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Peltigeraceae, Schildflechten
1 Riesig (TP)
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Wer denkt schon an Flechten, wenn blaugrüne Blätter mit welligen Rändern
Am schattigen Abhang des Waldes, am Stammfuß der Bäume,
Wie hingeworfen auf Moosen[1] sanft liegen?
Fremdartig wirken sie, lenken die Blicke nach oben;
Kehren leicht zweifelnd wieder zurück,
Denn nichts, was den Gefallenen ähnelt, hängt oben im Baum.
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Liegen weich und elastisch, nicht knisternd zerbrechend,
Wenn du sie hebst, in der Hand,
Mit zottiger unterer Seite, auch mit Leisten und Netzen versehen,
Halten sie mit, wie gebündelt wirkenden Fäden[2], einige Moospflänzchen fest.
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Wie vertrocknet erscheinen manche der Ränder
Oder, dies ist im Wald hier sicher nicht möglich,
Mit brauner Farbe, wie zum Spaß am Rand mit halbrunden Flecken verziert.
Nein, glänzende, verbräunte Blätter einer Blume am Boden,
Festgeklebt am welligen Außen,
Belegen sein angetrocknetes Grün.
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Nichts davon!
Du magst es drehen und wenden, so wie du willst,
Es bleibt ein Stück des welligen Blattes,
Oft wie zum Sattel erhoben;
Nur ein Käfer reitet darauf,
Was hat er hier denn verloren?
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Vielleicht wundert auch er sich über den Fall.
Bekrabbelt, beriecht, verlässt dann unverrichteter Dinge den Ort;
Macht nichts!
Wie viele Wunder hat er im Leben nicht schon gesehen!
Was hülfe ihm auch, wenn jemand Hundsflechte[3] sagte?
Danach roch sie jedenfalls nicht!
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Fußnoten
[1] Moose: Thallophyta, Musci (Embryophyta – Streptophyta – Plantae – Eukarya)
[2] Rhizine: Wurzelähnliche Struktur aus mehreren Hyphen an der Basis einiger Flechten, die dazu dienen, sie ans Substrat zu binden
[3] Hundsflechte: Peltigera canina (Peltigeracee – Peltigerales – Lecanoromycetes – Apothecienascomycota – Unitunicate Ascomycota –…)
Eingestellt am 24. Oktober 2026

