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Microbotryales, Steinbrandpilzartige
1 Im Kreislauf (AP)
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Irgendwo liegen zwei Häufchen von Hefen[1]
In Süßem gebettet auf einem Blatt.
Wer weiß, wie ihre Mütter, Sporen[2], auf sie gelangten.
Weit voneinander entfernt kamen Schwestern zu liegen.
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Irgendwie schienen sie fast schon verloren.
Blieben für lange Zeit, der Zucker ging schon zur Neige, dort liegen.
Schießen konnten sie nicht[3],[4] – Ahnen haben dies früh schon verbockt –
Hofften, mit wässrigem Schleimen lockten sie,
Auf Besuch von Insekten[5], die sie auf Reise mitnähmen,
Irgendwohin. Nur Blätter oder andere Orte mit Süßem sollten es sein.
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Und wirklich, da kommt schon eines geflogen:
Taucht seinen Rüssel durstig tief ein,
Saugt viele davon ins Dunkel,
Wenige blieben am Rüssel mit klebrigem Schleim.
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Fündig geworden, nicht aber gesättigt, sucht es nun weiter,
Nimmt an glänzenden Flecken neue Nahrung mit Zellen zu sich,
Vermengt, nicht alle saugte es auf,
Was es von ferne gebracht, mit jenen des jetzigen Funds.
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Endlich finden sich Partner unterschiedlicher Kreuzungsallele[6]!
Lösen für Plasmogamie[7] an Kontaktstellen Zellwände auf,
Bringen Zellkerne mitsamt Protoplast[8] zueinander.
Getrennt bleiben die Kerne, doch nichts unternehmen von nun an sie allein[9].
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Nichts bleibt so wie ehedem, seit die Kerne zueinander gefunden:
Hyphen[10] anstelle von Hefezellen treiben sie nun.
Nur oberflächlich zu wachsen, Zucker zu nehmen, genügt ihnen nicht.
Dringen, Zellwände lösend, in Stengel und Blatt,
Verzweigen sich, zwischen die Zellen sich drängend[11], in einer Tour
Wiederholt unter einfachen Septen zum Fadensystem[12],
Aggregieren zu Hyphengeflechten, wenn ausreichend Reserven gehäuft,
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Trocknen, brechen durch Grenzen ins Freie,
Bieten bräunlich schwärzliches Pulver[15] dem Wind:
Landen irgendwo, vielleicht am Boden,
Warten bis Pflanzen wieder ergrünen, bis der Frühling beginnt.
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Schiebt eine Phragmobasidie[18], der Quere geteilt, hervor,
Wann immer eine der Sporen der Zelle Oberfläche verlässt,
Mitotisch[21] zu teilen, um eine der Töchter nach außen zu geben;
Die zweite aber, um wieder Mutter zu sein, verweilt.
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Eine Handvoll und mehr entsprießen jeder Basidienzelle;
Fangen sofort, sobald ein wenig Süßes sie spüren,
Hoffend, einen Partner zu finden, vielleicht liegt er ganz nah. –
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Haploide Hefen, der Saprotrophie[27] ergeben,
Werden zudringlich, führen als Schmarotzer[30] sich auf.
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Fußnoten
[1] Basidiomycetoide Hefenbildung: Enteroblastische Hefenbildung, wobei nur die inneren Zellwandschichten der bildenden Zelle zur Bildung der neuen Zellwand herangezogen werden
[2] Basidiosporen: Von Basidiomycota, von Ständerpilzen, nach außen gebildete Meiosporen
[3] Ballistokonidien, Schleuderkonidien: Konidien, die aktiv abgeschossen, weggeschleudert, werden
[4] Sekundärsporen: Werden Sporen der Basidiomycota genannt, die als Ballistokonidien am Sterigma von Basidiosporen gebildet worden sind
[5] Insekten: Hexapoda (Tetraconata – Mandibulata – Arthropoda – Panarthropoda – Ecdysozoa –…)
[6] Kreuzungstyp (Ascomycota, teilweise Basidiomycota): Jeder Kern besitzt nur den Kreuzungsfaktor A (unifaktoriell), mit je einem Allel; um ein Dikaryon, bzw. einen diploiden Kern bilden zu können, müssen die Allele unterschiedlich sein (unterschiedliche Kreuzungstypen der Kerne), also A1, A2, A3, etc.
