zum Glossar mit Abbildungsverweisen über:

Streptophyta, Bauchgeißler
1 Formvariabel (SP)
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Subterminal[5], nicht an der Spitze steh‘n sie dicht aneinander,
Schlagen nach rückwärts, treiben so den Schwärmer heftig voran.
Sie nur bestimmen der Erde fernere Zukunft: kein Mensch[6] weiß warum.
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Komplexe Strukturen[7] halten fer Geißeln Lage im Körper:
Ein vielschichtiges Band aus hellen und dunkleren Zonen,
Verknüpft mit zur Ebne geordneten, dutzenden Mikrotubuli[8],
Gibt Flagellen, selbst mit gestreiftem Teilstück verbunden, den nötigen Halt;
Nahe beisammen liegen der Geißeln Basen, v-förmig oder gar parallel,
Nicht einander gegenüber wie von Chlorophyta dies ist bekannt.
So erweist sich als hochkonserviert dieser Komplex[9],
Bleibt auch bei Geißel- und Centriolenverlust[10] präsent.
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Vielleicht entscheiden gar nicht die Geißeln und ihre Wurzeln
Über den Lauf der Evolution!
Doch sie fallen als Erstes ins Auge,
Verdecken vielleicht die Sicht auf tiefere Gründe,
Verführen womöglich zu voreiligen Schlüssen, auf Kausalität[11].
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Wie wandelbar ist doch der Schwärmer Gestalt!
Bäuchlings flach, eiförmig von oben,
Langgezogen verdreht, wie Korkenzieher gewunden.
Flagellen in Zweizahl, verdoppelt und mehr,
Zu Serpentinen vereint am oberen Drittel der Sphäre,
Frei flottierend oder im Schlauch transportiert.
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Auch diese Pflanzen[12] verzichten, falls es das Leben verlangt,
Aktiv mit Flagellen die Richtung zu wählen,
Falls es gelingt, den Nachteil zum Vorteil zu wenden,
Zum Nutzen der Nachkommen und deren Zahl.
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Leben Partner eng schon zusammen, braucht es
Kein schwärmendes, nicht selten vergebliches Suchen,
Kein Verschleudern kostbarster Ressourcen[13],
Wenn das heftig Ersehnte liegt schon so nah.
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Wie wählt man den Partner,
Wenn wogendes Wasser vielleicht einmal fehlt,
Nur Tropfen sich zeigen,
Oder es gänzlich versiegt?
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Fußnoten
[1] Unilateral: an nur einer Seite, von nur einer Seite
[2] Flagellum, Geißel (Eukaryageißel): Charakterisiert durch ihren internen Bau aus 9 peripheren, etwas schräg nach innen gestellten Doppelmikrotubuli (Querschnitt durch die Geißel) und durch ein zentrales Tubulipaar, das etwas Abstand voneinander hält. Dyneinarme verbinden die Mikrotubuli. Die Geißel ist von der Zellmembran umgeben und gefüllt mit Cytosol. Am Übergang der Geißelbasis in den Zellkörper treten spezielle Verstrebungen, Verstärkungen, auf; eine dünne Querplatte (Terminalplatte) trennt oft den untersten, in die Zelle integrierten Teil, der in seiner Struktur einem Centriol entspricht: Es fehlen die beiden zentralen Mikrotubuli und die peripheren Zwillinge wurden zu Drillingen. Die in der Zelle gelegenen Teile der Geißel sind noch durch verwandtschaftsabhängig gestaltete Haltestrukturen verwurzelt.
[3] Zoosporen: Einzellige, eigenbewegliche Verbreitungseinheiten
[4] Gameten: Für sexuelle Fortpflanzung vorgesehene haploide Zellen
[5] Subterminal: Unterhalb des höchsten, des weitest vorstehenden Punktes
[6] Moderner Mensch: Homo sapiens (Homo spp. – Hominini – Homininae – Hominidae – Hominoidea –…)
[7] Basalkomplex: Zellinterne Basis der Geißel mitsamt assoziierten Mikrotubuli und verbindenden, gestreiften und ungestreiften Wurzelelementen.
[8] Mikrotubuli: Röhrenförmige Proteinkomplexe innerhalb eukaryotischer Zellen und in Geißeln; Hohlröhren aufgebaut aus den Dimeren α- und β-Tubulinen; funktionieren bei vielen wesentlichen zellulären Prozessen, einschließlich Mitose und Meiose. Mikrotubuli sind gerichtete Strukturen, deren Enden wegen ihrer Polymerisationsrichtung mit plus und minus bezeichnet werden; das α-Tubulin-Ende wird minus-Ende genannt, das β-Tubulin plus-Ende; bilden die Grundlage für das Cytoskelett und spielen eine wichtige Rolle in der Ausbildung der Kernteilungsspindel und im Vesikeltransport.
