zum Glossar mit Abbildungsverweisen über:

Cryptomycocolacomycetes, Colacosomenpilze
1 Auf die Spitze getrieben
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Obwohl davon nur zwei Arten bislang bekannt,
Setzen sie Mykologen in pure Erregung,
Fanden sie doch rund um den einfachen Porus eine Struktur,
Wie in ähnlicher Weise sie von Pezizomycotina[1] seit langem bekannt:
Bällchen, membranumgeben, Woroninbodies[2] recht ähnlich,
Drängeln sich neben Microbodies[3] im Raum um das Tor.
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Und nicht nur dies!
Auch der Spindelpolkörper[4], enggeschmiegt liegend am Kern,
Ist nur ein einzelnes Stück!
Spaltet sich, bevor der Zwilling zum anderen Pol auf Reisen geht![5]
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Wer hat schon je von Basidiomycoten dieses geseh‘n?!
Ist nicht an Ahnen dies Reminiszenz,
Und sie heute Merkmale beider noch zeigen?
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Zwei Vertreter, einzeln in je einer Gattung,
Finden Ascomycota als Wirte attraktiv;
Der eine wächst auf Sklerotien[8] in Costa Rica,
Sein Bruder auf Hyphen hiesiger Borkenbohrgalerien,
Die nach allem Anschein Käfern[9] helfen,
Borke und Holz zu verdau‘n.
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Verborgen leben die beiden, deshalb Cryptomyco-, der erste Teil ihres Namens,
Der zweite weist auf ihre Besonderheit hin,
Mit raffinierten Strukturen, Colacosomen[10], ihren Schmarotzerkomponenten,
Nahrung aus Wirten zu zieh’n:
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Dort, wo der Schmarotzer[11] vor sich drängte,
Wächst seine Außenmembran[12], zur Schale gekrümmt,
Ein stückweit nach innen und wieder zurück,
Formt eine Birne, gar eine Kugel mit Öffnung nach außen,
Füllt sie mit Geheimmaterial und schiebt sie gegen den Wirt,
Löst seine und des Wirtes Zellwand an winzigem Ort
– Leicht fällt es ihm, der Arme wehrte sich kaum –
Nicht nur eine, viele saugende Stellen
Zapfen den Wirt[15] nun an.
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Noch nicht geklärt scheint das Schicksal der Birnen;
Lösen sie sich, um Neuen Platz zu bieten?
Den Raub zu verwerten, ihn zu verdau’n?
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Dabei wurde der Wirt[18] nur hinterhältig geködert!
Erlag seiner Hoffnung – ungezügelt kommt sie uns vor – auf hohen Gewinn.
Hätte er doch nur am Anfang die Gier gezähmt,
Wäre er, glimpflich vielleicht, davon noch gekommen.
