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Bryopsida, Birnmoosartige i.w.S.
1 Von der Kugel zur Walze
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Hält sich aber, wenn sich der Sprössling dem Wind präsentiert, vornehm zurück,
Überlässt ihm Konstruktion und Durchführen der Pläne,
Denn ihm wurden in doppelter Weise Informationen[3] zuteil.
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Eingehüllt von oben bis unten,
Dehnt des Sporophyten Gewebe des Archegoniums[4] Bauch.
Wohl fühlend, er bliebe ihm lange erhalten,
Biegt er die Hülle zurecht, wie er sie braucht.
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Sich streckend und weitend,
Da reißt die Bedeckung um ihn herum:
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Als Form dient die Haube
Für des Sporangiums[9] vorderes Ende:
Es wächst zum rundlichen Deckel mit Spitze sich aus,
Krönt Columella[10] damit und Kapselwand.
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Die Columella, bis ans Runddach führend, spaltet
Zwischen ihr und der Wand einen hängenden Sack[11] mit einschichtiger Hülle
Aus dem anfangs kompakten Gewebe,
Bestimmt seinen Inhalt zur Bildung von Sporen en masse.
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Warum Bryla[12] den Sack von der Wandung dann trennte,
Ihn mit Fäden[13] im Leerraum verspannte und
Ob sie schon von Anfang an dies so plante,
Bleibt ihr Geheimnis, seit sie verschwand. –
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Gerade am Rand, wo die Haube der Wandung aufliegt,
Muss die Kapsel von der Kugel zur Walze sich ändern,
Um dem Behälter, wenn reif seine Sporen,
Freiheit zum Öffnen zu geben.
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War es die Kapsel, war es die Haube, die damit begann,
Der Calyptra Trennung zu planen?
Am Rande des deckelartigen Dachs verschleimen rundum die Zellen
Und kurz nach der Haube fliegt auch der Deckel davon.
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Ein tiefer Hohlzylinderbeutel, an Columella und Wandung mit Fäden fixiert,
Hängt, das Selbständigwerden der Sporen erwartend,
In den Hohlraum der Kapsel bis an den Grund,
Fast zum Bersten gefüllt.
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Ein wenig schwingt und zittert die Seta,
Schwer mit der Kapsel belastet, im Wind;
Verstreut, so wie schon immer sie es gewollt, einen Teil der Sporen,
Doch viel zu groß ist der Rest, der im Beutel noch liegt.
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Der Seta knapp unter der Kapsel einen Knick zu verpassen,
Darauf kamen die Urenkel erst!
Sie gaben, mit vollem Risiko freilich,
Den ganzen Inhalt auf einmal dem Wind.
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Sollten bald aber erleben,
Bevor auch sie wieder verschwanden,
Dass, Alles auf nur einen Vorgang zu setzen,
Sich selten, meist überhaupt nicht lohnt.
Ihre Nachfahren, die heute noch vielfältig leben, waren viel klüger,
Sie erkannten der Risikostreuung[14] hohes Gewinnpotential.
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Fußnoten
[1] Gametophyt: Bildet im Generationswechsel mitotisch, da selbst haploid, haploide Zellen (Gameten); oder nur Kerne, die direkt oder nach einer dikaryotischen Phase zur Karyogamie bestimmt sind
[2] Sporophyt: Bildet im Generationswechsel von Sporophyt zu Gametophyt meiotisch (R!), da selbst diploid (oder dikaryotisch), haploide Sporen
[3] Wegen seiner Diploidie
[4] Archegon, Archegonium (Moose, Farne): Besitzen eine einzellschichtige Wand (Wandzellen) mit schnabelartig ausgezogenem, anfangs mit einer Zellreihe gefülltem Hals (Halskanalzellen), die sich im Zuge der Spermatozoidenanlockung auflösen; auch die Bauchkanalzelle, als Schwesterzelle der Oocyte entstanden, löst sich dann auf.
[5] Kapsel, Sporenkapsel, Mooskapsel (Moose): Mit der oft sehr komplex gebauten sogenannten Kapsel der Moose, werden Sporangien von zusätzlichen Schichten umschlossen; so bekommt dieses Organ die von Sporangien sie abgrenzende Bezeichnung Kapsel.
