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Bivalvia, Muscheln
1 Schlank (HP)
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Nicht auf felsigem Untergrund landete einstens Mollusca[1],
Sank tiefer hinab in den Spülsand am Rand des Gesteins!
Wurde zum Spiel der launigen Wellen,
Trieb und wälzte sich unstet dahin.
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Ihr Fuß war breit, so sank sie nicht ein,
Der Mund aber blieb ohne Erfolg:
Fand kaum Fressbares im unruhigen Sand.
So kümmerten Generationen weichgebettet im Meer. –
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Woher weiß der grabende Fuß, dass nach unten er sich begibt?
Ein Statolith[2] in der Cyste meldet die Situation,
Taktile Zellen, verbunden mit Nerven,
Geben den Muscheln[3] entsprechend Befehl.
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Verankert wollten folgende Generationen sein,
Zu trotzen dem wirbelnden Druck.
Vom Boden den raspelnden Mund ins Wasser gereckt,
Fingen sie Plankton[4], nicht festgewachsene Algen, vom Grund.
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Bogen ihr Flachdach seitlich nach unten,
Formen die vormals umlaufende Rinne[5] zu randlichen Taschen:
Zieh‘n verschmälernd den Fuß in die Länge
Recken ihn mittig als Kiel in den Sand.
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An beiden Enden nur klaffen die Wände sacht auseinander
Für Einstrom und Ausstrom planktonträchtigen Wassers,
Bringen Hoffnung für den zum Raspeln noch fähigen Mund.
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Wer brach den Giebel des Dachs entzwei,
Um eigenständige Klappen zu bilden,
Sie zu öffnen, wenn friedlich die Runde,
Zu schließen, wenn nahend Gefahr?
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Muskelstränge, wie zwei Balken der Quere im Dach,
Halten die Valven[8] zusammen;
Verschieben, ein Klaffen, verhindert in Zukunft ein Schloss[9]
Passender Leisten, Wülste und Zähne.
Das Ligament, ein elastisches Band,
Hält die Klappen in Position wie ein Scharnier.
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Eine Sippe[10] besann sich dazu,
Genetisch dies zu fixieren:
Hat für sich die Zukunft gewonnen,
Avancierte zum Partner der Evolution.
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Fußnoten
[1] Mollusca: Bezeichnung für hypothetischen Ahnen der Weichtiere
[2] Statolithen: Mikroskopisch kleine Körnchen aus kristallinem Calciumcarbonat [CaCO3], Calciumsulfat [CaSO4] oder Calciummagnesiumphosphat [Ca3Mg3(PO4)4], die die Wahrnehmung von Schwerkraft (und Beschleunigung) ermöglichen
[3] Muscheln: Bivalvia (Mollusca – Schizocoelia – Spiralia – Protostomia – Bilateria –…)
[4] Plankton: Gesamtheit der im Wasser freischwebenden oder mit geringer Eigenbeweglichkeit schwimmenden, kleineren Organismen, deren Ortswechsel hauptsächlich durch Wasserströmungen vermittelt wird
[5] Mantelraum (Mollusca): Hohlraum, der durch eine hautartige Falte des Körpers, den sogenannten Mantel bildet; er entsteht, wenn die dorsale Körperwand als Mantel den Eingeweidesack bedeckt und über den Körperrand hinausragt
[6] Cilie, Wimper, Flagellum, Geißel, Flimmer (Eukaryageißel): Charakterisiert durch ihren internen Bau aus 9 peripheren, etwas schräg nach innen gestellten Doppelmikrotubuli (Querschnitt durch die Geißel) und einem zentralen Tubulipaar, das etwas Abstand voneinander hält. Dyneinarme verbinden die Mikrotubuli. Die Geißel ist von der Zellmembran umgeben und gefüllt mit Cytosol. Am Übergang der Geißelbasis in den Zellkörper treten spezielle Verstrebungen, Verstärkungen, auf; eine dünne Querplatte trennt oft den untersten, in die Zelle integrierten Teil, der in seiner Struktur einem Centriol entspricht: Es fehlen die beiden zentralen Mikrotubuli und die peripheren Zwillinge wurden zu Drillingen. Die in der Zelle gelegenen Teile der Geißel sind noch durch verwandtschaftsabhängig gestaltete Haltestrukturen verwurzelt.
