zum Glossar mit Abbildungsverweisen über:

Lumbricidae, Regenwürmer
1 Und sie wandern wieder
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Blass braunbräunliche, kaum verbogene,
Mühsam nach vorne sich streckende Würmer liegen,
Benachbarten Gärten in Mengen entfliehend,
Auf tropfnassem, noch immer beregnetem, steinigem Weg.
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Wie unentschlossen wirkt ihr Benehmen.
Nur weg vom angestammten Gelände,
Irgendwohin, nur nicht bleiben, das scheint ihr Ziel.
Doch viele werden verderben: durch Tritte planiert,
Zerhackt in Schnäbel geschichtet, den Jungen serviert.
Die letzten trocknet die Sonne knapp vor dem rettenden Ort.
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Zum Unglück wählten sie offene Wege,
Nicht so, wie in Wiesen, Weiden und Wäldern,
Deren gefährliche Wege durch
Gräser, Kräuter und liegende Zweige beschirmt.
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Der lauen Frühlingsnacht ausgiebige Regengüsse
Trieben sie, sinneszellengeleitet,
Dem helllichten Tag entgegen
Aus unterirdischen Gängen hervor.
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War es die Angst vor Überschwemmung der Tunnels,
Vor Einbruch des Wassers durch die senkrecht nach unten führenden Röhren,
Oder lockte sie doch nur das langanhaltende Trommeln der Tropfen
Als Aufbruchsignal, nun endlich, ohne zu graben, in die Ferne zu zieh‘n?
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Auch nebenbei oder gar absichtlich bewirktes Vibrieren des
Bodens
Treibt sie aus dem Dunkel hervor:
Ein Rütteln, ähnlich, wenn Todfeinde, barfüßig schaufelnd,
Sie blindlings mit feuchtroter, dem
Schwarzsamtenen Pelz vorwitzig aufgesetzter Nase erspüren
Und plötzlich ein treffsicherer Mund sie spitzzähnig[1] fasst.
Doch wer enteilt schon mit all seinen Mühen
Dem Zugriff des Häschers?
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Ist eines Schnabels Hieb[2] vielleicht ein schönerer Tod?
Doch erschütterter Boden meldet zum Wandern unentbehrlichen Regen.
Kommt ein Regenwurm[3] nur deshalb ans Licht, weil der Boden erzittert,
Hat er, vielleicht sich für immer, tödlich geirrt.
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Doch warum wandern die Würmer so gerne bei Regen,
Dass sogar sein Name sie ziert?
Neues Land wollen sie finden,
Der angestammten Heimat entflieh‘n,
Neue Freunde und Partner gewinnen,
Der Gene Vielfalt wegen, der Nachkommen Fitness[4] zulieb.
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Fußnoten
[1] Europäischer Maulwurf: Talpa europaea (Talpidae – Soricomorpha – Lipotyphla – Laurasiatheria – Boreoeutheria -…)
[2] Amsel: Turdus merula (Turdidae – Muscicapoidea – Passerida – Passerini – Passeriformes –…)
[3] Gewöhnlicher Regenwurm: Lumbricus terrestris (Lumbricidae – Oligochaeta – Clitellata – Annelida – Schizocoelia -…)
[4] Fitness (biologische): Je mehr nachkommenerzeugende Nachkommen entstehen, umso fitter ist ein Organismus
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Lumbricidae, Regenwürmer
2 Unentbehrlich
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Ackern, zupfen, zerren und ziehen,
Das Prostomium[1] kurz vor dem Mund
Auf Blätter und Halme hinstülpend,
Den Vorrat mit Pharynxsekreten[2],[3] versetzend,
Rückwärts kriechend bei Nacht in den Gang.
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Suchen die nächste Verzweigung des
Gut mit Schleim ausgekleideten Röhrengeflechts;
Bohren, Humus[6] durchfressend, verdaut ihn am hinteren Ende deponierend,
Neue Tunnels als dreidimensionales System.
