zum Glossar mit Abbildungsverweisen über:

Mollusca, Weichtiere
1 Schutzschild (HP)
.
Trochophoras[1] Leben, oftmals gefährdet,
Verlangt nach Wandlung zum Schutz der Potenz,
Der Erde Höhen, den Tiefen des Meeres zu trotzen,
Millionen Generationen Ursprung zu sein.
.
Ein Schutzschild am Rücken, zwischen Mundfeld und After, Leicht zur Wölbung gebogen,
Versteift mit Chitin[2],
Verstärkt mit Schuppen aus Aragonit[3],
Nicht aber gegen den Arm des Polyps[6].
.
Zum Schweben als Plankton[7] bald schon zu schwer,
Sinkt sie zu Boden.
Kalkige Kuppe nach oben gekehrt,
Schleicht sie, den Bauchteil zur Fläche geebnet, vom
Grund sich mit ausgedehntem Cilienfeld[8] drückend,
Langsam voran.
.
Mit saugenden Mund, vom Pharynx[9] gelenkt,
Werden viele bei weitem nicht satt,
Denn festgewachsen halten nahrhafte fädige Algen[10]
Auch hohem Strömungsdruck stand.
Coccale[11] Formen mit widerstandsfähiger Wand aber
Zerdrückt ihr leistenbewehrter Pharynx mit Kraft.
.
Als revolutionär über Epochen hinweg
Erweist sich ein Polster von Muskeln[12]
Ventral[13] des Pharynx' als leistenverstärkte Partie:
Einer Zunge gleich stülpt er die Raspel[14] heraus,
Frisst in Algenmatten[15] Spuren:
Drängt ihren Träger weit in die Zukunft hinein. –
.
Nur Larven[16] mancher Mollusken von heute
Sind Zeugen aus lang vergangener Zeit.
Vorläufer bar einer raspelnden Zunge[17]
Verloren sich ohne jegliche Spur.
.
Fußnoten
[1] Trochophora-Larven: Birnenförmige bis runde Larven, die zumindest einen Wimpernkranz besitzen, sich mit dessen Hilfe fortbewegen und ernähren
[2] Chitin: Polymer aus N-Acetyl-Glucosamin, entstanden aus 1,4-β-Glucosen, an deren C2 eine [–NHCOCH3]-Gruppe hängt; anders ausgedrückt, an deren C2 eine [–NH2]-Gruppe, eine Aminogruppe, hängt, bei der ein Wasserstoffatom durch ein Acetyl [–COCH3] ersetzt ist. Zellwandpolysaccharid der Fungi (Echte Pilze), einiger Cnidaria (Nesseltiere), Lophophorata (Tentakulierte) und Exoskelett der Arthropoda (Gliederfüßer)
[3] Aragonit: [Calciumcarbonat, CaCO3]; Mineral der wasserfreien Carbonate ohne fremde Anionen; kristallisiert im orthorhomischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Ca[CO3]; löst sich leichter in Säuren als Calcit; https://www.chemie.de/lexikon/Calcit.html; nähere Erklärung dort
[4] Nesselzellen, Cnidocyten: Zellen in der Epidermis der Cnidaria, zum Beutefang und zur Abwehr dienend; bei Reizung wird ein Nesselschlauch ausgeschleudert, der häufig ein hochwirksames Gift in das Opfer injiziert
[5] Quallen (Nesseltiere): Schirm- oder glockenförmige Nesseltiere
[6] Polypen (Nesseltiere): Lebensstadien von Nesseltieren. Polypen haben eine Körperform, die aus einem hohlen Zylinder besteht (Hohltier) und in einer zentralen, von Tentakeln umgebenen Mundöffnung endet.