[6] Seta (Moose): Basaler, langgestreckter Teil des Sporophyten, der die Mooskapsel aus dem zunächst noch schützenden Bauch des Archegons und evtl. aus noch zusätzlichen Hüllen in die Umwelt streckt
[7] Calyptra (Bryophyta): Vom Archegon stammende, daher haploide Haube der diploiden Sporenkapsel
[8] Untere Archegonienwand
[9] Kapsel
[10] Columella (Laubmoose): Domförmige oder Säulenartige Struktur in der Mitte der Mooskapsel
[11] Sporangium: Behälter, in dem Sporen asexuell oder sexuell gebildet werden
[12] Bryla: Bezeichnung für einen hypothetischen Vorfahren der Bryophyta
[13] Trichom (Anatomie): Einzellreihiger Faden oder einzellreihiges Haar
[14] Risikominimieren, Risikostreuen: Ein entscheidendes Prinzip der Evolution. Um Verluste an möglichen Nachkommen möglichst zu reduzieren, haben sich erfolgversprechende Strategien entwickelt; z. B. Risikostreuen, was bedeutet, nicht alles auf eine Karte zu setzen, nicht alle Sporen, Samen oder Früchte, auf einmal reifen zu lassen und in einem Schub zu verbreiten. Zeitliche Streuung z. B. erhöht die Wahrscheinlichkeit, günstige Zeiten für die Verbreitung durch Vektoren zu treffen, oder Perioden für günstiges Wachstum oder fürs Überleben, etc. Freilich wird dabei während eines Zeitpunktes die Menge der Verbreitungseinheiten geringer, doch am Ende wird sich diese Strategie evolutiv für den Organismus lohnen. Wenn aber Organismen fürs Wachstum auf zeitlich beschränktes Vorkommen günstiger Bedingungen angewiesen sind, wird eine explosionsartige Vermehrung die günstigste Lösung sein; in diesem Zusammenhang sind dann schnell reagierende Nebenfruchtformen mit ihren asexuell entstandenen Verbreitungseinheiten von Vorteil, z. B. dann, wenn ein Substrat (Stärke, Zucker, Partner eines Symbionten, Wirt eines Parasiten) stark umworben ist oder nur kurzzeitig zur Verfügung steht. Dieses Risikostreuen ist vergleichbar mit der Risikominimierung, die Aktieninhaber anwenden, wenn sie unterschiedlichste Aktien in ihrem Portfolio sammeln.
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Mooskapsel von Funaria hygrometrica, Mittiger Längsschnitt und Ausschnitt aus assimilatorischem Gewebe (unten rechts); (Tusche, Kreide; Reinhard Agerer)
Nur sporophytisches Gewebe dargestellt; Calyptra des Gametophyten nicht einbezogen.
Von oben nach unten: Einzellschichtiger Deckel der Sporenkapsel (hellbraun); darunter Peristomzähne (dunkelbraun), später kollabierendes Gewebe (moosgrün), das bei Polytrichopsida zum Epiphragma wird; daran schließt sich die Columella; Unterhalb des Deckelrands Anuluszellen (grau); Columella seitlich umgeben von einzellreihiger sporogener Gewebeschicht, möglicherweise schon als Sporenmutterzellen (gelb) [der hier nach außen hin dargestellte Spalt ist ein Präparationsartefakt; die sporogene Gewebeschicht müsste unmittelbar an das seitliche, assimilatorische Gewebe (grün) anschließen; übernommen aus der angegebenen Literatur]; Columella und sporogenes Gewebe umgeben von assimilatorischem Gewebe (grün), das rund um die Columella zu sogenannten Haltefäden (Trichome, grün) aufgespreizt ist und große Interzellularen (grau) bildet und außerdem mit kleinen Interzellularen durchsetzt ist, die sicherlich Anschluss haben an die Interzellularen unterhalb der Spaltöffnungen; vergleiche Bild unten rechts; Spaltöffnungen nur im unteren Drittel der Mooskapsel; assimilatorisches Gewebe (grün) reicht nur hier bis an die Epidermis heran; Mooskapsel umgeben von der einzellschichtigen Epidermis; die Kapsel mündet unten in die Seta.
