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Dicranales, Gabelzahnmoose
1 Die Suche
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„Papa, ist es nicht an der Zeit,
Sich um die Krippe zu kümmern?“
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„Stimmt, du hast Recht!
Am kommenden Samstag geh‘n wir, falls ihr Zwei wollt,
In den Wald, um Moose zu holen,
Damit die Landschaft der Krippe zu bauen,
Ihre Umgebung grün zu verzieren.
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Ich kenn eine günstige Stelle mit Parkplatz nah an der Straße
Mit kiesigem Waldweg zu lockeren Fichtenbeständen,
Dicht mit Moosen belegt zwischen halbstarken Bäumen.
Dort finden wir sicher grüne Rasen verschiedener Arten,
Bestimmt, ich bin fest überzeugt, auch das kuschlige Weißkissenmoos[1],
Denn mit ihm lassen sich Hügel und Berge so trefflich
gestalten.“ –
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„Seht ihr – ganz grün ist der Boden da vorn,
Helle und dunkle Flecken lösen sich ab,
Wellig erscheint mir der Boden,
Vielleicht sind Kissenmoose der Grund.“ –
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„Zeig mal, was du hier hast,
Vielleicht lässt sich‘s als Strauch gut gebrauchen. –
Ein Etagenmoos[2]! Seht ihr, warum es so heißt?
Seine gefiederten Ästchen, mit winzigen Blättchen verseh‘n,
Steh‘n flach ab vom Stämmchen,
Lassen Freiraum dazwischen,
So, wie Stockwerke in einem Haus.
Das Stämmchen scheint mir der Aufzug zu sein.
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Leider verdreh’n sich beim Trocknen ihre Etagen zu wirrem Geflecht,
Für einen Waldrand mit Schlehengebüsch wären es sicherlich recht,
Legt es doch in unseren Korb, wir nehmen es mit,
Warten wir ab, was aus ihnen noch wird.“ –
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„Zeig mal die Stelle, von der das Moos du genommen. –
Gleich nebenan, doch hier auch durchmischt,
Müht sich das Thujenmoos[3] am Boden dahin,
Enger liegt es am Boden, zeigt mit dunkelgrünem Rücken nach oben.
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Hebst du es hoch, erkennst du den Grund für den treffenden Namen:
Wie Thujenästchen der Hecke entlang, erscheinen sie.
Bogig krümmt sich das Stämmchen,
So, als wollte es möglichst weit nach jeder Richtung greifen,
Belegt, Niemandem scheint es Raum mehr zu gönnen,
Weitflächig den Boden.
Ob sich die Form im trockenen Zustand erhält,
Werden wir bald schon sehn.“ –
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„Halt! Keinen Schritt weiter!
Sonst trampelt ihr die Federchen um!
Seht, wie in den Boden gepflanzte, hellgrüne, zierliche Federn
Ragen sie, locker und luftig aus ihrem Bett.
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Wie Bäumchen, betrachtest sie du von vorn,
Geben ein wunderliches Bild eines Waldes!
Meint ihr, als Bäumchen in einer Wiese[4],
Könnten sie unsere Krippe verzier’n?“
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„Die nehmen wir mit!
Sie sind so schön!“
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„Ein dunkles Polster schmiegt sich dort zwischen Wurzel und Stamm! –
Goldene Fäden ragen über die Stämmchen empor.
Das Frauenhaarmoos[5], so wunderschön hier im Wald,
Wirkt zerrauft beim langsamen Trocknen,
Wird unansehnlich, früher als bald,
Wir lassen es steh’n.“ –
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Aber die Kinder, heimlich und leise,
Verbergen es sicher im Anorak.
„Doch hier, an der Borke[6],
Auch am Schnitt des schon modernden Stumpfes,
Liegt eines eng an die Fläche geschmiegt,
Mit rundlichen Blättchen zu Zöpfchen gedreht,
Lässt kaum einen Blick auf den Grund unter ihm[7] zu.
Mit dem Messer heben wir‘s vorsichtig mitsamt dem Lagerplatz ab.“ –
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„Spät ist es jetzt schon geworden,
Dunkel fällt ein bereits in den Wald,
Kein einziges Weißkissenmoos ließ sich noch blicken!
