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Rhytismatales, Teerfleckenpilzverwandte
1 Geschwärzt (AP)
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Wer Winddurchwehtes, Dünnes, besiedelt,
Sorgt so zügig wie möglich für alle Notfälle vor:
Rafft, begrenzt ist Hyphen zu bilden, die Zeit,
Vieles zusammen an einem günstig gelegenen Ort.
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Sobald er die nötige Masse bekommen,
Schließt er die angesammelten Schätze,
So als wollte jemand sie ihm entführen,
Mit dunkler, unverwüstlicher Kruste umgehend, ein.
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Fallen gekaperte Blätter im Herbst zu Boden,
Oder firmiert er selbst als des Abfallens Grund,
Bleibt er, sein Schäfchen weiß er im Trocknen,
Bis zum Frühjahr, Kälte erhoffend, in Ruh.
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Lange bevor er nach außen das Innere kehrt,
Sich öffnend, die Kruste zerreißt,
Regt sich in Innern konidienformendes[1] Leben;
Als Spermatien[2] sind sie aber gedacht.
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Vom Winde dem Partner gegeben,
Beginnt das geschlechtliche Leben[3].
Asci, in allmählich sich bildender Höhle geformt,
Warten, wenn reif die Sporen, auf der Bedeckung öffnenden Bruch.
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Gerade zur passenden Zeit!
Wenn zart noch das Grün umgebender Bäume,
Schießen sie weit durch elastischen Ring[4]
Der Sporen fliegende Menge mit osmotischer[5] Kraft.
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Von unten nach oben – o wie klug! –
Richtet sich die schnelle Bewegung,
Den unteren Seiten der Blätter entgegen und
Landen oft nahe der Poren[6] im Flug.
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Leicht finden sie, funktionieren ihre Sensoren,
Mit Hyphen der Gase[7] Gradienten erspürend,
Der Blätter Achillesfersen im Nu:
Dringen, auch wenn die Zellwände dick,
Breiten sich aus, bevor sich’s das Opfer versieht.
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Fußnoten
[1] Konidie: Asexuell und nach außen gebildete Verbreitungseinheit, die mit einer Hyphe oder hefeartig keimt
[2] Spermatien: Unbegeißelte männliche Fortpflanzungszellen (Gameten, bei Rhodophyta, bei manchen Pezizomycotina und Pucciniomycetes);
[3] Sexuelle, geschlechtliche Fortpflanzung: Dafür sind drei Vorgänge miteinander gekoppelt, Meiose (abgekürzt mit R!), Plasmogamie (Zellen vereinen sich, abgekürzt mit P!) und Karyogamie (Kerne verschmelzen, abgekürzt mit K!) verbunden, wobei P! und K!, mit Ausnahme bei Dikarya, unmittelbar aufeinander folgen. Bei Dikarya (Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi – Opisthokonta – Eukarya) sind beide Vorgänge unterschiedlich lang (weit) voneinander getrennt. Da bei Animalia und Plantae P! und K! unmittelbar aufeinander folgen, werden beide Vorgänge häufig zu Befruchtung (B!) zusammengefasst
[4] Apikalapparat (Pezizomycotina): Vorrichtung der Ascusspitze, um die Sporen zu befreien
[5] Osmostress (Osmose): Osmose ist die Diffusion eines Lösungsmittels (z. B. Wasser) durch eine für eine bestimmte Substanz nur in einer Richtung durchlässige Membran. Ziel der Diffusion des Wassers ist es, einen Konzentrationsausgleich zwischen den beiden durch die Membran getrennten Räume zu erreichen. Ist z. B. die Salzkonzentration oder Zucker-Konzentration innerhalb einer Zelle höher als außen, so wird so lange Wasser in die Zelle aufgenommen, bis es zu einem Konzentrationsausgleich kommt. Ist die Konzentration innerhalb der Zelle niedriger, so wird Wasser nach außen entweichen. Als Folge würde sich im ersten Fall die Zelle ständig vergrößern, bis sie unter Umständen sogar platzt, im zweiten Fall würde sie kollabieren. Zumindest das Zerplatzen infolge Osmosestresses kann durch eine widerstanderzeugende Zellwand verhindert werden.
