zum Glossar mit Abbildungsverweisen über: 

Magnaporthaceae, Reisbrandartige

1 Die Wahl

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Zwei Wege, einer leichter, der andere schwierig,

Steh’n Parasiten[1] grüner Teile von Pflanzen, bereit:

Über Spalten[2], zum Austausch von Gasen geschaffen,

Oder direkt, wo immer sie treffen, sich Zutritt bohrend erzwingen.

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Die Suche nach Lücken am Blatt bedarf des ausgeprägten Empfindens

Geringer und hoher Konzentrationen von Gasen:

Erhöhte sauerstoff-, erniedrigte Kohlendioxidwerte

Richtung Spaltöffnung des zu besiedelnden Orts

Und der Hyphen Aussichten in dünnwandige Zellen,

In die Tiefe des Blatts zu dringen.

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Gering erweist sich dann noch der Aufwand,

Sich durch die Wände zu zwängen,

Um, eng ans Plasmalemma[3] geschmiegt,

Sich aus der Zelle frei zu bedienen.

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Die Reisseuche geht – und nicht nur sie – den schwereren Weg,

Bohrt sich von außen durch des Blatts Cuticula[4]

Und durch seiner Epidermis[5] entscheidend dickere Wand,

Um direkt ans begehrte Ziel zu gelangen.                                                                       

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Freilich, der Aufwand erweist sich als hoch,

Gilt es, mit kraftvollem Druck, auch mit enzymatischer[6] Hilfe,

Feine Kanäle für Zutritt zu lösen.

Lesen wir, was Magnaporthe grisea[7] dafür unternimmt.

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Fußnoten

[1] Parasit, Schmarotzer: Ein Organismus lebt auf Kosten eines anderen.

[2] Spaltöffnungen (Pflanzen): Spaltförmige Öffnungen in der Epidermis des Blatts/Stengels zum Gasaustausch (O2, CO2) und zur Abgabe von Wasser (Transpiration)

[3] Plasmalemma: Zellmembran (Lipiddoppelmembran) von Organismen; wird oft als Gegenstück zum Tonoplasten betrachtet, der im Zellinneren eine größere Saftvakuole umgibt; für Bakterien und Animalia kein gebräuchlicher Begriff

[4] Cuticula (Plantae): Wachsartiger Überzug, der nur Epidermiszellen von Blättern und jungen Sprossen und anderen der Luft ausgesetzten Geweben ohne Periderm überzieht. Durch ihre hydrophoben Eigenschaften verringern sich die Wasserverluste der Pflanze

[5] Epidermis (Plantae): Äußerste, einzelllagige Schicht von Blättern, Stengeln und Blütenorganen; bei Wurzeln wird sie Rhizodermis genannt

[6] Enzym: Protein, das, an spezielle Moleküle angepasst, Synthese oder Abbau katalysiert. Meistens werden mehrere Enzyme zu einem Komplex verbunden, um eine räumliche Nähe zwischen den einzelnen, aufeinanderfolgenden Syntheseschritten herzustellen

[7] Magnaporthe oryzae: Reisbrandpilz, Reisseuche (Magnaporthaceae – Sordariomycetidae – Sordariomycetes – Perithecienascomycota – Unitunicate Ascomycota -…)

Eingestellt am 24. Oktober 2026

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Magnaporthaceae, Reisbrandartige

2 Unglaublich gewalttätig (AP)

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Konidien[1], dreizellig für genügend Ersatz

Sollte eine das nötige Durchhaltevermögen nicht bringen,

Treiben, nachdem sie wasseraufnehmend die

Zellwand am vorderen Ende geöffnet,

Mit vorquellendem Tropfen Kleister ans Blatt sich geklebt,

Einen Keimschlauch[2] anderen Endes hervor,

Tasten damit nach der Fläche des Blatts.

