zum Glossar mit Abbildungsverweise über:

Polyplacophora, Käferschnecken

1 Der Dank

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Schwer schleppt der Fischer den Kahn

Die steile Küste hinauf.

Keuchend, nur Stück um Stück

Sein schwer beladenes Boot bewegend,

Bemerkt er überrascht ein leichteres Gleiten der Last,

Denn helfende Hände fassten das Tau.

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Dankbar will sich der Teneriffaner[1] erweisen,

Überlegt und weiß doch nicht recht wie.

Greift nach einer Weile entschlossen dann zu,

Holt eine Chiton[2] aus dem Fanggut hervor,

Löst geschickt den Körper vom Panzer und

Reicht sie dem arg verdutzten Botaniker hin.

Mit hohem Gaumen[3] und Atem anhaltend,

Schlürft er mit vorgetäuschtem Vergnügen entschlossen das Tier.

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Vom Felsen löste der Fischer die seltsame Schnecke,

Zog ihren angesaugten, widerstrebenden Fuß mit all seiner Kraft von der Stelle.

Sein Einsatz, sein Mühen, sein Glück,

Gaben dem Fang als wohlmeinenden Dank seinen Wert.

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Fußnoten

[1] Einwohner Teneriffas

[2] Chiton sp.: Käferschnecke (Polyplacophora – Mollusca – Schizocoelia – Spiralia – Protostomia –…)

[3] Um möglichst wenig damit in Kontakt zu kommen

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Polyplacophora, Käferschnecken

1 Gepanzert

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Den heftigen Wellen der Brandung zu trotzen,

Sog sich der ausgebreitete Fuß

Wie ein Saugnapf am Lavastein fest;

Nur der gleichfalls verborgene Kopf

Bewegte sich frei,

Um Grünzeug[1] vom Felsen zu äsen.

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Dorso-ventrale[2] Muskulatur,

Gespannt zwischen Fuß und gepanzertem Rücken,

Hebt nur das Zentrum der haftenden Scheibe sachte empor,

Ihr Rand aber bleibt,

Den nötigen Unterdruck bringend,

Mit Schleimen am Felsen verklebt.

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Acht bewegliche Platten,

In Reihe gelenkig hintereinander gesetzt,

Bedecken bogig den Körper.

Der Rand, mit Schuppen garniert,

Überdacht des Mantels geräumige Tasche[3],

Des Atemwassers geregelten Strom.

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Cilien[4] setzen ihn in Bewegung:

Knapp am Kopf vorüber,

Links und rechts zu den Kiemen[5] nach hinten,

Durchzieht die feingefiederten Zweige.

Vom After nimmt er Kotballen mit,

Wenn reif die Zeit, auch die Eier.

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Fotorezeptoren[6], Ästheten[7], durchbohren die Platten,

Bei manchen der Käferschnecken[8] formen sie echte Augen mit Linsen[9],

Melden Dunkel und Hell:

Plötzliche Schatten bedeuten Gefahr.

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Markstränge[10] nur, keine Bündelaxone[11],

Keine Ganglienknoten[12] aus Perikaryen[13] zusammengesetzt,

Jagen Informationen zum nächsten Ausführungsort:

Moderne Breitbandverbindungen stehen noch nicht.

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Für Kanariens[14] Chiton[15] kam jede Warnung zu spät,

Zu langsam war die Bewegung für die erfolgreiche Flucht,

Nutzlos das Krümmen des Panzers zum Schutz der empfindlichen Seite

Gegen des Häschers[16] Gewalt. –

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In der Geborgenheit des gelenkigen Panzers

Beleben sie fünfhundert Millionen Jahre unsere Erde bereits:

Fossil aus dem Kambrium[17] mit knapp hundert Sippen[18] bekannt,

Überdauerten mehr als neunhundert Arten bis in die heutige Zeit.

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Du fragst, warum und wie

Molluscas[19] kontinuierliche Platte in einzelne Teile sich löste.

Noch fehlt eine Theorie.

Vielleicht hast du die Idee.

