zum Glossar mit Abbildungsverweisen über: 

Cryphonectriaceae, Verstecktkugelpilze

1 Schicksalsjahre (AP,TP)

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In Japan war sie zu Hause, in Wäldern versteckt,

Wollte ein bisschen nur von Überflüssen sich nehmen,

Von der Zackenkastanie[1] einen Anteil sich holen,

In ihrer Rinde eingehegt nistend, bescheiden, damit sich niemand erregt.

Aus langer Erfahrung hielt Crenata den kleinen Räuber[2] in Schach,

Ließ ihn gewähren, lebte trotzdem recht gut.

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Doch nach Crenatas Reise über das Meer

Zu Amerikas Nordkontinent,

Sprang er heimlich aus ihrer Borke[3],

Siedelte dort als Neuankömmling Neunzehnnullvier[4].

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Crenata war längst schon mitsamt ihren Wunden

In Nordamerikas Weiten verschwunden;

Doch des Räubers Nachkommen fanden, nicht lange mussten sie suchen,

In Castanea dentata[5] unvermittelt Ersatz.

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Gegenwehr bleibt dem Schmarotzer[6] erspart!

Reißt Dentata[7] mit Krebs in den Tod,

Zerstört des Kambiums[8] Aktivität

Um Zweig, um Ast, rund um den Stamm.

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Zur Not treibt sie, für Verlor‘nes Ersatz zu beschaffen,

Schösslinge[9] unter der wuchernden Narbe.

Wollte der Trieb zum Ast sich verstärken,

Kommt Parasiticus[10] wiederum tötend daher.

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Zum Busch nur lässt er Dentata sich formen!

Nach fünfzig Jahren ragt kein stolzer Baum mehr empor,

Früchte[11] für neue Generationen zu streuen.

Dentata ist gleichsam am Boden zerstört!

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Doch der Schmarotzer reiste erneut übers Meer!

Kommt Neunzehndreiacht[12] in Genua[13] an,

Findet Sativa[14] in Wäldern südlicher Länder,

Treibt sein Unwesen hier, breitet sich aus.

Dezimiert der Esskastanie[15] stolze Bestände.

Manche Schmarotzer fangen Doppelstrang-DNA[16] sich ein!

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Sie zähmt des Wilden Gehabe

Durch des Virus‘[17] Aktivität,

Lässt den Schmarotzer, ein wenig nur nehmen

Bis der Baum ihn endlich verdrängt:

Die Wunde verheilt und vernarbt. –

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Hypovirulent[18] nennen Phytomediziner[19] dieses Verhalten,

Wenn der Aggressor[20] nur matt sich erweist.

Gewinnen heute virusbefallene Stämme,

Bringen an befallenen Bäumen sie aus!

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Trifft der Gezähmte eines Wildernden Hyphen[21],

Schleust er, Anastomosen[22] bilden die Brücke,

Virus RNA[23] in den anderen ein,

Zähmt auch ihn zum Vorteil des Baums.

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Sporen verbreiten in hohen Raten das Virus,

Vermindern des Hochvirulenten konidien- und sporenbildende Aktivität,

Geben Sativa[24] die nötige Freiheit zurück,

Maronen[25] zu bilden für den Genuss.

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Nicht alle Parasitica[26]-Stämme wollen Anastomosen mit dem trojanischen Pferd[27]!

In alle Kompatibiliätsgruppen[28], Dutzende sind den Forschern bekannt,
Gilt es, hypovirulente Viren zu schleusen.

Nur so werden Castanea sativas Bestände saniert.

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Fußnoten

[1] Japanische Esskastanie, Zackenkastanie: Castanea crenata (Fagaceae – Fagales – ZyFaRoFaCu-Verwandtschaft – Rosanae – Rosidae -…)

[2] Parasit, Schmarotzer: Ein Organismus lebt auf Kosten eines anderen.

