zum Glossar mit Abbildungsverweisen über:

Lophophorata, Tentakulierte

1 Patente

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„Plagiat“, ruft Hydra[1],

„Für Tentakel[2] gehören Urheberrechte meinen Verwandten und mir!

Hohle, durch Muskelzellen[3] bewegte Arme,

Mit Nesselzellen[4] bestückt zum Fangen der Beute,

Waren uns lang schon bekannt

Bevor ihr das Licht der Welt habt erblickt!“

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„Nur keine falschen Schlüsse“, entgegnet ihr treffend Electra[5],

„Äußerlich mögen sich unsere Fangarme ähneln,

Doch ihre Funktion, der Wandung Bau,

Gleichen sich grundsätzlich nicht!

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Ein drittes Keimblatt[6] schiebt sich ins Innere vor,

Verdrängt die ursprüngliche Leibeshöhle[7],

Die euch Nesseltieren[8] doch so lieb;

Es wirkt dem hydrostatischen Druck[9] des flüssigkeitsgefüllten umgebenden Raums entgegen,

Ordnet unsere Tentakel zum Wasser nach außen schiebenden Trichter

Und für Ausgleichsströmung des Einstroms in Richtung zentral gelegenem Mund.

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Nesselzellen, eure treffsicheren Waffen, helfen uns nicht.

Anstelle von Miniharpunen[10] für aktiven Fang

Zufällig sich nähernder Opfer,

Produzieren wir einen Sog, dem nahende Beute nicht mehr entkommt.

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Lange Cilienreihen[11] an den vielen engstehenden Flanken unsrer Tentakel,

Basal beginnend bis hinauf an ihr Ende,

Schlagen richtungskonform von innen nach außen,

Schaffen Wasser beständig,

Aber nicht ohne Stopp,

Zwischen den Armen[12] aus dem Trichter hinaus.

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Das Wasser geht im danach dem Trichter nicht gänzlich verloren.

Dem Unterdruck folgend,

Fließt es, von oben herkommend,

Den Fehlbetrag ausbalancierend,

Zur Basis des Füllhorns[13],

Bringt, was immer auch schwimmt oder schwebt,

Nah an den offenen Mund

Dem als Pumpe wirkenden Pharynx[14] entgegen.

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Versuchten Partikel den Trichter zu fliehen,

Gehen kürzere Cilien, dicht die inneren Flächen der Arme in Reihen bedeckend,

Mit zum Grund hin schlagender Weise ans Werk,

Leiten sie fächelnd hinein in den Schlund.

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Sollte ein größerer, fressbarer Brocken Tentakel im Innern des Trichters berühren,

Aktivieren manche unsrer Verwandten Sinneszellen der Fangarme[15];

Muskeln[16] drücken darauf, urplötzlich zur Mitte hinschlagend,

In den Zentralraum des Trichters die Beute.

Zur Freude des Pharynx, auch des Magens[17]

Wird doch für längere Zeit der Hunger gestillt.“

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Fußnoten

[1] Hydra spp. (Capitata – Anthoathecata – Leptolina – Hydrozoa – Medusozoa –…)

[2] Tentakel (Nesseltiere): Nesselzellenbestückte, bewegliche Fangarme der Cnidaria

[3] Epithelmuskelzellen (Nesseltiere): Epithelzellen mit basalen Ausläufern, in denen Actinomyosinkomplexe für Bewegungsvorgänge liegen

[4] Nesselzellen, Cnidocyten: Zellen in der Epidermis der Cnidaria, zum Beutefang und zur Abwehr dienend; bei Reizung wird ein Nesselschlauch ausgeschleudert, der häufig ein hochwirksames Gift in das Opfer injiziert

[5] Electra: Bezeichnung für hypothetischen Vorfahren der Lophophorata

[6] Mesoderm (Bilateria): Mittleres der drei Keimblätter (Ektoderm, Mesoderm, Entoderm), die während der Embryogenese entstehen

[7] Primäre Leibeshöhle: Flüssigkeitsgefüllter Hohlraum, der während der frühen Embryonalentwicklung (Gastula-Stadium) innerhalb des Entoderms entsteht

[8] Nesseltiere: Cnidaria (Animalia – Opisthokonta – Eukarya)