[7] Plasmogamie: Verschmelzung der Protoplasten zweier Zellen im Zuge sexueller Fortpflanzung; abgekürzt P!
[8] Protoplast, Protoplasma: Gesamter Inhalt einer Zelle (ohne Saftvakuole)
[9] Dikaryon, dikaryotisch: Zwei konträrgeschlechtliche haploide (n) Kerne [werden als (+)- und (–)-Kerne oder als α- und β-Kerne bezeichnet; unterscheiden sich ihre Behälter in Größe oder die Dikaryen bildenden Kerne in der Wanderungsrichtung, kann auch von männlichen (wandern zu ihren Partnern, die stationär bleiben) und weiblichen Kernen gesprochen werden], bilden funktionell eine Einheit (n+n), ohne miteinander zum diploiden Kern (2n) verschmolzen (K!) zu sein; sie teilen sich mitotisch synchron, um damit zwei Dikaryen zu bilden, sich zu verdoppeln. Im Entwicklungskreislauf erfolgt zwar zunächst die Plasmogamie (P!), doch die Karyogamie (K!) zum diploiden (2n) Kern wird erst kurz vor der Meiose (R!) vollzogen. Man spricht hier auch von verzögerter Karyogamie. Dikaryen treten bei Taphrinomycotina, Pezizomycotina, Pucciniomycotina, Ustilaginomycotina und Agaricomycotina auf
[10] Hyphen (Pilze): Einzellreihige, zellwandumgebene Fäden von Pilzen mit Spitzenwachstum, mit oder ohne Querwände
[11] Interzellulär (allgemein): zwischen Zellen
[12] Mycel: Gesamtheit dicht oft wachender Hyphen
[13] Teliospore: Eine dickwandige Dauerspore als Verbreitungseinheit, die zumindest anfangs ein Dikaryon enthält
[14] Sorus (Pucciniomycotina, Ustilagomycotina): Zusammenfassung von Teliosporen zu größeren Einheiten, die durch randliche Strukturen geschützt sein können
[15] Brandsporen (Microbotryales, Ustilaginomycotina): Dickwandige, dunkel pigmentierte (in Masse verbrannt aussehende) Zellen als Probasidien, aus denen die dünnwandigen Bereiche (Metabasidien) entstehen
[16] Zygote: Diploide Zelle, die nach der Verschmelzung zweier haploider Kerne, im Zuge der sexuellen Fortpflanzung entstand
[17] Karyogamie: Verschmelzung zweier haploider Zellkerne; abgekürzt K!
[18] Phragmobasidie: In mehrere Zellen unterteile Basidie
[19] Haploid: Zellkerne mit einfachem Chromosomensatz; ausgedrückt als n
[20] Meiose, meiotisch: Meiose dient der Reduktion eines diploiden Chromosomensatzes zu haploiden Sätzen. Dabei werden einander entsprechende Chromosomen, im Kern sich dann mittig in einer Ebene gegenüberstehend, gepaart und anschließend in entgegengesetzter Richtung („polwärts“) separiert. Dieser Vorgang wird auch als Reduktionsteilung (oft abgekürzt als R! und zugleich stellvertretend für die ganze Meiose verwendet) bezeichnet. Da die voneinander getrennten haploiden Chromosomen schon zu Chromatiden verdoppelt sind, schließt sich an die Reduktionsteilung noch eine mitotische Teilung an, so dass vier haploide Kerne letztlich vorliegen; abgekürzt mit R!.
[21] Mitose, mitotisch: Im Kern mittig in einer Ebene versammelte Chromosomen bildeten je zwei identische Chromatiden, die bei der Mitose durch Mikrotubuli separiert werden und, von einer Zellwand getrennt, als identische Chromosomensätze der entstandenen Zellen wirken; abgekürzt M!
