zum Glossar mit Abbildungsverweisen über: 

Erysiphales, Echte Mehltaue

1 Der Reinfall (AP)

.

Fünf Stachelbeerbäumchen[1], in Reihe gesetzt,

Rot- und Grünfrüchtige sollten es sein,

Ergänzen den Garten am Rande des Beets,

Mit Stangen verseh’n, damit die Krone nicht knickt.

.

Groß schon hängen die Früchte,

Zart mit Rouge, denen es ziemt, überhaucht;

Hinter Zweigen und Stacheln verborgen,

Lugen einige weißlich – vielleicht fehlt ihnen Sonne – hervor.

.

Nach wenigen Tagen bereits bedeckt

Weißlicher Schimmel[2] viele der rötlichen Bäckchen.

Auch die grünen überzieht er mit auffallendem Samt.

Färbt sie jetzt bräunlich im dichten Gezweig!

.

Leicht lässt sich der Schimmel von ihrer Haut

Mit leichtem Druck wischen,

Zwar sauer noch, schmecken die Beeren,

Doch sonst fehlt ihnen nichts.

.

Mehltau, der Echte, hüllte

Blätter und Früchte nach und nach ein.

Hoffnung auf Süßes war längst schon dahin

Als gegen Mehltau zu spritzen Kölles Gartencenter empfahl!

Freilich, im nächsten Jahr erst würde dies helfen.

Pflücken, verpacken, vernichten, hätte heuer nur Sinn.

.

Fußnoten

[1] Stachelbeeren: Ribes unva-crispa (Grossulariaceae - Saxifragales – Superrosidae – Eudicotyle – Dicotyle s.l. –…)

[2] Schimmel (Pilze): Nebenfruchtformen von Pilzen; ein weißlicher, grauer, grünlicher, rötlicher, bräunlicher, rötlicher oder schwärzlicher Belag, der auf feuchten Substraten entsteht

Eingestellt am 24. Oktober 2026

.

Erysiphales, Echte Mehltaue

2 Schicksalsjahre (AP)

.

Plötzlich tauchte in Russland er auf!

Um Achtzehnhundertundneunzig,

Mors-uvae[1], der Stachelbeertöter!

Niemand weiß, wo den Ursprung er nahm!

.

War er schon immer latent an Früchten und

Änderte dann seine Gene, verhielt sich daraufhin aggressiv,

Oder brachte ganz ohne Absicht ihn jemand

Von seiner abgeschiedenen Urheimat mit?

.

Nach Westen breitet der Beerenverderber sich aus,

Grassiert in den weiten Beständen der Obstbauern,

Zerstörte fast hundert Prozent ihrer Ernte,

Im vierundzwanzigsten Jahr nachdem er in Russland entdeckt[2]! –

.

Schlimmer noch traf es, weil größer die Menge gezüchteter Beeren,

Kostbarer, begehrter, was aus ihnen gewonnen,

Winzer im Westen und Süden Europas,

Als Necator[3] der Weinberge tragende Reben befiel.

.

Inkognito kam er, so die Vermutung, aus USA!

Zuerst in England neunzehnhundertfünfundvierzig entdeckt,

Fiel er zwei Jahre später in französischen Weinbergen ein,

Drei Jahre darauf erreichte er Spanien,

Bevor er neun Jahre nach seinem Wirken in England

Frankreichs Weintraubenernte reduzierte, zu mehr als neunzig Prozent. –

.

Wenig dramatisch, was die Verluste betrifft,

Verlief des Eichenmehltaus[4] Invasion:

Neuzehnhundertsieben in Frankreich erstmals gefunden,

War er ein Jahr später nur schon der europäischen Eichen[5] überall Herr.

.

Junge Triebe, wohin du auch blickst,

Bedeckt ein dichtes, kalkiges Weiß

Mit dunklen Punkten dazwischen[6], wenn spät schon das Jahr.

Nur dann, wenn in der Anzucht die Bäumchen noch jung,

Besteht fürs Haupttriebverkrümmen erhöhte Gefahr und

Als Setzling[7], weil er den Wert für den Förster verliert.

.

Fußnoten

[1] Sphaerotheca mors-uvae: Stachelbeermehltau (Erysiphales – Leotiomycetes – Apothecienascomycota – Unitunicate Ascomycota – Inoperculate Ascomycota –…)

[2] 1913

[3] Uncinula necator: Echter Weinmehltau (Erysiphales – Leotiomycetes – Apothecienascomycota – Unitunicate Ascomycota – Inoperculate Ascomycota –…)

[4] Eichenmehltau: Microsphaera alphitoides (Erysiphales – Leotiomycetes – Apothecienascomycota – Unitunicate Ascomycota – Inoperculate Ascomycota –…)

[5] Eichen: Quercus spp. (Fagaceae – Fagales – ZyFaRoFaCu-Verwandtschaft – Rosanae – Rosidae –…)

[6] Fruchtkörper (Fungi): Komplexe Hyphengeflechte, die Überdauerungsorgane, Konidien oder Sporangien enthalten oder diese oberflächlich tragen

[7] Setzling: Junge herangezogene Pflanze, geeignet, ins Freiland gesetzt, gepflanzt zu werden

Eingestellt am 24. Oktober 2026

Links oben: Sphaerotheca mors-uvae, Stachelbeermehltau (Original; Reinhard Agerer)

Rechts oben: Microsphaera alphitoides, Eichenmehltau

Autor: Rasbak

Lizenz: GNU Free Documentation License; unverändert

Mitte links: Uncinula necator, Echter Mehltau auf Weinblatt; Nebenfruchtform, Blattoberseite (Original; Reinhard Agerer)

Mitte rechts: Uncinula necator auf Weintrauben; Nebenfruchtform

Autor: Maccheek

Lizenz: GNU Free Documentation License; unverändert

Unten: Uncinula necator

„Links: Von Oidium [Nebenfruchtform] geschädigte Beeren. Rechts: Kein Befall von Oidium. Durch den Befall bleibt die Beerenentwicklung stark zurück und die Beeren springen auf und vertrocknen“

Autor: Bauer Karl

Lizenz:  Creative Commons Attribution 3.0 Austria license; unverändert

Eingestellt am 24. Oktober 2026

Ausbreitungswege bedeutender Parasiten der Erysiphales:

Oben: Sphaerotheca mors-uvae, Stachelbeermehltau

Mitte: Uncinula necator, Echter Mehltau des Weins

Unten: Microsphaera alphitoides, Eichenmehltau

Nach verschiedenen Autoren

Eingestellt am 24. Oktober 2026

.

Erysiphales, Echte Mehltaue

3 Den Umständen angepasst (AP)

.

