zum Glossar mit Abbildungsverweisen über:

Syllidae, Sylliden

1 Gefährte

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Die größten und meisten Besonderheiten zeigen der Phyllodocida[1] Syllidae:

Meist winzig, höchstens neunzig Millimeter nur lang, mit gleichförmiger Organisation,

Wozu deutliche Ringelung und einfachverzweigte Parapodien[2] zählen,

Darin einen Acikel[3] pro Zweig versteckt,

Gut erkennbare dorsale Cirren[4], ventrale stark reduziert oder fehlend;

Zwei Palpen am Prostomium[5],

Vier Komplexaugen[6] oft zwei Punktaugen[7] dazu;

Während ihr Mundstück[8]

Ventrale und dorsale Cirren oder Tentakelcirren[9] paarig trägt.

Ihr mehrteilig gegliederter Vorderdarm mit muskulösem Proventriculus[10], einem Saugorgan,

Gilt als Apomorphie[11], zumal Muskelzellen nur ein bis zwei Sarkomere[12] umfassen,

Und mit sechzig µm[13] die längsten im ganzen Tierreich[14].

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Leben meist nahe oder im sedimentreichen[15] Meeresboden,

Die kleinsten, unter einem Millimeter nur groß, im Sandlückensystem.

Besiedeln Korallen[16], Polypen[17], leben auf Algen[18], in Wohnröhren anderer Polychaeten[19].

Nicht selten entwickeln sich Artabhängigkeiten[20] daraus.

Einige parasitische Arten stechen mit Pharynxzahn,

Nachdem sie ihn ausgestülpt, die Beute an und saugen sie aus.

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Als Markenzeichen gilt für viele der Blättchenträger umfangreichsten Familie des

Körpers Zergliederung in Spermien[21],[22]- und Eizellgefährte[23], die Schizogamie[24]:

Wandeln laufend die letzten ein bis zwei Dutzend Segmente zu Propagulen[25],

Für Eier-[26] und Spermientransport[27],

Eilen mit großen Augenkomplexen dem Pelagial[28] entgegen:

Männliche Stolos mit größeren Augen als weibliche – nicht schwer zu raten, warum –

Stoßen die kostbare Fracht ins Wasser.

Wer, was zusammengehört, nahe zusammenbringt,

Hat allen Grund, sich für die Nachkommen zu opfern,

Der tat alles für die Fitness[29] der Art und stirbt.

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Ein Generationswechsel[30] läge hier vor, möchte man meinen,

Aber nicht alle Arten setzen auf Stolos für der Geschlechtszellen Produktion,

Was für die Amme[31] als asexuelle[32], für Stolos als sexuelle Fortpflanzung[33] spräche,

Doch gelegentlich produziert der atoke[34] Teil und schiebt, was gebildet, in das Gefährt.

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Dennoch bemühen recht engagiert sich Spermienträchtige

Um einen weiblichen Stolo:

Umkreisen bisweilen ihn in rasender Fahrt, um gezielt, was sie mitgebracht, abzuladen:

So umgarnt, entlässt das Weibchen die Eier in die Bruttasche aus Schleim,

In der sie zu Larven[35],[36] reifen:

Sie gehen davon, die Mutter dahin.[37],[38] –

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Odontosyllis enopla[39] ergänzt noch tages- und lunarrhythmisches[40] Verhalten,

Schwärmt fünfundfünfzig Minuten nach Sonnenuntergang vor allem nach Vollmond aus:

Damit Partner ohne herumzuirren sich finden, geben sie

Geschlechtsspezifische, blaugrüne Lichtsignale hoher Intensität.