[7] Plankton: Gesamtheit der im Wasser freischwebenden oder mit geringer Eigenbeweglichkeit schwimmenden, kleineren Organismen, deren Ortswechsel hauptsächlich durch Wasserströmungen vermittelt wird
[8] Cilie, Wimper, Flagellum, Geißel, (Eukaryageißel): Charakterisiert durch ihren internen Bau aus 9 peripheren, etwas schräg nach innen gestellten Doppelmikrotubuli (Querschnitt durch die Geißel) und einem zentralen Tubulipaar, das etwas Abstand voneinander hält. Dyneinarme verbinden die Mikrotubuli. Die Geißel ist von der Zellmembran umgeben und gefüllt mit Cytosol. Am Übergang der Geißelbasis in den Zellkörper treten spezielle Verstrebungen, Verstärkungen, auf; eine dünne Querplatte trennt oft den untersten, in die Zelle integrierten Teil, der in seiner Struktur einem Centriol entspricht: Es fehlen die beiden zentralen Mikrotubuli und die peripheren Zwillinge wurden zu Drillingen. Die in der Zelle gelegenen Teile der Geißel sind noch durch verwandtschaftsabhängig gestaltete Haltestrukturen verwurzelt.
[9] Pharynx (allgemein): Rachen, Schlund
[10] Algen: Eine organismenreichübergreifende Bezeichnung für überwiegend im Wasser lebende, grüne Thallophyten
[11] Coccal: Sind unbewegliche, runde oder ellipsoide, einzellige Organismen, ohne aufquellende, schleimige Zellwände
[12] Muskel: Kontraktile Organe, die aktive Bewegungen ermöglichen; sie führen zu einer Form- und/oder Ortsveränderung von Körperkomponenten
[13] Ventral: am Bauch, bauchseits
[14] Radula: Spezialisiertes Mundwerkzeug als Bildung des Pharynx von Weichtieren (Mollusken), das dem Abraspeln, Zerkleinern und Aufnehmen von Nahrung dient. Sie besteht aus einer chitinartigen Membran mit zahlreichen, in Reihen angeordneten Zähnchen
[15] Algenmatten: Meist dicht geschlossene Flächen aus Algen
[16] Larven: Jugendstadien von Tieren, die sich grundsätzlich vom Erscheinungsbild Erwachsener unterscheiden und erst nach einer Metamorphose Adultgestalt annehmen
[17] Radula
Eingestellt am 20. Juni 2026
.

Mollusken-Larven (Tusche, Bleistift, Kreide; Reinhard Agerer)
Links: Einfache Trochus-Larve, Polyplacophora (Larval-Platten: gelb). – Mitte: Rotiger mit Embryonal- wie Larvalschale (gelb) und vorgestrecktem Fuß, Bivalvia-Autobranchia. – Rechts: Vierlappiger Veliger mit Larvalschale (gelb) und Fuß (hellbraun), (Caenogastropoda).
Nach Westheide & Rieger (2013), Abb. 440 B-C, Seite 300
Eingestellt am 20. Juni 2026
.

Hypothetisches Grundmuster der Mollusca, dorsale Aufsicht (Tusche, Kreide, Bleistift; Reinhard Agerer)
Darmtrakt (braun): Ausgehend vom ventral gelegenen Mund (helle, runde Aussparung), schließt sich der Pharynx mit der Radula (dunkelbraun) an. Der gebuchtete Darm, überlagert von anderen Organen, endet mit dem in den Mantelraum ragenden After.
Blutkreislaufsystem (rot): Das im Perikard (grau) gelegene dreiteilige Herz, ein Ventrikel, zwei Atrien, nimmt über die ctenidienartigen Kiemen (gelappt erscheinende, in den Mantelraum ragende Anhänge) sauerstoffangereichertes Blut in die Atrien auf und pumpt es mit Hilfe des Ventrikels über den Dorsalsinus in das Lückensystem des Gewebes, woraus es wieder in die Ctenidien gelangt. Vom Perikard aus gehen zwei entsorgende Nephridialkanäle ins Freie, in den Mantelraum. In diese Kanäle münden die Gonodukte (gelb), der Gonaden (gelb), worüber die Eier bzw. Spermien ausgeleitet werden.
Nervensystem (blau): Vom Gehirn (links) gehen vier Nervenstränge in den Körper: zwei laterale und zwei den Fuß durchlaufende pedale, die mehrere Querverbindungen (Kommissuren) aufweisen und am Körperende in der oberhalb des Darms gelegenen verdickten Kommissur zusammenlaufen. Von dieser Kommissur gehen dünnere Nervenbahnen zu den im Mantelraum gelegenen Osphradien (Geruchsorgane zur Prüfung der Wasserqualität, der Sedimente, Beutetiere und Geschlechtspartner).
