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Platygloeales, Flachglibberpilze

1 Ins Grüne gedrungen (HP)

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Steh‘n Pflänzchen dicht, streben nach oben sie, hin zum Licht,

Bräunen und sterben darunter im Dunkeln,

Werden unnütz, nichts tragen zum Wachstum sie bei,

Werden vogelfrei Pilzen zur Nahrung gegeben.

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Lassen nicht lange sich bitten,

Umschlingen sie, nicht locker, dicht,

Holen, was noch verwertbar,

Merken nicht, wie andere auf sie sind erpicht.

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Platy[1] macht sich leise an sie heran,

Führt Colacosomen[2] an seine Wand,

Die Vielbeschäftigten an sich zu binden,

Für sich zu nehmen, was die Fremden so finden.

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Platy wächst, sucht weiter nach gut erschließbaren Quellen,

Hinauf ins Grüne, hin zu saftigen Blättchen

Und dringt, wie der Zufall es will,

Durch eine Spaltöffnung[3] ein.

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Enzyme, die er gerne zum Lösen verteilt,

Zubrot zu ernten für sein Mahl,

Bereiten den Weg in die Wände,

Ohne ein Colacosom zu verwenden;

Die Reste, die er noch nicht gelöst, halten ihn fest

Und, überrascht vom Erfolg,

Löst er ein Loch in die Wand, dringt ohne Halt

In der Blättchen Zellinneres vor.

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Doch das Pflänzchen ist nicht von gestern!

Hat schon öfter solches erfahren,

Überzieht den Eindringling mit seiner Membran[4],

Legt eine dünne Zellwand daran.

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Der üble Schmarotzer[5] lässt sich aber nicht stoppen,

Breitet weiter sich aus, tötet die Zellen ringsum

Bis er genügend Zubrot gesammelt,

Und ans Fortpflanzen[6] denkt!

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Treibt Basidien[7] der vierzellig reihigen[8] Art

Aus den Blättchen hinaus, schießt die Sporen davon,

Die irgendwo landen, wohl eher auf Moos[9].

Zu dicht steht das Grün, verdeckt jeden Pilz.

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Treiben je ein Sterigma[10], einen zweiten Versuch noch zu wagen[11].

Doch wieder nur Moos! Schluss! Eine Hyphe soll‘s richten.

Ein Weg, den Platys Ahnen auch schon gegangen.

Colacosomen? Warum? Müssen nicht sein!

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Wenn zu viel an Aufwand vonnöten für etwas, was nicht wirklich gebraucht,

– Dies lehrt immer wieder die Evolution[12] –

Wird, wenn nicht sogleich, doch wenigstens Stück für Stück, reduziert,

Bis zum Vergessen, weil weniger viel mehr nun bewirkt.

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Fußnoten

[1] Platy: Bezeichnung für einen hypothetischen Vorfahren der Platygloeales

[2] Colacosom (Cryptomycocolacaceae): Eine Struktur ähnlich einem Haustorium wird vom Parasiten in die eigene Zelle (Cryptomycocolacaceae) getrieben; daraufhin durchlöchert der Parasit mehrfach seine und die Zellwand des Wirts, lässt das Plasmalemma des Wirts aber intakt; scheidet eine im TEM dunkel kontrastierende Substanz in diese Behälter, die offenbar der Aufnahme von Nährstoffen aus dem Wirt dienen

[3] Spaltöffnungen (Pflanzen): Spaltförmige Öffnungen in der Epidermis des Blatts/Stengels zum Gasaustausch (O2, CO2) und zur Abgabe von Wasser (Transpiration)

[4] Plasmalemma: Zellmembran (Lipiddoppelmembran) von Organismen; wird oft als Gegenstück zum Tonoplasten betrachtet, der im Zellinneren eine größere Saftvakuole umgibt

[5] Schmarotzer, Parasit: Ein Organismus lebt auf Kosten eines anderen

[6] Sexuelle, geschlechtliche Fortpflanzung: Dafür sind drei Vorgänge miteinander gekoppelt, Meiose (abgekürzt mit R!), Plasmogamie (Zellen vereinen sich, abgekürzt mit P!) und Karyogamie (Kerne verschmelzen, abgekürzt mit K!) verbunden, wobei P! und K!, mit Ausnahme bei Dikarya, unmittelbar aufeinander folgen. Bei Dikarya (Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi – Opisthokonta – Eukarya) sind beide Vorgänge unterschiedlich lang (weit) voneinander getrennt. Da bei Animalia und Plantae P! und K! unmittelbar aufeinander folgen, werden beide Vorgänge häufig zu Befruchtung (B!) zusammengefasst