Hellbraune, hochrückige winzige Semmeln[1],[2] sitzen, so scheint es,

Nimmt man die Lupe, inmitten mehlweißen Geflechts[3];

Verbrannt sehen sie aus, wenn länger an dieser Stelle sie blieben;

Fallen mit Blättern zu Boden oder fliegen mit Winden davon.

.

Kleistothecien[4], geschlossene, allem Wetter trotzende Fruchtkörper,

Oft mit bizarren Anhängseln rundum verseh‘n;

Nicht zur Zierde! Dienen Ascomata[5] Auftrieb[6] zu geben,

Irgendwohin zu fliegen, sich in Lüften länger zu halten damit.

.

Irgendwann, im Frühjahr zumeist, zerbricht das zuvor unempfindliche Rund,

Lässt der Asci Köpfe erscheinen,

Die, am Scheitel mit Schlitz plötzlich sich öffnend,

Nicht selten jagen nur wenige Sporen hinaus.

.

Landen, spezialisiert sind sie sehr,

Hoffentlich auf dem richtigen Wirt

– Für sie wärs zu hoffen, nicht aber für Menschen –

Und keimen, wie zu erwarten, darauf umgehend aus.

.

Als Ektoparasiten[7], die meisten verhalten sich so,
Genügt ihnen der Inhalt der äußersten Zellen[8];

Durchdringen der Epidermis[9] Schutzschicht[10] und Wand,

Machen in Hunderten Zellen sich breit,

Belassen Hyphen auf der bereits besiedelten Fläche,

Geschützt von imprägnierten, dickeren Mauern[11];

Verwerten, was sie entnehmen für weiteres Wachsen;

Auch für clonale Vermehrung[12] wird damit gesorgt.

.

Deutlich zeigt sich ihr kluges Verhalten,

Mit Hyphengeflecht auf der Fläche zu wuchern:

Entwickeln senkrecht, weg vom Mycel,

In Massen kürzere Zweige mit Zellen[13] in Kette,

Oder einzeln, die sie, holoblastisch[14] befreiend,

Dem Wind übergeben als fliegende Saat.

.

Bestäubt scheint nun, blickt man mit Lupe über den Rasen,

Wie bepudert der Filz mit Mehl;

Reibst du mit Fingern darüber,

Bedeckt sie ein Hauch von staubigem Weiß.

.

Konidien, in riesigen Mengen gebildet,

Kleben mit kaum benetzbarer äußerer Schicht

Auf ebenfalls wasserabweisender Fläche des getroffenen Blatts;

Vereinen sich so, wie zwei Tropfen von Öl.

.

Schon verlassen Proteine der Konidien Hülle:

Mit Ziel Cuticula treten Cutinasen[15] hervor,

Bohren Löcher für Celluasen[16] und Pectinasen[17],

Für ihre Hyphe einen hauchfeinen Kanal.

.

Kaum hat sie die Wandung durchschritten,

Erweitert sie zur okkupierenden Blase sich,

Manche versuchen Finger aus ihr zu treiben;

Meist bleiben sie dort am Ursprung geborgen,

Von Plasmalemma[18] und Cellulose[19] ungeordnet umgeben.

In Schach gehalten von dieser Zelle in ihrer Not!

.

Fußnoten

[1] Semmel: Kleines, beim backen gebräuntes, ungesüßtes Gebäck aus Weizenmehl

[2] Fruchtkörper (Fungi): Komplexe Hyphengeflechte, die Überdauerungsorgane, Konidien oder Sporangien enthalten oder diese oberflächlich tragen

[3] Mycel: Gesamtheit dicht oft wachender Hyphen

[4] Kleistothecium: Für immer geschlossener Fruchtkörper, der auf Zerfall oder auf Gefressenwerden wartet

[5] Ascoma, Ascomata, Ascokarp: Fruchtkörper der Pezizomycotina

[6] Auftrieb: Der Schwerkraft entgegengesetzte Kraft, der ein in eine Flüssigkeit oder in ein Gas eingetauchter oder untergetauchter Körper unterworfen ist; sie wirkt senkrecht zur Bewegungsrichtung eines Körpers in einem Medium (Flüssigkeit oder Gas). Ist z. B. das spezifische Gewicht eines Körpers in einer bestimmen Höhe des Wasserkörpers geringer als Wasser, steigt er, ist er schwerer, sinkt er, bis sich, hängig vom einwirkenden Druck der Wassersäule, die Größen gleichen

[7] Ektoparasit: Parasit, der außerhalb des Körpers sitzt, nur oberflächlich in ihn eindringt und auf ihm lebt und trotzdem Nahrung vom Wirt bekommt

[8] Epidermiszellen

[9] Epidermis (Plantae): Äußerste, einzelllagige Schicht von Blättern, Stengeln und Blütenorganen; bei Wurzeln wird sie Rhizodermis genannt

[10] Cuticula (Plantae): Wachsartiger Überzug, der nur Epidermiszellen von Blättern und jungen Sprossen und anderen der Luft ausgesetzten Geweben ohne Periderm überzieht. Durch ihre hydrophoben Eigenschaften verringern sich die Wasserverluste der Pflanze

[11] Wände

[12] Clonale Vermehrung: Asexuelle Vermehrung (rein mitotisch bedingte Vermehrung, daher Individuen genetisch identisch)

[13] Konidie: Asexuell und nach außen gebildete Verbreitungseinheit, die mit einer Hyphe oder hefeartig keimt

[14] Holoblastische Konidienbildung: Dabei werden alle Zellwandschichten, die der Mutterzelle zu eigen sind, erweicht und in gleicher Schichtung (kontinuierlicher Übergang), bloß dünner, zur Bildung der Tochterzellwand verwendet, die dann bis zum Ende der Ontogenese annähern die gleiche Dicke wie jene der Mutterzelle erreicht

[15] Cutinasen: Spezifisches Enzym mit Hauptfunktion Cutin zu hydrolysieren, einem zähen, hydrophoben Polyester aus Hydroxyfettsäuren, der als Hauptbestandteil der pflanzlichen Schutzschicht (Cuticula) dient

[16] Cellulasen: Cellulose abbauende Enzyme

[17] Pectinasen: Pectin abbauende Enzyme

[18] Plasmalemma: Zellmembran (Lipiddoppelmembran) von Organismen; wird oft als Gegenstück zum Tonoplasten betrachtet, der im Zellinneren eine größere Saftvakuole umgibt

[19] Cellulose: Unverzweigte Ketten aus Glucose in β-1,4-Verknüpfung; wobei der 6C-Zucker Glucose in Ring-Form geschrieben, das C1 der Aldehydgruppe ist [CH2OHCHOHCHOHCHOHCHOHCHO], davon aus gerechnet ist der vierte Kohlenstoff das C4 ist. In Ringform geschrieben weist die OH-Gruppe des C1 nach oben, wie auch die frei gebliebene CH2OH-Gruppe. Die OH-Gruppen wechseln von 1 bis 4 die Stellung: C1 nach oben, C2 nach unten, C3 noch oben, C4 nach unten, an C5 hängt die nach oben stehende CH2OH-Gruppe

Eingestellt am 24. Oktober 2026

Uncinula salicis, Weiden-Mehltau (Original; Reinhard Agerer)

Dunkelbraune Kleistothecien in weißem dichten Mycel

Eingestellt am 24. Oktober 2026

Uncinula salicis, Weiden-Mehltau (Originale; Reinhard Agerer)

Links oben: Einige Fruchtkörper (Kleistothecien) mit Kranz bischofstabförmig gekrümmter Anhängseln.