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Lumbricus[7] zieht Durchlüftungskanäle in jeglicher Richtung,
Bringt als Akteur und Erfinder der Bioturbation[8]
Verwitterungsboden in humushaltige Schichten,
Organisches Material in weite Tiefen hinab.
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Hält die Gänge grundsätzlich sauber,
Legt für natürliches Düngen der Vegetation[9]
Darmexkremente als eingeringelte Kotbällchenreihen recht
Kunstvoll am Eingang der Steigröhren ab.
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In nicht allzu saurem, mineralstoffversorgtem, streureichem Boden
Erreichen sie die dichteste Population[10]:
Mit Hunderttausenden in einem einzigen Hektar[11]
Verlagern sie zwei bis zweihundert Tonnen[12] pro Jahr nach oben,
Zum Wohle nicht nur der Bauern,
Auch für Heimgärtner sind sie ein Schatz.
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Schwer schuften die Würmer für Pflanzen und Tiere,
Lüften den Boden rund um die Wurzeln,
Sorgen für bessere Wasserzufuhr;
Laufen dennoch ständig Gefahr,
Von Feinden als willkommenes Fressen erspäht,
Im wohltuenden Werkeln behindert zu werden.
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Durch ihre hohe Zahl in Acker- und Wiesenböden,
Mit Biomassen von tausend Kilogramm pro zehn mal zehn Ar[13],
Sind sie als Nahrung hochattraktiv,
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Fangen sie mehr als kurzfristig nötig,
Bringen sie mit Biss hinter den Kopf den Körper zur Starre:
Füllen dann, regungslos liegend, des lichtscheuen Räubers Depot.
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Auch Angler spießen sie gern auf den Haken,
Trotz Windens und heftigen Schnellens kommt keiner mehr frei.
Du fragst dich voll Mitleid mit dem unschuldigen Wurm:
Verspürt er nicht Schmerzen wie du?
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Fußnoten
[1] Prostom, Prostomium, Kopflappen (Annelida): Bezeichnung für die Körperspitze der Ringelwürmer
[2] Pharynx (Polychaeta):Mitunter ausstülpbare muskulöse Röhre zum Aufnehmen von Nahrung
[3] Sekrete: Von einer Drüse (oder Organ) produzierte und abgesonderte Stoffe, die im Organismus bestimmte Aufgaben erfüllen
[4] Prokaryot, Prokaryont: Organismus, der keinen echten Zellkern besitzt, sondern einfache, meist ringförmige Chromosomen frei in einem zentralen Bereich liegen hat
[5] Fungi: Echte Pilze, Chitinpilze (Opisthokonta – Eukarya)
[6] Humus: Unterste Schicht der organischen Auflage auf Mineralböden; im Humus sind keine pflanzlichen Reste als solche zu erkennen, alles ist feinbröslig
[7] Lumbricus terrestris, Gewöhnlicher Regenwurm (Lumbricidae – Oligochaeta – Clitellata – Annelida – Schizocoelia -…)
[8] Bioturbation: Durchwühlen, Durchmischen und Strukturieren von Böden oder Sedimenten durch Lebewesen
[9] Vegetation: Gesamtheit der Pflanzenformationen und Pflanzengesellschaften, die in einem Gebiet wachsen
[10] Population (biologisch): Eine Gemeinschaft von Tieren, Pflanzen oder Pilzen, etc., deren Glieder in kompatibler sexueller Beziehung leben.