[22] Hefeknospung, Hefesprossung: Wenn Hefen sich vermehren, wird an eng begrenzter Stelle die Zellwand der Zelle erweicht, so, dass intern sich erhöhender Druck dort die Zellwand nach außen beulen kann; diese Beule wird immer größer, wird sich, weil ihre Zellwand noch plastisch ist, zu einer sippenspezifischen Form entwickeln, bis sie ihre endgültige Größe erreicht hat, dann wird die Pore, durch die ein Teil des Protoplasts (mit Zellkern; nach Mitose) von der Mutter- in die Tochterzelle gewandert ist, durch eine Zellwand verschlossen; anschließend zerteilt sich mittig die gemeinsame Zellwand der beiden, so dass die Tochterzelle, passiv abbrechend, sich von der Mutterzelle lösen kann. Dieser Vorgang kann sich an ein und derselben Mutterzelle mehrfach wiederholen. Dadurch kommt es zu einer raschen Vermehrung der Hefezellen, solange der Energievorrat in der Zelle und um sie herum reicht.
[23] Kolonie: Dichte Versammlung von Einzelindividuen
[24] Biphasischer Lebenskreislauf (Fungi): Bezeichnet einen Entwicklungszyklus, der aus zwei deutlich voneinander abgegrenzten, aufeinanderfolgenden Phasen besteht, z. B. abweichend gestaltete Morphologie, wie Hefe/Hyphe und/oder saprotroph/parasitisch
[25] Pseudobrandpilze (Parasiten ähnlich den Echten Brandpilzen, Ustilaginomycotina): Microbotryales (Pucciniomycotina – Basidiomycota – Dikarya – Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi –…)
[26] Steinbrandartige: Microbotryales (Pucciniomycotina – Basidiomycota – Dikarya – Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi –…)
[27] Saprotroph, saprob: Von totem, organischem Material lebend
[28] Dikaryotisch
[29] Hefen-Hyphen-Dimorphismus: Besteht, treten Pilze sowohl in Hefen- als auch in Hyphenform auf
[30] Schmarotzer, Parasit: Ein Organismus lebt auf Kosten eines anderen
Eingestellt am 24. Oktober 2026

Entwicklungskreislauf von Microbotryum violaceum, Antherenbrand
Basidiosporen unterschiedlicher Kreuzungsfaktoren (Punktkern; Kringelkern) vermehren sich durch Hefeknospung mitotisch (M!) z. B. auf einem Blatt in zuckerhaltigem Exsudat und bilden einheitliche Hefekolonien. Sie können entweder benachbart liegen oder von Insekten bei Suche nach anderem Süßschmeckendem zusammengebracht und bei dieser Gelegenheit durchmischt werden, so dass beide Kreuzungstypen zusammenkommen.
Treffen sich zwei konträrgeschechtliche Hefezellen, können sie über Plasmogamie (P!) die beiden Kerne zusammenbringen, wonach Hyphenwachstum mit dikaryotischen Zellen erfolgt. Diese dikaryotischen Hyphen leben nicht mehr saprotroph wie Hefen in Zucker, sondern hyphig und parasitisch. Sie infizieren Antheren von Nelkengewächsen.
In den Antheren vermehren sich die Hyphen und bilden am Ende ihrer Entwicklung dikaryotische Dauersporen, die als Brandsporen bezeichneten Teliosporen.
Final ist der sonst sich bildende Blütenstaub durch eine dichte Masse von Brandsporen ersetzt, was den Antheren ein „verbranntes“ Aussehen gibt; die Teliosporen werden schließlich frei und gelangen durch Erschütterung und Wind auf verschiedene Gegenstände, häufig auf den Boden.
Diese Teliosporen keimen als Probasidien (Teil der Basidie, da in ihnen die Karyogamie (K!) erfolgt), mit Metabasidien (dünnwandiger Bereich der Basidie) aus, worin die Meiose (R!) erfolgt, die vier haploiden Kerne durch Querwände voneinander getrennt werden, um vier einkernige Basidienzellen zu bilden. Bemerkenswerterweise teilen sich die Kerne mitotisch, um eine Spore nach außen zu bilden, die passiv von der Basidie abgeht und der in der Zelle verbleibende Kern für neue Mitosen zur Verfügung steht, bis die Reserven aufgebrauch sind und die Sporenbildungsmaschinerie überfordert ist. Diese Basidiosporen sind Ausgangspunkt für Hefebildung, sofern sie auf zuckerhalte flüssige Substrate treffen.
