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Septobasidiales, Schildlauspilze
1 Auf Tod oder Leben (TP)
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Gemächlich kriechen sie[1], der Mutter kürzlich entschlüpft,
Auf Suche nach einer Bleibe den Zweigen entlang.
Kaum eine erreichte den schützenden Riss in der Borke[2],
Dutzende fielen Schnäbeln und Schlupfwespenbohrern[3] zum Opfer.
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Falls es ihnen geglückt, bohren sie ihren Rüssel tief in den Zweig,
Saugen die Süße des Saftes tief in sich ein,
Denken nicht an Geschwister, die sie verloren,
Nicht an langsam oder plötzlich kommenden Tod.
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Eine aber fühlt sich, sie nahm den Weg übers Dach[4]
– Nicht wie die andern über Gänge und Tür –
Etwas eigenartig, nicht irgendwie krank,
Doch im Inneren nicht so ganz wohl. –
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Hefen[5] hat sie auf dem Weg sich gefangen
Als übers Dach sie ihrer Behausung entwich;
Eine der Zellen blieb irgendwie hängen,
Dort wo Chitin[6] nicht vollkommen schützt,
An einer der Poren nach außen, am Grund eines Haares,
Oder nahe Gelenken am Bein.
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Ja, wär es das Bein nur gewesen!
Sie hätte vielleicht sich Freiheit verschafft,
Hätt es abgestoßen, geopfert,
Daran aber spürte sie nichts!
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Eine Zelle[7] nutzte die günstige Lage,
Wuchs mit feinem Faden[8] in ihren Körper
– Als wollte sie Spuren verwischen, fiel die Hülle[9] gleich darauf ab –
Drang, apikal Keule an Keule bildend
In Räume mit Hämolymphe[10] gefüllt;
Fuhr fort mit dem fädig-keuligen Wachstum,
Einer Kette von Perlen, nein, einer von Würsten recht ähnlich.
Änderte erst das Verhalten, war im Körper fest sie verzurrt.
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Feinste Fäden treiben sie aus,
Kaum ein Tausendstel eines Millimeters dick;
Nicht gerade wachsen sie – dies wäre kaum nützlich –
Legen wie Korkenzieher sie in Spiralen,
Beenden, als wäre die Locke lange genug,
Das hübsche, doch niemand sieht es von außen, gekonnte Design;
Beginnt aber wieder nach kürzerer Strecke das seltsame Spiel
Bis Stopsellocke[11] an Stopsellocke liegen in der Schildlaus körpereigenem Saft. –
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Irgendwann trafen zwei Hefen auf ihren Wegen zusammen.
Vielleicht vereinten sich Keulen an ihren Schnüren[12],
Denn Korkenzieherzellen enthalten zwei Kerne:
So war das Dikaryon[13] sicher zuvor schon etabliert. –
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Sie blieb am Leben!
Als ständige Quelle wollte der Pilz sie behalten.
Entnimmt ihr mit feinstgewundenen Hyphen,
Was er selbst zum Leben so braucht!
