zum Glossar mit Abbildungsverweisen über:

Oedogoniales, Kappengrünalgen

1 Die ganz Besonderen

.

Wer im Frühjahr in eutrophierten[1] Gewässern

Dunkelgrüne Pelze auf Steinen oder anderem sieht,

Womöglich sogar im eignen Aquarium findet,

Entdeckt bestimmt, mikroskopiert er sie, eine Kappenalgen-Art[2].

.

Meist liegt ein Kappenstapel an einem Ende der Zelle,

Am andern jedoch eine einzige Kappe nur:

Aufgerissene Stellen der Wand rund um die Zelle sind sie,

Die blieben, nachdem sich Oedogonium hatte geteilt;

Etwas Einzigartiges in der Welt der Fadenwesen,

Nicht nur der Algen[3], die im Focus hier steh’n.

.

Irgendeine Stelle im trichal[4] organisierten Faden,

Schickt interkalar[5] zum Teilen sich an:

.

Ein dicker Wulst läuft ringförmig um eine Zelle im Innern,

Unterhalb des oberen Septums[6], der Wand entlang

Aus amorpher[7] Substanz, von Golgivesikeln[8] herrührend,

So, wie des Fadens Oberfläche sie gleichfalls besitzt.

.

Der Zellkern teilte bereits sich inmitten der Zelle mitotisch[9]

Fernab vom wulstigen Ring.

Schon ordnen sich zwischen die Tochterkerne senkrecht zur Längswand Mikrotubuli[10]

Als Schablone für die neue Querwand, zum Phycoplast[11],

Lassen Freiraum jedoch für Vesikel, vom ER[12] womöglich stammend,

Doch bleibt das junge Septum noch unverbunden der Längswand.

.

Sich vergrößernde Vakuolen[13], vielleicht auch neugebildete,

Schieben die entstehende Querwand hoch Richtung Wulst,

Der sich öffnet, reißt doch die Längswand an seiner Basis,

Streckt sich, zunächst rundum eine Eindellung bildend, gliedert danach in die Längswand sich ein.

Die schmalen Lippen der aufgerissenen Längswand biegen sich

Etwas nach außen zu je einer Kappe beidseits des vormaligen Rings.

.

Mittlerweile hat die junge Querwand direkt unterhalb des Wulstes Position genommen,

Findet, sich weiterbauend und differenzierend, Anschluss an ihre Längswand:

So wird die neue Zelle, das amorphe Material wurde von fester Substanz unterfüttert,

Oben und unten von je einer Kappe begrenzt.

Teilte die Zelle zum vierten Mal sich bereits, stapeln sich am oberen Ende vier der Kappen,

Und, als Folge dieser Zellteilung, liegt am unteren Ende eine nur.

Plasmodesmen[14] verbinden benachbarte Zellen,

Denn Miniporen bleiben frei, wird eine Querwand neukonstruiert.

.

Fußnoten

[1] Eutrophes Gewässer: Eutroph sind Gewässer der Trophiestufe III mit hohem Phosphatgehalt und daher hoher Produktion von Biomasse. Das Plankton ist sehr arten- und individuenreich. Das Wasser ist trüb und meist durch unterschiedliche Algen grünlich bis gelbbraun gefärbt. Die Sichttiefe liegt in der Regel unter zwei Metern.

[2] Oedogonium: Kappenalgen (Oedogoniales – Chlorophyceae – Chlorophyta – Plantae – Eukarya)

[3] Algen: Eine organismenreichübergreifende Bezeichnung für überwiegend im Wasser lebende, grüne Thallophyten

[4] Trichal (Algen, Pilze, u.a.): Gebaut aus einzellreihigem Faden, wobei jede Zelle funktionell nur einen Zellkern besitzt, n, 2n (oder n+n, Dikaryon, bei Pezizomycotina und Agaricomycotina)

[5] Interkalar: Dazwischen, zwischen Enden

[6] Septum (Algen, Pilze): Querwand eines einzellreihigen Fadens, eines Trichoms, eines Zellausläufers, einer Hyphe

[7] Amorph: Substanz, in der die Moleküle keine geordneten Strukturen, sondern eine unregelmäßige Anordnung aufweisen

