zum Glossar mit Abbildungsverweisen über:

Jungermanniales, Jungermannmoose i.e.S.

1 Kopf hoch (HP)

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Geben kaum sich zufrieden mit unterwürfiger, kriechender Weise!

Halten einander sich aufrecht mit Stämmchen[1];

Zum Rasen vereint, überlassen sie andern kaum einen Raum,

In den dicht besetzten Gebieten zu siedeln.

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Nicht nur lateral,

Auch bauchseits sprießen die Ästchen,

Stemmen, Raum für sich fordernd,

Achsen am wachsenden Ende empor.

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Kürzere Triebe recken sich,

Archegonien[2] Platz an der Spitze bereitend,

– Antheridien weisen sie andere Zweigenden zu –

Wie zum Trotz in die Höh‘.

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Strecken die Häupter Regentropfen entgegen

Mit Spermatozoiden[3]- und Eizellbehältern[4] nahe der Spitze,

Zum Zerstäuben, zum Fliegen und zum Empfangen

Kerntragenden, nur noch kurz schwimmender Fracht[5].

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Viel zu gering erweist sich der Volltreffer Quote,

Möglichst viele Kapseln[6] mit Sporen[7] zu füllen,

– Ein Bruchteil nur davon erreicht nutzbare Nischen –

Damit ihr Bestreben nicht vollends ins Leere zerstiebt,

Nachkommen ein Fortbestehen zu sichern,

Der Evolution sie als Entwicklungsprojekte zu geben.

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Sie lässt nicht lang auf sich warten,

Kommt gerne der Bitte nach,

Fördert jene mit guten Ideen,

Belohnt sie mit Embryonenvielzahl [8],

Sporophyten[9], Kapseln und Sporen:

Sät sie dicht und breitwürfig aus.

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Antheridien sitzen schon bald in umgestalteter Blätter Achseln,

Tropfen in richtige Bahnen zu lenken,

Spermienbeladen den Ausgang zu weisen,

Sie spitzenwärts wartenden Eizellen zu bringen.

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Wieder spritzt ein spermienträchtiger Tropfen

Am Hals des Eizellbehälters vorbei!

Vorüber damit Archegoniens Chance auf Nachwuchs:

Keine Zygote[10] wird sich bilden im Bauch.

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Nur wenige werden vom Schicksal begünstigt,

Doch rechtzeitig bauen sie vor:

Obere Blättchen[11], zum Kreis aufgestellt,

Gleichen dem Trichter, fangen das fallende Nass.

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Noch schließt der Trichter seitlich kaum dicht.

Verliert Wasser langsam dem Stämmchen entlang

Und – wer kann es verhindern? –

Der Spermatozoiden Großteil ihm mit.

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Am Randsaum der Blättchen zum dichten Becher[12] verwachsen,

– Generationen konstruierten daran –

Halten sie treffende Tropfen, Archegoniums Hals überspülend,

Für Schwimmwettbewerbe der Spermien lange zurück.

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Mit diesem Equipment versehen

Erfreu‘n sich Jungermanniales der zukunftfördernden Situation,

Sporophyten in dichter Versammlung zu bilden,

Sporen dazu en masse. –

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Führt eine neue Struktur zu echtem Erfolg,

Wird nicht selten fast Gleiches von andern erreicht:

So sorgen Archegonien meist für sich selbst und

Besorgen einen wirksamen Beutel um sich.

Jetzt wächst, wie schon bei Metzgeriidae[13],

An Archegoniums Basis ein Becher mit Wasserhaltefunktion.

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Analoge[14] Strukturen nennen Biologen diesen Befund,

Wenn, aus unterschiedlichen Grundlagen kommend,

Funktionell Vergleichbares daraus entsteht und in

Ähnlicher Weise Organismen profitieren davon.

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Fußnoten

[1] Stämmchen (Moose): Eine aufrechte oder liegende Achse, die äußerlich einem Spross der Gefäßpflanzen (Tracheophyta) ähnelt, jedoch sich davon grundlegend in Bau und Funktion unterscheidet; deshalb wird bei Moosen lediglich von Stämmchen und nicht von Spross (Stamm) gesprochen.

[2] Archegon (Moose, Farne): Besitzen eine einzellschichtige Wand (Wandzellen) mit schnabelartig ausgezogenem, anfangs mit einer Zellreihe gefülltem Hals (Halskanalzellen), die sich im Zuge der Spermatozoidenanlockung auflösen; auch die Bauchkanalzelle, als Schwesterzelle der Oocyte entstanden, löst sich dann auf.

