zum Glossar mit Abbildungsverweisen über:

Gnathifera, Kieferträger

1 Kiefer

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Kieferträger, ob von großer oder kleiner Verwandtschaft[1],

Rotatorien[2] oder Kratzer[3],

Profitieren in unterschiedlicher Weise von der Ahnen Erfahrung,

Knackige Kost mit kräftigen Kiefern zu kauen.

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Doch warum immer nur Weisen der Vorfahren folgen?

Kinder, Enkel und folgende Generationen entscheiden selbst

Über Wert und Nutzen ehedem hochgeachteter Apparaturen:

Denn Darmparasiten, wie Kratzer, verzichten wieder auf sie.

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Folglich entscheiden Kauapparate nicht alleine,

Wer zur Verwandtschaft gehört:

Denn Acanthocephala[4] und Rotatorien

Teilen identischen Bau der äußeren Haut[5]:

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Die Epidermis[6], syncytial[7] zur Einheit verschmolzen,

Verdichtet die peripher vereinte Struktur innen zum Panzer,

Zur starren oder auch biegsamen Lage,

Wiederholt durchbohrt von plasmalemmatischen[8] Schläuchen der äußeren Doppelmembran[9];

Werden deswegen oft als eigenes, monophyletisches[10] Taxon[11] gesehen

Und in Gnathifera als Syndermata[12],[13] Gnathostomulida als Schwester[14] gegenübergesellt.

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Rotatorien, mit der heutigen Vielfalt von Lebensentwürfen,

Vom Kriechtier zum Schwimmer,

Zum festsitzenden Fänger,

Von Gleichberechtigung ihrer Geschlechter,

Zur Unterdrückung und finalem Verzicht auf begattende Männchen,

Vermitteln am besten Wege und Heterogenität der Gnathifera[15],[16] Evolution.

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Rotatoria nur werden wir in den Focus nehmen,

Wegen ihrer Vielfalt und ihrer Arten Zahl:

Zweitausend etwa dieser winzigen Tierchen

Stechen bei Weiten die andern Verwandtschaften aus.

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Fußnoten

[1] Gnathostomulida: Kiefermäulchen; nicht separat behandelt (Gnathifera – Spiralia – Protostomia – Bilateria – Animalia –…)

[2] Rotatoria: Rädertierchen (Gnathifera – Spiralia – Protostomia – Bilateria – Animalia –…)

[3] Kratzer: Acanthocephala; nicht separat behandelt (Gnathifera – Spiralia – Protostomia – Bilateria – Animalia –…)

[4] Acanthocephala: Kratzer; nicht separat behandelt (Gnathifera – Spiralia – Protostomia – Bilateria – Animalia –…)

[5] Haut (allgemein): Den gesamten Körper von Tieren gleichmäßig umgebendes äußeres Gewebe, das dem Schutz der darunterliegenden Gewebe und Organe, der Atmung, der Wärmeregulierung u. a. dient

[6] Epidermis (Animalia, allgemein): Außenschicht eines Tieres

[7] Syncytium: Durch Verschmelzung (Fusion) mehrerer Einzelzellen entstandene mehrkernige Zelleinheit

[8] Plasmalemma: Zellmembran (Lipiddoppelmembran) von Organismen; wird oft als Gegenstück zum Tonoplasten betrachtet, der im Zellinneren eine größere Saftvakuole umgibt

[9] Plasmalemma

[10] Monophyletisch (Monophylie, Monophylum): Ist ein Taxon, das sämtliche Nachkommen einer (im allgemeinen hypothetischen) Stammart umfasst; oft kann sich die Wissenschaft dabei nur auf noch existierende Organismen beschränken; es handelt sich somit um eine geschlossene Abstammungsgemeinschaft (Monophylum)

[11] Taxon (Taxa): Als Einheit erkannte Gruppe von Lebewesen (z. B. Klasse, Familie, Art) innerhalb der biologischen Systematik

[12] Syndermata: Vereinthäuter; nicht separat behandelt (Gnathifera – Spiralia – Protostomia – Bilateria – Animalia –…)

[13] Syndermata als übergeordnetes Taxon aus Rotatoria und Acanthocephala

[14] Schwester, Schwestergruppen: Bei Verzweigungen im Stammbaum werden die beiden aus einer Verwandtschaft entstandenen Sippen als Schwestern oder Schwestergruppen bezeichnet

[15] Gnathifera: Kieferträger (Spiralia – Protostomia – Bilateria – Animalia – Opisthokonta –…)

[16] Gnathifera als übergeordnetes Taxon aus Gnathostomulida und Syndermata

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Gnathifera, Kieferträger

2 Umzäunung

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Ein Wimpernfeld[1] nur blieb von Gastrulas[2] Kleid

Um den vorne-ventral[3] gelegenen Mund,

Bringt Dicranophorus‘[4] Ahnen bodenfegend voran,

Saugend übernimmt den Kehricht der Schlund[5].