Gut, dass heut noch nicht Weihnachten ist!“
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Fußnoten
[1] Weißkissenmoos, Bleichmoos, Gemeines Weißmoos: Leucobryum glaucum (Dicranales – Bryopsida – Bryophytina – Bryophyta – Thallophyta –…)
[2] Etagenmoos: Hylocomium splendens (Hypnales – Bryopsida – Bryophytina – Bryophyta – Thallophyta –…)
[3] Thujenmoos, Tamariskenmoos: Thuidium tamariscinum (Hypnales – Bryopsida – Bryophytina – Bryophyta – Thallophyta –…)
[4] Bäumchenmoos, Weiches Kammmoos: Ctenidium molluscum (Hypnales – Bryopsida – Bryophytina – Bryophyta – Thallophyta –…)
[5] Goldenes Frauenhaarmoos: Polytrichum commune (Polytrichopsida – Bryophytina – Bryophyta – Thallophyta – Streptophyta -…)
[6] Borke: Äußerste, tertiär entstandene Abschlussschicht an Bäumen; Korkschichten trennen, um entstandene Risse zum lebenden Gewebe hin wieder abzudichten, Teile des Bastes ab, die danach absterben und artabhängig in unterschiedlichen Formen abblättern; sekundäres Abschlussgewebe ist Rinde; primäres die Epidermis.
[7] Zöpfchenmoos: Hypnum cupressiforme (Hypnales – Bryopsida – Bryophytina – Bryophyta – Thallophyta –…)
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Thuidium tamariscinum (Thujamoos)
Autor : Michael Becker
Lizenz: GNU Free Documentation License; unverändert
Hylocomium splendens (Etagenmoos)
Autor: Kristian Peters -- Fabelfroh
Lizenz: GNU Free Documentation License; unverändert
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Ctenidium molluscum (Bäumchenmoos)
Autor: Christian Hummert (Ixitixel)
Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.5 Generic license; unverändert
Hypnum cupressiforme (Zöpfchenmoos)
Autor: Michael Becker
Lizenz: GNU Free Documentation License; unverändert
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Polytrichum commune (Goldenes Frauenhaarmoos)
Autor: Kristian Peters -- Fabelfroh
Lizenz: GNU Free Documentation License; unverändert
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Dicranales, Gabelzahnmoose
2 Samstag darauf
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„Beeilt euch, wir fahren heut eine längere Strecke
Zu einem Fluss, der im Kalkgebirge entspringt.
Steile, quellenführende Hänge begleiten den Lauf;
Ein weites Bett grub er während der letzten Eiszeit[1] sich,
Zog aber später sich
Weit von den Hängen zurück.
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Eine Schulter am Hang, ein Absatz,
Tausende Jahre von Regen begossen,
Verlor oberflächlich den Kalk[2],
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Ein größeres Messer, Hammer und Meißel nehm‘ ich heut mit,
Wofür, werdet ihr sehn.
Den Korb nicht vergessen, Mütze und Schal,
Und ab geht's ins vielversprechende Tal.“ –
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„Vorsicht am Weg! Er ist steinig und regennassglatt.
Bald geht’s links in den Wald
Durch Sträucher leicht in die Höh‘,
Dann müsstet ihr gleich das Weißkissenmoos[5] sehn.“
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„Hier ist es in großen Polstern[6] und kleinen dazu!
Gerade recht, um Hügel für unsere Krippe zu bau’n!“
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„Seid bescheiden, wählt wirklich nur,
Was ihr als Krippenschmuck braucht.
Zu langsam wachsen wahrscheinlich die Polster,
Um Lücken zu schließen, die euer Herausnehmen reißt.
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Wir steigen den Hang schräg rechts dann hinab,
Folgen dem Pfad bis zur steilen, quellnassen Stelle
Mit kalküberkrustetem Moos
An einer vor Feuchtigkeit glänzenden, brüchigen Wand.
Bleibt dort aber steh’n,
Ich komme gleich nach.“
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Doch zuvor schon trifft sie der Vater.
Fasziniert streicheln sie,
Ihre Hände dazwischen wieder und wieder betrachtend,
Ein weiches Kissen an einem gefallenen Stamm.
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Raffiniert spannt es euch und vorbeigehende Tiere ein
Zur Ausbreitung dieser feuchtigkeitsliebenden Art,
Denn jedes Blättchen wächst zu neuem Polster heran.“ –
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„Ich hol schon mal Hammer und Meißel hervor,
Denn da vorne kommt die tropfende Wand
Mit dem Kalksintermoos[9],
Das ich unbedingt euch zeigen will.“ –
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„Überkrustet von Kalk fühlt sich rauh an das Grün
Und tief im brösligen Stein liegen noch Spuren der Stämmchen[10].