[3] Antheridium (Moose, Farne): Behälter mit einzellschichtiger Wand, dessen vielzelliges Zentrum pro Zelle ein Spermatozoid entlässt

[4] Archegonien

[5] Spermatozoide, Spermatozoen, Spermien: Reife, männliche, haploide Keimzellen; Gameten, die im Normalfall zu eigenständiger Bewegung fähig sind

[6] Kapsel, Sporenkapsel (Moose): Mit der oft sehr komplex gebauten sogenannten Kapsel der Moose, werden Sporangien von zusätzlichen Schichten umschlossen; so bekommt dieses Organ die von Sporangien sie abgrenzende Bezeichnung Kapsel.

[7] Meiosporen: Sporen, die unmittelbar infolge Meiose entstanden sind oder sich darauf mittelbar zurückführen lassen, falls Mitosen sie in den Meiosporangien schon vermehrten.

[8] Embryo (Plantae): Im Anfangsstadium seiner Entwicklung umschlossener, diploider Sporophyt

[9] Sporophyt: Bildet im Generationswechsel von Sporophyt zu Gametophyt meiotisch (R!), da selbst diploid (oder dikaryotisch), haploide Sporen

[10] Zygote: Diploide Zelle, die nach der Verschmelzung zweier haploider Kerne, im Zuge der sexuellen Fortpflanzung entstand

[11] Blättchen (Moose): Ein blattartiges, flächiges Organ, das äußerlich einem Blatt der Gefäßpflanzen (Tracheophyta) ähnelt, jedoch sich davon im Bau grundlegend unterscheidet; deshalb wird bei Moosen lediglich von Blättchen und nicht von Blatt gesprochen.

[12] Spritzbecher-Mechanismus, Splash-Cup-Mechanismus: Eine durch Regen geleitete Verbreitungsmethode unterschiedlicher Propagulen, die am oder gegen den Grund eines glänzend-glattwandigen Bechers bereitstehen; die glatte Wandung bewirkt ein ungebremstes schnelles Gleiten des Regentropfens in den Bechergrund; der unvermittelt ihn stoppende Boden, bringt den Regentropfen dazu, sich in Tröpfchen zu zerteilen, die, der Wand entlang nach oben schießend, die Propagulen mit sich reißen und irgendwo abladen.

[13] Metzgeriidae: Igelhaubenmoose (Jungermanniopsida – Marchantiophyta – Thallophyta – Embryophyta – Streptophyta –…)

[14] Analog: So werden Merkmale bezeichnet, die von unterschiedlichen Ausgangspunkten (Strukturen, Organen) gleiches Aussehen oder gleiche Funktionen entwickelten

Eingestellt am 21. Februar 2026

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Jungermanniales, Jungermannmoose i.e.S.

2 Doppelt genäht

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Elateren[1] helfen die Sporen zu streuen:

Einzelne Zellen, mit Spitzen verseh‘n,

Bewegen, wenn feucht und trocken dann wieder das Wetter,

Sich hygroskopisch[2], lockern die Masse mit irrem Gezerr. –

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Trotz Evolution optimierender Weisen,

Sporophyten[3] in größerer Zahl Gametophyten[4] zu geben,

Um der Jungermanniales dreitausend Arten auch heute zu halten,

Genügt ihrer Sporen Menge bei weitem oft nicht,

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Vegetativ vermehren[5] Einfallsreichere sich,

Besonders solche mit seltenem Sex[6];

Legen sich, fast immer gut exponiert,

Ein- oder mehrzellige Brutkörper[7] zu.

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Zieren Spitzen der Blättchen[8] als einzelne hellere Punkte,

Auch rötlich und braun kontrastieren sie oft

Zum freudigen Grün der Umgebung,

Warten auf lösend-befreiende Kraft.

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Tiere verrichten meistens den Job,

Verschleppen, zwischen Borsten und Haare geklemmt,

Die Neukolonisten an jeglichen Ort,

Auch schwerere Tropfen[9] helfen dabei.

Leben die Pflänzchen hochexponiert,

Überwinden sie fliegend weite Strecken im Nu.

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Ungeduldig wollen sie schnell zu wachsen beginnen:

Wegen der zarten Zellwände drängt die Zeit.

Andere lassen es locker angehen,

Denn ihre Wände verdicken sie stark.