[9] Hydrostatischer Druck: ist der Druck in ruhenden Flüssigkeiten oder Gasen, der durch die Schwerkraft der darüberliegenden Masse entsteht

[10] Nesselzellen

[11] Cilie, Wimper, Flagellum, Geißel, (Eukaryageißel): Charakterisiert durch ihren internen Bau aus 9 peripheren, etwas schräg nach innen gestellten Doppelmikrotubuli (Querschnitt durch die Geißel) und einem zentralen Tubulipaar, das etwas Abstand voneinander hält. Dyneinarme verbinden die Mikrotubuli. Die Geißel ist von der Zellmembran umgeben und gefüllt mit Cytosol. Am Übergang der Geißelbasis in den Zellkörper treten spezielle Verstrebungen, Verstärkungen, auf; eine dünne Querplatte trennt oft den untersten, in die Zelle integrierten Teil, der in seiner Struktur einem Centriol entspricht: Es fehlen die beiden zentralen Mikrotubuli und die peripheren Zwillinge wurden zu Drillingen. Die in der Zelle gelegenen Teile der Geißel sind noch durch verwandtschaftsabhängig gestaltete Haltestrukturen verwurzelt.

[12] Tentakel

[13] Trichterförmig angeordnete Tentakel

[14] Pharynx (Tricladida, Neodermata, Lophophorata): Quergestreift-muskulöse Pumpe kurz nach dem Mund

[15] Tentakel

[16] Muskel: Kontraktile Organe, die aktive Bewegungen  ermöglichen; sie führen zu einer Form- und/oder Ortsveränderung von Körperkomponenten

[17] Magen (allgemein): Teil des Verdauungssystems, hilft bei der Verdauung von Nahrung, indem er Nahrung mit Drüsensekreten versieht

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Lophophorata, Tentakulierte

2 Schopfträger

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„Unsere Tentakel[1], zum Schopf zusammengefasst,

Bleiben trägerverbunden flexibel,

Der Rumpf hingegen versteift sich nach außen

Zum Schutz gegen Feinde und widrige Welt,

Mit chitinfibrillenverstärkter[2] Matrix[3] zum Becher[4],

Nicht selten zur zweiklappigen Schale.

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Manche imprägnieren

Mit Aragonit[5] oder Calcit[6]

Darüber hinaus

Zusammen mit mehreren Nachbarn

Ihr schützendes Haus

Zur trutzenden Burg.

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Melden Sinneszellen[7] ungewöhnlichen Druck von der Seite,

Zieh‘n schnellreagierende Epithelmuskelzellen[8] verschiedenster Art

Tentakel, zusammen mit ihrem biegsamen Träger,

Rasch in die schützende Hülle zurück.

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Auch die primäre Leibeshöhle[9] steht hoch im Kurs,

Verblieb‘ne Lakunen verlaufen entlang unserer Arme[10].

Zum Ring vereint, umzieh‘n sie peripher des Lophophors[11] Basis,

Begleiten die Rumpfepidermis[12],[13] bis hinab in den Fuß[14].

Versorgen energiebedürftige Stellen

Mit Nährstoff direkt vor Ort,

Bringen Sauerstoff zu unseren Zellen,

Entsorgen unnützes CO2, das nicht schon nach außen entwich.

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Beseitigen unverdauliche Reste durch den Mund[15],

Denn, getrennt durch der flimmernden Arme Rund,

Übergibt sie der After[16], oft zu Ballen gedreht, der fortbefördernden Strömung,

Halten vom saugenden Trichter sie säuberlich fern.

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Sind oft gezwungen, gelöste, unerträgliche Stoffe

Aus der geschloss‘nen, sekundären Leibeshöhle[17] in die Umgebung zu leiten.

Ihr gebt sie mit übrigen Resten

Aus der primären Leibeshöhle einfach ab durch den Mund. –

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Und, wenn wir eure und unsere Vielfalt betrachten,

So habt ihr, die als Capitata[18] ihr firmiert,

Niemand gefunden mit Interesse an euren Artenzahlen.

