zum Glossar mit Abbildungsverweisen über:

Brachiopoda, Armfüßer

1 Klappen

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Cyphonautes[1], der Bryozooen[2] ursprüngliche Larve[3],

Bedeckte den Körper beidseits mit je einer Schale,

Warf jedoch sie zugunsten der bauchigen Röhre[4]

Als Rundumschutz für ihr weiteres Leben ab.

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Armfüßer erheben die Klappen sich zum Prinzip,

Bauen sie aus, verstärken die Wand,

Gestalten sie muskelzügig beweglich,

Schließen auf Meldung von Tastsinneszellen[5] die Vorderpartie.

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Bergen ihr kostbarstes Gut,

Wenn verdächtige Wirbel dies fordern:

Bedecken Tentakel[6] mitsamt Lophophor[7],

Warten beharrlich auf das Verschwinden des drohenden Unheils.

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Langsam zieh’n sich,

Im stark sich verjüngenden Ende beidseits der Schalen inserierend,

Öffnungsmuskeln zusammen,

Nutzen die Schließmuskeln,

Fest noch gespannt

Als Widerlager für ihren Zug:

Und langsam, nicht ruckartig wie vorhin beim Klappen,

Öffnen sie vorsichtig, fast lauernd, wieder den Rand.

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Geben den Armen, dicht mit Tentakeln besetzt,

Zurück den so nötigen Raum,

Um cilienschlagend der Strömung Richtung zu lenken,

Filternd und strudelnd die Fänge auf Lophophorrinnen zu leiten.

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Strangartig umhüllen Schleime meist Kieselalgen[8] als Beute,

Geleiten, von Cilienschlägen getrieben,

Die Opfer der Mundöffnung zu,

Bis sie im Magen verschwinden.

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Von Cilienschlägen ständig zur Schraube gedreht,

Zeigt sich ein erster Zerlegungserfolg:

Aufgeweicht, zerkleinert, zerrieben in Miniportionen

Übernehmen Divertikel[9] der Mitteldarmdrüse[10] final den Verdau.

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Zum After hinaus werden unverdauliche Reste geführt.

Doch so manchen fehlt ein Abfallentsorgungskanal:

Sie rülpsen die Reste durch Magen und Mund

Wieder zurück ins Freie hinaus.

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Verflüssigte, entsorgungsbedürftige Stoffe,

Angesammelt im Raum des Coeloms[11],

Übernehmen bewimperte[12] Trichter der Metanephridien[13],

Sortieren den Eingang,

Resorbieren was brauchbar,

Geben die Reste final zur Ausscheidung frei. –

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Gelegentlich seh’n Muscheln zum Verwechseln sie ähnlich.

Doch was von außen sie deutlich schon trennt,

Ist ihre Symmetrie[14]: nicht wie bei Muscheln den Schalen folgend,

Nein senkrecht dazu.

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Fußnoten

[1] Cyphonautes (Bryozoa): Planktonische, meist dreieckige und seitlich abgeflachte Larve mariner Moostierchen

[2] Bryozoa: Moostierchen (Lophophorata – Spiralia – Protostomia – Bilateria – Animalia –…)

[3] Larven: Jugendstadien von Tieren, die sich grundsätzlich vom Erscheinungsbild Erwachsener unterscheiden und erst nach einer Metamorphose Adultgestalt annehmen

[4] Darm und Magen

[5] Tastrezeptoren, Tastsinneszellen, Druckrezeptoren: Spezialisierte Sinneszellen, die mechanische Reize wie Berührung, Druck, Vibration und Dehnung in Nervensignale umwandeln und an das Gehirn weiterleiten

[6] Tentakel (Lophophorata): Hohlorgane mit zweierlei Cilien; randliche Cilien schlagen zwischen den Tentakeln nach außen, Wasser aus dem Tentakeltrichter zu entfernen, damit neues in den Trichter gesaugt wird; Cilien der Tentakelfläche schlagen nach unten hin zum Mund, um Partikel hinzutreiben

