zum Glossar mit Abbildungsverweisen über:

Plathelminthes, Plattwürmer

1 Ursprünglich?

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Aus dem Ektoderm[1] tief in die Leibeshöhle[2] versenkt,

Erfüllen, zunächst im losen Verbund,

Zu mesodermalem Gewebe[3] später vereint,

Der Plattwürmer frühe Gastrula[4] Raum.

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Obwohl Mesoderm zwischen Darmepithel[5] und Epidermis[6] vorhanden,

Formte sich kein Coelom[7], kein Raum im Mesoderm:

In parenchymatischem[8], undifferenziertem Gewebe finden deswegen

Reproduktions[9]- und Osmogulationsorgane[10] den nötigen Raum,

Im Bindegewebe[11] zwischen basaler Matrix[12] der beiden begrenzenden Schichten.

So gilt die Mehrzahl der Plathelminthes als acoelomat[13].

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Nicht alle Zellen fügen, sich differenzierend, sich ein,

Bleiben ständig teilungsaktiv,

Um notfalls Lücken zu füllen,

Falls andere Zellen zu Grunde geh‘n.

Als Neoblasten[14], als pluripotente Zellen, als Stammzellen[15],

Führen oft sie zur Regeneration.

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Ein After ist ihnen fremd!

Ob jemals vorhanden und wieder verschlossen,

Bleibt womöglich für immer mysteriös.

Eine Antwort verhülfe jedoch zum Verständnis der Evolution.

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Wozu einen After, wenn alles fast restlos verdaulich,

Der Darm mehrfach verzweigt, mit Divertikeln[16] verseh‘n?

Fleischlich sind ihre Genüsse, oder sie leben direkt an der Quelle,

In anderer Tiere Gewebe und Darm.

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Ihr Mund, entscheidend für Nahrungsbeschaffung

Wird mancher Anpassung Ziel:

Saugende Rüssel[17], kauender Schlund, Stilette zum Anstechen der Opfer;

Leicht zu begründen ist ihr erfolgter Verlust.

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Geduldig warten und nehmen was kommt,

Scheint vielen kaum attraktiv.

Gezieltes Orientieren, nicht nur am Anfang des Lebens,

Verheißt beständig Nahrung, Reaktion auf Gefahr.

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Klebdrüsen[18] verankern den Körper fest am Substrat;

Rhabditen[19], Schleuderstäbchen, gleich nebenan

In die multiciliäre Epidermis versenkt, dienen der Abwehr,

Schrecken erfolgreich Konkurrenten und Feinde.

Wo liegt der Ursprung dieser Gebilde?

Wer sie besitzt, sichert für lange sein Leben.

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Noch sind Plathelminthes winzig und platt oft dazu,

Ideal für Sauerstoffinkorporation, für Emission CO2s.

Ein Austausch der Gase wird durch Schlängeln der Körper,

Ermöglicht durch einen Hautmuskelchlauch[20],

Mit Längs-, Radial-, oft auch Diagonalmuskeln ausgestattet,

Nicht unwesentlich noch unterstützt. –

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Über sechsunddreißigtausend Arten umfassen Plattwürmer,

Über dreißigtausend leben parasitisch, etwa fünftausend nur frei.

Larven[21] sind bei Parasiten die Regel:

Ob diese homolog zu typischen Spiralia-Larven, beschäftigt noch heute die Wissenschaft.

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Fußnoten

[1] Ektoderm: Äußeres Keimblatt der Embryogenese; im Zuge der Gastrulation außen verbliebene Zellschicht der Blastula

[2] Primäre Leibeshöhle, Blastocoel: Flüssigkeitsgefüllter Hohlraum, der während der frühen Embryonalentwicklung (Gastula-Stadium) zwischen Ektoderm und Entoderm entsteht

[3] Mesoderm (Plathelmintes):

[4] Gastrula: Im Verlauf der Ontogenese der Eumetazoa stülpt sich die Blastula zur Gastrula ein, bildet dadurch ein zweizellschichtiges Stadium

[5] Epithel: Ein- oder mehrlagige Zellschichten, die alle inneren und äußeren Körperoberflächen von Echten Tieren (Animalia) bedecken

[6] Epidermis (Animalia, allgemein): Außenschicht eines Tieres

[7] Coelom, Sekundäre Leibeshöhle: Flüssigkeitsgefüllter Hohlraum, der von einem mesodermalen Epithel umgeben ist und als Flüssigkeitspolster bei vielen Protostomiern die Funktion eines Hydroskeletts übernimmt; Das Coelom wird im Lauf der Ontogenese durch Abfaltung vom Urdarm oder aus besonderen, dem Entoderm oder dem Ektoderm entstammenden mesodermalen Zellen erst etwas später gebildet und verdrängt die primäre Leibeshöhle oft ganz.

