zum Glossar mit Abbildungsverweisen über:

Thallophyta, Lagerpflanzen

1 Aufstrebend

.

Mit grünen Trichomen[1],[2] befrei‘n sich die Sporen

Aus ihrer sichernden Wand,

Drängen, eng an den Grund sich schmiegend,

Erste Lichtstrahlen fangend, ein Stück weit voran.

.

Von welchen Faktoren auch immer bestimmt,

Wandelt der Faden[3], subterminal[4] in wechselnder Folge,

Links, dann rechts und wiederum links, schiefe Wände einziehend,

Zum keiligen, zweischneidigen Scheitel[5] sich um.

.

Mit dreischneidiger Spitze[6] probieren es andere

Rund um die Spitze im Drittelkreis-Wechsel,

Erheben sich folglich nicht selten zum Stämmchen[7]

Mit flächigen Blättchen[8] der Achse entlang.

.

Sichert fest im Substrat[9] sich mit bräunlichen Fäden[10].

Warum mit Chloroplasten[11] sie weiter bestücken,

Wenn Licht, durch den Thallus[12] verdunkelt,

Sie nicht erhellt?

.

Ist der grüne, lichtbedürftige Bau erstarkt, flächig oder erhoben,

Einzeln, oder gar des Ufers Grün bestimmend,

Wenden sie sich, Antheridien[13] und Archegonien[14] differenzierend,

Der genpooldurchmischenden[15] Fortpflanzung[16] zu.

.

Mit Flüssigkeitstropfen dem Spermatozoidenbehälter[17],[18] entquollen,

Liegen die männlichen Keime[19] in dichtem Gewimmel versammelt,

Als plötzlich aus großer Höhe ein Tropfen mit Wucht

In ihre Versammlung stürzend, sie mit kleineren Tröpfchen verspritzt.

.

Nur wenige Glückliche landen mit ihrem Tropfengefährt

Nahe genug an empfängnisbereiten Eizellbehältern[20],

Um, von Lockstoffen[21] sicher geleitet,

Mit ihren nach hinten schlagenden Rudern[22],[23] das offene Tor zu erschwimmen.

Andere warten noch eine Weile, neue Taxis[24] zu finden,

Viele erreichen auch so nicht ihr Ziel.

.

Einen engen Kanal, geöffnet durch das Verschleimen der

Anfangs verschlossenen Zellen,

Schwimmen sie, häufig als wettkämpfender Pulk,

Auf eine wartende Eizelle[25] zu und –

Nur einem von ihnen lacht das Glück:

Er ist der Sieger, vermählt[26],[27] sofort sich mit ihr.

.

Chromosomen, vereint zu doppelter Kraft[28],[29],

Zielen auf eines diploiden Thallus‘ Neukonstruktion:

Heben vom Gametophyten[30] ihn ab,

Erweitern am Grund ihn zum saugenden Fuß[31],[32],

Am Scheitel hingegen zum sporenbildenden Raum[33],

Schützend umgeben von dickerer Wand.

.

Unmöglich ist es dem Bauch des Archegons,

Dem Wachstum des Sporophyten zu folgen,

Obwohl eine Zeitlang sich darum redlich bemühend,

Bleibt er als Teil Hülle oder gänzlich zurück.

.

Nur durch Platzen Kapseln[34] zu öffnen

Genügt den meisten Moosen[35] verbreitungsbiologisch[36] nicht.

Zu Anfang ihrer Geschichte

War das Öffnen womöglich recht simpel.

Im Laufe des Fortschritts[37] jedoch,

Erweist sich einfaches Bersten als suboptimal.

.

Fußnoten

[1] Trichom (Anatomie): Einzellreihiger Faden oder einzellreihiges Haar

[2] Trichal (Algen, Pilze, u.a.): Gebaut aus einzellreihigem Faden, wobei jede Zelle funktionell nur einen Zellkern besitzt, n, 2n (oder n+n, Dikaryon, bei Pezizomycotina und Agaricomycotina)

[3] Trichom

[4] Subterminal: Unterhalb des höchsten, des weitest vorstehenden Punktes

[5] Zweischneidige Scheitelzelle: Die dauernd teilungsaktive Scheitelzelle gibt, wenn zweischneidig, in wechselnder Folge auf gegenüberliegenden Seiten anfangs keilförmige Zellen ab, von denen alle weiteren Zellen abstammen; Organismen mit solchen Scheitelzellen formen ebene Vegetationskörper.

[6] Dreischneidige Scheitelzelle: Die dauernd teilungsaktive Scheitelzelle gibt, wenn dreischneidig, in schraubiger Drittel-Kreis-Folge anfangs keilförmige Zellen ab, von denen alle weiteren Zellen abstammen; Organismen mit solchen Scheitelzellen formen räumliche Vegetationskörper. Ihre Gestalt ähnelt einem Tetraeder, wobei eine Fläche zur Spitze zeigt und die drei verbleibenden Seiten in schraubiger Weise Segmente abgliedern.

[7] Stämmchen (Moose): Eine aufrechte Achse, die äußerlich einem Spross der Gefäßpflanzen (Tracheophyta) ähnelt, jedoch sich davon grundlegend in Bau und Funktion unterscheidet; deshalb wird bei Moosen lediglich von Stämmchen und nicht von Spross (Stamm) gesprochen.

[8] Blättchen (Moose): Ein blattartiges, flächiges Organ, das äußerlich einem Blatt der Gefäßpflanzen (Tracheophyta) ähnelt, jedoch sich davon im Bau grundlegend unterscheidet; deshalb wird bei Moosen lediglich von Blättchen und nicht von Blatt gesprochen.