[7] Lophophor (Lophophorata): Tentakelbesetztes ring-, hufeisen- oder spiralförmiges Hohlorgan, das die hohlen Tentakel mit sich verbindet

[8] Kieselalgen: Bacillariophyceae (Chromophyta – Straminipila – „Wimpeola” – Chromalveolata – Eukarya)

[9] Divertikel (allgemein): dünne und gelegentlich mehrfach verzweigte Ausstülpungen

[10] Mitteldarmdrüse: Verzweigtes Darmanhangsorgan, das bei wirbellosen Tieren wie Krebsen, Spinnentieren und Weichtieren (z. B. Schnecken) vorkommt als wichtige Verdauungsdrüse, die sowohl Verdauungsenzyme produziert als auch Nährstoffe absorbiert und speichert.

[11] Coelom, Sekundäre Leibeshöhle: Flüssigkeitsgefüllter Hohlraum, der von einem mesodermalen Epithel umgeben ist und als Flüssigkeitspolster bei vielen Protostomiern die Funktion eines Hydroskeletts übernimmt; Das Coelom wird im Lauf der Ontogenese durch Abfaltung vom Urdarm oder aus besonderen, dem Entoderm oder dem Ektoderm entstammenden mesodermalen Zellen erst etwas später gebildet und verdrängt die primäre Leibeshöhle oft ganz

[12] Wimpern (Zellen): Eukarya-Flagellen, -Geißeln, Cilien

[13] Metanephridien: Enden im Coelom mit einem Wimpertrichter, der Flüssigkeit daraus in den Metanephridialkanal flimmert; Epithelien des Kanals diskriminieren zwischen Bauchbarem, das über sie aufgenommen wird und Unbrauchbaren oder Schädlichem, das über den Nephroporus entsorgt wird

[14] Symmetrieebene: Ebene durch einen Körper, die zwei spiegelbildliche Hälften trennt

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Metanephridie (Tusche, Bleistift, Kreide; Reinhard Agerer)

Ein im Coelom (leicht blau) wirkender Wimpertrichter sammelt die Coelomflüssigkeit und schafft sie dabei in den Kanal (kräftiger blau) der Metanephridie, der in den Nephroporus nach außen mündet. Wimpertrichter und Kanal sind von Coelomepithel umgeben (flache, langestreckte, rote Zellen), wie auch von Zellen der Metanephridie (hohe, mehr oder weniger isodiametrische, rote Zellen). Beide Schichten stammen vom Mesoderm (rot) ab, denn Wimpertrichter und Kanal bilden sich aus einer einzigen (immer? Zumindest bei Anneliden) Zelle des Mesoderms.

Nach Westheide & Rieger (2013), Abb. 270 b, Seite 175

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Brachiopoda, Armfüßer

2 Kreislauf

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Festgezurrt auf dem Gefels,

Stemmt der Stiel, Tentakelstellung[1] zu justier‘n,

Die Schalen weit nach oben,

Waagrecht in der Strömung Lauf.

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Legt an Dicke zu, an Kraft und Länge,

Wenn die Schalenpaare randlich wachsen,

Apatit[2] die Hüllen stärkt und festigt,

Körpermassen neuentstand‘ne Räume füll’n.

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Als Winzling nur gilt Brachiopoden

Der Bryozooen[3] Schlupfpolyp im Fass[4],

Tausende von ihnen wiegen nicht,

Was ein Brachiopode auf die Waage bringt.

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Seine stolze Größe zwingt den Riesen,

Innere Strukturen neu zu überdenken:

Wie bekommen weit verteile Orte Sauerstoff und Nahrung,

Wie regeln sie den Abtransport von CO2?

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Schlitzt Lakunen[5] in die Matrix[6] oberflächennah,

Drückt die Zellen etwas voneinander,

Füllt mit Flüssigkeiten weit verzweigte Spalten,

Spart Tentakel auch nicht aus.

