zum Glossar mit Abbildungsverweisen über:

Scaphopoda, Kahnfüßer

1 Wahrlich gute Idee

.

Leicht hornförmig gebogen, vorne weit, hinten eng,

Offen an beiden Enden,

Liegt, im Sand sich tarnend vergraben,

Den Fuß[1] in die Tiefe versenkt, dieser Mollusk[2].

.

Kreisrund zeigt sich die vordere Öffnung,

Wie ein Tor über dem Grund,

Gibt Platz dem Fuß, einer Vielzahl Tentakel[3]

Und dem schlitzartigen Mund.

.

Tentakel, auf beiden Seiten des Munds

In Büschel zu Vielen gruppiert,

Dehnen, mit löffelartigen Enden bestückt,

Weit sich hinaus, der Grenze zum Wasser entlang.

Erfühlen mit Cilien[4] Foraminiferen[5],

Kleben an ihren Enden mit Drüsen[6] sie fest,

Verkürzen sich dann mit Muskelzug und

Führen die Beute zum Mund.

.

Lippen lutschen sie ab;

Verschlingen auch härtere Opfer,

Zur Radula[7] gleiten sie hin,

Werden zerknackt zu verdaulichem Brei.

.

Mitteldarmdrüsen[8] zerlegen

In zellenpassierbare Stücke

Der Beute wertvollsten Teil;

Unverdauliche Reste wandern zum After,

Füllen den Raum zwischen Mantel und Fuß;

Ein Wasserstrahl pumpt sie ins Meer. –

.

Das Karbon[9] schon sah sie mit Hunderten Arten.

Auch heute leben mehr als fünfhundert noch;

Vom Eulitoral[10] bis zu siebentausend Meter hinab,

Überstanden sie beinahe unverändert die Kniffe der Evolution.

.

Was brachte sie unbeschadet über so lange Zeit?

Auch sie[11] setzen auf dehnbare Fangtentakel,

Wie Viele neben und vor ihnen schon;

Schützen sie, wenn Gefahr im Verzug, im sicheren Horn.

.

Fußnoten

[1] Fuß (Mollusca): Charakteristisches, muskulöses Organ, das primär der Fortbewegung dient

[2] Mollusca: Weichtiere (Schizocoelia – Spiralia – Protostomia – Bilateria – Animalia –…)

[3] Tentakel, Captacula (Scaphopoda): Büschelige, fädige, vom Cerebralganglion aus innervierte, lang ausstreckbare, bewimperte Fangtentakel

[4] Cilie, Wimper, Flagellum, Geißel, Flimmer (Eukaryageißel): Charakterisiert durch ihren internen Bau aus 9 peripheren, etwas schräg nach innen gestellten Doppelmikrotubuli (Querschnitt durch die Geißel) und einem zentralen Tubulipaar, das etwas Abstand voneinander hält. Dyneinarme verbinden die Mikrotubuli. Die Geißel ist von der Zellmembran umgeben und gefüllt mit Cytosol. Am Übergang der Geißelbasis in den Zellkörper treten spezielle Verstrebungen, Verstärkungen, auf; eine dünne Querplatte trennt oft den untersten, in die Zelle integrierten Teil, der in seiner Struktur einem Centriol entspricht: Es fehlen die beiden zentralen Mikrotubuli und die peripheren Zwillinge wurden zu Drillingen. Die in der Zelle gelegenen Teile der Geißel sind noch durch verwandtschaftsabhängig gestaltete Haltestrukturen verwurzelt.

[5] Foraminiferen: Foraminifera (Retaria – Rhizaria – Eukarya)

[6] Drüsen: Organe aus mehreren Drüsenzellen

[7] Radula (Mollusca): Spezialisiertes Mundwerkzeug als Bildung des Pharynx von Weichtieren (Mollusken), das dem Abraspeln, Zerkleinern und Aufnehmen von Nahrung dient. Sie besteht aus einer chitinartigen Membran mit zahlreichen, in Reihen angeordneten Zähnchen

[8] Mitteldarmdrüse: Verzweigtes Darmanhangsorgan, das bei wirbellosen Tieren wie Krebsen, Spinnentieren und Weichtieren (z. B. Schnecken) vorkommt als wichtige Verdauungsdrüse, die sowohl Verdauungsenzyme produziert als auch Nährstoffe absorbiert und speichert.