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Findet er am richtigen Wirt, an Reis[3], den rechten Kontakt,

Bläht sich die Spitze,

Wenn der Zelle Inhalt nach vorne geschoben,

Zum Appressorium[4], zur breiten Kalotte[5];

Aktiviert Glycogen[6] und Lipid[7],

Für der Okkupation nun folgenden Schritt:

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Zu Acetaten[8] zerlegen sich Lipide, synthetisieren Melanine[9]

Für den Transfer nach außen zum Schutz;

Verstärkt zum Widerlager diese Kalotte

Für des Bohrers pressenden Schub.

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Auch der Kontakt zur Fläche des Blatts,

Wird mit Zellwand und klebend verstärkt;

Nur eine winzige Stelle inmitten der kreisrunden Zone bleibt frei;

Dort konzentriert sich Griseas[10] Geschäft.

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Glocogen zu Gycol[11] in Massen zerlegt,

Saugt osmotisch[12] Wasser in die Kalotte,

Treibt eine hauchfeine plasmatisch gefüllte Kanüle

Durch den verbliebenen Porus mit achtzig bar Druck.

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– Ein Vergleich zeigt die gewaltige Kraft:

Wenn auch unmöglich bei dessen Statur,

So stell dir doch einmal vor,

Du stündest auf einem einzigen Bein,

Strecktest den Handteller weit nach oben empor und

Hieltest damit eines ausgewachs’nen Elefanten[13] Gewicht[14],

So drückte deines Fußes Sohle den Boden mit

Gleicher Gewalt wie Magnaporthes Kanüle die Wand. –

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Existiert erst der dünne Kanal durch der Zelle kräftige Wand,

Erweitert Grisea erleichtert die eingedrungene Hyphe[15],

Verzweigt sie, stülpt der Pflanzenzelle Membran[16]

Wie eines Handschuhs Finger tief ins Lumen,

Besiedelt Nachbarregionen und

Tötet sie, ihren Inhalt entwendend, nach und nach ab.

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Spindelförmige, bräunlich-helle Läsonen[17] überziehen Blätter und Halm,

Geben verzweigten Konidienträgern[18] ausreichend Halt,

Erneut Propagulen[19] für ein Schmarotzerleben[20] Winden zu geben;

Nur selten findet Grisea Zeit für geschlechtliches Leben[21].

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Fußnoten

[1] Konidie: Asexuell und nach außen gebildete Verbreitungseinheit, die mit einer Hyphe oder hefeartig keimt

[2] Keimschlauch: Schlauchartige, zunächst querwandlose Struktur, mit der bewegliche oder unbewegliche, oft Überdauerungsstadien, auswachsen, „keimen“

[3] Reis, Asiatischer Reis: Oryza sativa (Oryzoideae – BOP-Verwandtschaft – Poaceae – Poineae – Poales –…)

[4] Appressorium: Verbreiterte Kontaktstelle einer in die Zelle eindringenden Hyphe; damit bildet sie ein Widerlager fürs Eindringen; dies ist nötig, weil das entstehende Haustorium nicht nur enzymatisch, sondern auch mit Druck wirkt; andernfalls könnte sich die Hyphe mitunter selbst von der Oberfläche wegdrücken und das Eindringen erschweren, wenn nicht sogar verhindern

[5] Kalotte: Teil eines Kugelkörpers, der durch den Schnitt mit einer Ebene abgetrennt wird

[6] Glycogen: Ein hochverzweigtes Polysaccharid aus meist α-1,4 verknüpfter Glucose (mitunter α-1,6 am freien [–CH2OH] des Glucoserings); Speicherprodukt von Tieren, Pilzen und Bakterien

[7] Lipide (Fettes Öl): Ein Triglycerid aus Glycerin (mit drei [–OH]-Gruppen) und drei Fettsäuren, die als Fettsäurereste unter Wasserabspaltung ans Glycerin gebunden und eine Bindungsgruppe –C–O–(C=O)– ergeben

[8] Acetat: Salz der Essigsäure, Essigsäureion: [CH3COO− + H+]

[9] Melanine (Fungi): Bräunliche bis schwarze Substanzen von Fungi, die ihren Ausgang von Pentaketiden nehmen (entstanden aus fünf Acetaten) und nicht von DOPA, wie dies für Animalia zutrifft