[8] Parenchym (Animalia): Bezeichnet ein Zellgewebe, das eine bestimmte, vor allem mit Stoffwechselprozessen verbundene Funktionen ausübt

[9] Reproduktionsorgane (Bilateria): Hoden, Ovar

[10] Protonephridien: Primitive, meist paarige Exkretions- und Osmoregulationsorgane wirbelloser Tiere ohne Coelom (z. B. Plathelminthes, Rotifera). Sie bestehen aus blind in das Gewebe reichenden Kanälchen mit Wimpernzellen (Flammenzellen/Cyrtocyten), die ein Ultrafiltrat aus der Körperflüssigkeit erzeugen und Abfallstoffe ausscheiden

[11] Bindegewebe: Gewebe, das alle anderen Gewebearten im Körper verbindet, trennt und stützt

[12] Basalmembran, Basallamina, Basalmatrix: Eine dünne aus Kollagenfibrillen, Glykoproteinen und anderen Bestandteilen bestehende Schicht, die im extrazellulären Raum zwischen dem Epithel bzw. Endothel und dem angrenzenden Gewebe liegt und der Zelle dort Stabilität verleiht

[13] Acoelomat: Ohne Coelom, obwohl ein Mesoderm vorhanden ist, weil sich darin kein Hohlraum bildete (siehe auch Spaltmesoderm)

[14] Neoblasten (Plathelminthes): Stammzellen, aus denen alle differenzierten Zelltypen hervorgehen, auch die Geschlechtszellen; Zellteilung ist nur von Neoblasten bekannt

[15] Stammzellen: Zellen, die in der Lage sind, eine Kopie von sich selbst hervorzubringen, indem sie sich teilen. Doch durch die Teilung entstehen nicht zwei neue Stammzellen, es handelt sich vielmehr um eine asymmetrische Zellteilung, bei der zwei verschiedene Zellen entstehen. Die eine der neu entstandenen Zellen ist ein Duplikat der Mutterzelle und hat die gleichen Eigenschaften, es entsteht also eine neue Stammzelle. Die andere Zelle, die durch die asymmetrische Zellteilung entstanden ist, entwickelt sich zu einem spezialisierten Zelltyp.

[16] Divertikel (Pathelminthes): dünne und gelegentlich mehrfach verzweigte Ausstülpungen des Darms

[17] Rüssel (Plathelminthes): Ektodermal gebildet, als einfaches muskuläres Rohr, oder durch Muskeln aus einer Pharynxtasche ausstülpbar, der bei manchen noch durch Ring- und Radiärmuskeln selbst noch verformbar ist und erhöhte Saugwirkung damit erreicht

[18] Klebdrüsen (Plathelminthes): Werden als paarige Drüsenzellen, ummantelt von einer Epidermiszelle, nach außen gebildet; eine der Drüsenzellen enthält den Klebstoff, die zweite dient als Loslösdrüse, um die Haftung weder zu lösen.

[19] Rhabditen (Plathelminthes): Stabförmige, ausstoßbare Körperchen, die in Drüsenzellen der Epidermis vieler freilebender Plattwürmer, insbesondere der Strudelwürmer (Turbellaria) und Schnurwürmer, vorkommen. Sie dienen primär der Abwehr von Feinden und zur Fortbewegung; im Wasser quellen diese stark auf und bilden einen klebrigen, schleimigen Schutzfilm und macht den Wurm für Fressfeinde unangenehm oder ungenießbar; auch zur Erleichterung der ciliären Fortbewegung können aufquellende Rhabditen dienen.

[20] Hautmuskelschlauch: Funktionelle Einheit aus Epidermis (Haut) und darunterliegender Muskulatur (Ring- und Längsmuskeln) bei vielen wirbellosen Tieren wie Würmern und Mollusken. Er dient der Fortbewegung und Körperstabilität, indem er als Hydroskelett wirkt. Durch abwechselnde Kontraktion der Muskeln wird der Körper bewegt

[21] Larven: Jugendstadien von Tieren, die sich grundsätzlich vom Erscheinungsbild Erwachsener unterscheiden und erst nach einer Metamorphose Adultgestalt annehmen

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Rhabditendrüsenzelle und Kleborgan der Plathelminthes (Tusche, Kreide [Falschfarben], Bleistift; Reinhard Agerer);

Rhabditendüsenzelle (links) und das Zwei-Drüsen-Kleborgan (rechts) „durchstoßen“ die Epidermis (etwas überhöht dargestellt) je als Bildungen einer Epidermiszelle. Die über die Epidermis hinausragenden Enden der Klebdrüse (rechts, ocker) und der Loslös-Drüsenzelle (links, orange), werden von einer tütenförmigen sog. Ankerzelle mit Mikrovilli (tief gekerbter Rand) umgeben.

Die Rhabitendrüsenzelle ragt frei über die Epidermis hinaus, ist aber von Cilien der multiciliären Epidermiszellen umgeben. Die Rhabditen sind als leicht gebogene, starre Strukturen zu erkennen.

Die unterhalb der Epidermis, mit Basallamina (grau), gelegenen Teile der Drüsenzellen sind ins Parenchym (nicht dargestellt) eingesenkt.