[11] Hektar, ha (Fläche) 100 Ar, 10 000 m²
[12] Tonne, t (Gewicht): 1 000 kg
[13] Hektar
[14] Amphibien: Amphibia (Tetrapoda – Rhipidistia – Sarcopterygii – Osteognathostomata – Gnathostomata –…)
[15] Eidechsen: Lacertidae (Scincomorpha – Autarchoglossa – Scleroglossa – Squamata – Lepidosauria –…)
[16] Vögel: Aves (Maniraptora – Coelurosauria – Tetanurae – Theropoda – Saurischia – …)
[17] Europäischer Maulwurf: Talpa europaea (Talpidae – Soricomorpha – Lipotyphla – Laurasiatheria – Boreoeutheria -…)
[18] par excellence: in höchster Vollendung, schlechthin
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Kotbällchen von Lumbricus terrestris (Gewöhnlicher Regenwurm); (Original; Reinhard Agerer)
Vier Centimeter hoch sind die Regenwurm-Exkremente hier geschichtet. Ein Kunstwerk von vielen, die einen Quadratmeter verzierten. Daraus lässt sich leicht schließen, wie wertvoll des Regenwurms Tätigkeit für Bioturbation und Durchlüftung des Bodens ist.
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Lumbricidae, Regenwürmer
3 Vortrieb
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Mit verschmälertem Kegel frisst sich der Bohrer[1] ins Substrat.
Sandkörner, Krümel und Brösel drückt er,
Zum besseren Gleiten mit Schleimen geschmiert, zentral durch die Röhre,
Bis dann, recycelt, der Abfall den Kernbohrer[2] am Ende verlässt.
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Den nötigen Druck konstant zu halten,
Stemmt der Bohrer mit Auslegern[3] sich gegen die Wand,
Doch zu wenig wäre die Stütze,
Hielt‘ die Maschine nicht mit Ringerweiterungen[4] dem Gegendruck stand. –
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Längsmuskulatur[5] der ersten Segmente zieht sich zusammen,
Um vorne den Wurm zu erweitern.
Lässt der Druck am Prostom[6] etwas nach,
Rückt, von vorne nach hinten
In ständiger Folge Ringverdickungen bildend und wieder lösend,
Lumbricus zügig den Körper voran.
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Gestaltet die Vorrückbewegung sich,
Für geschmeidiges Gleiten den frisch gebohrten Kanal.
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Koordinierter Aktion bedürfen der Muskeln Aktivität,
Den Körper in Wellen zu treiben,
Segment um Segment zu verkürzen,
Den Durchmesser damit zu weiten zugleich.
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Vom Bauchmark[11], aus zwei vereinten Strängen entstanden,
Zieh‘n in jedem Segment
Filigran verzweigte, signalübertragende Nervenfibrillen zur Peripherie,
Geben zum Ring geordneten Längsmuskelbündeln
Nacheinander Befehl, sich zu verkürzen, um
Darauf der Ringmuskeln Arbeit zu koordinieren.
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Energie verdauender Zellen, Darmkapillaren in
Treibt das Dorsalgefäß[14] hin Richtung Schlund,
Zur Versorgung von Muskeln und benachbarter Zellen
Einem Paar Bauchgefäßen hin.
Kapillaren unter der Haut,
Leiten Sauerstoff aus der Umgebung dem Blutsystem zu.
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Drei Systeme, fein aufeinander abgestimmt,
Vom Oberschlundganglion[17] koordiniert,
Metanephridien[18] treten als Viertes hinzu,
Halten das Leben, einmal gegeben, langdauernd in Gang.
