zum Glossar mit Abbildungsverweisen über:

Funariales, Drehmoose

1 Am Boden

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Gehören nicht zu den Glücklichen,

Die ohne Sorgen um Feuchte ihr Leben genießen!

Sporen keimen zwar rasch am noch glitschigen Boden,

Doch, so als wüssten sie um ihr kommendes Dauerproblem,

Halten sie fädige Phasen[1] recht kurz,

Ergrünen mit locker stehenden, kurz geratenen Stämmchen nach oben.

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Des Bodens Frische[2] halten sie so lange wie möglich

Mit Filz mächtig verflochtener Rhizoiden[3].

Leiten davon, wann immer nur möglich,

In weiten, stereidengeschützten[4] Bahnen[5],

Zu ihren kleinen, nach oben hin größeren,

Wie zum Schopf gebundenen Blättchen[6];

Wissen trotz ihres unermüdlichen Wirkens,

Wie schnell die Füße im Trockenen steh‘n[7].

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Scheuen aber nicht die regenmissende Zeit!

Aus langer Erfahrung präparierten sie Blättchen:

Umhüllen die mittige Rippe, auch hier Stereiden verwendend,

Zum Schutz gegen drohenden Wasserverlust.

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Lassen dazu randliche, einschichtigen Flächen

Zum Rollen beweglich;

Blättchen klappen ein wenig nach oben,

Drängen dicht sich an gleichfalls Bedrängte,

Werden zur schuppigen Knospe,

Warten geduldig auf baldigen Regen. –

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Endlich! Weit breiten sich Blättchen überall

Niederrieselnden Tröpfchen entgegen,

Füllen voll Hoffnung das angestammte Revier

Mit neuem, saftigem, nach Taten dürstendem Grün.

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Ihr Schicksal ist ihnen hold!

Schenkt es Funaria[8] doch ausgiebig Zeit,

Den schon lange geheim bereiteten Plan,

Schritt für Schritt zum Wirken zu bringen:

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Ihre diploide Generation[9] will sie,

Gern den Wipfel des Stämmchens reservierend,

In Windeseile mit Hilfe des Regens

Hoch hinaus dem Himmel entgegenführ‘n.

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Im Verborgenen sammelt der Trieb sporophytische Kraft!

Schon drückt sein dickeres Ende

Gegen des Eizellbehälters[10] wachsendes Rund,

Zieht es, ständig drückend und schiebend, unvorstellbar in Länge,

Bis es, zum schlanken Figürchen geworden,

Den Ansprüchen nicht mehr genügend, ringsum zerreißt.

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Endlich kann sich die Seta[11], das Köpfchen[12] noch mit Mütze[13] bedeckt,

Ungehindert nach oben sich dehnen:

Nutzt die Freiheit, des grünen Stämmchens[14] Länge

Mehrfach gar zu überbieten.

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Fußnoten

[1] Protonema (Laubmoose): Ein haploides, trichales Verzweigungssystem nach der Sporenkeimung, an dem später das typische haploide Moospflänzchen entsteht.

[2] Frischer Boden (Feuchtigkeitsgehalt; gärtnerisch, forstlich, landwirtschaftlich): Beschreibt einen Boden mit optimaler, aber nicht durchnässter Feuchtigkeit, der sich kühl anfühlt, gut krümelt und nach Erde riecht 

[3] Rhizoide: Fadenartige, wurzelähnliche, trichale oder unseptierte Auswüchse zum Festheften von thallösen Pflanzen

[4] Stereide (Laubmoose i.e.S.): Lebende, längsgestreckte Zellen mit Protoplast und Plastiden, die mit ihren verdickten, unverholzten Wänden der mechanischen Festigung dienen.

[5] Stämmchen (Moose): Eine aufrechte oder liegende Achse, die äußerlich einem Spross der Gefäßpflanzen (Tracheophyta) ähnelt, jedoch sich davon grundlegend in Bau und Funktion unterscheidet; deshalb wird bei Moosen lediglich von Stämmchen und nicht von Spross (Stamm) gesprochen.

[6] Blättchen (Moose): Ein blattartiges, flächiges Organ, das äußerlich einem Blatt der Gefäßpflanzen (Tracheophyta) ähnelt, jedoch sich davon im Bau grundlegend unterscheidet; deshalb wird bei Moosen lediglich von Blättchen und nicht von Blatt gesprochen.

