zum Glossar mit Abbildungsverweisen über:

Trentepohliales, Schuppengrünalgen

1 Vorweggenommen

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Was später in Mode wird kommen,

Testen Trentepohliales für sich bereits aus:

Richten für Querwandbildung Mikrotubuli[1]

Nach Mitose[2] nicht quer zum Faden als Filz[3],

Stellen sie vielmehr senkrecht,

So wie die Telophasenpindel[4] orientiert,

Lassen Golgivesikel[5] daran herantransportieren,

Damit sie die Zellplatte bau’n[6].

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Damit verbunden, bleiben Felder winziger Poren

In der fertigen Wand:

Plasmodesmen[7] verlaufen von einer zur anderen Zelle als

Informationsweg für interzelluläre[8] Kommunikation.

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Kinetosomen[9] sind ulvophyceentypisch[10] geordnet,

Bringen jedoch das eigne Design für Mikrotubulibänder[11] mit:

Zumindest für Trentepohlia[12] gilt für die Anzahl beteiligter Mikrotubuli

Ein sechs-vier-sechs-vier-Prinzip;

Wobei eigenartige Säulenhallenkomponenten die Viererbänder unterlagern,

Wie von keinen andern Organismen bis heute bekannt;

Zudem lässt sich keine deutliche kreuzförmige Anordnung erkennen,

Werden doch diese Bänder Kinetosomen entlanggedrückt,

Als Folge der dorsoventral[13] verflachten Schwärmer.

Als besondere Eigenart tragen Flagellen[14] beidseitig einen flügelähnlichen Kiel.

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Trichal[15] organisieren sich Schuppengrünalgen

Mit Trichom[16], das substratanliegend[17] wächst

Und, davon ausgehend, Zweige nach oben entwickelt,

An deren Enden Sporangien[18] entsteh‘n.

Einzelne Arten wachsen zur rundlichen Fläche,

Die sich an den Untergrund schmiegt.

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Chloroplasten[19] liegen parietal[20], bandförmig, einzeln oder

Scheibenförmig und zu Ketten gruppiert;

Gelb bis Tiefrostbraun zeigt sich die Farbe,

Maskiert[21] von unterschiedlichen Carotinoiden[22] und Astaxanthin[23].

Oberflächlich tragen manche Trichome,

Dem Austrocknen Widerstand leistend, Sporopollenin[24].

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Haplo-diplontisch[25] scheint ihr Lebenskreislauf[26],

Doch gesichert ist dies bislang offensichtlich noch nicht.

Feststeht jedoch, einige Zellen der kriechenden Achse bilden

Gametangien[27] mit zweigeißligen Isogameten[28], die,

Durch eine einzige Öffnung den Behälter verlassend,

Zur Zygote[29] sicherlich werden nach Plasmo-[30] und Karyogamie[31].

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Runde Sporangien[32] entsteh‘n an Spitzen aufrechter Äste,

Von hornförmig gebogenen Zellen funktionell unterstützt:

An vorgebildeter Stelle löst sich‘s Sporangium

Und wird von Wind, Wasser oder Insekten[33] auf Reise geschickt.

Unter ausreichend feuchten Bedingungen schlüpfen durch eine Pore

Viergeißlige Schwärmer[34], deren Kern[35] womöglich diploid[36]. –

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Einstmals hatten als Trentepohliophyceae Schuppenalgen Klassenrang inne.

Doch molekularphylogenetische[37] Studien gruppieren sie Ulvophyceen[38] als Ordnung jetzt zu.

Zählen die vielen ultrastrukturellen[39] Eigenheiten wirklich so wenig?

Haben Phragmoplast, Plasmodesmenfelder[40], der Mikrotubulibänder Anordnung und ihr Design,

Dorsiventrale Gestalt der Flagellaten, der Flagellen Kiele, die Säulenhallenstrukturen,

Für der Schuppenalgen hierarchische Stellung weniger Wert als gewisse Sequenzen der DNA? –

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Sechzig Arten etwa umfassen Trentepohliales

Vierzig davon sind als Trentepohlien bekannt,

Leben hauptsächlich subaerial[41] an

Mauern, Balken, Pfosten und Felsengestein. –

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Und wer sich erfreuen will an einer Alge,

Der suche sich einen hellviolettbraun dünn überzogenen Stein[42],

Netze seinen Finger, Speichel würde genügen,

Reibe die vermeintliche Farbe damit,

Halte seine Nase nah an die Stelle und

Genieße den verführerischen Veilchenduft[43].

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Fußnoten

[1] Mikrotubuli: Röhrenförmige Proteinkomplexe innerhalb eukaryotischer Zellen und in Geißeln; Hohlröhren aufgebaut aus den Dimeren α- und β-Tubulinen; funktionieren bei vielen wesentlichen zellulären Prozessen, einschließlich Mitose und Meiose. Mikrotubuli sind gerichtete Strukturen, deren Enden wegen ihrer Polymerisationsrichtung mit plus und minus bezeichnet werden; das α-Tubulin-Ende wird minus-Ende genannt, das β-Tubulin plus-Ende; bilden die Grundlage für das Cytoskelett und spielen eine wichtige Rolle in der Ausbildung der Kernteilungsspindel und im Vesikeltransport.