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Dem Boden verhaftet bleibt die Nahrungsvielfalt beschränkt.

Verlängerte Wimpernbüschel, eingepflanzt dem vorderen Ende,

Heben sie schwimmend empor zum Pelagial[6],

Erweitern entscheidend Auswahl und Sammelrevier,

Zum Vorteil der physischen Fitness[7]

Und der Nachkommen Zahl[8].

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Ein Cilienkranz[9], ein zweiter kommt später hinzu:

Umgrenzen das Wimpernfeld innen und außen;

Im Zentrum liegt der saugende Mund,

Gibt alles, was angestrudelt, dem verborgenen Schlund.

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Im Kreis herum dominosteinartig[10] schlagende Cilien,

Bringen Betrachter täuschend zum Staunen:

Seh‘n den Körper, ständig sich drehen!

Vor ihren Augen im Wasser rotierend,

Gaben dem unruhigen Tierchen

Den optischer Täuschung geschuldeten Namen.

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Wer Ocellen[11] sein Eigen nennt,

Einen Ruderschwanz, zweigeteilt, richtungweisend zum Steuer sich nimmt,

Übertrumpft Verwandte,

Nimmt manch Konkurrenten die lohnende Beute kurz vor dem Zuschnappen weg.

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Drüsenpakete[12], je eines mit Mündung im gabligen Schwanz,

Ein drittes inmitten des Mundfelds,

Erweitern mancher Rotatorien[13] Verhaltensvielfalt;

Festsetzen und Kriechen vergrößern das Repertoire:

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Im Wechselspiel zwischen wimpernlos gewordenem Mundfeld- und Schwanzdrüsenpaar

Bewegt sich der Körper, vorne noch haftend, Schwanzende lösend,

Den hinteren Teil nach vorne verschiebend,

Rücken hochbiegend und neu sich fixierend,

Den Apex langsam erhebend,

Dann weit voraus sich streckend,

Erneut an den Boden sich bindend,

Auf leisen Sohlen dahin.[14]

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Nach fliehender Beute dauernd zu jagen

Lohnt oft energetisch begründet sich nicht.

Sesshaft in reichen Fanggründen strudelnd Opfer erwarten,

Gibt Rotatorien Ruhe, Raum, spart darüber hinaus Substanz.

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Der Schwanz, zum Postament[15] umfunktioniert,

Klebt sich fest mit Hilfe Gallerte,

Erhöht sie bis zum schwach erweiterten Kopf;

Er löst sich im Innern, formt damit zum Rückzug geeigneten Raum.

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Gallerte gilt dem ein oder andern als ungenügender Schutz:

Bekleben, der Röhre Stabilität zu erhöhen,

Mit pillenförmig gedrehten Abfallprodukten

Ihrer Behausung Wand.

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Für Strudler erweist sich des Mundfelds Drüse als wertvolles Fängerorgan,

Denn Schleim, von ihr sezerniert,

Verteilen feldbewachsende Cilien als klebende Falle für der randlichen Cilien Fang,

Zugleich als Vehikel für der Beute Transport. –

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An langgezogenen Beulen
An des Mundfelds Rand,

Dicht mit gefährlich strahlenden Borsten besetzt,

Ließen Unvorsichtige oft schon ihr Leben,

Denn unerwartet klappen die Lappen zusammen,

Drücken das Opfer gegen den Mund:

Schon zerreißen es kräftige Kiefer in Stücke,

Sie zerkleinert weiterzugeben. –

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Weit sperrt Asplanchna[16] die Mundhöhle auf,

Um größere Beute zu fassen,
Verschont oft ihre eignen Verwandten nicht:

Brachionus[17] gilt als besonderer Schmaus.

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Asplanchna fühlt jedoch sich der Beute zu sicher,

Gibt weiter ins Wasser leicht diffundierende Abfallprodukte,

Legt damit selbst als potenzielle Beute

Unabsichtlich eine gut zu erkennende Spur.

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Entgingen Muttertiere dem gefährlichen Räuber

Verwerten Töchter im Zuge der Embryonalentwicklung rasch das erkannte Signal,

Treiben Dornen weit hinaus vor den Körper[18],

Spreizen sich ein in des gierigen Räubers Mund,

Entgeh‘n den greifenden Zangen des Schlunds,

Retten ihr Leben vor tödlichem Sog.

