zum Glossar mit Abbildungsverweisen über:

Lecanoromycetes, Flechten schlechthin
1 Lasst euch umschlingen (HP)
.
Unruhig leckte und stürmte das Meer,
Gab verflossenes Leben dem trostlosen Land,
Zum Vorteil von Pilzen, dort wo
Feuchte sich hielt in Mulden zertrümmerten Felsengesteins.
.
Lang schon lebten Algen in ihrer Nähe,
Mit spritzend-schäumendem Wasser
Dem Schütteln der ewigen Strömung entkommen;
Verwelkten, vertrockneten oft am sonnenbestrahlten Gestürz.
.
Doch an Rändern feucht gehaltener Klüfte,
Zur trockenfallenden Urlandschaft hin,
Fanden sie fädige Wesen[1], die, sie umhüllend, am Leben erhielten:
Aus Wohlfühlland kommend, geizten mit Feuchte sie nicht.
.
Verquellende Wände einzellig lebender Algen,
Lockten Pilze, ständig auf Suche nach Nahrung,
So als wäre es Absicht, heran;
Ließen sie, wer wollte sie hindern, gewähren,
Denn ihr Innerstes[4] blieb noch immer tabu.
.
Gewinnen auch sie durch ihre Tat,
Nehmen, was leckt, für sich gerne hin,
Erweitern ihr – gleichfalls der Alge – Siedlungsgebiet.
.
So führten vielleicht schon zu kambrischen Zeiten[7]
Der Beiden Treffen zum globalen Erfolg.
Dieser Weg, von Pilzen des Öftern beschritten,
Blieb, wen wundert’s, bis heute erhalten,
Auch wenn die ersten Versuche, Flechten[8] zu bilden,
Längst spurlos verschwanden, vielleicht verliefen im Sand.
.
Eine Verwandtschaft freilich, wenn dies auch viele vermochten,
Kam, bevor sie mit Hilfe der Algen sich differenzierte,
Schon früh auf diese geniale Idee!
Lecanoromycetes besiedeln alles, was es auch gibt!
.
Fußnoten
[1] Ascomycota: Schlauchpilze (Dikarya – Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi – Opisthokonta – Eukarya)
[2] Grünalgen i.w.S.: Chlorophyta (Plantae – Eukarya)
[3] Blaualgen: Cyanobacteria (Bacteria)
[4] Was innerhalb des Plasmalemmas liegt
[5] Algen: Eine organismenreichübergreifende Bezeichnung für überwiegend im Wasser lebende, grüne Thallophyten, deren Vegetationskörper also nicht in Wurzel, Sprossachse und Blätter organisiert ist
[6] Chloroplast (allgemein): Zur Fotosynthese befähigter, grüner Chromatophor
[7] Kambrium-Zeit: vor 542 – 488 Millionen Jahren
[8] Flechten: Symbiosen aus Pilzen und Algen
Eingestellt am 24. Oktober 2026
.

Lecanoromycetes, Flechten schlechthin
2 Thalli (TP)
.
Anfangs wohl, wie auch heute noch einzelne Flechten,
Erhielten Thalli[1] der Algenversammlung Gestalt,
Falls ihre Zellen, wenn zeitweise feucht die Umgebung,
Mit mächtigen Schleimen zu größeren Gruppen vereint.
.
Wenn zu lange trocken die Felsen,
Wasser ephemer nur die beiden benetzt,
Überziehen Hyphen in dünner, geschlossener Schicht
Die Kohlenhydrate liefernden Partner;
Pressen sich fest als Kruste[2] dem Untergrund an,
Lockern substratnah ihr Hyphengeflecht,
Um Wasser, wenn in Mengen wieder verfügbar,
Zu speichern für Algen und sich.
.
Ja nicht die Grünen[3] zu sehr beschirmen,
Damit untertags nicht Produktionstopp[4] erfolgt;
Ein Zuviel an Sonne kann aber zerstörerisch wirken,
Wenn dadurch der Algen Enzyme[5] werden zerstört.
.
Pigmente verschiedener Art schützen vor zu hoher Strahlung.
Besteht aber Mangel an Sonne und Wärme,
Wie im Norden und Süden und im alpinen[6] Bereich,
Bleiben nicht wenige dunkel, fangen Celsiusgrade[7] sich ein.
.
