zum Glossar mit Abbildungsverweisen über:

Chlorophyceae, Grünalgen i.e.S.
1 Orientierung (HP)
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Zieht mit modernisierten,
Winzigen Sonnenkraftwerken
Befreit in das taghelle Meer optimistisch hinaus.
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Welch eine Freiheit! Die Welt steht nun offen!
Denn Wasser, Licht und CO2 gibt’s überall.
Nur die Nächte ergeben Probleme, wenn unerbittlich Dunkel das Licht ersetzt!
Doch Zucker- und Stärkereserven des Tags werden nachts durch
Respiration[3] energieliefernd geweckt.
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Monas vermehrt sich mitotisch[4] durch Teilung
Bis dichtwolkige Schwärme
Salziges Wasser und Flüsse durchzieh‘n.
Brauchen, eindringendes Wasser nach außen zu zwingen, viel Energie.
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Vakuolen sammeln pulsierend[5] das Wasser,
Pumpen, es kontrahierend, ins Freie,
Um erneut sich zu weiten, erneut sich zu füllen,
Dem Platzen der Zelle erfolgreich zu wehren.
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Noch zählt der Zufall,
Wenn Monas in Richtung des Lichts sich bewegt
Oder Schwachlicht und Starklicht zu meiden,
Optimale Beleuchtung für Fotosynthese zu finden;
Möglichen Lichtschäden schnell aus dem Wege zu geh‘n,
Erbrächte erheblichen Vorteil für Wachstum und für Multiplikation.
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Der Chloroplast[6], unverrückbar verankert,
– Monas hinteres Ende fast bechergleich füllend –
Versammelt am Rande des Bechers, zwischen benachbarten Thylakoiden,
Genau gegenüber, dicht gepresst an die Plasmamembran[9],
Liegt eine lichtrezipierende[10] Schicht.
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Rotierend schwimmt Monas im Wasser,
Kehrt ihre Flanke dem Sonnenlicht zu.
Rhythmisch vom Stigma[11] gespiegeltes Licht
Leitet Richtungsinformationen dem Rezipienten zu.
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Beunruhigt ändert Monas die Route, helles Geflimmer zu flieh’n:
Schwimmt gerichtet dem Sonnenlicht zu.
Optimiert nun im Wasser den Abstand zur Strahlung
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Fußnoten
[1] Blaualgen: Cyanobacteria (Bacteria)
[2] Monas: Bezeichnung für einen hypothetischen Vorfahren der Chlorophyta
[3] Respiration: Enzymatisch katalysierte Zellatmung grüner Organismen bei Dunkelheit, bei der Sauerstoff verbraucht und der Umwelt entzogen, dafür CO2 im Gegenzug ihr zugeführt wird
[4] Mitose, mitotisch, abgekürzt M!: Im Kern mittig in einer Ebene versammelte Chromosomen bildeten je zwei identische Chromatiden, die bei der Mitose durch Mikrotubuli separiert werden und, von einer Zellwand getrennt, als identische Chromosomensätze der entstandenen Zellen wirken
[5] Pulsierende Vakuolen, kontraktile Vakuolen: Kontrahierende Bläschen bei verschiedenen Einzellern mit fehlender Zellwand, dienen der Wasserausscheidung, indem sie sich rhythmisch vergrößern und dabei Flüssigkeit aus dem Cytoplasma aufnehmen und, sich zusammenziehend, nach außen abgeben. Dies ist notwendig, da durch Osmose ständig Wasser in ihre Zelle strömt. Dieser Wassereinstrom kommt durch den höheren osmotischen Innendruck zustande. Die Salzkonzentration innerhalb der Zellen ist also höher als in dem sie umgebenden Süßwasser. Ohne die kontraktilen Vakuolen würden die Zellen platzen.
[6] Chloroplasten, primäre: Durch Endosymbiose entstandene Organelle. Ihre Herkunft von Blaualgen ist durch mehrere Merkmale gesichert. Die innere Membran hat bakteriellen Charakter, die äußere ähnelt Membranen der Eukaryoten; ringförmgie DNA in Chloroplasten weist ebenfalls auf bakteriellen Ursprung hin, wie auch enthaltene 70S-Ribosomen. Phycobilisomen bei Glaucophyta, Cryptophyta und Rhodophyta, wie sie bei Cyanobakterien auftreten, sind ebenfalls Hinweis auf der Chloroplasten endosymbiotische Herkunft.
