zum Glossar mit Abbildungsverweisen über:

Cestoda Bandwürmer
1 Auf dem Schiff
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„Unmengen kannst du beim Essen verdrücken,
Trotzdem gleicht einer Zaunlatte deine Statur.
Jeden Bissen gönnen wir dir,
Wo aber bleiben die Mengen,
Wenn du für Zwei die Nahrung verschlingst?
Deine Arbeit verbraucht doch nicht viel Energie“,
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So klagte einst seine Mutter
Und grübelte, ob er nicht doch ernstlich erkrankt.
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„Bleibt nur zu hoffen, du bekommst genügend zum Essen,
Wenn du nach Übersee gehst,
In Möbelfabriken dein Geld du verdienst und
Hoffentlich reich an Erfahrung wieder nach Hause kehrst.“ –
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Ein pausbäckiger, kräftiger Mann,
Kaum ähnlich dem abschiednehmenden Handwerksgesellen,
Findet nach Jahren in seine Heimat zurück.
Sprachlos folgt seine Mutter der Krankengeschichte, die er erzählt:
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„Kaum einen Tag erst fuhr unser Dampfer auf Amerika zu,
Schon zogen dunkle Unwetterwolken nah vor uns auf,
Entluden sich plötzlich mit Stürmen, Donnern und Blitzen über dem Schiff,
Brachten es stundenlang heftig ins Wanken;
Wir hielten uns fest, schaukelten mit,
Bis unsere letzte Mahlzeit aus unserem Mund herausschoss.
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Seekrank wurden fast alle,
An Essen war nicht zu denken,
Schwach wurde uns deshalb der Magen,
Nichts wollte er länger behalten.
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Ein lästiges Kribbeln verspürte ich alsbald in der Spalte am Po,
Entdeckte sich manchmal bewegende,
Gelbe, fast rechteckige Blättchen in meinen Pants –
Dann auch im Klo. –
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Bandwürmer[1], meinte der Arzt auf dem Schiff,
Ein Mittel dagegen habe er nicht.
Vielleicht trieb sie der Hunger hervor,
Vielleicht war das Schaukeln ihnen nicht recht.
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Einen Wurm zog ich hervor!
Seit dieser Zeit hab‘ ich Ruh
Und das Essen brachte Polster hervor.“
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Fußnoten
[1] Rinderbandwurm: Taenia saginata (Cyclophyllidea; nicht separat behandelt – Cestoidea – Cestoda – Cercomeromorpha – Neodermata –…)
[2] Proglottiden: Die einzelnen, segmentähnlichen Fortpflanzungsglieder eines Bandwurms
[3] Stuhl (Medizin): Ausscheidung des Darms, Faeces, Kot, Kacke
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Taenia saginata, Rinderbandwurm, Habitus (Tusche, Kreide, Bleistift; Reinhard Agerer)
Links: Bandwurm (gräulich) mit Scolex in Zotten des Dünndarms (rosabräunlich) verankert, mit immer größer werdenden Proglottiden, je weiter sie vom Kopf entfernt sind; die größten sind reif, gefüllt mit Eiern (nicht gezeigt) und schnüren sich nach und nach ab vom Band ab.
Taenia solium, Schweinebandwurm, Scolex (Tusche, Kreide, Bleistift; Reinhard Agerer)
Rechts oben: Scolex von Taenia solium, Schweinebandwurm, (vergrößert) mit vier Saugnäpfen und Hakenkranz; am dünnen Hals schnüren sich sukzessive die Proglottiden ab.
Nach Westheide & Rieger (2013), Abb. 337, Seite 222
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Taenia solium (Schweinebandwurm)
Autor: unbekannt; aus Memorie sulla storia e notomia degli animali senza vertebre del regno di Napoli
Lizenz: Gemeinfrei; unverändert
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Cestoda Bandwürmer
2 Was sie hervorhebt
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Verzichten als extrem angepasste Endoparasiten[1]
Nehmen alles über Oberflächen in ihren Körper,
Verwandtschaftsabhängig unterschiedlich ausgestattet mit dichtem Pelz Mikrovilli[4],
Und gegen des Befallenen Immunsystem wirkt.
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Fehlen Cilien, steh‘n bereits Häkchen aus der Oberfläche hervor;
Bewimperte hingegen verstecken sie im hinteren Köperende,
Bilden davon ursprünglich immer wohl zehn.
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Endzellen der Protonephridien[11] weichen als einfache Zylinder
Wesentlich ab vom plathelminthentypischen Flammenzellbau[12];
Kanäle bilden vernetzte Strukturen,
Nicht beidseits ein separates System.