[8] Golgivesikel, Golgicisternen: Vesikel des Golgiapparates, eines Zellorganells, bestehend aus ausgedehnten, meist gestapelten Cisternen, in denen vom ER hergestellte Proteine sortiert und modifiziert werden; schnürt kleine Vesikel ab, die Zellprodukte sammeln, die für andere Zellorganellen bestimmt sind

[9] Mitose, mitotisch, abgekürzt M!: Im Kern mittig in einer Ebene versammelte Chromosomen bildeten je zwei identische Chromatiden, die bei der Mitose durch Mikrotubuli separiert werden und, von einer Zellwand getrennt, als identische Chromosomensätze der entstandenen Zellen wirken

[10] Mikrotubuli: Röhrenförmige Proteinkomplexe innerhalb eukaryotischer Zellen und in Geißeln; Hohlröhren aufgebaut aus den Dimeren α- und β-Tubulinen; funktionieren bei vielen wesentlichen zellulären Prozessen, einschließlich Mitose und Meiose. Mikrotubuli sind gerichtete Strukturen, deren Enden wegen ihrer Polymerisationsrichtung mit plus und minus bezeichnet werden; das α-Tubulin-Ende wird minus-Ende genannt, das β-Tubulin plus-Ende; bilden die Grundlage für das Cytoskelett und spielen eine wichtige Rolle in der Ausbildung der Kernteilungsspindel und im Vesikeltransport.

[11] Phycoplast: Hilfskonstrukt für die Querwandbildung bei Zellteilung; dazu liegen Mikrotubuli parallel zur Kernteilungsebene in variablen Richtungen ausgerichtet, in deren Zentrum, auf beiden Seiten von Mikrotubuli umgeben, sich die neue Zellwand bildet; nach deren Fertigstellung werden sie wieder aufgelöst.

[12] ER-Cisternen: Vom ER gebildete, oft unregelmäßig gestaltete, vesikelartige Strukturen

[13] Saftvakuolen: Vakuolen, deren Aufgabe wesentlich in der Aufnahme, oft Speichern, von in Wasser gelösten Substanzen liegt

[14] Plasmodesmen: Zell-zu-Zell-Verbindungen der Pflanzen. Diese cytoplasmatischen Kanäle (von 30 – 40 nm Durchmesser) dienen dem Stoff- und Informationsaustausch zwischen Zellen.

Eingestellt am 21. Februar 2026

.

Oedogonium-Trichom mit Kappen

Autor: T. Voekler

Lizenz:  Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license; unverändert

Eingestellt am 21. Februar 2026

.

Oedogonium: Zellteilung und Bildung der Kappen; schematisch im Längsschnitt (Tusche und Kreide; Reinhard Agerer)

Links oben: Ein Ringwall wird knapp unterhalb einer Querwand angelegt (ocker; mit dünner Auflösung der inneren Schichten der Längswand (helle kurze Linie in der dicken schwarzen Linie); Zellwand außen von einer amorphen Schicht umgeben (grau); Kern in Metaphase, Teilungsspindel gut sichtbar; große Vakuolen (blau umrandet) pressen den Protoplasten an die Wand und teilen ihn in Stränge auf.

Links unten: Der Zellkern hat ich geteilt, eine Querwand wird mit Vesikeln angelegt (braune Punkte); die junge Querwand hat keinen Kontakt zur Längswand.

Mitte: Der Ringwall reißt auf, wird zur amorphen Außenschicht der späteren Längswand, eine dünne Schicht der neuen Zellwand (dunkelbraun) wird angelegt; die Bildung der Querwand ist bereits fortgeschritten und wurde durch Vakuolenvergrößerung nach oben Richtung aufgerissenen Ringwall verschoben. An der Aufrissstelle sind zwei Kappen entstanden: Die beiden Kappen oberhalb des Ringwalls (Zeichnung links oben) wurden dabei um eine Kappe vermehrt, die untere Kappe ist oberhalb nahe der angelegten Querwand als nun einzige Kappe zu sehen.