[7] Rhodopsin: Rhodopsin besteht aus einem Proteinanteil und dem kovalent gebundenen Chromophor 11-cis-Retinal. Eines der Sehpigmente von Wirbeltier- und Insektenaugen und auch von Photorezeptoren einiger anderer Wirbelloser. Rhodopsine kommen auch in Bakterien, Archäen, einigen einzelligen Algen und sogar in wenigen Viren vor.
[8] Ebene
[9] Plasmamembran, Zellmembran: Lipiddoppelmembran um den Zellinhalt herum
[10] Rezipieren: empfangen, aufnehmen
[11] Stigma (Algen): Augenfleck
[12] Fotosynthese, fotosynthetisch: Umwandlung von Lichtenergie in Energie organischer Moleküle. Dabei wird letztlich CO2 über komplexe Vorgänge zu energiereicher Glucose aufgebaut. Mit Hilfe von Chlorophyll (Licht!), erzeugtem ATP (zyklischer Elektronentransport) und NADPH2 (azyklischer Elektronentransport) werden von Zellen Zucker synthetisiert
[13] Hartes ultraviolettes Licht: Ultraviolette Strahlung (UV-A-Strahlung) zwischen 380 und 315 Nanometer Wellenlänge
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Chlorophyceae, Grünalgen i.e.S.
2 Ein paar Details
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Stumpf enden die Geißeln[1],
Sind, wie sonst für Peitschengeißeln[2] so üblich, nicht glatt,
Tragen feinste, nur knapp einen Mikrometer[3] lange Härchen,
– Bei Flagellendicke von knapp einem Drittel Mikrometer, recht lang –
Nicht aufgebaut wie Mastigonemen[4],
Aus einer Kette ellipsoider Glycoproteinen[5] vielmehr.
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Ihre Kinetosomen[6] liegen in gleicher Richtung zwar, wenn von oben betrachtet,
Doch sind sie, rhizoplastverbunden[7], leicht versetzt
In ein-Uhr- / sieben-Uhr-Stellung[8],
Also oben: rechts von der Mitte; unten: links davon.
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Wobei von Anfang bis Ende die Kernhülle[14] bleibt;
An Polen liegen je zwei Centriolen[15],
So, wie‘s für viele Eukarya[16] charakteristisch ist.
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Zellteilungen erfolgen auf dreierlei Weisen:
Durch Einschnürung der Zelle ohne Beteiligung eines Phycoplasts[17],
Inmitten eines Phycoplasts.
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Fußnoten
[1] Flagellum, Geißel (Eukaryageißel): Charakterisiert durch ihren internen Bau aus 9 peripheren, etwas schräg nach innen gestellten Doppelmikrotubuli (Querschnitt durch die Geißel) und durch ein zentrales Tubulipaar, das etwas Abstand voneinander hält. Dyneinarme verbinden die Mikrotubuli. Die Geißel ist von der Zellmembran umgeben und gefüllt mit Cytosol. Am Übergang der Geißelbasis in den Zellkörper treten spezielle Verstrebungen, Verstärkungen, auf; eine dünne Querplatte (Terminalplatte) trennt oft den untersten, in die Zelle integrierten Teil, der in seiner Struktur einem Centriol entspricht: Es fehlen die beiden zentralen Mikrotubuli und die peripheren Zwillinge wurden zu Drillingen. Die in der Zelle gelegenen Teile der Geißel sind noch durch verwandtschaftsabhängig gestaltete Haltestrukturen verwurzelt.
[2] Peitschengeißel: Als Peitschengeißel wird eine oft nach hinten schlagende, unbewimperte Geißel bezeichnet.
[3] Mikrometer, µm: Tausendstel Millimeter (10-3 mm); Millionstel Meter (10-6 m)
[4] Mastigonemen (Chromalveolata): Feine dreiteilige Härchen am Geißelschaft; im Detail aufgebaut aus einer kurzen konischen Basis (1), einem tubulären Schaft, dessen Wand aus zwei unterschiedlich dicken, parallel zu Spiralen gewundenen Elementen besteht (2), die am Ende der Mastigonemen als ein bis zwei dünne Härchen abstehen (3).
