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Jungermanniidae, Jungermannmoose i.w.S.
1 Blättchen an Blättchen
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Der Jungermanniidae Schwestern,
Nach Metzger sind sie benannt[1],
Verzieren sich, kein Mensch weiß warum,
Mit Haaren an ihrem Rand.
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Einzelne Zellen, der Epidermis[2] entspringend,
Richten sie vorwitzig steif nach außen,
Dünn, nur ein einziges Glied in der Breite[3];
Ragen zum Austausch der Gase[4] frei in die Luft.
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Schleimgeschützt, Papillen[5] sorgen dafür,
Ist fehlende Feuchte für sie kein Problem,
Ersetzen auch, was Marchantia[6] so vorteilhaft hatte,
In Kammern gespeicherte Luft[7].
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Was machen Jungermanniidae mit dieser Potenz,
Die beider Ahnen bestimmt eine Möglichkeit war?
Benachbarte Fäden vereinten vielleicht sich zur Fläche,
Was gegebenenfalls sich zu gliedern der Anfang war[8].
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Warum zu Beginn Trichome[9] erst bilden,
Zur Einheit sie nachträglich bringen,
Wenn durch konzertierte Aktion ein
Flächiges Blättchen hervorsprießen kann?
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Ob nun einzelne Haare zusammen dann blieben,
Oder, wie die Wissenschaft heute gut weiß,
Zweispitzig die Blättchen begannen, mit
Separaten meristematischen Zellen[10],
Spielt am Ende nicht die entscheidende Rolle,
Wenn aus einzelnen Teilen, wie auch immer, die Fläche entstand.
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Oft noch erinnern Lebermoosblättchen
Auch heute an ihrer Ahnen Bemüh'n:
Setzen langgezogene Spitzen sich an den Rand,
Oder zerteilen wieder die Fläche bis an den Grund.
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Was wären all diese Blättchen
Ohne ständig wachsende Achse?
Die für Wachstum erkorene Stelle des Gipfels
Schließt sich Modernisierungen an:
Gibt an drei ihrer Seiten Zellen[11] nach hinten,
Verschleimt nach vorne zum Schutz ihre Wand.
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Fußnoten
[1] Metzgeriidae: Igelhaubenmoose (Jungermanniopsida – Marchantiophyta – Thallophyta – Embryophyta – Streptophyta –…)
[2] Epidermis (Plantae): Äußerste, einzelllagige Schicht von Blättern, Stengeln und Blütenorganen; bei Wurzeln wird sie Rhizodermis genannt
[3] Trichal (Algen, Pilze, u.a.): Gebaut aus einzellreihigem Faden, wobei jede Zelle funktionell nur einen Zellkern besitzt, n, 2n (oder n+n, Dikaryon, bei Pezizomycotina und Agaricomycotina)
[4] CO2 gegen O2
[5] Papille: Kleine Hervorwölbung einer Zelle
[6] Marchantia polymorpha: Brunnenlebermoos (Marchantiales; nicht separat behandelt – Marchanitiopsida – Marchantiophyta – Thallophyta – Embryophyta – Streptophyta –…)
[7] Luftkammern (Marchantiopsida): Die lichtzugewandte Oberfläche ist in Kammern aufgeteilt, die mit einer kaminartigen Öffnung Verbindung zur Umwelt herstellen; in den Kammern stehen sekundär aus Echtem Gewebe entstandene Fäden mit größer Oberfläche zur Aufnahme von CO2 und Abgabe von Sauerstoff.
[8] In Blättchen und Stämmchen
[9] Trichom (Anatomie): Einzellreihiger Faden oder einzellreihiges Haar
[10] Scheitelzelle: Eine Zelle am oberen Ende eines Organismus (Plantae, Chromalveolata), die durch ständige Teilung für das Verlängern, Vergrößern, sorgt, weil, davon ausgehend, alle weiteren Zellen entstehen, also von ihr abstammen.