Rechts: Die neue Zelle ist fertiggesellt: Ihre Zellwand (dunkelbraun) ist von einer amorphen Schicht (ocker; Ringwallanlage) umgeben, die Längswände sind vollkommen gestreckt, setzen übergangslos die Längswand der unteren Zelle fort; die neue Querwand (dunkelbraun) ist fertiggestellt und nun mit der Längswand fest verbunden; die Zellkerne liegen wieder wandständig.

Nach van den Hoek et al. S. 385, Fig. 21.27

Eingestellt am 21. Februar 2026

.

Oedogoniales, Kappengrünalgen

2 Dominante Weibchen

.

Als Haplonten[1] agieren Kappengrünalgen,

Treten hetero-[2] oder homothallisch[3] hervor,

Wobei der männliche Gametophyt[4] – verwundert es jemand? –

Wenn homothallisch, den Kürzeren zieht.

.

Doch lassen zunächst wir die Männchen noch wirken,

Die isomorph[5], wie Weibchen sich geben, also trichal[6], von gleicher Gestalt.

Weibchen bestimmen Ort und Zeitpunkt der sexuellen Fortpflanzung[7],

Durch eine ihrer Zellen[8], die letztlich zum Oogonium[9] wird.

Zunächst aber lockt sie mit Pheromonen[10] männliche Zoosporen[11], die in

Kurzzellig gestapelten Zoosporangien[12] entstanden, dort je eine haploide[13] Spore nur.

.

 – Stephanokont[14] nennt sie die Wissenschaft,

Besitzen sie doch von Dutzenden Flagellen[15] einen Kranz

Am vorderen Ende; nur ein bisschen noch

Lugt des Schwärmers[16] breit-ellipsoider Körper daraus hervor. –

.

Der ganze Zellinhalt quetschte sich aus des Männchens Sporangium[17],

Der als Keimvesikel[18] die einzige Spore enthält;

Erst nach kurzer Ruhepause verschwindet die Hülle,

Wodurch die haploide Zoospore wird frei.

.

Haploide Zoosporen versammeln sich auf des Weibchens Oogonmutterzelle,

 – Pheromondüften folgen sie, wie schon erwähnt –

Setzen sich darauf Kranz[19] voraus fest, verlängern sich zur keuligen Zelle,

Die zum Zwergmännchen[20] mit zwei apikalen, scheibenförmigen Antheridien[21] wird

Mit je zwei kleinen, stephanokonten, männlichen Gameten[22].

Zuvor aber teilte die Oogonmutterzelle sich unter Einfluss der Zwergmännchen Pheromon

In das obenstehende Oogon mit Eizelle[23],

Die aus dem gesamten Protoplasten[24] entstand,

Und in eine Unterstützerzelle darunter

– Nach der Wulstmethode[25], wie sich‘s versteht. –

.

Alle Zwergmännchen, wo immer Platz sie gefunden, darauf, darunter, darüber,

Biegen sich nach der Eizelle hin, richten sich aus,

Entlassen ihre Gameten; sie durchschwimmen,

Angelockt durch des Weibchens Pheromon, eine Schleimhülle des Ooogons.

Begegnet ein Glücklicher einer plötzlich heraustretenden Cytoplasmapapille[26],[27}

Nimmt er Kontakt auf und wird unvermittelt damit in die Eizelle gesaugt[28].

.

Dieser Plasmogamie[29] folgt Karyogamie[30] und damit Zygotenbildung[31].

Die Dauerzygote[32], mit verdickter, artspezifischer Wandstruktur,

Verbleibt noch eine Weile im Oogonium.

Nach Meiose[33] treten vier haploide Stephanosporen[34] aus, die

Fifty-fifty zu haploiden weiblichen und männlichen Gametophyten werden,

Womit der Lebenskreislauf[35] erneut beginnt.

.

Auch asexuelle Vermehrung[36] lässt bei Oedogonien[37] sich finden:

Einer mehr rundlichen Zelle Protoplast, durchbricht die Zellwand, bleibt

Länger noch hängen daran, bis eine Stephanocyte[38] darin sich als Zoospore bildet,

Die je nach Herkunft das Männchen oder ein Weibchen vermehrt. –

.