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Fußnoten

[1] Phyllodocida: Blättchenträger i.w.S. (Errantia; nicht separat behandelt – Polychaeta – Annelida – Schizocoelia –…)

[2] Parapodien (Annelida): Ungegliederte oder paarige, gegliederte Seitenanhänge beidseits der Segmente

[3] Acikel (Polychaeta): Einzelne, lange und dicke, spitze, Parapodien versteifende, nicht daraus nicht hervor ragende steife Borsten

[4] Cirren (Annelida): Verlängerte, zugespitzte, abstehende Teile des Parapodiums, als Ventralcirrus am Unterlappen des Parapodiums, als Dorsalcirrus am Oberlappen; können zu Tentakeln zerteilt sein

[5] Prostom, Prostomium, Kopflappen (Annelida): Bezeichnung für die Körperspitze der Ringelwürmer

[6] Komplexaugen (Syllidae): Mehrere Pigmentbecherocellen zu größerer Einheit zusammengefasst

[7] Pigmentbecheraugen, Pigmentbecherocellen: Bestehen meist aus 20 bis 30 Sehzellen (Fotorezeptoren), die in einer halbkreisförmigen Vertiefung angeordnet sind und in einem von lichtundurchlässigen Zellen (Pigmentzellen) ausgekleidetem Becher liegen. Je nach Richtung des einfallenden Lichtes werden daher nur wenige Fotorezeptoren angeregt, sodass es dem Organismus damit möglich ist, die Richtung des Lichtes wahrzunehmen

[8] Peristom (Annelida): Das erste echte Körpersegment, das direkt hinter dem Prostom (dem Kopfabschnitt vor dem Mund) liegt; es umschließt vollständig die Mundöffnung

[9] Tentakelcirren (Polychaeta): Tentakelartig verzweigte Cirren

[10] Proventrikel, Proventriculus, Drüsenmagen, Vormagen: ein spezialisierter Teil des Verdauungstrakts bei Vögeln, Insekten und einigen Wirbellosen

[11] Apomorphes, abgeleitete Merkmal: Neues oder verändertes Merkmal im Vergleich zu evolutiven Vorläufern

[12] Sarkomer, Sarcomer: Kleinste, sich ständig wiederholende kontraktile Einheit des quergestreiften Muskels

[13] Mikrometer, µm: Tausendstel Millimeter (10-3 mm); Millionstel Meter (10-6 m)

[14] Tierreich: Animalia (Opisthokonta – Eukarya)

[15] Sediment: Ablagerungen von Gesteinspartikeln, gelöstem Material oder was aus Pflanzen und Tieren entstanden ist

[16] Korallen: Blumentiere (Anthozoa – Cnidaria – Animalia – Opisthokonta – Eukarya)

[17] Hydropolypen: Polypen nach der Klasse Hydrozoa benannt, um diese im Vergleich zu den etwas abweichend gestalteten Polypen anderer Klassen separat bezeichnen zu können

[18] Algen: Eine organismenreichübergreifende Bezeichnung für überwiegend im Wasser lebende, grüne Thallophyten

[19] Polychaeta: Vielborster (Annelida – Schizocoelia – Spiralia – Protostomia – Bilateria –…)

[20] Wirtsspezifität, wirtsspezifisch (Parasiten): Es wird nur eine beschränkte Auswahl an Wirten genommen, was mehrere Verwandtschaften, eine Familie, nur wenige Arten, gar eine einzige Art, oder nur bestimmte Taxa unterhalb des Artniveaus umfassen kann

[21] Männliche Stolos

[22] Stolos, Stolo (Syllidae): In Serie gebildete, der sexuellen Fortpflanzung dienende Epitoke

[23] Weibliche Stolos:

[24] Schizogamie: Fortpflanzung durch Teilung des Körpers in ein sexuelles und ein asexuelles Individuum 

[25] Propagulen: Allgemeine Bezeichnung für Verbreitungseinheiten

[26] Eizellenträger

[27] Spermatozoide, Spermatozoen, Spermien: Reife, männliche, haploide Keimzellen; Gameten, die im Normalfall zu eigenständiger Bewegung fähig sind

[28] Pelagial: Uferferner Freiwasserbereich oberhalb der Bodenzone (Benthal)

[29] Fitness (biologische): Je mehr nachkommenerzeugende Nachkommen entstehen, umso fitter ist ein Organismus