[11] Dreischneidige Scheitelzelle: Die dauernd teilungsaktive Scheitelzelle gibt, wenn dreischneidig, in schraubiger Drittel-Kreis-Folge anfangs keilförmige Zellen ab, von denen alle weiteren Zellen abstammen; Organismen mit solchen Scheitelzellen formen räumliche Vegetationskörper. Ihre Gestalt ähnelt einem Tetraeder, wobei eine Fläche zur Spitze zeigt und die drei verbleibenden Seiten in schraubiger Weise Segmente abgliedern.
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Jungermannia hyalina
Autor: HermannSchachner
Lizenz: Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication; unverändert
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Jungermanniidae, Jungermannmoose i.w.S.
2 Als Folge des Liegens
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Ständig entsteh‘n im Umlauf dreiseitig
Zweiseitig liegen die Flächen[4], links von der Achse und rechts,
Unterbelichtet und klein bleibt die dritte Reihe am Bauch[5].
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Schräg steh‘n sie,
Nur aus einziger Zellschicht gebaut
Der liegenden Achse entlang;
Kennen noch nicht der Blattrippen Bau.
Wozu auch den Aufwand,
Sind die Transportwege doch nicht weit.
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Bedrängender Enge wegen – fürs Liegen steh'n sie zu dicht –
Überlappen die Blättchen partiell ihre Ränder,
Schlichten sich, Wasser zur Basis zu leiten,
Wie Ziegel am Dach[6].
Viele orientier'n sich andersherum[7],
Leiten den Regen zum Bauch:
Unter- und oberschlächtig bezeichnen Bryologen[8] den Bau.
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Zu Anfang lieben auch sie der
Glomeromycoten[9] leitende Hilfe;
Andere Pilze[10] aber
Warten bereits auf angenehmen Empfang.
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Wenn sie später, weit vom Boden entfernt
Ihre Zelte in luftiger Höh‘, an Steinen und lebenden Pflanzen errichten,
Verlieren auch sie die Beziehung zu ihen Symbionten[11],
Finden die Nährstoffe wieder allein.
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Gegen Wasserverlust;
Spielen mit der Haftfädenordnung[14] und
Meiden der Laubmoose[15] kritische Näh‘.
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Sich asexuell[16] zu vermehren,
Bleibt des Gametophyten[17] Daueroption:
Vieles mehr noch steht Wahl.
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Fußnoten
[1] Dreischneidige Scheitelzelle: Die dauernd teilungsaktive Scheitelzelle gibt, wenn dreischneidig, in schraubiger Drittel-Kreis-Folge anfangs keilförmige Zellen ab, von denen alle weiteren Zellen abstammen; Organismen mit solchen Scheitelzellen formen räumliche Vegetationskörper. Ihre Gestalt ähnelt einem Tetraeder, wobei eine Fläche zur Spitze zeigt und die drei verbleibenden Seiten in schraubiger Weise Segmente abgliedern.
[2] Stämmchen (Moose): Eine aufrechte oder liegende Achse, die äußerlich einem Spross der Gefäßpflanzen (Tracheophyta) ähnelt, jedoch sich davon grundlegend in Bau und Funktion unterscheidet; deshalb wird bei Moosen lediglich von Stämmchen und nicht von Spross (Stamm) gesprochen.
[3] Blättchen (Moose): Ein blattartiges, flächiges Organ, das äußerlich einem Blatt der Gefäßpflanzen (Tracheophyta) ähnelt, jedoch sich davon im Bau grundlegend unterscheidet; deshalb wird bei Moosen lediglich von Blättchen und nicht von Blatt gesprochen.
[4] Blättchen
[5] Amphigastrien, Bauchblättchen (Jungermanniidae): Foliose Lebermoose, mit dreischneidiger Scheitelzelle wachsend, bilden scheitelnahe drei Reihen von Blättchen; wachsen die Stämmchen niederliegend, werden zwei Blättchenreihen, je eines rechts und links, flach ausgebreitet, die dritte Reihe, meist sehr kümmerlich entwickelt, liegt damit gegen das Substrat orientiert, gleichsam am Bauch des Pflänzchens.
[6] Unterschlächtige Blättchen (Jungermanniidae): Wird auf ein liegendes Stämmchen von oben Richtung Spitze des Stämmchens geblickt, überlappen die oberen Blättchen mit ihrem unteren Randbereich die oberen Randbereiche der darunter stehenden Blättchen; so wie ein Dach mit Dachziegeln gedeckt ist, dass der Regen abgeleitet wird, und nicht ins Haus eindringen kann.