Links unten: Ein Fruchtkörper im Dunkelfeld

Rechts: Gequetschtes Kleistothecium mit hervortretenden Asci; Asci oval mit dicker Wand, nur der Apex ist etwas dünnerwandig; dort öffnen sie sich bei Reife mit einem Schlitz; Sporen noch unreif.

Einsätze, Schemata: unten: mit Schlitz sich öffnender Ascus; Mitte links Plasmogamie von Ascogon und Antheridium; daneben: daraus entstandenes zweizelliges Stadium mit je einem Dikaryon, aus dem die ascogenen Hyphen wachsen und am Ende Asci bilden (ein Fall von mehreren möglichen, die von Erysiphales verwirklicht werden); daneben: Oidien in Kette bildende Hyphe; manche Erysiphales besitzen im Inneren einen gelben Fibroblasten (Uncinula aber nicht).

Eingestellt am 24. Oktober 2026

Haustorien der Erysiphales (Gäumann 1926, Seite 192)

„Fig. 121. 1 Uncinula salicis auf Salix discolor. Haustorien, die in die hypodermalen Zellschichten vorgedrungen sind. 2 Phyllactinia suffulta auf Cornus stolonifera. Hyphenzweig, in das Mesophyll eindringend. 3 Erysiphe graminis [= Blumeria graminis] auf Poa pratensis. Haustorien.“

Eingestellt am 24. Oktober 2026

.

Erysiphales, Echte Mehltaue

4 Dem Herbst entgegen

.

Ascogone[1], bauchige Zellen mit Stiel,

Formen in Vielzahl die Hyphen des weißen Geflechts[2]

Und Antheridien[3], gleich nebenan, mit Zug hin zum Weibchen;

Sie geben den Kern[4] dem wartenden, dem einzigen Partner.

Auch er, zu klein wohl, mehr von ihnen zu hüllen,

Gibt gleichfalls seinen fürs Dikaryon[5].

.

Das Dikaryon teilt sich, das Ascogon mit,

– Resultierend in mehreren Zellen –

Jede der Cyten[6] – manchmal, wie Sphaerotheca[7] dies zeigt, nur eine –

Wandelt sich manchmal direkt, ihr Volumen beträchtlich erhöhend zum Ascus,

Verdrängt, vielleicht sie verbrauchend,

Umgebende dünnwandige Zellen des noch jungen Hyphenballs[8].

.

Des Ascogons Stiel entwachsen Seite an Seite mehrere Hyphen,

Bedecken, an des Ascogons Scheitel sich treffend,

Die Mutter all ihrer Asci,

Schließen dichter sich zur Gemeinschaft zusammen,

– Dort, wo ihre Verwandten des Apotheciums[9] Öffnung geplant –

Halten den Ausgang für immer verschlossen jedoch.

.

Mehrfach ihre Zellen peri-[10] und antiklin[11] teilend,

Umschließen sie des Kleistotheciums[12] Asci mit mehrschichtiger Hyphenmauer:

Die inneren Zellen dienen womöglich als Nahrung,

Die äußeren, nachdem sie die Anhängsel[13] getrieben,

Sich imprägnierten[14], verdicken die Wände zur schützenden Hülle,

Bereiten den Mehltau, nahezu reif sind der Asci Sporen,

Auf ihren Sturz mit dem Blatt vor, oder auf ihren eigenen Flug.

.

Fußnoten

[1] Ascogon: Ein meist bauchiges, vielkerniges weibliches Gametangium, das mit einem Fortsatz dem männlichen Gametangium es erleichtert, es zu umschlingen, um an einer Stelle die trennenden Zellwände für Plasmogamie aufzulösen

[2] Mycel: Gesamtheit dicht oft wachender Hyphen

[3] Antheridium (Ascomycota): Männliches Gametangium, das seine Kerne in das weibliche einspeist

[4] Zellkern

[5] Dikaryon, dikaryotisch: Zwei konträrgeschlechtliche haploide (n) Kerne [werden als (+)- und (–)-Kerne oder als α- und β-Kerne bezeichnet; unterscheiden sich ihre Behälter in Größe oder die Dikaryen bildenden Kerne in der Wanderungsrichtung, kann auch von männlichen (wandern zu ihren Partnern, die stationär bleiben) und weiblichen Kernen gesprochen werden], bilden funktionell eine Einheit (n+n), ohne miteinander zum diploiden Kern (2n) verschmolzen (K!) zu sein; sie teilen sich mitotisch synchron, um damit zwei Dikaryen zu bilden, sich zu verdoppeln. Im Entwicklungskreislauf erfolgt zwar zunächst die Plasmogamie (P!), doch die Karyogamie (K!) zum diploiden (2n) Kern wird erst kurz vor der Meiose (R!) vollzogen. Man spricht hier auch von verzögerter Karyogamie. Dikaryen treten bei Taphrinomycotina, Pezizomycotina, Pucciniomycotina, Ustilaginomycotina und Agaricomycotina auf

[6] Zellen

[7] Sphaerotheca (Erysiphales – Leotiomycetes – Apothecienascomycota – Unitunicate Ascomycota – Inoperculate Ascomycota –…)

[8] Fruchtkörper

[9] Apothecium, Schüsselförmiger Fruchtkörper (Pezizomycotina): Fruchtkörper mit weiter Öffnung für das Hymenium (wie die konkave Seite einer Schüssel), so dass Asci ihre Sporen ungehindert in die Umgebung schießen können

[10] Periklin: parallel zur Oberfläche

[11] Antiklin: senkrecht zur Oberfläche

[12] Kleistothecium: Für immer geschlossener Fruchtkörper, der auf Zerfall oder auf Gefressenwerden wartet

[13] Anhängsel (Erysiphales): Sippenspezifisch umgestaltete, dickwandige, meist äquatorial abstehende, das Kleistothecium kranzförmig umgebende Hyphen

[14] Lagern Pilzmelanine ein

Eingestellt am 24. Oktober 2026

.

Erysiphales, Echte Mehltaue

5 Eigenartig (AP)

.