Nach Strasburger (2008), Abb. 10-144, A und B, Seite 759
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Bryopsida, Birnmoosartige i.w.S.
2 Zähne zeigen
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Wer alles im Leben auf eine einzige Karte nur setzt,
Darf sich nicht wundern, wenn er Alles verliert und nichts gewinnt;
Wer mit Risiko rechnet, lieber wenige, jedoch mehrfach Belohnungen nimmt,
Steht auf der sicheren Seite, leidet bestimmt keine Not[1].
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Wer heute als Bänker diesen Grundsätzen folgt,
Übernimmt, ohne zu wissen, ein uraltes evolutives Prinzip,
Dem viele Geschöpfe heute noch folgen,
Weil es ihnen Geheimrezept ist. –
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Moose waren nicht die Ersten, die einen Vorteil darin erkannten,
Doch sie perfektionierten allmählich diese Methode:
Neigen sich, an den Spitzen flächig vereint,
Zum schlitzporigen Gitter zusammen[4],
Um als streuende Büchse, Windstößen folgend,
Dem kleineren Teil des Saatguts[5] den Weg in die Freiheit zu bahnen,
Bis sie nach und nach geleert bis auf den tiefsten Grund.
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Unter dem Deckel, in der Kuppel der Kapsel,
Steuert Polycana[6] der Zellwände Bau:
Vom Rand des Einschichtgewölbes[7] beginnend, bis ins Zentrum hinein
Verstärkt sie jede zur Kuppel konzentrisch liegende Wand,
Nimmt auch die inneren Seiten noch großzügig mit,
Lässt die Begrenzung nach außen-oben allerdings dünn.
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Durch Trocknen verlieren die Zahnzellen Wasser,
Ziehen, unverdickte Wände nach innenzu dellend,
Gemeinsam ihr dünnes zentrales Häutchen nach unten,
Spreizen, dem immer größer werdenden Radius folgend,
Benachbarte Zähne zum Spalt auseinander,
Geben Ausgänge somit für Sporen zwangsläufig frei.
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Füllen bei Regen die Zellen sich wieder,
Wölbt sich die Zahnkuppel[8] wieder zum steileren Dach,
Schließt die Öffnungen für eine Weile,
Sperrt die Verbliebenen ein. –
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Bryla[9] fährt eine andere Tour!
Konstruiert doppelt konzentrische Kreise von Zähnen[10]
– Auch einen einzigen nur, den äußeren Kreis[11],
Doch mehrfach konzentrische Ringe sind ihr ebenfalls recht –
Nimmt aber nicht die ganzen Zellen,
Begnügt sich mit Teilen von Wänden dafür:
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Zwei benachbarte Zellschichten, Nummer vier und fünf, braucht der äußere Kreis,
Um die Zähne, zur Spitze der Kuppel gerichtet,
Hygroskopisch[12] beweglich zu formen:
Nimmt die gemeinsame Zellwand der beiden zum Ziel,
Verdickt sie bis hin zur letzten Zelle, bis hin zur Spitze des Zahns,
Zerstört zwischenliegende, dünne Gebiete.
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Der innere Kreis beansprucht Zellschichtnummern fünf und sechs,
Um Zähne, auch Filamente dünn wie Haare des Pinsels, zu bilden:
Radiale, recht schräg stehende Wände der fünften und sechsten Lage werden
Bis hin zum Zentrum der Kuppel, bis hin zur letzten Zelle, verdickt,
– Nicht tangentiale, wie für den äußeren Kreis –
Daneben verstärkt sie, über alle Zellen der beiden Schichten hinweg,
Geschickt gewählte, tangentiale Partien der Wände,
Mit langen, von der Basis des Zahns bis hin zur Spitze sich streckende Spangen,
Gibt alles Übrige preis dem Verfall,
Stellt Haare und Zähne für hygroskopisch bedingte Bewegungen frei.