In einem Kreisschema dargestellt, ergibt sich ein Generationswechsel aus haploiden Hefen (n) und dikaryotischen (n+n) Hyphen. Die Dikaryophase schließt mit der Karyogamie (K!), worauf unmittelbar die Meiose (R!) erfolgt, wodurch die Sporenbildung und Hefephase beginnen kann; mit der Plasmogamie (P!) zweier Zellen wird zur Dikaryophase übergegangen. Hefen (n) wachsen saprotroph, Hyphen (n+n) parasitisch. Damit liegt nicht nur ein Organisationsstufenwechsel vor (Hefen – Hyphen), sondern damit gekoppelt auch ein Wechsel der Ernährungsweisen (saprotroph – parasitisch). Als Nebenfruchtform (NFF) kann die asexuelle Vermehrung durch Hefewachstum angesehen werden, aber auch die wiederholte, sicher nicht so effektive Bildung von Basidiosporen aus je einer Basidienzelle. Hefen- und Hyphenwachstum sind zur Hauptfruchtform (HFF) zusammengeschlossen. – Als „perfekt als Bandpilze getarnte Rostpilze“ können die Microbotryales bezeichnet werden, wird doch ein identisch gestalteter Entwicklungskreislauf auch von Echten Brandpilzen (Ustilaginomycetes) gezeigt.
In den nachfolgenden sechs Abbildungen wird der Entwicklungszyklus ähnlich einer ppt-Präsentation Schritt für Schritt aufeinander aufbauend gezeigt.
Eingestellt am 24. Oktober 2026

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Basidiosporen unterschiedlicher Kreuzungsfaktoren (Punktkern; Kringelkern) vermehren sich durch Hefeknospung mitotisch (M!) z. B. auf einem Blatt in zuckerhaltigem Exsudat und bilden einheitliche Hefekolonien. Sie können entweder benachbart liegen oder von Insekten bei Suche nach anderem Süßschmeckendem zusammengebracht und bei dieser Gelegenheit durchmischt werden, so dass beide Kreuzungstypen zusammenkommen.

Treffen sich zwei konträrgeschechtliche Hefezellen, können sie über Plasmogamie (P!) die beiden Kerne zusammenbringen, wonach Hyphenwachstum mit dikaryotischen Zellen erfolgt. Diese dikaryotischen Hyphen leben nicht mehr saprotroph wie Hefen in Zucker, sondern hyphig und parasitisch. Sie infizieren Antheren von Nelkengewächsen.

In den Antheren vermehren sich die Hyphen und bilden am Ende ihrer Entwicklung dikaryotische Dauersporen, die als Brandsporen bezeichneten Teliosporen.

Final ist der sonst sich bildende Blütenstaub durch eine dichte Masse von Brandsporen ersetzt, was den Antheren ein „verbranntes“ Aussehen gibt; die Teliosporen werden schließlich frei und gelangen durch Erschütterung und Wind auf verschiedene Gegenstände, häufig auf den Boden.

Diese Teliosporen keimen als Probasidien (Teil der Basidie, da in ihnen die Karyogamie (K!) erfolgt), mit Metabasidien (dünnwandiger Bereich der Basidie) aus, worin die Meiose (R!) erfolgt, die vier haploiden Kerne durch Querwände voneinander getrennt werden, um vier einkernige Basidienzellen zu bilden. Bemerkenswerterweise teilen sich die Kerne mitotisch, um eine Spore nach außen zu bilden, die passiv von der Basidie abgeht und der in der Zelle verbleibende Kern für neue Mitosen zur Verfügung steht, bis die Reserven aufgebrauch sind und die Sporenbildungsmaschinerie überfordert ist. Diese Basidiosporen sind Ausgangspunkt für Hefebildung, sofern sie auf zuckerhalte flüssige Substrate treffen.

