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Chlorococcales, Grünkokken
1 In der Schwebe (HP)
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Wozu immer noch weiterschwimmen,
Wenn der Wohnraum so günstig, das Leben so schön,
Bei Wärme und Wasser und CO2 überall!
Auch Energiesparen lässt sich trefflich dabei.
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Reserven über Reserven häufen sich an,
Denn ATP[1] ist nicht mehr gefragt für aktive Bewegung.
Allerdings wird auf die Zelle vermehrt ein Mantel aus Cellulose[5] gelegt.
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Keine Chance mehr, Geißeln[6] durch die Zellwand zu bringen.
Zu schwer wird zudem die Alge für aktives Schwimmen.
So bleibt sie im Wasser des Ufers für lange Zeit liegen.
Ein Wasserschwall trägt sie einmal davon; schwebt nun im Auftrieb dahin.
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Fast unnötig scheint der Aufwand für Pumpvakuolen[7],
Denn entschlossen begegnen Wände dem inneren Druck.
Legt sie in Granula fest.
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Alternativen behält Coccus sich vor,
Nachkommen fürs Leben auszustaffieren:
Als gleichgestaltete Zellen – beweglich mit Geißeln bestückt –
Oder als Coccale[10] der Strömung des Wassers willenlos folgend.
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Flexibilität erhöht Chancen erfolgreichen Handelns:
Schwärmer[11] verzichten wieder auf Geißeln und
Formen sich wie die Mutter;
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Nur die Zygote erweist sich als diploid[14].
Nach ihrer Ruhe erfolgt die Meiose[15] und
Jede der anfänglich oft noch begeißelten Zellen
Wird am Ende erneut zur passiven Kokke.
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In Ritzen und Mulden mit stehendem Wasser.
Dickere Zellwände, dunkle Pigmente,
Zuweilen Sporopollenin[18] schützen die Algen vor dem Vertrocknen und vor
schädlicher Strahlung[19].
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Nicht nur sie wagten den Schritt an Küste und Ufer,
Entdeckten für sich die neue Umgebung,
Stehen nun zur Kooperation[22] bereit.
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Fußnoten
[1] ATP: Adenosin-Tri-Phosphat; der Energieträger von Organismen, bestehend aus Ribose und Adenin; Ribose trägt an seiner nicht in den Zuckerring einbezogenen Kohlenstoffgruppe drei hintereinander liegende Phosphatgruppen. Diese lineare Anordnung der Phosphate hat zur Folge, dass das dritte, äußerste Phosphat, mit seiner ihm dadurch innewohnenden Energie, diese leicht unter Abspaltung auf andere Moleküle übertragen kann
[2] Glucose, Traubenzucker: Ringförmiger Zucker mit sechs [C]-Atomen [C6H12O6]; der Ring besteht aus fünf [C]-Atomen und einem Sauerstoffatom; das restliche [C]-Atom hängt als [–CH2OH]-Gruppe an einem dem Sauerstoff benachbarten [C]-Atom; vier [–OH]-Gruppen stehen an [C]-Atomen des Rings, wobei [–CH2OH] und die dem Sauerstoff benachbarte [–OH]-Gruppe in gleicher Richtung stehen, alle anderen wechseln sich richtungsmäßig ab
[3] Stärke: Gemisch aus Amylose und Amylopectin; Speicherpolysaccharid der Pflanzen
[4] Stärkekörner: In Chloroplasten von Pflanzen im Zuge der Photosynthese synthetisierte Zucker werden als Reservestärke in Form von Körnern abgelagert, wobei diese Stärkekörner, abhängig von der Pflanzenverwandtschaft, spezielle äußere und interne Strukturen aufweisen können; sie besitzen einen Durchmesser von 2–150 µm.
[5] Cellulose: Unverzweigte Ketten aus Glucose in β-1,4-Verknüpfung; wobei der 6C-Zucker Glucose in Ring-Form geschrieben, das C1 der Aldehydgruppe ist [CH2OHCHOHCHOHCHOHCHOHCHO], davon aus gerechnet ist der vierte Kohlenstoff das C4 ist. In Ringform geschrieben weist die OH-Gruppe des C1 nach oben, wie auch die frei gebliebene CH2OH-Gruppe. Die OH-Gruppen wechseln von 1 bis 4 die Stellung: C1 nach oben, C2 nach unten, C3 noch oben, C4 nach unten, an C5 hängt die nach oben stehende CH2OH-Gruppe.