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Fußnoten
[1] Pezizomycotina: Becherlingsartige i. w. S. (Ascomycota – Dikarya – Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi – Opisthokonta –…)
[2] Woronin-Bodies: Organelle, deren im Transmissionselektronenmikroskop (TEM) zu erkennender interner Bau wegen regelmäßiger Anordnung kleinster kugelförmiger Proteinteilchen eine kristallgitterartige Struktur vortäuschen
[3] Microbodies: Gruppe von Zellorganellen mit einfacher Lipidmembran, in deren enzymreichen Reaktionsräumen, vom Cytoplasma abgetrennt, Stoffwechselprozesse ablaufen; in ihnen werden verschiedene Subtypen zusammengefasst: Peroxisomen, Glyoxisomen und Glykosomen
[4] Spindelpolkörper als Mikrotubuliorganisationszentrum: Elektronendichte Körper besonderen Baus, dienen bei Rhodophyta, Bacillariophyceae und Unbegeißelten Chitinpilzen der Kernteilung; an ihnen setzt die Kernteilungsspindel an, um Chromosomen in die Tochterkerne zu ziehen
[5] Ascomycetoider Spindelpolkörper: Liegt während der Interphase als Einzelstruktur vor; im Zuge der Kernteilung teilt sich der Spindelpolköroer, die beiden separieren sich, wandern zu den Kernpolen und wirken als MTOCs und liegen während der Interphase wieder als Einzelstruktur vor
[6] Ascomycota: Schlauchpilze (Dikarya – Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi – Opisthokonta – Eukarya)
[7] Basidiomycota: Ständerpilze (Dikarya – Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi – Opisthokonta – Eukarya)
[8] Sklerotium (Fungi): Feste, oft dunkle Überdauerungsform oder Speicherorgan vieler Pilze, aus dicht verflochtenen Hyphen bestehend, die es dem Pilz ermöglicht, ungünstige Umweltbedingungen wie Kälte, Trockenheit oder Nahrungsmangel über Monate oder sogar Jahre zu überstehen
[9] Käfer: Coleoptera (Neuropteroidea – Neuromecoptera – Holometabola – Neoptera – Pterygota –…)
[10] Colacosom (Cryptomycocolacaceae): Eine Struktur ähnlich einem Haustorium wird vom Parasiten in die eigene Zelle (Cryptomycocolacaceae) getrieben; daraufhin durchlöchert der Parasit mehrfach seine und die Zellwand des Wirts, lässt das Plasmlemma des Wirts aber intakt; scheidet eine im TEM dunkel kontrastierende Substanz in diese Behälter, die offenbar der Aufnahme von Nährstoffen aus dem Wirt dienen.
[11] Cryptomycocolacomycet
[12] Des Parasiten (Cryptomycocolacomycet)
[13] Wirt (Parasiten, Symbionten): Opfer eines Parasiten, Partner eines Symbionten
[14] Ascomycot
[15] Ascomycot
[16] Cytoplasma: Flüssiger Zellinhalt mit darin liegendem Cytoskelett
[17] Des Parasiten (Cryptomycocolacomycet)
[18] Ascomycot
Eingestellt am 24. Oktober 2026

Merkmale der Cryptomycocolacomycetes
Erklärung im Text
Eingestellt am 24. Oktober 2026
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Cryptomycocolacomycetes, Colacosomenpilze
2 Aber sonst?
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Wie emsig sollten Mykologen nach den Gefährten doch suchen!
Zwei Arten nur kennen sie von einer womöglich riesigen Schar,
Verborgen im Irgendwo, verloren als Winzling im Hyphengestrüpp,
Kaum sichtbar, lassen aber sich locken in Agarkultur[1],
Wachsen heran, vermehren die Hyphen,
Geht es auch Wirten gefüttert recht gut.
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Welch‘ aufschlussreiche Größen ließen sich hierbei noch finden!
Zeigen die beiden Bekannten bereits extremes Verhalten,
Wenn sie den Weg zur Nachkommenschöpfung begehen.
Und doch besitzen sie trotz der Extreme Gemeinsames über
Das ihre Verwandtschaft zusätzlich eint.
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Langgezogen, verkehrt herum keulig zeigen sich beider Arten sporenbildenden Zellen,
Colacosiphon[5] formt asexuell Konidien an ihren Enden,
Cryptomycocolax[6] nutzt als Basidien sie, um Sporen zu bilden,
Sind aber Basidien im engeren Sinne kaum:
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Nach Meiose[7] – vier Kerne liegen dann in der Zelle –
Schnürt eine dikaryotische[8] Zelle sich unverzüglich davon ab,
– Als Chlamydospore[9] dient sie, die Art zu verbreiten –
Der zweikernige Rest dehnt sich in Länge,
Vermehrt die Kerne mit vielen Mitosen,
Die, an die Spitze gewandert, sich zu zweit in die Sporen begeben.