Nur einer der Mehltaue sticht aus der ganzen Sippe besonders hervor:

Blumeria graminis[1], als einzige Art auf Gräser[2] fixiert,

Lässt Haustorienballons[3] kräftige längere Finger entwickeln,

Keine andern Monokotylen[4] sind betroffen davon;

Freilich bleibt offen, nicht auszuschließen,

Nur Gräser gestatten diesem Schmarotzer[5]

Finger in die Länge zu ziehen.

Alle anderen Wirte halten Haustorien jedoch als Ballon.

.

Seine Konidienbildung[6] fällt gleichfalls heraus:

Formt seitlich der Hyphe, nach oben gestreckt, eine bauchige Zelle,

Bevor ein kürzerer Träger

Auf ihr Konidien in Reihe als stachlige Tönnchen mit Narbe befreit.

.

Seine asexuelle Vermehrung[7] scheint ihm genug,

– Zumindest legt er auf Fruchtkörper[8] verschwindenden Wert –

Hält Anhängsel hyphig, undifferenziert,

Setzt auf mehrere Asci, soweit der Raum ihm dies lässt,

Formt acht Sporen wie sich’s für Ascomycota gehört

Und wirkt im Ganzen recht konservativ. –

.

Welchen Sinn Sphaerotheca[9] in einzigem Ascus pro Fruchtkörper sieht,

Bedarf der Spekulation:

Waren kleinere Kleistothecien, um Material zu sparen und

Weiter zu fliegen, ihr Ziel,

Oder wollte sie gar ihr Risiko streuen[10],

An verschiedenen Stellen zu ungleichen Zeiten,

Abhängig von der Fruchtkörper allmählichen Reife am Blatt,

Sporen gestaffelt, der Unbill in kleinen Portionen nur geben?

Nicht alle auf einmal, nachdem die Fruchtkörper platzen und

Jeder Ascus fast zeitgleich schießt? –

.

Glaubt man Clustern der DNA-Analysen,

Entstand ihrer Anhängselhyphen Struktur

Mehrfach parallel in ähnlicher Weise:

Ob dichotom ihre Spitze und rückwärts gebogen,

Als einfache, bischofstabförmige Krümmung,

Oder wiederholt dichotom zum filigranen Deckchen verzweigt.

Was Anhängselhyphen ganz speziell bewirken können,

Zeigt Phyllactinia[11], sicher der ausgeklügeltste Fall.

.

Fußnoten

[1] Blumeria graminis: Gräsermehltau (Erysiphales – Leotiomycetes – Apothecienascomycota – Unitunicate Ascomycota – Inoperculate Ascomycota –…)

[2] Süßgräser i.w.S.: Poaceae (Poineae – Poales – Commelinanae – Liliidae – Dicotyle –…)

[3] Haustorien, Senker (Pilze): Spezielle Ausstülpungen von Hyphen, die in Zellen fremder Organismen eindringen, dabei aber nicht direkten Kontakt zum Protoplasten bekommen, bleibt doch die Zellmembran der Wirtszellen erhalten; sie vergrößert sich hingegen wenn nötig gar, um den voluminöser werdenden Eindringling zu umhüllen, es werden zudem Zellwandmoleküle des Wirts dazwischen abgelagert, die allerdings unter dem Einfluss des Parasiten dünnschichtig bleiben und sich nicht, wie für eine Zellwand typisch wäre, geregelt ordnen. Über diese Haustorien werden Substanzen dem Protoplasten entnommen

[4] Monocotyle, Einkeimblättrige: Liliidae (Dicotyle – Magnoliatae – Spermatophytina – Spermatophyta s.str. – Aneurophytales –…)

[5] Schmarotzer, Parasit: Ein Organismus lebt auf Kosten eines anderen

[6] Konidie: Asexuell und nach außen gebildete Verbreitungseinheit, die mit einer Hyphe oder hefeartig keimt;

[7] Sexuelle, geschlechtliche, Fortpflanzung: Dafür sind drei Vorgänge miteinander gekoppelt, Meiose (abgekürzt mit R!), Plasmogamie (Zellen vereinen sich, abgekürzt mit P!) und Karyogamie (Kerne verschmelzen, abgekürzt mit K!), wobei P! und K!, mit Ausnahme bei Dikarya, unmittelbar aufeinander folgen. Bei Dikarya (Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi – Opisthokonta – Eukarya) sind beide Vorgänge unterschiedlich lang (weit) voneinander getrennt. Da bei Animalia und Plantae P! und K! unmittelbar aufeinander folgen, werden beide Vorgänge häufig zu Befruchtung (B!) zusammengefasst.

Geschlechtszellen: Männliche und weibliche Zellen für geschlechtliche Fortpflanzung

[8] Kleistothecium: Für immer geschlossener Fruchtkörper, der auf Zerfall oder auf Gefressenwerden wartet;

[9] Sphaerotheca (Erysiphales – Leotiomycetes – Apothecienascomycota – Unitunicate Ascomycota – Inoperculate Ascomycota –…)

[10] Risikominimieren, Risikostreuen: Ein entscheidendes Prinzip der Evolution. Um Verluste an möglichen Nachkommen möglichst zu reduzieren, haben sich erfolgversprechende Strategien entwickelt; z. B. Risikostreuen, was bedeutet, nicht alles auf eine Karte zu setzen, nicht alle Sporen, Samen oder Früchte, auf einmal reifen zu lassen und in einem Schub zu verbreiten. Zeitliche Streuung z. B. erhöht die Wahrscheinlichkeit, günstige Zeiten für die Verbreitung durch Vektoren zu treffen, oder Perioden für günstiges Wachstum oder fürs Überleben, etc. Freilich wird dabei während eines Zeitpunktes die Menge der Verbreitungseinheiten geringer, doch am Ende wird sich diese Strategie evolutiv für den Organismus lohnen. Wenn aber Organismen fürs Wachstum auf zeitlich beschränktes Vorkommen günstiger Bedingungen angewiesen sind, wird eine explosionsartige Vermehrung die günstigste Lösung sein; in diesem Zusammenhang sind dann schnell reagierende Nebenfruchtformen mit ihren asexuell entstandenen Verbreitungseinheiten von Vorteil, z. B. dann, wenn ein Substrat (Stärke, Zucker, Partner eines Symbionten, Wirt eines Parasiten) stark umworben ist oder nur kurzzeitig zur Verfügung steht. Dieses Risikostreuen ist vergleichbar mit der Risikominimierung, die Aktieninhaber anwenden, wenn sie unterschiedlichste Aktien in ihrem Portfolio sammeln.