In einem Kreisschema dargestellt, ergibt sich ein Generationswechsel aus haploiden Hefen (n) und dikaryotischen (n+n) Hyphen. Die Dikaryophase schließt mit der Karyogamie (K!), worauf unmittelbar die Meiose (R!) erfolgt, wodurch die Sporenbildung und Hefephase beginnen kann; mit der Plasmogamie (P!) zweier Zellen wird zur Dikaryophase übergegangen. Hefen (n) wachsen saprotroph, Hyphen (n+n) parasitisch. Damit liegt nicht nur ein Organisationsstufenwechsel vor (Hefen – Hyphen), sondern damit gekoppelt auch ein Wechsel der Ernährungsweisen (saprotroph – parasitisch). Als Nebenfruchtform (NFF) kann die asexuelle Vermehrung durch Hefewachstum angesehen werden, aber auch die wiederholte, sicher nicht so effektive Bildung von Basidiosporen aus je einer Basidienzelle. Hefen- und Hyphenwachstum sind zur Hauptfruchtform (HFF) zusammengeschlossen. – Als „perfekt als Bandpilze getarnte Rostpilze“ können die Microbotryales bezeichnet werden, wird doch ein identisch gestalteter Entwicklungskreislauf auch von Echten Brandpilzen (Ustilaginomycetes) gezeigt.
Eingestellt am 24. Oktober 2026
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Microbotryales, Steinbrandpilzartige
2 Generelles (AP)
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Colacosomen[1] sind längstens passé!
An Pflanzen brauchen sie diese Schmarotzerkörperchen nicht;
Es reicht, zwischen Zellen in Wänden zu nisten;
Schieben viel Lebenswichtige hin und her.
Brauchen nur noch zu nehmen, was über den Weg ihnen kommt.
Dazu bieten der Wände[2] mittlere Schichten noch
Leicht zu zerlegende Zuckersubstanzen[3].
In Zellen einzudringen, würde sie unnötig reizen.
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Ihrer Querwände Poren verschließen sie schnell,
Falls sie nicht ganz schon diese verloren;
Unnötig, Organelle[4] als Wache zu stellen
Vor nicht funktionierendem Tor[5].
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Freie Wahl scheinen die Arten zu haben,
Welche Organe der Pflanzen sie lieben.
Obwohl viele bestimmte Stellen nur suchen,
Bleiben andere vage. Wurzeln meiden sie konsequent.
Auch Verholztes mögen sie nicht,
Schonen wohl deshalb hauptsächlich Bäume:
Vielleicht liegen Blätter viel zu weit oben,
Wollten die nichtspringenden Sporen[6] dorthin gelangen.
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Bräunlich-schwärzliche, oft auch pulvrige Stellen[7] finden geübte Augen
An Staubbeuteln, Blüten, Blättern und Samen,
Präsentieren Teliosporen[8] zumeist ohne viel Aufwand,
Zerbröseln der Pflanzen Gewebe, sofern noch etwas davon vorhanden.
Andere bauen Gehäuse, mit oder ohne stützende Säule[9] und
Öffnen ihr Dach erst, wenn die Sporen gereift.
Wenige nur lockern mit sterilen Zellen dazwischen der Teliosporen Masse.
Teliosporen verbreiten und keimen zu lassen, steht freilich allen im Sinn.
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Fußnoten
[1] Colacosom (Cryptomycocolacaceae): Eine Struktur ähnlich einem Haustorium wird vom Parasiten in die eigene Zelle (Cryptomycocolacaceae) getrieben; daraufhin durchlöchert der Parasit mehrfach seine und die Zellwand des Wirts, lässt das Plasmalemma des Wirts aber intakt; scheidet eine im TEM dunkel kontrastierende Substanz in diese Behälter, die offenbar der Aufnahme von Nährstoffen aus dem Wirt dienen
[2] Pflanzenzellwände
[3] Pectine: Pflanzliche Polysaccharide, die im Wesentlichen aus α-1,4-glycosidisch verknüpften Galacturonsäuren bestehen
[4] Organell: Meist lipidmembranumgrenzte Bereiche einer Zelle eigener Funktion, z. B. Zellkern, Mitochondrien, Chloroplasten, etc.; oder als Zelle, weicht sie signifikant in Gestalt und Funktion von anderen ab, z. B. Drüsenzelle, Exkretionszelle
[5] Querwandporus
[6] Basidiosporen lösen sich passiv von der Basidie
[7] Sorus (Pucciniomycotina, Ustilagomycotina): Zusammenfassung von Teliosporen zu größeren Einheiten, die durch randliche Strukturen geschützt sein können
[8] Teliospore: Eine dickwandige Dauerspore als Verbreitungseinheit, die zumindest anfangs ein Dikaryon enthält
[9] Sori
Eingestellt am 24. Oktober 2026

Microbotryum spp.