Viele wanken am Grat, zwischen Charybdis und Scylla[8],
Vor zu starker Strahlung zu schützen und
Doch die Algen kaum zu beschatten:
Geben knapp unter der schützenden Hülle[9] dem Partner den lichtnächsten Ort.
.
Manche heben am Rande sich ab,
Ähneln gekräuseltem Laub[10],
Verankern sich mit Bündeln von Hyphen,
Bieten dem Partner von mehreren Seiten sonnigen Platz.
.
Berinden[11], denn isolierender Untergrund fehlt ihnen nun,
Auch ihre untere Seite mit dickwandigen Zellen der Hyphen;
Lassen für Austausch von Gasen,
Auch, um rasch an Wasser zu kommen,
Wenn es tropft, nebelt oder gar fließt,
Einige dünnere Durchlässe frei.
.
Leben sie eng versammelt in bodenfeuchten Klimaten,
– Rentieren[14], Kranzbindern und Modelleisenbahnbauern zur Freude –
Sparen, Zweige und Stämmchen höhlend, Material,
Um zugleich Biegestabilität als Rohr[15] zu erzielen,
.
In dauernebelluftfeuchten Gebieten
Hängen Bärte[18] oft meterlang den Bäumen herab;
Armieren[19] ihr Zentrum durch einen Strang,
Erreichen Zugstabilität[20] so gegen Wind.
.
Fußnoten
[1] Flechtenthallus: Algenumgebendes Hyphengeflecht unterschiedlichster Formen, auf/in dem die Fruchtkörper der Flechte (des Pilzes) entstehen
[2] Krustenflechten: Flechten, bei denen der Thallus flächig, krustenartig und lückenlos fest mit der Unterlage verwachsen ist
[3] Algen: Eine organismenreichübergreifende Bezeichnung für überwiegend im Wasser lebende, grüne Thallophyten, deren Vegetationskörper also nicht in Wurzel, Sprossachse und Blätter organisiert ist
[4] Fotosynthese
[5] Enzym: Protein, das, an spezielle Moleküle angepasst, Synthese oder Abbau katalysiert. Meistens werden mehrere Enzyme zu einem Komplex verbunden, um eine räumliche Nähe zwischen den einzelnen, aufeinanderfolgenden Syntheseschritten herzustellen
[6] Alpin (Vegetationszone): Klimazone zwischen der Baumgrenze und der von Schnee bedecken Zone
[7] Wärme
[8] Zwischen Scylla und Charybdis: Berühmte Redewendung aus der Griechischen Mythologie, die eine Zwickmühle oder ein schweres Dilemma beschreibt: Man muss zwischen zwei Gefahren wählen, von denen jede unweigerlich zu Schaden oder zum Verlust führt
[9] Aus Hyphen
[10] Laubflechten: Flechten, die flach, blattartig und lappig auf einem Untergrund wenig verbunden wachsen
[11] Rinde (Flechtenthallus): Schützende Außenschicht des Pilzpartners, die aus einem dichten Geflecht von Pilzfäden besteht; sie schützt die Flechte vor starkem Licht und Austrocknung
[12] Strauchflechten: Flechten, die sich strauchförmig, ästig verzweigt oder bartartig vom Untergrund erheben
[13] Flechten: Symbiosen aus Pilzen und Algen
[14] Ren: Rangifer tarandus (Capreolini – Telemetacarpalia – Cervidae – Pecora – Ruminantia –…)
[15] Röhrenstabilität, Biegestabilität: Bewirkt Stabilität gegen Verbiegen, werden dabei doch die verfestigenden Elemente an den Rand verlegt; im Gegensatz zur Zugstabilität, bei der die festigenden Elemente im Zentrum angeordnet sind. Auch Statiker berücksichtigen diese Prinzipien
[16] Apothecium, Schüsselförmiger Fruchtkörper (Pezizomycotina): Fruchtkörper mit weiter Öffnung für das Hymenium (wie die konkave Seite einer Schüssel), so dass Asci ihre Sporen ungehindert in die Umgebung schießen können
[17] Freiheit nach außen zu geben
[18] Bartflechten: Hängende Strauchflechten
[19] Armierung: Verstärkung, die einem Bauteil mehr Stabilität verleiht, indem sie es widerstandsfähiger gegen Zugspannungen macht.