Hefen[10] und Schleudersporen bilden sie offenbar nicht,
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Fußnoten
[1] Agarkultur: Unterschiedliche Nährmedien versetzt mit heißem, dann erkaltendem und sich dabei verfestigendem Agar werden steril in sog. Petrischalen gegossen, um Pilze (auch Bakterien) zu kultivieren
[2] Colacosom (Cryptomycocolacaceae): Eine Struktur ähnlich einem Haustorium wird vom Parasiten in die eigene Zelle (Cryptomycocolacaceae) getrieben; daraufhin durchlöchert der Parasit mehrfach seine und die Zellwand des Wirts, lässt das Plasmalemma des Wirts aber intakt; scheidet eine im TEM dunkel kontrastierende Substanz in diese Behälter, die offenbar der Aufnahme von Nährstoffen aus dem Wirt dienen
[3] Woronin-Bodies: Organelle, deren im Transmissionselektronenmikroskop (TEM) zu erkennender interner Bau wegen regelmäßiger Anordnung
[4] Ascomycetoider Spindelpolkörper: Liegt während der Interphase als Einzelstruktur vor; im Zuge der Kernteilung teilt sich der Spindelpolköroer, die beiden separieren sich, wandern zu den Kernpolen und wirken als MTOCs und liegen während der Interphase wieder als Einzelstruktur vor
[5] Colacosiphon (Cryptomycocolacomycetes – Pucciniomycotina – Der Moderne Rest – Basidiomycota – Dikaryota –…)
[6] Cryptomycocolax (Cryptomycocolacomycetes – Pucciniomycotina – Der Moderne Rest – Basidiomycota – Dikaryota –…)
[7] Meiose, meiotisch: Meiose dient der Reduktion eines diploiden Chromosomensatzes zu haploiden Sätzen. Dabei werden einander entsprechende Chromosomen, im Kern sich dann mittig in einer Ebene gegenüberstehend, gepaart und anschließend in entgegengesetzter Richtung („polwärts“) separiert. Dieser Vorgang wird auch als Reduktionsteilung (oft abgekürzt als R! und zugleich stellvertretend für die ganze Meiose verwendet) bezeichnet. Da die voneinander getrennten haploiden Chromosomen schon zu Chromatiden verdoppelt sind, schließt sich an die Reduktionsteilung noch eine mitotische Teilung an, so dass vier haploide Kerne letztlich vorliegen; abgekürzt mit R!
[8] Dikaryon, dikaryotisch: Zwei konträrgeschlechtliche haploide (n) Kerne [werden als (+)- und (–)-Kerne oder als α- und β-Kerne bezeichnet; unterscheiden sich ihre Behälter in Größe oder die Dikaryen bildenden Kerne in der Wanderungsrichtung, kann auch von männlichen (wandern zu ihren Partnern, die stationär bleiben) und weiblichen Kernen gesprochen werden], bilden funktionell eine Einheit (n+n), ohne miteinander zum diploiden Kern (2n) verschmolzen (K!) zu sein; sie teilen sich mitotisch synchron, um damit zwei Dikaryen zu bilden, sich zu verdoppeln. Im Entwicklungskreislauf erfolgt zwar zunächst die Plasmogamie (P!), doch die Karyogamie (K!) zum diploiden (2n) Kern wird erst kurz vor der Meiose (R!) vollzogen. Man spricht hier auch von verzögerter Karyogamie. Dikaryen treten bei Taphrinomycotina, Pezizomycotina, Pucciniomycotina, Ustilaginomycotina und Agaricomycotina auf.