Genau durchdacht und betrachtet,

Liegt Oedogoniums männlicher Gametophyt in zwei Generationen vor:

Der trichal organisierte, wenn steril vom weiblichen nicht zu trennen

Und, was als Zwergmännchen agiert,

Das aus Zoosporen entsteht und als Dreizellgebilde des

Gametophyten ureigentliche Aufgabe, Spermatozoide[39] zu bilden, übernimmt. –

.

Homothallische Oedogonien bilden nur einen Typ Thallus,

Worauf Oogonien und Antheridien, vielleicht gar zeitlich versetzt, entsteh’n;

Auf Zwergmännchen wird dann jedoch verzichtet,

Spermatozoid ist, was bei Heterothallischen Zoospore wär.

.

Fußnoten

[1] Haplont: Organismus, dessen Zygote ausschließlich diploid ist, alles andere ist haploid

[2] Heterothallisch, diözisch (Algen): Weibliche und männliche Gameten werden auf unterschiedlichen Gametophyten gebildet

[3] Homothallisch, monözisch (Algen): Weibliche und männliche Gameten werden auf dem gleichen Gametophyten gebildet

[4] Gametophyt: Bildet im Generationswechsel mitotisch, da selbst haploid, haploide Zellen (Gameten); oder nur Kerne, die direkt oder nach einer dikaryotischen Phase zur Karyogamie bestimmt sind

[5] Isomorpher Generationswechsel: Haploide Generation (Gametophyt) und diploide Generation (Sporophyt) sind gleich gestaltet

[6] Trichal (Algen, Pilze, u.a.): Gebaut aus einzellreihigem Faden, wobei jede Zelle funktionell nur einen Zellkern besitzt, n, 2n (oder n+n, Dikaryon, bei Pezizomycotina und Agaricomycotina)

[7] Sexuelle, geschlechtliche Fortpflanzung: Dafür sind drei Vorgänge miteinander gekoppelt, Meiose (abgekürzt mit R!), Plasmogamie (Zellen vereinen sich, abgekürzt mit P!) und Karyogamie (Kerne verschmelzen, abgekürzt mit K!) verbunden, wobei P! und K!, mit Ausnahme bei Dikarya, unmittelbar aufeinander folgen. Bei Dikarya (Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi – Opisthokonta – Eukarya) sind beide Vorgänge unterschiedlich lang (weit) voneinander getrennt. Da bei Animalia und Plantae P! und K! unmittelbar aufeinander folgen, werden beide Vorgänge häufig zu Befruchtung (B!) zusammengefasst.

[8] Oogoniummutterzelle: Zelle aus der ein Oogonium und zumindest noch eine weitere Zelle entsteht

[9] Oogon, Oogonium: Eizellbehälter

[10] Pheromon: Von Organismen produzierter und abgesonderter (Duft)stoff, der Stoffwechsel und Verhalten anderer Individuen der gleichen Art beeinflusst

[11] Zoosporen: Einzellige, eigenbewegliche Verbreitungseinheiten

[12] Zoosporangium: Sporangium für Zoosporen

[13] Haploid: Zellkerne mit einfachem Chromosomensatz; ausgedrückt als n

[14] Stephanokont, kranzflagellat, kronenflagellat: Wenn Schwärmer einen subapikalen Kranz aus Geißeln tragen

[15] Flagellum, Geißel (Eukaryageißel): Charakterisiert durch ihren internen Bau aus 9 peripheren, etwas schräg nach innen gestellten Doppelmikrotubuli (Querschnitt durch die Geißel) und durch ein zentrales Tubulipaar, das etwas Abstand voneinander hält. Dyneinarme verbinden die Mikrotubuli. Die Geißel ist von der Zellmembran umgeben und gefüllt mit Cytosol. Am Übergang der Geißelbasis in den Zellkörper treten spezielle Verstrebungen, Verstärkungen, auf; eine dünne Querplatte (Terminalplatte) trennt oft den untersten, in die Zelle integrierten Teil, der in seiner Struktur einem Centriol entspricht: Es fehlen die beiden zentralen Mikrotubuli und die peripheren Zwillinge wurden zu Drillingen. Die in der Zelle gelegenen Teile der Geißel sind noch durch verwandtschaftsabhängig gestaltete Haltestrukturen verwurzelt.