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Fußnoten
[1] Schildläuse: Sternorrhyncha (Hemiptera – Acercaria – Neoptera – Pterygota – Dicondylia – …)
[2] Borke: Äußerste, tertiär entstandene Abschlussschicht an Bäumen; Korkschichten trennen, um entstandene Risse zum lebenden Gewebe hin wieder abzudichten, Teile des Bastes ab, die danach absterben und artabhängig in unterschiedlichen Formen abblättern; sekundäres Abschlussgewebe ist Rinde; primäres die Epidermis
[3] Schlupfwespen: Ischneumonidae; nicht separat behandelt (Ichneumonidea – Parasitica – Apocrita – Hymenoptera – Holometabola -…)
[4] Von Septobasidium: Schildlauspilze (Septobasidiales – Pucciniomycetes – Der modene Rest – Pucciniomycotina – Basidiomycota –…)
[5] Basidiomycetoide Hefenbildung: Enteroblastische Hefenbildung, wobei nur die inneren Zellwandschichten der bildenden Zelle zur Bildung der neuen Zellwand herangezogen werden
[6] Chitin: Polymer aus N-Acetyl-Glucosamin, entstanden aus 1,4-β-Glucosen, an deren C2 eine [–NHCOCH3]-Gruppe hängt; anders ausgedrückt, an deren C2 eine [–NH2]-Gruppe, eine Aminogruppe, hängt, bei der ein Wasserstoffatom durch ein Acetyl [–COCH3] ersetzt ist. Zellwandpolysaccharid der Fungi (Echte Pilze), einiger Cnidaria (Nesseltiere), Lophophorata (Tentakulierte) und Exoskelett der Arthropoda (Gliederfüßer)
[7] Hefezelle
[8] Hyphen (Pilze): Einzellreihige, zellwandumgebene Fäden von Pilzen mit Spitzenwachstum, mit oder ohne Querwände
[9] Hefenzellwand
[10] Hämolymphe: Zirkulierende Körperflüssigkeit von Tieren mit einem offenen Blutkreislaufsystem (wie Gliederfüßer und Weichtiere). Sie ist eine Mischung aus Blut und Lymphflüssigkeit und erfüllt ähnliche Aufgaben wie das Blut bei Wirbeltieren
[11] Stopsellocke: Bezeichnet eine einzelne, spiralförmig herabhängende Haarsträhne (hier Hyphe)
[12] Stopsellocke
[13] Dikaryon, dikaryotisch: Zwei konträrgeschlechtliche haploide (n) Kerne [werden als (+)- und (–)-Kerne oder als α- und β-Kerne bezeichnet; unterscheiden sich ihre Behälter in Größe oder die Dikaryen bildenden Kerne in der Wanderungsrichtung, kann auch von männlichen (wandern zu ihren Partnern, die stationär bleiben) und weiblichen Kernen gesprochen werden], bilden funktionell eine Einheit (n+n), ohne miteinander zum diploiden Kern (2n) verschmolzen (K!) zu sein; sie teilen sich mitotisch synchron, um damit zwei Dikaryen zu bilden, sich zu verdoppeln. Im Entwicklungskreislauf erfolgt zwar zunächst die Plasmogamie (P!), doch die Karyogamie (K!) zum diploiden (2n) Kern wird erst kurz vor der Meiose (R!) vollzogen. Man spricht hier auch von verzögerter Karyogamie. Dikaryen treten bei Taphrinomycotina, Pezizomycotina, Pucciniomycotina, Ustilaginomycotina und Agaricomycotina auf.
Eingestellt am 24. Oktober 2026

Weibliche Schildlaus unbekannter Zugehörigkeit
Autor: Katja Schulz
Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic license; unverändert
Männliche Schildlaus unbekannter Zugehörigkeit
Autor: Pavel Kirillov
Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic license; unverändert
Eingestellt am 24. Oktober 2026
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Septobasidiales, Schlidlauspilze
2 In Einzelzelle gefangen (TP)
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Treiben Hyphen, in einigem Abstand zu Bündeln vereint,
Ohne dem Jungtier zu schaden, aus ihren Körperporen,
Umgeben sie dicht, lassen Lebenswichtiges allerdings frei:
Mund-, mittlere, auch vordere Bauchregionen bleiben unbehelligt,
Auch Stigmen[3] zum Atmen, dass ihr Opfer ja nicht erstickt!
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Durchwachsen Exuvien[4] nach jeglicher Häutung,
Als zögen sie irgendwelchen Gewinn noch daraus.
Verbindende Hyphen zum Innern des Opfers[5] sind lediglich wichtig,
Reserven zu holen, zu speichern als Tropfen Lipids[6].
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Wie an Dutzende Schnüre gebunden, kommt sie sich vor,
Wie Hunde[7] an selbstaufrollender Leine, doch
Stärker noch bewegt sie beim Atmen den Schild und
Richtet die Beine ein wenig anders gelegentlich aus.