[2] Mitose, mitotisch, abgekürzt M!: Im Kern mittig in einer Ebene versammelte Chromosomen bildeten je zwei identische Chromatiden, die bei der Mitose durch Mikrotubuli separiert werden und, von einer Zellwand getrennt, als identische Chromosomensätze der entstandenen Zellen wirken

[3] Wie beim Phycoplast: Hilfskonstrukt für die Querwandbildung bei Zellteilung; dazu liegen Mikrotubuli parallel zur Kernteilungsebene in variablen Richtungen ausgerichtet, in deren Zentrum, auf beiden Seiten von Mikrotubuli umgeben, sich die neue Zellwand bildet; nach deren Fertigstellung werden sie wieder aufgelöst.

[4] Telophasenspindel: Spindelförmige Anordnung der Polmikrotubuli während der Telophase

[5] Golgivesikel, Golgicisternen: Vesikel des Golgiapparates, eines Zellorganells, bestehend aus ausgedehnten, meist gestapelten Cisternen, in denen vom ER hergestellte Proteine sortiert und modifiziert werden; schnürt kleine Vesikel ab, die Zellprodukte sammeln, die für andere Zellorganellen bestimmt sind

[6] Phragmoplast: Besteht aus einem Komplex von Mikrotubuli und Actinfilamenten, die mehr oder minder senkrecht zur in der Telophase sich bildenden Querwand verlaufen; entlang der Mikrotubuli werden Golgivesikel transportiert, die zur jungen Zellwand, zur sog. Querplatte verschmelzen, die sich ständig zur Längswand hin erweitert, bis sie daran Anschluss findet; Poren für Plasmodesmen bleiben in Querplatte und Querwand dabei frei.

[7] Plasmodesmen: Zell-zu-Zell-Verbindungen der Pflanzen. Diese cytoplasmatischen Kanäle (von 30 – 40 nm Durchmesser) dienen dem Stoff- und Informationsaustausch zwischen Zellen.

[8] Interzellulär (allgemein): zwischen Zellen

[9] Kinetosom: Basaler Teil der Geißel mit dem centriolentypischen Bau aus 9 × 3 kurzen Mikrotubuli

[10] elf-Uhr- / fünf-Uhr-Stellung: oben links von der Mitte; unten rechts davon

[11] Mikrotubulibänder: Zu geraden oder gebogenen Ebenen einschichtig zusammengefasste Mikrotubuli größerer Zahl

[12] Trentepohlia: Schuppenalgen (Trentepohliales – Ulvophyceae – Chlorophyta – Plantae – Eukarya)

[13] Dorsoventral: vom Rücken zum Bauch hin

[14] Flagellum, Geißel (Eukaryageißel): Charakterisiert durch ihren internen Bau aus 9 peripheren, etwas schräg nach innen gestellten Doppelmikrotubuli (Querschnitt durch die Geißel) und durch ein zentrales Tubulipaar, das etwas Abstand voneinander hält. Dyneinarme verbinden die Mikrotubuli. Die Geißel ist von der Zellmembran umgeben und gefüllt mit Cytosol. Am Übergang der Geißelbasis in den Zellkörper treten spezielle Verstrebungen, Verstärkungen, auf; eine dünne Querplatte (Terminalplatte) trennt oft den untersten, in die Zelle integrierten Teil, der in seiner Struktur einem Centriol entspricht: Es fehlen die beiden zentralen Mikrotubuli und die peripheren Zwillinge wurden zu Drillingen. Die in der Zelle gelegenen Teile der Geißel sind noch durch verwandtschaftsabhängig gestaltete Haltestrukturen verwurzelt.

[15] Trichal (Algen, Pilze, u.a.): Gebaut aus einzellreihigem Faden, wobei jede Zelle funktionell nur einen Zellkern besitzt, n, 2n (oder n+n, Dikaryon, bei Pezizomycotina und Agaricomycotina)

[16] Trichom, Haar, Faden (Gestalt): Fadenförmiger Organismus oder fadenförmiger Teil von Organismen

[17] Substrat: Allgemeine Bezeichnung für feste, unterstützende, tragende oder nährende Substanz

[18] Sporangium: Behälter, in dem Sporen asexuell oder sexuell gebildet werden

[19] Chloroplast (allgemein): Zur Fotosynthese befähigter, grüner Chromatophor

[20] Parietal: an der Wand, der Wand entlang

[21] Maskieren (Pflanzenfarbstoffe): Ein Farbstoff übertönt andere, so dass diese nicht mehr optisch zu erkennen sind

[22] Carotinoide: Carotinoide sind lineare Kohlenwasserstoffe mit vielen konjugierten Doppelbindungen (= benachbarte Kohlenstoffatome sind in wechselnder Abfolge mit einer einfachen und einer Doppelbindung miteinander verknüpft), an deren beiden Enden jeweils ein Kohlenstoffring aus sechs Atomen hängt. Je nach Lage einer Doppelbindung in diesen Sechserringen und ob eine Hydroxylgruppe [–OH] oder andere zusätzliche Gruppen an Sechserringen hängen, werden verschiedene Typen an Carotinoiden unterschieden, die auch in ihrer Färbung voneinander abweichen und somit Licht anderer Wellenlängen aufnehmen können; nicht selten nur als Farbstoff vorhanden.