Oben links und rechts: Microbotryum pustulatum an Bistorta officinalis (Wiesenknöterich).
Autoren: Katharina und Lothar Krieglsteiner
Lizenz: mit Erlaubnis; unverändert
Mitte rechts: Microbotryum pustulatum, Violetter Antherenbrand an Bistorta officinalis (Wiesenknöterich)
Teliosporen
Autoren: Katharina und Lothar Krieglsteiner
Lizenz: mit Erlaubnis; unverändert
Mitte links: Microbotryum marginale (Blattrandbrand) an Bistorta officinalis (Wiesenknöterich)
Autoren: Katharina und Lothar Krieglsteiner
Lizenz: mit Erlaubnis; unverändert
Unten: Microbotryum lychnidis-dioicae an Silene alba (Weiße Lichtnelke)
Autor: Fernando Losada Rodríguez
Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license; unverändert
Eingestellt am 24. Oktober 2026

Bauerago vuyckii auf Luzula campestris
https://www.phytoparasiten.de
Oben: Habitus; „befallene Kapseln unverändert; zwischen den Fingern aufdrücken“, dann kommen die Teliosporen hervor
Unten: „Teliosporen netzig ornamentiert“
Autorin: Dr. Julia Kruse
Lizenz: Mit Erlaubnis; unverändert
Eingestellt am 24. Oktober
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Microbotryales, Steinbrandpilzartige
3 Der Evolution in die Werkstadtt geschaut: Antherenbrände (AP)
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Microbotryum violaceum[1] und seine engsten Geschwister
– Der Teliosporen[2] Ornamente differieren leicht –
Ersetzen durch Teliosporen darin, was sonst Blütenstaub wär.
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Wer wollte nicht darin der Evolution[5] listiges Wirken erkennen,
Bestäubern Teliosporen, auch wenn sie schwärzlich, statt gelb wie Blütenstaub[6],
Als schlechten Ersatz zu bieten, damit sie zur nächsten Blüte sie bringen,
Dort zu deponieren bis im Frühling gesunde Pflanzen dem Boden wieder entsprießen?
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Ein Erfolgsmodell, wie sich neuerdings zeigt!
Lassen sich doch in der Geschwister Schar
Verwandtschaftslinien anhand von Genen verfolgen,
Die zu den Ahnen uns führen.
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Werden der Teliosporen informativer Gene Sequenzen analysiert
– Antheren[7] verschiedenster Nelkengewächse entnommen –
Vergleicht die Basenreihen, konstruiert Diagramme,
Zeigen Ähnlichkeitscluster[8] gestufter Verwandtschaften sich mit erstaunlichem Resultat.
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Vergleichen Experten deren Cluster mit jenen der Wirte[9],
Deuten sich Vorlieben einzelner Kleinsippen an
Für bestimmte Arten der Nelkengewächse
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Eine genetisch gut abgetrennte Antherenbrandsippe,
Von andern bezüglich Sporen[15] nicht zu unterscheiden jedoch,
Kommt nur auf nordamerikanischen Lichtnelken vor,
Nischte[16] spezifisch sich dort allem Anschein nach ein.
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Auf Saponaria-Arten haust eine einzige Population;
Dianthus beherbergt eine größere, heterogene, aber eigenständige Sippe;
Myosoton und Stellaria lieben es hochspezifisch, füttern genetisch identische Pilze jedoch;
Silene dioica[17] hingegen lässt sich von mehreren Gruppen besiedeln.
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Noch lassen nur Sequenzdifferenzen sich finden,
Um daraus mitsamt dem Wirt eigenständige Sippen zu folgern.
