zum Glossar mit Abbildungsverweisen über:

Unionidea, Süßwassermuscheln
1 Glochidien
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Behütet mit Eifer das Werden der Jungen,
Bis sie als Larven[4] der Mutter enflieh’n,
Künftige Wege auf eigene Faust dann zieh‘n. –
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Glochidia, winzig noch, lässt sich vom Wasser willenlos treiben,
Als kaum erkennbare Beute verschluckt sie die flinke Forelle[5],
Strömt mit dem Wasser zwischen die Kiemen[6],
Klammert sich an eine Kiemenlamelle mit der Jungschalen zähnernem Kranz.
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Ernährt sich vom Plankton[7], das der Forelle zu klein,
Verlebt geschützt, mit frischem Wasser ständig versorgt,
Der Jugend gefährlichste Zeit
Hinter den schwingenden Schilden[8] ihres Quartiers. –
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Taumelnd verlässt sie nach wohlbehüteten Wochen das Wandergefährt,
Sinkt Füßchen voraus zum Boden des munteren Bachs,
Landet, von Wirbeln heftig getrieben
In ruhiger Zone, gräbt sich dort ein.
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Zeiten des langsamen Wanderns und Wachsens
Seine Eier befüllen die Höhlung, verteilen sich zwischen Kiemenblättern,
Setzen sich fest, verbleiben im Raum.
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Unio ist selbst nun Quartier!
Bebrütet Eier, hütet des Fremden Jungen,
Gibt ihnen Anteil am Tisch,
Bis auch sie die Herberge hinter sich lassen,
Selbst ihre Beute erjagen und Freiheit,
Nicht ohne Gefahr. –
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Für empfindlichste Phasen jedes Geschöpfs,
– Kindheit und Jugend – sorgen oft Eltern speziell.
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Ein Nehmen und Geben zeigt uns die Muschel:
Wer seinen Nachwuchs zahlreich bewahrt,
Erhöht der Art besonderes Glück,
Mit variablen Ideen knappe Ressourcen[11] zu nutzen,
Vor Feinden sich wirksam zu schützen,
Gegen Konkurrenz zu besteh‘n.
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Den Nachwuchs mit eigenen Genen zu fördern,
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Fußnoten
[1] Unio: Flussmuscheln (Unionidae; nicht separat behandelt; Unionidea – Bivalvia – Mollusca – Schizocoelia –…)
[2] Kiemen (Unioidea): Eulamellibranchien, Echte Blattkiemen, wobei Kiemenfäden durch Gewebebrücken zu jederseits zwei Kiemenblättern verschmolzen sind
[3] Suprabranchialraum: Kiemenhöhle oberhalb (dorsal) der Kiemen als Teil des Mantelraums.
[4] Glochidien (Larven von Süßwassermuscheln): Parasitisches Larvenstadium; heften sich mit Häkchen und Haltefaden an Fischkiemen oder -flossen, um sich dort zu entwickeln, bevor sie zu Boden fallen und dort ihre Metamorphose zur jungen Muschel vollziehen
[5] Forelle: Salmo trutta (Salmonidae; nicht separat behandelt – Salmoniformes – Protacanthopterygii – Euteleostei – Clupeomorpha – Elopomorpha – …)
[6] Kiemen (Teleostei): Bestehen aus mehreren Kiemenbögen, von denen Kiemenfilamente (Primärlamellen) abzweigen. Auf diesen Filamenten sitzen in dichten Reihen die Kiemenblättchen (Sekundärlamellen)
[7] Plankton: Gesamtheit der im Wasser freischwebenden oder mit geringer Eigenbeweglichkeit schwimmenden, kleineren Organismen, deren Ortswechsel hauptsächlich durch Wasserströmungen vermittelt wird
[8] Kiemendeckel (Teleostei): Charakteristische knöcherne Abdeckung des Kiemenraums bei Echten Knochenfischen; er besteht aus einer Reihe von Hautknochen, die zusammen eine bewegliche Klappe bilden; sie bildet eine feste Schutzschicht über den empfindlichen Kiemenbögen und Kiemenblättchen
[9] Bitterling: Rhodeus amarus (Cyprinidae – Cypriniformes – Otophysi – Ostariophysi – Euteleostei –…)
[10] Legeröhre (Bitterling): Weibchen bilden zur Laichzeit eine bis zu 5 cm lange Legeröhre aus, um damit ihre Eier in Muscheln zu legen
[11] Ressourcen: Natürlich vorhandene Bestände von etwas, was zum Fortkommen, zum Leben, benötigt wird
[12] Genpool: Gesamtheit aller genetischen Informationen – insbesondere aller Genvariationen (Allele) – einer Population von Lebewesen, die sich geschlechtlich fortpflanzen; er umfasst damit alle Erbanlagen der Individuen innerhalb einer Fortpflanzungsgemeinschaft
[13] Fitness (biologische): Je mehr nachkommenerzeugende Nachkommen entstehen, umso fitter ist ein Organismus
[14] Evolution: Stammesgeschichtliche Entwicklung von niederen zu weiterentwickelten (zu oft höheren) Formen des Lebendigen
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Glochidie von Süßwassermuscheln (Tusche, Bleistift, Kreide; Reinhard Agerer)
Gelb: Krallenförmig zugespitzte, Stacheln tragende Valven; rotbraun: Schließmuskel;
Rosagrau: Übriger Körper mit Cilienbüscheln und Haftfaden.