[9] Karbon-Zeit (Carbon-Zeit, Steinkohlezeit): Vor 359 – 299 Millionen Jahren

[10] Eulitoral, Gezeitenzone: Küstenbereich, der zwischen der mittleren Hochwasser- und der mittleren Niedrigwasserlinie liegt

[11] Kahnfüßer: Scaphopoda (Mollusca – Schizocoelia – Spiralia – Protostomia – Bilateria –…)

Eingestellt am 20. Juni 2026

.

Verschiedene Scaphopoda

A Fissidentalium sp., lebendes Individuum. – B Gadilida sp., lebendes Individuum. – C Gadila sp., lebendes Individuum. – D Gadilida sp., lebendes Individuum. Scale bars: 5 mm (A, D); 1 mm (B); 2 mm (C).

Autor: [Image: Glover, Dahlgren & Wiklund, 2017] Wiklund H, Taylor JD, Dahlgren TG, Todt C, Ikebe C, Rabone M, Glover AG (2017) Abyssal fauna of the UK-1 polymetallic nodule exploration area, Clarion-Clipperton Zone, central Pacific Ocean: Mollusca. ZooKeys 707: 1-46. https://doi.org/10.3897/zookeys.707.13042

Lizenz: Creative Commons Attribution 4.0 International license; unverändert

Eingestellt am 20. Juni 2026

.

Bau der Scaphopoda. Allgemeines Schema der inneren Organisation, Seitenansicht; (Tusche, Bleistift, Kreide; Reinhard Agerer)

Darmtrakt (dunkelbraun): Der Mund (links) mit Lippen (tannengrün) und anschließendem Mundraum führt zu Beginn des Oesophagus (Speiseröhre) am Radulasack mit Radula (intensiv dunkelbraun) vorbei zum Magen (moosgrün), in den die Mitteldarmdrüse (rosa) mündet; in kurzbogiger Form führt der Enddarm in den Mantelraum (hell rosagrau). Zur Aufnahme der Nahrung dienen Captacula (Tentakel) mit löffelförmigem Ende (tannengrün), die durch Zurückbiegen den Lippen (tannengrün) ermöglichen, Beute abzulutschen.

Exkretionsorgane: Dargestellt ist nur das Exkretionsorgan (violett), in das die Gonade (gelb) mündet, in den Mantelraum entsorgt und Geschlechtszellen abgibt.

Blutkreislaufsystem: Hiervon ist nur das kleine Perikard (grau; Herz nicht eingezeichnet) dargestellt.

Nervensystem (dunkelblau): Vom Cerebral- (Gehirnganglion; große) und Pleuralganglion (Seitenganglion; kleine, knotige Verdickung schräg oberhalb der Radula) führen Nervenstränge zum einen zum Pedalganglion (knotige Verdickung im Fuß (hellbraun), mit Nervenabzweigungen weiter in den Fuß und zur Statocyste (Statolith, hellblau); zum andern führt vom Pleuralganglion ein Nervenstrang zum Visceralganglion (Eingeweide-Nervenknoten, nahe des Enddarms) und von dort zweigt der Visceralnerv (Eingeweidenerv) in das Hinterende des Körpers, des Mantelsacks (rosagrau), ab.

Hüllen: Mantel (hell rosagrau) und Mantelsack (rosagrau) werden vom Gehäuse (gelblich mit Strichlierung) geschützt; das Gehäuse ist beidseitig offen.

Nach Westheide & Rieger (2013), Abb. 468, Seite 322

Eingestellt am 20. Juni 2026

.

Endpunkt ereicht