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Protracheophyta, Protracheophyten
1 Zwischenform
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Hornpflanze[1] nannten sie, was zwischen Moosen und Eutracheophyta vermittelt:
Formen Sporangien[7] an etwas aufgetriebenen Spitzen des aufrecht dichotomen Systems;
Verzweigen sie aber, was bei anderen Pflanzen[13] noch nie geseh’n.
Andere Merkmale verbinden sie jedoch mit Rhyniophyta[14],
Denn deren verzweigte Systeme wachsen gleichfalls ohne jegliche Schuppe, ohne jegliches Blatt.
Getrennt leben beide von ihren Gametophyten[15]:
Verselbständigt hat sich bereits der Sporophyt[16].
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Fußnoten
[1] Hornpflanze †: Horneophyton lignieri † (Protracheophyta – Tracheophyta – Embryophyta – Streptophyta – Plantae –…)
[2] Tracheiden: Zur Wasserleitung und Festigung gebildete, meist stark verholzte, in axialer Richtung langgestreckte Zellenim Xylem der Leitbündel von Spross, Blättern und Wurzeln.
[3] Wasserleitzellen
[4] Rhizoide: Fadenartige, wurzelähnliche, trichale oder unseptierte Auswüchse zum Festheften von thallösen Pflanzen
[5] Wurzel: Drittes Grundorgan, neben Spross und Blättern, der Eutracheophyta. Sie wächst im Substrat, verfügt über Wurzelhaare und an der wachsenden Spitze über ein Meristem, über der eine Wurzelhaube (Calyptra) liegt; Verzweigungen erfolgen endogen, innerhalb der Endodermis heraus; tragen keine Blätter
[6] Stolonen (allgemein): Ausläufer
[7] Sporangium: Behälter, in dem Sporen asexuell oder sexuell gebildet werden
[8] Laubmoose i.w.S.: Bryophyta (Thallophyta – Embryophyta – Streptophyta – Plantae – Eukarya)
[9] Hornmoose: Anthocerophyta (Thallopyta – Embryophyta – Streptophyta – Plantae – Eukarya)
[10] Columella (Laubmoose): Domförmige oder Säulenartige Struktur in der Mitte der Mooskapsel
[11] Columella (Hornmoose): Säulenartige, meristematisch immer nachwachsende Struktur in der Mitte der Mooskapsel
[12] Sporangien
[13] Echte Pflanzen: Plantae (Eukarya)
[14] Rhyniophyta †: Rhynienpflanzen † (Tracheophyta – Embryophyta – Streptophyta – Plantae – Eukarya)
[15] Gametophyt: Bildet im Generationswechsel mitotisch, da selbst haploid, haploide Zellen (Gameten); oder nur Kerne, die direkt oder nach einer dikaryotischen Phase zur Karyogamie bestimmt sind
[16] Sporophyt: Bildet im Generationswechsel von Sporophyt zu Gametophyt meiotisch (R!), da selbst diploid (oder dikaryotisch), haploide Sporen
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Horneophyton lignieri
Links: Rekonstruktion des Habitus. – Rechts oben: Verzweigtes Sporangium mit Columella, Öffnung und Sporen. –
Langiophyton mackei
Rechts unten: Vermutlicher Gametophyt von Horneophyton lignieri; distaler Bereich mit Gametangienstand und fingerartigen Fortsätzen mit Archegonien.
Nach Frey & Stech (2009), Fig. 8-1, 1, 2 und 3, Seite 268
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Protracheophyta, Protracheophyten
2 Vom Äußern recht überzeugend
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Dünn nach oben erhebt sich der Zwilling in Dichotomie[1],
Lässt den Bruder, um Raum zu gewinnen am Boden[2],
Teilt sich etwas verjüngend
Etagiert zum Gabelsystem.
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Glatt, ohne jegliche Blättchen
Heben sich verjüngende Enden ellipsoide Sporenbehälter[3] empor,
Gefüllt mit trileten Sporen[4], rauh an der Peripherie;
Warten geduldig, doch niemand wird sie aus der Enge mehr holen,
Denn, verkieselt[5] hüllen sie Sporangienwände
Seit vierhundert Millionen Jahren schon ein.
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Allen der ausgedehnten Gemeinschaft blühte das ähnliche Los
Als sie, von silikatischen[6] Wässern für immer bedeckt,
Ihr Leben, in welcher Phase sie gerade auch standen,
Sich dem Vergessen, hätte sie nicht der glückliche Zufall entdeckt
Inmitten festen Gesteins, ohne Gegenwehr ergaben
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Alles, was Aglaophyten[9] im Leben erstrebten,
Blieb der Nachwelt versteinert präsent:
Beginnend von frei schon liegenden Sporen, zum Keimen bereit,
Aufgebrochene Wände mit ersten Zellen des Gametophyts[10].