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Kein feststehendes Gitter liegt Filamenten und Zähnen im Sinn!
Sie biegen sich, wenn der Deckel gefallen,
Und Wasser sie nicht mehr behindert,
Leicht nach außen und geben den fliehenden Sporen Raum;
Decken den Sack wieder zu,
Wenn Regen ihr Streuen erschwert.
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Fußnoten
[1] Risikominimieren, Risikostreuen: Ein entscheidendes Prinzip der Evolution. Um Verluste an möglichen Nachkommen möglichst zu reduzieren, haben sich erfolgversprechende Strategien entwickelt; z. B. Risikostreuen, was bedeutet, nicht alles auf eine Karte zu setzen, nicht alle Sporen, Samen oder Früchte, auf einmal reifen zu lassen und in einem Schub zu verbreiten. Zeitliche Streuung z. B. erhöht die Wahrscheinlichkeit, günstige Zeiten für die Verbreitung durch Vektoren zu treffen, oder Perioden für günstiges Wachstum oder fürs Überleben, etc. Freilich wird dabei während eines Zeitpunktes die Menge der Verbreitungseinheiten geringer, doch am Ende wird sich diese Strategie evolutiv für den Organismus lohnen. Wenn aber Organismen fürs Wachstum auf zeitlich beschränktes Vorkommen günstiger Bedingungen angewiesen sind, wird eine explosionsartige Vermehrung die günstigste Lösung sein; in diesem Zusammenhang sind dann schnell reagierende Nebenfruchtformen mit ihren asexuell entstandenen Verbreitungseinheiten von Vorteil, z. B. dann, wenn ein Substrat (Stärke, Zucker, Partner eines Symbionten, Wirt eines Parasiten) stark umworben ist oder nur kurzzeitig zur Verfügung steht. Dieses Risikostreuen ist vergleichbar mit der Risikominimierung, die Aktieninhaber anwenden, wenn sie unterschiedlichste Aktien in ihrem Portfolio sammeln.
[2] Peristomzähne (Moose i.e.S.): Zähne des Peristoms
[3] Deckel (Moose i.e.S.): Deckelartige, einzellschichtige Struktur, die den Sporenraum anfangs verschließt, zur Sporenbefreiung aber abgeworfen wird.
[4] Bei Polytrichopsida: Frauenhaarmoose i.w.S. (Bryophytina – Bryophyta – Thallophyta – Embryophyta – Streptophyta –…)
[5] Sporen
[6] Polycana: Bezeichnung für hypothetischen Vorfahren der Polytrichopsida
[7] Kapseldeckel (Moose i.e.S.): Deckelartige, einzellschichtige Struktur, die den Sporenraum anfangs verschließt, zur Sporenbefreiung aber abgeworfen wird.
[8] Peristom (Lauboose i.e.S.): Zahnkranz um die Öffnung der Laubmooskapsel; kann aus 4, 16, 32 oder 64 Peristomzähnen bestehen, oder auch reduziert sein oder ganz fehlen; die Zähne sind meist hygroskopisch beweglich und dienen zur Regulierung der Sporenfreisetzung
[9] Bryla: Bezeichnung für hypothetischen Vorfahren der Bryophyta
[10] Diplolepid (Moose i.e.S.): mit doppeltem Peristom
[11] Haplolepid (Moose i.e.S.): mit einfachem Peristom
[12] Hygroskopische Bewegung: Durch Quellung bzw. Austrocknung von Pflanzen- oder Pilzstrukturen entstehende Krümmungsbewegungen, grundgelegt durch asymmetrische Wandschichtungen; sind nur auf physikalische Prozesse zurückzuführen, ohne Beteiligung lebender Zellen.
