zum Glossar mit Abbildungsverweisen über: 

Sporidiobolales, Springhefenartige

1 Hefenschicksal

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Genügsam leben sie, oft an Pflanzen gebunden,

Auf Blättern, Stengeln, mitunter im Boden nahe von Wurzeln;

Lieben eines aber allesamt:

Verflüssigten Zucker mit Nährstoff verseh‘n.

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Nutzen so sprossend[1], was Pflanzen so mir nichts dir nichts verlieren.

Leben zeitweilig recht gut, sind sie mit Süßem verwöhnt,

Überdauern, versiegen die süffigen Quellen, ohne viel Zutun magere Zeiten

Mit dikaryotischen[2], dickwandig gewordenen Zellen.

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Sprossen schier ohne Ende entströmen Säfte

Biologisch begründeten Tiefen;

Nehmen, was Konkurrenten ebenso lieb,

Füllen reichlich buttrig-glänzende Hügel[3],

Strecken mitunter Sterigmen[4]

Aus einer rosafarbenen Masse[5],

Schießen, auf Windwirbel hoffend, Konidien[6] dann in die Luft.

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Mitunter genügen schon Tropfen vergoss’ner Limonade am Tisch,

Zellen zu vermehren, solange die Feuchte noch reicht;

Fielen per Zufall sie von Pflanzen am Fenster,

War, auch wenn der Tropfen zügig verschwand, dennoch der Versuch es wert

Und, falls Zeit zum Konidienschießen und Teliosporenbilden[7]  geblieben.

Die nächste Feuchtigkeit kommt bestimmt.

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Teliosporen mit dickeren Wänden, zum Überdauern gedacht,

Treiben nach Abschluss der Karyogamie[8] je eine Metabasidie[9] hervor,

Teilt sich dreimal, um vierzellig für Sporen zu werden,

Die, in Serie geordnet, von ihr brechen und sich verstreu’n;

Wachsen, landeten sie am richtigen Ort, zu Hefen.

Manchen gelingt es hyphenartige Schläuche zu bilden, anderen Hyphen gar. –

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Colacosomen[10] mögen verwundern,

Bewirten sich Arten doch gerne mit Zucker.

Falls sie Kolonien auf Blättern errichten,

Treffen sie, voll sind häufig die Flächen davon,

Auf fädig wachsende Pilze – geradeso verlorenes Süßes liebend –:

Werden dann als Wirte gekapert und umgehend ausgenutzt.

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Gar mancher Mykologe[11] spekuliert, nicht ganz ohne Grund,

Solche Pilze wären geeignete Ahnen für blattparasitische Arten gewesen,

Die Colacosomen dann gar nicht mehr brauchten,

Sobald es gelang, zwischen Pflanzenzellen zu dringen und sich zu bedienen daraus.

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Verwundert nicht auch der Hefen Gehabe,

Mit Ballistokonidien[12] sich zu vermehren,

Sporen aber durch Ablösen von sich zu geben?

Wäre nicht für Basidien aktives Schießen auch von Vorteil?

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Verständlich scheint so die oft schon verkündete These:

Das Schleudern blieb, zunächst von Hefen erfunden,

Basidien für Meiosporen noch lange Zeit vorenthalten,

Bis verschiedene Sippen integrierten auch dort diesen bewährten Schuss.SL

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Fußnoten

[1] Basidiomycetoide Hefenbildung: Enteroblastische Hefenbildung, wobei nur die inneren Zellwandschichten der bildenden Zelle zur Bildung der neuen Zellwand herangezogen werden

[2] Dikaryon, dikaryotisch: Zwei konträrgeschlechtliche haploide (n) Kerne [werden als (+)- und (–)-Kerne oder als α- und β-Kerne bezeichnet; unterscheiden sich ihre Behälter in Größe oder die Dikaryen bildenden Kerne in der Wanderungsrichtung, kann auch von männlichen (wandern zu ihren Partnern, die stationär bleiben) und weiblichen Kernen gesprochen werden], bilden funktionell eine Einheit (n+n), ohne miteinander zum diploiden Kern (2n) verschmolzen (K!) zu sein; sie teilen sich mitotisch synchron, um damit zwei Dikaryen zu bilden, sich zu verdoppeln. Im Entwicklungskreislauf erfolgt zwar zunächst die Plasmogamie (P!), doch die Karyogamie (K!) zum diploiden (2n) Kern wird erst kurz vor der Meiose (R!) vollzogen. Man spricht hier auch von verzögerter Karyogamie. Dikaryen treten bei Taphrinomycotina, Pezizomycotina, Pucciniomycotina, Ustilaginomycotina und Agaricomycotina auf

