zum Glossar mit Abbildungsverweisen über: 

Sordariomycetidae, Kugelpilzähnliche

1 Hochdivers

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Nichts Gemeinsames zeigen sie dem Auge makroskopisch oder mit Lupe,

Gleich welche Glieder dieser Verwandtschaft du siehst;

Auch ihr Verhalten gegenüber der Umwelt

Erweist sich als unerklärlich divers:

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Ihre Asci flottieren frei in der Höhle,

Befreien die Sporen durch Lösen der Wände,

Oder schießen sie durch einen engen, sie quetschenden,

Dann und wann amyloiden[1] Ring

Zur Versammlung im Inneren,

Vielleicht auch direkt

Durch des Fruchtkörpers Mündung[2] nach außen hin.

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Paraphysen[3] trennen die Asci oder fehlen zur Gänze,

Persistieren[4] oder lösen sich auf;

Gelegentlich setzen sich Pseudoparaphysen[5] an ihre Stelle,

Oder Periphysoide[6] übernehmen ausnahmsweise deren Funktion.

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Ein- oder mehrzellig, in Reihe,

Hin und wieder wie eine Mauer gebaut,

Farblos oder auch braun,

Füllen Sporen zylindrische, oft auch keulige Asci;

Mit Porus als Hilfe für Hyphen zu keimen,

Nicht häufig an Polen[7] mit Anhängseln, dann dennoch recht deutlich,

Zum Heften an Landeplätzen verziert[8],

Glatt, mitunter auch flügelig, warzig oder streifig ornamentiert.

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Ohne clonale Vermehrung[9], so schließt der Betrachter, wären sie nichts,

Denn kaum eine der Sippen verzichtet darauf;

Bieten Konidien[10] Käfern[11] und Winden, sie in die Ferne zu bringen.

Geh‘n sie auch viele vergebliche Wege,

Ist dennoch nicht alles verloren,

Denn Überfluss wirkt schon lang als Prinzip.

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An Hyphen, frei in lockerer Menge,

Zu hochaufragenden Bündeln geschnürt,

In flachen Polstern, am Rand mit Hyphengeflechten geschützt,

In Krügen[12], wie Sporen, die zum Sammeln verborgen,

Aus Phialiden[13] kontinuierlich geboren,

An Enden von Hyphen wie Hefen[14] geformt,

Sichern sich, überlassen ungern dem Zufall ihr Leben,

Mit der Evolution Risikostreuungsprinzip[15].

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Mit Perithecien[16] spielen sie gerne!

Verändern Größe, Aussehen, Arrangement,

Setzen sich, falls genehm, Schnäbel an ihren Mund[17],

Lassen sie einzeln irgendwo steh‘n,

Versammeln sie zum Verbund,

Auf Stromata[18] sitzend,

In sie versenkt,

In flachen Krusten gehalten,

Hoch zu Kissen und Keulen gewölbt,

Ins Wirtsgewebe versenkt,

Ohne Bedenken weit expandiert.

Sie verwirklichen fast jede Idee!

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Saprotrophe[19] auf Laub, Holz oder Borke[20],

Parasiten[21] auf Pflanze, auf Pilz,

Manche lieben von Tieren den Dung,

Wagen nur selten auf Menschen den Sprung.

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Und trotzdem verbindet alle, was von außen unsichtbar:

In ihren Genen liegt ihr gemeinsames Werden.

Nur moderne Methoden verrieten,

Was selektierende Anpassung mit ihnen trieb.

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Aus ihrer großen, reichen Verwandtschaft

Mit oft nur schwer zu fassenden Sippen[22],

Mögen vier Familien dennoch genügen,

Ihre Bedeutung zu zeigen mit je einer Art.

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Fußnoten

[1] Amyloid: Blau nach Jodbehandlung

[2] Peristom (Ascomycota): Mündung, Öffnung eines Peritheciums

[3] Paraphysen (Pezizomycotina): Sterile, gametophytische (haploide), zum Teil speziell gestaltete, zwischen den Asci stehende Hyphen, die mitunter an ihrem apikalen Ende verbreitert sind und so eine Schutzschicht über den sich entwickelnden Asci bilden, die von ihnen bei Reife durchstoßen wird, um die Sporen unbehindert abschießen zu können

[4] Persistieren: fortbestehen, andauern, erhalten bleiben

[5] Pseudoparaphysen: Paraphysenähnliche, vom Deckel des Pseudotheciums nach unten, zwischen die Asci hängende Hyphen

[6] Periphysoiden: Paraphysenähnliche Hyphen, die bei Apothecien von der Fruchtkörperwand gegen das Hymenium ragen