Auf die Kernphase[11] lässt sich nur indirekt schließen,
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Antheridien- und Archegonienträger,
Jeder für sich Stolonen entspringend,
Sparen dichotome Verzweigung bis zum letzten sich auf,
Holen dann aber, was sie versäumten, in kurzer Zeit nach:
Entspannen ein Schirmchen, dicht mit Gametenbehältern[14] bestückt,
Recken die Hälse der sich öffnenden Kugeln
Weit dem Regen entgegen und warten
Bis ein Tropfen voll Spermatozoiden[15] das Weibchen beglückt.
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Doch, leider lässt sich‘s nicht mehr ergründen,
Denn der Zygote[16] Schicksal bleibt wohl für immer verschlossen:
War sie später zum Sporengebären bestimmt,
Oder startete hier des Sporophyten[17] Stolon?
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Fußnoten
[1] Dichotom: gegabelt, gabelig
[2] Stolonen (allgemein): Ausläufer
[3] Sporangium: Behälter, in dem Sporen asexuell oder sexuell gebildet werden
[4] Trilet (Sporen, Pollen): Durch dreistrahlige Narbe gekennzeichnet, die an der proximalen Seite entsteht, an der vier Sporen oder Pollen nach der Meiose zusammengepresst blieben, bevor sie sich trennten; repräsentieren die Kontaktstellen der vier Sporen, bzw. Pollen.
[5] Verkieselt: Mit Siliciumdioxid durchdrungen, fossilisiert
[6] Silikat: Mineral aus SiO2 bestehend
[7] Silur-Zeit: Vor etwa 444 – 416 Millionen Jahren
[8] Devon-Zeit: vor etwa 416 – 359 Millionen Jahren
[9] Aglaophyton major †: (Protracheophyta – Tracheophyta – Embryophyta – Streptophyta – Plantae –…)
[10] Gametophyt: Bildet im Generationswechsel mitotisch, da selbst haploid, haploide Zellen (Gameten); oder nur Kerne, die direkt oder nach einer dikaryotischen Phase zur Karyogamie bestimmt sind
[11] Kernphase: haploid (Gametophyt); diploid oder dikaryotisch (Sporophyt)
[12] Archegon, Archegonium (Moose, Farne): Besitzen eine einzellschichtige Wand (Wandzellen) mit schnabelartig ausgezogenem, anfangs mit einer Zellreihe gefülltem Hals (Halskanalzellen), die sich im Zuge der Spermatozoidenanlockung auflösen; auch die Bauchkanalzelle, als Schwesterzelle der Oocyte entstanden, löst sich dann auf.
[13] Antheridium (allgemein): Spermatozoen oder Spermakerne bildender Behälter von Plantae, Fungi und Chromalveolata
[14] Archegonien und Antheridien
[15] Spermatozoide, Spermatozoen, Spermien: Reife, männliche, haploide Keimzellen; Gameten, die im Normalfall zu eigenständiger Bewegung fähig sind
[16] Zygote: Diploide Zelle, die nach der Verschmelzung zweier haploider Kerne, im Zuge der sexuellen Fortpflanzung entstand
[17] Sporophyt: Bildet im Generationswechsel von Sporophyt zu Gametophyt meiotisch (R!), da selbst diploid (oder dikaryotisch), haploide Sporen
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Aglaophyton major
Oben, rechts: Rekonstruktion des fossilen Fundes: Stolonen mit Rhizoiden, Gabelsystem mit Sporangien am terminalen Ende; oben, links: Sporangium; oben, Mitte: Trilete Sporen, die als separate Fossilien einen eigenständigen Namen (Retusotriletes) erhielten, doch offenbar zu Aglaophyton major gehören.
Autor: original: Falconaumanni; derivative work: Peter coxhead
Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license; unverändert
Unten: Aglaophyton major Fossil
Autor: Jonathan Chen
Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license; unverändert
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Protracheophyta, Protracheophyten
3 Ein erster Versuch
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Was blieb ihnen schon anderes über
Als mit einem der beiden Äste als Stolon[1] am Boden zu kriechen?
Wie würden Beikost[2] sonst sie kommen?
Denn aufrechtes Stehen allein
Brächte zwar Luft und Licht in Hülle und Fülle,
Erschöpft wäre bald jedoch der dünnen Saugrhizoiden[3] Kraft.
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Wenn bogig Stolonen den Boden berühren,
Rhizoide ersehnten Kontakt zum Untergrund spüren,
Liegen auch Stomata[4] sicherlich auf,
Finden CO2[5] für der Fotosynthese Verlauf.