Nach Westheide & Rieger (2013), Abb. 306, Seite 200

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Plathelminthes, Plattwürmer

2 Protonephridien

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Von außen, auch mit dem Nahrungstransport,

Dringt Wasser ins lakunöse[1] Gewebe,

Bedroht, falls kein Rückfluss des Zulaufs erfolgt, ihr Leben,

Bringt durch Platzen den Tod.

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Cyrtocyten[2] befördern, ein gutes Dutzend Wimpern[3] bewegend[4],

Das Zuviel der Flüssigkeit ständig filternd, in feine,

Nach außen mündende, dünne Kanäle;

Entsorgen was schadet, halten zurück, was dringend gebraucht.

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Zwei Zellen, am Beginn des Abflusskanälchens gelegen,

Kranzförmig eng mit feinsten membranverbundenen[5] Fingern verzahnt,

Umschließen der terminalen Zelle Flagellen,

Geben Raum für wassertransportierenden Schlag.

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Dem Sog des Wimpernbündels sich beugend, tritt Wasser,

Von zellumgebender Matrix[6] gefiltert,

Zwischen dichtgelagerten Röhrchenfingern hindurch und

Folgt der geißelbewirkten Strömung in den Kanal.

Die vielen reusenartig verzahnten Zelltandems wirken,

Abwässer durch Kanälchen nach außen befördernd,

Osmoregulierend[7] auf den Zellverbund ein;

Manche Substanzen holen sich kanalumgrenzende Zellen wieder zurück.

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Besonders im Süßwasser lebende Tiere brauchen die Osmoregulation.

Doch auch Meeresbewohner

Bedürfen für Entsorgung unerwünschter Substanzen

Dieser Membranfilterfunktion.

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Fußnoten

[1] Lakunös, lakunär: lückenhaft; mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume

[2] Cyrtocyten: Besonders gestaltete Reusengeißelzellen als Endzellen der Protonephridien mit im Bündel flammengleich schlagenden Geißeln

[3] Flagellum, Geißel (Eukaryageißel): Charakterisiert durch ihren internen Bau aus 9 peripheren, etwas schräg nach innen gestellten Doppelmikrotubuli (Querschnitt durch die Geißel) und durch ein zentrales Tubulipaar, das etwas Abstand voneinander hält. Dyneinarme verbinden die Mikrotubuli. Die Geißel ist von der Zellmembran umgeben und gefüllt mit Cytosol. Am Übergang der Geißelbasis in den Zellkörper treten spezielle Verstrebungen, Verstärkungen, auf; eine dünne Querplatte (Terminalplatte) trennt oft den untersten, in die Zelle integrierten Teil, der in seiner Struktur einem Centriol entspricht: Es fehlen die beiden zentralen Mikrotubuli und die peripheren Zwillinge wurden zu Drillingen. Die in der Zelle gelegenen Teile der Geißel sind noch durch verwandtschaftsabhängig gestaltete Haltestrukturen verwurzelt.

[4] Wimpernflamme: Bündel flammengleich schlagender Geißeln

[5] Basalmembran, Basallamina, Basalmatrix: Eine dünne aus Kollagenfibrillen, Glykoproteinen und anderen Bestandteilen bestehende Schicht, die im extrazellulären Raum zwischen dem Epithel bzw. Endothel und dem angrenzenden Gewebe liegt und der Zelle dort Stabilität verleiht

[6] Basalmembran

[7] Osomoregulation: Aktive Regulierung des osmotischen Drucks der Körperflüssigkeiten, um den Wasser- und Elektrolythaushalt eines Organismus konstant zu halten

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Endstruktur einer Protonephridie der Plathelminthes (Tusche, Kreide [Falschfarben], ppt; Reinhard Agerer)

Links: schematisch in Aufsicht und Schnitt. Cyrtocyte (Flammenzelle, dunkelblau) oben, von unten umgriffen von der ersten Kanalzelle (hellblau), die beide im Überlappungsbereich reusenartig durchrochen sind (fingerartige Enden).

Rechts: schematisch im Querschnitt in den angegebenen Höhen

Rechts oben: im Bereich der Filterreuse, der Filterregion. Die Finger der Cyrtocyte (Flammenzelle) und der Kanalzelle stehen auf Lücke und sind untereinander mit einer basalmembranartigen Membran als Filter verbunden. Im Zentrum (gelb) eine Ansammlung von gebündelten Cilien, die, von der Cyrtocyte (Flammenzelle) ausgehend, in die Kanalzelle wie eine Flamme schlagen und einen Sog Richtung Kanalzelle bewirken; dadurch entsteht ein Unterdruck, so dass die Flüssigkeit membrangefiltert in die Kanalzelle gesaugt wird und abgeführt werden kann.

Rechts, Mitte und unten: Zwei Alternativen, die bei Plathelminthes verwirklicht werden können (bei freilebenden Plathelminthes, Digenea, Monogenea). Mitte mit Zellspalt und Desomosom; unten: ohne Zellspalt (bei Cestoda)

Nach Westheide & Rieger (2013), Abb. 294C, Seite 193

Eingestellt am 20. Juni 2026

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