[11] Phyllactinia: Stelzenmehltau (Erysiphales – Leotiomycetes – Apothecienascomycota – Unitunicate Ascomycota – Inoperculate Ascomycota –…)

Eingestellt am 24. Oktober 2026

Merkmale besprochener Erysiphales-Gattungen (Originale; Reinhard Agerer)

Uncinula: bischofstab- oder ankerförmige Anhängsel; mehrere Asci pro Kleistothecium; 2-8 Sporen pro Ascus; knopfförmige Haustorien; Oidienbildung in Kette

Microsphaera: dichotom verzweigte Anhängsel; mehrere Asci pro Kleistothecium; 3-8 Sporen pro Ascus; knopfförmige Haustorien; Oidienbildung in Kette

Sphaerotheca: hyphenartige Anhängsel; ein Ascus pro Kleistothecium; 3-8 Sporen pro Ascus; knopfförmige Haustorien; Oidienbildung in Kette, mit Fibroblasten

Phyllactinia: stelzenförmige Anhängsel mit basaler Aufblähung, zusätzlich am Scheitel des Kleistotheciums mit verquellenden Hyphen; mehrere Asci pro Kleistothecium; 2-4 Sporen pro Ascus; knopfförmige Haustorien; solitäre Konidienbildung

Blumeria: hyphenartige Anhängsel; mehrere Asci pro Kleistothecium; 8 Sporen pro Ascus; fingerförmige Haustorien; Oidienbildung in Kette, mit basaler Aufblähung des Konidienträgers

Eingestellt am 24. Oktober 2026

.

Erysiphales, Echte Mehltaue

6 Abgehoben (AP)

.

Weit ragen Anhängsel[1] wie langgezogene Beine

Radial in Geringzahl südlich der Sphäre Äquator flach-parallel zum Blatt,

Zugespitzt, dickwandig bis in die feinste Spitze hinein,

Doch basal mit ausschließlich bauchseits dünnwandiger Blase verbunden.

.

Ein dichtfädiger Schopf aus verschleimenden Hyphen,

Wie eine Haube den freiliegenden Pol des Ascomas[2] bedeckend,

Liegt längstens bereit, der Reise Ziel zu fixieren;

Schon hebt sich im lauen Lüftchen die schwärzliche Sphäre[3]

Wie von Geisterhand vom Blatt in die Höhe;

Doch, nur der Blasen zartwandige Teile dellen sich

Dem Wasserverlust der Anhängsel folgend, mehr und mehr ein,

Drücken die Spitzen der fest mit ihnen verbundenen Stäbe nach unten,

Heben, sich schräg, dann immer steiler sich stellend,

Den Fruchtkörper, wie auf Stelzen nun stehend, nach oben,

Zerreißen die letzten noch haltenden Fäden[4],

Stellen die schleimige Kappe frei in die Luft.

.

Bietet sich, nichts anderes wollte Phyllactinia[5] damit bezwecken,

Dem Wind als Fähre für ihr kostbares inneres Gut[6];

Braucht auch nicht lange zu warten, bis sie,

Schleimige Haube voran, dem leichten Wind folgend, leichtfüßig schwebt.

.

Weit ging die Reise noch nicht!

Schon stößt die klebrige Haube an einen Zweig,

Fixiert den Fruchtkörper dort, wo er landet,

Denn sein eigenes Ziel ist erreicht,

Bevor der Winter ihn überrascht.

Wartet geduldig auf wärmende Zeit. –

.

Reißt, wenn feucht der Frühling sich nähert,

Ringsherum an vorgebildeter Naht,

Klappt den stelzentragenden[7] unteren Teil zurück,

Weil schwer und nicht an der Rinde fixiert,

Bietet den Asci, ihre Scheitel ragen heraus,

Freie Bahn für der Sporen Fahrt. –

.

Wer traut seinen Augen, sieht er dieses Prinzip?

Fragt er nicht, was war nun zuerst?

Der schleimige Kopf

Oder der Stelzen Hygroskopie[8]? –

.

Auch eine andere Gattung zeigt einen schleimigen Kopf[9],

Doch Stelzen wuchsen ihr nicht!

Einer weiteren blähten der Anhängsel Basen sich auf,

Ohne als Stelzen zu wirken, doch fehlt ihr der schleimige Kopf[10].

.

Fußnoten

[1] Anhängsel (Erysiphales): Sippenspezifisch umgestaltete, dickwandige, meist äquatorial abstehende, das Kleistothecium kranzförmig umgebende Hyphen

[2] Ascoma, Ascomata, Ascokarp: Fruchtkörper der Pezizomycotina

[3] Kleistothecium: Für immer geschlossener Fruchtkörper, der auf Zerfall oder auf Gefressenwerden wartet;

[4] Hyphen (Pilze): Einzellreihige, zellwandumgebene Fäden von Pilzen mit Spitzenwachstum, mit oder ohne Querwände

[5] Phyllactinia: Stelzenmehltau (Erysiphales – Leotiomycetes – Apothecienascomycota – Unitunicate Ascomycota – Inoperculate Ascomycota –…)

[6] Asci

[7] Stelzenförmige Anhängsel

[8] Hygroskopische Bewegung: Durch Quellung bzw. Austrocknung von Pflanzen- oder Pilzstrukturen entstehende Krümmungsbewegungen, grundgelegt durch asymmetrische Wandschichtungen; sind nur auf physikalische Prozesse zurückzuführen, ohne Beteiligung lebender Zellen

[9] Thyphulochaeta (Erysiphales – Leotiomycetes – Apothecienascomycota – Unitunicate Ascomycota – Inoperculate Ascomycota –…)

[10] Bulbouncinula (Erysiphales – Leotiomycetes – Apothecienascomycota – Unitunicate Ascomycota – Inoperculate Ascomycota –…)

Eingestellt am 24. Oktober 2026

Phyllactinia guttata (syn: P. suffulta)

Oben: Vom Blatt abgehobenes Kleistothecium mit nach unten geschlagenen Stelzen und Schleimballen am Scheitel.

Original; Reinhard Agerer

Unten, Zeichnung, Mitte links: Verzweigte schleimbildende, bürstenförmige Hyphe des Kleistotheciumscheitels. Messstrich 20 µm

Unten, Zeichnung, rechts oben: Zweisporiger, leicht dickwandiger Ascus mit abgeplattetem Scheitel; Messtrich: 20 µm

Unten, Zeichnung: Aufrecht gestellte Stelze mit bauchseits kollabierter Blase

Zeichnungen nach Webster & Weber (2007), Fig. 13.14, d-f, Seite 409

Eingestellt am 24. Oktober 2006

Phyllactinia guttata (syn: P. suffulta)

Oben: Auf dem Blatt liegendes Kleistothecium, im Mycel noch mit Hypen befestigt, Stelzen mehr oder weniger waagrecht stehend, Scheitel mit schleimbildenden, bürstenförmigen Hyphen.

