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Umbilicariales, Nabelflechtenartige
1 Gaumenkitzel? (TP)
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Auf wackligen Leitern, aus Holz oder Bambus[1] gezimmert,
Turnen todesverachtend an steilen silikatischen[2] Felsen
Japanische Ernter nach anscheinend kostbaren Flechten[3]:
Leicht fällt es, sie mit Messern vom Felsen zu nehmen.
Achtsam legen sie, wenn die Flechten gelöst,
Wie kostbare Münzen das Gut in offene Taschen.
Den Fremden ein Rätsel, was sie mit schwarzbraunen, lappigen Scheiben,
Muscheln oder Ohren fast gleich, überhaupt wollen:
Und doch fragen sie nicht;
Aber Gesten der Wagemutigen deuten zum Mund –
Für geldiger Leute Leichenschmaus[4] oder Hochzeitsmähler sammeln sie,
So ihr späteres Wissen, an dem Gestein.
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Zwölf Stunden in Wasser eingeweicht,
Als süßsaure Suppe, frittiert,
Oder als süßen Nachtisch serviert. –
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Umbilicaria esculenta[7], Essbare Nabelflechte,
Nannten Lichenologen[8], des Aussehens und der Verwendung wegen,
Diesen für Japaner so wertvollen Fund;
Eine der in Europa ebenfalls gut bekannten Gattung[9] Art.
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Grau oder schwarz, manchmal mit bräunlichem Ton
– Variabel auch mit des Thallus[10] Durchfeuchtung –
Sitzen sie oft an Flanken von Felsen mit
Nabelgleicher Verbindung zum sauren Gestein,
Um nicht zu fest zu sitzen, scheinbar fast auf der Flucht,
So als wollten sie weg vom windigen Ort.
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Rhizinen streben hinüber zum Felsen,
Scheinen nur als wollten sie haften,
Warten in lock’rer Versammlung
Wasser zu saugen als leitender Docht[11].
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Wellig erhaben, so wie die laubig-muschligen Ränder,
Seh‘n nicht selten Apothecien aus:
Zu konzentrischen Wülsten das Hymenium[12] erhoben,
Strahlig nach außen gerichtet, wie Sterne gebaut;
Das Apothecium, oftmals genabelt wie ein Abbild des Lagers,
Wirkt in Tönung noch dunkler als die Umgebung dies kann.
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Der Evolutionsbiologe[13] mutmaßt sofort,
Rillen und Wülste deuten Oberflächenvergrößerung[14] an:
Mehr Fläche, mehr Asci, mehr Sporen[15];
Wer etwas abhebt, strebt zu Windbewegungen hin.
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Einzelnen reicht nicht der Sporen tausendfältige Saat,
Lassen mit Grünalgen chlorococcoiden[16] Typs, sich
Festumrindete Stifte[17] wachsen, gehen, dem Zufall nichts überlassend,
In engem Verbund gemeinsam den Weg.
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Fußnoten
[1] Bambus (Bambuseae – Bambusoideae – BOP-Verwandtschaft – Poaceae – Poineae –…)
[2] Silikat: Mineral aus SiO2 bestehend
[3] Flechten: Symbiosen aus Pilzen und Algen
[4] Leichenschmaus: Gemeinsames Essen oder Kaffeetrinken der Trauergäste, das direkt nach einer Beerdigung stattfindet
[5] Rhizine: Wurzelähnliche Struktur aus mehreren Hyphen an der Basis einiger Flechten, die dazu dienen, sie ans Substrat zu binden
[6] Nabel (Umbilicariales): Zentrale, gelegentlich etws verlängerte Anheftungsstelle des Thallus
[7] Umbilicaria esculenta: Essbare Nabelflechte (Umbilicariales – Lecanoromycetes – Apothecienascomycota – Unitunicate Ascomycota – Inoperculate Ascomycota –…)
[8] Lichenologen: Biologen, die sich mit Flechten befassen
[9] Umbilicaria: Nabelflechten (Umbilicariales – Lecanoromycetes – Apothecienascomycota – Unitunicate Ascomycota – Inoperculate Ascomycota –…)
[10] Flechtenthallus: Algenumgebendes Hyphengeflecht unterschiedlichster Formen, auf/in dem die Fruchtkörper der Flechte (des Pilzes) entstehen