[7] Schmälste Stellen, vorne und hinten

[8] Sporenornamente (Pezizomycotina): Viele Meiosporen der Fungi tragen Oberflächenstrukturen (Ornamente) ganz unterschiedlicher Gestalt. Bei Pezizomycotina treten sie nur bei Pezizomycetes (Pezizales) auf, weil deren Ascus eine weite Öffnung aufweist und so die Sporen trotz Oberflächenornamenten ungebremst den Ascus verlassen können. Die übrigen Pezizomycotina besitzen engste Ascusöffnungen, durch die ihre Sporen mit dem sog. Knallkorkeneffekt verschossen werden

[9] Clonale Vermehrung: Asexuelle Vermehrung (rein mitotisch bedingte Vermehrung, daher Individuen genetisch identisch)

[10] Konidie: Asexuell und nach außen gebildete Verbreitungseinheit, die mit einer Hyphe oder hefeartig keimt

[11] Käfer: Coleoptera (Neuropteroidea – Neuromecoptera – Holometabola – Neoptera – Pterygota –…)

[12] Pycniden, Spermogonien (Fungi): Krugförmige Behälter für Konidien oder Spermatien

[13] Phialiden, phialidisch (enteroblastisch-): Enteroblastisch bedeutet, bei der Konidienbildung werden nur die inneren Zellwandschichten der konidienbildenden Zelle zur Konidienbildung herangezogen; bei phialidischer Bildung liegt der konidienbildenden Zelle eine Flaschenform zugrunde; außerdem werden die Konidien in Serie gebildet, wobei die älteste Konidie an der Spitze der Kette steht, die jüngste an der Mündung der Phialide

[14] Hefe, Hefezellen: Durch Hefeknospung entstandene Zellen

[15] Risikominimieren, Risikostreuen: Ein entscheidendes Prinzip der Evolution. Um Verluste an möglichen Nachkommen möglichst zu reduzieren, haben sich erfolgversprechende Strategien entwickelt; z. B. Risikostreuen, was bedeutet, nicht alles auf eine Karte zu setzen, nicht alle Sporen, Samen oder Früchte, auf einmal reifen zu lassen und in einem Schub zu verbreiten. Zeitliche Streuung z. B. erhöht die Wahrscheinlichkeit, günstige Zeiten für die Verbreitung durch Vektoren zu treffen, oder Perioden für günstiges Wachstum oder fürs Überleben, etc. Freilich wird dabei während eines Zeitpunktes die Menge der Verbreitungseinheiten geringer, doch am Ende wird sich diese Strategie evolutiv für den Organismus lohnen. Wenn aber Organismen fürs Wachstum auf zeitlich beschränktes Vorkommen günstiger Bedingungen angewiesen sind, wird eine explosionsartige Vermehrung die günstigste Lösung sein; in diesem Zusammenhang sind dann schnell reagierende Nebenfruchtformen mit ihren asexuell entstandenen Verbreitungseinheiten von Vorteil, z. B. dann, wenn ein Substrat (Stärke, Zucker, Partner eines Symbionten, Wirt eines Parasiten) stark umworben ist oder nur kurzzeitig zur Verfügung steht. Dieses Risikostreuen ist vergleichbar mit der Risikominimierung, die Aktieninhaber anwenden, wenn sie unterschiedlichste Aktien in ihrem Portfolio sammeln.

[16] Perithecium, Krugförmiger Fruchtkörper, (Pezizomycotina): Bauchig-flaschenförmiger Fruchtkörper (wie eine Chianti-Flasche) mit enger Mündung, durch die sich streckende Asci Sporen in die Umwelt schießen, oder durch die im Innern abgeschossene Sporen allmählich nach außen gedrückt werden

[17] Peristom

[18] Stroma (Pezizomycotina): Steriles, dichtes, mitunter überdauerungsfähiges Hyphengeflecht, aus, auf oder in dem Fruchtkörper entstehen

[19] Saprotroph, saprob: Von totem, organischem Material lebend

[20] Borke: Äußerste, tertiär entstandene Abschlussschicht an Bäumen; Korkschichten trennen, um entstandene Risse zum lebenden Gewebe hin wieder abzudichten, Teile des Bastes ab, die danach absterben und artabhängig in unterschiedlichen Formen abblättern; sekundäres Abschlussgewebe ist Rinde; primäres die Epidermis

[21] Parasit, Schmarotzer: Ein Organismus lebt auf Kosten eines anderen.

[22] Sippe: Unter Sippe wird eine oft nicht genauer genannte Verwandtschaft verstanden, im Gegensatz zu Gruppe, die lediglich eine Ansammlung nicht näher verwandter Organismen bezeichnen will

Eingestellt am 24. Oktober 2026

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