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Fußnoten

[1] Wimpern (Zellen): Eukarya-Flagellen, -Geißeln, Cilien

[2] Gastrula: Im Verlauf der Ontogenese der Eumetazoa stülpt sich die Blastula zur Gastrula ein, bildet dadurch ein zweizellschichtiges Stadium

[3] Ventral: am Bauch, bauchseits

[4] Dicranophorus: Zweizahnträger (Monogononta; nicht separat behandelt – Rotifera – Gnathifera – Spiralia – Protostomia –…)

[5] Schlund (allgemein): Trichterförmiger Übergangsbereich am Ende der hinteren Mundhöhle

[6] Pelagial: Uferferner Freiwasserbereich oberhalb der Bodenzone (Benthal)

[7] Fitness (körperliche): Wohlbefinden, basierend auf Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Beweglichkeit und Koordination

[8] Fitness (biologische): Je mehr nachkommenerzeugende Nachkommen entstehen, umso fitter ist ein Organismus

[9] Cilie, Wimper, Flagellum, Geißel, (Eukaryageißel): Charakterisiert durch ihren internen Bau aus 9 peripheren, etwas schräg nach innen gestellten Doppelmikrotubuli (Querschnitt durch die Geißel) und einem zentralen Tubulipaar, das etwas Abstand voneinander hält. Dyneinarme verbinden die Mikrotubuli. Die Geißel ist von der Zellmembran umgeben und gefüllt mit Cytosol. Am Übergang der Geißelbasis in den Zellkörper treten spezielle Verstrebungen, Verstärkungen, auf; eine dünne Querplatte trennt oft den untersten, in die Zelle integrierten Teil, der in seiner Struktur einem Centriol entspricht: Es fehlen die beiden zentralen Mikrotubuli und die peripheren Zwillinge wurden zu Drillingen. Die in der Zelle gelegenen Teile der Geißel sind noch durch verwandtschaftsabhängig gestaltete Haltestrukturen verwurzelt.

[10] Dominosteinartig (Spiel): Wie im Domino-Stein-Spiel, bei dem rechteckige, leichtdicke Spielsteine schmalseitig mit etwas Abstand in Reihe (geradlinig oder leicht kurvig) aufgestellt werden; beim Anstoßen und Umwerfen des ersten Steins fallen alle folgenden bis hin zum letzten nach und nach um

[11] Pigmentbecheraugen, Pigmentbecherocellen: Bestehen meist aus 20 bis 30 Sehzellen (Fotorezeptoren), die in einer halbkreisförmigen Vertiefung angeordnet sind und in einem von lichtundurchlässigen Zellen (Pigmentzellen) ausgekleidetem Becher liegen. Je nach Richtung des einfallenden Lichtes werden daher nur wenige Fotorezeptoren angeregt, sodass es dem Organismus damit möglich ist, die Richtung des Lichtes wahrzunehmen.

[12] Drüsen: Organe aus mehreren Drüsenzellen

[13] Rotatoria: Rädertierchen (Syndermata; nicht separat behandelt – Gnathifera – Spiralia – Protostomia – Bilateria –…)

[14] Spannerraupenartige Bewegung: Spannerraupen besitzen am Vorderende echte Füßchen, am hinteren Stummelfüßchen; bewegen sie sich vorwärts, greifen die Vorderfüßchen weit aus, lösen die hinteren, führen diese nach vorne, um sich damit neu anzuheften und bilden dabei einen Katzenbuckel des unbefußten Zwischenaums, der vom zwischenzeitlichen geringen Abstand der beiden Füßchentypen herrührt.

[15] Postament: Unterbau, Sockel (besonders einer Statue, eines Denkmals, einer Büste, auch einer Säule)

[16] Asplanchna: Sack-Rädertierchen (Rotifera – Syndermata; nicht separat behandelt – Gnathifera – Spiralia – Protostomia –…)

[17] Brachionus (Rotifera – Syndermata; nicht separat behandelt – Gnathifera – Spiralia – Protostomia –…)