[7] Kiemen (allgemein): Spezialisierte Atmungsorgane bei wasserlebenden Tieren
[8] Valven (Bivalvia): Die beiden den Muschelkörper bedeckende Schalen
[9] Schloss (Bivalvia): Gelenkartiger Verschlussmechanismus am Dorsalrand der Schalen, bestehend aus Zähnen und Ligament, der die beiden Klappen verbindet und gegen Verschiebungen sichert
[10] Sippe: Unter Sippe wird eine oft nicht genauer genannte Verwandtschaft verstanden, im Gegensatz zu Gruppe, die lediglich eine Ansammlung nicht näher verwandter Organismen bezeichnen will
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Bivalvia, Muscheln
2 Nicht nur zum Gleiten
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Keilförmig ragt der Muschel Fuß
Schräg nach unten vorne gerichtet in den lockeren Sand,
Drückt, mit Muskelkraft ihn verlängernd,
Ihn ein stückweit tiefer hinab,
Erweitert die Spitze zum Stempel,
Nutzt ihn als haltenden Anker und zieht,
Den Fuß rasch verkürzend,
Gehäuse und Körper nach.
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Verändern Winde des Meeres Strömung mit lebensfördernder Last,
Folgen Muscheln der Quelle des Planktons[1]
Bis sie genügend Partikel verspüren,
Hungergefühle zu stillen. –
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Bivalvas Schwester schlug es auf das Gestein!
Zum Glück behielt sie der Vorfahren klebrige Drüsen,
Sich zu fixieren an das Substrat,
Dem Torkeln zum dunklen Abgrund noch zu entgeh‘n.
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Mit elastischen Fäden, hauchdünn und zart,
Kittet sie, spinnwebgleich
Ihren Fuß sichernd, seitlich fest,
Die linke Valve[2] oft noch dazu.
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Zur Freude der Weber und griechisch-römischer Frauen,
Sammelten Fischer den Byssus[3] für sie,
Fabrizierten kostbare Tücher als
Zeugnis der damaligen Zeit. –
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Komplett kleben sich andere fest,
Büßen dafür mit Asymmetrie.
Schon die Jüngsten heften für immer sich an,
Wachsen, mit Sauerstoff bestens versorgt, als Kolonie. –
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Sicher und friedlich scheint der Muscheln Leben im Meer.
Doch weitest gefehlt!
Schon warten wandernde Sterne[4] auf Beute!
Auf allen fünf Armen saugnapfbewehrt,
Zieh‘n sie mit kräftigen ausdauernden Zügen,
Schließmuskelbänder der Valven entzwei,
Öffnen die Truhe mit nahrhaften Schätzen,
Lassen ausgehöhlt der Muschel Schalen liegen als klaffendes Paar.
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Millionen gaben den Räubern ihr Leben
Bis, kraft ihrer Muskelschnelle,
Cardia[5] den Sprung in die Freiheit ersann und auch heute
So der schmackhaften Herzmuschel Leben erhält.
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Pecten jacobaea[6], Jakobus`, des Märtyrers, Zeichen,
Und ihre nahe Verwandtschaft,
Schwimmt, wenn von Räubern gefährdet,
Flache Schale nach oben,
Den Rand über die zweite gestülpt,
Ruckartig fliehend im Wasser davon:
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Öffnet nur kurz ihre Valven,
Holt Wasser ins Lumen,
Stößt, plötzlich die Schalen fest wieder schließend,
Wasser Richtung Boden hinaus.
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Der Rückstoß hebt sie ein stückweit empor,
Verhindert ein stärkeres Sinken,
Bringt sie kürzere Strecken voran,
Entrückt sie des Räubers Arm. –
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Zu Röhren gerundete Schalen
Erlauben Muscheln zu bohren:
Den Fuß ausdauernd gegen den Felsen gepresst,
Den Stein langsam mit Säuren lösend,
Verschwinden sie nach und nach in die Tiefe,
Verbergen sich vor den Augen des Feinds.
Andere lassen sich tragen,
Neues Terrain zu erschließen.