Mitte: Stelzen haben sich nach unten geschlagen durch einseitiges, ventrales Kollabieren der ungleichverdickten Blasen, dadurch hob sich der Fruchtkörper ab und löste sich vom Mycel; steht nunmehr nur auf den Stelzenspitzen; zugleich sonderten die bürstenförmigen Zellen des Kleistotheciumscheitels Schleim ab und verlagerten dadurch den Schwerpunkt des Fruchtkörpers nach oben. Nur vordere Stelzen eingezeichnet.

Unten: Nach Flug des Kleistotheciums, heftete sich der Schleimscheitel am Substrat an (schwerpunktbedingt, flog er damit voraus). Nach einer Ruhepause über den Winter, reißt der Fruchtkörper rundherum an einer vorgebildeten Ringlinie auf, der ascustragende untere Teil des Kleistotheciums klappt nach unten, die Ascuscheitel werden frei und können ihre Sporen abschießen.

Nach Webster & Weber (200), Fig. 13.14, a-c, Seite 409.

Eingestellt am 24. Oktober 2026

Erysiphales: Übersicht über die Gattungen und über die internen Verwandtschaften (nach Mori et al. 2000 und weiterer Autoren)

Erste Abbildung:

Verwendete Merkmale: Parasitisch auf Dicotylen; parasitisch auf Monocotylen. – ectophytisch¸ endophytisch. – Art der Nebenfruchtformen: Oidienbildung (1. und 2. von links: mit Fibroblasten; 2., 3., und 5. von links: ohne Fibroblasten; 4. Einzelkonidienbildung). – Mit Knopfhaustorien (1. - 6. von links), mit fingerlappigen Haustorien (7. Von links). – Anzahl der Asci pro Kleistothecium (ganz links, einer pro Fruchtkörper; übrige mit mehreren). – Anzal der Sporen pro Ascus, artabhängig, z.T. auch individuenabhängig: 6-8; 4-8; 8. – Anhängseltyp: dichotom gegabelt; einfache Hyphen, bischofstabförmig oder ankerförmig.

Tribus Cystotheceae: Ein Ascus pro Kleistothecium; Anhängsel mehrfach dichotom gegabelt, bischofstabförmig oder ankerförmig, hyphig; Oidien mit Fibroblasten; Knopfhaustorien (Sphaerotheca, Cystotheca, Podosphaera)

Tribus Sawadaeeae: Mehrere Asci pro Kleistothecium; Anhängsel bischofstabförmig oder ankerförmig; Oidien mit Fibroblasten; Knopfhaustorien (Sawadaea)

Erysiphales: Übersicht über die Gattungen und über die internen Verwandtschaften (nach Mori et al. 2000 und weiterer Autoren)

Zweite Abbildung:

Verwendete Merkmale: Parasitisch auf Dicotylen; parasitisch auf Monocotylen. – ectophytisch¸ endophytisch. – Art der Nebenfruchtformen: Oidienbildung (1. und 2. von links: mit Fibroblasten; 2., 3., und 5. von links: ohne Fibroblasten; 4. Einzelkonidienbildung). – Mit Knopfhaustorien (1. - 6. von links), mit fingerlappigen Haustorien (7. Von links). – Anzal der Asci pro Kleistothecium (ganz links, einer pro Fruchtkörper; übrige mit mehreren). – Anzahl der Sporen pro Ascus, artabhängig, z.T. auch individuenabhängig: 2-4; 2; 2-5; 8. – Anhängseltyp: stelzenförmig mit basal hygroskopisch wirkender Blase und Schopf verschleimender Hyphen; einfache Hyphen, bischofstabförmig oder ankerförmig.

Tribus Phyllactinieae: Mehrere Asci pro Kleistothecium; Anhängseltyp: stelzenförmig mit basal hygroskopisch wirkender Blase und Schopf verschleimender Hyphen, hyphig, bischofstabförmig oder ankerförmig; Einzelkonidienbildung; Knopfhaustorien (Phyllactinia, Leveillula, Pleochaeta)

Tribus Blumerieae: Mehrere Asci pro Kleistothecium; Anhängsel hyphig; Oidienbildung auf basaler Blase; fingerlappige Haustorien (Blumeria)

Erysiphales: Übersicht über die Gattungen und über die internen Verwandtschaften (nach Mori et al. 2000 und weiterer Autoren)

Dritte Abbildung:

Verwendete Merkmale: Parasitisch auf Dicotylen; parasitisch auf Monocotylen. – ectophytisch¸ endophytisch. – Art der Nebenfruchtformen: Oidienbildung (1. und 2. von links: mit Fibroblasten; 2., 3., und 5. von links: ohne Fibroblasten; 4. Einzelkonidienbildung). – Mit Knopfhaustorien (1. - 6. von links), mit fingerlappigen Haustorien (7. Von links). – Anzal der Asci pro Kleistothecium (ganz links, einer pro Fruchtkörper; übrige mit mehreren). – Anzahl der Sporen pro Ascus, artabhängig, z.T. auch individuenabhängig: 3-8; 2-8; 6-8; 8. – Anhängseltyp: mehrfach dichotom verzweigt, hyphig, stelzenförmig mit basaler Blase, bischofstabförmig oder ankerförmig, mit Hyphen und Setae, nur mit Schopf verschleimender Hyphen, unregelmäßig verzweigt, doch definierter Länge.

Tribus Erysipheae: Mehrere Asci pro Kleistothecium; Anhängseltyp: mehrfach dichotom verzweigt, hyphig, stelzenförmig mit basaler Blase, bischofstabförmig oder ankerförmig, mit Hyphen und Setae, nur mit Schopf verschleimender Hyphen, unregelmäßig verzweigt, doch definierter Länge; Oidien ohne Fibroblasten; Knopfhaustorien (Microsphera, Brasiliomyces, Uncinuliella, Medusosphaera, Arthrocladiella, Uncinula, Erysiphe, Bulbouncinula, Setoerysiphe, Typhulochaeta)

Eingestellt am 24. Oktober 2026

.

Erysiphales, Echte Mehltaue

7 Der Echte (AP)

.

Wenn beidseits Blätter weißlich mit Hyphen bemehlt,

Weil sie mit Senkern[1] überall Zugang erzwingen,

Erkennt auch der Laie den Echten Mehltau[2] sofort;

Der Falsche[3] hingegen, lässt seine Hyphen,

Zwar auch haustorienbewaffnet im Blattgewebe hausieren,

Sucht aber, um Propagulen[4] ins Freie zu bringen,

Spaltöffnungen[5] für die Träger und

Zeigt sich nur auf der unteren Seite des Blatts.

.

Sex[6] haben die Falschen im Blattinnern versteckt;

Ruhen als Dauerzygote[7] dem Frühjahr entgegen,

Fruchtkörper[8] sind ihnen fremd,

Dunkle Punkte[9] im weißen Belag kennen sie nicht.

.

Modern, trichal[10], organisieren Erysiphales die Hyphen,

Nicht als vielkernige Schläuche[11], wie die Falschen dies tun.