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Laubmoose i.e.S.: Entwicklung des doppelten Peristoms von Funaria hygrometrica, mittiger Längsschnitt (Tusche, Kreide, Bleistift; Reinhard Agerer)
Von Links: Wandverdickte Epidermis (dunkelbraun, Zellwand bogig geschichtet) mit festerer äußerer Begrenzung (einheitlich dunkelbraun); Abrissstelle des Deckels (Pfeilkopf) mit verschleimenden Anuluszellen (grau); nach innen zu äußerer Peristomkreis (ein Peristomzahn gezeigt, mittelbraun, zweischichtig, verdickte Zellwände der inneren Zelllage des Zahns bogig geschichtet; verdickte Zellwände der inneren Zelllage des Zahns, radial strukturiert); weiter nach innen zu innerer Peristomkreis (ein Peristomzahn gezeigt, hellbraun), nur die äußere Zellwand seiner Zelllage verdickend; anschließend undifferenziertes Gewebe; nach unten zu: leiterartig gestaltete, verdickte Zellen (rötlichbraun), Widerlager des Peristoms; assimilatorisches Gewebe (grün); Interzellularen (gräulich); Sporenmutterzellen (gelb).
Nach Strasburger (2008), Abb. 10-145A, S. 760
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Laubmoose i.e.S.: Entwicklung des doppelten Peristoms von Rhizomnium punctatum, Querschnitt durch die Peristomzone (Tusche, Kreide, Bleistift; Reinhard Agerer)
Von Links nach innen: Zellwandverdickter Deckel (dunkelbraun); undifferenziertes Gewebe; äußerer Peristomkreis (dreieinhalb Peristomzähne gezeigt, mittelbraun, zweischichtig, verdickte Zellwände der inneren Zelllage des Zahns in dieser Ansicht ungeschichtet; verdickte Zellwände der inneren Zelllage des Zahns, radial strukturiert); weiter nach innen zu innerer Peristomkreis (acht Peristomzähne gezeigt, hellbraun, dazu noch neun fädige Zähne (Dreiecke), nur die äußeren schräg radial gerichteten Zellwände ihrer Zelllage verdickend; anschließend undifferenziertes Gewebe.
Nach Strasburger (2008), Abb. 10-145 B, Seite 760
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Peristome verschiedener Moose (Tusche, Bleistift, Kreide; Reinhard Agerer)
Oben: Haplolepid, einfaches Peristom von Dicranella heteromalla (Dicranales). – Mitte Diplolepid, doppeltes Peristom von Orthotrichum hortoniae (Orthotrichales). – Unten: Atrichum undulatum (Polytrichales)
Nach Frey & Stech (2009), Fig. 5-7, 5, 7 und 1 (von oben nach unten gezeicht); nach SEM-Aufnahmen.
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Bryopsida, Birnmoosartige i.w.S.
3 Kaum zu glauben?
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Auch wenn vorhandene Pläne für sie noch nicht galten,
Asymmetrisches Lagern von Zellwandglucanen[3]
Zuvor als Programm längstens besitzen.
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Ort und Menge stabilisierender Schichten
Blieben sicher für lange Zeit ein ungelöstes Problem.
Ahnen waren daher, wie konnte es anders gescheh’n,
Bereit für Versuche der ständig gestaltungswilligen Evolution[4].
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Doch woran misst sich der Wert eines neuen Konzepts?
Indirekt nur
An der Zahl dem Wind übergebener Sporen.
Entscheidend jedoch
Erweist sich erfolgreicher Nachkommen Zahl,
Jener lebenden Sprösslinge also,
Die Konkurrenten verdrängen und
Weite Areale[5] rascher als alle andern besiedeln.
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Schwingen leichter, Sporen zu streuen im Wind,
Übergeben die Saat[8] dort herrschenden Luftturbulenzen mit weitreichender Wirkung:
Fliegen, den Wirbeln willenlos folgend, auf und davon.
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Wie Kumuluswolken[9] zieh‘n sie in kleinen Portionen
Und landen, zu schwer der Strömung geworden,
Irgendwo, ohne Einfluss darauf:
Nahe am Ufer, im Wasser, auf gutem oder auf steinigem Land,
Bestimmt nicht vermeidbar,
Auch mitten in grünen Polstern von Moos[10].
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Wer alles auf eine Karte nur setzt,
Seine Sporen auf einmal befreit, in der Nähe vielleicht nur verstreut,
Baut deswegen meist nur auf Sand;
Doch, wer auf Flugbedingungen achtend, sein Risiko streut[11],
Erntet Erfolg und Fitness[12] im Sinne der Nachkommen Zahl,
Zumindest auf längere Sicht. –
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Bis zum finalen Produkt gedanklich zu folgen.