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Fußnoten
[1] Plankton: Gesamtheit der im Wasser freischwebenden oder mit geringer Eigenbeweglichkeit schwimmenden, kleineren Organismen, deren Ortswechsel hauptsächlich durch Wasserströmungen vermittelt wird
[2] Valven (Bivalvia): Die beiden den Muschelkörper bedeckenden Schalen
[3] Byssus: Feine Haftfäden, als erhärtendes Sekret von Fußdrüsen in Form von extrem feinen, goldbraunen Proteinfasern, mit denen sich Muscheln an Untergründen festhalten
[4] Seesterne: Asteroidea (Asterozoa – Eleutherozoa – Echinodermata – Ambulacraria – Deuterostomia –…)
[5] Cerastoderma edule: Essbare Herzmuschel (Cardoidea; nicht separat behandelt – Bivalvia – Mollusca – Schizocoelia – Spiralia –…)
[6] Pecten jacobaea: Jakobsmuschel (Pectinida; nicht separat behandelt – Bivalvia – Mollusca – Schizocoelia – Spiralia –…)
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Längsschnitt durch eine bahnziehende Muschel (Anodonta cygnea); (Tusche, Bleistift, Kreide; Reinhard Agerer)
Linke Klappe und linker Mantellappen entfernt; links in der Abbildung ist vorderes, rechts hinteres Ende der Muschel. Muschelschale gelb, fein liniert im Schnitt, Aufsicht unliniert (Mantel bedeckt den Rand der Schale nicht); Mantel und Eingeweidesack rosagrau.
Darmtrakt (braun): Der Mund führt über einen kurzen Oesophgus in den Magen (grünlich), der von einer Mitteldarmdrüse (rosa) umgeben ist. Der lange, in Schlingen liegende Darm läuft durch das Perikard (grau) und den Ventrikel mit After in den Mantelraum, der mit Ausströmöffnung (dunkelgelb) diverse Abfälle ins Freie bringt; darunter liegt die Einströmöffnung (gefranst, hellblau)
Blutkreislaufsystem (rot): Ventrikel (heller rot) und Atrium (dunkler rot) sind vom Perikard (grau) umgeben; vom Ventrikel gehen zwei Aorten (nach vorne und nach hinten) aus und entlassen am Ende Blut in Gewebelakunen; von dort sammelt es sich bei vielen Muscheln zunächst in Kiemen, worin es mit Sauerstoff angereichert wird; vielen sind Kiemen als Gasaustauscher nicht so wichtig, weil sie über den Mantel (rosagrau) oft ausreichend Sauerstoff aufnehmen können. Vielfach sind Kiemen (hellblau mit Grüntönen, in Reihen strichliert; doppeltblättrig pro Seite) hauptsächlich Nahrungspartikelfänger und -transporteure, deren Flächen oft dicht mit Cilien und/oder Cilenbüscheln ausgestattet sind.
Exkretionsorgane (lila): Über Podocyten der Metanephridien werden Abfallstoffe aus dem Perikard entfernt, im Nierensack (lila) gesammelt und über einen Exkretionsporus in den Mantelraum geleitet, wovon sie weiter zur Ausströmöffnung transportiert werden.
Nervensystem (dunkelblau): Ein Cerebralganglion, über dem Mund und vor der Mitteldarmdrüse liegend, ist Ausgangspunkt vierer Hauptnervenstränge, die zum einen zum Pedalganglion nahe des Fußes (bräunlich, faserig schraffiert) führen, den Fuß innervieren, zum anderen mehr dorsal verlaufen, Richtung Herz, Exkretionsorgane und hintere Muskel verlaufen und im Visceralganglion ein Zentrum bilden.
Fortpflanzungsorgane (gelb): Paarige Gonaden (gelb) führen über Gonodukte (gelb) in den Mantelraum, aus dem Eier bzw. Spermien über die Ausströmöffnung ins Freie geleitet werden.