[23] Astaxanthin:

[24] Sporopollenin: Sporopollenin: Gilt als das widerstandsfähigste organische Material, da es hohen Temperaturen sowie starken Säuren und Basen widersteht. Enzyme können Sporopollenin nicht abbauen. Analysen zeigten ein komplexes ungeordnetes Biopolymer, das hauptsächlich langkettige Fettsäuren, Phenylpropanoide, Phenole und Spuren von Carotinoiden enthält. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Sporopollenin von vielen verschiedenen Vorläufermolekülen gebildet wird, um solche widerstandsfähigen Substanzen zu bilden. Es liegen gute Hinweise vor, dass die chemische Zusammensetzung von Sporopolleninen in Pflanzen nicht identisch ist; es sind eher Substanzen ähnlicher Eigenschaften als konstanter Struktur.

[25] Haplo-Diplontischer Generationswechsel: Wechsel zwischen haploidem Gametophyten und diploidem Sporophyten

[26] Lebenskreislauf, Lebenszyklus, Entwicklungszyklus, Entwicklungskreislauf: Ein Kreislauf (eigentlich ist es eine Schraube, weil immer Neues entsteht, das zwar dem Anfänglichen gleicht, doch zeitlich später kommt), in dem sexuelle Fortpflanzung erfolgt. Zusätzlich kann noch in regelmäßigem Wechsel eine Phase der asexuellen Vermehrung eingeschlossen sein.

[27] Gametangien: Behälter für Gameten; oder für Zellkerne, die, ohne Gameten zu bilden, dazu bestimmt sind, früher oder später über Karyogamie der sexuellen Fortpflanzung zu dienen

[28] Isogameten: Gleichgestaltete „weibliche“ und „männliche“ Gameten; man spricht stattdessen besser von (+)- und (–)-Gameten oder von α- und β-Gameten

[29] Zygote: Diploide Zelle, die nach der Verschmelzung zweier haploider Kerne, im Zuge der sexuellen Fortpflanzung entstand

[30] Plasmogamie: Verschmelzung der Protoplasten zweier Zellen im Zuge sexueller Fortpflanzung; abgekürzt P!

[31] Karyogamie: Verschmelzung zweier haploider Zellkerne; abgekürzt K!

[32] Zoosporangium: Sporangium für Zoosporen

[33] Insekten: Hexapoda (Tetraconata – Mandibulata – Arthropoda – Panarthropoda – Ecdysozoa –…)

[34] Schwärmer, Zoid: Allgemeiner Ausdruck für begeißelte, bewegliche Zellen (Zoospore oder Gamet)

[35] Zellkern

[36] Diploid: Zellkerne mit doppeltem Satz zusammenpassender, homologer, Chromosomen; ausgedrückt mit 2n

[37] Molekularphylogenie: Auf Molekülähnlichkeiten (meistens von DNA, doch mitunter auch von Proteinen) basierende Schlüsse bezüglich Stammesgeschichte bzw. Verwandtschaftslinien von Organismen

[38] Ulvophyceae: Meersalatartige (Chlorophyta – Plantae – Eukarya)

[39] Ultrastruktur: Merkmale, die nur mit Elektronenmikroskopen [Durchlicht- oder Auflichtelektronenmikroskop (Transmissionselektronenmikroskop oder Rasterelektronenmikroskop, TEM oder REM)] erkannt werden können

[40] Plasmodesmenfelder: Plasmodesmen sind nicht gleichmäßig verteilt, sondern zu separaten Bereichen mit dichterer Anordnung zusammengefasst

[41] Subaerial (Algen): Über dem Erdboden, an feuchten Stellen (Borke, Holzbalken, Felsen, Mauern) wachsende Algen

[42] Trentepohlia iolithus: Veilchenduft-Schuppengrünalge (Trentepohliales – Ulvophyceae – Chlorophyta – Plantae – Eukarya)

[43] Viola odorata: März-Veilchen (Violaceae – Malpighiales – MaCelOx-Verwandtschaft – Rosanae – Rosidae –…)

Eingestellt am 21. Februar 2026

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Astaxanthin (ppt-generiert; Reinhard Agerer)

Ein rotes Xanthophyll mit sehr vielen konjugierten Doppelbindungen, wird doch ihre Serie durch den doppelbindigen Sauerstoff am 6C-Ring beidseits verlängert. Es gilt daher als starker UV-Fänger und somit als Schutzpigment.

Grau: Kohlenstoff; rot: Sauerstoff; violett: Wasserstoff; dünne grüne Linie: Einfachbindung; dicke grüne Linie: Doppelbindung

Eingestellt am 21. Februar 2026

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Oben: Trentepohlia aurea

Autor: Bernd Haynold

Lizenz: GNU Free Documentation License; unverändert

Unten: Trentepohlia iolithus

Autor: SiberianJay

Eingestellt am 21. Februar 2026

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Endpunkt erreicht