[3] Borke: Äußerste, tertiär entstandene Abschlussschicht an Bäumen; Korkschichten trennen, um entstandene Risse zum lebenden Gewebe hin wieder abzudichten, Teile des Bastes ab, die danach absterben und artabhängig in unterschiedlichen Formen abblättern; sekundäres Abschlussgewebe ist Rinde; primäres die Epidermis

[4] 1904

[5] Castanea dentata: Amerikanische Esskastanie (Fagaceae – Fagales – ZyFaRoFaCu-Verwandtschaft – Rosanae – Rosidae -…)

[6] Parasit

[7] Castanea dentata

[8] Kambium: Dünne, zylindrische Wachstumsschicht in Bäumen und anderen holzigen Pflanzen; liegt als Meristem (Bildungsgewebe, Stammzellengewebe) zwischen der Rinde (Bast) und Holzkörper

[9] Schössling: Lang hervorgewachsener, junger, noch unverzweigter Trieb eines Baumes; von Ast, Stamm oder Wurzel ausgehend

[10] Cryphonectria parasitica: Kastanienrindenkrebspilz (Cryphonectriaceae – Sordariomycetidae – Sordariomycetes – Perithecienascomycota – Unitunicate Ascomycota -…)

[11] Esskastanien, Maronen: Früchte verschiedener Esskastanien (Castanea spp.)

[12] 1938

[13] Genua/Italien

[14] Castanea sativa: Europäische Esskastanie (Fagaceae – Fagales – ZyFaRoFaCu-Verwandtschaft – Rosanae – Rosidae -…)

[15] Europäische Esskastanie

[16] DNA (=DNS): Desoxyribonucleinic Acid, Desoxyribonukleinsäure; mit einer reduzierten Ribose; das [–OH] am C2 der Ribose fehlt; Baustein der Erbinformation

[17] Viren: (Viri – Bacteria)

[18] Hypovirulent: Ist ein Pathogen (Virus, Bakterium oder Pilz) mit reduzierter oder geschwächter Fähigkeit, eine Krankheit an seinem Wirt hervorzurufen

[19] Phytomediziner: Arzt für Pflanzenkrankheiten

[20] Parasit

[21] Hyphen (Pilze): Einzellreihige, zellwandumgebene Fäden von Pilzen mit Spitzenwachstum, mit oder ohne Querwände

[22] Anastomosen (allgemein): Stellen sekundär miteinander verbundener Röhren oder hohler Trichome

[23] RNA (=RNS): Ribonucleinic acid, Ribonucleinsäure; Transporteur der Erbinformation in verschiedenen Ausführungen

[24] Castanea sativa

[25] Maronen

[26] Cyphonectria parasitica

[27] Trojanisches Pferd (hier im übertragenen Sinn gebraucht): Das Trojanische Pferd stammt aus der griechischen Mythologie und ist eine berühmte List aus dem Trojanischen Krieg, die vermutlich auf den Dichter Homer zurückgeht. Odysseus ließ ein riesiges, hohles Holzpferd bauen, in dem sich griechische Soldaten versteckten, während die Armee vortäuschte abzuziehen. Die Trojaner holten das vermeintliche Geschenk in ihre Stadt, was deren Untergang besiegelte.

[28] Kompatibel: zueinanderpassend; sexuell verträglich

Eingestellt am 24. Oktober 2026

Cryphonectria parasitica, Kastanienkrebs (Originale; Reinhard Agerer)

Hintergrundbild: Absterbende und abgestorbene Äste der Europäischen Esskastanie.

Oberer Einsatz: Aufbrechende Krebswunde eines Astes und Stromatapusteln mit eingesenkten Perithecien.

Unterer Einsatz: Vertrocknende Krebswunde eines Astes

Eingestellt am 24. Oktober 2026

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Cryphonectriaceae, Verstecktkugelpilze

2 Der Schmarotzer (AP)

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Breiflächig durchwuchert Mycel[1] des Kambiums[2] Zone,

Verzehrt jungfräuliche Zellen mitsamt protein- und zuckerleitenden Bahnen[3],[4];

Durchpolstert der Borke[5] krebsige Narben mit Stroma[6],

Sorgt doppelt für Cryphonectrias[7] Nachkommen Glück.

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Perithecien[8], langhalsig, in der Tiefe geboren,

Lassen zentral die Asci flottieren,

Schießen in jegliche Richtung die Sporen;

Warum auch nicht?

Werden doch alle, wenn sie versammelt,

Durch des Fruchtkörpers Hals am Ende geschoben.

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Nebenfruchtkörper[9], Perithecien recht ähnlich,

Doch der Konidien wegen Pycniden[10] genannt,

Sitzen gleichfalls im Stroma, pressen Minikonidien[11] zu

Cirren[12] vereint, durch die enge Mündung nach außen.