[16] Schwärmer, Zoid: Allgemeiner Ausdruck für begeißelte, bewegliche Zellen (Zoospore oder Gamet)

[17] Sporangium: Behälter, in dem Sporen asexuell oder sexuell gebildet werden

[18] Keimvesikel (Oedogoniales): Zelle verlassender Protoplast, der im Innern eine Stephanospore bildet und anschließend freigibt

[19] Flagellenkranz: kranzförmig angeordnete Flagellen

[20] Zwergmännchen (Oedogoniales): Dreizelliger Gametophyt einer zweiten Gametophytengeneration, der aus einer haploiden Stephanospore des ersten Gametophyten entsteht

[21] Antheridium (allgemein): Spermatozoen bildender Behälter von Plantae, Fungi und Chromalveolata

[22] Männliche Gameten (generell): Kerndonatoren; Spermien, Spermatozoide, Spermatozoen, oder die kleineren Gameten bei Anisogamie; reife, haploide Keimzellen, die im Normalfall zu eigenständiger Bewegung fähig sind.

[23] Eizellen: Unbewegliche, nährstoffreiche, weibliche, haploide Keimzellen

[24] Protoplast: Protoplast, Protoplasma: Gesamter Inhalt einer Zelle

[25] Wulstmethode der Zellteilung (Oedogoniales): Methode, bei der in einer Zelle subapical ein Ringwulst angelegt wird, der nach außen sich öffnet und, sich streckend, die Zellwand verlängert; eine weiter unten angelegte Querwand, wird dabei nahe an den aufgespannten Wulst geschoben und mit der Längswand final verbunden.

[26] Cytoplasma: Flüssiger Zellinhalt mit darin liegendem Cytoskelett

[27] Papille: Kleine Hervorwölbung einer Zelle

[28] Oogamie: Verschmelzung eines haploiden, beweglichen Spermatozoids mit einer unbeweglichen, nährstoffreichen Eizelle

[29] Plasmogamie: Verschmelzung der Protoplasten zweier Zellen im Zuge sexueller Fortpflanzung; abgekürzt P!

[30] Karyogamie: Verschmelzung zweier haploider Zellkerne; abgekürzt K!

[31] Zygote: Diploide Zelle, die nach der Verschmelzung zweier haploider Kerne, im Zuge der sexuellen Fortpflanzung entstand

[32] Dauerzygote: Zygote, die der Überdauerung dient, meist gekennzeichnet durch dicke, widerstandsfähige, oft auch dunkle Wand, gelegentlich mit Oberflächenstrukturen

[33] Meiose, meiotisch, R!: Meiose dient der Reduktion eines diploiden Chromosomensatzes zu haploiden Sätzen. Dabei werden einander entsprechende Chromosomen, im Kern sich dann mittig in einer Ebene gegenüberstehend, gepaart und anschließend in entgegengesetzter Richtung („polwärts“) separiert. Dieser Vorgang wird auch als Reduktionsteilung (oft abgekürzt als R! und zugleich stellvertretend für die ganze Meiose verwendet) bezeichnet. Da die voneinander getrennten haploiden Chromosomen schon zu Chromatiden verdoppelt sind, schließt sich an die Reduktionsteilung noch eine mitotische Teilung an, so dass vier haploide Kerne letztlich vorliegen.

[34] Stephanosporen: Zoosporen mit subapikalem Kranz aus Geißeln

[35] Lebenskreislauf, Lebenszyklus, Entwicklungszyklus, Entwicklungskreislauf: Ein Kreislauf (eigentlich ist es eine Schraube, weil immer Neues entsteht, das zwar dem Anfänglichen gleicht, doch zeitlich später kommt), in dem sexuelle Fortpflanzung erfolgt. Zusätzlich kann noch in regelmäßigem Wechsel eine Phase der asexuellen Vermehrung eingeschlossen sein.