Geht ein bisschen zur Seite,
Ich breche ein Stück aus der Wand. –
Wenn ihr den Stein reichlich begießt,
Habt ihr an eurer Krippe einen grünenden Fels.“ –
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Sie schleppen mit freudigem Herzen die heftige Last,
Nehmen noch einige Stämmchen Bäumchenmoos[11] mit,
Und können es kaum noch erwarten,
Die Krippe nun endlich damit zu verseh’n.
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Fußnoten
[1] Würm-Eiszeit: vor 115.000 bis 10.000 Jahren
[2] Kalk: Calciumcarbonat [CaCO3]
[3] Heidelbeersträucher: Vaccinium myrtillus (Vaccinioideae – Ericaceae -Ericales – Asteridae – Superasteridae –…)
[4] Saurer pH: pH (Potential des Wasserstoffs) von 0 bis kleiner 7
[5] Weißkissenmoos, Bleichmoos, Gemeines Weißmoos: Leucobryum glaucum (Dicranales – Bryopsida – Bryophytina – Bryophyta – Thallophyta –…)
[6] Moospolster: polsterartige, dichte Ansammlung von Moospflänzchen ein und derselben Art
[7] Blättchen (Moose): Ein blattartiges, flächiges Organ, das äußerlich einem Blatt der Gefäßpflanzen (Tracheophyta) ähnelt, jedoch sich davon im Bau grundlegend unterscheidet; deshalb wird bei Moosen lediglich von Blättchen und nicht von Blatt gesprochen.
[8] Bruchblattmoos: Dicranodontium denudatum (Dicranales – Bryopsida – Bryophytina – Bryophyta – Thallophyta –…)
[9] Kalksintermoos: Cratoneuron commutatum ((Hypnales – Bryopsida – Bryophytina – Bryophyta – Thallophyta –…)
[10] Stämmchen (Moose): Eine aufrechte oder liegende Achse, die äußerlich einem Spross der Gefäßpflanzen (Tracheophyta) ähnelt, jedoch sich davon grundlegend in Bau und Funktion unterscheidet; deshalb wird bei Moosen lediglich von Stämmchen und nicht von Spross (Stamm) gesprochen.
[11] Bäumchenmoos, Weiches Kammmoos: Ctenidium molluscum (Hypnales – Bryopsida – Bryophytina – Bryophyta – Thallophyta –…)
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Leucobryum glaucum (Weißkissenmoos, Bleichmoos, Weißmoos)
Autor: Jerzy Opioła
Lizenz: GNU Free Documentation License; unverändert
Dicranodontium denudatum (Bruchblattmoos)
Autor: HermannSchachner
Lizenz: Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication; unverändert
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Cratoneuron commutatum
Autor: Michael Becker
Lizenz: GNU Free Documentation License; unverändert
Von Cratoneuron commutatum gebildeter Wasserfall
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Plitvice07.jpg
Autor: Tomnie
Lizenz: GNU Free Documentation License; unverändert
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Dicranales, Gabelzahnmoose
3 Die Krippe
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Duckt sich, begleitet von frühlingshaft wirkenden Hügeln,
Ein alpenländisch dunkelbalkiges Haus
In die bezaubernde Landschaft.
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Weite Wiesen, Zöpfchenmoosborke[3],[4] legt sich flach auf den Grund,
Von Tannen aus Christbaummoosfedern[5]
Mit leicht sich neigenden Wipfeln locker bestanden,
Durchzieht ein rieselbestreuter, sich schlängelnder Weg
Und führt, von Wäldchen begleitet, Frauenhaarmoos[6] stand dafür Pate,
Allmählich sich weitend zum Krippenhaus hin.
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Hochstämmige Bäume, Palmen fast gleich, krönen die Hügel:
Bäumchenmoosstämmchen mit ihren Schöpfen
Drängten zu dieser Zierde sich auf,
Grüßen von Ferne herab in das Tal.
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Füllt graugrünes, lockeres Heu
Aus wirren Geflechten
Betten, jetzt ist die Krippe noch leer,
In weicher, wohliger Wärme das göttliche Kind.
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Hirten stehen, ihre wolligen Schafe[12] bewundernd,
Mit ihren Hunden[13] unentschlossen herum.
Nur einer sitzt Hände wärmend am Feuer,
Merkt nichts von den vielen Blättchen an seinem Rücken.
Zu nahe kam er dem Holzstumpf mit Moos.
Es dankt dem Hirten die Ruhe bei ihm,
Denn er nimmt seine Bruchblättchensaat[14],[15]
Wie gewollt mit. –
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Wie von Rauhreif bedeckt
Erscheinen allmählich den Kindern die Hügel,
Weißlich sind sie geworden, strahlen nicht mehr in Grün,
Das Moos gab seinem Namen die Ehre[16] – und es erblich.