[9] Substrat: Allgemeine Bezeichnung für feste, unterstützende, tragende oder nährende Substanz

[10] Rhizoide: Fadenartige, wurzelähnliche, trichale oder unseptierte Auswüchse zum Festheften von Thallophyten

[11] Chloroplast (allgemein): Zur Fotosynthese befähigter, grüner Chromatophor

[12] Thallus: Körper von Pflanzen (Pilzen); nicht in Spross, Blatt und Wurzel gegliedert

[13] Antheridium (allgemein): Spermatozoen oder Spermakerne bildender Behälter von Plantae, Fungi und Chromalveolata

[14] Archegon: Eizelle bildender Behälter der Plantae

[15] Genetische Rekombination: Neuanordnung genetischen Materials, von RNA und DNA; im engeren Sinn kommt es zum Austausch von Allelen und durch genetische Rekombination zu neuen Gen- und Merkmalskombinationen.

[16] Sexuelle, geschlechtliche Fortpflanzung: Dafür sind drei Vorgänge miteinander gekoppelt, Meiose (abgekürzt mit R!), Plasmogamie (Zellen vereinen sich, abgekürzt mit P!) und Karyogamie (Kerne verschmelzen, abgekürzt mit K!) verbunden, wobei P! und K!, mit Ausnahme bei Dikarya, unmittelbar aufeinander folgen. Bei Dikarya (Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi – Opisthokonta – Eukarya) sind beide Vorgänge unterschiedlich lang (weit) voneinander getrennt. Da bei Animalia und Plantae P! und K! unmittelbar aufeinander folgen, werden beide Vorgänge häufig zu Befruchtung (B!) zusammengefasst.

[17] Antheridium

[18] Spermatozoide, Spermatozoen, Spermien: Reife, männliche, haploide Keimzellen; Gameten, die im Normalfall zu eigenständiger Bewegung fähig sind

[19] Spermatozoide

[20] Archegonien

[21] Pheromon: Von Organismen produzierter und abgesonderter (Duft)stoff, der Stoffwechsel und Verhalten anderer Individuen der gleichen Art beeinflusst

[22] Flagellum, Geißel (Eukaryageißel): Charakterisiert durch ihren internen Bau aus 9 peripheren, etwas schräg nach innen gestellten Doppelmikrotubuli (Querschnitt durch die Geißel) und durch ein zentrales Tubulipaar, das etwas Abstand voneinander hält. Dyneinarme verbinden die Mikrotubuli. Die Geißel ist von der Zellmembran umgeben und gefüllt mit Cytosol. Am Übergang der Geißelbasis in den Zellkörper treten spezielle Verstrebungen, Verstärkungen, auf; eine dünne Querplatte (Terminalplatte) trennt oft den untersten, in die Zelle integrierten Teil, der in seiner Struktur einem Centriol entspricht: Es fehlen die beiden zentralen Mikrotubuli und die peripheren Zwillinge wurden zu Drillingen. Die in der Zelle gelegenen Teile der Geißel sind noch durch verwandtschaftsabhängig gestaltete Haltestrukturen verwurzelt.

[23] Einseitig subterminal inserierend, wie typisch für Streptophyta

[24] Wassertropfen

[25] Eizellen: Unbewegliche, nährstoffreiche, weibliche, haploide Keimzellen

[26] Plasmogamie: Verschmelzung der Protoplasten zweier Zellen im Zuge sexueller Fortpflanzung; abgekürzt P!

[27] Karyogamie: Verschmelzung zweier haploider Zellkerne; abgekürzt K!

[28] Diploid: Zellkerne mit doppeltem Satz zusammenpassender, homologer, Chromosomen; ausgedrückt mit 2n

[29] Sporophyt: Bildet im Generationswechsel von Sporophyt zu Gametophyt meiotisch (R!), da selbst diploid (oder dikaryotisch), haploide Sporen

[30] Gametophyt: Bildet im Generationswechsel mitotisch, da selbst haploid, haploide Zellen (Gameten); oder nur Kerne, die direkt oder nach einer dikaryotischen Phase zur Karyogamie bestimmt sind

[31] Haustorium (Moose): Bei Moosen verzahnen sich Zellen, des auf dem Gametophyten verbleibenden Sporophyten mit jenen des Gametophyten, ohne in die Zellen des Gametophyten einzudringen; intrazelluläre Veränderungen stellen aber sicher, dass der junge noch nicht ausreichend zur Fotosynthese befähigte Sporophyt von Substanzen des Gametophyten profitieren, von ihm beziehen kann. Weil es sich nicht um einen Parasitismus einer Art auf einer anderen handelt, spricht man eher von Gonotrophie.

[32] Gonotrophie:  Ernährungsbezogene Abhängigkeit einer Generation von der vorherigen Generation derselben Pflanzenart

[33] Sporangium: Behälter, in dem Sporen asexuell oder sexuell gebildet werden

[34] Kapsel (Moose): Mit der sehr komplex gebauten sogenannten Kapsel der Moose, werden Sporangien von zusätzlichen Schichten umschlossen; so bekommt dieses Organ die abgrenzende Bezeichnung Kapsel.

[35] Moose: Thallophyta (Embryophyta – Streptophyta – Plantae – Eukarya)

[36] Verbreitungsbiologie, Ausbreitungsbiologie: Mechanismen (Tätigkeiten von Tieren, Wind, Wasser; aktives Verstreuen durch Pflanze oder Pilz), die der Ausbreitung des Organismus durch Verbreiten ihrer Propagulen (Sporen, Samen, Früchte, Brutknospen, etc.) dienen, um ein möglichst weitgestreutes Besetzen geeigneter Nischen zu ermöglichen.

[37] Evolution: Stammesgeschichtliche Entwicklung von niederen zu weiterentwickelten (zu oft höheren) Formen des Lebendigen

Eingestellt am 21. Februar 2026

.