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Ihr letzter Schild, den sie zur Wehr sich hatte ersonnen,
Hängt hyphenbefestigt, durchsponnen, an der Zelle Plafond[8];
Kein Türchen, kein Ausweg, nur Belüftungskanäle rundum.
Doch wie sollte sie fliehen, wenn dehnbare Leinen halten sie fest?
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Von Jugend an war sie dazu bestimmt,
Nur ihrem Herrn, mit dem was sie gewinnt, zu dienen!
Ein bisschen bleibt ihr davon, gerade genug, um zu leben,
Doch schrumplig und klein käm‘ sie sich vor,
Würde sie Freiläufer neben ihrem Gefängnis zufällig seh‘n.
Doch dieses Schicksal bleibt ihr – oh wie rücksichtsvoll! – wirklich erspart. –
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Spiralen, doch etwas dicker als ihre Partner im Innern,
Verbinden die Schildlaus mit ihrem Dach,
Dehnbar, um etwas Freiheit zu bieten.
Sie bleibt allein, vermisst einer Mutter Glück. –
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Weitläufig, von Säulen gestützt, mit mächtigem Dach überbrückt,
Liegt über ihr, durch die Decke davon getrennt, eine luftige Halle
Für Freigänger in diesem Frauengefängnis,
Mit ständigem Zugang zu nahrhaften Brunnen[9] darunter.
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Sie kamen als Larven in das Gebäude.
Verließen die Heimathallen durch einen Tunnel,
Leben wie sie’s gewohnt,
Genießen, verständlich, diesen hochwillkommenen Schutz.
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Nur manchmal recken Weibchen ihr Abdomen[15] durch Luken des Dachs,
Warten auf fliegende Männchen, die engagiert danach suchen.
Weibchen zieh’n, wenn alles vorbei, sich voller Glück
Unters Schutzdach wieder zurück.
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Fußnoten
[1] Larven: Jugendstadien von Tieren, die sich grundsätzlich vom Erscheinungsbild Erwachsener unterscheiden und erst nach einer Metamorphose Adultgestalt annehmen
[2] Wachse: Gemisch aus verschiedenen Kohlenwasserstoffen (also nur aus Kohlenstoff und Wasserstoff und damit hydrophob), das bei über 40oC schmilzt und dann eine Flüssigkeit niedriger Viskosität bildet. Wachse sind nahezu unlöslich in Wasser; können in ihrer chemischen Zusammensetzung und Herkunft sehr unterschiedlich sein, sie werden daher heute durch ihre mechanisch-physikalischen Eigenschaften definiert. Hauptkomponenten dieser natürlichen Stoffgemische sind Ester von Fettsäuren mit langkettigen, aliphatischen, primären Alkoholen
[3] Stigma (Arthropoden): Äußere Öffnung des Tracheensystems an der Körperoberfläche
[4] Exuvie: Leere Hülle oder alte Haut, die ein Tier nach einer erfolgreichen Häutung im Freien zurücklässt
[5] Wirt (Parasiten, Symbionten): Opfer eines Parasiten, Partner eines Symbionten
[6] Lipide (Fettes Öl): Ein Triglycerid aus Glycerin (mit drei [–OH]-Gruppen) und drei Fettsäuren, die als Fettsäurereste unter Wasserabspaltung ans Glycerin gebunden und eine Bindungsgruppe –C–O–(C=O)– ergeben
[7] Haushund: Canis lupus familiaris (Cynoidea – Caniformia – Carnivora s.s. – Carnivora s.l. – Euarchonta –…)
[8] Plafond: Zimmerdecke
[9] Zucker- und Proteine, etc., führende Zellen, die sie mit ihrem Rüssel angebohrt hatte
[10] Basidiomycetoide Hefenbildung: Enteroblastische Hefenbildung, wobei nur die inneren Zellwandschichten der bildenden Zelle zur Bildung der neuen Zellwand herangezogen werden
[11] Mikrokonidien (Basidiomycota): Kleine Konidien, die an Basidiosporen entstehen; entweder mit Hyphen oder mit Hefen keimend
[12] Basidiosporen: Von Basidiomycota, von Ständerpilzen, nach außen gebildete Meiosporen
[13] Sekundärsporen: Werden Sporen der Basidiomycota genannt, die als Ballistokonidien am Sterigma von Basidiosporen gebildet worden sind
[14] Kontaminieren: verunreinigen, verseuchen
[15] Abdomen, Hinterleib (Insekten): Hinterstes der drei Körperteile Kopf, Brust, Hinterleib
Eingestellt am 24. Oktober 2026

Septobasidium spp. (Schildlauspilze)
Links: Septobasidium albidum (Weißlicher Schildlauspilz): Von einem Zentrum ausgehender, radial wachsender, krustenförmiger Fruchtkörper an Borke.
