zum Glossar mit Abbildungsverweisen über:

Spiralia, Spiralfurcher
1 Der Spiralier Furchung
.
Senkrecht zueinander steh’n die Ebnen der Polachse[3] entlang.
Blickst du vom animalen Pol[4] auf die entstandenen Zellen,
Siehst du ein ordentliches Quartett.
.
Das Viererpaket vermehrt nun sich erneut durch Mitosen,
Die gleichzeitig erfolgen, äquatorial[5]-simultan:
So entsteht ein zweites Paket aus vier etwas kleineren Zellen[6],
In deine Richtung, hin zu dir orientiert.
.
Nach rechts etwas verdreht ist die neue Versammlung[7],
Sucht die Furchen zwischen den größeren Zellen des Schwesternquartetts[8].
.
Beide Pakete teilen mitotisch sich weiter,
Liegen in vier Etagen, zu sechzehnt danach:
.
Die vier ursprünglichen Makromeren verdoppeln äquatorial sich wieder mitotisch
Wobei das Quartett der neuen Mikromeren
Nach links nun etwas sich kehrt;
Das erste Mikromerenquarett vermehrt sich auf gleiche Art
Und dreht sich, ebenfalls furchensuchend, in die linke Richtung wie die anderen,
So, dass spiralige Zellanordnung sich damit ergibt. –
.
Auch wenn nicht alle Spiralia die typische Blastomerenanordung zeigen,
Besonders jene, deren Eier dotterreich[9],
Scheinen doch, die hier Zusammengefassten
Mitglied dieser Verwandtschaft zu sein.
.
Fußnoten
[1] Meridional (Zellteilung): der Polachse, der Längsachse entlang
[2] Zygote: Diploide Zelle, die nach der Verschmelzung zweier haploider Kerne, im Zuge der sexuellen Fortpflanzung entstand
[3] Polachse, Zygotenachse (Animalia): Animaler Pol – Vegetativer Pol
[4] Animaler Pol (Embryonalentwicklung): Scheitelpol, gegenüber dem Urmund; Pol der stärksten Zellteilungsaktivität; bei Bewegungen der hintere Bereich
[5] Äquatorial (Zellteilung): Mittig, senkrecht zur Polachse
[6] Mikromeren, Microcyten: Bei der Blastulabildung entstehende kleinere Zellen
[7] Um etwa 45o
[8] Makromeren: Die größeren Blastomeren, die während der Furchung und Gastrulation, insbesondere bei inäqualer Furchung, entstehen
[9] Dotter: Ansammlung von Reservestoffen in Eizellen in Form von Proteinen, Fetten und Kohlenhydraten, besonders Glycogen
Eingestellt am 20. Juni 2026
.

Entwicklung der Blastula der Spiralia vom 8-Zell- zum 16-Zellstadium
Links: 8-Zellstadium in zwei Etagen nach äquatorialer Teilung des 4-Zellstdiums. Dunkelblau: Makromeren; blaugrün: Mikromeren. Die Mikromeren sind um etwa 45o nach rechts gedreht (roter gebogener Pfeil) und liegen in den Furchen der Makromeren.
Rechts, drei Bilder: 16-Zellstadium in vier Etagen angeordnet nach äquatorialer Teilung der ursprünglichen vier Makromeren und der ursprünglichen vier Mikromeren.
Rechts oben: Die ursprünglichen Makromeren (dunkelblau, linkes Bild) teilen sich ihrerseits in Makormeren (mittelblau, rechtes Bild) und Mikromeren (hellblau, rechtes Bild), wobei sich die neuen Mikromeren diesmal nach links um etwa 45o drehen, um in die Furchen der Makromeren zu gelangen (Bild rechts, Mitte).
Rechts Mitte: Die ursprünglichen Mikromeren (dunkelgrün, linkes Bild) teilen sich ebenfalls, wobei sich das Quartett am animalen Pol (gegen den Betrachter gerichtet, hellgrün) wieder nach links bezogen auf die darunterliegenden vier Schwesterzellen (moosgrün) dreht.
Rechts unten: Die vier Bogenpfeile deuten die vier Spirallinien an.
Die moosgrünen Zellen sind Ausgangszellen (Trochoblasten), die nach mehrfacher Teilung den Prototroch, den vorderen Wimpernkranz der Larven bilden.
Nach Westheide & Rieger (2013), Abb. 279 A und B, Seite 183
Eingestellt am 20. Juni 2026
.