[9] Chlamydosporen: Asexuell gebildete Überdauerungsorgane, die, zumindest der Theorie nach, innerhalb einer Hyphenzelle gebildet werden, deshalb einen Mantel (chlamys) um ihre verdickte Zellwand tragen; der Dünne der Hülle wegen lässt sich diese Schicht im reifen Zustand meist nicht mehr feststellen
[10] Basidiomycetoide Hefenbildung: Enteroblastische Hefenbildung, wobei nur die inneren Zellwandschichten der bildenden Zelle zur Bildung der neuen Zellwand herangezogen werden
Basidiomykologie: Wissenschaft, die sich mit Basidiomycota befasst
[11] Schnallen: Formen sich bei vielen Agaricomycotina im Zuge der Zellteilung einer Hyphe. Seitlich wächst ein etwas einwärts gekrümmter Auswuchs nach hinten, findet Kontakt zu einer darunterliegenden Stelle der Hyphe; gleichzeitig teilen sich zwei Kerne (ein Dikaryon) synchron mitotisch, wobei sich die Tochterkerne eines der beiden Kerne in der ursprünglichen Hyphe nach unten, beziehungsweise nach oben separieren. Eine Tochter des zweiten Kerns begibt sich in den gekrümmten Auswuchs, der andere wandert in der Hyphe nach oben und bildet mit dem zweiten wieder ein Dikaryon. Zwei Querwände werden nun eingezogen: Eine Querwand trennt den Auswuchs von seinem Ursprung, die zweite bildet sich nahe oberhalb des Auswuchses quer in der Hyphe. Diese zweite trennt das Dikaryon im oberen Teil der Hyphe von der Partie darunter, die momentan nur einen Kern besitzt. Um wieder ein Dikaryon bilden zu können, bildet der Auswuchs mit seiner Berührungsstelle an der Hyphe eine Anastomose, lässt seinen Kern zum wartenden wandern, womit auch hier wieder ein Dikaryon etabliert ist. An der Stelle des Auswuchses entsteht eine Verdickung, die als Schnalle bezeichnet wird, geht sie doch auf den rückwärts gerichteten Auswuchs zurück, der wie der Dorn einer Gürtelschnalle aussieht
SL Oberwinkler F, Bauer R (1990) Cryptomycocolax: a new mycoparasitic heterobasidiomycete. Mycologia 82: 671-692. – Bauer R, Begerow D, Sampaio JP, Weiß M, Oberwinkler F (2006) The simple-septate basidiomycetes; a synopsis. Mycol Progress 5(1): 41-66. – Weiß M, Bauer R, Begerow D (2004) Spotlights on Heterobasidiomycetes. In Agerer R, Piepenbring MN, Blanz P (eds) Frontieres in Basidiomycote Mycology, pp 7-48. IHW-Verlag. – Bauer R (2004) Basidiomycetous interfungal cellular interactions - a synopsis, pp 325-338. IHW-Verlag.
Eingestellt am 24. Oktober 2026


Parasitismus und Basidenbildung bei Cryptomycocolax abnorme (Tusche, Kreide; Reinhard Agerer)
Oben: Parasitierende Hyphen (mit Colacosomen in Hyphen von Cryptomycocolax abnorme; ziegelrot) auf Hyphen eines Ascomycoten (braun); Basidien in jungen und sporenbildenden Entwicklungsstadien.
Unten: Basidienentwicklung, von links nach rechts; Junge Basidie mit diploidem Kern. – Erste meiotische Teilung. – Zweite meiotische Teilung, wobei zwei haploide Kerne in eine Konidie gelangen, die beiden anderen verbleiben in der Basalzelle, die zur eigentlichen Basidie wird. – Abgang der zweikernigen Konidie, Basalzelle bleibt zweikernig. – Basalzelle wächst zur schlanken Basidie aus; ein haploider Kern wandert in die junge Spore, der andere verbleibt in der Basidie. – Jeder der Kerne teilt sich erneut mitotisch, sodass eine zweikernige Spore entsteht und zugleich zwei Kerne in der Basidien verbleiben. – Der gleiche Vorgang findet wiederholt statt, sodass mehrere zweikernige Sporen gebildet werden, gelegentlich einkernige. – Darüber: Eine Spore wächst mit Schnallenhyphe aus, deren Zelle kompatible Kerne enthalten sollte, damit später ein Dikaryon pro Zelle vorliegen kann.
Nach Oberwinkler & Bauer (1990)
Eingestellt am 24. Oktober 2026
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Endpunkt erreicht!