[18] Epigenetik: Teilgebiet der Biologie, das sich mit zellulären Prozessen beschäftigt, welche die Aktivität von Genen beeinflussen. Es geht dabei insbesondere um die Genexpression, die die Entwicklung der Zelle zeitweilig festlegt. Die Epigenetik untersucht die Änderungen der Genfunktion, die nicht auf Veränderungen der Sequenz der DNA, etwa durch Mutation oder Rekombination, beruhen und dennoch an Tochterzellen weitergegeben werden. Grundlage für epigenetische Muster und deren Veränderungen sind biochemische Vorgänge, die anhaltende Änderungen an Proteinen des Chromatins hervorrufen, oder auch eine Methylierung der DNA selbst. Damit können Abschnitte oder ganze Chromosomen so beeinflusst werden, dass die Aktivität ihrer Gene (Transkription) erleichtert oder erschwert, erlaubt oder verhindert wird. Man spricht hier auch von epigenetischer Veränderung beziehungsweise epigenetischer Prägung. Da die eigentliche DNA-Sequenz dabei nicht verändert wird, können epigenetische Effekte auch nicht im Genotyp (DNA-Sequenz) nachgewiesen, wohl aber im Phänotyp beobachtet werden. (https://de.wikipedia.org/wiki/Epigenetik)

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Rotatoria-Kiefer (Bleistift; Reinhard Agerer)

Oben: Floscularia ringens, Männchen

Unten: Microcodides chlaena

Ausdehnung der Kiefer von Seite zu Seite ca. 45 µm

Nach REM-Aufnahmen: Westheide & Rieger (2013), Abb. 397 B, Seite 267 (oben); Abb. 380 C (unten), Seite 255.

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Keratella cochlearis

Autor: Treinisch

Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license; unverändert

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Rotatoria

Oben: Unbestimmtes Rädertierchen: „Gut zu erkennen die Augen, das Räderorgan und der Kauapparat“

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rotifera_1.JPG

Autor: Micropix

Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license; unverändert

Unten: Ptygura pilule

Autor: Frank Fox; www.mikro-foto.de

Lizenz:  Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Germany license; unverändert

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Filmchen

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Rotaria spp.

SEM Bilder einiger Arten der Gattung Rotaria: A: Rotaria neptunia, Seitenansicht; B: Rotaria macrura, Bauchansicht; C: Rotaria tardigrada, Rückenansicht; D: Rotaria sordida, Seitenansicht; A: Kauapparat von Rotaria tardigrada mit offenen Kreisen, jene Stellen zeigend, die für die Gestaltanalysen in der Publikation verwendet wurden. Messstrich: 100 μm für Tiere, 10 μm für den Kauapparat.

Autor:   Fontaneto D, Herniou EA, Boschetti C, Caprioli M, Melone G, et al.: Independently Evolving Species in Asexual Bdelloid Rotifers PLoS Biology Vol. 5, No. 4, e87 doi:10.1371/journal.pbio.0050087

Lizenz: Creative Commons Attribution 2.5 Generic license; unverändert

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Gnathifera, Kieferträger

3 Dem Nachwuchs zuliebe

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Zu Anfang in einem Körper vereint,

Lagen Männlich und Weiblich dicht aneinander

Und dennoch getrennt[1], um

Ungewolltes Vereinen potenziell zu verhindern.

Dennoch geschah dies beim Ausstoß

Von Samen[2] und Eizellen[3] entschieden zu oft.

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Inzucht[4] war oftmals die Folge

Und des Erbes mögliches fehlendes Glück:

Verkümmern des Körpers, Verlieren evolutiven Geschicks und

Reduktion der erfolgversprechenden Nachkommen Zahl[5].

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Spermien zuerst in die Umwelt zu schicken,

Fremde Eizellen mit Kern zu beglücken,

Erhält die innerartliche Vielfalt

Zum Vorteil aller, nicht nur des eigenen Typs.

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Ein Treffen im Freien, auch wenn pheromongeleitet[6],

Benötigt viele Versuche, erfordert,

Wenn massiv erhöht der Keimzellen[7] Zahl,

Enorme Reserven und beste Ernährung vor dem Versand.

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Partner zum Tausch der Zellen zusammenzubringen[8],

Erhöht die Quote erfolgreicher Treffer.

Nichts Investiertes geht in der Umwelt verloren,

Denn von Schutzraum zu Schutzraum erfolgt der unmittelbare Tausch.

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Rotatorien[9] geh‘n noch einen Schritt weiter,

Legen Mutter und Vater für lange Zeit fest[10],

Erhöh‘n der Kinder Anlagenvielfalt

Durch der begattenden Männchen Zahl.

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Erhöhte Mitgift vergrößert die Eier,

Verbessert des Lebens entscheidenden Start,

Verringert jedoch der Nachkommen Zahl,

Verlängertes Leben der jungen Generation gleicht den Nachteil aber

bald wieder aus.