Original; Reinhard Agerer
Rechts: Septobasidium sp.: 1-4. Keulenförmige Zellen der Haustorien und 2, 5-6. korkenzieherartig gewundene Hyphen im Körper einer Schildlaus.
Aus Couch (1929), Plate 24
Eingestellt am 24. Oktober 2026

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Septobasidium spp. (Schildlauspilze)
Oben, links: Septobasidium purpureum (Purpurroter Schildlauspilz): Schnitt durch Fruchtkörper mit hyphenüberdachter, parasitierter Schildlaus, deren Saugapparat durch die Borke einer Pflanze bis zu den Zellen eines Markstrahls reicht. Darüber lockeres Hyphengeflecht, an dessen äußerer Seite das Hymenium mit Basidien liegt.
Aus Couch (1929), Plate 25.
Oben, rechts oben: Septobasidium alveolatum (Gekammerter Schildlauspilz): Probasidien und daran gebildete, querseptierte Metabasidien, z. T. mit Sterigmen und Basidiosporen(initialen).
Aus Couch (1929), Plate 19.
Oben, rechts unten: Septobasidium albidum (Weißlicher Schildlauspilz): Septierte und unseptierte Basidiosporen; eine der septierten Sporen mit Mikrokonidienbildung, eine unseptierte mit Sterigma und Sekundärsporeninitiale.
Nach Oberwinkler (1977), Abb. 16, Seite 74
Eingestellt am 24. Oktober 2026

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Septobasidium mariani
„Schnitt und Oberflächenansicht des Pilzes, zur Zeit, wenn die Jungen geboren werden. Beachte die horizontalen Lagen: (1) Subiculum (sub), (2) Mittelschicht (m.l.) und Oberflächenschicht (t.l.), die manchmal wieder geschichtet sein können. Schildläuse bewohnen die Region zwischen Mittelschicht und Subiculum, falls die Insekten parasitiert werden, oder leben zwischen Mittelschicht und Borke, sind die Insekten gesund. Ein gesundes, erwachsenes Weibchen (s.c.b) gebiert Junge, mehrere kriechen über den Pilz (n). Einie haben sich auf dem Subiculum niedergelassen (n.r.). Rhizomorphen (r) sind deutlich, ebenso Säulen (p). Mehrere Insekten werden vom Pilz parasitiert (s.c.p.)“ [Aus dem Englischen übersetzt, Reinhard Agerer]
Aus Couch (1938), Tafel 17, Seite 328
Eingestellt am 24. Oktober 2026

Septobasidium burtii
„Halbdiagrammatische Schnittansicht des Pilzes, S. burtii und eine Schildlaus (in der Mitte der Abbildung) vom Pilz parasitiert. Beachte den Saugrüssel des Insekts (st), der sich nach unten durch die Borke in die Kambium-Region (C) verlängert. Beachte auch die korkenzieherartigen Hyphen (c), die durch sehr feine Hyphen (ss) miteinander verbunden sind, auch die spindelförmigen oder keuligen Zellen sind durch sehr feine