[30] Generationswechsel (allgemein): Zwei Generationen (ungleich oder gleich gestaltet, im zweiten Fall dann aber mit Kernphasenwechsel) lösen in Folge sich ab

[31] Amme (Syllidae): Der Stolos bildende Teil der Art

[32] Asexuelle Vermehrung: Rein mitotisch bedingte Vermehrung, daher Individuen genetisch identisch

[33] Geschlechtliche, sexuelle Fortpflanzung: Dafür sind drei Vorgänge miteinander gekoppelt, Meiose (abgekürzt mit R!), Plasmogamie (Zellen vereinen sich, abgekürzt mit P!) und Karyogamie (Kerne verschmelzen, abgekürzt mit K!), wobei P! und K!, mit Ausnahme bei Dikarya, unmittelbar aufeinander folgen. Bei Dikarya (Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi – Opisthokonta – Eukarya) sind beide Vorgänge unterschiedlich lang (weit) voneinander getrennt. Da bei Animalia und Plantae P! und K! unmittelbar aufeinander folgen, werden beide Vorgänge häufig zu Befruchtung (B!) zusammengefasst.

[34] Atok: Noch nicht an der geschlechtlichen Fortpflanzung beteiligt

[35] Larven: Jugendstadien von Tieren, die sich grundsätzlich vom Erscheinungsbild Erwachsener unterscheiden und erst nach einer Metamorphose Adultgestalt annehmen

[36] Keine Trochophora

[37] Myrianida rolifera und Exogone naidina (Syllidae – Phyllodocida – Errantia; nicht separat behandelt – Polychaeta – Annelida –…)

[38] stirbt

[39] Odontosyllis enopla (Syllidae – Phyllodocida – Errantia; nicht separat behandelt – Polychaeta – Annelida –…)

[40] Luna: Mond

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Oben: Syllis sp.

Autor: Jo Langeneck

Lizenz:   Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license; unverändert

Unten: Typosyllis tyrrhena

Lichtmikroskopische Aufnahme von Typosyllis tyrrhena: Ant = Antenne; Dc = Dorsalcirrus; Oe = Oesaphagus; Pa = Palpen; Par = Parapodium; Ph = Pharynx; Phö = Pharynxöffnung; Pr = Proventrikel; Vc = Ventralcirrus; Z = pharyngealer Zahn.

Autor: Dr. Frank Licher (Alias: Polarwurm). - Licher F & Kuper M (1998) Typosyllis tyrrhena (Polychaeta, Syllidae, Syllinae), a new species from the island Elba, Tyrrhenian Sea. – Italian Journal of Zoology, Camerino 65: 227-233.

Lizenz: gemeinfrei; unverändert

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Links oben: Syllis gracilis

Autor: Megan McCuller

Lizenz:   Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.; unverändert

Links unten, links: Myrianida, männlicher Stolo im freien Wasser (Tusche, …

Nach Westheide & Roeger (2013), Abb. 560 C, Seite 385

Links unten, rechts: Myrianida, Weiblicher Stolo im freien Wasser (Tusche, …

Nach Westheide & Roeger (2013), Abb. 560 D, Seite 385

Rechts: Syllidae, Schizogamie

Autor: W.C. M'INTOSH. – M’Intosh, W.C. (1908). Polychaeta. Nephthyidae to Syllidae. In: A monograph of the British annelids. Vol. 2. Pt. 1: 1-232. London (The Ray Society)

Lizenz: Gemeinfrei; unverändert

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Ramisyllis kingghidorahi

Autor: Aguado, M.T., Ponz-Segrelles, G., Glasby, C.J. et alRamisyllis kingghidorahi n. sp., a new branching annelid from Japan. Organisms Diversity & Evolution (2022).

Lizenz:  Creative Commons Attribution 4.0 International license; unverändert

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Syllidae und Hesidonidae

A monograph of the British marine annelids 190Plate text 1 Syllis prolifera Krohn – 2 Nereimyra punctata; Hesionidae. – 3 Psamathe fusca; Hesionidae

Autor: McIntosh

Lizenz: public domain; unverändert

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Endpunkt erreicht