[6] Flagellum, Geißel (Eukaryageißel): Charakterisiert durch ihren internen Bau aus 9 peripheren, etwas schräg nach innen gestellten Doppelmikrotubuli (Querschnitt durch die Geißel) und durch ein zentrales Tubulipaar, das etwas Abstand voneinander hält. Dyneinarme verbinden die Mikrotubuli. Die Geißel ist von der Zellmembran umgeben und gefüllt mit Cytosol. Am Übergang der Geißelbasis in den Zellkörper treten spezielle Verstrebungen, Verstärkungen, auf; eine dünne Querplatte (Terminalplatte) trennt oft den untersten, in die Zelle integrierten Teil, der in seiner Struktur einem Centriol entspricht: Es fehlen die beiden zentralen Mikrotubuli und die peripheren Zwillinge wurden zu Drillingen. Die in der Zelle gelegenen Teile der Geißel sind noch durch verwandtschaftsabhängig gestaltete Haltestrukturen verwurzelt.
[7] Pulsierende Vakuolen, kontraktile Vakuolen: Kontrahierende Bläschen bei verschiedenen Einzellern mit fehlender Zellwand, dienen der Wasserausscheidung, indem sie sich rhythmisch vergrößern und dabei Flüssigkeit aus dem Cytoplasma aufnehmen und, sich zusammenziehend, nach außen abgeben. Dies ist notwendig, da durch Osmose ständig Wasser in ihre Zelle strömt. Dieser Wassereinstrom kommt durch den höheren osmotischen Innendruck zustande. Die Salzkonzentration innerhalb der Zellen ist also höher als in dem sie umgebenden Süßwasser. Ohne die kontraktilen Vakuolen würden die Zellen platzen.
[8] Coccus: Bezeichnung für einen hypothetischen Vorfahren der Chroococcales
[9] Osmotisch aktive Substanzen: Teilchen in einer Lösung, die Wasser anziehen und so den osmotischen Zustand einer Zelle beeinflussen können; zu diesen Substanzen gehören Ionen, Proteine und andere lösliche Moleküle wie Glucose und Harnstoff.
[10] Coccal: Sind unbewegliche, runde oder ellipsoide, einzellige Organismen, ohne aufquellende, schleimige Zellwände
[11] Schwärmer, Zoid: Allgemeiner Ausdruck für begeißelte, bewegliche Zellen (Zoospore oder Gamet)
[12] Isogameten: Gleichgestaltete „weibliche“ und „männliche“ Gameten; man spricht stattdessen besser von (+)- und (–)-Gameten oder von α- und β-Gameten
[13] Zygote: Diploide Zelle, die nach der Verschmelzung zweier haploider Kerne, im Zuge der sexuellen Fortpflanzung entstand
[14] Diploid: Zellkerne mit doppeltem Satz zusammenpassender, homologer, Chromosomen; ausgedrückt mit 2n
[15] Meiose, meiotisch, R!: Meiose dient der Reduktion eines diploiden Chromosomensatzes zu haploiden Sätzen. Dabei werden einander entsprechende Chromosomen, im Kern sich dann mittig in einer Ebene gegenüberstehend, gepaart und anschließend in entgegengesetzter Richtung („polwärts“) separiert. Dieser Vorgang wird auch als Reduktionsteilung (oft abgekürzt als R! und zugleich stellvertretend für die ganze Meiose verwendet) bezeichnet. Da die voneinander getrennten haploiden Chromosomen schon zu Chromatiden verdoppelt sind, schließt sich an die Reduktionsteilung noch eine mitotische Teilung an, so dass vier haploide Kerne letztlich vorliegen.