Muskel (hellbraun): Vorderer (hier kleiner) und hinterer Schließmuskel (hier größer) sorgen für das Schließen der Schalen, ein Muskel nahe des hinteren Schließmuskels sorgt für den Rückzug des Fußes
Nach Westheide und Rieger (2013), Abb. 455, Seite 312
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Podocyten und Metanephridien (Tusche, Bleistift, Kreide; Reinhard Agerer)
Hellbraun: Coelothel. – Dunkelbraun: Nephrothel. – Rot: Blut, umgeben von Podocyte. – Gelb: Gameten (hier für Eizellen dargestellt). – Bläulich: Coelom und dunkler Nephridialkanal mit Nephroporus, dem Exkretionsporus. – Bewimpert: Nephrostom.
Filterung des Blutes durch die Lücken der Podocyten (Basalmembran); Filtrat gelangt ins Coelom, woraus es über das Nephrostom mit Hilfe der Cilien in den Nephridalkanal transportiert wird; Brauchbares wird wieder über das Nephrothel aufgenommen, doch auch hier erfolgt noch Exkretion aus dem Nephrothel; Entsorgung über den Nephroporus. Gameten werden über das bewimperte Nephrostom und den Nephridialkanal ausgleitet.
Nach Westheide & Rieger (2013), Abb. 270 D, Seite 175
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Ökologische Nischen und Lebensformen von Meeresmuscheln (Bleistift, Kreide; Reinhard Agerer)
Links außen: „Bohrmuscheln (Pholas). Oberflächen der Schalen konzentrisch und radiär gerippt, durch Muskeln verbunden, Ligament und Scharnier rückgebildet. Dorsaler vorderer Klappenrand umgeschlagen, dient als Ansatzstelle für den nach außen verlagerten, vorderen Schließmuskel, der dorsal durch vier zusätzliche Schalenstücke bedeckt wird. Bohren in Hartsubstanzen durch (geringfügiges) Spreizen der Schalen und Drehungen des ganzen Körpers um die Längsachse.“ Separate Ein- und Ausströmsiphonen vorhanden. – Rechts außen: „Schiffsbohrer (Teredo). Schalenklappen klein, zum Bohrapparat umgewandelt. Körper wurmähnlich, von röhrenförmigem Manel umgeben; bohren in Holz, kleiden die Gänge mit Kalk aus.“ Separate Ein- und Ausströmsiphonen vorhanden. –
Obere Zeile von links nach rechts: Links: „Epibenthische Hartbodenbewohner (Crassostrea). Larven setzen sich auf festem Untergrund fest, indem sie die linke Klappe mit einem Sekret der Fußdrüsen auf dem Untergrund ankitten; sie sind damit ortsfest.“ – Mitte: „Vagile epibenthische Form. Kammmuscheln (Pecten). Mantelränder nicht verwachsen. Durch Auf- und Zuklappen der Schalen und Auspressen von Wasser aus der Mantelhöhle ist (Rückstoß-)Schwimmen über kürzere Strecken möglich (Flucht)“. – Rechts: „Sessile epibenthische Hartbodenbewohner (Mytilus). Mit Byssusfäden festgeheftet auf Hartsubstraten oder auf Muschelschalen (Muschel-„Bänke“).“
Untere Zeile von links nach rechts: „Sessile Endobenthische Weichbodenbewohner“ (erste drei Beispiele). „Mantelränder verwachsen bis auf die zu Röhren ausgezogenen Ein- und Ausströmöffnungen (Siphonen); Länge der Siphonen und Eingrabtiefe der Arten in das Substrat bedingen einander.“ – Links: Klaffmuscheln (Mya), Siphonen in einer gemeinsamen lang gestreckten Hülle; Tiere bis in 20 cm Tiefe.“ – Mitte links: „Sägezahnmuscheln (Donax), mit zwei getrennten Siphonen.“ – Mitte rechts: „Scheidenmuscheln (Enis), Schalenklappen messerscheidenförmig, mit kurzen Siphonen, daher Hinterende dicht unter der Oberfläche.“ – Rechts: „Epibenthische Weichbodenbewohner, graben sich nur oberflächlich oder teilweise ein. Venusmuscheln (Chamelea, Venus).“
Nach Westheide & Rieger (2013), Abb. 457, Seite 315
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Oben: Pecten maximus (Große Pilgermuschel)
Autor: Olivier Dugornay
Lizenz: Creative Commons Attribution 4.0 International license; unverändert
Mitte: Pecten maximus (Große Pligermuschel)
Teilweise im Sand vergraben
Autor: Olivier Dugornay
Lizenz: Creative Commons Attribution 4.0 International license; unverändert
Unten: Pecten jacobaeus (Jakobsmuschel, Mittelmeer-Pilgermuschel)
Schalen
Autor: Weitbrecht assumed
Lizenz: GNU Free Documentation License; unverändert
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Oben: Cerastoderma glaucum (Blaue Herzmuschel)
Linke und rechte Schalen
Autor: H. Zell
Lizenz: GNU Free Documentation License; unverändert
Unten: Cerastoderma edule (Essbare Herzmuschel)
Autor: Féron Benjamin
Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic license; unverändert
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Bivalvia, Muscheln
3 Filtertaschen
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Weite Räume bieten Manteltaschen[1] beidseits des Fußes
Vom Dach bis fast zur Kante der Schalen
Für filternde Kiemen[2], von Fäden geformt,
Mit Cilien[3] zu hängenden Häuten vereint.
