zum Glossar mit Abbildungsverweisen über:

Pterioidea, Perlmuscheln
1 Glück
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Unruhig wälzt am Grunde der felsigen Küste des
Meeres Strömung Sandkorn um Sandkorn umher,
Rundet, sich spielend, große und kleine zur glänzenden Sphäre,
Achtet nicht auf ihr Bleiben, auf ihr Schicksal im Sund[1].
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Wirbelt sie ohne Bedenken die steinigen Stufen hinauf,
Merkt nicht, wo sie landen, verschwinden im Spalt,
Genügend noch hat sie in petto,
Trauert verlor’nen nicht nach.
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Verschwunden ist eine im
Raum einer Muschel und rückt sich,
Zu schwer für die Strömung, sie zu entfernen,
Am Fuß gleich neben der Kiemen filternden Sieben[2] zurecht.
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Schwer liegt die Kugel der Muschel in ihrer Beuge,
Bringt sie, trotz vieler Versuche, nicht mehr los,
Umgibt sie, kapitulierend,
Schicht für Schicht mit glänzendem Aragonit[3].
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Ein Leben lang gibt sich Pinctada[4] die Müh,
Mit neuen Lagen sie zu umhüllen,
Beengt für die Kiemen den Raum,
Zum Glück bringt die Strömung viel Nahrung für sie!
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Da greift eine Hand entschlossen nach ihr,
Schwingt sich durchs Wasser empor,
Wirft sie auf trocken-staubiges Land,
Zerschmettert sie auf kantigem Stein.
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Ein Jubelschrei entfährt plötzlich dem Jungen
Vor Freude über den wertvollen Fund!
Glänzend liegt in der Hand die riesige Perle,
Er steckt sie verbergend in seinen Mund.
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Für wenige Münzen nur luchst sie ein Händler mit Arglist ihm ab.
Fest umgreift des Bösen Hand den wertvollen Schatz,
Bereits in Gedanken seinen Gewinn überschlagend,
Verzieht er voll Häme den Mund.
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Fußnoten
[1] Sund: Schmale Meerenge oder ein Meeresarm, der das Festland von einer vorgelagerten Insel trennt oder zwei Inseln voneinander scheidet
[2] Kiemen (Mylitoidea, Pterioidea): Filibranchien, bestehend aus zahlreichen, vom Dach des Mantelraums herabhängenden Kiemenfäden, die haarnadelförmig auf der Ventralseite wenden und zumindest durch Ciliengruppen verbunden und stabilisiert werden
[3] Aragonit: [Calciumcarbonat, CaCO3]; Mineral der wasserfreien Carbonate ohne fremde Anionen; kristallisiert im orthorhomischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Ca[CO3]; löst sich leichter in Säuren als Calcit; https://www.chemie.de/lexikon/Calcit.html; nähere Erklärung dort
[4] Pinctada spp.: Perlmuscheln (Pterioidea – Bivalvia – Mollusca – Schizocoelia – Spiralia –…)
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Pterioidea, Perlmuscheln
2 Der Tausch
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Ein Kaufmann, reich und goldesschwer,
Sammler kostbarer Perlen und Kunst,
Hörte von diesem seltenen Fund,
Suchte den gierigen Händler, um die seltsame Perle zu sehn.
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Jahrelang schaute der Kaufmann nach ihr,
Wollte sie schon verloren geben,
Doch in der fernsten Stadt seiner Heimat,
Soll er, so eine Botschaft, die kostbare Perle ersteh‘n.
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Voll Hoffnung beginnt er die Reise,
Nimmt jede Strapaze in Kauf.
Nach mühsamen Tagen findet er endlich der Perle Besitzer,
Sieht die riesige, einzigartig glänzende Pracht,
Betrachtet die ebenmäßige Schönheit und weiß:
Dich will ich haben, sofort.
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Der Händler merkt sein Verlangen,
Sieht es den Augen gleich an!
Ein Preis, hoch genug für ein unbesorgtes Leben auf Jahre,
Schreckt den Kaufmann nicht ab.
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Gold und Schmuck, die er trug,
Waren dem Händler viel zu gering.
„Verwahre die Perle gut, ich kehre zurück
Und gebe dir dann den geforderten Preis.“
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Nach ermüdenden Wegen wieder zu Haus,
Verkauft er all seine Habe,
Um an die kostbare Perle zu kommen.
Reist erneut, erreicht auch den Ort seines Glücks,
Gibt dem maßlosen Händler den wieder gestiegenen Preis
Und kehrt, bis tief in die Seele beglückt, wieder zurück.
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‚So, wie der Kaufmann nach seiner Perle,
So sollt auch ihr nach dem Schatz des Himmelreichs suchen
Und alles Erdenkliche tun,
Diesen kostbarsten Schatz zu gewinnen für euch.‘[1]
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Fußnote
[1] Mt 13, 45-46, Neue Jerusalemer Bibel (2007), Einheitsübersetzung, Herder
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Pterioidea, Perlmuscheln
3 In aller Kürze
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Filibranchen[1] erwähnte die Fußnote;
Ihr Schloss[2] zeigt sich zwar glatt,
Trotzdem bleiben die Schalen passgenau,
Wozu ein einzelner, mittiger Schließmuskel[3] reicht;
Halten mit Byssus[4] sich in den Felsen,
Leben in wärmerem Meer;
Umlagern Fremdkörper konzentrisch geschichtet mit
Null Komma drei Millimeter Aragonit[5] pro Jahr im Schnitt,
Liefern die wertvollsten, harmonisch rund geformten Perlen;
Werden zur Kunstperlenzucht weidlich genutzt,
Wenn Perlmuttbrösel[6] anderer Arten
Werden in ihre Manteltaschen[7] injiziert.
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Fußnoten
[1] Kiemen (Mylitoidea, Pterioidea): Filibranchien, bestehend aus zahlreichen, vom Dach des Mantelraums herabhängenden Kiemenfäden, die haarnadelförmig auf der Ventralseite wenden und zumindest durch Ciliengruppen verbunden und stabilisiert werden
[2] Schloss (Bivalvia): Gelenkartiger Verschlussmechanismus am Dorsalrand der Schalen, bestehend aus Zähnen und Ligament, der die beiden Klappen verbindet und gegen Verschiebungen sichert
[3] Schließmuskeln (Bivalvia): Zwei starke, gleichdicke oder ungleichdicke Muskelstränge, die den Weichkörper im Inneren der zweiteiligen Schale schützen, indem sie die Klappen aktiv zusammenziehen und geschlossen halten; wirken als Gegenspieler zum elastischen Ligament
[4] Byssus: Feine Haftfäden, als erhärtendes Sekret von Fußdrüsen in Form von extrem feinen, goldbraunen Proteinfasern, mit denen sich Muscheln an Untergründen festhalten
[5] Aragonit: [Calciumcarbonat, CaCO3]; Mineral der wasserfreien Carbonate ohne fremde Anionen; kristallisiert im orthorhomischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Ca[CO3]; löst sich leichter in Säuren als Calcit; https://www.chemie.de/lexikon/Calcit.html; nähere Erklärung dort
[6] Perlmutt: Schillernde Innenschicht der Schalen von Mollusken, insbesondere von Perlmuscheln und Flussmuscheln und besteht aus organisch gebundenen Aragonitplättchen, die ein hartes, schimmerndes Material bilden
[7] Manteltaschen (Bivalvia): Im Gegensatz zu Polyplacophora, deren Mantelraum das Tier rundum umgibt, ist der Raum bei Bivalvia zu zwei Taschen (links und rechts) geworden
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Endpunkt erreicht