[36] Clonale Vermehrung: Asexuelle Vermehrung (rein mitotisch bedingte Vermehrung, daher Individuen genetisch identisch

[37] Oedogonium: Kappenalgen (Oedogoniales – Chlorophyceae – Chlorophyta – Plantae – Eukarya)

[38] Stephanocyte: Kranzzelle; Gamet oder Zoospore

[39] Spermatozoide, Spermatozoen, Spermien: Reife, männliche, haploide Keimzellen; Gameten, die im Normalfall zu eigenständiger Bewegung fähig sind.

Eingestellt am 21. Februar 2026

.

Oedogonium Entwicklungszyklus

Dieses Oedogonium ist heterothallisch und haploid, lebt deshalb mit weiblichen (Kringel-Kerne) und männlichen (Punkt-Kerne) Individuen, wobei die männlichen Thalli etwas schlanker erscheinen, Zoosporangien in Stapeln bilden (rechter Faden), während die weiblichen, etwas größer im Durchmesser, dazwischen rundlichere Zellen als Oogonienmutterzellen bilden (zweiter Faden von rechts). Die Thalli entstanden aus konträrgeschlechtlichen, gleichgestalteten Stephanosporen.

Aus den Zoosporangien der Männchen (rechter Faden) tritt der Protoplast hervor, woraus nach einiger Zeit je nur eine Stephanospore entlassen wird.

Die haploiden Stephanospoen werden von der Oogonienmutterzelle durch Pheromone angelockt, worauf sie sich auf ihr oder in der Nähe festsetzen und zu sogenannten Zwergmännchen auszuwachsen beginnen.

Zwergmännchen wachsen heran, während die Oognienmutterzelle unter dem Pheromoneinfluss der Zwergmännchen sich zu teilen beginnt (Ringwulstanlage!).

Dadurch entsteht eine untere Stielzelle, eine Unterstützerzelle, die wohl im Verbund mit dem darüberstehenden Oogon einen beide und anhaftende Zwergmännchen umgebenden Schleimballen erzeugen. Das Oogon bewirkt durch ihr Pheromon, dass die Zwergmännchen sich in Richtung Oogon biegend hinentwickeln. Jedes Zwergmännchen bildet zwei Gametangien.

Das Oogon öffnet sich und reckt aus seiner Öffnung die Eizelle entgegen, worauf ein Stephanogamet (gleichgestaltet wie die Stephanospore, doch erheblich kleiner) der vielen, der sich durch den Schleimballen bewegenden Gameten, mit ihr verschmilzt (P!).

Nach Karyogamie (K!) entsteht eine diploide Zygote, die zur Dauerzygote wird und nach einer Ruhepause Meiose (R!) vollzieht und vier haploide Zoosporen entlässt, die wieder zu haploiden weiblichen und männlichen Individuen auswachsen können.

Damit liegt ein haplontischer Entwicklungszyklus vor, bei dem nur die Zygote diploid ist. Oedogonim ist damit ein Haplont. Kennzeichnend für Oedogonium ist das Vorkommen zweier männlicher, strikt aufeinanderfolgender Versionen: ein ausgeprägt trichales Männchen mit Kappen- und stapelartiger Zoosporangienbildung, und auf das Weibchen sich setzende Zwergmännchen; erst sie sind in der Lage, Gameten zu bilden. Beide Typen von Männchen sind haploid.

Nach van den Hoek et al. (1995/2002), Fig. 21.31, S. 389.

In den nachfolgenden acht Abbildungen ist der Entwicklungszyklus einer Powerpoint-Präsentation ähnlich aufgebaut

Eingestellt am 21. Februar 2026

.

Dieses Oedogonium ist heterothallisch und haploid, lebt deshalb mit weiblichen (Kringel-Kerne) und männlichen (Punkt-Kerne) Individuen, wobei die männlichen Thalli etwas schlanker erscheinen, Zoosporangien in Stapeln bilden (rechter Faden), während die weiblichen, etwas größer im Durchmesser, dazwischen rundlichere Zellen als Oogonienmutterzellen bilden (zweiter Faden von rechts). Die Thalli entstanden aus konträrgeschlechtlichen, gleichgestalteten Stephanosporen.

Aus den Zoosporangien der Männchen (rechter Faden) tritt der Protoplast hervor, woraus nach einiger Zeit je nur eine Stephanospore entlassen wird.