Spiralia, Spiralfurcher
2 Trochophora
.
Wie ein schwebender, sich nach unten hin konisch verjüngender Ball,
Mund seitlich voraus, dreifach mit Cilienreihen bekränzt,
.
Multiciliäre Zellen scheinbar zur umlaufenden Reihe geordnet,
Schlagen, mit langen Wimpern versehen,
Ein Sinken verhindernd, kräftig nach unten[5],
Treiben Nahrungspartikel dem weit geöffneten Mundtrichter zu.
.
Einem Hinausschießen über den Mund
Stemmt sich ein zweiter Kranz etwas kürzerer Wimpern entgegen[6].
So gefangen im ständigen Hin und Her
Nähert unaufhaltsam Trochophoras Beute sich dem saugenden Schlund[7].
Langsam den strudelnden Darmwimpern folgend,
Überschwemmen Verdauungssekrete der Gefangenen traurigen Zug,
Bis am Ende des bogigen Darms
Die Freiheit für viele vergeblich mehr winkt.
.
Die Öffnung des Enddarms langwimprig umgebend[8],
Befördern, mit kräftigen Schlägen agierend,
Cilien, im Kranz um den After vereint, Abfallprodukte davon,
Wirken zugleich Trochophoras Sinken entgegen.
.
Bis am Ende der schwebenden Zeiten
Der Larve Reservestofffülle
Das Ende der Jugend,
Den Beginn des kriechenden Lebens, signalisiert.
.
Fußnoten
[1] Cirren (Rippenquallen, Ciliaten, Spiralia): Lange Wimpernbündel
[2] Cilie, Wimper, Flagellum, Geißel, (Eukaryageißel): Charakterisiert durch ihren internen Bau aus 9 peripheren, etwas schräg nach innen gestellten Doppelmikrotubuli (Querschnitt durch die Geißel) und einem zentralen Tubulipaar, das etwas Abstand voneinander hält. Dyneinarme verbinden die Mikrotubuli. Die Geißel ist von der Zellmembran umgeben und gefüllt mit Cytosol. Am Übergang der Geißelbasis in den Zellkörper treten spezielle Verstrebungen, Verstärkungen, auf; eine dünne Querplatte trennt oft den untersten, in die Zelle integrierten Teil, der in seiner Struktur einem Centriol entspricht: Es fehlen die beiden zentralen Mikrotubuli und die peripheren Zwillinge wurden zu Drillingen. Die in der Zelle gelegenen Teile der Geißel sind noch durch verwandtschaftsabhängig gestaltete Haltestrukturen verwurzelt.
[3] Larven: Jugendstadien von Tieren, die sich grundsätzlich vom Erscheinungsbild Erwachsener unterscheiden und erst nach einer Metamorphose Adultgestalt annehmen
[4] Pelagial: Uferferner Freiwasserbereich oberhalb der Bodenzone (Benthal)
[5] Prototroch (Spiralia): Vorderer Wimpernkranz der Trochophora-Larve
[6] Metatroch (Spiralia): Mittlerer Wimpernkranz der Trochophora-Larve
[7] Schlund (allgemein): Trichterförmiger Übergangsbereich am Ende der hinteren Mundhöhle
[8] Telotroch (Spiralia): Hinterer Wimpernkranz der Trochophora-Larve
Eingestellt am 20. Juni 2026
.