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Was nützt das Lösen vieler Stoffe,

Steht der Saft an Ort und Stelle still?

Getrieben muss er sich bewegen,

Wenn er andern Ortes wirken will.

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Ein langgezog’nes Bläschen mit zwei Anschlussröhrchen

Liegt bereit im Rücken nah des Stiels;

Eingebettet im Coelom[7], mit Körperzellen dicht umhüllt,

Gibt ein schlundumgebendes[8] Gehirn, Befehl zur Kontraktion.

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Zum Kreislauf drückt die Pumpe nun,

Was auch immer die Lakunen füllt,

Holt vom Magen Nährsubtanzen,

Bringt Tentakeln sie vorbei,

Nimmt vom Wasser Sauerstoff,

Führt ihn dann Verdauungszentren zu,

Trägt das unerwünschte CO2 zum Abtransport.

Ein erstes Herz[9] erblickte hier die Welt,                                               

Blut[10] als transportierende Substanz,

Ohne freie Zellen zwar und ohne Rot,

Erfüllt es willig seine Rolle: was gebraucht,

Wird im Kreislauf transportiert!

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Fußnoten

[1] Tentakel (Lophophorata): Hohlorgane mit zweierlei Cilien; randliche Cilien schlagen zwischen den Tentakeln nach außen, Wasser aus dem Tentakeltrichter zu entfernen, damit neues in den Trichter gesaugt wird; Cilien der Tentakelfläche schlagen nach unten hin zum Mund, um Partikel hinzutreiben

[2] Apatit: Sammelbezeichnung für Minerale mit hoher (bis 100%) und frei austauschbarer Konzentration von einfach negativ geladenen Fluor-, Chlor-, beziehungsweise Hydroxylionen. https://www.chemie.de/lexikon/Apatit.html; nähere Erklärungen dort.

[3] Bryozoa: Moostierchen (Lophophorata – Spiralia – Protostomia – Bilateria – Animalia –…)

[4] Sich ins Cystid zurückziehender Polypid

[5] Lakunen (Echtes Gewebe): Flüssigkeitsgefüllte Spalten zwischen Zellen des Gewebes

[6] Matrix: Zwischen festen Teilen (z. B. Zellen oder Fasern) liegende amorphe Substanzen, um Stabilität und Zusammenhalt zu geben

[7] Coelom, Sekundäre Leibeshöhle: Flüssigkeitsgefüllter Hohlraum, der von einem mesodermalen Epithel umgeben ist und als Flüssigkeitspolster bei vielen Protostomiern die Funktion eines Hydroskeletts übernimmt; Das Coelom wird im Lauf der Ontogenese durch Abfaltung vom Urdarm oder aus besonderen, dem Entoderm oder dem Ektoderm entstammenden mesodermalen Zellen erst etwas später gebildet und verdrängt die primäre Leibeshöhle oft ganz

[8] Schlund (allgemein): Trichterförmiger Übergangsbereich am Ende der hinteren Mundhöhle

[9] Herz (allgemein): Hohlorgan als zentrale Druck- und Saugpumpe des Körpers

[10] Blut (allgemein): CO2, O2, Nähr- und Abfallstoffe transportierende Flüssigkeit im Körper eines Tieres

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Oben: Lingula anatina

Im Aquarium

Autor: No machine-readable author provided. Haplochromis 

Lizenz:  Creative Commons Attribution-Share Alike 2.5 Generic license; unverändert

Unten: Schematische Darstellung eines Brachiopoden (Rhynchonelliformea)

Gezeichnet nach Darstellungen aus unterschiedlichen Lehrbüchern

Autor: Gunthram

Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license; unverändert

Armklappe (dorsal): In natürlicher, funktionaler Stellung wäre die kleinere, die dorsale Schale unten, die ventrale folglich oben. – Setae: Borsten – Lophophor: mit Tentakeln. – Nephridium = Metanephridium.