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Zuerst noch ctenidienförmig[4] gestaltet,
Hängen sie zwillingspaarig herab.
Zu lang für die kurze Strecke zum Rand, biegen sie,
Fuß und Mantel[5] nach oben zu folgend,
Sich u-förmig empor,
Lehnen sich stützend spitzenwärts an.
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Kaum zum Atmen benötigt
– Des Mantels Begrenzung hortet O2 –
Widmen dicht mit Cilien bestandene Fäden,
Sich fast nur dem Filtern des Stroms[6].
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Gewebestränge zwischen den hochgeschlagenen Reusen
Stabilisieren die filternden Siebe,
Vergrößern der wirksamen Fläche Gebiet,
Erhöh‘n der fortgeschrittenen Muscheln Erfolg.
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Räuberische Muscheln bauen den Innenraum vollkommen um,
Halbieren ihn zu Etagen,
Verbinden die Ebnen mit Schlitzen zum Durchlass des Wassers,
Beute hingegen, bleibt am durchbrochenen Boden zurück.
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Warten gänzlich oder partiell auf bakterielle Hilfe,
Geben Platz ihren winzigen Helfern
Vor allem in Zellen der Kiemen,
Bekommen ein Zubrot dafür,
Oder werden davon vollständig ernährt.
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Fußnoten
[1] Manteltaschen (Bivalvia): Im Gegensatz zu Polyplacophora, deren Mantelraum das Tier rundum umgibt, ist der Raum bei Bivalvia zu zwei Taschen (links und rechts) geworden
[2] Kiemen (allgemein): Spezialisierte Atmungsorgane bei wasserlebenden Tieren
[3] Cilie, Wimper, Flagellum, Geißel, Flimmer (Eukaryageißel): Charakterisiert durch ihren internen Bau aus 9 peripheren, etwas schräg nach innen gestellten Doppelmikrotubuli (Querschnitt durch die Geißel) und einem zentralen Tubulipaar, das etwas Abstand voneinander hält. Dyneinarme verbinden die Mikrotubuli. Die Geißel ist von der Zellmembran umgeben und gefüllt mit Cytosol. Am Übergang der Geißelbasis in den Zellkörper treten spezielle Verstrebungen, Verstärkungen, auf; eine dünne Querplatte trennt oft den untersten, in die Zelle
integrierten Teil, der in seiner Struktur einem Centriol entspricht: Es fehlen die beiden zentralen Mikrotubuli und die peripheren Zwillinge wurden zu Drillingen. Die in der Zelle gelegenen Teile der Geißel sind noch durch verwandtschaftsabhängig gestaltete Haltestrukturen verwurzelt.