Trochaea-Hypothese von Nielsen zur Entstehung pelagischer und benthischer Protostomia-(Spiralia-)Larven aus Gastrula-ähnlichen Vorfahren; Teil 1
Oben: Pelagische Larve. – Unten: Benthischer Adultus.
Oben links: Pelagische Larve in Ventralansicht. Um den Blastoporus (dunkelbraunes, rund gestaltetes Zentrum) einer pelagischen Gastrula entsteht ein Wimpernband (Archaeotroch) aus Cirren (Wimpernbündel; radiale kranzförmig angeordnete dunkle Striche), das zum Schwimmen sowie für den Transport von Nahrungspartikeln verwendet wird. Zudem ist das Mundfeld (Bereich um den Mund; dunkelbraun) dicht mit Cilien bestückt, um die Nahrung in den Schlund zu befördern. Hellblau: Ringnerv. – Oben rechts: Pelagische Larve in Lateralansicht. Vom Apikalganglion (meerblau) unterhalb des Cirrenschopfs gehen mit dem Ringnerv verknüpfe Radialnerven ab (hellblau). Braun: Urdarm.
Unten links: Benthischer Adultus in Ventralansicht. Der Urmund hat sich in einen größeren, noch nicht vollkommen separierten Mund (oben) und einen kleineren After (unten) getrennt; beide sind durch ein lang- und enggezogenes Verbindungsstück des Urmunds miteinander verbunden. Cirren sind in der benthischen Form nicht (mehr) vorhanden, wohl aber Mund, Verbindungskanal und After umgebende Cilien. Alle Öffnungen sind von einem hantelförmigen Ringnerv umgeben (hellbau). – Unten rechts: Benthischer Adultus in Lateralansicht. Vom Apikalganglion (meergrün) unterhalb des Cirrenschopfs gehen mit dem Ringnerv (hellblau) verknüpfe Radialnerven (hellblau) ab; der Adultus läuft auf den Cilien der Urmundlippen. Braun: Urdarm.
Nach Nielsen in Westheide & Rieger (2013), Abb. 277 links, Seite180
Eingestellt am 20. Juni 2026
.

Trochaea-Hypothese von Nielsen zur Entstehung pelagischer und benthischer Protostomia-(Spiralia-)Larven aus Gastrula-ähnlichen Vorfahren; Teil 2
Evolutiv entsteht der Prototyp der pelagischen Larve, wie er Larven rezenter Vertreter zugrunde liegt, aber in vielfacher Weise abgewandelt worden ist.
Oben: Pelagische Larve. – Unten: Benthischer Adultus.
Oben links: Pelagische Larve in Ventralansicht. Um den Mund (dunkelbraun) liegt ein Cilienfeld, das oben vom Cirrenband Prototroch begrenzt wird und von unten durch das Cirrenband Metatroch; dabei bilden beide Cirrenbänder um das Mundfeld herum eine einzige, das Mundfeld umziehende Borte (vgl. oben rechts). Um den After, mit Aussparung, ist das Cirrenband Telotroch entstanden; eine Wimperborte verbindet den Afterbereich mit dem Mundfeld. Das Apikalganglion (meerblau) unter dem Cirrenschopf wird durch paarige Cerebralganglien (hellblau) ergänzt. Nerven (hellblau) umrunden das Mundfeld und verbinden sich mit dem doppelten Nervenband entlang des ursprünglichen, jetzt geschlossenen, Verbindungskanals zwischen entstehendem After und dem Mund, das auch den Teletroch noch einbezieht.
Unten links: Benthischer Adultus in Ventralansicht. Als benthischer Adultus wird jedes Cirrenband, auch der Cirrenschopf, reduziert. Das Apikalganglion verschwindet, die paarigen Cerebralganglien bleiben. Der Nervenstrang (hellblau) umzieht Mund und After, wobei die beiden Körperöffnungen durch paarige Nervenstränge verbunden werden. Der Adultus (unten rechts, in Lateralansicht) läuft auf den Cilien im Bereich der ehemaligen Urmundlippen. Braun: Der echte Darm mit Mund und After.
Nach Nielsen in Westheide & Rieger (2013), Abb. 277 rechts, Seite180
Eingestellt am 20. Juni 2026
.