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Schleim klebt sie zu Fäden,

Insekten[13] zu locken als wehende Fahnen;

Auch der Stromata leuchtend Orange,

Gibt ihnen hilfreichen Wink.

An Wunden, wenn sie Säfte entnehmen,

Legen sie Sporen, wie Konidien, beiläufig ab. –

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Warten Ascogone[14] vergeblich auf Antheridiendienste[15],

Nehmen sie gerne Konidien an ihrer Stelle

Als Vehikel für den männlichen Kern;

Funktionieren so zu Spermatien[16] sie um.

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Fußnoten

[1] Mycel: Gesamtheit dicht oft wachender Hyphen

[2] Kambium: Dünne, zylindrische Wachstumsschicht in Bäumen und anderen holzigen Pflanzen; liegt als Meristem (Bildungsgewebe, Stammzellengewebe) zwischen der Rinde (Bast) und Holzkörper

[3] Siebröhren (Bedecktsamer): Sind ein hochspezialisiertes, kontinuierliches System aus aneinandergereihten, weitlumigen, kernlosen Siebröhrengliedern mit großer Zahl von Siebplatten in den hier quergestellten Querwänden, die einen schnellen Transport im Röhrensystem mit Hilfe von Geleitzellen ermöglichen

[4] Geleitzellen (Bedecktsamer): Kleine parenchymatische Zellen, Schwesterzellen der Siebzellen; enthalten einen Zellkern, zahlreiche Mitochondrien und ER; sind über Plasmodesmen mit den Siebzellen (Siebröhren) verbunden; viele, wenn nicht alle der Siebröhren-Proteine werden in den Geleitzellen synthetisiert

[5] Borke: Äußerste, tertiär entstandene Abschlussschicht an Bäumen; Korkschichten trennen, um entstandene Risse zum lebenden Gewebe hin wieder abzudichten, Teile des Bastes ab, die danach absterben und artabhängig in unterschiedlichen Formen abblättern; sekundäres Abschlussgewebe ist Rinde; primäres die Epidermis. 

[6] Stroma (Pezizomycotina): Steriles, dichtes, mitunter überdauerungsfähiges Hyphengeflecht, aus, auf oder in dem Fruchtkörper entstehen

[7] Cryphonectria parasitica: Kastanienrindenkrebspilz (Cryphonectriaceae – Sordariomycetidae – Sordariomycetes – Perithecienascomycota – Unitunicate Ascomycota -…)

[8] Perithecium, Krugförmiger Fruchtkörper, (Pezizomycotina): Bauchig-flaschenförmiger Fruchtkörper (wie eine Chianti-Flasche) mit enger Mündung, durch die sich streckende Asci Sporen in die Umwelt schießen, oder durch die im Innern abgeschossene Sporen allmählich nach außen gedrückt werden

[9] Nebenkreislauf, Nebenfruchtform: Eine asexuelle Vermehrung, die nicht direkt in den Entwicklungskreislauf (Hauptkreislauf, Hauptfruchtform) eingeschaltet ist, sondern für eine seiner Phasen der schnellen, oft explosionsartigen Vermehrung dient

[10] Pycniden, Spermogonien (Fungi): Krugförmige Behälter für Konidien oder Spermatien

[11] Konidie: Asexuell und nach außen gebildete Verbreitungseinheit, die mit einer Hyphe oder hefeartig keimt

[12] Cirren (Fungi): Zu langen Fäden zusammenhängende Konidien oder Sporen

[13] Insekten: Hexapoda (Tetraconata – Mandibulata – Arthropoda – Panarthropoda – Ecdysozoa –…)

Inselethnien: Menschengruppe (insbesondere Stamm oder Volk) mit einheitlicher Kultur auf Inseln beschränkt

[14] Ascogon: Ein meist bauchiges, vielkerniges weibliches Gametangium, das mit einem Fortsatz dem männlichen Gametangium es erleichtert, es zu umschlingen, um an einer Stelle die trennenden Zellwände für Plasmogamie aufzulösen

[15] Antheridium (Ascomycota): Männliches Gametangium, das seine Kerne in das weibliche einspeist

[16] Spermatien: Unbegeißelte männliche Fortpflanzungszellen (Gameten, bei Rhodophyta, bei manchen Pezizomycotina und Pucciniomycetes)

Eingestellt am 24. Oktober 2026

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Endpunkt erreicht!