Dorsoventralmuskulatur (ocker)
Manteloberfläche: Trägt einzellig gebildete Sklerite aus Aragonit (fein umrandete Dreiecke)
Nach Westheide & Rieger (2013), Abbildung 434, Seite 294
Eingestellt am 20. Juni 2026
.

Mollusca, Weichtiere
2 Schutzhöhle (HP)
.
Des Schilds Epithel[1], die formbestimmende Schicht,
Wächst bevorzugt am Rand und stärker als jedes sonstige Stück;
Überwölbt des Körpers länglichen, darunter liegenden Teil,
Formt eine offene Höhlung rund um die Flanke des jungen Mollusks.
.
Ein Schutzraum unter dem Schild
Schafft Freiheit empfindlichen Stellen,
Ihrer Entwicklung geborgen zu harren
Auf ihrem Weg in die Zukunft, hin zu noch unbestimmtem Ziel.
.
Kaum Bewegung herrscht in der wasserführenden Rinne unter dem Schild,
Eingeschwemmten unnützen Teilchen den Weg nach außen zu weisen;
Verschmutzen laufend den Umgang
Zum Nachteil hautdurchdringender Sauerstofffracht.
.
Bringen, den Unrat zu binden, zügig Schleime hervor,
Ihn loszuwerden, ihn hinauszubefördern, zu
Säubern den lebenswichtigen Gang.
.
Generationen danach übernehmen Drüsenzellenpakete[4] des
Schleims Produktion, der nicht nur zum Putzen des Raums:
Denn reichlich fließt das Gel, legt sich
Unter den gleitenden Fuß[5].
.
Einen Methodenwechsel im Vorwärtsdrängen
Setzt der überbordende Schleimfluss in Gang:
Das Mühen der Tausenden Cilien[6],
Das substratverhaftete Boot von einem zu anderen Orten zu schieben,
Übernehmen rhythmische Kontraktionen von Muskeln
Für wellenartiges Gleiten auf dem Sekret.
.
Fußnoten
[1] Epithel: Ein- oder mehrlagige Zellschichten, die alle inneren und äußeren Körperoberflächen von Echten Tieren (Animalia) bedecken
[2] Drüsenzellen: Zellen, die der Produktion und Abgabe (Sekretion) bestimmter Substanzen dienen
[3] Mantel (Mollusca): Spezialisierte Hautfalte auf der Rückenseite von Weichtieren, die den Eingeweidesack umschließt und schützt. Er ist essenziell für die Bildung der Kalkschale (bei Schnecken/Muscheln) sowie der Mantelhöhle, in der sich Atem- und Sinnesorgane befinden
[4] Drüsen: Organe aus mehreren Drüsenzellen
[5] Fuß (Mollusca): Charakteristisches, muskulöses Organ, das primär der Fortbewegung dient
[6] Cilie, Wimper, Flagellum, Geißel, (Eukaryageißel): Charakterisiert durch ihren internen Bau aus 9 peripheren, etwas schräg nach innen gestellten Doppelmikrotubuli (Querschnitt durch die Geißel) und einem zentralen Tubulipaar, das etwas Abstand voneinander hält. Dyneinarme verbinden die Mikrotubuli. Die Geißel ist von der Zellmembran umgeben und gefüllt mit Cytosol. Am Übergang der Geißelbasis in den Zellkörper treten spezielle Verstrebungen, Verstärkungen, auf; eine dünne Querplatte trennt oft den untersten, in die Zelle integrierten Teil, der in seiner Struktur einem Centriol entspricht: Es fehlen die beiden zentralen Mikrotubuli und die peripheren Zwillinge wurden zu Drillingen. Die in der Zelle gelegenen Teile der Geißel sind noch durch verwandtschaftsabhängig gestaltete Haltestrukturen verwurzelt.
Eingestellt am 20 Juni 2026
.

Mollusca, Weichtiere
3 Mit Radulas Hilfe
.