[9] Basalkomplex
[10] Centriol als Mikrotubuliorganisationszentrum: Zylinderförmige Struktur im Doppelpack nahe der Kernhülle, die sich in vielen lebenden Zellen befindet. Centriolen haben eine Größe von etwa 170 × 500 Nanometern; sind an der Bildung des Mikrotubuliorganisationszentrums beteiligt, das die Mikrotubulispindel für die Chromosomen-, bzw. Kernteilung bildet. Centriolen kommen in den meisten tierischen Zellen vor, sowie in Pflanzen, nicht jedoch bei Rhodophyta, Bacillariophyceae und Magnoliatae; auch nicht bei Unbegeißelten Chitinpilzen. Charakteristisch ist ihr spezieller Bau aus 9 x 3 Mikrotubuli.
[11] Kausal: Auf dem Verhältnis zwischen Ursache und Wirkung beruhend; ursächlich
[12] Plantae: Echte Pflanzen (Eukarya)
[13] Ressourcen: Natürlich vorhandene Bestände von etwas, was zum Fortkommen, zum Leben, benötigt wird
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Streptophyta: Organisation des unilateralen Basalkomplexes;
Dreidimensionale Seitenansicht des Zellapex‘: Flagellen mit Basalkörper (grau; Basalkörper abgegrenzt). – Quergestreifte, die Basalkörper zusammenhaltende Struktur (braun und schraffiert). – Breites Mikrotubuli-Band (blau; 32 von etwa 60 Mikrotubuli dargestellt), das der Zelle (grün; Plasmalemma) nach unten entlangläuft. – Vielschichtige Struktur (unterschiedlich bräunlich getönte Ebenen übereinander), von der das Mikrotubuli-Band seinen Ausgang nimmt.
Zeichnung nach van den Hoek et al. (1995) Fig. 19.16, Seite 325
Eingestellt am 21. Februar 2026
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Streptophyta, Bauchgeißler
2 Fibrillen
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Geschmeidig zwängt sich der Schwärmer[1] durch die enge Spalte im Fels.
Dank dünner, felxibler Pellicula[2]
Weitet sich nach Verlassen der schmalsten Stelle
Sein zusammengedrückter Körper wieder zur ursprünglichen Form.
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Verwünscht er die schlappe Gestalt.
Denn jeder kleinere Schwall schon drückt ihn flach,
Gönnt ihm für inneres Ordnen kaum die nötige Ruh.
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So verfestigt er, wie schon viele seiner fernen Verwandten,
Die geschmeidige Lage auf der Membran[5]
Fotosynthese[8] liefert der Cyste Zucker im Überfluss.
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Entlassen sechs Ketten verknüpften Glucans[12].
Vereinen zu Elementarfibrillen[13] sich, mit mehreren Nachbarn verdrillt,
Zum zugfesten, langlaufenden Zwirn[14].
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Fibrillen verbinden mit Ähnlichgesinnten sich zu Mikrofibrillen[15],
Zu kaum mehr biegsamem Draht.
Belegen mehrschichtig, ganz ohne Ordnung die Plasmamembran,
Verknüpfen sich calciumbedingt über zuckerhaltige Brücken
Zum raumumschließenden Netz,
Verleihen der Cyste die lang ersehnte Stabilität.
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Was ist der Vorteil dieses hierarchisch fibrillären Baus?
Cellulosefibrillen konstruierten andere geichfalls bereits:
Doch deren zu Feldern gruppierte Cellulosesynthasen[16]
Erlaubten nur Bänder komplexer Struktur.
Der Streptophyten Mikrofibrillen, zu Bündeln gepackt,
Erweitern Optionen für zug- und druckresistente Armierung[17] der Wand jedoch. –
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So nebeneinander lassen Experten der Streptophyta Quartett nicht so gerne stehen.
Verwenden, deren Beziehung zueinander zu klären, verschied’ne Regionen der DNA,
Bekommen damit unübersehbare Hinweise, Zygnematales seien
Vielleicht der Embryophyta Schwester[18], doch
Auch Gemeinsame Vorfahren der Zygnematales und Coleochaetales wären möglich;
Charales hingegen zweigen davor noch ab, steh‘n somit für sich allein.SL
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Fußnoten
[1] Schwärmer, Zoid: Allgemeiner Ausdruck für begeißelte, bewegliche Zellen (Zoospore oder Gamet)
[2] Pellicula: Zellrinde, kompliziert gebaute Zellhülle bei vielen Einzellern mit konstanter Form, die den Zellen Festigkeit verleiht
[3] Flagellum, Geißel (Eukaryageißel): Charakterisiert durch ihren internen Bau aus 9 peripheren, etwas schräg nach innen gestellten Doppelmikrotubuli (Querschnitt durch die Geißel) und durch ein zentrales Tubulipaar, das etwas Abstand voneinander hält. Dyneinarme verbinden die Mikrotubuli. Die Geißel ist von der Zellmembran umgeben und gefüllt mit Cytosol. Am Übergang der Geißelbasis in den Zellkörper treten spezielle Verstrebungen, Verstärkungen, auf; eine dünne Querplatte (Terminalplatte) trennt oft den untersten, in die Zelle integrierten Teil, der in seiner Struktur einem Centriol entspricht: Es fehlen die beiden zentralen Mikrotubuli und die peripheren Zwillinge wurden zu Drillingen. Die in der Zelle gelegenen Teile der Geißel sind noch durch verwandtschaftsabhängig gestaltete Haltestrukturen verwurzelt.