Lang schon verloren der Echten Urururahnen die treibende Geißel[12],

Doch der Nachahmer[13] Sporen vertrauen ab und an noch darauf,

Für ihre schlüpfenden, heterokont begeißelten[14] Schwärmer[15],

Genügend Wasser zu finden.

.

Bekämpft der Winzer die beiden,

Verlässt er sich aufs Bild des Befalls!

Mit Kalkmilch und Schwefel[16] bekämpft er den Echten,

Den andern mit Kupfersulfat[17];

Doch heute versprüht er des Öftern Fungizide[18],

Sorgfältig nach den Schmarotzern[19] gewählt.

.

Denn beide, so hat er in Kursen gelernt,

Unterscheiden sich in der Zellen Chemie,

Im Bau ihrer Wand

Und in der Mitochondrien[20] Typ:

.

Lysin synthetisieren[21] die Echten

Wie es für Fungi[22], auch für Echte Tiere[23] gehört,

Nur über AAA[24], DAP[25] verwenden die Falschen;

Nikotinsäure[26] produzieren die Echten wie Tiere

Aus der Aminosäure Tryptophan[27],

Die andern wie Plantae[28] über Moleküle mit dreifachem C.

.

Mit Cristae-Mitochondrien[29] gestalten ihr Leben Erysiphales,

Wie Animalia auch,

Auf Tubuli-Mitochondrien[30] verlassen sich,

Wie Farbalgen[31], die andern.

Mit Chitin[32] verstärkt Echter Mehltau die Wände,

Falscher hingegen verwendet Cellulose[33] dafür! –

.

Blättert der Leser im Buch etwas weiter,

Findet er Falsche Mehltaupilze

Unter der Chromalveolarien[34] Peronosporomycetes[35] und schließt:

Aus gänzlich verschied’nen Verwandtschaften stammt,

Was gemeinhin unter dem Namen

Mehltau bekannt. –

.

Manche Winzer Frankeichs waren sehr schlau,

Beobachteten ihrer Weinberge Pflanzen genau und

Setzten, weil sie erkannten, auch Rosen[36] werden befallen,

Nur früher als ihre kostbaren Reben[37], mit eigenem Mehltau[38],

Mit Absicht Rosen um ihren Berg.

Bekämpften, wenn Rosen von den Schmarotzern befallen,

Zur rechten Zeit, wenn des Weinmehltaus Sporen zum Leben erwachen,

Necator[39] sprühend mit schwefligem Kalk.

.

Fußnoten

[1] Haustorien, Senker (Pilze): Spezielle Ausstülpungen von Hyphen, die in Zellen fremder Organismen eindringen, dabei aber nicht direkten Kontakt zum Protoplasten bekommen, bleibt doch die Zellmembran der Wirtszellen erhalten; sie vergrößert sich hingegen wenn nötig gar, um den voluminöser werdenden Eindringling zu umhüllen, es werden zudem Zellwandmoleküle des Wirts dazwischen abgelagert, die allerdings unter dem Einfluss des Parasiten dünnschichtig bleiben und sich nicht, wie für eine Zellwand typisch wäre, geregelt ordnen. Über diese Haustorien werden Substanzen dem Protoplasten entnommen

[2] Uncinula necator: Echter Weinmehltau (Erysiphales – Leotiomycetes – Apothecienascomycota – Unitunicate Ascomycota – Inoperculate Ascomycota –…)

[3] Plasmopara viticola: Falscher Weinrebenmehltau (Peronosporales; nicht separat behandelt – Peronosporomycetidae – Peronosporomycetes – Straminipila – Wimpeola –…)

[4] Propagulen: Allgemeine Bezeichnung für Verbreitungseinheiten

[5] Spaltöffnungen (Pflanzen): Spaltförmige Öffnungen in der Epidermis des Blatts/Stengels zum Gasaustausch (O2, CO2) und zur Abgabe von Wasser (Transpiration)

[6] Sexuelle, geschlechtliche Fortpflanzung: Dafür sind drei Vorgänge miteinander gekoppelt, Meiose (abgekürzt mit R!), Plasmogamie (Zellen vereinen sich, abgekürzt mit P!) und Karyogamie (Kerne verschmelzen, abgekürzt mit K!) verbunden, wobei P! und K!, mit Ausnahme bei Dikarya, unmittelbar aufeinander folgen. Bei Dikarya (Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi – Opisthokonta – Eukarya) sind beide Vorgänge unterschiedlich lang (weit) voneinander getrennt. Da bei Animalia und Plantae P! und K! unmittelbar aufeinander folgen, werden beide Vorgänge häufig zu Befruchtung (B!) zusammengefasst

[7] Dauerzygote, Hypnozygote: Zygote, die der Überdauerung dient, meist gekennzeichnet durch dicke, widerstandsfähige, oft auch dunkle Wand, gelegentlich mit Oberflächenstrukturen

[8] Fruchtkörper (Fungi): Komplexe Hyphengeflechte, die Überdauerungsorgane, Konidien oder Sporangien enthalten oder diese oberflächlich tragen

[9] Kleistothecium: Für immer geschlossener Fruchtkörper, der auf Zerfall oder auf Gefressenwerden wartet

[10] Trichal (Algen, Pilze, u.a.): Gebaut aus einzellreihigem Faden, wobei jede Zelle funktionell nur einen Zellkern besitzt, n, 2n (oder n+n, Dikaryon, bei Pezizomycotina und Agaricomycotina)

[11] Siphonal (Algen, Pilze): Vielkernige, lange Schläuche ohne untergliedernde Querwände

[12] Geißel, Flagellum, Ciie (Eukaryageißel): Charakterisiert durch ihren internen Bau aus 9 peripheren, etwas schräg nach innen gestellten Doppelmikrotubuli (Querschnitt durch die Geißel) und einem zentralen Tubulipaar, das etwas Abstand voneinander hält. Dyneinarme verbinden die Mikrotubuli. Die Geißel ist von der Zellmembran umgeben und gefüllt mit Cytosol. Am Übergang der Geißelbasis in den Zellkörper treten spezielle Verstrebungen, Verstärkungen, auf; eine dünne Querplatte trennt oft den untersten, in die Zelle integrierten Teil, der in seiner Struktur einem Centriol entspricht: Es fehlen die beiden zentralen Mikrotubuli und die peripheren Zwillinge wurden zu Drillingen. Die in der Zelle gelegenen Teile der Geißel sind noch durch verwandtschaftsabhängig gestaltete Haltestrukturen verwurzelt

[13] Falsche Mehltaupilze: Peronosporomycetes (Straminipila – Wimpeola – Chromalveoalata – Eukarya)