[11] Docht: Fadenförmiges Geflecht, das flüssigen Brennstoff, wie Wachs oder Öl, zur Flamme transportiert, wo er verbrennen kann
[12] Hymenium (Fungi): geschlossene Schicht von Asci oder Basidien mit, falls vorhanden, dazwischenstehenden sterilen Elementen, Paraphysen (Ascomycotina) oder Cystiden (Agaricomycotina)
[13] Evolutionsbiologen: Forscher, die sich mit der Evolution, der stammesgeschichtlichen Entwicklung der Organismen befassen und versuchen, einflussreiche, dafür womöglich entscheidende Merkmale aufzudecken
[14] Vergrößerung der reproduktiven Oberfläche (Fungi): Ein entscheidendes evolutives Prinzip. Man stelle sich zunächst einmal eine ebene Fläche als Hymenium vor, erhebe sie dann gedanklich zu einer Halbkugel, so lässt sich, auch ohne große Berechnung, schließen, die konvexe Oberfläche einer Halbkugel ist größer als die Ebene gleicher Grundfläche (gilt in gleicher Weise, wird die Ebene zum Becher vertieft); jede Erhebung, jede Vertiefung auf der Halbkugel wird die Oberfläche des geometrischen Körpers erhöhen und damit auch die Gesamtfläche des Hymeniums, wenn Hügel und Tal damit be-/ausgekleidet sind. Wenn einmal als Mycel ein Platz im Substrat oder als Fruchtkörper auf dem Substrat ergattert worden ist, lohnt deshalb es sich evolutiv, diesen so umfangreich wie möglich auszunutzen, um letztlich windverbreitete Sporen (auch wenn sie zuächst abgeschossen werden) in größtmöglicher Zahl zu bilden und abzuschießen. Bei Windverbreitung ist nämlich, um möglichst erfolgreich zu sein (fit zu sein), die Anzahl der Propagulen mitentscheidend.
[15] Abheben vom Substrat, hinein in den Wind (Pilze): Ein entscheidendes evolutives Prinzip. Auch wenn Sporen aktiv weggeschleudert werden, wirken Luftturbulenzen und Windströmungen erheblich mit, besonders für Fernverbreitung, um Sporen an Orte zu bringen, die nicht schon von der eigenen Art besiedelt werden und erhöhen damit auch die Chance wieder geeignetes Substrat vorzufinden. Weil Luftturbulenzen substratnah recht gering sind, wenn überhaupt vorhanden, wirkt sich ein Schießen in luftbewegte Schichten besonders förderlich aus für die Verbreitung und den Erhalt einer Art. Damit wirkt Abheben vom Substrat fitnessfördernd für eine Art.
[16] Chlorococcum spp.: Grünkokken (Chlorococcales – Chlorophyceae – Chlorophyta – Plantae – Eukarya)
[17] Isidien: Kleine, berindete, meist stiftförmige Auswüchse auf der Oberfläche von Flechten, die der ungeschlechtlichen Fortpflanzung dienen
Eingestellt am 24. Oktober 2026

Umbilicaria cylindrica; Fransen-Nabelflechte
Oben: Aufsicht
Autor: Jerzy Opioła
Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license; unverändert
Unten: Gyrose Apothecien
Autor: Felix Schumm
Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license; unverändert
Eingestellt am 24. Oktober 2026

Oben: Umbilicaria torrefacta; Runzelige Nabelflechte
Im Zentrum der Flechte Abdruck des Nabels der Unterseite erkennbar
Autor: Jason Hollinger
Lizenz: This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license; unverändert
Unten: Umbilicaria esculenta [Essbare Nabelflechte; Iwatake (jap.)]
Autor: Daderot
Lizenz: Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication; unverändert
Eingestellt am 24. Oktober 2026

Der Ascusscheitel der Umbilicariaceae, verdickt, wie bei allen austrocknungsresistenten Lecanoromycetes, weist eine Dreischichtigkeit auf: die kontinuierliche, im Scheitel leicht verdünnte Zellwand wird von beiden Seiten von einer dicken amyloiden Kalotte umgeben.
Nach Rambold & Triebel (1994), Fig. 19 c, Seite 57
Eingestellt am 24. Oktober 2026
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Endpunkt erreicht!