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Fußnoten
[1] Lumbricus terrestris, Gewöhnlicher Regenwurm (Lumbricidae – Oligochaeta – Clitellata – Annelida – Schizocoelia -…)
[2] Kernbohrer:
[3] Borsten: Dicke, harte, steife Haare bestimmter Tiere
[4] Segmente (Annelida): Sich identisch wiederholende Abschnitte des Körpers
[5] Längsmuskeln: Sich längs des Körpers erstreckende Muskeln
[6] Prostom, Prostomium, Kopflappen (Annelida): Bezeichnung für die Körperspitze der Ringelwürmer
[7] Peristaltik (allgemein): Über einen langgezogenen Körper hinweg fortschreitende, wellenförmige Bewegung
[8] Ringmuskeln: Muskeln rund um den Körper eines Nichtwirbeltiers oder generell um Öffnungen
[9] Haut (allgemein): Den gesamten Körper von Tieren gleichmäßig umgebendes äußeres Gewebe, das dem Schutz der darunterliegenden Gewebe und Organe, der Atmung, der Wärmeregulierung u. a. dient
[10] Sekrete: Von Drüsen (oder Organ) produzierte und abgesonderte Stoffe, die im Organismus bestimmte Aufgaben erfüllen
[11] Bauchmark: Auf der Bauchseite (ventral) gelegene Zentralnervensystem von Wirbellosen wie Insekten, Krebsen und Ringelwürmern
[12] Fett, festes Lipid: in diesem Fall weisen die an Glycerin hängenden Fettsäuren kaum Doppelbindungen auf. Damit erhält die Struktur der Fettsäure eine mehr oder weniger gestreckte Gestalt, wodurch ein geregeltes Aneinanderlegen ermöglicht wird und somit eine Verfestigung eintreten kann
[13] Zucker: Kohlenstoffverbindungen mit einem doppelbindigen Sauerstoff [–C=O] am Ende der Kette, wenn in offener Form dargestellt, oder als Ringform mit einem einfachgebundenen Sauerstoff im Ring, und einer oder mehreren [–OH]-Gruppen; Summenformel meist [Cn(H2O)n]
[14] Dorsalgefäß des Bluts
[15] Herz (allgemein): Hohlorgan als zentrale Druck- und Saugpumpe des Körpers
[16] Hämoglobin: Hämoglobine sind eine Gruppe von eisenhaltigen, farbigen Proteinen, die vorwiegend dem Sauerstofftransport dienen und in den Erythrocyten des Wirbeltierbluts, sowie bei vielen Wirbellosen frei in der Hämolymphe vorkommen; binden Sauerstoff reversibel und transportieren diesen so im Blutkreislauf; bestehen aus Globinen und dem Eisen-II-Komplex Häm.
[17] Oberschlundganglion: Ganglion oberhalb (dorsal) des Schlunds liegend
[18] Metanephridien: Enden im Coelom mit einem Wimpertrichter, der Flüssigkeit daraus in den Metanephridialkanal flimmert und kommen außerdem bei Arten mit Blutgefäßen vor, deren Blutfiltersystem auf Podocyten beruht; Epithelien der Kanälchen diskriminieren zwischen Bauchbarem, das über sie aufgenommen wird und Unbrauchbaren oder Schädlichem, das über den Nephroporus entsorgt wird
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Peristaltische Fortbewegung eines Regenwurms (Tusche, Bleistift, ppt; Reinhard Agerer)
Links: Blaue vorwärts gerichtete Pfeile: Vorwärtsbewegung. – Grüne rückwärts gerichtete Pfeile: Richtung der peristaltischen Kontraktionswellen
Ziffern: Laufende Nummern der Segmente. – Grüne Bogenlinien: Bewegung der Segmente. – Violette Linien: Niveaus der Ausgangspunkte der Segmente 5 und 25 (ganz links) und im Vergleich (ganz rechts).