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Fußnoten

[1] Zwitter, Hermaphrodit: Weibliche und männliche Gameten befinden sich auf ein und demselben Individuum, müssen aber nicht zur gleichen Zeit zur Reife kommen

[2] Spermatozoide, Spermatozoen, Spermien: Reife, männliche, haploide Keimzellen; Gameten, die im Normalfall zu eigenständiger Bewegung fähig sind

[3] Eizellen: Unbewegliche, nährstoffreiche, weibliche, haploide Keimzellen

[4] Inzucht: Sexuelle Fortpflanzung nahe verwandter Individuen

[5] Fitness (biologische): Je mehr nachkommenerzeugende Nachkommen entstehen, umso fitter ist ein Organismus

[6] Pheromon: Von Organismen produzierter und abgesonderter (Duft)stoff, der Stoffwechsel und Verhalten anderer Individuen der gleichen Art beeinflusst

[7] Keimzellen: Gameten

[8] Kopulation: Begattung

[9] Rotatoria: Rädertierchen (Gnathifera – Spiralia – Protostomia – Bilateria – Animalia –…)

[10] Getrenntgeschlechtlich: Weibliches und männliches Geschlecht sind auf zwei verschiedene Individuen verteilt

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Gnathifera, Kieferträger

4 Auf das Nötigste beschränkt

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Männchen und Weibchen sahen lange sich ähnlich,

Doch Weibchen, dem Fortkommen der Jüngsten verpflichtet,

Sorgen cilienschlagend und beutegreifend

Vorzüglich für sich, besonders für gutversorgte vergrößerte Eier[1].

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Männchen hingegen, nur zur Spermatozoidenerzeugung und -übertragung gebraucht,

Produzieren zwar größere Mengen winziger Dimension,

Doch, gezielt vom Männchen zum Weibchen gebracht,

Reduziert, wegen höheren Treffererfolgs, des männlichen Partners Investition.

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Über cytoplasmatische[2] Brücken empfangen,

Bekommen, am Anfang noch klein und unterernährt,

Des Weibchens spärliche Eizellen Dotterzellen[3] vom Vitellar[4]:

Mitochondrien, Ribosomen, ER-Cisternen, Dotter[5] und

Ausreichende Mengen an RNA,

Für alle zwei hoch zehn Mitosen bis hin zur fertigen Gastrula[6].

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Schon früh erhalten Männchen entscheidende Kraft,

Begnügen sich, der Sparsamkeit Willen, der Wendigkeit wegen,

Mit zwerghaftem Wuchs,

Stürzen sich Weibchen entgegen ins Rennen.

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War nicht am Anfang die Kloake[7] der Männchen Ziel,

Dort, wo Harnleiter[8], Darm und Uterus[9]

Ins gemeinsame Atrium[10], die Endstation, münden?

Doch warum gaben sie dann den sicheren Weg zu Eizellen auf?

Oder verirrten sich gar zu viele

In den falschen Kanal?

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Zu langsam vielleicht erschien das

Suchen und Peilen nach dem entscheidenden Ort,

Hielten daher, wenn endlich ein Weibchen gefunden,

An jeglicher Stelle sich fest.

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Konkurrenten den Weg abzuschneiden,

Senden sie wenige Spermatozoide[11] voran.

Bohrend sich opfernd, schaffen sie Lücken,

Helfen der glücklichen Nachhut in die Leibeshöhle hinein[12].

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Finden, wer kann das Ziel noch verfehlen,

Besamungsbereite, riesige Eier[13],

Verschmelzen mit ihnen[14],                                                                  

Werden zur Quelle der neuen Generation.                                                                                   

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Stoßen die Eier[15] nicht einfach hinaus!

Der Kloake allmählich entschlüpfend,

Kleben sie sich nahe der Öffnung fest an die Haut und

Nutzen der hütenden Mutter willkommene Umsicht.

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Fußnoten

[1] Eizellen: Unbewegliche, nährstoffreiche, weibliche, haploide Keimzellen

[2] Cytoplasma: Flüssiger Zellinhalt mit darin liegendem Cytoskelett

[3] Dotterzellen, Vitellocyten: Dotterhaltige, spezialisierte Zellen, die bei vielen Wirbellosen der Eizelle (oder der Zygote) beigegeben werden und deren Ernährung dienen

[4] Vitellar, Vitellarium, Dotterstock: Spezialisiertes Organ bei bestimmten wirbellosen Tieren, insbesondere Plattwürmern (Plathelminthes) und Insekten, das Dotter für die Eizellen produzieren und in separaten Zellen abspeichern kann

[5] Dotter: Ansammlung von Reservestoffen in Eizellen in Form von Proteinen, Fetten und Kohlenhydraten, besonders Glycogen

[6] Gastrula: Im Verlauf der Ontogenese der Eumetazoa stülpt sich die Blastula zur Gastrula ein, bildet dadurch ein zweizellschichtiges Stadium