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Fußnoten

[1] Algen: Eine organismenreichübergreifende Bezeichnung für überwiegend im Wasser lebende, grüne Thallophyten

[2] Dorso-ventral, dorsi-ventral: vom Rücken zum Bauch

[3] Mantelraum (Mollusca): Hohlraum, der durch eine hautartige Falte des Körpers, den sogenannten Mantel bildet; er entsteht, wenn die dorsale Körperwand als Mantel den Eingeweidesack bedeckt und über den Körperrand hinausragt

[4] Cilie, Wimper, Flagellum, Geißel, Flimmer (Eukaryageißel): Charakterisiert durch ihren internen Bau aus 9 peripheren, etwas schräg nach innen gestellten Doppelmikrotubuli (Querschnitt durch die Geißel) und einem zentralen Tubulipaar, das etwas Abstand voneinander hält. Dyneinarme verbinden die Mikrotubuli. Die Geißel ist von der Zellmembran umgeben und gefüllt mit Cytosol. Am Übergang der Geißelbasis in den Zellkörper treten spezielle Verstrebungen, Verstärkungen, auf; eine dünne Querplatte trennt oft den untersten, in die Zelle integrierten Teil, der in seiner Struktur einem Centriol entspricht: Es fehlen die beiden zentralen Mikrotubuli und die peripheren Zwillinge wurden zu Drillingen. Die in der Zelle gelegenen Teile der Geißel sind noch durch verwandtschaftsabhängig gestaltete Haltestrukturen verwurzelt.

[5] Kiemen (allgemein): Spezialisierte Atmungsorgane bei wasserlebenden Tieren

[6] Fotorezeptoren: Rezeptoren, die Lichtreize, d.h. elektromagnetische Wellen, in bioelektrische Erregungen umwandeln

[7] Ästheten (Polyplacophora): Schalenplatten nach außen durchziehende, verzweigte, epidermisumgebene, außen durch perforierte Kappe abgeschlossene Sinnesorgankomplexe aus großen, mehrzelligen Ästheten, umgeben von einigen bis vielen kleinen Ästheten; die großen Ästheten enthalten stets mit Cilien ausgestattete Chemorezeptoren, sowie Speicherzellen; in vielen Arten sind Fotorezeptoren differenziert, bei einigen Becheraugen mit Retina und Linse; die Funktion der kleinen Ästheten ist derzeit noch völlig unbekannt.

[8] Käferschnecken: Polyplacophora (Mollusca – Schizocoelia – Spiralia – Protostomia – Bilateria –…)

[9] Linsenaugen: Augen mit meist linsenförmiger, glasklarer, lichtbündelnder Struktur, die eine lichtstarke und gleichzeitig scharfe Abbildung im Auge ermöglicht. In Abhängigkeit von Tierverwandtschaften können Linsenaugen hinsichtlich Funktionalität in unterschiedlicher Weise optimiert werden. Linsenaugen sind evolutiv mehrfach konvergent entstanden.

[10] Markstrang: Bezeichnung für einen Strang von Nervengewebe

[11] Axon: Langgezogener, ungegliederter, schlauchartiger, gelegentlich seitlich verzweigter Fortsatz einer Nervenzelle, der elektrische Impulse vom Zellkörper (z. B. Dendrit) wegleitet; auch gegen Ende kann das Axon verzweigt sein. Das Axon, gegebenenfalls seine Seitenzweige, blähen sich am Ende zum präsynaptischen Teil auf, der im anschließenden Axon ein becherförmiges postsynaptisches Gegenstück findet; beide zusammen gelten als Synapse. Axone erreichen Längen von wenigen Millimetern bis zu Metern

[12] Ganglion: Ansammlung von Nervenzellkörpern (Perikarya), aus der eine Verdickung des Nervenstrangs resultiert

[13] Perikaryon, Nervenzellkörper: Vergrößertes Zellende eines Axons, das mit Dendriten ausgestattet, Signale aufnimmt und weiterleitet; Perikaryon („um den Zellkern)“ deshalb, weil es die Stelle der Nervenzelle ist, die den einzigen Zellkern dieser Zelle enthält

[14] Kanarische Inseln

[15] Chiton sp.: Käferschnecke (Chitonida; nicht separat behandelt – Polyplacophora – Mollusca – Schizocoelia – Spiralia –…)

[16] Häscher (übertragenen Sinnes): Räuber, Greifer, Verfolger

[17] Kambrium-Zeit: vor 542 – 488 Millionen Jahren

[18] Sippe: Unter Sippe wird eine oft nicht genauer genannte Verwandtschaft verstanden, im Gegensatz zu Gruppe, die lediglich eine Ansammlung nicht näher verwandter Organismen bezeichnen will