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Oben: (†) Liospiriferina rostrata

Armfüßer mit sichtbarem Lophophor: Unteres Jura, Frankreich

Unten: Terebratalia transversa

Lophophoren mit Tentakeln eines rezenten Brachiopoden

Autor: Alex Heyman

Lizenz: Public domain; unverändert

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Brachiopoda, Armfüßer

3 Sandig

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Kein Platz ist mehr auf festem Grund,

Doch Sedimente[1], freigelegt vom Wasser und gesiebt, füllen flach die Bucht;

Plankton[2] trägt die Meeresströmung hin,

Genug, Brachiopoden zu ernähren.

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Ihr Stiel versinkt bei dem Versuch,

Festen Halt zu fassen ein ins lockre Bett!

Schon drohen ihre Schalen abzutauchen,

Bis zum Öffnungshorizont reicht bereits der Sand.

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Füllt der fast geschloss‘nen Klappen Raum bis hinab zum Grund,

Lingulabis[3] aber, bückt sich vorwärts nach und nach,

Schiebt die Schalen langsam scherend hin und her,

Säubert Mund und Lophophor[4].

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Sinken wollte sie verhindern,

Doch tiefer noch vergräbt sich aussichtslos das Schalentier

Bis der Boden ihr zu hart.

Nur nach oben kann der Weg sie führen.

Verspürt nun Helligkeit erneut,

Schüttelt ab des Sandes letztes Korn,

Lässt den größten Teil des Stieles tief im Boden eingesenkt;

Spielt den Anker, während die Tentakelreusen[5],[6] hoffnungsvoll auf Lauer liegen. –

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Tief im Sand vergraben wartet Ligulabis‘ Schwester:

Nur der Schalenränder Borsten, zu drei Röhren traten sie zusammen,

Lugen frei hinaus ins bodennahe Wasser,

Halten angesaugte Körner fern.

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Durch die äußeren Kanäle,

Strudeln, wie schon lange üblich, Randsaumflimmern

Ständig Wasser mit Mikroben[7] in die Höhle,

Mittig strömt es frisch gefiltert wieder aus.

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Melden Sinneszellen eine Störung,

Zieht sich Anatinas[8] Stiel,

Tief im Sandbett fest verankert,

schrumpelnd rasch zurück,

Nimmt dabei sein größtes Stück

Und festgeschloss‘ne Schalen mit. –

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Die Moral von der Geschicht?

Einen Felsen brauchst du nicht!

Hast du Sand in rauhen Mengen,

Brauchst du nicht herumzuhängen.

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Fußnoten

[1] Sediment: Ablagerungen von Gesteinspartikeln, gelöstem Material oder was aus Pflanzen und Tieren entstanden ist

[2] Plankton: Gesamtheit der im Wasser freischwebenden oder mit geringer Eigenbeweglichkeit schwimmenden, kleineren Organismen, deren Ortswechsel hauptsächlich durch Wasserströmungen vermittelt wird

[3] Lingulabis: Bezeichnung für hypothetischen Vorfahren von Lingula

[4] Lophophor (Lophophorata): Tentakelbesetztes ring-, hufeisen- oder spiralförmiges Hohlorgan, das die hohlen Tentakel mit sich verbindet

[5] Tentakel (Lophophorata): Hohlorgane mit zweierlei Cilien; randliche Cilien schlagen zwischen den Tentakeln nach außen, Wasser aus dem Tentakeltrichter zu entfernen, damit neues in den Trichter gesaugt wird; Cilien der Tentakelfläche schlagen nach unten hin zum Mund, um Partikel hinzutreiben

[6] Reuse (allgemein): Engmaschige Vorrichtung zum Fangen

[7] Mikroben: Mikroskopisch kleine Lebewesen, die einzeln nicht mit bloßem Auge erkennbar sind, zum Beispiel Bakterien und Archäen. Die meisten dieser Mikroorganismen sind Einzeller, zu ihnen zählen jedoch auch wenigzellige Lebewesen (einige Pilze und Algen, viele Amoebozoa, Chromalveolata, Rhizaria und Excavata) entsprechender Größe