Hyphen (ss) miteinander verbunden. Einige der dünnen Hyphentreten durch Poren der Insekten und verbinden die Stopsellocken (Haustorien) innerhalb des Insektenkörpers mit der hüllenden Pilzmatte (fm). Beachte auch: die fruchtbare Oberfläche des Pilzes (fs) mit zahlreichen runden oder eiförmigen Zellen, die Probasidien (pb); septierte Basidien (ba), einige mit Sporen (sp); junge Schildläuse (ys) über die die fruchtbare Oberfläche kriechend, gelegentlich Sporen des Pilzes aufnehmend, die so damit infiziert werden. Zwischen Oberflächen- (tl) und Bodenschicht (bl) des Pilzes ist ein Teil einer Kammer oder eines Tunnels zu erkennen (Pfeil).“ Nicht erklärte Abkürzungen: b (Borke), cc (verbindende Hyhen?), nc (Markstrahlzellen?), OL (?), Ph (?), St (Saugrüssel), Sh (?), Slg (?), rp (?), gl (?), ov (ovar?). [Aus dem Englischen übersetzt, Reinhard Agerer]
Aus Couch (1938), Tafel 2
Eingestellt am 24. Oktober 2026
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Septobasidiales, Schildlauspilze
3 Der Septobasidiales Gewinn (TP)
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Können Septobasidiales für sich erschließen.
Ob sie Enzyme[5] dafür einmal besessen und später verloren
– Colacosomen[6] waren anfangs ihnen vielleicht noch zu eigen –
Bleibt ohne Antwort. Womöglich liegen Indizien noch im Genom[7].
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So bleiben sie immer auf der Schildläuse[8] Dienste verwiesen.
Beziehen, was diese für sich so geholt:
Aminosäuren, Fettsäuren, Zucker, Phosphate und vieles mehr.
Gewinnen so Energie und Stoffe, ohne selbst von Pflanzen Säfte zu nehmen.
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Ihre Gäste sorgen für Nahverbreitung,
Berühren sie auf ihren Wegen Hefen oder Mikrokonidien[9],
Die auf der schützenden Decke, mehrzelligen Sporen entsprossen,
Zum Mitnehmen bereit.
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Bedecken der Schildläuse Bleibe,
Falls saisonal schlechtes Klima und Trockenheit nah’n,
Dicht noch mit wandverdickenten Teliosporen[10], um,
Wenn günstig das Wetter, ausreichend feucht, Basidien und Sporen zu treiben.
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Aktiv schleudern für Fernverbreitung sie Sporen von Phragmobasidien[11].
Doch etliche bleiben, die Nachbarbasidien standen womöglich zu nah,
Auf dem Hymenium[12] ungewollt liegen;
Versuchen das Schicksal dennoch zu wenden,
Andere teilen sich schicksalsergeben mehrfach der Quere
Quadrupelstrategisch[17] wirkt hier die Evolution.