[7] Dürrer, trockener Boden (Feuchtigkeitsgehalt; gärtnerisch, forstlich, landwirtschaftlich): Besitzt kein spürbares, flüssiges Wasser

[8] Funaria hygrometrica: Wetteranzeigendes Drehmoos (Funariaceae; nicht separat behandelt – Funariales – Bryopsida – Bryophytina – Bryophyta – Thallophyta –…)

[9] Sporophyt: Bildet im Generationswechsel von Sporophyt zu Gametophyt meiotisch (R!), da selbst diploid (oder dikaryotisch), haploide Sporen

[10] Archegon, Archegonium (Moose, Farne): Besitzen eine einzellschichtige Wand (Wandzellen) mit schnabelartig ausgezogenem, anfangs mit einer Zellreihe gefülltem Hals (Halskanalzellen), die sich im Zuge der Spermatozoidenanlockung auflösen; auch die Bauchkanalzelle, als Schwesterzelle der Oocyte entstanden, löst sich dann auf.

[11] Seta (Moose): Basaler, langgestreckter Teil des Sporophyten, der die Mooskapsel aus dem zunächst noch schützenden Bauch des Archegons und evtl. aus noch zusätzlichen Hüllen in die Umwelt streckt

[12] Mooskapsel, Kapsel, Sporenkapsel (Moose): Mit der oft sehr komplex gebauten sogenannten Kapsel der Moose, werden Sporangien von zusätzlichen Schichten umschlossen; so bekommt dieses Organ die von Sporangien sie abgrenzende Bezeichnung Kapsel.

[13] Calyptra (Bryophyta): Vom Archegon stammende, daher haploide Haube der diploiden Sporenkapsel

[14] Gametophyt: Bildet im Generationswechsel mitotisch, da selbst haploid, haploide Zellen (Gameten); oder nur Kerne, die direkt oder nach einer dikaryotischen Phase zur Karyogamie bestimmt sind

Eingestellt am 21. Februar 2026

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Funaria hygrometrica (Wetteranzeigendes Drehmoos)

Oben: Gametophyt

Autor:  www.biolib.de

Lizenz:  GNU Free Documentation License; unverändert

Unten: Dichtsehende Sporophyten

Autor: T. Kebert

Lizenz:  Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 license; unverändert

Eingestellt am 21. Februar 2026

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Funariales, Drehmoose

2 Lasst euch umschlingen

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Wie ein Schwanenhals krümmt sich der Stiel[1],

Hängt seine Kapsel[2], auch etwas bogig geworden,

– Längst schon hat sie die Mütze[3] verloren –

Leicht nach unten gerichtet, mit Bedacht in die Luft.

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Wartet noch, hochwillkommen in dieser Zeit,

Auf das Trocknen in der Umgebung.

Denn, schwindende Feuchte in Funarias[4] Stiel,

Bringt ihn unbezwingbar zum Biegen,

Umschlingt seine Nachbarn, ebenfalls schwingend,

Rüttelt den Deckel[5] vom Kopf,

Öffnet den doppelreihig zähnebestückten[6] Schlund

Und streut der Sporen erste Portion.

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Ob feuchtere Schwaden das Setengewirr wechselnd durchziehen,

Oder die Luft wiederum trocknet,

Ist, leicht verständlich, Funaria einerlei:

Weil beides in Regung sie hält!

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Plötzlich geht ein heftiger Ruck

Durch der verhakten Stangen[7] Verhau,

Rutschend und springend schwindet der ständig gestiegene Druck:

Die Kapsel schnellt ein beträchtliches Stück,

Schleudert, sie kann und will es bestimmt nicht verhindern,

Sporen hinaus und kehrt, etwas erleichtert, wieder zurück.

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Wieder und wieder kommt sie auf Touren,

Streut ihre Sporen so viel und so weit sie nur kann. –

Auch wenn sie das Gut[8] schon lange verloren,

Gefällt ihr noch immer das wechselnde Spiel.

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Fußnoten

[1] Seta (Moose): Basaler, langgestreckter Teil des Sporophyten, der die Mooskapsel aus dem zunächst noch schützenden Bauch des Archegons und evtl. aus noch zusätzlichen Hüllen in die Umwelt streckt

[2] Mooskapsel, Kapsel, Sporenkapsel (Moose): Mit der oft sehr komplex gebauten sogenannten Kapsel der Moose, werden Sporangien von zusätzlichen Schichten umschlossen; so bekommt dieses Organ die von Sporangien sie abgrenzende Bezeichnung Kapsel.

[3] Calyptra (Bryophytina): Vom Archegon stammende, daher haploide Haube der diploiden Sporenkapsel

[4] Funaria hygrometrica: Wetteranzeigendes Drehmoos (Funariaceae; nicht separat behandelt – Funariales – Bryopsida – Bryophytina – Bryophyta – Thallophyta –…)

[5] Kapseldeckel (Laubmoose i.e.S.): Deckelartige, einzellschichtige Struktur, die den Sporenraum anfangs verschließt, zur Sporenbefreiung aber abgeworfen wird.

[6] Doppeltes Peristom: diplolepid (Laubmoose i.e.S.): Peristom mit doppeltem Zahnkranz

[7] Seten

[8] Sporen

Eingestellt am 21. Februar 2021

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Endpunkt erreicht