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Absicherungswütige glauben nicht an raschen Erfolg;

Belegen Blättchen um Blättchen mit grünlichem Gries,

Auch, wenn sie nach Fall der propagierenden Brösel[10],

Wie zerschlissene Fetzen auseh‘n. –

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Bulbillen, meistens am Stämmchen[11] geformt,

Versammeln Zellen zum schmächtigen Ball;

Ob sie rollen, fallen, oder gleich am Orte weiterbesteh‘n,

Entscheidet die Lage der Dinge, nicht sie allein. –

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Zerfleddern lassen sich nicht auf Schönheit Bedachte,

Geben Blättchen, Sprösschen[12], oft auch nur Teile davon

Strömen von Regen, Tieren und Stürmen

Als widerstandsfähige Stücke mit auf den Weg.

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Fußnoten

[1] Elateren (Lebermoose): Schraubenförmige oder schraubenförmig verstärkte Zellen in Sporenkapseln von Lebermoosen, die die Sporenausbreitung fördern

[2] Hygroskopische Bewegung: Durch Quellung bzw. Austrocknung von Pflanzen- oder Pilzstrukturen entstehende Krümmungsbewegungen, grundgelegt durch asymmetrische Wandschichtungen; sind nur auf physikalische Prozesse zurückzuführen, ohne Beteiligung lebender Zellen.

[3] Sporophyt: Bildet im Generationswechsel von Sporophyt zu Gametophyt meiotisch (R!), da selbst diploid (oder dikaryotisch), haploide Sporen

[4] Gametophyt: Bildet im Generationswechsel mitotisch, da selbst haploid, haploide Zellen (Gameten); oder nur Kerne, die direkt oder nach einer dikaryotischen Phase zur Karyogamie bestimmt sind

[5] Vegetative Vermehrung: Clonale Vermehrung durch vegetativ gebildete Strukturen, durch speziell geformte Verbreitungseinheiten oder jegliche Bruch- oder Teilstücke eines Organismus

[6] Geschlechtliche, sexuelle Fortpflanzung: Dafür sind drei Vorgänge miteinander gekoppelt, Meiose (abgekürzt mit R!), Plasmogamie (Zellen vereinen sich, abgekürzt mit P!) und Karyogamie (Kerne verschmelzen, abgekürzt mit K!), wobei P! und K!, mit Ausnahme bei Dikarya, unmittelbar aufeinander folgen. Bei Dikarya (Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi – Opisthokonta – Eukarya) sind beide Vorgänge unterschiedlich lang (weit) voneinander getrennt. Da bei Animalia und Plantae P! und K! unmittelbar aufeinander folgen, werden beide Vorgänge häufig zu Befruchtung (B!) zusammengefasst.

Geschlechtszellen: Männliche und weibliche

[7] Brutkörper: Mehrzellige, wenig differenzierte, vegetative Organe, die ungeschlechtlicher Fortpflanzung dienen

[8] Blättchen (Moose): Ein blattartiges, flächiges Organ, das äußerlich einem Blatt der Gefäßpflanzen (Tracheophyta) ähnelt, jedoch sich davon im Bau grundlegend unterscheidet; deshalb wird bei Moosen lediglich von Blättchen und nicht von Blatt gesprochen.

[9] Regentropfen

[10] Bulbillen: Kleine, kaum oder undifferenzierte, vegetative, also asexuelle, Vermehrungsorgane bei Pflanzen und Pilzen

[11] Stämmchen (Moose): Eine aufrechte oder liegende Achse, die äußerlich einem Spross der Gefäßpflanzen (Tracheophyta) ähnelt, jedoch sich davon grundlegend in Bau und Funktion unterscheidet; deshalb wird bei Moosen lediglich von Stämmchen und nicht von Spross (Stamm) gesprochen.

[12] Stämmchen

Eingestellt am 21. Februar 2026

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Jungermanniales, Jungermannmoose i.e.S.

3 Partnerwechsel (TP, HP)

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Der Jungermanniidae[1] Siedlungsgewinn auf

Rohböden[2] ursprünglicher Landnahmezeiten

Basierte auf unfreiwilliger Gabe an

Ursprünglich ziemlich anmaßende Partner[3].

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Ein Gleichgewicht stellte sich nach und nach ein

Von wechselseitigem Nehmen von dringlich Gebrauchtem[4].

So fragte keiner von Beiden nach vorteilhafterer Lösung:

Ob nicht ein besserer Partner sich findet bei identischer Nischenwahl[5].

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Böden als Träger der Thalli[6]

Ersetzten Jungermanniales später durch abgestorbene Stücke von Pflanzen

Mit dicken Wänden, voll inerter Glucane[7],

Ein von Glomeromycoten[8] verschmähtes Material.