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Vielleicht ist es Sauerstoff, der Glomeromycoten[6] verlockt,
In die Tiefe der Höhle[7] zu gehen,
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Rund um die Achse, zur sauberen Lage geordnet,
– Bis hierher und nicht weiter, scheint es Glomites[12] entgegenzutönen –
Nach außen von pilzfreien Zellen begrenzt,
Bis hinauf in senkrechte Äste sich ziehend,
Kolonisieren wohl zu beider Beteiligten Hilfe
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Zentral im Stämmchen erwarten,
Wände recht dünn, mancherorts vielleicht hauchzart netzig verstärkt,
Ihrer fremdbesiedelten Zellen[15] Anzapferfolg,
Ersaugtes regional ab- und weiterzugeben.
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Das Zentrum umhüllend,
Ordnen sich ähnliche Zellen mit einfacher Wand;
Nach außen zu, als innere Nachbarn des Cortex,
Schließen sich, aus ihrer Lage zu folgern, assimilatleitende Zellen[16] an.
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Dem bieten andere, wie zu erwarten, Paroli[19]:
Setzen Aglaophyton deshalb, trotz seiner ausgefeilten Anatomie,
Als einen von vielen Versuchen, das Land zu erobern.
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Fußnoten
[1] Stolonen (allgemein): Ausläufer
[2] Damit sind zusätzliche Nährionen gemeint, die sie nicht über ihre recht kurzen Rhizoide aufnehmen können; Zusätzliches zu liefern, sind symbiontische Pilze, Glomeromycota. in der Lage
[3] Rhizoide: Fadenartige, wurzelähnliche, trichale oder unseptierte Auswüchse zum Festheften von thallösen Pflanzen
[4] Stoma, Stomata, Spaltöffnung(en): Spaltförmige Öffnungen in der Epidermis des Blattes/Stengels zum Gasaustausch (O2, CO2) und zur Abgabe von Wasser (Transpiration)
[5] Bodennah liegt eine erhöhte CO2-Konzentration vor, liefern doch kohlenstoffheterotrophe Mikroorganismen beim Abbau organischen Materials CO2, verbrauchen dafür aber Sauerstoff, der durch Fotosynthese entsteht; als für beide Seiten (Mikroben und Pflanze) ein förderliches Szenario
[6] Glomeromycota: Urlandpilze (Multikarya – Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi – Opisthokonta – Eukarya)
[7] Kammer unterhalb der Spaltöffnung
[8] Interzellularen, Interzellularräume: Zellzwischenräume
[9] Rinde, Cortex (Pflanzen, allgemein): Gewebe der Sprossachse und der Wurzel von Tracheophyta, das außerhalb des Zentralzylinders liegt; Epidermis und Rhizodermis sind davon ausgeschlossen
[10] Arbuskel: Bäumchen, Haustorium der Arbuskulären Mykorrhiza
[11] Rinde
[12] Glomites †: Fossiler Vertreter der Glomales; erstmals nachgewiesen in der Rhynie-Chert
[13] Hyphen (Pilze): Einzellreihige, zellwandumgebene Fäden von Pilzen mit Spitzenwachstum, mit oder ohne Querwände
[14] Aglaophyton major †: (Protracheophyta – Tracheophyta – Embryophyta – Streptophyta – Plantae –…)
[15] Lebende Zellen, in die Hyphen, Arbuskel zu bilden, eingedrungen sind
[16] Ob sie Leptoiden, wie bei Polytrichopsida, oder Phloemzellen, wie bei Eutracheophyta, genannt werden, ist Geschmacksache, denn niemand kennt ihre Form und Struktur.
[17] Tracheiden: Zur Wasserleitung und Festigung gebildete, meist stark verholzte, in axialer Richtung langgestreckte Zellen im Xylem der Leitbündel von Spross, Blättern und Wurzeln.
[18] Stämmchen (Moose): Eine aufrechte oder liegende Achse, die äußerlich einem Spross der Gefäßpflanzen (Tracheophyta) ähnelt, jedoch sich davon grundlegend in Bau und Funktion unterscheidet; deshalb wird bei Moosen lediglich von Stämmchen und nicht von Spross (Stamm) gesprochen.
[19] Paroli bieten: Jemandem oder etwas entschiedenen Widerstand leisten, es mit gleicher oder mit überlegener Kraft es mit ihm aufzunehmen oder sich zu behaupten, ohne nachzugeben
[20] Hydroide (Laubmoose i.e.S.): Gestreckte tote Zellen, im voll entwickelten Zustand ohne Kern und Protoplsma, mit verdickten Längswänden und steilen Querwänden; ohne Lignin.
[21] Laubmoose i.e.S. : Bryophytina (Bryophyta – Thallophyta – Embryophyta – Streptophyta – Plantae –…)
[22] Tracheophyta: Stelenpflanzen i.w.S. (Embryophyta – Streptophyta – Plantae – Eukarya)
[23] Protracheophyta: Protracheophyten (Tracheophyta - Embryophyta – Streptophyta – Plantae – Eukarya)
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Endpunkt erreicht