Peltigera canina, Hundsflechte
Autor: Gunnar Creutz
Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license
Eingestellt am 24. Oktober 2026
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Peltigerales, Schildflechten
2 Randständig (TP)
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Fast wie ein Handteller[1] groß,
Wie ein Daumennagel am Rande die Sättel[2]:
Genügend Platz bietet die Fläche für
Tausende Asci und achtmal mehr Sporen.
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Seltsam, wie unfertig wirkt dieses Blatts Apothecium,
Ohne Wulst als Begrenzung, nur einfach so
Als wär‘s der Mühe nicht wert,
Ihm eine Umrandung, eine Hülle
Zur Wandung erhoben, zu geben;
Dies aber brächte der riesigen Apothecienfläche sicherlich nichts.
Nur ganz am Rand könnte vielleicht sie etwas bewirken.
Ist dafür der Aufwand nicht viel zu groß?
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Sparsam – wozu auch die Mühe,
Lebt sie nicht ohnehin in feuchtem Revier? –
Baut des Thallus[3] Begrenzung nach unten
Ohne festschließende Ränder, nur Hyphen in dichtem Verbund
Vereinen sich zu Rhizinen[4]; saugen am Grund,
Leiten nach innen, zu Nostoc[5], was sie finden im feuchten Milieu.
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Nur wenige Schildflechten, oft auch allgemein Hundsflechten genannt,
Vermehren sich als Flechte im Doppel;
Meist jene mit Apothecien von Seltenheitswert zieren
Ausnahmsweise bewarzen Isidien[9] die Fläche.
Vielleicht war der Käfer[10] doch hinter dem Richtigen her.
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Manchen scheint sexuelle Vermehrung[11] kaum nötig,
Lassen den Aufwand Apothecien zu bilden.
Wozu auch, denn Sporen, wenn auch nur selten der Luft übergeben,
Finden Nostoc, wenn feucht genug nur die Gegend, fast überall.
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Fußnoten
[1] Der Thallus
[2] Apothecien
[3] Flechtenthallus: Algenumgebendes Hyphengeflecht unterschiedlichster Formen, auf/in dem die Fruchtkörper der Flechte (des Pilzes) entstehen
[4] Rhizine: Wurzelähnliche Struktur aus mehreren Hyphen an der Basis einiger Flechten, die dazu dienen, sie ans Substrat zu binden
[5] Nostoc: Gallertkugel (Cyanobacteria – Bacteria)
[6] Sorale: Bildungsort der Soredien
[7] Bortensorale: Sorale direkt an Kanten oder Rändern des Thallus
[8] Soredien: Winzige, mehlige oder körnige Päckchen aus Algenzellen und Pilzfäden, die der ungeschlechtlichen Vermehrung von Flechten dienen
[9] Isidien: Kleine, berindete, meist stiftförmige Auswüchse auf der Oberfläche von Flechten, die der ungeschlechtlichen Fortpflanzung dienen
[10] Käfer: Coleoptera (Neuropteroidea – Neuromecoptera – Holometabola – Neoptera – Pterygota –…)
[11] Geschlechtliche, sexuelle Fortpflanzung: Dafür sind drei Vorgänge miteinander gekoppelt, Meiose (abgekürzt mit R!), Plasmogamie (Zellen vereinen sich, abgekürzt mit P!) und Karyogamie (Kerne verschmelzen, abgekürzt mit K!), wobei P! und K!, mit Ausnahme bei Dikarya, unmittelbar aufeinander folgen. Bei Dikarya (Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi – Opisthokonta – Eukarya) sind beide Vorgänge unterschiedlich lang (weit) voneinander getrennt. Da bei Animalia und Plantae P! und K! unmittelbar aufeinander folgen, werden beide Vorgänge häufig zu Befruchtung (B!) zusammengefasst.
Eingestellt am 24. Oktober 2026
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Peltigerales, Schildflechten
3 Wagemutige und Umsichtige (TP)
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Wer hat schon den Mumm, was Neues zu wagen,
Der Blaualgen[1] Leistung, deren Zug hin
zum Nass,
Hin zu der Grünalgen[2] besseren Nutzung des Lichts,
Doch geringerer Kraft Wasser zu speichern zum Tausch?
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Peltigera[3] ging diesen Schritt, freilich mit wenig Erfolg.
Auch wenn ihr Thallus voll des freudigen Grüns,
Nimmt sie Cyanobakterien zur Garantie dennoch in Pflicht;
Schon des Stickstoffs wegen, den aus der Luft souverän sie binden;
Gewähren Nostoc[4] einen kleinen, aber ausreichenden Raum:
Er nimmt bescheiden das Angebot wahr.
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Am Bauch oder Rücken,
An dem ein oder anderen Ort je nach Art,
Vom Boden herkommend, vom Wind überbracht,
Greift Peltigera mit Hyphen zupackend aus,
Umgarnt den hochwillkommenen Gast,
Gibt ihm Quartier und Wasser dazu,
Separiert von den Grünen[5], im eigenen Haus:
Auf dem Thallus als Warze, als Hügel, als Köpfchen zu seh’n.
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Der Sticksoff ist’s, was Peltigera von Nostoc nicht endgültig trennt.
Das Zubrot ist nötig und gerne geseh’n,
Um weiter an stickstoffarmen Orten zu leben.
Mit Grünalgen allein zu wirtschaften, ginge wohl prächtig am Leben vorbei.
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Fußnoten
[1] Blaualgen: Cyanobacteria (Bacteria)
[2] Grünalgen i.e.S.: Chlorophyceae (Chlorophyta – Plantae – Eukarya)
[3] Peltigera spp.: Schildflechten (Peltigeraceae – Peltigerales – Lecanoromycetes – Apothecienascomycota – Unitunicate Ascomycota –…)
[4] Nostoc: Gallertkugel (Cyanobacteria – Bacteria)
[5] Grünalgen
Eingestellt am 24. Oktober 2026

Rechts oben: Peltigera leucophlebia; Adrige Apfelflechte
Habitus einer Art mit Grünalgen im Thallus und Blaualgen in Cephalodien
Autor: Bernd Haynold
Lizenz: GNU Free Documentation License; unverändert
Links oben: Peltigera aphthosa, Warzige Apfelflechte; Aufsicht auf Thallus mit Cephalodien (Original; Reinhard Agerer)
Links Mitte: Peltigera aphthosa, Warzige Apfelflechte
Längsschnitt durch ein Cephalodium (Original; Reinhard Agerer)
Links unten: Peltigera aphthosa; Warzige Apfelflechte
Schnitt durch Thallus mit Grünalgen (Original; Reinhard Agerer)
Rechts unten: Peltigera malacea; Gedunsene Schildflechte
Habitus einer Art mit Blaualgen im Thallus
Autor: Jason Hollinger (jason) at Mushroom Observer
Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license; unverändert
Eingestellt am 24. Oktober 2026

Peltigera aphtosa, Warzige Apfelflechte
Links in frischem Zustand, rechts ausgetrocknet; Cephalodien als dunkle Punkte auf dem Thallus
Autor: OhWeh
Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.5 Generic license; unverändert
Eingestellt am 24. Oktober 2026

Der Ascusscheitel der Peltigerales, verdickt, wie bei allen austrocknungsresistenten Lecanoromycetes, weist familienabhängig unterschiedliche Strukturen auf.
Peltigeraceae zeigen über weite Bereiche des Ascus eine zweischichtige Wand; in der inneren, dickeren Schicht umgibt ein zweigeteilter, kleiner amyloider Apikalapparat den Porus, wobei der obere Teil nur leicht, der untere deutlich amyloid ist. Collemataceae bilden außen eine einheitlich dünne Zellwand, dafür im Scheitel eine Kappe mit deutlich amyloidem Apikalapparat, der im Inneren einen großen, Porus vorbildet; umgeben ist diese Struktur von einer leicht amyloiden Substanz.
Nach Rambold & Triebel (1994), Fig. 19 g, Seite 58
Eingestellt am 24. Oktober 2026
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Endpunkt erreicht!