[16] Trebouxia: Trebouxiophyceae; nicht separat behandelt (Chlorophyta – Plantae – Eukarya)
[17] Trentepohlia: Schuppengrünalgen (Trentepohliales; nicht separat behandelt – Ulvophyceae – Chlorophyta – Plantae – Eukarya)
[18] Sporopollenin: Gilt als das widerstandsfähigste organische Material, da es hohen Temperaturen sowie starken Säuren und Basen widersteht. Enzyme können Sporopollenin nicht abbauen. Analysen zeigten ein komplexes ungeordnetes Biopolymer, das hauptsächlich langkettige Fettsäuren, Phenylpropanoide, Phenole und Spuren von Carotinoiden enthält. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Sporopollenin von vielen verschiedenen Vorläufermolekülen gebildet wird, um solche widerstandsfähigen Substanzen zu bilden. Es liegen gute Hinweise vor, dass die chemische Zusammensetzung von Sporopolleninen in Pflanzen nicht identisch ist; es sind eher Substanzen ähnlicher Eigenschaften als konstanter Struktur.
[19] Hartes ultraviolettes Licht: Ultraviolette Strahlung (UV-A-Strahlung) zwischen 380 und 315 Nanometer Wellenlänge
[20] Blaualgen: Cyanobacteria (Bacteria)
[21] Bakterien, Bacteria: Bilden zusammen mit Archäen (Arachaea) die sog. Prokaryo(n)ten, die noch keinen echten Zellkern und keine komplex gebauten Chromosomen besitzen. Sie unterscheiden sich grundsätzlich voneinander. Deshalb wurden die Archäen in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts als eigene Organismen-Domäne der Domäne der Bakterien gegenübergestellt
[22] Eventuell Biofilme zu bilden
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Chlorococcales, Grünkokken
2 Schwebende Vielfalt
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In weite Fernen verfrachten Wasserströme
Viele der zellwandversehenen grünen Geschwister.
Nicht wenige peitschen die Stürme
Heraus auf trockenen Fels
Und weit über Land in ruhige Seen,
Befüllen das Wasser auch dort mit grünendem Leben.
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Sinken oft schnell in Tiefen hinab, denn der Auftrieb[1] als Kugel ist recht gering.
Die Physik macht ihnen schwer zu schaffen:
Das Verhältnis der Fläche zum Kugelvolumen
Erweist für günstigen Auftrieb sich als unvorteilhaft.
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Wohl denen, die sich Seite an Seite verkleben,
Sich gemeinsam zur Fläche gestalten
Oder gar die Flächen mit Fortsätzen zieren.
Sie schweben der Evolution auftriebsbegünstigt beachtlich voran.
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Verlängerte Zellen, sternförmig strahlend,
Vergrößern die auftriebsvermittelnde Fläche
Verglichen mit ihres winzigen Körpers Masse;
Hält so die bizarre Versammlung fernab vom todbringenden Grund. –
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Pediastrum[2] bevorzugt Lücken in der rundflächigen Schicksalsgemeinschaft,
Verhindert damit ein Sinken in abgründige Tiefen.
Gewährt den verbundenen Gliedern
Optimalposition zum auftreffenden Licht. –
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Raumnetzgleich findet sich Hydrodictyon[3] ein.
Doppelt spitzhäubig geformte, zylindrische Zellen
Verbinden sechs bis acht ihrer Nachbarn in flächiger Ordnung
Zum behäbig flottierenden, oft ufernah ruhenden, maschenwandigen Schlauch.
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Hunderte unruhig schwimmende Isozoide[4]
Beenden ihr hektisches Treiben, berühren, halten einander,
Ordnen sich, Geißeln[5] einziehend,
Peripher in der Mutterzelle zum engmaschigen Minischlauch.
Zellwandverschleimend befreit sich die kleinzellige Jugendgestalt;
Nur noch Dehnung der Zellen ist nötig, das Wassernetz endgültig zu formen. –
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Gloeocystis[6] versucht es auf andere Weise,
Die Stellung im Wasser zu halten:
Mit wassergesättigter, dicker gallertiger Hülle,
Passt sie des Wassers spezifischer Masse[7] hervorragend sich an. –
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Scenedesmus[8] wählt eine neue Version, die Zellen zu ordnen,
Ahnt aber nicht, wie nah er damit der Zukunft schon weilt[9]:
Reiht seine Zellen nur aneinander:
Aus vier, bisweilen gar acht, lässt er lockere Fäden entsteh‘n.