Die haploiden Stephanospoen werden von der Oogonienmutterzelle durch Pheromone angelockt, worauf sie sich auf ihr oder in der Nähe festsetzen und zu sogenannten Zwergmännchen auszuwachsen beginnen.

Zwergmännchen wachsen heran, während die Oognienmutterzelle unter dem Pheromoneinfluss der Zwergmännchen sich zu teilen beginnt (Ringwulstanlage!).

Dadurch entsteht eine untere Stielzelle, eine Unterstützerzelle, die wohl im Verbund mit dem darüberstehenden Oogon einen beide und anhaftende Zwergmännchen umgebenden Schleimballen erzeugen. Das Oogon bewirkt durch ihr Pheromon, dass die Zwergmännchen sich in Richtung Oogon biegend hinentwickeln. Jedes Zwergmännchen bildet zwei Gametangien.

Das Oogon öffnet sich und reckt aus seiner Öffnung die Eizelle entgegen, worauf ein Stephanogamet (gleichgestaltet wie die Stephanospore, doch erheblich kleiner) der vielen, der sich durch den Schleimballen bewegenden Gameten, mit ihr verschmilzt (P!).

Nach Karyogamie (K!) entsteht eine diploide Zygote, die zur Dauerzygote wird und nach einer Ruhepause Meiose (R!) vollzieht und vier haploide Zoosporen entlässt, die wieder zu haploiden weiblichen und männlichen Individuen auswachsen können.

Damit liegt ein haplontischer Entwicklungszyklus vor, bei dem nur die Zygote diploid ist. Oedogonim ist damit ein Haplont. Kennzeichnend für Oedogonium ist das Vorkommen zweier männlicher, strikt aufeinanderfolgender Versionen: ein ausgeprägt trichales Männchen mit Kappen- und stapelartiger Zoosporangienbildung, und auf das Weibchen sich setzende Zwergmännchen; erst sie sind in der Lage, Gameten zu bilden. Beide Typen von Männchen sind haploid.

Nach van den Hoek et al. (1995/2002), Fig. 21.31, S. 389.

Eingestellt am 21. Februar 2026

.

Oedogoniales, Kappengrünalgen

3 Was noch nicht erwähnt

.

Geschlossen erfolgt die Mitose[1],

Ohne Centriolen[2] läuft sie ab.

Kernteilungsspindeln[3] der Telophase[4]

Werden zügig aufgelöst[5].

.

Ein Phycoplast[6] hilft die Zellen zu trennen,

Schließt ER-Cisternen[7] ein. –

.

Ihr netzförmiger Chloroplast[8] liegt eng am Plasmalemma[9],

Von großen Vakuolen[10] an die Peripherie gedrückt,

Besitzt eine Vielzahl Pyrenoide[11];

Randständig mittig positioniert sich in der Zelle der Kern[12]. –

.

Ein komplex gebautes Wurzelsystem hält die Flagellenvielzahl zusammen:

Ein massives, fasriges, quergestreiftes Band[13]

Umläuft subapikal unterm Plasmalemma die Zelle,

Verbindet die Basen der Geißeln, die geordnet zum Rund.

.

Bänder aus drei Mikrotubuli[14] alternieren mit Kinetosomen[15],

Verlaufen beinahe senkrecht dazu,

Dann der Stephanocyte[16] peripher nach unten;

Schmale quergebänderte Komponenten verbinden sie.

.

Im apikalen Dom zwischen dem Kranz aus Flagellen,

Womit die Stephanocyte sich heftet an das Substrat,

Oder an des Weibchens Oogoniummutterzelle[17],

Liegen viele Vesikel[18] mit Mucopolysacchariden[19] bereit:

Geben den Klebstoff nach außen,                                                                    

Sobald das Köpfchen findet Kontakt.

.