Sie leben jedoch, von evolutiven Mechanismen gepackt,
In Zeiten des Umbruchs hin zur eigenen Art.SL
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Fußnoten
[1] Microbotryum violaceum: Violetter Antherenbrand (Microbotryales – Microbotryomycetes – Pucciniomycotina – Basidiomycota – Dikarya –…)
[2] Teliospore: Eine dickwandige Dauerspore als Verbreitungseinheit, die zumindest anfangs ein Dikaryon enthält
[3] Staubbeutel, Anthere: Oberer, verdickter, vergrößerter Teil des Staubblatts einer Blüte; sitzt auf dem Staubfaden und enthält die Pollensäcke, in denen der Blütenstaub für die sexuelle Fortpflanzung reift
[4] Nelkengewächse: Caryophyllaceae (Caryophyllineae – Caryophyllales – Sperasteridae – Eudicotyle – Dicotyle –…)
[5] Evolution: Stammesgeschichtliche Entwicklung von niederen zu weiterentwickelten (zu oft höheren) Formen des Lebendigen
[6] Blütenstaub, Pollen: Mehlartige oder verklebte Masse von haploiden Pollenkörnern in Staubblättern von Samenpflanzen.
[7] Anthere, Staubbeutel: Oberer, verdickter, vergrößerter Teil des Staubblatts einer Blüte; sitzt auf dem Staubfaden und enthält die Pollensäcke, in denen der Blütenstaub für die sexuelle Fortpflanzung reift
[8] Cluster: Ansammlung oder Gruppe von ähnlichen Genotypen oder Taxa, die verwandtschaftlich eng beieinanderliegen
[9] Wirt (Parasiten, Symbionten): Opfer eines Parasiten, Partner eines Symbionten
[10] Nelken: Dianthus spp. (Caryophyllaceae – Caryophyllineae – Caryophyllales – Sperasteridae – Eudicotyle –…)
[11] Lichtnelken: Silene spp. (Caryophyllaceae – Caryophyllineae – Caryophyllales – Sperasteridae – Eudicotyle –…)
[12] Sternmieren: Stellaria spp. (Caryophyllaceae – Caryophyllineae – Caryophyllales – Sperasteridae – Eudicotyle –…)
[13] Wasserdarm: Myosoton spp. (Caryophyllaceae – Caryophyllineae – Caryophyllales – Sperasteridae – Eudicotyle –…)
[14] Seifenkraut: Saponaria spp. (Caryophyllaceae – Caryophyllineae – Caryophyllales – Sperasteridae – Eudicotyle –…)
[15] Teliospore: Eine dickwandige Dauerspore als Verbreitungseinheit, die zumindest anfangs ein Dikaryon enthält
[16] Einnischen: Ein Organismus, der sich allmählich in einer neuen ökologischen Nische ausbreitet
[17] Silene dioica: Zweihäusige Lichtnelke (Caryophyllaceae – Caryophyllineae – Caryophyllales – Sperasteridae – Eudicotyle –…)
SL
Begerow D, Göker M, Lutz M, Stoll M (2004) On the evolution of
smut fungi on their hosts. In
Agerer R, Piepenbring M,
Blanz P (eds) Frontiers in Basidiomycote mycology, IHW Eching,
pp. 81-98
Eingestellt am 24. Oktober 2026

Oben: Microbotryum violaceum s.l. auf Silene latifolia (Reinhard Agerer; Original)
Unten: Microbotryum violaceum s.l. auf Silene acaulis ssp. longiscapa (Reinhard Agerer; Original)
Eingestellt am 24. Oktober 2026

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„Fig. 7: Tanglegramm aus ITS-Phylogenien erhalten durch …. Analyse von Microbotryum-Arten (rechte Seite) und ihrer Caryphyllaceen-Wirte (linke Seite….). Die Ergebnisse sind vorläufig, weil sie auf mehr oder weniger willkürlich gezogenen Artgrenzen basieren (Brandpilz DNA-Sequenzen sind auf eine Aufsammlung je geschätzter Art beschränkt). Horizontale und diagonale Linien zeigen Wirt-Parasit-Beziehungen, Sterne deuten künstlich verdoppelte Parasiten … an, um … Analysen zu erlauben, wenn eine Art mehrere Wirte infiziert. Farben zeigen die geographische Herkunft. D. = Dianthus. S. = Silene, Sap. = Saponaria.“ (Aus dem Englischen übersetzt von Reinhard Agerer)
Aus Begerow et al. (2004); Erlaubnis angefragt
Eingestellt am 24. Oktober 2026
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Endpunkt erreicht!