Rechts: „Schema der peristaltischen Bewegung. Vertikale Pfeile in den Segmenten geben Richtung und Ausmaß der Längsmuskelkontraktion an, horizontale Pfeile bezeichnen Richtung und Ausmaß der nachfolgenden Kontraktion der Ringmuskulatur. Das mittlere, kürzeste Segment dient zur Verankerung im Substrat.“
Nach Westheide & Rieger (2013), Abb. 588, Seite 408
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Lumbricus terrestris (Gewöhnlicher Regenwurm)
Autor: Donald Hobern
Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic license; unverändert
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Längsschnitt durch den Regenwurmkopf
bm = Bauchmark. – d = Darmlumen mit Nahrungspartikel. – lm = Längsmuskulatur. – m = Mundöffnung. – Darüber Prostom (nicht beschriftet). – rm = Ringmuskel. – ep = Epithel. – osg/usg = Oberschlundganglion/Unterschlundganglion
Autor: Prof. Dr. E. Korschelt (Hrsg.) et al. (1913): Handbuch der Naturwissenschaft. Verlag Gustav Fischer, Jena; die Quelle (das Buch) ist nicht mehr erhältlich. Repro: Michael Linnenbach
Lizenz: Gemeinfrei
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Regenwurm (Eisenia hortensis)
SEM-Aufnahme der dorsalen Seite eines frisch geschlüpften Großen Kompostwurms (Eisenia hortensis). Deutlich abgebildet sind die ersten fünf Segmente, der Mund (der Halbmond, der U-förmiger Raum an der Spitze des ersten Segments), Prostom (der Dom von Gewebe, der den inneren Teil des U-förmigen Munds definiert), und Borsten (die haarförmigen Strukturen aus Chitin) an den lateralen und ventralen Seiten, beginnend mit dem zweiten Segment. Am Prostom sind viele kleine runde Strukturen erkennbar, die epidermalen sensorischen Organe,
Photo by Hannah G Watson, Andrew T Ashchi, Glen S Marrs, & Cecil J Saunders of the Wake Forest University Department of Biology (http://biology.wfu.edu/).
Lizenz: Creative Commons Attribution 4.0 International license; unverändert
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Lumbricidae, Regenwürmer
4 So funktioniert's
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Vierzehn trägt den Eilegporus,
Fünfzehn gibt die Spermien[3] frei,
Wer der Zahlen Rätsel löst,
Erkennt des Regenwurms[7] Problem! –
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Des Denkspiels Lösung lautet ganz gewiss:
Die Nummern zeigen auf Segmente[8] mit dem
Peristom[9] nach hinten zu gezählt.
Nur dann beginnt der Sex[10], wenn das Paar sich gegenläufig trifft. –
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Bauch an Bauch dem Partner angeschmiegt,
Schleimumhüllend binden sich die beiden Stellen,
Denn eng fixiert nur funktioniert der Spermiendeal.
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Dünne Rinnen, über acht- und neunzehn Ringelungen reichend,
In des Angeschmiegten Spermatheken[16],[17],
Erwarten dort der Schleimeshülle Fracht.
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Nun trennen sich die Beiden wieder,
Gehen ihre eignen Wege.
Des Clitellums Schleim verbleibt zunächst an Ort und Stelle,
Doch des Wurmes Spitze zwängt sich rückwärts aus der Hülle.
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Zieht die Mündung seines Ovidukts[18],[19]
Durch des Geles Hülle,
Legt dabei die Eier in des breiten Ringes[20] nährstoffreiche Mitte.
Gleitend bringt er seinen Schatz
An die Samenblasen[21] voll von Spermien seines Partners,
Zieht dann vollends seines Kopfes Spitze
Aus der so belad‘nen Binde[22],
Gibt der Umwelt voll Vertrauen sein Gelege im Kokon[23].
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Wem jetzt der Kopf vor
Nummern, Zahlen der Segmente schwirrt,
Partner gegenläufig noch betrachtet,
Bietet Orientierung das nun angefügte Bild.
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Wahrhaft eine ausgeklügelte Methode,
Um der Jungen Genpool aufzufrischen,
Erfolgreich ist sie jetzt vor allem.
War dies aber auch schon immer so?
