zum Glossar mit Abbildungsverweisen über:

Grimmiales, Kissenmoose

1 Standhaft

.

Zu Felsen nur zieht es sie hin,

Ausgesetzt Sonne und Wind;

Silikatharte[1] müssen es sein,

Dort krallt Grimmia[2] unverrückbar sich ein.

.

Unverwitterte Flächen, kaum mit Nährstoff versorgt,

Finden sie, weil kaum ein Konkurrent dort sie bedrängt,

Unübertrefflich;

Ausreichend Ionen[3] fangen sie mit Spezialstrukturen selbst vor Ort.

.

Dichte Polster[4], von Ferne als samtene Einheit gesehen,

Lösen sich, wenn nahe das Auge schon weilt,

In Tausende winzige Bäumchen

Mit langspitzig sich gebenden Blättchen[5].

.

Wie Kämme wirken sie,

Fegen Winde Stäube heran,

Oder gilt es, Tröpfchen des Nebels zu fassen,

Um Ionen dem nahrhaften Gut zu entwinden.

.

In tieferen Lagen des Kissens, trocknenden Winden entzogen,

Sammeln sie Wasser an Steinmehl[6] gebunden,

Als Vorrat für weniger günstige Zeiten,

Geh‘n mit erfassten Ressourcen nachhaltig um.

.

Kleinste Räume zwischen Millionen von Blättchen

Schaffen unermessliche Flächen,

Um lange zwischen den Spalten Wasser zu halten;

Auch aus Tiefen des Stauraums leiten sie Feuchte empor.

.

Sie selbst, weil mit leitender Rippe[7] verseh’n,

Ihre Ränder sich rollen und mehrschichtig der Bau,

Halten intern viel Feuchte zurück,

Geh‘n mit Rücklagen nur zögerlich um.                                                 

.

Umgeh‘n der Sonne heizende Wirkung hochelegant:

Des Blättchens Spitze mit silbrig schimmerndem Haar verziert,

Umhüllen ihre Gemeinschaft mit weißem Halo[8],

Hindern die Sonne, unerträglich sie zu erhitzen.

.

Fußnoten

[1] Silikat: Mineral aus SiO2 bestehend

[2] Grimmia: Kissenmoos (Grimmiales – Bryopsida – Bryophytina – Bryophyta – Thallophyta –…)

[3] Nährionen: Ionen, die für die Ernährung von Organismen von Bedeutung sind

[4] Moospolster: polsterartige, dichte Ansammlung von Moospflänzchen einer Art

[5] Blättchen (Moose): Ein blattartiges, flächiges Organ, das äußerlich einem Blatt der Gefäßpflanzen (Tracheophyta) ähnelt, jedoch sich davon im Bau grundlegend unterscheidet; deshalb wird bei Moosen lediglich von Blättchen und nicht von Blatt gesprochen.

[6] Steinmehl: Besteht aus feinkörnigen, schluffgroßen Gesteinspartikeln, die durch mechanisches Mahlen von Grundgestein entstehen

[7] Blättchenrippen, Blättchennerven (Laubmoose i.e.S.): Auf der Blättchenunterseite längsverlaufende, verdickte Erhebungen

[8] Halo (allgemein): Lichteffekt entstanden durch Reflexion und Brechung

Eingestellt am 21. Februar 2026

.

Grimmia pulvinata (Kissenmoos)

Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license; unverändert

Grimmia funalis (Seil-Kissenmoos)

Zwischen basalen Teilen der Stämmchen eingefangene Sandkörner deutlich zu erkennen

Eingestellt am 21. Februar 2026

.

Grimmiales, Kissenmoose

2 Konsequent

.

Wenn exponiert ihre Lage am Stein,

Braucht es nicht viel, dem Wind die Sporen zu geben.

Überwiegend bleibt der Kapsel[1] Stiel[2] recht kurz und

Aufrecht dem Polster[3] recht nah.

.

Ein einziger Zahnkranz[4], jeder Zahn noch geschlitzt,

Reicht Grimmia[5], streichender Strömung der

Sporen Saat anzuvertrau’n.

Ist nicht gewohnt beweglich zu sein,

Denn aus weiter Mündung der Kapsel

Holt saugend der Wind sich die Sporen hervor.

.

Mussten in Massen die Zukunft der Luft überlassen,

Um das Besteh‘n der Sippe zu sichern;

Denn viel der Windfracht

Landet nicht am günstigen Ort.

Doch wegen riesiger Sporenmengen bewährt sich die

Manchem merkwürdig erscheinende Macke auf Felsen zu steh’n.

.

Falls nichts als Steine dem Wind sich entgegenstemmen,

Wird er, wo sonst, die richtige Stelle mit Sporen belegen.

So hat dennoch sich, trotz aller Bedenken,

Grimmias Standortsentscheidung erstaunlich bewährt.

.

Fußnoten

[1] Mooskapsel, Kapsel, Sporenkapsel (Moose): Mit der oft sehr komplex gebauten sogenannten Kapsel der Moose, werden Sporangien von zusätzlichen Schichten umschlossen; so bekommt dieses Organ die von Sporangien sie abgrenzende Bezeichnung Kapsel.

[2] Seta (Moose): Basaler, langgestreckter Teil des Sporophyten, der die Mooskapsel aus dem zunächst noch schützenden Bauch des Archegons und evtl. aus noch zusätzlichen Hüllen in die Umwelt streckt

[3] Moospolster: polsterartige, dichte Ansammlung von Moospflänzchen einer Art

[4] Einfaches Peristom: haplolepid (Laubmoose i.e.S.): nur mit einem Zahnkranz

[5] Grimmia: Kissenmoos (Grimmiales – Bryopsida – Bryophytina – Bryophyta – Thallophyta –…)

Eingestellt am 21. Februar 2026

.

Grimmia caespiticia (Rasen-Kissenmos)

Mooskapseln in diversen Öffnungsstadien

Eingestellt am 21. Februar 2026

.

Endpunkt erreicht