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Fußnoten
[1] Echte Pilze, Chitinpilze: Fungi (Opisthokonta – Eukarya)
[2] Echte Pflanzen: Plantae (Eukarya)
[3] Borke: Äußerste, tertiär entstandene Abschlussschicht an Bäumen; Korkschichten trennen, um entstandene Risse zum lebenden Gewebe hin wieder abzudichten, Teile des Bastes ab, die danach absterben und artabhängig in unterschiedlichen Formen abblättern; sekundäres Abschlussgewebe ist Rinde; primäres die Epidermis
[4] Holz i.w.S.: Lignifiziertes pflanzliches Gewebe
[5] Enzym: Protein, das, an spezielle Moleküle angepasst, Synthese oder Abbau katalysiert. Meistens werden mehrere Enzyme zu einem Komplex verbunden, um eine räumliche Nähe zwischen den einzelnen, aufeinanderfolgenden Syntheseschritten herzustellen
[6] Colacosom (Cryptomycocolacaceae): Eine Struktur ähnlich einem Haustorium wird vom Parasiten in die eigene Zelle (Cryptomycocolacaceae) getrieben; daraufhin durchlöchert der Parasit mehrfach seine und die Zellwand des Wirts, lässt das Plasmalemma des Wirts aber intakt; scheidet eine im TEM dunkel kontrastierende Substanz in diese Behälter, die offenbar der Aufnahme von Nährstoffen aus dem Wirt dienen
[7] Möglicherweise lassen sich noch Basensequenzen finden, die ehemaligen Enzymcodierungen entsprechen
[8] Schildläuse: Sternorrhyncha (Hemiptera – Acercaria – Neoptera – Pterygota – Dicondylia – …)
[9] Mikrokonidien (Basidiomycota): Kleine Konidien, die an Basidiosporen entstehen; entweder mit Hyphen oder mit Hefen keimend
[10] Teliospore: Eine dickwandige Dauerspore als Verbreitungseinheit, die zumindest anfangs ein Dikaryon enthält
[11] Phragmobasidie: In mehrere Zellen unterteile Basidie
[12] Hymenium (Fungi): geschlossene Schicht von Asci oder Basidien mit, falls vorhanden, dazwischenstehenden sterilen Elementen, Paraphysen (Ascomycotina) oder Cystiden (Agaricomycotina)
[13] Sterigma, Sterigmen (Basidiomycota): Dünne Fortsätze an der Basidie, an der die Sporen sitzen
[14] Sekundärsporen: Werden Sporen der Basidiomycota genannt, die als Ballistokonidien am Sterigma von Basidiosporen gebildet worden sind
[15] Mikrokonidien
[16] Basidiomycetoide Hefenbildung: Enteroblastische Hefenbildung, wobei nur die inneren Zellwandschichten der bildenden Zelle zur Bildung der neuen Zellwand herangezogen werden
[17] Vierfachstrategisch: Aktives Schleudern von Basidiosporen, Schleudern von Sekundärsporen, Bildung von Mikrokonidien und von Hefen
Eingestellt am 24. Oktober 2026
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Septobasidiales, Schildlauspilze
4 Auch der Schildläuse Vorteil (TP)
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Zweifellos tragen die Nahrungsbeschaffer an ihrem Schicksal schwer:
Bleiben klein, keine Freiheit, Männchen zu treffen, wird ihnen verwehrt,
Alle Reserven, die sie für sich eigentlich sammeln, werden ihnen genommen und
Wirken am Ende ausgezehrt.
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Die Glücklichen aber, die den Leimrutenhefen[1] entkamen,
Beziehen Nahrung in geräumigen Hallen mit bemerkenswert schützendem Dach,
Dick genug, Legebohrer der Schlupfwespenfeinde[2] als zu kurz erscheinen zu lassen:
Dringen nicht durch die Matte, bestimmt nicht bis hin zum Grund.
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Nur die Opferbereitschaft – so als wär dies ohne Zwänge gescheh’n! –
Einiger Schildlausweibchen sichert des Pilzes Leben.
Doch je mehr der Pilz sich verbreitert
– Radial wächst er mit Ringen und Rippen über Äste und Stamm –
So mehr zwingt er zur unentgeltlichen Arbeit.
Denn behütet er zu wenig Läuse,
Entsteht ein Mangel an Sklaven,
Bleibt mickrig, bietet nur einigen sicheres Heim.
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Zu beider Beteiligten Vorteil,
Zumindest im Sinne der Population[3], leben zwei Arten zusammen.
Wer aber genauer hinsieht und aufmerksam zählt,
Leben sie alle auf Kosten des Dritten.
Der Baum ist der Geprellte, er aber kann es verschmerzen:
Seine Fotosynthese[4] liefert im Überfluss andauernd nach.
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Fußnoten
[1] Basidiomycetoide Hefenbildung: Enteroblastische Hefenbildung, wobei nur die inneren Zellwandschichten der bildenden Zelle zur Bildung der neuen Zellwand herangezogen werden
[2] Schlupfwespen: Ischneumonidae; nicht separat behandelt (Ichneumonidea – Parasitica – Apocrita – Hymenoptera – Holometabola -…)
[3] Population (biologisch): Eine Gemeinschaft von Tieren, Pflanzen oder Pilzen, etc., deren Glieder in kompatibler sexueller Beziehung leben.