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Fußnoten
[1] Clitellum: Verdickte, drüsenreiche Hautregion im vorderen Körperdrittel von Gürtelwürmern; bildet einen auffälligen Ring oder Sattel, der besonders während der Geschlechtsreife sichtbar ist; Hauptaufgabe ist die Sekretion eines Schleimkokons zur Ablage und Entwicklung der Eier
[2] Sechs Segmente
[3] Spermatozoide, Spermatozoen, Spermien: Reife, männliche, haploide Keimzellen; Gameten, die im Normalfall zu eigenständiger Bewegung fähig sind
[4] Zwei Segmente also
[5] Receptaculum seminis, Spermathek: Organ im weiblichen oder zwittrigen Genitaltrakt vieler Wirbelloser (Insekten, Krebse, Schnecken) sowie einiger Wirbeltiere. Es dient der Aufnahme, Lagerung und Ernährung von Spermien nach der Paarung, um Eizellen über längere Zeiträume gezielt zu befruchten
[6] Öffnungen im Tälchen Richtung Segment Neun und Zehn
[7] Lumbricus terrestris, Gewöhnlicher Regenwurm (Lumbricidae – Oligochaeta – Clitellata – Annelida – Schizocoelia -…)
[8] Segmente (Annelida): Sich identisch wiederholende Abschnitte des Körpers
[9] Peristom (Annelida): Das erste echte Körpersegment, das direkt hinter dem Prostom (dem Kopfabschnitt vor dem Mund) liegt; es umschließt vollständig die Mundöffnung
[10] Sexuelle, geschlechtliche Fortpflanzung: Dafür sind drei Vorgänge miteinander gekoppelt, Meiose (abgekürzt mit R!), Plasmogamie (Zellen vereinen sich, abgekürzt mit P!) und Karyogamie (Kerne verschmelzen, abgekürzt mit K!) verbunden, wobei P! und K!, mit Ausnahme bei Dikarya, unmittelbar aufeinander folgen. Bei Dikarya (Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi – Opisthokonta – Eukarya) sind beide Vorgänge unterschiedlich lang (weit) voneinander getrennt. Da bei Animalia und Plantae P! und K! unmittelbar aufeinander folgen, werden beide Vorgänge häufig zu Befruchtung (B!) zusammengefasst.
[11] Clitellum; die sechs Segmente Nummer 32 bis 37
[12] Receptaculum seminis
[13] Spermien
[14] Hoden, Testis: Paarig angelegtes, inneres männliches Geschlechtsorgan sich geschlechtlich fortpflanzender Gewebetiere; Spermien produzierende männliche Gonaden
[15] Öffnungen auf dem 14. Segment
[16] Receptaculum seminis
[17] Segmente Zehn und Elf (des Partners); anders ausgedrückt: in den begrenzenden Furchen des Segments 10
[18] Ovidukt, Eizellenleiter: Röhrenförmiges Organ, in dem die Eizellen geleitet werden
[19] Auf Segment 14
[20] Drüsensekret des Clitellums
[21] Samenblase, Vesicula seminalis (Bilateria): Deponie der im Hoden gebildeten Spermien
[22] Clitellum
[23] Kokon (Clitellata): Abgeschiedene Substanz, mit der Regenwürmer und Blutegel ihre Eier umhüllen
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Paarung beim Regenwurm (Tusche, Bleistift, ppt; Reinhard Agerer)
1 Dargestellt sind die Bauchseiten zweier paarungsbereiter Regenwürmer; während der Paarung sind die hier sichtbaren Bauchseiten zueinander gerichtet; die Organe sind immer paarig angelegt (links und rechts). Nummern 1-40: Position der Segmente vom Peristom (1) ausgehend. – Clitellum (Nr. 32-37; hellgrün). – Mündungen der Receptacula seminis (Nr. 10 und 11, in den Furchen von Nr. 10 gelegen; rosa). – Mündung des Oviducts (Nr. 14; violett). – Mündung des Samenleiters (15; gelb, umgeben von lippenartigen Strukturen). – Drüsenfelder (Nr. 26; orange). – Samenrinnen (von Nr. 15 bis 37 laufend; begrenzt von zwei dünnen Linien; Samenrinne ist die äußere der beiden dünnen Linien; Funktion der inneren unbekannt; im Clitellum nicht sichtbar).
2 Verbindendes Drüsensekret (gebildet von den Drüsenfeldern in Nr. 26; orange). – Weg der Spermien (durch Muskelkontraktionen vorangetrieben) von der Mündung des Samenleiters (Nr. 15) zu den Receptacula seminis (Nr. 11 und 10, in den Furchen von Nr. 10 gelegen; rosa Pfeile) entlang der Samenrinnen (nur für je eine Seite dargestellt).