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Warten geduldig, noch im Dunkel verborgen. –
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Nur das Hauskätzchen wollte nicht warten,
Legte sich flach – und walzte den Tannenwald um.
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Fußnoten
[1] Kalksinter: Poröser Kalkstein, der durch Ablagerung aus kalkhaltigen Quellen oder schnell fließenden Gewässern entstanden ist
[2] Kalksintermoos: Cratoneuron commutatum (Hypnales – Bryopsida – Bryophytina – Bryophyta – Thallophyta –…)
[3] Zöpfchenmoos: Hypnum cupressiforme (Hypnales – Bryopsida – Bryophytina – Bryophyta – Thallophyta –…)
[4] Borke: Äußerste, tertiär entstandene Abschlussschicht an Bäumen; Korkschichten trennen, um entstandene Risse zum lebenden Gewebe hin wieder abzudichten, Teile des Bastes ab, die danach absterben und artabhängig in unterschiedlichen Formen abblättern; sekundäres Abschlussgewebe ist Rinde; primäres die Epidermis.
[5] Bäumchenmoos, Weiches Kammmoos: Ctenidium molluscum (Hypnales – Bryopsida – Bryophytina – Bryophyta – Thallophyta –…)
[6] Goldenes Frauenhaarmoos: Polytrichum commune (Polytrichopsida – Bryophytina – Bryophyta – Thallophyta – Streptophyta -…)
[7] Schober: Überdachtes Brettergerüst, Feldscheune zum Aufbewahren besonders von Heu, Stroh
[8] Raufe: Aus Stäben bestehendes Gestell, das Heu, Stroh oder Gras für Wild, Vieh oder Nagetiere enthält
[9] Futterkrippe: Auf gekreuzten Beinen stehender, trogartiger Behälter, der Futter für Vieh oder größeres Wild enthält
[10] Thujenmoos, Tamariskenmoos: Thuidium tamariscinum (Hypnales – Bryopsida – Bryophytina – Bryophyta – Thallophyta –…)
[11] Etagenmoos: Hylocomium splendens (Hypnales – Bryopsida – Bryophytina – Bryophyta – Thallophyta –…)
[12] Hausschaf: Ovis gmelini aries (Antilopini – Aegodontia – Bovidae – Pecora - Ruminantia –…)
[13] Haushund: Canis lupus familiaris (Cynoidea – Caniformia – Carnivora s.s. – Carnivora s.l. – Euarchonta –…)
[14] Bruchblättchen: Abgebrochene Blättchen als asexuelle Propagulen des Bruchblattmooses
[15] Bruchblattmoos: Dicranodontium denudatum (Dicranales – Bryopsida – Bryophytina – Bryophyta – Thallophyta –…)
[16] Weißkissenmoos, Bleichmoos, Gemeines Weißmoos: Leucobryum glaucum (Dicranales – Bryopsida – Bryophytina – Bryophyta – Thallophyta –…)
[17] Esel: Equus asinus asinus (Hippomorpha – Mesaxonia – Ungulata – Übrige Laurasiatheria – Laurasiatheria – …)
[18] Hausrind: Bos taurus (Bovini – Boodontia – Bovidae – Pecora – Ruminatia –…)
[19] Christkind, neugeborenes Jesuskind: Theologisch bezeichnet das Christkind das neugeborene Jesuskind – die Menschwerdung Gottes; Erinnerung an die Geburt Jesu von Nazareth, geboren in Bethlehem (ca. 6 v. Chr.), Judäa, heute in Israel gelegen.
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Dicranales, Gabelzahnmoose
4 Die Phänomene
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Kaum waren die Weihnachtstage vorüber,
Schon holte der Bruder sein schönstes Geschenk:
Ein neues Jungend-forscht-Mikroskop, des
Mooses Bleichen genau zu beseh‘n.
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Eine Packung Rasierklingen, aus altem Bestand
– Sein Vater rasierte seit langem modern –
War, wie erstaunlich, schnell bei der Hand,
Brach gleich von der Verpackung ein Stück Styropor[1].
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Nahm vom Grund eines bleich gewordenen Hügels,
Um die Schönheit der Landschaft nicht zu zerstören,
Ein kleines Pflänzchen aus dem Ensemble und
Steckte, schnell einen Schlitz in den Kunststoff geschnitten,
Das Objekt seiner Neugier
Tief zwischen die Backen hinein.