[7] Kloake (Animalia): Gemeinsamer Ausgang für Darm, Harn und Geschlechtsorgane

[8] Harnröhre (Rotatoria): Kanal zwischen Harnblase und Exkretionsporus; Protonephridialkanäle sammeln Harn in der Harnblase

[9] Uterus (Rotatoria): Eileiter – nicht Eizellleiter! – zur Genitalöffnung hin

[10] Genitalatrium (Wirbellose Tiere): Gemeinsamer, sackartiger Vorraum, in dem die Ausführgänge der weiblichen und männlichen Geschlechtsorgane münden, bevor sie nach außen führen

[11] Spermatozoide, Spermatozoen, Spermien: Reife, männliche, haploide Keimzellen; Gameten, die im Normalfall zu eigenständiger Bewegung fähig sind

[12] Gleicht durch Fehlen eines eigenen Epithels einer primären Leibeshöhle; leitet sich wahrscheinlich von einer sekundären Leibeshöhle ab

[13] Eizellen

[14] Befruchtung: Verschmelzung der Protoplasten (P!) von Gameten oder Gametangien mit unmittelbar anschließender Karyogamie (K!)

[15] Ei: Besteht aus einer (befruchteten) weiblichen Keimzelle (Eizelle), Nährstoffen (Dotter) und schützenden Hüllen

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Gnathifera, Kieferträger

5 Selbst ist die Frau

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Einsam, verlassen, fühlt Rotatoria[1] sich,

Trotz Idylle in der neuen Umgebung.

Kein Begleiter begab sich mit auf den Weg

Im raschen Vehikel, des Regens fliegendem Nass.

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Umgeben von Algen[2], von Kleingetier jeglicher Art,

Vermisst sie Rotatorius[3] wie selten zuvor,

Schon mit dem kleinsten wär sie zufrieden.

Winzig sind die Eizellen[4] noch, bald aber ist es zu spät.

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War es fehlender männlicher Stimulus,

Der die Meiose[5] der Kerne verhielt, paarten sich doch Chromosomen nicht,

Aber nicht der Eizellmutterzelle[6] geplante Teilung unterband

Und so neben zwei Polkörperchen[7] eine diploide[8] Oocyte[9] entstand?

Wonach, ohne eines Männchens Chromosomen zu brauchen,

Der Mutter clonale Vermehrung[10],[11] begann?

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Vielleicht trug gute Ernährung ihren Teil dazu bei.

Womöglich war doch nur aus Not dieser Weg geboren,

Auch in Einsamkeit Nachkommen Leben zu geben.

Ein genetisch lang zuvor schon fixierter Kniff?

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Fußnoten

[1] Bezeichnung für weibliches Rädertierchen

[2] Algen: Eine organismenreichübergreifende Bezeichnung für überwiegend im Wasser lebende, grüne Thallophyten

[3] Bezeichnung für männliches Rädertierchen

[4] Eizellen: Unbewegliche, nährstoffreiche, weibliche, haploide Keimzellen

[5] Meiose, meiotisch: Meiose dient der Reduktion eines diploiden Chromosomensatzes zu haploiden Sätzen. Dabei werden einander entsprechende Chromosomen, im Kern sich dann mittig in einer Ebene gegenüberstehend, gepaart und anschließend in entgegengesetzter Richtung („polwärts“) separiert. Dieser Vorgang wird auch als Reduktionsteilung (oft abgekürzt als R! und zugleich stellvertretend für die ganze Meiose verwendet) bezeichnet. Da die voneinander getrennten haploiden Chromosomen schon zu Chromatiden verdoppelt sind, schließt sich an die Reduktionsteilung noch eine mitotische Teilung an, so dass vier haploide Kerne letztlich vorliegen; abgekürzt mit R!.

[6] Eizellenmutterzelle: Diploide Zelle, deren Meiose haploide Eizellen ergibt

[7] Polkörperchen, Richtungskörperchen (Animalia): Kleine, funktionslose Zellen, die während der Eizellreifung (Meiose) entstehen und überflüssige Chromosomen enthalten. Sie entstehen durch asymmetrische Teilungen, um die Eizelle plasmareich zu halten, und degenerieren in der Regel; bestimmen die Achse der Eizelle, wobei der Polkörper meistens den animalen Pol bestimmt.