[6] Spaltöffnungen (Pflanzen): Spaltförmige Öffnungen in der Epidermis des Blatts/Stengels zum Gasaustausch (O2, CO2) und zur Abgabe von Wasser (Transpiration)
[7] Sauerstoff
[8] Spaltöffnungen
[9] Blattparenchym: Dünnwandiges, zur Fotosynthese fähiges echtes Gewebe; unterteilt in Palisadenparenchym und Schwammparenchym
Eingestellt am 24. Oktober 2026
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Rhytismatales, Teerfleckenpilzartige
2 Geteert (AP)
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Tiefschwarze Flecken, wie von Bitumen[1] betropft,
Verunzieren, auch wenn sie längst schon gestorben und braun,
Der Ahornblätter[2] bizarre Gestalt;
Liegen durchfeuchtet zu Schichten am Boden vereint.
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Gerade zur Zeit, wenn der Ahornbaum Jungblätter treibt,
Erhält der Teerfleck ein Runzelgesicht:
Kurze, lange, unregelmäßig gebogene, ineinandergreifende Linien
Wölben sich aus der Ebne empor,
Reißen am Rücken nach und nach auf.
Schleim quillt anfangs daraus hervor,
Bis, ungeduldig warten sie längst,
Der Asci Köpfe in Menge die offene Rille befüllt.
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Plötzlich schwebt eine Wolke empor,
Verdünnt sich, verschwindet je höher sie fliegt,
Zurück bleibt, runzlig durchfurcht,
Ein schwarzes, liniendurchzog‘nes Gesicht.
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Wie auf Kommando schossen alle Asci auf einmal die
Sporen, schlank, Miniwurzeln fast gleich,
Mit schleimiger Hülle am vorderen Ende dicker belegt:
Den Blättern entgegen trieb sie der Wind.
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Kleben fest mit verquollenem Mantel[3]
An triebfrischen, zartgrünen, unteren Seiten der Blätter;
Manche, vom Glück ein bisschen verwöhnt,
Fanden sich nahe dem Innern, beim offenen Spalt[4].
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Umtriebige Hyphen streben der oberen Grenze entgegen,
Verdichten, des Blatts Außengrenze[7] der Mitte nach sprengend,
Zum flachen, kompakten Geflecht.
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Formen nach oben zu winzige Höhlen mit Ausgang ins Freie,
Schicken Minikonidien[8] durch diese Pforten,
Lassen die Minis von tropfendem Regen verspritzen
– Nehmen vielleicht auch mit andern Vehikeln vorlieb –
Um, wenn sie auf anderer Blätter Polster, nahe der Höhlungen, landen,
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So stellen Experten die Rolle dieser Konidien sich vor:
Als Spermatien[11], denn ein Keimungsversuch gelang bisher nicht.
Doch auch Rhytisma[12] ist ihrer Spermatien sich gar nicht so sicher:
Sie führt, um der Asci Bildung zu sichern,
Kerne der Trichogyne[13] nach unten zum Paaren
Ins Ascogon[14] wieder zurück.
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Hat sich Rhytisma zum Teerfleck gewandelt,
Im Innern alles fürs Frühjahr gerichtet,
Lässt sie, gesprenkelt hängen so manche der Blätter,
Alles was komme, mit sich gescheh’n. –
Nur Kälte muss sie erfahren, um mit Sporen des
Ahorns neu erscheinende Blätter zur rechten Zeit zu besä’n. –
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Fußnoten
[1] Bitumen: Dunkelfarbiges, zähflüssiges bis festes Erdölprodukt, hauptsächlich aus hochmolekularen Kohlenwasserstoffen bestehend
[2] Ahorn: Acer spp. (Acereae – Hippocastanoideae – Sapindaceae – Sapindales – Malvanae –…)
[3] Zellwand
[4] Spaltöffnungen (Pflanzen): Spaltförmige Öffnungen in der Epidermis des Blatts/Stengels zum Gasaustausch (O2, CO2) und zur Abgabe von Wasser (Transpiration)
[5] Epidermis (Plantae): Äußerste, einzelllagige Schicht von Blättern, Stengeln und Blütenorganen; bei Wurzeln wird sie Rhizodermis genannt
[6] Palisadenparenchym: Befindet sich direkt unter der oberen Blattepidermis und besteht aus langgestreckten, zylindrischen, chloroplastenreichen Zellen, die senkrecht zur Blattoberfläche stehen, mit Hauptaufgabe maximale Lichtabsorption und Fotosynthese zu ermöglichen
[7] Epidermis
[8] Konidie: Asexuell und nach außen gebildete Verbreitungseinheit, die mit einer Hyphe oder hefeartig keimt