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Doch schon lange war dieser pflanzliche Ort

Fest in der Hand von anderen Pilzen:

Sie nehmen ein ganzes Arsenal von Exoenzymen[9]

Zum Zerlegen festverflochtener Bündel begehrten Substrats[10].

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Hyphen[11] kommen durch eigne Verdauungskanäle voran,

Lassen, soweit ihr Einfluss auch reicht,

Keine Abfälle ungenutzt liegen:

Lösen zerlegend alles, nehmen die Flüssigkeit auf.

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Als fortschrittliche Pilze erkannten auch sie[12],

Wie ihre Jochpilzverwandten[13],

Den Vorteil kompartimentierter[14] bohrender Röhren[15],[16],

Kompletten Ausfall zu meiden, kommt es einmal zum Bruch.

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Keine Katastrophen erfahren sie mehr!

Treiben auch neue Bohrer seitwärts aus sich hervor,

Vergrößern sogar den Raum,

Den sie lösend erschließen.

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Bohren nach unten, bohren nach oben,

Kreuz und quer durch das Substrat,

Gelangen nach außen zur abgewitterten Fläche,

Verspüren Kontakt, legen dicht Blättchen[17] sich an.

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Dringen, wie Gloma schon tat,

In lichtabgewandte Partien vor!

Was dann weiter geschieht, scheint Plagiat,

Wir kennen es schon.

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Nicht mit Bäumchen[18] aber zwängen diese Pilze sich in die Zelle,

Denn Sebacina[19] fehlt Kompetenz dafür:

Schlingen, verzweigte Knäuelsysteme,

Reichen auch so für erzwungenen Tausch.

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Fußnoten

[1] Jungermanniidae: Jungermannmoose i.w.S. (Jungermanniopsida – Marchantiophyta – Thallophyta – Embryophyta – Streptophyta –…)

[2] Rohböden: Böden, deren Ausgangsmaterial noch kaum verwittert ist

[3] Gloma: Bezeichnung für hypothetischen Vorfahren der Glomeromycota

[4] Symbiose, symbio(n)tisch: wechselseitiges Nehmen zu beiderseitigem Vorteil; auch als wechselseitiger Parasitismus verstehbar

[5] Nischen (ökologische): Meist begrenzte Gebiete mit ziemlich einheitlichen Lebensbedingungen; durch spezifische abiotische und biotische Faktoren bestimmt

[6] Thallus: Körper von Pflanzen (von Pilzen); nicht in Spross, Blatt und Wurzel gegliedert

[7] Glucane: Generelle Bezeichnung für aus Zuckern entstandene Substanzen

[8] Glomeromycota: Urlandpilze (Multikarya – Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi – Opisthokonta – Eukarya)

[9] Exoenzyme: Von Pilzen durch die Zellwand ausgeschiedene Enzyme, die Substanzen in „mundgerechte“ Portionen, kleinere Moleküle, zerlegen, die dann durch die Zellwand aufgenommen werden.

[10] Substrat: Allgemeine Bezeichnung für feste, unterstützende, tragende oder nährende Substanz

[11] Hyphen (Pilze): Einzellreihige, zellwandumgebene Fäden von Pilzen mit Spitzenwachstum, mit oder ohne Querwände

[12] Sebacinales: Kalkpilzartige (Phragmobasidiale Serie – Agaricomycetes – Agaricomycotian – Basidiomycota – Dikarya –…)

[13] Glomeromycota

[14] Mit Septen, Querwänden, versehen

[15] Hyphen

[16] Trichal (Algen, Pilze, u.a.): Gebaut aus einzellreihigem Faden, wobei jede Zelle funktionell nur einen Zellkern besitzt, n, 2n (oder n+n, Dikaryon, bei Pezizomycotina und Agaricomycotina)

[17] Blättchen (Moose): Ein blattartiges, flächiges Organ, das äußerlich einem Blatt der Gefäßpflanzen (Tracheophyta) ähnelt, jedoch sich davon im Bau grundlegend unterscheidet; deshalb wird bei Moosen lediglich von Blättchen und nicht von Blatt gesprochen.

[18] Arbuskel: Bäumchen, Haustorium der Arbuskulären Mykorrhiza

[19] Sebacina: Kalkpilze (Sebacinales – Phragmobasidiale Serie – Agaricomycetes – Agaricomycotina – Basidiomycota –…)

Eingestellt am 21. Februar 2026

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Endpunkt erreicht