Anfang mit Pilzen[21] ihr Leben begann,

Blieb bis heute ohne Befund.

Nachfahren fanden wohl dafür den Aufwand zu erheblich, um

Nachhaltig Vorteil daraus zu zieh’n.

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Der Gametophyt[22], mit Zucker und Nährstoffen bestens versorgt,

Übernimmt – warum sollte Brya dies ändern? –

Des Sporophyten[23] wachstumsfördernde Hege,

Denn seine Sporen begründen Bryas Existenz.

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Fußnoten

[1] Silur-Zeit: Vor etwa 444 – 416 Millionen Jahren

[2] Paläontologen: Erforschen frühere Lebewesen, indem sie deren Fossilien untersuchen

[3] Machantiophyta: Lebermoose (Thallophyta – Embryophyta – Streptophyta – Plantae – Euarya)

[4] Brya: Bezeichnung für hypothetischen Vorfahren der Bryophyta

[5] Thalla: Bezeichnung für hypothetischen Vorfahren der thallösen Lebermoose

[6] Terpenoide: Naturstoffgruppe, die sich strukturell vom Isopren ableitet. Von den ähnlichen Terpenen unterscheiden sie sich darin, dass sie funktionelle Seitengruppen besitzen und keine reinen Kohlenstoffe wie die Terpene sind

[7] Ölkörper (Marchantiopsida mit einzigem großem Ölkörper in der Zelle): Enthalten in großer Menge Sesquiterpenoide und andere Verbindungen bei gleichzeitiger Begrenzung ihrer Cytotoxizität

[8] Ölkörper (Jungermanniopsida mit mehreren kleinen Ölkörpern in der Zelle): Enthalten in großer Menge Sesquiterpenoide und andere Verbindungen bei gleichzeitiger Begrenzung ihrer Cytotoxizität

[9] Trichal (Algen, Pilze, u.a.): Gebaut aus einzellreihigem Faden, wobei jede Zelle funktionell nur einen Zellkern besitzt, n, 2n (oder n+n, Dikaryon, bei Pezizomycotina und Agaricomycotina)

[10] Protonema (Laubmoose): Ein haploides, trichales Verzweigungssystem nach der Sporenkeimung, an dem später das typische haploide Moospflänzchen entsteht.

[11] Dreischneidige Scheitelzelle: Die dauernd teilungsaktive Scheitelzelle gibt, wenn dreischneidig, in schraubiger Drittel-Kreis-Folge anfangs keilförmige Zellen ab, von denen alle weiteren Zellen abstammen; Organismen mit solchen Scheitelzellen formen räumliche Vegetationskörper. Ihre Gestalt ähnelt einem Tetraeder, wobei eine Fläche zur Spitze zeigt und die drei verbleibenden Seiten in schraubiger Weise Segmente abgliedern.

[12] Jungermanniales: Jungermannmoose i.e.S. (Jungermanniidae – Jungermanniopsida – Marchantiophyta – Thallophyta – Embryophyta –…)

[13] Ungleich gestalte Blättchen; Amphigastrien und Flankenblättchen

[14] Antheridium (Moose, Farne): Behälter mit einzellschichtiger Wand, dessen vielzelliges Zentrum pro Zelle ein Spermatozoid entlässt

[15] Archegon, Archegonium (Moose, Farne): Besitzen eine einzellschichtige Wand (Wandzellen) mit schnabelartig ausgezogenem, anfangs mit einer Zellreihe gefülltem Hals (Halskanalzellen), die sich im Zuge der Spermatozoidenanlockung auflösen; auch die Bauchkanalzelle, als Schwesterzelle der Oocyte entstanden, löst sich dann auf.

[16] Scheitelzelle: Eine Zelle am oberen Ende eines Organismus (Plantae, Chromalveolata), die durch ständige Teilung für das Verlängern, Vergrößern, sorgt, weil, davon ausgehend, alle weiteren Zellen entstehen, also von ihr abstammen.

[17] Elateren (Lebermoose): Schraubenförmige oder schraubenförmig verstärkte Zellen in Sporenkapseln von Lebermoosen, die die Sporenausbreitung fördern

[18] Aplanosporen: Nichteigenbewegliche, geißellose Sporen

[19] Kapsel, Sporenkapsel (Moose): Mit der oft sehr komplex gebauten sogenannten Kapsel der Moose, werden Sporangien von zusätzlichen Schichten umschlossen; so bekommt dieses Organ die von Sporangien sie abgrenzende Bezeichnung Kapsel.

[20] Columella (Laubmoose): Domförmige oder Säulenartige Struktur in der Mitte der Mooskapsel

[21] Glomeromycota: Urlandpilze (Multikarya – Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi – Opisthokonta – Eukarya)

[22] Gametophyt: Bildet im Generationswechsel mitotisch, da selbst haploid, haploide Zellen (Gameten); oder nur Kerne, die direkt oder nach einer dikaryotischen Phase zur Karyogamie bestimmt sind

[23] Sporophyt: Bildet im Generationswechsel von Sporophyt zu Gametophyt meiotisch (R!), da selbst diploid (oder dikaryotisch), haploide Sporen

Eingestellt am 21. Februar 2026

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Entwicklungszyklus der Bryophyta (ppt-generiert; Reinhard Agerer)

Zwei konträrgeschlechtliche haploide (n) Sporen keimen mit einem Protonema, an dem junge haploide (n) Gametophyten entstehen.