[19] Mollucsa: Weichtiere (Schizocoelia – Spiralia – Protostomia – Bilateria – Animalia –…)

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Oben: Chiton olivaceus

Blick auf Mundfeld mit Mund, den Fuß, umgeben vom Mantelraum mit je einer Reihe Ctenidien

Autor: Tigerente

Lizenz:  GNU Free Documentation License; unverändert

Unten: Cryptochiton stelleri, Unterseite

Autor: Professor Douglas Eernisse

Lizenz:  Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license; unverändert

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Oben: Tonicella lineata

Autor: Matt Knoth

Lizenz:  Creative Commons Attribution 2.0 Generic license; unverändert

Unten: Cryptoconchus porosus

Autor: GrahamBould

Lizenz: Public domain; unverändert

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Oben: Acanthopleura granulata (Westindische Käferschnecke)

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Acanthopleura_granulata_with_Nerita_tessellata.jpg

Autor: Hans Hillewaert

Unten: Matthevia (†)

Matthevia, eine spätkambrische Polyplacophore von Hellnmaria Member of the Notch Peak Limestone, Steamboat Pass, southern House Range, Utah; shown with a US one-cent coin (19 mm in diameter).

Autor: Wilson44691

Lizenz: Public domain; unverändert

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Polyplacophora (Lepidochitona cinerea) Sagittalschnitt (Tusche, Bleistift, Kreide; Reinhard Agerer)

Genereller Bau: Der Körper ist von beweglichen Schalenplatten (gelb) bedeckt; sie liegen im (auf dem) Gürtel des Körpers (grau); hier durch eine feine Linie vom organumgrenzenden Mantelsack (rosagrau) abgetrennt; auf dem Fuß (braun) bewegt sich die Käferschnecke voran.

Darmtrakt (braun, dunkelbraun, rosa, grünlich): Vom ventral ausgerichteten Mund, von Schale und Gürtel geschützt, geht ein kurzer Ösophagus ab, in den seitlich ventral die bewegliche und vorstülpbare Radula (dunkelbraun) ragt, die auf einem Odontophor liegt. Gegenüber, dorsal, liegt die Speicheldrüse (rosa), nach dem Radulaorgan mündet ventral die sog. Zuckerdrüse (rosa); der Magen (grünlich) schließt sich an, in den die Mitteldarmdrüse (rosa) mündet. Der in Schlingen gelegte Darm mündet zwischen Gürtel und Fuß mit dem After ins Freie.

Blutkreislaufsystem (rot): Das in einem Perikard (grau) liegende dreiteilige Herz, ein Ventrikel (hellrot), zwei Atrien (dunkler rot), pumpt das Blut über eine Aorta in den Körper, bevor es ins Lückensystem des Gewebes gelangt, von dort in die Kiemen (nicht dargestellt, weil außerhalb der Sagittalebene) fließt und in den Ventrikel zurückkommt. Aus dem Perikard (grau) führt ein Nephridialkanal (Metanephridialtrichter) zur Entsorgung nach außen und mündet mit einem Exkretionsporus zwischen Mantelsack (rosagrau) und Fuß (braun) ins Freie.

Fortpflanzungsorgan: Paarige Gonaden (gelb) führen über Gonodukte (gelb) zwischen Mantelsack und Fuß über die Genitalöffnung nach außen.

Nervensystem (blau): Ein deutlich ausgeprägter Schlundring ist Ausgangspunkt für den pedalen Nervenstrang, von dem mehrere Seitennerven abzweigen.

Nach Westheide & Rieger (2013), Abb. 449 B, Seite 308

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Ästheten der Polyplacophora (Tusche, Bleistift; Kreide; Reinhard Agerer)

Eine große Makroästhete ist jeweils von 6-30 Mikroästheten umgeben, in äußerer, sekundär verkalkter Schalenplattenschicht liegend. Apikal von perforierten Kappen abgeschlossen.

Makroästhete: Mehrzellig, stets mit ciliären Chemorezeptoren und Speicherzellen. In vielen Makroästheten sind Fotorezeptoren differenziert (links) und bei einigen echte Becheraugen mit Linse und Retina.

Mikroästheten: Einzellig; Funktion völlig unbekannt.

Nach Westheide & Rieger (2013), Abb. 451, Seite 309 und Ruppert et al. (2004), Fig. 10-12, Seite 297

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Endpunkt erreicht