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Seine Schwester muss assistieren:
Bringt Objektträger und Deckglas herbei,
Platziert einen Tropfen Wasser geschickt aufs Glas,
Achtet gespannt auf des Bruders rasierklingenführende Hand.
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Schneidet zunächst mit ziehendem Drücken eine saubere, glatte Fläche
Zusammen mit dem Pflänzchen, das gezwängt in die Mitte;
Holt erneut mit kaum erkennbarem Winkel,
Für den zweiten Schnitt aus.
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Mehrere grünliche Fetzen bleiben
Auf der Rasierklinge liegen;
Er schüttelt sie, das Styropor wurde zuvor behutsam entfernt,
In den bereitliegenden Tropfen und
Deckt die schwimmenden Schnitte
Mit einem Deckgläschen zu.
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Auf den Mikroskoptisch gelegt,
Schnell das Licht in Gang dann gesetzt,
Objektiv eingekippt –
Er konnte es kaum noch erwarten.
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Ein paar Luftbläschen, eingeschlossen zwischen einzelnen Schnitten,
Störten im Eifer ihn nicht,
Denn viele Blättchen[2] liegen im Feld,
Eines exakt in der Quere getroffen.
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Wundert sich über farblose, rechteckige Kästchen in doppelter Schicht,
Mit grünlichen Rauten im Wechsel dazwischen;
Was die eigenartigen Kreise bedeuten in den hellen, kaum erkennbaren Wänden,
Versteht er ebenfalls nicht.
Doch sein Vater, kurz das Bild überblickend,
Klärt ihn über den Sinn für das Bleichmoos[3] auf:
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Über die Poren in die Zellen genommen,
Speichern die Blättchen Wasser und
Lässt sie in Menge ergrünen;
Langsam werden beim Trocknen die Wasserreservoire geleert,
Bringen die Polster[4], so, wie jetzt in der Krippe, zum Bleichen und
Wechseln die Farbe zum weißlichen Grün. –
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Die quengelnde Schwester wollt‘ auch etwas tun und
Trotzte dem Bruder ein Bruchblättchen[5] ab.
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Legt es, das Schneiden war ihr zuwider,
Einfach in einen Tropfen aufs Glas und
Quetscht es, wie zuvor vom Bruder geseh’n,
Zwischen den Glasplättchen ein.
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Der Vater hilft ihr ein wenig;
– Ihr Bruder kommt auch noch hinzu –
Zeigt ihnen getrocknete Zellen am Grunde des Blättchens,
Dort, wo es, so war es gewollt,
Vom Stämmchen[6] sich wundersam löste. –
Auf ein Haften an Tierchen[7] hat es vergeblich gehofft.
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Fußnoten
[1] Styropor: extrem leichtes, weißes Schaummaterial, das aus etwa 98 % Luft und 2 % Polystyrol besteht und durch Aufschäumen von Polystyrolperlen mit Wasserdampf hergestellt wird
[2] Blättchen (Moose): Ein blattartiges, flächiges Organ, das äußerlich einem Blatt der Gefäßpflanzen (Tracheophyta) ähnelt, jedoch sich davon im Bau grundlegend unterscheidet; deshalb wird bei Moosen lediglich von Blättchen und nicht von Blatt gesprochen.
[3] Weißkissenmoos, Bleichmoos, Gemeines Weißmoos: Leucobryum glaucum (Dicranales – Bryopsida – Bryophytina – Bryophyta – Thallophyta –…)
[4] Moospolster: polsterartige, dichte Ansammlung von Moospflänzchen ein und derselben Art
[5] Bruchblattmoos: Dicranodontium denudatum (Dicranales – Bryopsida – Bryophytina – Bryophyta – Thallophyta –…)
[6] Stämmchen (Moose): Eine aufrechte oder liegende Achse, die äußerlich einem Spross der Gefäßpflanzen (Tracheophyta) ähnelt, jedoch sich davon grundlegend in Bau und Funktion unterscheidet; deshalb wird bei Moosen lediglich von Stämmchen und nicht von Spross (Stamm) gesprochen.
[7] Zum Ausbreiten in andere Gebiete
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Leucobryum glaucum: Blättchenquerschnitt, Blockdiagramm (Tusche, Kreide; Reinhard Agerer)
Chlorocyten (grün), eingeschlossen in zweireihig angeordnete Hyalocyten (blau), protoplastenleer, wassergefüllt und mit Wassersaugporen (dunkelblau) verbunden.
Nach Strasburger (2008), Abb. 10-148, B, Seite 764
Eingestellt am 21. Februar 2026
Endpunkt erreicht
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