[4] Ctenidien, Fiederkiemen (Mollusca): Ursprüngliche Atemorgane bei Weichtieren, die paarig in der Mantelhöhle angelegt sind. Sie bestehen aus einem zentralen Schaft, von dem auf beiden Seiten blattartige Kiemenfilamente abgehen, was ihnen ein federartiges Aussehen verleiht; lassen in ihrem Inneren das Blut entweder in besonderen Adern oder in Lücken zirkulieren, so dass es mit dem Wasser durch Diffusion möglichst nahe in Gasaustausch treten kann; bei manchen Weichtieren werden damit auch Nahrungspartikel durch Endocytose aufgenommen
[5] Mantel (Mollusca): Spezialisierte Hautfalte auf der Rückenseite von Weichtieren, die den Eingeweidesack umschließt und schützt. Er ist essenziell für die Bildung der Kalkschale (bei Schnecken/Muscheln) sowie der Mantelhöhle, in der sich Atem- und Sinnesorgane befinden
[6] Plankton: Gesamtheit der im Wasser freischwebenden oder mit geringer Eigenbeweglichkeit schwimmenden, kleineren Organismen, deren Ortswechsel hauptsächlich durch Wasserströmungen vermittelt wird
[7] Tiefsee: Weitgehend bis völlig lichtlose Bereiche des Meeres, die unterhalb einer Tiefe von mindestens 200 m liegen
[8] Bivalvia: Muscheln (Mollusca – Schizocoelia – Spiralia – Protostomia – Bilateria –…)
[9] Sulfide: Salze des Schwefelwasserstoffs [H2S], die das zweifach negativ geladene Sulfid-Anion S2– enthalten
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Kiementypen bei Bivalvia (Tusche, Bleistift, Kreide; Reinhard Agerer)
Blau: Ctenidien und Kiemen; rosagrau: Mantel und Achsen (Mantel reicht nicht bis zum Schalenrand); gelblich: Schalen (im Schnitt mit feinen Strichen; in Aufsicht unstrukturiert).
Oben links: „Protobranchien: Paare von Ctenidien, die so im Mantelraum angeordnet sind, dass das durch die Bewimperung hereingeriebene Wasser die Kiemen passieren muss, um in den oberen Teil des Mantelraums und von da zur Austrittsöffnung zu gelangen.“
Oben rechts: „Septibranchien: Ein horizontales Septum unterteilt den Mantelraum; durch Öffnungen im Septum strömt das Wasser in den dorsalen Teil des Mantelraumes und wieder nach außen.“
Mitte: Ctenidien, alternierend aufgehängt an einer Achse (auch als Filamente der Ctenidie bezeichnet; Gesamtheit oft als Lamelle); Flächen und Ränder mit Cilien bedeckt; vorderste linke Ctenidie im Schnitt dargestellt. – Dunkelrot: zuführendes (afferentes) Blutgefäß; hellrot (efferentes) abführendes Blutgefäß; graue Struktur: Versteifungselement.
Unten links: „Filibranchien: zahlreiche Kiemenfäden hängen vom Dach des Mantelraums und wenden haarnadelförmig auf der ventralen Seite; untereinander zumindest durch Ciliengruppen verbunden und stabilisiert.“ Die Tiefe der hintereinanderliegenden Fäden durch unterschiedliche Blautöne (hell vorne, dunkel hinten) verdeutlicht.
Unten rechts: Eulamellibranchien: Fäden sind durch Gewebsbrücken zu jederseits 2 Kiemenblättern verschmolzen, aktive Oberfläche der Kieme ist so stark vergrößert.“ Die Tiefe der hintereinanderliegenden Einheiten durch unterschiedliche Blautöne (hell vorne, dunkel hinten) verdeutlicht.
Nach Westheide & Rieger (2013), Abb. 460, Seite 317 und (Mitte) nach Ruppert, Fox & Barnes (2004), Fig. 12-1 D, Seite 285
Eingestellt am 20. Juni 2026

Bivalvia, Muscheln
4 Sensibel
Langsam pflügen Bivalvien durch Sand:
Mechanisch und chemisch den Eingang der Ware;
Lichtempfindliche Zellen treten oftmals hinzu.
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Wozu nützen photorezeptive[3] Empfänger gemächlich gleitenden Muscheln?
Ihnen wohl kaum, doch ihren flinken Verwandten sehr wohl!
Pecten[4], ein Leckerbissen für viele Bewohner des Meeres – nicht nur für dich –
Überlebte in dichten Geflechten von Geben und Nehmen
Nur mit früh schon entwickelten Sinnestentakeln[5] und Augen
Am Rande des Mantels, die sichtbar, wenn leicht offen der Rand.
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Mit Linsenaugen[6], auf zweierlei Weisen retinabestückt,
Pigmentbechers[9] kleinem Einfallswinkel
Einen sich lüstern nähernden Feind.