Raspelnd und fräsend bahnt sich Mollusca[1],
Saftige Algenmatten [2] genüsslich durchgleitend, den
Weg einem lichtreichen, wasserbedeckten Felsen der Küste entlang,
Unterbricht nach kürzerer Strecke ihr Weiden,
Legt sich, den Schutzschild sacht in das Grünzeug drückend,
Gemächlich verdauend in flacher Mulde zur Ruh.
.
Proteine und Zucker entnimmt sie mit Hilfe der Mitteldarmdrüse[3]
zum Bau der Muskeln.
Energie erhält sie reichlich davon und
Ordnet, im Luxus schier unbegrenzt schwelgend, die
Muskeltraversen[4] zum hypermodernen System.
.
Von hinten nach vorne verlaufend,
Zieht Mollusca in Wellen und Kurzintervallen die
Längsmuskeln rhythmisch zusammen und
Schiebt die gleitende Sohle millimeterweise voran.
.
Dorsoventralmuskulatur presst nicht nur Molluscas Schutzhelm
fest an den Boden,
Unterstützt auch der Längsmuskeln gewaltigen Zug in die Mitte
Zum Biegen und Rollen des Körpers,
Um, sich verkürzend, dicht sich ins Kalkschutzgehäuse zu zieh‘n.
.
Eingesenkt aus dem Dach des Coeloms[5],
Seine Höhlung von vorne nach hinten durchlaufend,
Liegt dorsal das pumpende Herz,
Treibt andauernd Blut[6] im Kreislauf voran,
Hinein in off‘ne Lakunen, des sauerstoff- und energiebedürftigen Körpers,
Holt es, Mantelrinne und Darm entlangführend,
Energie- und sauerstoffsatt in offenen Bahnen zurück,
Kreislauf wieder hinaus. –
.
Nur durch der Raspel[9] beweglichen Polster
Verschafft Mollusca sich die Ressourcen,
Durch kräftige Muskeln den Körper zu treiben,
Ihn zu beschützen und zu versorgen.
.
Fußnoten
[1] Mollusca: Auch Bezeichnung für hypothetischen Ahnen der Weichtiere
[2] Algenmatten: Meist dicht geschlossene Flächen aus Algen
[3] Mitteldarmdrüse: Verzweigtes Darmanhangsorgan, das bei wirbellosen Tieren wie Krebsen, Spinnentieren und Weichtieren (z. B. Schnecken) vorkommt als wichtige Verdauungsdrüse, die sowohl Verdauungsenzyme produziert als auch Nährstoffe absorbiert und speichert
[4] Dorso-ventral, dorsi-ventral: vom Rücken zum Bauch
[5] Coelom, Sekundäre Leibeshöhle: Flüssigkeitsgefüllter Hohlraum, der von einem mesodermalen Epithel umgeben ist und als Flüssigkeitspolster bei vielen Protostomiern die Funktion eines Hydroskeletts übernimmt; Das Coelom wird im Lauf der Ontogenese durch Abfaltung vom Urdarm oder aus besonderen, dem Entoderm oder dem Ektoderm entstammenden
[6] Mit Hämocyanin: Kupferhaltiges, blaues Blutfarbstoff-Protein, das bei Weichtieren und Arthropoden als Sauerstofftransporter fungiert. Im Gegensatz zu Hämoglobin (rot, eisenhaltig) liegt Hämocyanin frei in der Hämolymphe gelöst vor und färbt sich bei Sauerstoffbindung intensiv blau, während es ohne Sauerstoff farblos ist
[7] Atrium, Herzvorhof (Herz, allgemein): Blut aufnehmende Höhle
[8] Herzventrikel, Herzkammer (allgemein): Blut in den Körper pumpende, muskulöse Höhle
[9] Radula (Mollusca): Spezialisiertes Mundwerkzeug als Bildung des Pharynx von Weichtieren (Mollusken), das dem Abraspeln, Zerkleinern und Aufnehmen von Nahrung dient. Sie besteht aus einer chitinartigen Membran mit zahlreichen, in Reihen angeordneten Zähnchen
Eingestellt am 20. Juni 2026
.