[9] Zellkern
[10] Empfängnishyphen (Pezizomycotina, Pucciniomycotina): Treten bei Pezizomycotina oft an die Stelle von Trichogynen, ragen dabei weit über die Oberfläche hinaus, besitzen dann kein typisches Ascogon, oder es fehlt von vorneherein (Pucciniomycotina); sind in der Lage, in ihrer Basis mit dem vom Spermatium eingespeisten männlichen Kern ein Dikaryon zu bilden
[11] Spermatien: Unbegeißelte männliche Fortpflanzungszellen (Gameten, bei Rhodophyta, bei manchen Pezizomycotina und Pucciniomycetes)
[12] Rhytisma acerinum: Ahorn-Runzelschorf, Erreger der Teerfleckenkrankheit (Rhytismataceae; nicht separat behandelt – Rhytismatales – Leotiomycetes – Apothecienascomycota – Unitunicae Ascomycota –…)
[13] Trichogyne: Fortsatz des weiblichen Geschlechtsorgans bei Rhodophyta, Coleochaetophyceae, Charophyceae und Pezizomycotina
[14]Ascogon: Ein meist bauchiges, vielkerniges weibliches Gametangium, das mit einem Fortsatz dem männlichen Gametangium es erleichtert, es zu umschlingen, um an einer Stelle die trennenden Zellwände für Plasmogamie aufzulösen
Eingestellt am 24. Oktober 2026

Rhytisma acerinum auf Bergahorn (Acer pseudoplatanus); (Originale; Reinhard Agerer)
Oben: Befallene Blätter mit Teerflecken am Baum
Unten: Aufgebrochener Teerfleck (Sklerotium) mit Apothecien (Pseudothecien)
Eingestellt am 24. Oktober 2026
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Rhytismatales, Teerfleckenpilzartige
3 Schütter (AP)
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Licht und schütter benadelt, steh’n die Kiefern[1] vereint!
Ein braunes, dichtnadeliges Polster
Liegt rund um die Stämme dafür
Als wollten sie vieles verhüllen,
Was einst, oben noch stehend,
Der Schönheit wegen, von allen geliebt.
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Ums Leben gebracht, liegen verbräunt sie darnieder.
Tragen schwärzliche Flecken, wirken oftmals gesprenkelt!
Wer räumt den Polster denn weg?
Wer bändigt der neuen Nadeln Gefahr?
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Im Sommer erst steh’n die Schmarotzer[2],[3] bereit,
Dunkle Tarnkappen öffnend,
Ohne wirklich zu zielen!
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Ein enger Schlitz, grünlich schimmernd, genügt,
Den Asci Freiraum zu geben,
Nadelartige Sporen hochzukatapultieren.
Doch, vielleicht wegen der Ferne der oberen Zweige,
Oder der Wehrkraft älterer Bäume,
Bleiben höher hängende Nadeln oftmals verschont.
Jüngere Bäume, noch keine zehn Sommer in ihren Stämmen,
Leiden erheblich unter des Pilzes Beschuss.
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Nur mit grünlichem Hauch das Hymenium[6] Zierende
Verhalten sich hochaggressiv!
Ähnliche Arten, oft mit rötlicher Mündung,
Nehmen nur, was ohnehin altersschwach und bald die Zweige verlässt.
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Fußnoten
[1] Waldkiefer: Pinus sylvestris (Pinineae – Pinales – Conifera – Coniferopsida – Spermatophytina -…)
[2] Schmarotzer, Parasit: Ein Organismus lebt auf Kosten eines anderen
[3] Lophodermium seditiosum: Erreger der Kiefernschütte (Rhytismataceae; nicht separat behandelt – Rhytismatales – Leotiomycetes – Apothecienascomycota – Unitunicate Ascomycota –…)
[4] Ascosporen
[5] Baumkronen
[6] Hymenium (Fungi): geschlossene Schicht von Asci oder Basidien mit, falls vorhanden, dazwischenstehenden sterilen Elementen, Paraphysen (Ascomycotina) oder Cystiden (Agaricomycotina)
Eingestellt am 24. Oktober 2026

Links: Lophodermiun seditiosum, Erreger der Kiefernschütte
Autor: Joseph O'Brien, USDA Forest Service
Lizenz: Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung 3.0 Vereinigte Staaten“ lizenziert, unverändert
Rechts oben, Block: Kiefernschütte: Befall der Nadeln
(Eigenem Vorlesungsmanuskript entnommen; Originalquelle unbekannt)
Rechts unten: Lophodermium aucupariae an Sorbus aucuparia
Autor: Mushroom Observer
Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license; unverändert
Eingestellt am 24. Oktober 2026
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Endpunkt erreicht!