[20] Zugstabilität: Bewirkt Stabilität gegen Zug, werden dabei doch die verfestigenden Elemente ins Zentrum verlegt; im Gegensatz zur Röhrenstabilität, bei der die festigenden Elemente am Rand angeordnet sind. Auch Statiker berücksichtigen diese Prinzipien
Eingestellt am 24. Oktober 2026

Organisationsstufen der Lecanorales (Originale; Reinhard Agerer)
Links oben: Krustenflechten-Gesellschaft auf Silikatgestein (gelbe und rotbraune u.a., Krustenflechten)
Rechts oben: Laubflechte Xanthoria parietina (Wand-Gelbflechte)
Mitte links und rechts: Bartflechtenbehangene (Usnea sp.; Bartflechte) Bäume auf Madeira; rechts Flechtenbart, und -haare
Unten links und rechts: Strauchflechten; links Cladonia portentosa (Ebenästige Rentierflechte), rechts Cladonia fimbriata (Trompetenflechte
Eingestellt am 24. Oktober 2026
.

Lecanoromycetes, Flechten schlechthin
3 Algenpartner (TP)
.
Vielleicht waren es doch Cyanobacterien[1], mit denen
Am Spülsaum des Meeres sich trafen,
Um mit Algen, voll äußeren Schleimen,
Das Land zu besiedeln,
Gemeinsame Wege zu geh’n.
.
Eine kleine Gruppe von Flechten, Lichinomycetes[6],
Nach DNA-Sequenzen basal zu Lecanoromycetes,
– Gar nicht weit von Leotiomycetes[7] entfernt –
Fristet auf Sanden arider[8], auch halbtrockner Gebiete,
Zu Biofilmen[9] und Krusten vereint, ihr Leben,
Halten, die Krume[10] verbackend, das Lockere dort.
.
Meist undifferenziert erweisen sich ihre Thalli[11],
Mit Blaualgen[12] von oben bis unten durchsetzt,
Mit Apothecien[13] und Asci einfachen Typs;
Sie bewahrten ihr Leben an ursprünglich wirkendem Ort.
.
Nahmen mit Cyanobacterien, ihrer gallertigen Zellwände wegen, vorlieb,
Achteten nicht auf beschränkt nur Zucker liefernde Leistung,
Weil Chlorophyll a[14] nur geringeren Ausschnitt
Des Lichtes Spektrum erzielt.
.
Lecanoromycetes wechselten bald zu Grünalgen[15] mit
Chlorophyll a und b[16] im Bestand,
Erhöhten die Chancen als Pioniere zu wirken
Mit ihrer Zuckerernährung Potential.
.
Nur eine der Sippen wechselte wieder zu Cyanobacterien;
Andere holten, wenn doch vollständig grün,
An einigen Stellen des Thallus sie wieder der Vorteile wegen
Durch die keine der grünen Algen[17] besticht.
.
Nur Blaualgen gelingt es, wie allen Prokaryoten[18],
Stickstoff der Luft[19] zu fixieren für den internen Gebrauch.
Erlauben Flechten[20] auch dort noch zu leben,
Wo Stickstoff im Mangel oder vollkommen verarmt.
.
Vom Ursprung an blieb diese Klasse Algen verbunden,
Nur wenige gaben die Zweisamkeit auf;
Sie wollten dennoch nicht ganz davon lassen,
Leben mitunter auf anderer Flechten Thalli – wie? – als Parasit[21].
.