Nachdem sie eine artspezifische Form und Größe erreichten

Schreiten männliche (mit Antheridien an einer Spitze, rechts; Punkt-Kerne) und weibliche (ein Archegonium an der Spitze, links; n; Kringel-Kern) Gametophyten zur sexuellen Fortpflanzung. Eizelle wie auch die Zellen, aus denen die Spermatozoiden entstehen sind haploid (n), wie die gesamten Gametophyten (n).

Die haploiden (n) Spermatozoiden (Punkt-Kern) werden entweder mit Wassertropfen verspritzt, oder, falls männliche und weibliche Gametophyten nahe beisammenstehen, durch sie verbindende Wassertropfen zum Archegon schwimmen und zur haploiden (n) Eizelle (Kringel-Kern) vordringen.

Nach Plasmogamie (P!) und Karyogamie (K!) entsteht die diploide Zygote (2n; Punkt- in Kringelkern).

Aus den befruchteten diploiden Zygoten wächst der diploide (2n) Sporophyt (braun), der an der Spitze die zunächst noch diploide Sporenkapsel trägt. Das Archegonium wächst eine Zeitlang mit und bedeckt mit seinem oberen Bereich schützend als haploide Haube (Calyptra) die Kapsel. In der Kapsel erfolgt die Meiose (R!) von Sporenmutterzellen; Elateren werden nicht gebildet.

Bei Reife der Sporen wird die Haube (Calyptra) abgeworfen und die haploiden (n) Sporen werden ausgestreut, die durch Auskeinem mit Protonema den Kreislauf wieder beginnen können.

In Kreisform dargestellt, zeigt sich ein Generationswechsel aus haploiden (n) Gametophyten (in männlicher und weiblicher Ausprägung), in deren Gametangien mitotisch haploide (n) Eizelle bzw. haploide (n) Spermatozoide entstehen, die im Archegonium Plasmogamie (P!) und danach anschließend Karyogamie (K!) vollziehen und den diploiden (2n) Sporophyten bilden; durch Meiose (R!) werden Sporen wieder haploid (n).

Eigenem Vorlesungsmanuskript entnommen

In den nachfolgenden acht Abbildungen ist der Entwicklungszyklus einer Powerpoint-Präsentation ähnlich aufgebaut

Eingestellt am 21. Februar 2026

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Zwei konträrgeschlechtliche haploide (n) Sporen keimen mit einem Protonema, an dem junge haploide (n) Gametophyten entstehen.

Nachdem sie eine artspezifische Form und Größe erreichten

Schreiten männliche (mit Antheridien an einer Spitze, rechts; Punkt-Kerne) und weibliche (ein Archegonium an der Spitze, links; n; Kringel-Kern) Gametophyten zur sexuellen Fortpflanzung. Eizelle wie auch die Zellen, aus denen die Spermatozoiden entstehen sind haploid (n), wie die gesamten Gametophyten (n).

Die haploiden (n) Spermatozoiden (Punkt-Kern) werden entweder mit Wassertropfen verspritzt, oder, falls männliche und weibliche Gametophyten nahe beisammenstehen, durch sie verbindende Wassertropfen zum Archegon schwimmen und zur haploiden (n) Eizelle (Kringel-Kern) vordringen.

Nach Plasmogamie (P!) und Karyogamie (K!) entsteht die diploide Zygote (2n; Punkt- in Kringelkern).

Aus den befruchteten diploiden Zygoten wächst der diploide (2n) Sporophyt (braun), der an der Spitze die zunächst noch diploide Sporenkapsel trägt. Das Archegonium wächst eine Zeitlang mit und bedeckt mit seinem oberen Bereich schützend als haploide Haube (Calyptra) die Kapsel. In der Kapsel erfolgt die Meiose (R!) von Sporenmutterzellen; Elateren werden nicht gebildet.

Bei Reife der Sporen wird die Haube (Calyptra) abgeworfen und die haploiden (n) Sporen werden ausgestreut, die durch Auskeinem mit Protonema den Kreislauf wieder beginnen können.

In Kreisform dargestellt, zeigt sich ein Generationswechsel aus haploiden (n) Gametophyten (in männlicher und weiblicher Ausprägung), in deren Gametangien mitotisch haploide (n) Eizelle bzw. haploide (n) Spermatozoide entstehen, die im Archegonium Plasmogamie (P!) und danach anschließend Karyogamie (K!) vollziehen und den diploiden (2n) Sporophyten bilden; durch Meiose (R!) werden Sporen wieder haploid (n).

Eigenem Vorlesungsmanuskript entnommen

Eingestellt am 21. Februar 2026

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Lebenszyklenteile von Marchantiopsida (oben) und Jungermanniopsida (unten links) im Vergleich zum Lebenskreislauf von Bryopsida (unten rechts, Entwicklungskreislauf) (ppt-generiert; Reinhard Agerer)

Marchantiopsida: Kaum entwickelter Sporophyt (Länge der diploiden Kreislinie); mit Perichaetium; mit Elateren

Jungermanniopsida: etwas stärker entwickelter Sporophyt (Länge der diploiden Kreislinie); mit kleiner Seta; ohne Perichaetium; mit Elateren. [Metzgeriales: mit Perichaetium und Elateren]

Bryophyta: mit stark entwickeltem Sporophyt (Länge der diploiden Kreislinie); [mit langer Seta; mit Calyptra; ohne Perichaetium; ohne Elateren]

Eingestellt am 21. Februar 2021

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