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Mit stark abgeplatteten Körpern leben geschlechtsreife Tiere;
Augenfällig dann, bauen sie ihn segmentartig[13] auf,
Jeden Teil mit vollem Satz an Gonaden[14] versehend,
Wie für Cestoidea[15] generell bekannt.
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Monozoische[16] Cestoda lassen wir unbehandelt,
– Gelten wegen des nicht-wiederholenden Baus
Als ursprüngliche Bandwürmer –
Konzentrieren uns vielmehr auf Cestoidea nur,
Auf die artenreichste Sippe der
Fünftausend Bandwürmer im weiteren Sinn.
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Fußnoten
[1] Endoparasit: Parasit, der im Körper des Wirtes lebt
[2] Adult, Adultus: Erwachsen, Erwachsener
[3] Larven: Jugendstadien von Tieren, die sich grundsätzlich vom Erscheinungsbild Erwachsener unterscheiden und erst nach einer Metamorphose Adultgestalt annehmen
[4] Mikrovilli: Fingerförmige, meist unverzweigte, dichte Ausstülpungen der Zellmembran, um der Zelle Oberfläche zu vergrößern; erhalten ihre Stabilität durch Actinfilamente, nicht durch Mikrotubuli oder gar durch ein Axionem
[5] Wirt (Parasiten, Symbionten): Opfer eines Parasiten, Partner eines Symbionten
[6] Darmmikrobiom: Gesamtheit der im Darm lebenden Mikroorganismen
[7] Früheste Larvenstadien
[8] Cilie, Wimper, Flagellum, Geißel, (Eukaryageißel): Charakterisiert durch ihren internen Bau aus 9 peripheren, etwas schräg nach innen gestellten Doppelmikrotubuli (Querschnitt durch die Geißel) und einem zentralen Tubulipaar, das etwas Abstand voneinander hält. Dyneinarme verbinden die Mikrotubuli. Die Geißel ist von der Zellmembran umgeben und gefüllt mit Cytosol. Am Übergang der Geißelbasis in den Zellkörper treten spezielle Verstrebungen, Verstärkungen, auf; eine dünne Querplatte trennt oft den untersten, in die Zelle integrierten Teil, der in seiner Struktur einem Centriol entspricht: Es fehlen die beiden zentralen Mikrotubuli und die peripheren Zwillinge wurden zu Drillingen. Die in der Zelle gelegenen Teile der Geißel sind noch durch verwandtschaftsabhängig gestaltete Haltestrukturen verwurzelt.
[9] Syncytium: Durch Verschmelzung (Fusion) mehrerer Einzelzellen entstandene mehrkernige Zelleinheit
[10] Epidermis (Animalia, allgemein): Außenschicht eines Tieres
[11] Protonephridie (Plathelminthes): Primitive, meist paarige Exkretions- und Osmoregulationsorgane bei wirbellosen Tieren ohne Coelom (z.B. Plattwürmer, Rädertiere). Sie bestehen aus einem feinen, verzweigten Kanälchensystem, das im Körper blind endet. Der Endbereich, wird aus einer Cyrtocyte (Flammenzelle) und einer primären Kanälchenzelle gebildet, die sich mit zwei konzentrischen Fingerkreisen überlappen und eine Reuse bilden; im Innern mit einem Bündel aus flammengleich schlagenden Geißeln (Flammenzellen)
[12] Flammenzellen, Cyrtocyten: Besonders gestaltete Reusengeißelzellen als Endzellen der Protonephridien mit im Bündel flammengleich schlagenden Geißeln
[13] Proglottiden: Die einzelnen, segmentähnlichen Fortpflanzungsglieder eines Bandwurms
[14] Gonaden: Geschlechtszellen bildende Organe
[15] Oft auch Eucestoda (Echte Bandwürmer) bezeichnet
[16] Monozoisch (Cestoda): Bandwürmer ohne Segmentierung und daher nur mit einem Satz an Geschlechtsorganen
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Erstlarven der Cestoda (Tusche, Bleistift, Kreide; Reinhard Agerer)
Links: Lycophora-Larve von Austramphilina elongata mit bewimperter, syncytialer Epidermis (braun) und 10 Larvalhäkchen (rot). – Rechts oben: Coracidium mit bewimperter, syncytialer Epidermis (braun) und sechs Larvalhäkchen (rot). – Rechts unten: Oncosphaera; unbewimperte Larve mit syncytialer Epidermis (nicht eingezeichnet) und sechs Larvalhäkchen (rot).
Nach Westheide & Rieger (2013), Abb. 334 B, C, Seite 220 und Abb. 346, Seite 227, Oncosphaera
Eingestellt am 20. Juni 2026
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