Fußnoten
[1] Cyanobacteria: Blaualgen (Bacteria)
[2] Ascomycota: Schlauchpilze (Dikarya – Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi – Opisthokonta – Eukarya)
[3] Sand: Gesteinspartikel zwischen 2 und 0,06 mm Größe
[4] Grus: zerbröckeltes, körniges Gestein
[5] Schluff: Gesteinspartikel zwischen 0,06 und 0,002 mm Größe
[6] Lichinomycetes; nicht separat behandelt: (Apothecienascomycota – Unitunicate Ascomycota – Inoperculate Ascomycota – Pezizomycotina –…)
[7] Leotiomycetes: Gallertkäppchenartige i.w.S. (Apothecienascomycota – Unitunicate Ascomycota – Inoperculate Ascomycota – Pezizomycotina – Ascomycota –…)
[8] Arid: Sehr trocken, fehlende Feuchtigkeit, lebensfeindlich
[9] Biofilme: Dünne, meist geschlossene Schichten aus verschiedenen Mikroorganismen
[10] Krume (allgemein): lockere, obere Bodenschicht
[11] Flechtenthallus: Algenumgebendes Hyphengeflecht unterschiedlichster Formen, auf/in dem die Fruchtkörper der Flechte (des Pilzes) entstehen
[12] Blaualgen: Cyanobacteria (Bacteria)
[13] Apothecium, Schüsselförmiger Fruchtkörper (Pezizomycotina): Fruchtkörper mit weiter Öffnung für das Hymenium (wie die konkave Seite einer Schüssel), so dass Asci ihre Sporen ungehindert in die Umgebung schießen können
[14] Chlorophyll a: Bestehend aus Porphyrinringsystem mit angehängtem Phytolrest, besitzt am Kohlenstoff in Position 7 des Porphyrinringsystems eine Methylgruppe [–CH3] und am Kohlenstoff in Position 8 eine Ethylgruppe [–CH2CH3]. Es unterscheidet sich vom „Bakteriengrün“ durch bestimmte Seitenmoleküle am Porphyrinringsystem. Innerhalb der Bacteria besitzen nur die Cyanobacteria (Blaualgen) den Chlorophylltyp a
[15] Grünalgen i.w.S.: Chlorophyta (Plantae – Eukarya)
[16] Chlorophyll b: Bestehend aus Porphyrinringsystem mit angehängtem Phytolrest, besitzt am Kohlenstoff in Position 7 des Porphyrinringsystems eine Methylgruppe [–CH3] und am Kohlenstoff in Position 8 eine Aldehydgruppe [–CHO]
[17] Grünalgen
[18] Prokaryot, Prokaryont: Organismus, der keinen echten Zellkern besitzt, sondern einfache, meist ringförmige Chromosomen frei in einem zentralen Bereich liegen hat
[19] N2: Molekularer Stickstoff
[20] Flechten: Symbiosen aus Pilzen und Algen
[21] Parasit, Schmarotzer: Ein Organismus lebt auf Kosten eines anderen
Eingestellt am 24. Oktober 2026
.

Lecanoromycetes, Flechten schlechthin
4 Auf Gedeih und Verderb (TP)
.
Wie oft wohl scheiterten Flechtensymbiosen[1] in grauen Vorzeiten schon
Als Sporen, an Stellen ohne organische Nahrung gelandet, bald keimten und
Nicht mehr rechtzeitig, bevor sie verdarben, sich
Partner umarmten für ein Leben als Paar.
.
Vielleicht waren sie gar nicht gerüstet,
Weil zu trocken der letztlich gefundene Ort,
Sporen weit offener Schüsseln[2]
Gaben vor trocknem Verderben zu wenig Schutz.
.
Als erstes Mittel, Asci wirksam zu hegen,
Vereinten Paraphysenköpfe[3] sich zur dicken, geschlossenen Schicht;
Schieden wasserhaltende Schleime,
Das Hymenium bedeckend, als Schutzschichten[4] aus,
Hielten Asci für lange im feuchten Milieu,
Umgaben sich anfangs duckende Schläuche
Mit ihren wasserhaltenden Fäden,
Bis die Sporen geformt und gereift.
.
Erst dann, seitlich drückend beengt,
Dehnen sie sich in Länge,
Durchbrechen die bergende Decke und
Schießen wie üblich die Sporen davon.
.
Auch die Ascuswand wird oftmals am Scheitel verstärkt,
Wasserverluste noch mehr zu begrenzen;
Versuchen nicht selten Nachteile auszugleichen durch Polysporie[5],
Um, wenn ein Ascus einmal zur reifenden Ruhe gelangt,
Gleich Dutzende Sporen ins Freie zu geben,
Nach dem einfachen Motto: viele mögen verlieren, doch gewinnt[6] eine sicherlich.
.
Apothecien zum Schutz in den Thallus[7] zu senken,
Ist oftmals Methode der Wahl;
Umgeben von Wasserspeichergeflechten,
Bleiben Asci und Sporen am Leben, auch wenn trocken der Hang[8].
.
Doch zum Vorteil der Sporenbefreiung
Werden Apothecien gern exponiert:
Schützend folgt ihnen der Thallus,
Umgibt sie mit kräftiger Wand.
.
Wer auf Zufall sich nur verlässt,
Sporen würden an ihrer Landestelle schon
Richtige Partner bekommen,
Setzt seine Existenz wahrhaftig aufs Spiel!
Vielleicht kommen sie ganz in der Nähe von Flechten zu liegen,
Genau mit den Algen ihres Geschmacks,
Brauchen, sofern ihr Besitzer es ihnen gewährt,
Nur zuzugreifen, schon sind sie am Ziel.