Nur hohe Diversität wird euch attestiert;

Doch wir mit sechstausendvierhundert Arten etwa,

Wissen, was unsere Vielfalt zählt.“

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Fußnoten

[1] Tentakel (Lophophorata): Hohlorgane mit zweierlei Cilien; randliche Cilien schlagen zwischen den Tentakeln nach außen, Wasser aus dem Tentakeltrichter zu entfernen, damit neues in den Trichter gesaugt wird; Cilien der Tentakelfläche schlagen nach unten hin zum Mund, um Partikel hinzutreiben

[2] Chitin: Polymer aus N-Acetyl-Glucosamin, entstanden aus 1,4-β-Glucosen, an deren C2 eine [–NHCOCH3]-Gruppe hängt; anders ausgedrückt, an deren C2 eine [–NH2]-Gruppe, eine Aminogruppe, hängt, bei der ein Wasserstoffatom durch ein Acetyl [–COCH3] ersetzt ist. Zellwandpolysaccharid der Fungi (Echte Pilze), einiger Cnidaria (Nesseltiere), Lophophorata (Tentakulierte) und Exoskelett der Arthropoda (Gliederfüßer)

[3] Matrix: Zwischen festen Teilen (z. B. Zellen oder Fasern) liegende amorphe Substanzen, um Stabilität und Zusammenhalt zu geben

[4] Glycocalyx: Zuckerreiche, schleimige Schicht auf der Außenseite der Zellmembran bei eukaryotischen und prokaryotischen Zellen. Sie besteht aus Kohlenhydratketten, die an Membranproteine und Lipide gebunden sind; dient dem Schutz, der Zell-Zell-Erkennung und Adhäsion 

[5] Aragonit: [Calciumcarbonat, CaCO3]; Mineral der wasserfreien Carbonate ohne fremde Anionen; kristallisiert im orthorhomischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Ca[CO3]; löst sich leichter in Säuren als Calcit; https://www.chemie.de/lexikon/Calcit.html; nähere Erklärung dort

[6] Calcit, Kalkspat: [Calciumcarbonat, CaCO3]; Mineral der wasserfreien Carbonate ohne fremde Anionen, kristallisiert im trigonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Ca[CO3]; https://www.chemie.de/lexikon/Calcit.html; nähere Erklärung dort

[7] Sinneszellen, Sensorische Zellen: Spezialisierte Zellen, die Reize aus der Umwelt (äußere Reize) oder aus dem Körperinneren (innere Reize) aufnehmen

[8] Epithelmuskelzellen (Nesseltiere): Epithelzellen mit basalen Ausläufern, in denen Actinomyosinkomplexe für Bewegungsvorgänge liegen

[9] Primäre Leibeshöhle: Flüssigkeitsgefüllter Hohlraum, der während der frühen Embryonalentwicklung (Gastula-Stadium) innerhalb des Entoderms entsteht

[10] Tentakel

[11] Lophophor (Lophophorata): Tentakelbesetztes ring-, hufeisen- oder spiralförmiges Hohlorgan, das die hohlen Tentakel mit sich verbindet

[12] Rumpf (Lophophorata): Erweiterter, ungegliederter Bereich unterhalb des Lophophors

[13] Epidermis (Animalia, allgemein): Außenschicht eines Tieres

[14] Fuß (Lophophorata): Verjüngte, zum Festheften geeignete Stelle unterhalb des Rumpfes

[15] Mund (allgemein): Öffnung für Nahrungsaufnehme

[16] After: Öffnung für Ausscheidung von unverdaulichen Nahrungsresten

[17] Sekundäre Leibeshöhle, Coelom: Flüssigkeitsgefüllter Hohlraum, der von einem mesodermalen Epithel umgeben ist und als Flüssigkeitspolster bei vielen Protostomiern die Funktion eines Hydroskeletts übernimmt; das Coelom wird im Lauf der Ontogenese durch Abfaltung vom Urdarm oder aus besonderen, dem Entoderm oder dem Ektoderm entstammenden mesodermalen Zellen erst etwas später gebildet und verdrängt die primäre Leibeshöhle oft ganz.

[18] Capitata: Kopftentakler (Anthoathecata – Leptolina – Hydrozoa – Medusozoa – Cnidaria –…)

Eingestellt am 20. Juni 2026

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