Erhöht seine Schwebefähigkeit häufig
Beidseits der freien Enden mit je einem Horn.
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Fußnoten
[1] Auftrieb: Der Schwerkraft entgegengesetzte Kraft, der ein in eine Flüssigkeit oder in ein Gas eingetauchter oder untergetauchter Körper unterworfen ist; sie wirkt senkrecht zur Bewegungsrichtung eines Körpers in einem Medium (Flüssigkeit oder Gas). Ist z. B. das spezifische Gewicht eines Körpers in einer bestimmen Höhe des Wasserkörpers geringer als Wasser, steigt er, ist er schwerer, sinkt er, bis sich, hängig vom einwirkenden Druck der Wassersäule, die Größen gleichen.
[2] Pediastrum: Zackenrädchen (Chlorococcales – Chlorophyceae – Chlorophyta – Plantae – Eukarya)
[3] Hydrodictyon: Wassernetze (Chlorococcales – Chlorophyceae – Chlorophyta – Plantae – Eukarya)
[4] Isozoide: gleichgestaltete Flagellaten
[5] Flagellum, Geißel (Eukaryageißel): Charakterisiert durch ihren internen Bau aus 9 peripheren, etwas schräg nach innen gestellten Doppelmikrotubuli (Querschnitt durch die Geißel) und durch ein zentrales Tubulipaar, das etwas Abstand voneinander hält. Dyneinarme verbinden die Mikrotubuli. Die Geißel ist von der Zellmembran umgeben und gefüllt mit Cytosol. Am Übergang der Geißelbasis in den Zellkörper treten spezielle Verstrebungen, Verstärkungen, auf; eine dünne Querplatte (Terminalplatte) trennt oft den untersten, in die Zelle integrierten Teil, der in seiner Struktur einem Centriol entspricht: Es fehlen die beiden zentralen Mikrotubuli und die peripheren Zwillinge wurden zu Drillingen. Die in der Zelle gelegenen Teile der Geißel sind noch durch verwandtschaftsabhängig gestaltete Haltestrukturen verwurzelt.
[6] Gloeocystis: Gallerthüllen-Grünalgen (Chlorococcales s.l. – Chlorophyceae – Chlorophyta – Plantae – Eukarya)
[7] Spezifisches Gewicht: Ist diejenige Zahl, die angibt, um wieviel schwerer oder leichter eine bestimmte Raummenge eines Körpers ist als eine gleich große Raummenge Wasser
[8] Scenedesmus: Gürtelalgen (Chlorococcales s.l. – Chlorophyceae – Chlorophyta – Plantae – Eukarya)
[9] Einem Faden mit Querwänden, einem Trichom
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Chlorococales verschiedene Gattungen
Autor: Pentecost, Allan [Artist] (2016)
Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license; unverändert
Messstrich 10 µm
Eingestellt am 21.Februar 2026
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Oben Pediastrum spec.
Autor: Andrei Savitsky
Lizenz: Creative Commons Attribution 4.0 International license; unverändert
Unten: Pediastrum duplex
Autor: Dr. Ralf Wagner
Lizenz: GNU Free Documentation License; unverändert
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Oben: Hydrodictyon reticulatum
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/9/9e/Hydrodictyon_amimidoro01.jpg/960px-Hydrodictyon_amimidoro01.jpg
Autor: Keisotyo
Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license; unverändert
Unten: Hydrodictyon reticulatum Detail, DIC
Autor: NEON_ja
Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.5 Unported license; unverändert
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Oben: Chlorococcum
Autor: Tsukii, Yuuji
Lizenz: ytsukii@hosei.ac.jp; angefragt
Mitte: Gloeocystis (angefragt per e-mail: ytsukii@hosei.ac.jp; Gloeocystis http://protist.i.hosei.ac.jp/pdb/images/chlorophyta/Gloeocystis/sp_14.html; 1.10.25
Autor: Tsukii, Yuuji
Lizenz: ytsukii@hosei.ac.jp; angefragt
Unten: Scenedesmus
Autor: Frank Fox
Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Germany license; unverändert
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Endpunkt erreicht