.
Viele nehmen als ewige Partner ihr
Schicksal selbst in die Hand,
Brechen zu Bröseln – Hyphen umballen wenige Algen[9] –
Den Thallus mehlstaubig auf,
Lassen Soredien von Wind als unzertrennbare Partner vertragen.
Treffen sie auf, legen sie los!
Der Pilz formt den Thallus wie schon zuvor,
Mitgekommene Algen teilen sich laufend,
Begeben sich in des Pilzes Schutz,
Verzichten – warum wohl? – oft für immer auf Sex.
.
Andere übersäen mit Stiften, Isidien[10], die Flechte,
Hoffen auf Bahn sich brechende Tiere,
Auf fallende Zweige, auf kräftige Tropfen;
Nabeln sich ab, landen irgendwo,
Beginnen, die Partner liegen beisammen, aktives neues Leben,
Differenzieren allmählich zur erwachsenen Flechte sich.
.
Fußnoten
[1] Flechten: Symbiosen aus Pilzen und Algen
[2] Apothecium, Schüsselförmiger Fruchtkörper (Pezizomycotina): Fruchtkörper mit weiter Öffnung für das Hymenium (wie die konkave Seite einer Schüssel), so dass Asci ihre Sporen ungehindert in die Umgebung schießen können
[3] Paraphysen (Pezizomycotina): Sterile, gametophytische (haploide), zum Teil speziell gestaltete, zwischen den Asci stehende Hyphen, die mitunter an ihrem apikalen Ende verbreitert sind und so eine Schutzschicht über den sich entwickelnden Asci bilden, die von ihnen bei Reife durchstoßen wird, um die Sporen unbehindert abschießen zu können
[4] Epithecium (Apothecienascomycota): Feste, oft gefärbte Deckschicht über dem Hymenium)bei bestimmten Pilzen und Flechten; es entsteht als äußere Schutzschicht dadurch, dass die Enden der Paraphysen, die über die Asci hinausragen, miteinander verwachsen und verschleimen
[5] Polysporie: Wenn nicht nur eine Mitose nach der Reduktionsteilung erfolgt, sondern mehrere, dann wird die Kernzahl jeweils verdoppelt und demensprechend entstehen statt acht Sporen ein Vielfaches davon
[6] Risikominimieren, Risikostreuen: Ein entscheidendes Prinzip der Evolution. Um Verluste an möglichen Nachkommen möglichst zu reduzieren, haben sich erfolgversprechende Strategien entwickelt; z. B. Risikostreuen, was bedeutet, nicht alles auf eine Karte zu setzen, nicht alle Sporen, Samen oder Früchte, auf einmal reifen zu lassen und in einem Schub zu verbreiten. Zeitliche Streuung z. B. erhöht die Wahrscheinlichkeit, günstige Zeiten für die Verbreitung durch Vektoren zu treffen, oder Perioden für günstiges Wachstum oder fürs Überleben, etc. Freilich wird dabei während eines Zeitpunktes die Menge der Verbreitungseinheiten geringer, doch am Ende wird sich diese Strategie evolutiv für den Organismus lohnen. Wenn aber Organismen fürs Wachstum auf zeitlich beschränktes Vorkommen günstiger Bedingungen angewiesen sind, wird eine explosionsartige Vermehrung die günstigste Lösung sein; in diesem Zusammenhang sind dann schnell reagierende Nebenfruchtformen mit ihren asexuell entstandenen Verbreitungseinheiten von Vorteil, z. B. dann, wenn ein Substrat (Stärke, Zucker, Partner eines Symbionten, Wirt eines Parasiten) stark umworben ist oder nur kurzzeitig zur Verfügung steht. Dieses Risikostreuen ist vergleichbar mit der Risikominimierung, die Aktieninhaber anwenden, wenn sie unterschiedlichste Aktien in ihrem Portfolio sammeln.