Nach Westheide & Rieger (2013), Abb. 463 B, Seite 319
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Oben: Unio crassus (Bachmuschel)
Autor: Lorenz Seebauer
Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license; unverändert
Unten: Anodonta cygnea (Große Teichmuschel)
Autor: Boldie
Lizenz: GNU Free Documentation License; unverändert
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Filmchen
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Unionidea, Süßwassermuscheln
2 was sonst noch von Interesse
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Sind dem Süßwasser verschrieben,
Leben im Teich, kleineren Seen, im quirligen Fluss,
Nicht alle Muscheln, die dort ihr Leben verbringen,
Gehören jedoch dieser Verwandtschaft an. –
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Gleich gestalten sie Schalen[1] mit
Kaum Unterschieden zwischen links und rechts,
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Heterodont[6], mit geringer Zahl unterschiedlich gestalteter Zähne,
Halten sich Valven passgenau am Rücken[7] in Position;
Hilfreich bindet das oberflächlich liegende, dehnbare Proteinband[8]
– Nicht wie bei anderen Sippen in einer Grube versenkt –
Als Gegenspieler der beiden gleichgestalteten Schließmuskeln[9]
Schalen[10] als Toröffner unverrückbar fest.
Ließ die Muschel ihr Leben, erschlaffen die Muskeln,
Zieht das Ligament die Valven automatisch entzwei.
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Ventral verläuft die Mantellinie[11] in gleichmäßigem Anstand,
Bildet, weil der Siphon[12] fehlt, keine Bucht;
Einfache Aus- und Einströmöffnungen genügen:
Daher der Mantellinie ebenmäßige Form.
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Als Besonderheit entwickelten Unionidea Glochidien[13],
Schutz und Nahrung finden in unsteter Zeit.
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Perlen, aus Süßwassermuscheln stammend, werden wegen des Lüsters
Und der nicht selten bizarren Gestalt von vornehmen Damen geliebt!
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Fußnoten
[1] Valven (Bivalvia): Die beiden den Muschelkörper bedeckenden Schalen
[2] Valven
[3] Periostracum (Bivalvia): Äußere organische Schicht an den Valven; diese besteht aus Conchiolin, einem durch Chinone gegerbten und sklerotisierten Proteingemisch
[4] Perlmutt: Schillernde Innenschicht der Schalen von Mollusken, insbesondere von Perlmuscheln und Flussmuscheln und besteht aus organisch gebundenen Aragonitplättchen, die ein hartes, schimmerndes Material bilden
[5] Prismatische Schicht (Bivalvia): Eine der drei Hauptschichten der Muschelschale und befindet sich zwischen dem Periostracum (außen) und der inneren Perlmuttschicht; ist aus mikroskopisch kleinen, säulenartigen Kristallen aufgebaut ist, die wie Prismen angeordnet sind
[6] Heterodont (Bivalvia): Heterodont ist ein Schloss von Muscheln, besitzt es nur Zähne geringer Zahl, die zudem unterschiedlich gestaltet sind
[7] Schloss (Bivalvia): Gelenkartiger Verschlussmechanismus am Dorsalrand der Schalen, bestehend aus Zähnen und Ligament, der die beiden Klappen verbindet und gegen Verschiebungen sichert
[8] Ligament, Schlossband (Bivalvia): Elastisches, conchiolinhaltiges Band bei Muscheln, das die beiden Schalenklappen am Rücken verbindet; fungiert als Gegenspieler der Schließmuskeln: Bei Entspannung der Muskeln öffnet das elastische Band die Schale automatisch
[9] Schließmuskeln (Bivalvia): Zwei starke, gleichdicke oder ungleichdicke Muskelstränge, die den Weichkörper im Inneren der zweiteiligen Schale schützen, indem sie die Klappen aktiv zusammenziehen und geschlossen halten;irken als Gegenspieler zum elastischen Ligament
[10] Valven
[11] Mantellinie (Bivalvia): sichtbare Linie auf der Innenseite der Schale, die den Ansatz des Mantels markiert; verläuft schalenrandparallel bei Arten ohne Siphon; sind Siphons vorhanden, zeigt sie dort eine Bucht
[12] Siphon (Bivalvia): Röhrenförmiges Organ, das aus dem Mantel der Muschel gebildet wird; besteht meist aus zwei Röhren (oder einer Röhre mit zwei Kanälen), dem Einströmsiphon (zum Ansaugen von Wasser) und einem Ausströmsiphon (zum Ausstoßen von Wasser und Abfallprodukten)
[13] Glochidien (Larven von Süßwassermuscheln): Parasitisches Larvenstadium; heften sich mit Häkchen und Haltefaden an Fischkiemen oder -flossen, um sich dort zu entwickeln, bevor sie zu Boden fallen und dort ihre Metamorphose zur jungen Muschel vollziehen
[14] Larven: Jugendstadien von Tieren, die sich grundsätzlich vom Erscheinungsbild Erwachsener unterscheiden und erst nach einer Metamorphose Adultgestalt annehmen
[15] Knochenfische i. e. S.: Teleostei (Actinopterygii – Osteognathostomata – Gnathostomata – Umericingulata – Lacertipinnata –…)
[16] Kommensalisch: Sich von Abfallstoffen des Wirtes als Nutznießer ernährend, diesen aber nicht schädigend, oder ihn als spezielle ökologische Nische nutzend.
[17] Parasitisch, parasitär: Schmarotzend leben auf Kosten lebender Organismen
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Schmuck mit Süßwasserperle (Original; Reinhard Agerer)
Designend und hergestellt von Ehinger & Schwarz/Ulm.
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Endpunkt erreicht