[8] Diploid: Zellkerne mit doppeltem Satz zusammenpassender, homologer, Chromosomen; ausgedrückt mit 2n

[9] Eizelle

[10] Parthenogenese: Form der eingeschlechtlichen Fortpflanzung, bei der sich Nachkommen direkt aus unbefruchteten haploiden oder diploid gebliebenen Eizellen entwickeln

[11] Clonale Vermehrung: Asexuelle Vermehrung (rein mitotisch bedingte Vermehrung, daher Individuen genetisch identisch)

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Gnathifera, Kieferträger

6 Alle Türen offenhalten

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Pathenogenese[1] wird als Mode vielen Prinzip.

Zum Vorteil in locker besiedelten Nischen[2]

Potenzieren sich Weibchen in kürzester Zeit,

Verschwenden an unnütze Männchen keine Eizelle mehr.

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Rasch gilt es,

Lohnende Lebensräume mit eigener Brut zu besetzen,

Alles zu nutzen,

Bevor Konkurrenten die Gunst der Stunde erfassen

Und zu viele Weibchen fischen im selben Revier,

Sich, wie nicht verwunderlich,

Buchstäblich bald auf die Nerven geh‘n

Und Lust auf Männchen wieder verspür‘n.

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Stimuliert durch erdrückende Nähe jungfräulicher Konkurrentinnen,

Ersetzen sie amiktisch[3] gebildete, nun durch meiotisch[4] entstandene Eier,

Werden dann samt und sonders ohne Befruchtung zu Männchen,

Falls nicht doch ein Zwergenpartner aktiv.

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Der Weiberhaufen wird wieder normal,

Jedes lockt und findet ein Männchen,

Zygoten entstehen folglich zuhauf.

Mit dicker Wandung verseh‘n

Trotzen sie Trockenheit, Kälte und Wärme,

Ruhen für neue Affären sich aus[5].

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Leicht übernehmen Tropfen und Winde

Transport und Verbreitung der Dauerzygoten

An wasserbegünstigte Stellen.

Manchmal reicht ein winziger Sack

An der Basis des Lebermoosblatts[6],

Um einer Rotatorie Raum und Nahrung zu geben.

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Solch Propagulen[7] entschlüpfen amiktische Weibchen[8],

Vermehren sich parthenogenetisch nur,

Eröffnen mit Ihresgleichen

Den Reigen der einsamen Lebensnatur.

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Fußnoten

[1] Parthenogenese: Form der eingeschlechtlichen Fortpflanzung, bei der sich Nachkommen direkt aus unbefruchteten haploiden oder diploid gebliebenen Eizellen entwickeln

[2] Ökologische Nischen: Meist kleine Gebiete, Habitate, mit relativ einheitlichen Lebensbedingungen

[3] Amiktisch: sich parthenogenetisch fortpflanzend

[4] Meiotisch, Meiose: Meiose dient der Reduktion eines diploiden Chromosomensatzes zu haploiden Sätzen. Dabei werden einander entsprechende Chromosomen, im Kern sich dann mittig in einer Ebene gegenüberstehend, gepaart und anschließend in entgegengesetzter Richtung („polwärts“) separiert. Dieser Vorgang wird auch als Reduktionsteilung (oft abgekürzt als R! und zugleich stellvertretend für die ganze Meiose verwendet) bezeichnet. Da die voneinander getrennten haploiden Chromosomen schon zu Chromatiden verdoppelt sind, schließt sich an die Reduktionsteilung noch eine mitotische Teilung an, so dass vier haploide Kerne letztlich vorliegen; abgekürzt mit R!.

[5] Dauerzygote, Hypnozygote: Zygote, die der Überdauerung dient, meist gekennzeichnet durch dicke, widerstandsfähige, oft auch dunkle Wand, gelegentlich mit Oberflächenstrukturen

[6] Frullania: Wassersackmoose (Porellales; aktuell separate Ordnung Jubulales – Jungermanniidae – Jungermanniopsida – Marchantiophyta – Thallophyta –…)

[7] Propagulen: Allgemeine Bezeichnung für Verbreitungseinheiten

[8] Zygoten entschlüpfte, sich parthenogenetisch vermehrende Weibchen

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Rotatoria: Rädertiere

Fig. 1 Pedalium mirum = Hexarthra mira: Dieses Rädertier (vom Rücken gesehen) zeichnet sich vor den übrigen durch den Besitz von sechs borstentragenden, beinartigen Anhängen aus, die zum Springen im Wasser dienen und ihm große Ähnlichkeit mit gewissen kleinen Krebsen verleihen; die Borsten dieser Springfüße sind gefiedert. Zwei Füße sind unpaar und liegen in der Mittelebene des Körpers, mit nach hinten gekehrten Schwimmborsten (ein kleinerer Fuß oben auf dem Rücken, ein größerer Fuß unten auf dem Bauche). Die vier anderen Füße sind paarig, ein Paar kleinere Vorderfüße (oben) und ein Paar größere Hinterfüße (unten). Oben am Kopfe sind rechts und links die beiden elliptischen Räder oder Wimperscheiben sichtbar.