[4] Fotosynthetisch, Fotosynthese: Umwandlung von Lichtenergie in Energie organischer Moleküle. Dabei wird letztlich CO2 über komplexe Vorgänge zu energiereicher Glucose aufgebaut. Mit Hilfe von Chlorophyll (Licht!), erzeugtem ATP (zyklischer Elektronentransport) und NADPH2 (azyklischer Elektronentransport) werden von Zellen Zucker synthetisiert
Eingestellt am 24. Oktober 2026
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Septobasidiales, Schildlauspilze
5 Die Minimalisten (TP)
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Mehr will sie auch nicht,
Denn geht diese Saison vorüber, erleidet sie den sicheren Tod!
Was mit der Laus danach passiert, ist ihr egal,
Denn sie hat ihre Ziele erreicht
Und gut für Nachkommen gesorgt.
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Dickwandig, braun imprägniert, steh‘n sie dort,
Denn zum Überdauern sind sie gedacht,
Bis sie feuchte Wärme des Frühjahrs weckt.
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Einen Porus[5], nur wenig verstopft,
Leicht zu entfernen, wenn die Basidie nach außen sich drängt,
Trägt die Teliospore weit oben, und er steht fast immer noch frei,
Wenn die Zygote[6], vom Dach gelöst, irgendwo liegt.
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Bricht der Ständer[7] langsam hervor,
Sieht er anderen seiner Verwandtschaft recht ähnlich,
Jagt die Sporen gleichfalls aktiv von sich,
Die, irgendwo liegend, ihre zweite Chance ergreifen,
Die letzte, die ihr geblieben, denn Hefen[10] verlor sie zu ihrem Verdruss.
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Doch sie fand Ersatz für das, was ihr fehlt!
Nicht alle Teliosporen keimen mit Ständern!
Verschmelzen die Kerne nicht,
Löst sie ab, gibt für asexuelle Vermehrung[15] sie frei.
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Bringt, trifft sie auf eine Schildlaus,
Ihre zusammengehörenden Kerne gleich mit,
Braucht nicht, sexuell sich zu geben[16], auf einen Partner zu warten.
Ein solcher Treffer, wenn auch passiv erreicht, nicht geschossen,
Ermöglicht Uredinella das volle Programm,
Hat sich wohl deshalb bis heute durchgesetzt.
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Bringt auch Kunde der Evolution[17]
Wie die Rostpilzschwester[18] wohl damals entstand
Überwiegend aus ihnen bestand.SL
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Fußnoten
[1] Schildläuse: Sternorrhyncha (Hemiptera – Acercaria – Neoptera – Pterygota – Dicondylia – …)
[2] Uredinella coccidiophaga (Septobasidiales – Pucciniomycetes – Der modene Rest – Pucciniomycotina – Basidiomycota –…)
[3] Teliospore: Eine dickwandige Dauerspore als Verbreitungseinheit, die zumindest anfangs ein Dikaryon enthält
[4] Der Septobasidiales-Fruchtkörper dichte Versammlung von Hyphen für Probasidien, Teliosporen oder Basidien, die gleichsam ein schützendes Dach für die darunterliegenden Höhlungen und Schildläuse bilden
[5] Keimporus (Fungi) Dickwandige, meist braunwandige Sporen (Ascosporen, Basidiosporen, Teliosporen, etc.) lassen eine kleine, meist runde Stelle in der Wand unverdickt, damit Hyphen (Konidien, Metabasidien) beim Keimen leichter die Wand durchbrechen können
[6] Zygote: Diploide Zelle, die nach der Verschmelzung zweier haploider Kerne, im Zuge der sexuellen Fortpflanzung entstand