Links oben: Radula von Marstonia comalensis
Autor: Robert Hershler & Hsiu-Ping Liu
Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported license; unverändert
Rechts oben: Radula von Selenochlamys ysbryda (Geister-Schnecke)
Lizenz: GNU Free Documentation License; unverändert
Unten: Radula von Aplysia juliana
Messstrich: 500 µm
Autor: RME-OT Caracas- Venezuela
Lizenz: GNU Free Documentation License; unverändert
Eingestellt am 20. Juni 2026
.

Radula, Position und Funktion, am Beispiel eines Gastropoden
e = esophagus (Oesophagus); m = mouth (Mund); mx = maxilla (Maxille); o = odontophore (Zahnträger); op = odontophore protractor muscle (Vorziehermuskel des Odontophors); r = radula (Radula); rp = radula protractor muscle (Vorziehermuskel der Radula); rr = radula retractor muscle (Rückziehermuskel der Radula).
Autor: Debivort
Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license; unverändert
Eingestellt am 20. Juni 2026
.


Haemocyanin, ein Blutfarbstoff ohne Haem-Gruppe: Struktur und Wirkung der prosthetischen Gruppe; begleitende Proteine nicht dargestellt (ppt; Reinhard Agerer)
Nach https://daten.didaktikchemie.uni-bayreuth.de/umat/haemocyanin/Haemocyanin.pdf
Grau: Kohlenstoff; rot: Sauerstoff; blau: Stickstoff; violett: Wasserstoff; bräunlich rosa: Kupfer; dünne grüne Linie: Einfachbindung; dicke grüne Linie: Doppelbindung; keilförmige grüne Linien zeigen an: Histidin aus der Ebene zum Betrachter (oben) und weg vom Betrachter (unten) stehend; Kreislinie mit Pfeil: Umorientierung andeutend.
Oben: Zwei Kupferatome (bräunlich rosa) sind von je drei Histidinen in einer Ebene umgeben. In dieser Konstellation (ohne gebundenen Sauerstoff zwischen den Kupferatomen) sind die Verbindungen farblos.
Unten: Die beiden Kupferatome sind mit molekularem Sauerstoff über je zwei intermolekulare, elektrostatische Brückenbindungen verknüpft. Dadurch klappt je ein Histidin aus der Ebene heraus (Kreislinien in Schrägansicht mit Pfeil). Diese sauerstoffverknüpfte Verbindung aus den beiden Kupfer-Histidinen ist von blauer Farbe. Nach Abgabe des Sauerstoffs vereinzeln sich die beiden Kupfer-Histidine wieder (s. obere Darstellung) und werden dadurch wieder farblos.
Eingestellt am 20. Juni 2026
.

Mollusca, Weichtiere
4 Außer Atem (HP)
.
Abgeweidet liegt vor kurzem noch grün überwucherter Fels vor Mollusca[1].
Keinen Antrieb verspürt sie mehr,
Weiter dem steilen Abhang hinauf
Nach neuen Gründen zu suchen.
.
Erschöpft liegt sie,
Schwer verdauend und muskelschwach
Breitsohlig am Boden,
Erstaunt über ihrer Verwandten zügiges Gleiten.
.
Sie optimierten im Stillen in ihrer umlaufenden Rinne
Ohne großes Trara des Bluts Sauerstoff/C02-Wechselspiel[2];
Ständig während des Gleitens von Wasser umspült,
Entnehmen kaum entwickelte Kiemen[5]
Erheblich mehr Sauerstoff für der Kraftmaschinen[6] Betrieb.
.
Erfolgreichen Anfang verbessern sie über die Zeit,
Vergrößern, Kiemen zu Büscheln und Kämmen verzweigend,
Des Austauschgewebes wirksame Fläche und gleiten
Durch Sauerstoff ständig erfrischt, munter dahin.
.
Fußnoten
[1] Mollusca: Auch Bezeichnung für hypothetischen Ahnen der Weichtiere
[2] Gasaustausch
[3] Blutkapillaren: Feinste Verästelungen der Arterien und Venen, verbinden arterielles und venöses Gefäßsystem.