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– Wenn du jetzt denkst, Gott hätte die Muschel
Zu Liebe seines Apostels[10] damit ausstaffiert, irrst du dich sehr,
Denn auch andere, nicht näher verwandte Arten,
Erfanden Augen identischen Typs.
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Vielmehr half auch hier eine bedrohliche Situation,
– Eine durch Räuber geschaffene Last –
Signalerkennungsstrukturen[11] Schritt für Schritt zu entwickeln,
Um der Nachkommen Fortbestehen zu sichern damit. –
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Auf des Kreisbogens Drittel liegen Pectens weit geöffnete Augen,
Das Panorama ständig im Blick:
Tastet nicht links ein Arm schon nach ihr?
Rasch die Valven[12] geschlossen!
Sand wirbelt auf, behindert die Sicht:
Weit schießt Pecten, rückwärts fliehend, in die Höh,
Schwimmt ein paar Wellen und fällt,
Vorerst gerettet, wieder zurück.
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Fußnoten
[1] Mantel (Mollusca): Spezialisierte Hautfalte auf der Rückenseite von Weichtieren, die den Eingeweidesack umschließt und schützt. Er ist essenziell für die Bildung der Kalkschale (bei Schnecken/Muscheln) sowie der Mantelhöhle, in der sich Atem- und Sinnesorgane befinden
[2] Siphon (Bivalvia): Zwei zum Teil miteinander verwachsenen, oft verlängerten Röhre (Atem- und Aftersipho) am hinteren Mantelrand, die dem Atmen bzw. der Ausscheidung dienen
[3] Fotorezeptoren: Rezeptoren, die Lichtreize, d.h. elektromagnetische Wellen, in bioelektrische Erregungen umwandeln
[4] Pecten jacobaeus: Jakobsmuschel (Pectinida; nicht separat behandelt – Bivalvia – Mollusca – Schizocoelia – Spiralia –…)
[5] Tentakel (Pectinidae): Am Mantelrand von Kammmuscheln befinden sich zahlreiche, meist helle oder farbige, tentakelartige Fortsätze. Diese dienen als Sinnesorgane zum Ertasten der Umgebung und zur Wahrnehmung von Wasserströmungen.
[6] Linsenaugen: Augen mit meist linsenförmiger, glasklarer, lichtbündelnder Struktur, die eine lichtstarke und gleichzeitig scharfe Abbildung im Auge ermöglicht. In Abhängigkeit von Tierverwandtschaften können Linsenaugen hinsichtlich Funktionalität in unterschiedlicher Weise optimiert werden. Linsenaugen sind evolutiv mehrfach konvergent entstanden
[7] Inverse Linsenaugen (Pectinidae, Wirbeltiere): Linsenaugen mit zum Pigmentbecher hinorientierten Sehzellen
[8] Everse Linsenaugen (Pectinidae, Cephalopoda): Linsenaugen mit vom Pigmentbecher weg, nach außen orientierten Sehzellen
[9] Pigmentbecher (Augen): Augenbecher mit auskleidender Pigmentzellschicht
[10] Jakobus d. Ä.: Einer der Zwölf Apostel Jesu Christi; Bruder des Apostels Johannes; um 43/44 n. Chr. in Jerusalem enthauptet; wird in Santiago de Compostela/Spanien verehrt
[11] Sensorische Zellen, Sinneszellen: Spezialisierte Zellen, die Reize aus der Umwelt (äußere Reize) oder aus dem Körperinneren (innere Reize) aufnehmen
[12] Valven (Bivalvia): Die beiden den Muschelkörper bedeckenden Schalen
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Oben: Pecten maximus (Große Pigermuschel)
Autor: Olivier Dugornay
Lizenz: Creative Commons Attribution 4.0 International license; unverändert
Mitte: Pecten maximus (Große Pigermuschel)
Teilweise im Sand vergraben
Autor: Olivier Dugornay
Lizenz: Creative Commons Attribution 4.0 International license; unverändert
Unten: Pecten jacobaeus (Mittelmeer-Pilgermuschel)
Schalen
Autor: Weitbrecht assumed
Lizenz: GNU Free Documentation License; unverändert
Eingestellt am 20. Juni 2026
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