[7] Basidien: Ständer, auf denen sexuell gebildete Sporen entstehen
[8] Sterigma, Sterigmen (Basidiomycota): Dünne Fortsätze an der Basidie, an der die Sporen sitzen
[9] Sekundärsporen: Werden Sporen der Basidiomycota genannt, die als Ballistokonidien am Sterigma von Basidiosporen gebildet worden sind
[10] Hefen i.w.S.: Von Fungi (Echten Pilzen) durch Knospung gebildete Einzelzellen unterschiedlichster Form; Knospungsstellen sind als Narben in der Zellwand erkennbar; im weiten Sinne können sie von Ascomycota (Schlauchpilzen) wie von Basidiomycota (Ständerpilzen) gebildet werden; als Hefen in engerem Sinne werden jene der Ascomycota bezeichnet
[11] Konidie: Asexuell und nach außen gebildete Verbreitungseinheit, die mit einer Hyphe oder hefeartig keimt
[12] Keimporus
[13] Dikaryon, dikaryotisch: Zwei konträrgeschlechtliche haploide (n) Kerne [werden als (+)- und (–)-Kerne oder als α- und β-Kerne bezeichnet; unterscheiden sich ihre Behälter in Größe oder die Dikaryen bildenden Kerne in der Wanderungsrichtung, kann auch von männlichen (wandern zu ihren Partnern, die stationär bleiben) und weiblichen Kernen gesprochen werden], bilden funktionell eine Einheit (n+n), ohne miteinander zum diploiden Kern (2n) verschmolzen (K!) zu sein; sie teilen sich mitotisch synchron, um damit zwei Dikaryen zu bilden, sich zu verdoppeln. Im Entwicklungskreislauf erfolgt zwar zunächst die Plasmogamie (P!), doch die Karyogamie (K!) zum diploiden (2n) Kern wird erst kurz vor der Meiose (R!) vollzogen. Man spricht hier auch von verzögerter Karyogamie. Dikaryen treten bei Taphrinomycotina, Pezizomycotina, Pucciniomycotina, Ustilaginomycotina und Agaricomycotina auf
[14] Unseptiert: ohne Querwände
[15] Asexuelle Vermehrung: Rein mitotisch bedingte Vermehrung, daher Individuen genetisch identisch
[16] Geschlechtliche, sexuelle Fortpflanzung: Dafür sind drei Vorgänge miteinander gekoppelt, Meiose (abgekürzt mit R!), Plasmogamie (Zellen vereinen sich, abgekürzt mit P!) und Karyogamie (Kerne verschmelzen, abgekürzt mit K!), wobei P! und K!, mit Ausnahme bei Dikarya, unmittelbar aufeinander folgen. Bei Dikarya (Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi – Opisthokonta – Eukarya) sind beide Vorgänge unterschiedlich lang (weit) voneinander getrennt. Da bei Animalia und Plantae P! und K! unmittelbar aufeinander folgen, werden beide Vorgänge häufig zu Befruchtung (B!) zusammengefasst
[17] Evolution: Stammesgeschichtliche Entwicklung von niederen zu weiterentwickelten (zu oft höheren) Formen des Lebendigen
[18] Pucciniales: Rostpilzartige (Pucciniomycetes – Der moderne Rest – Pucciniomycotina – Basidiomycota – Dikarya –…)
[19] Farne: Pteridophyta s.s. (Pteridophyta s.l. – Trimerophyta – Eutracheophyta – Embryophyta – Streptophyta –…)
[20] Vegetation: Gesamtheit der Pflanzenformationen und Pflanzengesellschaften, die in einem Gebiet wachsen
SL Couch JN (1931) The biological relationship between Septobasidium reniforme (B. & C.) Pat. and Aspidiotus osborni New. and Clcll. J Cell Sci s2-74: 383-438. – Couch JN (1932) A new fungus intermediate between the rusts and Septobasidium. Mycologia 29(6): 665-673. – Couch JN (1938) The genus Septobasidium. Reprinted, Univ North Carolina, 2017.
Eingestellt am 24. Oktober 2026
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Endpunkt erreicht!