[4] Mantelraum (Mollusca): Hohlraum, der durch eine hautartige Falte des Körpers, den sogenannten Mantel bildet; er entsteht, wenn die dorsale Körperwand als Mantel den Eingeweidesack bedeckt und über den Körperrand hinausragt
[5] Fiederkiemen, Ctenidien (Mollusca): Ursprüngliche Atemorgane bei Weichtieren, die paarig in der Mantelhöhle angelegt sind. Sie bestehen aus einem zentralen Schaft, von dem auf beiden Seiten blattartige Kiemenfilamente abgehen, was ihnen ein federartiges Aussehen verleiht; lassen in ihrem Inneren das Blut entweder in besonderen Adern oder in Lücken zirkulieren, so dass es mit dem Wasser durch Diffusion möglichst nahe in Gasaustausch treten kann; bei manchen Weichtieren werden damit auch Nahrungspartikel durch Endocytose aufgenommen
[6] Mitochondrien: Gelten als Kraftwerke der Zellen, da sie Energie für die zellulären Prozesse liefern; es lassen sich Außen- und Innenmembran unterscheiden, wobei die innere Membran auf einen zellwandlos gewordenen Endosymbionten (ein Alpha-Proteobacterium) zurückgeht, während die äußere Membran der Plasmamembran der eukaryotischen Zelle entspricht; prokaryotische Chromosomen weisen ebenfalls auf einen aufgenommenen prokaryotischen Endosymbionten als Ursprung der Mitochondrien hin
Eingestellt am 20. Juni 2026
.

Mollusca, Weichtiere
5 Doch wohin? (HP)
.
Immer geradeaus steht Mollusca[1] der Sinn,
Bald Neuland zu finden.
Unmotiviert in Kurven sich dreh’n,
Verlängerte nur ihren Weg.
.
Ein hochattraktives Signal, unbedeutend zuerst,
Lenkt Mollusca allmählich nach rechts.
Verliert fast wieder die Spur,
Richtet aber danach neu sich hin.
.
Immer deutlicher schlägt ihr Empfänger nun aus.
Spürt plötzlich den Grund ihres Tuns:
Ein Algenrasen[2] taucht vor ihr auf.
Rund um den Mund,
Melden ihr Nahrung, wohl auch Gefahr.
.
Fotorezeptoren[5] fehlen womöglich ihr gänzlich,
Obwohl sie bereits Trochophora[6] besaß.
.
Den Partner zu finden, bleibt ein Problem,
Denn unzuverlässig empfängt sie Signale.
Ein spezielles Organ[7] aber, links und rechts inserierend, hilft ihr,
Nach dem Erhofften zu ‘seh’n‘.
.
Gut verschaltet verlaufen die Nerven,
Vom Schlundring[8] beginnend,
Zu Vieren lateral und basal, die zu
Engmaschigen Netzen verknüpft. –
.
Was lässt sich da noch verbessern,
Weiterentwickeln zu Höherem hin?
Welchen Einflüssen muss sich Mollusca in Zukunft noch stellen?
Finden Nachkommen Antworten darauf?
.
Fußnoten
[1] Mollusca: Auch Bezeichnung für hypothetischen Ahnen der Weichtiere
[2] Algenmatten: Meist dicht geschlossene Flächen aus Algen
[3] Mechanorezeptoren: Auf körperliche Reize reagierende Sinneszellen
[4] Chemorezeptoren: Auf Moleküle reagierende Sinneszellen
[5] Fotorezeptoren: Rezeptoren, die Lichtreize, d.h. elektromagnetische Wellen, in bioelektrische Erregungen umwandeln
[6] Trochophora-Larven: Birnenförmige bis runde Larven, die zumindest einen Wimpernkranz besitzen, sich mit dessen Hilfe fortbewegen und ernähren
[7] Osphradium (Mollusca): Paariges oder unpaares, kiemenähnliches Sinnesorgan in der Mantelhöhle wasserlebender Weichtiere; liegt als eine mit Flimmern bedeckte Hautverdickung am Eingang der Mantelhöhle und dient als Geruchsorgan zur Prüfung der Wasserqualität, der Sedimente, Beutetiere und Geschlechtspartner
[8] Schlundring (Wirbellose): Besteht aus Nervenverbindungen, die vom Oberschlundganglion ausgehen und den Schlund ringförmig umgeben
Eingestellt am 20. Juni 2026
.