[8] Lingula anatina: Zungenmuschel (Brachiopoda – Spiralia – Protostomia – Bilateria – Animalia –…)

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Oben: (†) Cincinnetina meeki

Oberes Ordoviz des südlichen Ohio

Autor: Wilson44691

Lizenz: Public domain; unverändert

(†) Platystrophia ponderosa

Aus dem Ordoviz

Autor: Wilson44691

Lizenz: Gemeinfrei; unverändert

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Brachiopoda, Armfüßer

4 Verarmt

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Der Brachiopoden Schalen, mineralisch verstärkt,

Mit Zuwachszonen konzentrisch geschmückt,

Nur in einer Verwandtschaft von dünnen,

Dann und wann mit wenig verzweigten Kanälen durchzogen,

Zeigen nicht selten im Innern bizarre Gerüste fein filigraner Grate als

Haltestrukturen des Lophophors[1].

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Organische Anteile der Armfüßer Schalen verrotten sehr bald,

Doch calcit-[2] und apatitimprägnierte[3] Klappen

Bleiben über Hunderte Millionen Jahre, eingebettet in

Vormals gelösten Substanzen, unverändert erhalten.

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Artcharakteristika, in Fomen und Mustern verborgen,

Geben Auskunft über Alter und Diversität

Der Spezies lang verflossenen Zeiten

Vom Unteren Ordoviz[4] bis ins Quartär[5].

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Heutige Lingula[6]-Arten gleichen täuschend

Vorfahren aus frühkambrischer[7] Zeit.

Doch abwechslungsreiche Schalenkonturen und -muster

Deuten auf größere Vielfalt in lang vergang‘nen Epochen hin.

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Mehr als dreißigtausend unterschiedliche Schalentypen

Sprechen für ähnliche Zahlen an Arten.

Auch wenn sich das Muster der Grate im Laufe der Ontognese[8] etwas verändert,

Repräsentieren die dreihundertundachtzig heutigen Arten nur einen kläglichen Rest.

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Warum zogen Brachiopoden im Vergleich zu Bryozooen

Im Verlauf der Evolution das kürzere Los?

War es ihr Einzelleben,

Fehlende Kooperation,

Zu geringer Einsatz für nachkommensichernde Pflege,

Oder waren sie schlichtweg zu groß,

Ungesehen, unbeschadet von Feinden,

Durchs exponierte Leben zu geh’n?

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Fußnoten

[1] Lophophor (Lophophorata): Tentakelbesetztes ring-, hufeisen- oder spiralförmiges Hohlorgan, das die hohlen Tentakel mit sich verbindet

[2] Calcit, Kalkspat: [Calciumcarbonat, CaCO3]; Mineral der wasserfreien Carbonate ohne fremde Anionen, kristallisiert im trigonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Ca[CO3]; https://www.chemie.de/lexikon/Calcit.html; nähere Erklärung dort

[3] Apatit: Sammelbezeichnung für Minerale mit hoher (bis 100%) und frei austauschbarer Konzentration von einfach negativ geladenen Fluor-, Chlor-, beziehungsweise Hydroxylionen. https://www.chemie.de/lexikon/Apatit.html; nähere Erklärungen dort.

[4] Ordoviz-Zeit: vor ca. 488 – 444 Millionen Jahren

[5] Quartär-Zeit: vor ca. 2,6 Millionen Jahren bis heute (Pleistozän + Holozän)

[6] Lingula (Brachiopoda – Lophophorata – Spiralia – Protostomia – Bilateria –…)

[7] Kambrium-Zeit: vor 542 – 488 Millionen Jahren

[8] Ontogenese (oft Ontogenie): Vorgang der Entwicklung des Individuums von der Zygote ab

Eingestellt am 20. Juni 2026

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Endpunkt erreicht