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Marchantiophyta, Lebermoose
1 Erheblicher Wasserbedarf
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Zu wenig geschützt noch erweist sich des Thallus[1] ebene Fläche:
Nur eine zarte Cuticula[2], oft allzu zart,
Wehrt dem Wasserverlust durch die äußeren Wände der Zellen.
So bleibt das Lebermoos, dem Vertrocknen zu trotzen, am wassergesättigen Ort.
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Flach liegt der kaum gegliederte Thallus,
– Seiner doppelschneidigen Scheitelzelle[3] sei es verdankt –
Der, mit Rhizoiden[4] versehen, Wasser dazwischen zu halten,
An einen wasserdurchtränkten Untergrund grenzt.
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Doch Lebermooskörper sich Gliedern später in
Halten eine der Zeilen winzig und fein[8],
Legen Festgefügtem damit sich an.
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Wer weiß, wozu die gelben, oft riesigen Tropfen aus Terpenoiden[9]
Einiger Zellen ihres Gewebes wohl dienen, mit
Denen sich alle Verwandten, zwar nur sichtbar im Lichtmikroskop,
So auffällig schmücken?
Sind sie Reserven unentbehrlicher Stoffe,
Oder waren sie Folge der Ururahnen Laune nur?
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Nach Meiosen[12] des sporenbildenden Zentrums, als
Und streut für je ein Sporenquartett
Zum Lockern der Mengen, zwischen sie hin.
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Erhöht sich der Druck
Durch Trocknen der Lockerungszellen[18],
Klappen der Länge nach ihre Kapseln mehrlappig auf,
Übergeben die Sporen[19] dem hilfreichen Wind.
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Ob ihrer Wandung vorgeformte, sich öffnende Spalten
Schon von Anfang an existierten, bleibt Spekulation.
Doch Sporen nur in eine Richtung zu streuen,
Träfe wohl nicht den verbreitungsbiologisch[20] tieferen Sinn.
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Fußnoten
[1] Thallus: Körper von Pflanzen (Pilzen); nicht in Spross, Blatt und Wurzel gegliedert
[2] Cuticula (Plantae): Wachsartiger Überzug, der nur Epidermiszellen von Blättern und jungen Sprossen und anderen der Luft ausgesetzten Geweben ohne Periderm überzieht. Durch ihre hydrophoben Eigenschaften verringern sich die Wasserverluste der Pflanze.
[3] Zweischneidige Scheitelzelle: Die dauernd teilungsaktive Scheitelzelle gibt, wenn zweischneidig, in wechselnder Folge auf gegenüberliegenden Seiten anfangs keilförmige Zellen ab, von denen alle weiteren Zellen abstammen; Organismen mit solchen Scheitelzellen formen ebene Vegetationskörper.
[4] Rhizoide: Fadenartige, wurzelähnliche, trichale oder unseptierte Auswüchse zum Festheften von Thallophyten
[5] Stämmchen (Moose): Eine aufrechte Achse, die äußerlich einem Spross der Gefäßpflanzen (Tracheophyta) ähnelt, jedoch sich davon grundlegend in Bau und Funktion unterscheidet; deshalb wird bei Moosen lediglich von Stämmchen und nicht von Spross (Stamm) gesprochen.
[6] Als Folge einer dreiseitigen Scheitelzelle
[7] Blättchen (Moose): Ein blattartiges, flächiges Organ, das äußerlich einem Blatt der Gefäßpflanzen (Tracheophyta) ähnelt, jedoch sich davon im Bau grundlegend unterscheidet; deshalb wird bei Moosen lediglich von Blättchen und nicht von Blatt gesprochen.
[8] Amphigastrien, Bauchblättchen (Jungermanniidae): Foliose Lebermoose, mit dreischneidiger Scheitelzelle wachsend, bilden scheitelnahe drei Reihen von Blättchen; wachsen die Stämmchen niederliegend, werden zwei Blättchenreihen, je eines rechts und links, flach ausgebreitet, die dritte Reihe, meist sehr kümmerlich entwickelt, liegt damit gegen das Substrat orientiert, gleichsam am Bauch des Pflänzchens.
[9] Terpenoide: Naturstoffgruppe, die sich strukturell vom Isopren ableitet. Von den ähnlichen Terpenen unterscheiden sie sich darin, dass sie funktionelle Seitengruppen besitzen und keine reinen Kohlenstoffe wie die Terpene sind
[10] Domartis: Bezeichnung für einen hypothetischen Vorfahren der Marchantiophyta
[11] Echtes Gewebe wie bei allen Embryophyta: Hierbei sind die Zellen allseits mit den Nachbarzellen durch gemeinsame Zellwände verbunden.
[12] Meiose, meiotisch: Meiose dient der Reduktion eines diploiden Chromosomensatzes zu haploiden Sätzen. Dabei werden einander entsprechende Chromosomen, im Kern sich dann mittig in einer Ebene gegenüberstehend, gepaart und anschließend in entgegengesetzter Richtung („polwärts“) separiert. Dieser Vorgang wird auch als Reduktionsteilung (oft abgekürzt als R! und zugleich stellvertretend für die ganze Meiose verwendet) bezeichnet. Da die voneinander getrennten haploiden Chromosomen schon zu Chromatiden verdoppelt sind, schließt sich an die Reduktionsteilung noch eine mitotische Teilung an, so dass vier haploide Kerne letztlich vorliegen; abgekürzt mit R!.
[13] Columella (Lebermoose): Kuppel- oder domartige zentrale Aufwölbung in der Mitte der Kapsel
[14] Kapsel (Moose): Mit der sehr komplex gebauten sogenannten Kapsel der Moose, werden Sporangien von zusätzlichen Schichten umschlossen; so bekommt dieses Organ die abgrenzende Bezeichnung Kapsel.
[15] Diploid: Zellkerne mit doppeltem Satz zusammenpassender, homologer, Chromosomen; ausgedrückt mit 2n
[16] Zellwandspangen: In den oft recht dünnen Zellwänden abgestorbener Zellen werden für unterschiedliche Zwecke spangenartige Verstärkungen in der Zellwand der Quere nach angelegt.
[17] Elateren (Lebermoose): Schraubenförmige oder schraubenförmig verstärkte Zellen in Sporenkapseln von Lebermoosen, die die Sporenausbreitung fördern
[18] Elateren
[19] Aplanosporen: Nichteigenbewegliche, geißellose Sporen
[20] Verbreitungsbiologie, Ausbreitungsbiologie: Mechanismen (Tätigkeiten von Tieren, Wind, Wasser; aktives Verstreuen durch Pflanze oder Pilz), die der Ausbreitung des Organismus durch Verbreiten ihrer Propagulen (Sporen, Samen, Früchte, Brutknospen, etc.) dienen, um ein möglichst weitgestreutes Besetzen geeigneter Nischen zu ermöglichen.
Eingestellt am 21. Februar 2026
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