[7] Basidien: Ständer, auf denen sexuell gebildete Sporen entstehen

[8] Querseptierte Basidie: Basidie mit (zwei) vier übereinanderliegenden Zellen

[9] Moose: Thallophyta, Musci (Embryophyta – Streptophyta – Plantae – Eukarya)

[10] Sterigma, Sterigmen (Basidiomycota): Dünne Fortsätze an der Basidie, an der die Sporen sitzen

[11] Sekundärsporen: Werden Sporen der Basidiomycota genannt, die als Ballistokonidien am Sterigma von Basidiosporen gebildet worden sind

[12] Evolution: Stammesgeschichtliche Entwicklung von niederen zu weiterentwickelten (zu oft höheren) Formen des Lebendigen

Eingestellt am 24. Oktober 2026

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Platygloeales, Flachglibberpilze

2 Der nächste Schritt

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Einmal auf lebende Pflanzen fixiert,

Werden – der Moose[1] Standorte legen dies nahe –

Auch Farne[2] mit Sporen belegt und

Gleichermaßen besiedelt, parasitiert[3].

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Noch immer kein Ende!

Blätter von Angiospermen[4], sobald evolutiv sie das Leben erblickten,

Waren gleichfalls Opfer solch einer Aggression;

Doch manche fielen mit Blättern zu Boden,

Verwenden, was nützlich, vielleicht ohne Rest:

Leben bescheiden, nur saprotroph[5]. –

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So bestehen Platygloeales aus zwei Familien nun:

Eocronartiaceae[6] als Parasiten auf Moos und Farn,

Platygloeaceae[7] hingegen halten es mit Angiospermen,

Doch nur wenige Arten – weil unscheinbar, klein – sind uns heute bekannt.

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Auf Moosen und Farnen formen sie Stifte, ab und an Stielchen mit Köpfchen,

Bringen Basidien[8] hoch hinaus Winden entgegen, den Sporen zuliebe,

Damit in die Ferne sie fliegen zu Moosen, wer darauf baut,

Oder zu Farnen, dorthin, wo evolutiv ihre Zukunft begann. –

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Ein Merkmal zeichnet Platygloeales zusätzlich aus,

Das gemeinsam sie mit Helicobasidiales besitzen:

ER-Cisternen[9] umgeben die Spindelpolkörper[10],

Teilt sich der Kern[11].

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Fußnoten

[1] Moose: Thallophyta, Musci (Embryophyta – Streptophyta – Plantae – Eukarya)

[2] Farne: Pteridophyta s.s. (Pteridophyta s.l. – Trimerophyta – Eutracheophyta – Embryophyta – Streptophyta –…)

[3] Parasitisch, parasitär: Schmarotzend leben auf Kosten lebender Organismen

[4] Angiospermen: Bedecktsamer, Magnoliatae (Spermatophytina – Spermatophyta s.str. – Aneurophytales – Progymnospermophytina – Spermatophyta s.l. –…)

[5] Saprotroph, saprob: Von totem, organischem Material lebend

[6] Eocronartiaceae; nicht separat behandelt (Platygloeales – Pucciniomycetes – Der moderne Rest - Pucciniomycotina – Basidiomycota –…)

[7] Platygloeaceae; nicht separat behandelt (Platygloeales – Pucciniomycetes – Der moderne Rest - Pucciniomycotina – Basidiomycota –…)

[8] Basidien: Ständer, auf denen sexuell gebildete Sporen entstehen

[9] ER-Cisternen: Vom ER gebildete, oft unregelmäßig gestaltete, vesikelartige Strukturen

[10] Basidiomycetoider Spindelpolkörper: Spindelpolkörper (SPB) können je nach Verwandtschaft unterschiedliche Formen aufweisen: ein biglobulärer SPB zeigt sich während der Interphase des Kerns als hantelförmige Gestalt, aufgebaut aus zwei kugelförmigen, mit einem Band verbundenen Strukturen

[11] Zellkern

Eingestellt am 24. Oktober 2026

Oben: Platygloea disciformis (Scheibenförmige Hyalinkruste)

Autor: Jonáš Gruska

Lizenz:  Creative Commons Attribution 4.0 International license; unverändert

Unten: Eocronartium muscicola (Weiße Mooskeule)

Lizenz:  Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license; unverändert

Eingestellt am 24. Oktober 2026

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Endpunkt erreicht!