Fig. 2 Lacinularia socialis Ehrenberg: Die Figur zeigt eine kugelförmige Gesellschaft von Rädertieren, welche Strahlenförmig an einem gemeinsamen Mittelpunkte auf dem Stengel einer Wasserpflanze aufsitzen.

Fig. 3 Polyarthra platyptera Ehrenberg: Der eiförmige fußlose Körper dieses Rädertieres ist durch den Besitz von sechs Paar beweglichen, schwertförmigen Flossen oder Schwimmborsten ausgezeichnet, welche die raschen, hüpfenden Bewegungen bewirken. Die scharfen Ränder diese steifen Flossen sind gesägt; drei sitzen jederseits am Rande der Rückenfläche, drei am Rande der Bauchfläche. Am Kopfe vorn (oben in der Figur) sitzt das Räderorgan, dessen Wimpern zurückgekrümmt sind; innerhalb desselben ein Paar kegelförmige Nasen (Riechorgane) und ein Paar steife Borsten (Tastorgane); dazwischen in der Mitte das unpaare Auge. Im Innern schimmert der Darmkanal durch, hinten der hufeisenförmige Eierstock.

Fig. 4 Pterodina patina = Testudinella patina: Der linsenförmige Körper ist in eine flache, kreisrunde Schale eingeschlossen; aus einem Ausschnitt am vorderen Rande tritt (oben) das zweilappige Räderorgan hervor. An seiner Basis liegen ein Paar rote Augen. In der Mitte des Innern ist der Darmkanal sichtbar und zu beiden Seiten desselben vorn die geschlängelten Nieren[1], hinten der hufeisenförmige Eierstock mit zwei halbmondförmigen Schenkeln.

Fig. 5 Stephanoceros eichhornii = Stephanoceros fimbriatus:  Dieses Rädertier sitzt mittels eines schlanken Fußes an Wasserpflanzen fest und hat äußerlich große Ähnlichkeit mit einem Polypen. Das eigentümliche Räderorgan besteht aus fünf Schlanken Armen, die oben den Mund umgeben und einwärts gekrümmt sind; die zahleichen langen Wimpern, welche in Wirteln auf den Armen aufsitzen, bewegen sich nur langsam. Im Innern des keulenförmigen Körpers ist in der Mitte der Darmkanal sichtbar, zu beiden Seien desselben die Geschlängelten Nieren und hinten der Eierstock.

Fig. 6 Euchlanis dilatata: Der linsenförmige Körper ist in einer zweiklappigen Schale eingeschlossen, deren Bauchklappe flach ist, während die Rückenklappe stark gewölbt ist. Aus dem vorderen Ausschnitt der Schale tritt (oben) das Räderorgan hervor, in mehrere Lappen geteilt. Der gefiederte Fuß am hinteren Ende trägt ein Paar lanzettförmige Schwanzborsten. Im Innern ist in der Mitte der Darmkanal sichtbar, zu beiden Seiten die geschlängelten Nieren.

Fig. 7 Noteus leydigii = Platyias quadricornis: Der flachgedrückte Körper ist in eine Schale eingeschlossen, deren gewölbte Rückenplatte getäfelt und durch gekörnelte Rippen in fünfeckige Felder geteilt ist; am vorderen Ausschnitt der Schale springen zwei gekrümmte, am hinteren zwei gerade Hörner vor. Das große Räderorgan (oben) ist gelappt. Im Innern ist in der Mitte der Darm sichtbar, hinten der Eierstock und zu beiden Seiten die geschlängelten Nieren. Hinten tritt der gegliederte Fuß vor, mit einem Paar Schwanzlappen.

Fig. 8 Brachionus bakeri:  Der Panzer, welcher den flachgedrückten Körper einschließt, ist vorn mit drei Paar, hinten mit einem Paar Stacheln bewaffnet. An dem breiten, fünflappigen Räderorgan stehen seitlich ein Paar lange, nach hinten gerichtete Tastborsten. Der Darmkanal, in der Mitte durchschimmernd, zeigt deutlich die drei Abschnitte. Zu beiden Seiten liegen die geschlängelten Nierenkanäle. Hinten tritt der lange, geringelte Fuß vor, am Ende mit einer Schwanzgabel.

Autor: Haeckel, E (1899), Kunstformen der Natur, Tafel 32

Lizenz: Gemeinfrei; unverändert

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Fußnote

[1] Protonephridien

Eingestellt am 20. Juni 2026

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