Nach Westheide & Rieger (2013), Abb. 587 B, Seite 407 und Storch & Welsch (2014), Abb. 102, Seite 187
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Paarung beim Regenwurm (Tusche, Bleistift, ppt; Reinhard Agerer)
Dargestellt sind die Bauchseiten zweier paarungsbereiter Regenwürmer; während der Paarung sind die hier sichtbaren Bauchseiten zueinander gerichtet; die Organe sind immer paarig angelegt (links und rechts). Nummern 1-40: Position der Segmente vom Peristom (1) ausgehend. – Clitellum (Nr. 32-37; hellgrün). – Mündungen der Receptacula seminis (Nr. 10 und 11, in den Furchen von Nr. 10 gelegen; rosa). – Mündung des Oviducts (Nr. 14; violett). – Mündung des Samenleiters (15; gelb, umgeben von lippenartigen Strukturen). – Drüsenfelder (Nr. 26; orange). – Samenrinnen (von Nr. 15 bis 37 laufend; begrenzt von zwei dünnen Linien; Samenrinne ist die äußere der beiden dünnen Linien; Funktion der inneren unbekannt; im Clitellum nicht sichtbar).
2 Verbindendes Drüsensekret (gebildet von den Drüsenfeldern in Nr. 26; orange). – Weg der Spermien (durch Muskelkontraktionen vorangetrieben) von der Mündung des Samenleiters (Nr. 15) zu den Receptacula seminis (Nr. 11 und 10, in den Furchen von Nr. 10 gelegen; rosa Pfeile) entlang der Samenrinnen (nur für je eine Seite dargestellt).
3 Spermien aus den Receptacula seminis (Mündung in Nr. 10 und 11, in den Furchen von Nr. 10 gelegen; rosa) und Eizellen aus den Mündungen des Oviducts (Nr. 14; violett) gelangen in das Clitellum (grünlich) des Partners (Nr. 32-37; rosa und violette Pfeile).
Nach Westheide & Rieger (2013), Abb. 587 B, Seite 407 und Storch & Welsch (2014), Abb. 102, Seite 187
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Paarung beim Regenwurm (Tusche, Bleistift, ppt; Reinhard Agerer)
Dargestellt sind die Bauchseiten zweier paarungsbereiter Regenwürmer; während der Paarung sind die hier sichtbaren Bauchseiten zueinander gerichtet; die Organe sind immer paarig angelegt (links und rechts). Nummern 1-40: Position der Segmente vom Peristom (1) ausgehend. – Clitellum (Nr. 32-37; hellgrün). – Mündungen der Receptacula seminis (Nr. 10 und 11, in den Furchen von Nr. 10 gelegen; rosa). – Mündung des Oviducts (Nr. 14; violett). – Mündung des Samenleiters (15; gelb, umgeben von lippenartigen Strukturen). – Drüsenfelder (Nr. 26; orange). – Samenrinnen (von Nr. 15 bis 37 laufend; begrenzt von zwei dünnen Linien; Samenrinne ist die äußere der beiden dünnen Linien; Funktion der inneren unbekannt; im Clitellum nicht sichtbar).
3 Spermien aus den Receptacula seminis (Mündung in Nr. 10 und 11, in den Furchen von Nr. 10 gelegen; rosa) und Eizellen aus den Mündungen des Oviducts (Nr. 14; violett) gelangen in das Clitellum (grünlich) des Partners (Nr. 32-37; rosa und violette Pfeile).
4 Das schleimige Clitellum mit Spermien (haploider Punkt-Kern) und Eizellen (haploider Kringel-Kern) wird über den Kopf abgestreift. Die Befruchtung (Punkt- in Kringelkern; diploid) erfolgt erst im daraus zitronenförmig sich bildenden Kokon.
Nach Westheide & Rieger (2013), Abb. 587 B, Seite 407 und Storch & Welsch (2014), Abb. 102, Seite 187
Eingestellt am 20. Juni 2026
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Endpunkt erreicht