[10] Magnaporthe oryzae: Reisbrandpilz, Reisseuche (Magnaporthaceae – Sordariomycetidae – Sordariomycetes – Perithecienascomycota – Unitunicate Ascomycota -…)

[11] Glycole: Gruppe chemischer Verbindungen, die zu den zweiwertigen Alkoholen (mit zwei –OH-Gruppen) gehören; lösen sich hervorragend in Wasser; bekannteste Vertreter sind Ethylenglycol und Propylenglycol

[12] Osmotisch aktive Substanzen: Teilchen in einer Lösung, die Wasser anziehen und so den osmotischen Zustand einer Zelle beeinflussen können; zu diesen Substanzen gehören Ionen, Proteine und andere lösliche Moleküle wie Glucose und Harnstoff.

[13] Afrikanischer Elefant: Loxodonta africana (Elephantidae; nicht separat behandelt – Proboscidea – Thetytheria – Paenungulata – Afrotheria -…)

[14] Durchschnittlich 5500 kg

[15] Hyphen (Pilze): Einzellreihige, zellwandumgebene Fäden von Pilzen mit Spitzenwachstum, mit oder ohne Querwände

[16] Plasmalemma: Zellmembran (Lipiddoppelmembran) von Organismen; wird oft als Gegenstück zum Tonoplasten betrachtet, der im Zellinneren eine größere Saftvakuole umgibt

[17] Läsionen: Gewebeschädigungen durch Absterben oder Verletzung von Gewebe; bei Blättern oft mit Durchbruch verbunden

[18] Konidienträger, Konidiophor: Als Träger von Konidien besonders gestaltete Hyphen

[19] Propagulen: Allgemeine Bezeichnung für Verbreitungseinheiten

[20] Schmarotzer, Parasit: Ein Organismus lebt auf Kosten eines anderen

[21] Sexuelle, geschlechtliche Fortpflanzung: Dafür sind drei Vorgänge miteinander gekoppelt, Meiose (abgekürzt mit R!), Plasmogamie (Zellen vereinen sich, abgekürzt mit P!) und Karyogamie (Kerne verschmelzen, abgekürzt mit K!) verbunden, wobei P! und K!, mit Ausnahme bei Dikarya, unmittelbar aufeinander folgen. Bei Dikarya (Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi – Opisthokonta – Eukarya) sind beide Vorgänge unterschiedlich lang (weit) voneinander getrennt. Da bei Animalia und Plantae P! und K! unmittelbar aufeinander folgen, werden beide Vorgänge häufig zu Befruchtung (B!) zusammengefasst.

Eingestellt am 24. Oktober 2026

Hintergrundbild: Magnaporthe grisea (NFF Pyricularia oryzae)

Befallene Reisrispe

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:J_Sendra_with_Magnaporthe_grisea.jpeg

Autor: Coentor

Lizenz:  Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license; unverändert

Linker Einschub: Magnaporthe grisea (NFF Pyricularia oryzae)

Lizenz: Public domain; unverändert

Rechter Einschub: Magnaporthe grisea (NFF Pyricularia oryzae)

Lizenz: Public domain; unverändert

Eingestellt am 24. Oktober 2026

Oben: Magnaporthe grisea (NFF Pyricularia oryzae)

a. Samenfäule durch Pyricularia oryzae. b. Sporulation auf Wasseragar. c. Konidiosporen. d Konidienträger (Messstriche = 5 µm, außer anders angegeben)

Autor: Jie-Hao Ou

Lizenz:  Creative Commons Attribution 4.0 International license; unverändert

Unten: Magnaporthe grisea (NFF Pyricularia oryzae)

Reife Konidien

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rice_blast_spores.jpg

Autor: Donald Groth, Louisiana State University AgCenter, Bugwood.org

Lizenz: Public domain; unverändert

Eingestellt am 24. Oktober 2026

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Endpunkt erreicht!