Fußnoten

[1] Geschlossene Mitose: Mitose, bei der die Kernhülle nicht aufgelöst wird

[2] Centriol als Mikrotubuliorganisationszentrum: Zylinderförmige Struktur im Doppelpack nahe der Kernhülle, die sich in vielen lebenden Zellen befindet. Centriolen haben eine Größe von etwa 170 × 500 Nanometern; sind an der Bildung des Mikrotubuliorganisationszentrums beteiligt, das die Mikrotubulispindel für die Chromosomen-, bzw. Kernteilung bildet. Centriolen kommen in den meisten tierischen Zellen vor, sowie in Pflanzen, nicht jedoch bei Rhodophyta, Bacillariophyceae und Magnoliatae; auch nicht bei Unbegeißelten Chitinpilzen. Charakteristisch ist ihr spezieller Bau aus 9 x 3 Mikrotubuli.

[3] Telophasenspindel: Spindelförmige Anordnung der Polmikrotubuli während der Telophase

[4] Telophase (Kernteilung): Als Telophase wird die letzte Phase der Mitose bezeichnet. Sie folgt übergangslos auf die vorausgegangene Anaphase. Die Kinetochorfasern (Mikrotubuli) depolymerisieren, die Chromosomen dekondensieren (lockern sich auf). Nach Abschluss der Auflockerung können die Gene wieder abgelesen werden, der Kern hat wieder die Arbeitsform (Arbeitskern).

[5] Nicht persistierende Telophasenspindel: Die Teilungsspindel degeneriert während der Telophase schon bald

[6] Phycoplast: Hilfskonstrukt für die Querwandbildung bei Zellteilung; dazu liegen Mikrotubuli parallel zur Kernteilungsebene in variablen Richtungen ausgerichtet, in deren Zentrum, auf beiden Seiten von Mikrotubuli umgeben, sich die neue Zellwand bildet; nach deren Fertigstellung werden sie wieder aufgelöst.

[7] ER-Cisternen: Vom ER gebildete, oft unregelmäßig gestaltete, vesikelartige Strukturen

[8] Chloroplast (allgemein): Zur Fotosynthese befähigter, grüner Chromatophor

[9] Plasmalemma: Zellmembran (Lipiddoppelmembran) von Organismen; wird oft als Gegenstück zum Tonoplasten betrachtet, der im Zellinneren eine größere Saftvakuole umgibt

[10] Saftvakuolen: Vakuolen, deren Aufgabe wesentlich in der Aufnahme, oft Speichern, von in Wasser gelösten Substanzen liegt

[11] Pyrenoid: Eine räumlich begrenzte, lichtmikroskopisch oft gut erkennbare Struktur in Plastiden von verschiedenen Algengruppen und Hornmoosen

[12] Zellkern

[13] Rhizoplast, Geißelwurzel: Wird gelegentlich als eigenständiges Organell der Zelle gesehen; damit wird der in der Zelle gelegene Teil der Geißel bezeichnet, der verwandtschaftsabhängig gestaltete, gestreifte oder ungebänderte Komponenten als Haltestrukturen der Geißel besitzt.

[14] Mikrotubuli: Röhrenförmige Proteinkomplexe innerhalb eukaryotischer Zellen und in Geißeln; Hohlröhren aufgebaut aus den Dimeren α- und β-Tubulinen; funktionieren bei vielen wesentlichen zellulären Prozessen, einschließlich Mitose und Meiose. Mikrotubuli sind gerichtete Strukturen, deren Enden wegen ihrer Polymerisationsrichtung mit plus und minus bezeichnet werden; das α-Tubulin-Ende wird minus-Ende genannt, das β-Tubulin plus-Ende; bilden die Grundlage für das Cytoskelett und spielen eine wichtige Rolle in der Ausbildung der Kernteilungsspindel und im Vesikeltransport.

[15] Kinetosom: Basaler Teil der Geißel mit dem centriolentypischen Bau aus 9 × 3 kurzen Mikrotubuli

[16] Stephanocyte: Kranzzelle; Gamet oder Zoospore

[17] Oogoniummutterzelle: Zelle aus der ein Oogonium und zumindest noch eine weitere Zelle entsteht

[18] Vesikel (Zellvesikel): Kleine, abgegliederte, rundliche, doppelmembranumhüllte Behälter

[19] Mucopolysaccharide: Heterogene Gruppe von Polysacchariden, die zum Verquellen, zum Verschleimen, neigen.

Eingestellt am 21. Februar 2026

.

Endpunkt erreicht