[14] Geißeltyp (Eukarya, heterokont): Trägt der Flagellat zwei Geißeln, so sind sie ungleich gestaltet; eine ist mit zwei Reihen seitlicher Haare ausgestattet und ragt nach vorne, die andere ist glatt und peitschenartig nach hinten gerichtet

[15] Schwärmer, Zoid: Allgemeiner Ausdruck für begeißelte, bewegliche Zellen (Zoospore oder Gamet)

[16] Schwefelkalk: S2 in wässrigem Ca(OH)2

[17] Kupfersulfat: [ CuSO4]

[18] Fungizid: Substanz (oft von Bakterien oder Pilzen stammend, wenn nicht synthetisch gewonnen), die gegen Pilze wirkt

[19] Schmarotzer, Parasit: Ein Organismus lebt auf Kosten eines anderen

[20] Mitochondrien: Gelten als Kraftwerke der Zellen, da sie Energie für die zellulären Prozesse liefern; es lassen sich Außen- und Innenmembran unterscheiden, wobei die innere Membran auf einen zellwandlos gewordenen Endosymbionten (ein Alpha-Proteobacterium) zurückgeht, während die äußere Membran der Plasmamembran der eukaryotischen Zelle entspricht; prokaryotische Chromosomen weisen ebenfalls auf einen aufgenommenen prokaryotischen Endosymbionten als Ursprung der Mitochondrien hin

[21] Lysin-Biosynthese (s. Abbildung im Anschluss)

[22] Fungi: Echte Pilze, Chitinpilze (Opisthokonta – Eukarya)

[23] Echte Tiere: Animalia (Opisthokonta – Eukarya)

[24] AAA: Alpha-Amino-Adipinsäure

[25] DAP: Diamino-Pimelinsäure

[26] Nicotinsäure-Biosynthese (s. Abbildung im Anschluss)

[27] Tryptophan: Aminosäure mit aromatischem (= mit konjugierten Doppelbindungen); Kohlenstoff(hetero)zyklus

[28] Plantae: Echte Pflanzen (Eukarya)

[29] Cristae-Mitochondrien: Des Mitochondriums innere, seine eigentlich eigene Zellmembran, stülpt zur Oberflächenvergrößerung Scheidenförmige Strukturen ein

[30] Tubuli-Mitochondrien: Des Mitochondriums innere, seine eigentlich eigene Zellmembran, stülpt zur Oberflächenvergrößerung fingerförmige Strukturen ein

[31] Farbalgen: Chromophyta (Straminipila – „Wimpeola“ – Chromalveolata – Eukarya)

[32] Chitin: Polymer aus N-Acetyl-Glucosamin, entstanden aus 1,4-β-Glucosen, an deren C2 eine [–NHCOCH3]-Gruppe hängt; anders ausgedrückt, an deren C2 eine [–NH2]-Gruppe, eine Aminogruppe, hängt, bei der ein Wasserstoffatom durch ein Acetyl [–COCH3] ersetzt ist. Zellwandpolysaccharid der Fungi (Echte Pilze), einiger Cnidaria (Nesseltiere), Lophophorata (Tentakulierte) und Exoskelett der Arthropoda (Gliederfüßer)

[33] Cellulose: Unverzweigte Ketten aus Glucose in β-1,4-Verknüpfung; wobei der 6C-Zucker Glucose in Ring-Form geschrieben, das C1 der Aldehydgruppe ist [CH2OHCHOHCHOHCHOHCHOHCHO], davon aus gerechnet ist der vierte Kohlenstoff das C4 ist. In Ringform geschrieben weist die OH-Gruppe des C1 nach oben, wie auch die frei gebliebene CH2OH-Gruppe. Die OH-Gruppen wechseln von 1 bis 4 die Stellung: C1 nach oben, C2 nach unten, C3 noch oben, C4 nach unten, an C5 hängt die nach oben stehende CH2OH-Gruppe

[34] Chromalveolata: Bläschenumgrenzte (Eukarya)

[35] Peronosporomycetes: Falsche Mehltaupilze i.w.S. (Straminipila – Wimpeola – Chromalveoalata – Eukarya)

[36] Rosen: Rosa spp. (Rosoideae – Rosaceae – Rosales – ZyFaRoFaCu-Verwandtschaft – Rosanae –…)

[37] Vitis vinifera, Weinrebe (Vitaceae; nicht separat behandelt – Vitales – Rosidae – Superrosidae – Eudicotyle –…)

[38] Rosen-Mehltau: Podosphaera pannosa (Cystotheceae – Erysiphales – Leotiales – Apothecienascomycota – Unitunicate Ascomycota –…)

[39] Uncinula necator

Eingestellt am 24. Oktober 2026

Lysinbiosynthesewege von Pilzen

Links: Peronosporomycetes und Plantae. Hier entsteht über die m-Diaminopimelinsäure (DAP; ihr Synthesewege aus Asparaginsäure, Aspartat, ist kurz angegeben) das Lysin.

Für mehr Detailinteressierte: DHDPS = Dihydrodipicolat-Syntase; DHDPR = Dihydrodipicolinat-Reduktase; HTPA(S) = Hydroxy-Tetrahydro-Dipicolinsäure; THDP = Tetrahydrodipicolinat; DAPDC = Diaminopimelat-Decarboxylase. (Strukturformeln der Moleküle werden hier und im Glossar nicht angegeben)

Rechts: Fungi und Animalia. Hier erfolgt die Lysinbiosynthese aus Alpha-Amino-Adipinsäure (AAA; ihr ihr Synthesewege aus a-Ketoglutarat ist kurz angegeben) und über einige weitere Schritte.

Für mehr Detailinteressierte: HCS = Homocitratsynthase; HAc = Homocitrat-Aconitase; HIDC(H?) = Homoisocitrat-Decarboxylase; PLP-AT = Pyridoxalphosphatabhänige Aminoadipat-Transaminase;

Die Lysinbiosynthese der Peronosporomycetes (Unechte Pilze, Cellulosepilze) und Fungi (Echte Pilze, Chitinpilze) unterscheiden sich damit grundsätzlich.

Eingestellt am 24. Oktober 2026

Nikotinsäuresynthese bei Pilzen (ppt-generiert; Reinhard Agerer)

Linker Pfad: Syntheseschritte bei Fungi und Animalia

Links oben Tryptophan, darunter ein Umbauprodukt, darunter Chinolinsäure, darunter Nicotinsäure

Rechter Pfad: Syntheseschritte bei Bacteria, Peronosporomycetes und Plantae

Rechts oben Glycerin, darunter Asparaginsäure, darunter Chinolinsäure, darunter Nicotinsäure

Grau: Kohlenstoff; blau: Stickstoff; rot: Sauerstoff; violett: Wasserstoff; dünne grüne Linie: Einfachbindung; dicke grüne Linie: Doppelbindung.

Eingestellt am 24. Oktober 2026

.

Endpunkt erreicht!

.

.

.