[7] Oberschlächtige Blättchen (Jungermanniidae): Wird auf ein liegendes Stämmchen von oben Richtung Spitze des Stämmchens geblickt, überlappen die unteren Blättchen mit ihrem oberen Randbereich die unteren Randbereiche der darüberstehenden Blättchen; so wie ein Dach mit Dachziegeln nicht gedeckt ist, weil sonst der Regen ins Haus eindringen könnte.
[8] Bryologen: Experten, die sich mit Moosen beschäftigen
[9] Glomeromycota: Urlandpilze (Multikarya – Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi – Opisthokonta – Eukarya)
[10] Sebacinales: Kalkpilzartige (Sebacinales – Phragmobasidiale Serie – Agaricomycetes – Agaricomycotina – Basidiomycota –…)
[11] Symbionten: Organismen, die wechselseitig zu beiderseitigem Vorteil dem anderen nehmen; auch als wechselseitige Parasiten verstehbar
[12] Archegon (Moose, Farne): Besitzen eine einzellschichtige Wand (Wandzellen) mit schnabelartig ausgezogenem, anfangs mit einer Zellreihe gefülltem Hals (Halskanalzellen), die sich im Zuge der Spermatozoidenanlockung auflösen; auch die Bauchkanalzelle, als Schwesterzelle der Oocyte entstanden, löst sich dann auf.
[13] Sporophyt: Bildet im Generationswechsel von Sporophyt zu Gametophyt meiotisch (R!), da selbst diploid (oder dikaryotisch), haploide Sporen
[14] Rhizoide: Fadenartige, wurzelähnliche, trichale oder unseptierte Auswüchse zum Festheften von Thallophyten
[15] Laubmoose i.w.S.: Bryophyta (Thallophyta – Embryophyta – Streptophyta – Plantae – Eukarya)
[16] Asexuelle Vermehrung: Rein mitotisch bedingte Vermehrung, daher Individuen genetisch identisch
[17] Gametophyt: Bildet im Generationswechsel mitotisch, da selbst haploid, haploide Zellen (Gameten); oder nur Kerne, die direkt oder nach einer dikaryotischen Phase zur Karyogamie bestimmt sind
[18] Stämmchen
[19] Bulbillen: Kleine, kaum oder undifferenzierte, vegetative, also asexuelle, Vermehrungsorgane bei Pflanzen und Pilzen
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Anordnung der Jungermanniidae-Blättchen
Oben (schematische Darstellung; Pfeile: Wuchsrichtung der Stämmchen): Unterschlächtige Blättchen: Wird auf ein liegendes Stämmchen von oben Richtung Spitze des Stämmchens geblickt, überlappen die oberen Blättchen mit ihrem unteren Randbereich die oberen Randbereiche der darunter stehenden Blättchen; so wie ein Dach mit Dachziegeln gedeckt ist, dass der Regen abgeleitet wird, und nicht ins Haus eindringen kann.
Mitte (schematische Darstellung; Pfeile: Wuchsrichtung der Stämmchen): Oberschlächtige Blättchen: Wird auf ein liegendes Stämmchen von oben Richtung Spitze des Stämmchens geblickt, überlappen die unteren Blättchen mit ihrem oberen Randbereich die unteren Randbereiche der darüberstehenden Blättchen; so wie ein Dach mit Dachziegeln nicht gedeckt ist, weil sonst der Regen ins Haus eindringen könnte.
Eigenem Vorlesungsmanuskript entnommen
Unten: Calypogeia trichomanis, (Tusche und Kreide; Reinhard Agerer). Teilstück eines Stämmchens von unten, mit zwei Paar einzellschichtigen Blättchen und Amphigastrien. (Oberschlächtig, Stämmchenspitze noch oben gerichtet; die Ansicht sieht zwar unterschlächtig aus, doch, dreht man das Stämmchen gedanklich horizontal um, so wird die Oberschächtigkeit klar).
Nach Strasburger (2008), Abb. 10-132F, S. 752
Eingestellt am 21. Februar 2026
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