[3] Kolonie: Dichte Versammlung von Einzelindividuen

[4] Sterigma, Sterigmen (Basidiomycota): Dünne Fortsätze an der Basidie, an der die Sporen sitzen

[5] Farbe von Kolonien, wenn Zellen in dichter Versammlung

[6] Konidie: Asexuell und nach außen gebildete Verbreitungseinheit, die mit einer Hyphe oder hefeartig keimt

[7] Teliospore: Eine dickwandige Dauerspore als Verbreitungseinheit, die zumindest anfangs ein Dikaryon enthält

[8] Karyogamie: Verschmelzung zweier haploider Zellkerne; abgekürzt K!

[9] Metabasidie: Der Begriff wird nur im Zusammenhang mit der meist dickwandigen Probasidie (Teliospore) verwendet; weil die Probasidie zur Basidie gehört, wird der daraus auswachsende, dünnwandige Teil, in der die Meiose stattfindet, als Metabasidie bezeichnet

[10] Colacosom (Cryptomycocolacaceae): Eine Struktur ähnlich einem Haustorium wird vom Parasiten in die eigene Zelle (Cryptomycocolacaceae) getrieben; daraufhin durchlöchert der Parasit mehrfach seine und die Zellwand des Wirts, lässt das Plasmalemma des Wirts aber intakt; scheidet eine im TEM dunkel kontrastierende Substanz in diese Behälter, die offenbar der Aufnahme von Nährstoffen aus dem Wirt dienen

[11] Mykologe: Wissenschaftler, der sich mit Pilzen beschäftigt

[12] Ballistokonidien, Schleuderkonidien: Konidien, die aktiv abgeschossen, weggeschleudert, werden

SL Bauer R, Begerow D, Sampaio JP, Oberwinkler F (2006) The simple septate basidiomycetes. Mycol Progr 5: 41-66. – Weiß M, Bauer R, Begerow D (2004) Spotlights on heterobasidiomycetes. In Agerer R, Piepenbring M, Blanz P (eds) Frontiers in Basidiomycote mycology, IHW Eching, pp. 7-48.

Eingestellt am 24. Oktober 2026

Sporobolomyces roseus NFF; (HFF Sporidiobolus), Rosarote Springhefe

Hintergrundbild: Verdünnte, ausgebreitete Kolonie mit Hefezellen, Ballistokonidien und einer Hefezelle mit Sterigma und Ballistokonidie.

Rechts unten: Nahaufnahme von Kolonien auf Nähragar (während der Anzucht mit geschlossen gehaltenem Deckel der Petrischale) mit noch kleinen, weißen Tochterkolonien, die vermutlich auf je eine Ballistokonidie zurückgehen; hier wird deutlich, warum von Springhefen (abgeschossene Ballistokonidien; Sprungweite erkennbar) gesprochen werden kann.

Linkes Doppelbild: Zwei verschiedene Hefen, links Rhodotorula, keine Springhefe, rechts Sporobolomyces, Springhefe. Der Unterschied in der Klarheit Kolonieränder (links) und Trübung des Bildes durch Tochterkolonien (rechts), verdeutlicht den Unterschied zwischen einer nicht-springenden und einer springenden Hefe.

Eigenem Vorlesungsmanuskript entnommen

Eingestellt am 24. Oktober 2026

Sporobolomyces roseus NFF; (HFF Sporidiobolus), Rosarote Springhefe

Hintergrundbild: Verdünnte, ausgebreitete Kolonie mit Hefezellen und Ballistokonidien.

Linkes und rechtes Bild: Hefezellen oder Ballistokonidien mit Sterigma und asymmetrisch ansitzender Ballistokonidie, Zeichen für kommendes aktives Abschleudern der Ballistokonidie.

Eigenem Vorlesungsmanuskript entnommen

Eingestellt am 24. Oktober 2026

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Endpunkt erreicht!