Denn ohnehin weiß niemand so recht,
Ob einzelne Schritte sich damals ergänzten,
Oder wenige, plötzliche Sprünge entscheidende Vorteile brachten,
Und relativ schnell zum finalen Erscheinungsbild führten.
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Wo blieben der Zahnkranzträger[15] unverzichtbare Ahnen,
Denn ohne ihr Wirken wären die Heutigen nicht existent?
Erst an Fossilen der späten Kreidezeit[16] lassen sich Peristome erkennen.
Für ehere Zeiten liegen Gametophyten lediglich vor,
Im Perm[19] dagegen liegen sie häufig.
Undankbar erwiesen sich, wie es scheint, frühe Zahnkranzträger,
Verdrängten die Ahnen ohne jegliche Spur.
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Fußnoten
[1] Polycana: Bezeichnung für hypothetischen Vorfahren der Polytrichopsida
[2] Bryla: Bezeichnung für hypothetischen Vorfahren der Bryophyta
[3] Glucane: Generelle Bezeichnung für aus Zuckern entstandene Substanzen
[4] Evolution: Stammesgeschichtliche Entwicklung von niederen zu weiterentwickelten (zu oft höheren) Formen des Lebendigen
[5] Areal, Verbreitungsgebiet: Jenes Gebiet (oder mehrere Gebiete) der Erdoberfläche, in dem eine bestimmte Organismenart lebt und durch Beobachtungen festgestellt wurde
[6] Kapsel, Sporenkapsel, Mooskapsel (Moose): Mit der oft sehr komplex gebauten sogenannten Kapsel der Moose, werden Sporangien von zusätzlichen Schichten umschlossen; so bekommt dieses Organ die von Sporangien sie abgrenzende Bezeichnung Kapsel.
[7] Seta (Moose): Basaler, langgestreckter Teil des Sporophyten, der die Mooskapsel aus dem zunächst noch schützenden Bauch des Archegons und evtl. aus noch zusätzlichen Hüllen in die Umwelt streckt
[8] Sporen
[9] Kumuluswolken: Dichte, scharf abgegrenzte Wasserwolken, die in Form von blumenkohlähnlichen Türmen oder Kuppeln mit einer flachen Unterseite und leuchtend weißen, von der Sonne beschienenen Spitzen in den Himmel wachsen und typicherweise auf schönes Wetter hindeuten
[10] Moospolster: polsterartige, dichte Ansammlung von Moospflänzchen einer Art
[11] Risikominimieren, Risikostreuen: Ein entscheidendes Prinzip der Evolution. Um Verluste an möglichen Nachkommen möglichst zu reduzieren, haben sich erfolgversprechende Strategien entwickelt; z. B. Risikostreuen, was bedeutet, nicht alles auf eine Karte zu setzen, nicht alle Sporen, Samen oder Früchte, auf einmal reifen zu lassen und in einem Schub zu verbreiten. Zeitliche Streuung z. B. erhöht die Wahrscheinlichkeit, günstige Zeiten für die Verbreitung durch Vektoren zu treffen, oder Perioden für günstiges Wachstum oder fürs Überleben, etc. Freilich wird dabei während eines Zeitpunktes die Menge der Verbreitungseinheiten geringer, doch am Ende wird sich diese Strategie evolutiv für den Organismus lohnen. Wenn aber Organismen fürs Wachstum auf zeitlich beschränktes Vorkommen günstiger Bedingungen angewiesen sind, wird eine explosionsartige Vermehrung die günstigste Lösung sein; in diesem Zusammenhang sind dann schnell reagierende Nebenfruchtformen mit ihren asexuell entstandenen Verbreitungseinheiten von Vorteil, z. B. dann, wenn ein Substrat (Stärke, Zucker, Partner eines Symbionten, Wirt eines Parasiten) stark umworben ist oder nur kurzzeitig zur Verfügung steht. Dieses Risikostreuen ist vergleichbar mit der Risikominimierung, die Aktieninhaber anwenden, wenn sie unterschiedlichste Aktien in ihrem Portfolio sammeln.
