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Jungermanniopsida, Foliose Lebermoose
1 Der zweite Weg
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Bandförmig, wenn auch manchmal zur Schnur fast gemagert, im
Untergrund fest mit Rhizoiden[1] verankert,
Liegen ursprüngliche Lebermoose, dem Land erste Grünschimmer schenkend,
Nahe wasserführenden Spalten und Ufern,
Engen Kontakt beständig dazu bewahrend,
Unreifen Böden[2] bauchseitig an.
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Nicht zu Flächen versammelt, nicht zu Ständern gehoben,
Vereinen zartere Zeitgenossen Gametenbehälter[3]!
Setzen auf der Individuen Stärke,
Exponieren Sporenbehälter[4] mit Stielen frei in die Luft.
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Dem zarteren Aufbau geschuldet,
Nur im Zentrum des Bandes schichten sie Zellen zur dickeren Bahn,
Zerklüften sie Ölkörper[5] en miniature,
Bestücken den ganzen Thallus[6] damit.
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Keine Spalten, keine Kammern[7], sind ihnen nötig,
Um Luft an Chloroplasten zu lassen, denn
Dünn genug bleibt ihr Körper
Für der wichtigen Gase Tausch[8].
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Manche zieren ihr Band mit Lappen am Rand,
Buchten bis hin zur Rippe die Kerbungen ein,
Versuchen, die Spitze zu heben,
Was, trotz dreischneidiger Scheitelzelle[9],[10],
Die Zukunftsorientierte erfinden,
Nur selten gelingt.
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Fußnoten
[1] Rhizoide: Fadenartige, wurzelähnliche, trichale oder unseptierte Auswüchse zum Festheften von Thallophyten
[2] Rohböden: Böden, deren Ausgangsmaterial noch kaum verwittert ist
[3] Gametangien: Behälter für Gameten; oder für Zellkerne, die, ohne Gameten zu bilden, dazu bestimmt sind, früher oder später über Karyogamie der sexuellen Fortpflanzung zu dienen
[4] Kapsel, Sporenkapsel (Moose): Mit der sehr komplex gebauten sogenannten Kapsel der Moose, werden Sporangien von zusätzlichen Schichten umschlossen; so bekommt dieses Organ die abgrenzende Bezeichnung Kapsel.
[5] Ölkörper (Jungermanniopsida mit mehreren kleinen Ölkörpern in der Zelle): Enthalten in großer Menge Sesquiterpenoide und andere Verbindungen bei gleichzeitiger Begrenzung ihrer Cytotoxizität
[6] Thallus: Körper von Pflanzen (von Pilzen); nicht in Spross, Blatt und Wurzel gegliedert
[7] Luftkammern (Marchantiopsida): Die lichtzugewandte Oberfläche ist in Kammern aufgeteilt, die mit einer kaminartigen Öffnung Verbindung zur Umwelt herstellen; in den Kammern stehen sekundär aus Echtem Gewebe entstandene Fäden mit größer Oberfläche zur Aufnahme von CO2 und Abgabe von Sauerstoff.
[8] Sauerstoff gegen Kohlendioxid
[9] Scheitelzelle: Eine Zelle am oberen Ende eines Organismus (Plantae, Chromalveolata), die durch ständige Teilung für das Verlängern, Vergrößern, sorgt, weil, davon ausgehend, alle weiteren Zellen entstehen, also von ihr abstammen.
[10] Dreischneidige Scheitelzelle: Die dauernd teilungsaktive Scheitelzelle gibt, wenn dreischneidig, in schraubiger Drittel-Kreis-Folge anfangs keilförmige Zellen ab, von denen alle weiteren Zellen abstammen; Organismen mit solchen Scheitelzellen formen räumliche Vegetationskörper. Ihre Gestalt ähnelt einem Tetraeder, wobei eine Fläche zur Spitze zeigt und die drei verbleibenden Seiten in schraubiger Weise Segmente abgliedern.
Eingestellt am 21. Februar 2026
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