[4] Cyste (Überdauerungsform): Mit widerstandsfähiger Wand umgebene Überdauerungsform von Zellen, von mehrzelligen Gebilden, gar von winzigen Organismen
[5] Plasmalemma: Zellmembran (Lipiddoppelmembran) von Organismen; wird oft als Gegenstück zum Tonoplasten betrachtet, der im Zellinneren eine größere Saftvakuole umgibt
[6] Cellulose: Unverzweigte Ketten aus Glucose in β-1,4-Verknüpfung; wobei der 6C-Zucker Glucose in Ring-Form geschrieben, das C1 der Aldehydgruppe ist [CH2OHCHOHCHOHCHOHCHOHCHO], davon aus gerechnet ist der vierte Kohlenstoff das C4 ist. In Ringform geschrieben weist die OH-Gruppe des C1 nach oben, wie auch die frei gebliebene CH2OH-Gruppe. Die OH-Gruppen wechseln von 1 bis 4 die Stellung: C1 nach oben, C2 nach unten, C3 noch oben, C4 nach unten, an C5 hängt die nach oben stehende CH2OH-Gruppe.
[7] Glucose, Traubenzucker: Ringförmiger Zucker mit sechs [C]-Atomen [C6H12O6]; der Ring besteht aus fünf [C]-Atomen und einem Sauerstoffatom; das restliche [C]-Atom hängt als [–CH2OH]-Gruppe an einem dem Sauerstoff benachbarten [C]-Atom; vier [–OH]-Gruppen stehen an [C]-Atomen des Rings, wobei [–CH2OH] und die dem Sauerstoff benachbarte [–OH]-Gruppe in gleicher Richtung stehen, alle anderen wechseln sich richtungsmäßig ab
[8] Fotosynthetisch, Fotosynthese: Umwandlung von Lichtenergie in Energie organischer Moleküle. Dabei wird letztlich CO2 über komplexe Vorgänge zu energiereicher Glucose aufgebaut. Mit Hilfe von Chlorophyll (Licht!), erzeugtem ATP (zyklischer Elektronentransport) und NADPH2 (azyklischer Elektronentransport) werden von Zellen Zucker synthetisiert
[9] Hexamer: sechsteilig, sechszählig
[10] Enzymrosette: Enzym, das in mehreren Exemplaren rosettenförmig angeordnet ist
[11] Plasmalemma
[12] Glucane: Generelle Bezeichnung für aus Zuckern entstandene Substanzen
[13] Elementarfibrillen (Cellulose): eine der grundlegenden Bausteine der Cellulose, eine etwa nm dicke, lineare Faser, die aus bis zu 50 parallel angeordneten Cellulosefäden besteht, die durch Wasserstoffbrückenbindungen zusammengehalten werden
[14] Zwirn: Aus unterschiedlichen Fasern, besonders aus Baumwolle oder auch Flachs bestehendes, meist sehr reißfestes Garn, das aus zwei oder mehreren Fäden zusammengedreht ist und besonders zum Nähen verwendet wird
[15] Mikrofibrillen (Cellulose): Dickere Cellulosestränge, die aus Elementarfibrillen aufgebaut und eingebettet sind in eine Zwischensubstanz (z. B. Hemicellulose, Lignin)
[16] Celluosesynthase: Enzymkomplex in der Plasmamembran von Pflanzenzellen, der Cellulose herstellt, indem er Glukosemoleküle zu langen β-1,4-Glucanketten polymerisiert. Dieser Prozess findet in der Zellmembran statt und die entstehenden Ketten werden nach außen abgegeben und zu starken Mikrofibrillen zusammengefügt.
[17] Armierung: Verstärkung, die einem Bauteil mehr Stabilität verleiht, indem sie es widerstandsfähiger gegen Zugspannungen macht.
[18] Schwester, Schwestergruppen: Bei Verzweigungen im Stammbaum werden die beiden aus einer Verwandtschaft entstandenen Sippen als Schwestern oder Schwestergruppen bezeichnet
SL Wodniok S, Brinkmann H, Glöckner G, Heidel AJ, Philippe H, Melkonian M, Becker B (2011) Evolutionary Biol 11(104): 1-10
Eingestellt am 21. Februar 2026
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