[7] Flechtenthallus: Algenumgebendes Hyphengeflecht unterschiedlichster Formen, auf/in dem die Fruchtkörper der Flechte (des Pilzes) entstehen
[8] Berghang
[9] Soredien: Winzige, mehlige oder körnige Päckchen aus Algenzellen und Pilzfäden, die der ungeschlechtlichen Vermehrung von Flechten dienen
[10] Isidien: Kleine, berindete, meist stiftförmige Auswüchse auf der Oberfläche von Flechten, die der ungeschlechtlichen Fortpflanzung dienen
Eingestellt am 24. Oktober 2026

Aufbau einer Flechte mit Apothecien am Beispiel von Xanthoria parietina; Wand-Gelbflechte ;(Original und ppt; Reinhard Agerer)
Hintergrundbild: Xanthoria parietina (Wand-Gelbflechte), Laubflechte mit Apothecien.
Schematischer Schnitt durch Thallus und Apothecium: Vierschichtig (s. abgrenzende Linien) ist der Thallus aufgebaut mit Oberer Rinde (engschließende Hyphen als Schutz vor Vertrocknen, mit Pigmenten als Schutz vor zu starker Sonneneinstrahlung), Algenschicht darunter (zum Licht hinorientiert), Medulla (lockere Hyphenschicht zum Speichern von Wasser und Reserven), Untere Rinde als nicht zu dichter Abschluss, durchbrochen von einigen Poren, um Wasser aufnehmen zu können. – Der Thallus bekleidet bei dieser Sippe die Apothecien mit Oberer Rinde und Algenschicht, die Medulla zieht seitlich etwas der Schüssel hoch (mit Thallus berindet: Obere Rinde als Excipulum), unterstützt außerdem das Hymenium. – Das Hymenium, bestehend aus Asci und Paraphysen, ist vom Epithecium (Enden der Paraphysen mit Schleimschicht) gegen Austrocknung geschützt.
Darunter Schematische Darstellung der Algen-Pilz-Beziehungen: Der Pilz übernimmt von der Alge Fotosyntheseprodukte (Zucker) und diese erhält das vom Pilz gespeicherte Wasser mit Nährsalzen und Säuren (zum Anlösen von Substrat) und bekommt Schutz durch Flechtenstoffe (z.B. Pigmente).
Eigenem Vorlesungsmanuskript entnommen.
Eingestellt am 24. Oktober 2026

Sexuelle Fortpflanzung und asexuelle Vermehrung bei Flechten (Originale und ppt.; Reinhard Agerer)
Links: Xanthoria parietina mit Apothecien; eingezeichnet typische Asci und Ascosporen der Teloschistaceae; Ascosporen werden verschossen, verbreitet und treffen auf geeignete Algen, wonach Sporenkeimung und Hyphenbildung, begleitet von asexueller Algenvermehrung, eine Thallusinitiale entsteht, die wieder zum typischen Flechtenthallus mit Apothecien auswachsen kann (braune Pfeile; Hauptfruchtform, sexuelle Fortpflanzung).
Rechts unten: Laubflechte (Parmelia sulcata) mit Netzsorale, in denen Soredien gebildet werden, die als kleine Bällchen aus Pilzen und Algen verbreitet werden und als Thallusinitialen wirken, die ebenfalls zum typischen Flechtenthallus auswachsen können kann (violette Pfeile; Nebenfruchtform, asexuelle Fortpflanzung).
Eigenem Vorlesungsmanuskript entnommen
Eingestellt am 24. Oktober 2026

Ungeschlechtliche Vermehrung von Flechten (Originale; Reinhard Agerer)
Links oben: Netzsorale von Parmelia sulcata
Links unten: Soredien davon
Rechts oben: Peudevernia furfuracea mit Isidien
Rechts unten: Isidie davon
Eigenem Vorlesungsmanuskript entnommen
Eingestellt am 24. Oktober 2026

Ascusscheitel der Lecanoromycetes (Auswahl)
Oben links: Umbilicariaceae (Umbilicariales). – Oben Mitte: Rhizocarpaceae (Rhizocarpales). – Oben rechts: Peltigerales; links Peltigeraceae; rechts Collemataceae.
Mitte: Teloschistales; links Teloschistaceae (Teloschistineae); rechts Physciaceae (Physcineae)
Unten: Lecanorales; links Lecanoraceae s.l.; Mitte Parmeliaceae; rechts Cladoniaceae.
Dunkelblau: stark amyloide Struktur; hellbau: schwach amyloide Struktur; rosagrau: nicht amyloide Ascuswand, bzw. Teil des Scheitels.
Nach Rambold & Triebel (1992), Fig. 19a (p.pte.), b (p.pte.), c, Seite 57; Fig. 19f (p.pte.), g, Seite 58.
Eingestellt am 24. Oktober 2026
.