[12] Fitness (biologische): Je mehr nachkommenerzeugende Nachkommen entstehen, umso fitter ist ein Organismus
[13] Haplolepid (Moose i.e.S.): mit einfachem Peristom
[14] Peristomzähne (Moose i.e.S.): Zähne des Peristoms
[15] Peristom (Lauboose i.e.S.): Zahnkranz um die Öffnung der Laubmooskapsel; kann aus 4, 16, 32 oder 64 Peristomzähnen bestehen, oder auch reduziert sein oder ganz fehlen; die Zähne sind meist hygroskopisch beweglich und dienen zur Regulierung der Sporenfreisetzung
[16] Oberkreide-Zeit: vor ca. 100 – 66 Millionen Jahren
[17] Karbon-Zeit (Carbon-Zeit, Steinkohlezeit): Vor 359 – 299 Millionen Jahren
[18] Muscites plumatus (†): Bryophyta (Thallophyta – Embryophyta – Streptophyta – Plantae – Eukarya)
[19] Perm-Zeit: vor etwa 299 – 251 Millionen Jahren
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Bryopsida, Birnmoosartige i.w.S.
4 Gut gerüstet
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Was kann uns jetzt den Weg noch versperren,
Uns daran hindern, jedes Stück Land
Mit Sporen dicht zu belegen?
Wir streuen, wenn günstig der Wind für den Flug,
Füllen, den Ahnen sei es gedankt,
Mit nichts als Sporen die Wiege der Saat[1],[2].
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Wenn auch bedürftig so mancher Reform,
CO2 umweht die Zuckerfabriken so oder so.
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Doch sind wir wirklich gerüstet,
Wasserarmt vieler uns winkender Nischen[7] wirksam zu trotzen,
Den Verlust zu verhindern einmal gebundener Feuchte,
Wenn Hitze und trockene Winde bringen, was lebt, den Tod?
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Nichts kann uns mehr halten, denn tief im Innern verborgen,
In Tausenden Genen, in Milliarden von Kernen verpackt,
Hortet unsere Sippe Ideen
Zur Lösung fast jedes Problems!
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Lasst uns einfach den Weg beginnen.
Wir werden geeignetes Neuland schon finden,
Vielleicht nicht jede Herausforderung meistern,
Doch viele von ihnen besteh’n.
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Fußnoten
[1] Mooskapsel, Kapsel, Sporenkapsel (Moose): Mit der oft sehr komplex gebauten sogenannten Kapsel der Moose, werden Sporangien von zusätzlichen Schichten umschlossen; so bekommt dieses Organ die von Sporangien sie abgrenzende Bezeichnung Kapsel.
[2] Sporen, keine Elateren
[3] Hydroide (Laubmoose i.e.S.): Gestreckte tote Zellen, im voll entwickelten Zustand ohne Kern und Protoplasma, mit verdickten Längswänden und steilen Querwänden; ohne Lignin.
[4] Stämmchen (Moose): Eine aufrechte oder liegende Achse, die äußerlich einem Spross der Gefäßpflanzen (Tracheophyta) ähnelt, jedoch sich davon grundlegend in Bau und Funktion unterscheidet; deshalb wird bei Moosen lediglich von Stämmchen und nicht von Spross (Stamm) gesprochen.
[5] Blättchen (Moose): Ein blattartiges, flächiges Organ, das äußerlich einem Blatt der Gefäßpflanzen (Tracheophyta) ähnelt, jedoch sich davon im Bau grundlegend unterscheidet; deshalb wird bei Moosen lediglich von Blättchen und nicht von Blatt gesprochen.
[6] Nährionen: Ionen, die für die Ernährung von Organismen von Bedeutung sind
[7] Nischen (ökologische): Meist begrenzte Gebiete mit ziemlich einheitlichen Lebensbedingungen; durch spezifische abiotische und biotische Faktoren bestimmt
Eingestellt am 21. Februar 2026
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