[5] Glycoproteine: Substanzen aus Zuckern und Proteinen mit mehr als 4 % Glucanen
[6] Kinetosom: Basaler Teil der Geißel mit dem centriolentypischen Bau aus 9 × 3 kurzen Mikrotubuli
[7] Rhizoplast, Geißelwurzel: Wird gelegentlich als eigenständiges Organell der Zelle gesehen; damit wird der in der Zelle gelegene Teil der Geißel bezeichnet, der verwandtschaftsabhängig gestaltete Haltestrukturen der Geißel besitzt.
[8] ein-Uhr- / sieben-Uhr-Stellung: oben rechts von der Mitte; unten links davon
[9] Mitose, mitotisch, abgekürzt M!: Im Kern mittig in einer Ebene versammelte Chromosomen bildeten je zwei identische Chromatiden, die bei der Mitose durch Mikrotubuli separiert werden und, von einer Zellwand getrennt, als identische Chromosomensätze der entstandenen Zellen wirken
[10] Geschlossene Mitose: Mitose, bei der die Kernhülle nicht aufgelöst wird
[11] Nicht persistierende Telophasenspindel: Die Teilungsspindel degeneriert während der Telophase schon bald
[12] Telophase (Kernteilung): Als Telophase wird die letzte Phase der Mitose bezeichnet. Sie folgt übergangslos auf die vorausgegangene Anaphase. Die Kinetochorfasern (Mikrotubuli) depolymerisieren, die Chromosomen dekondensieren (lockern sich auf). Nach Abschluss der Auflockerung können die Gene wieder abgelesen werden, der Kern hat wieder die Arbeitsform (Arbeitskern).
[13] Telophasen-Spindel: Spindelförmige Anordnung der Polmikrotubuli während der Telophase
[14] Kernhülle: Der Eukarya Zellkern ist von einer Kernhülle umgeben, die sich aus Cisternen, als Abkömmlinge des Endoplasmatischen Retikulums, zusammensetzt. Dazwischen bleiben nicht wenige Poren mit speziellem Bau.
[15] Centriol als Mikrotubuliorganisationszentrum: Zylinderförmige Struktur im Doppelpack nahe der Kernhülle, die sich in vielen lebenden Zellen befindet. Centriolen haben eine Größe von etwa 170 × 500 Nanometern; sind an der Bildung des Mikrotubuliorganisationszentrums beteiligt, das die Mikrotubulispindel für die Chromosomen-, bzw. Kernteilung bildet. Centriolen kommen in den meisten tierischen Zellen vor, sowie in Pflanzen, nicht jedoch bei Rhodophyta, Bacillariophyceae und Magnoliatae; auch nicht bei Unbegeißelten Chitinpilzen. Charakteristisch ist ihr spezieller Bau aus 9 x 3 Mikrotubuli.
[16] Eukarya: Die evolutiv jüngste, fortgeschrittenste der drei bekannten Domänen sind die Eukarya mit echten Zellkernen, mit interner Kompartimentierung aus unterschiedlich gestalteten Zisternen und Vesikeln, sowie hochkomplexen Chromosomen
[17] Phycoplast: Hilfskonstrukt für die Querwandbildung bei Zellteilung; dazu liegen Mikrotubuli parallel zur Kernteilungsebene in variablen Richtungen ausgerichtet, in deren Zentrum, auf beiden Seiten von Mikrotubuli umgeben, sich die neue Zellwand bildet; nach deren Fertigstellung werden sie wieder aufgelöst.
[18] ER-Cisternen: Vom ER gebildete, oft unregelmäßig gestaltete, vesikelartige Strukturen
[19] Golgivesikel, Golgicisternen: Vesikel des Golgiapparates, eines Zellorganells, bestehend aus ausgedehnten, meist gestapelten Cisternen, in denen vom ER hergestellte Proteine sortiert und modifiziert werden; schnürt kleine Vesikel ab, die Zellprodukte sammeln, die für andere Zellorganellen bestimmt sind.
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Chlorophyta: Anordnung der Geißelbasen (ppt-generiert; Reinhard Agerer)
Oben: in 1-Uhr-/7-Uhr-Stellung (nicht überlappend)
Unten: in 11-Uhr-/5-Uhr-Stellung (überlappend)
Grau: Geißelbasen; - blau Mikrotubuli; - braun und gepunktet: Verbindungen zwischen Mikrotubuli und Geißelbasen. Mikrotubuli in Vierer- und Zweier-Bändern
Nach van den Hoek et al. s. 324, oben rechts (c1, b1)
Eingestellt am 21. Februar 2026
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